Ausgabe 
12.3.1907 Erstes Blatt
 
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kein gewöhnlicher Verbrecher, vielmehr habe er des Volkes den Ministerpräsidenten

aber trotzdem kein

** In» alten Schloß gab es heute vormittag eine kleine Aufregung. In einem der zum Absteigquartier S. K. H. des Großherzogs ausersehenen Räume, an deren Einrichtung z. Zt. gearbeitet wird, war eine Nohcdecke in Brand geraten und dec aus dem Fenster dringende Rauch ließ ein größeres Feuer vermuten. Erfreulicheriveise gelang es alsbald, die Flammen zu löschen, sodaß kein Schaden entstanden ist.

** Mainzer Beigeordnete. S. K. H. der Groß­herzog haben der Wahl des Gerichtsassessors Emil Ang. Christ. Berndt in Mainz zum besoldeten Beigeordneten der Provin- zialhauptstadt Mainz die Bestätigung erteilt.

**'($ i n e etwas verfrühte Badesaison eröffneten einige fünfjährige Jungen eines benachbarten Dorfes an einem schönen Tage in der vergangenen Woche im Dorfteiche. Die erschreckten Eltern sorgten daheim für gehörige Frottierung,Massie- rung und Abreibung der badelustigen L>prößlinge. Weitere Nach­teile hat die verfrühte Badekur nicht int Gefolge gehabt.

(:) Ettings hau, en, 11. März. Mll dem un Früh­jahr beginnenden Bahnbau Lich-Grünberg soll auch die Feldbereinigung in den betreffenden Gemarkungen Rieder-Bessingen, O b e r - B e s s t n g e n, M ü n st e r, Ettingshausen und Q u e ck b o r n zurAusführung kommen. Im hiesigen Rathause fand deshalb unter dem Vorsitz des Kreisamtmanns Dr. Merck eine Versam m lung dec Bürger­meister und Landwirte aus den beteiligten Gemeinden statt. Feldbereinigungskommiffar Schuittspahn hielt einen Vortrag. Bei der Submission des Bauholzes wurden hohe Preise erzielt: Buchenstämme kosteten 19 bis 20,25 Mk., Kiefern 14 bis 31,50 Mk., Eichen 12 bis 34,50 Mk., Fichten 21 bis 28,50 Mk. Im nahen Harbach hing sich ein Knabe an einen Mustcrungswagen, siel herunter und wurde vom zweiten Wagen überfahren. Die Verletzungen sind zum Glück leicht.

0 Aus dem Kreise Friedberg, 11. März. Für unseren Kreis sind seit kurzem zwei Schulärzte vom j Kreistag bestimmt Horden, die die Kinder der Volksschulen

H.n Politiker Mord.

Am Montag abend erhielten wir folgendes Telegramm:

Sofia, 11. März. Ministerpräsident Petkow wurde sermordet.

von Zeit zu Zeit untersuchen. Der südliche Bezirk wurde dem Kreisarzt Tr. Rebel, der nördliche Dr. KuUrnann-Butz. bach übertragen. Auf Anregung des KreiscatS Fey wurde in Klein-Karben der crite Gartenbau- und Blu­me n sch in u ck v e r e i n im Kreise Friedberg gegründet, dem 45 9)(itqhcber beitraten.

R. V. D a r m ft a d t, 11. März. Als letzter Fall kam heute vor dem Schwurgericht die Anklage gegen den Dienfttnecht PH. Schmitt von Flensungen in Oberhesscn wegen Vergehens gegen den § 176 Pos. 2 St.-G.-B. zur Verhandlung. Der An- geliagte hatte ein Liebesverhältnis mit einer Geisteskranken unterhalten, das nicht ohne Folgen blieb. In der unter Aus­schluß der Ocsfentlichkeit vor sich gehenden Verhandlung wurde der Angeklagte für schuldig erklärt und unter Zubilligung nmbernber Umstände zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt.

Seligenstadt, 10. März. Ein blutiges Familien« d r a m a ereignete sich in der Behausung des Gemüsehändlers Adam L i n k. Der 27jährige Sohn Michael drang in die väter­liche Behausung ein uno versetzte seiner Stiefmutter mit einem vuckbeile mehrere wuchtige Hiebe auf Kopf und Sajutter. Tie resolute Frau aber ergriff sofort eine Hotzaxt und Ümltcie damit dem Stiefsohn den Schädel. Btucüber- strömt brach der Schwerverletzte auf der Straße zusammen, wo­rauf ihn die Gendarmerie mittelst eines Fuhrwerks aus Frosch­hausen nach dem Kreis-Krankenhaus brachte. Sein Zustanü ist ii. d.Off. Ztg." in hohem Grade bedenklich; aber auch die Stref- mutter mußte alsbald ärztlichen Beistand anrusen.

Frankfurt a. Rt., 12. Marz. Heute mittag fand im slädt. Krc.nlenhaus die Vernehmung der bei dem Groß- Kar b e n e r E l s e n b a h n - U n g l ü Ä am 28. Januar schwer verletzten Lokomotivführer Pappert und Galltno durch den Untersuchungsrichter statt. Beide haben von der Eisenbahn-Direktion namhafte Belohnungen für ihr umsichtiges Verhalten erhalten. Pappert ließ die Schuellbremse wirken und gab Koutcedampf, Gallino bremste, daß die Funken sprühten, mit der Tenderbremse. So wurde der Anprall ivesentlich adgeschwächt, sonst wäre der Zusammenstoß von weit schlimmeren Folgen begleitet gewesen. Immerhin haben sich nachträglich noch zwölf Personen des verunglückten Schnellzuges gemeldet, die an ihrer Gesundheit angeblich Schaden gelitten haben und Ersatzansprüche geltend machen.

** Kleine Mitteilungen ans Hessen und den N a ch b a r sl a a t e n. In Z e l l i. O. starb einer der ältesten Bei­geordneten des Landes, der 84 Jahre alt« iveorg Flechjenhaar 11L - Bürgermeister Jot). Philipp» in H ö ck e r s ö o r i ist als Orlsgcrichlsvorsleher und Standesbeamter uerpfltclstel worden.

Kandel.

Deutschs Reichsbank. Die erste Märzwoche brachte normalen Rücksuß. Tas Wechselporteieuille zeigte eine weitere Annahme um 6,76 Mill. Ai. gegen 8,76 Mill. 2)11. 43. Lombardan« linicbe haben nachgelassen. Bon den in der letzten Februarwoche gestellten Ansprüche, die sich aus 62.62 MiU. M. beliefen, sind schon iüieber 48.18 Mill. Ai. zurückgezahlt. Ter Bestand anReichsschatz- schemen hat sich um 10,33 Mill. Mk. erhöht. In der vorjährigen Paralellwoche war er um 12.28 Mill. Mk. zurnckgegangen. Ter Aiettallbesiand hat um 3.35 Mill. Mk. abgenommen. An Depositen Der Bank 20.31 Mill. Alk. zu. Tie Sieuersreie Norenreserve erböht sich von 103,45 Mill. Mk. ans 127.75 Mill. Mk^ also um 24.80 Mill. Aiart. In der vorjährigen Paralellwoche war sie um 18.80 Mill. Mark am 244.64 Mill. M. gestiegen. Tie Quinlessens aller Aus- jührnngen aber ist, daß der Präsident Dr. Koch in der Zentral- ausschilßsitzinig die Erklärung abgab, daß bei der weiteren starken Anspaminng und bei den großen Anlagen vorerst an eine DiS- konterlnäßigimg nicht zii denken sei.

Des Deutschen Reiches Geldbedarf. Der Reichs^ schatzsekrelär hat einen Berichterstatter zu dem int EtatSuotgeietz gewiderten Anleihenkredit von 200 Mill. M. erklärt, es sei noch incht entschieden, ob eine Begebung von Cchatzanweisungen oder eme reguläre Anleihe zu erwarten sei. Es sei nicht ausgeichlosjen, Dqb die Begebung sich noch weiter hlnauszieht, loenn der Geld- mar lt noch seiner seme gegenivärtige Anspannung bewahrt. Frech, v. Stengel erklärte auch aus die Frage, ob vielleicht der 4proj«

Arbeiterbewegung.

Der Lohnkamps im Berliner Schneiderge­werbe droht ans das g a n z e R e i ch überzuspruigen. Dies geht ans einem Beschluß der m München versammelt gewesenen Tete' airten des Arbeitgeber-VerbandeS für das Schneidergewerbe Deulfch- lands hervor. Rach langen Beratungen wurde dort sestgelegt, daß n 35 deutschen Städten, wo eine Lohnbewegung der Schneider besteht den Arbeiliiehmem ein Taris vorgelegt werden soll, dessen Anerkennung bis nächsten Donnerstag verlangt wird. Geschieht dies nicht, so soll in jenen 35 Städten die GeneralauSsper- rnng am nächsten Samstag ersolgen.

im Namen erschos s en.

Ans Stadt nn- Land.

Gießen, den 12. März.

** Ordensverleihung. S. K. H. der Großherzog haben dec SVruiiiciipiiegeriii oes Alice-Frauenv'ereins für srranten- Pflcge im Großherzogtum Hessen, Schwester Margarethe Breu- n i g, zurzeit Öberpsiegccin im Alicehospital zu Darmftabt, das Sichcrne Dienftauszeichuungskceuz für Kcankenpslege verliehen.

* * V o ui Rachwinle r. Aus dem sudtichen Vogels­berg wird uns geschrieben:

Einzelne Straßen sind wieder dilrch Schnee verweht. Die Schlitten treten wieder in Tätigkeit. Im Oberin al ö betragt die Schneehöhe in den obersten Distrikten ziemlich em Meter. Seit einer ganzen Reihe uon Jahren Hal fein Wuuer soviel Schnee gebracht. Die Wintersaat, voinehtnllch Korn, Hal bereits b e l r a ch t l i ch e n S ch a d e n genommen. Die Vögel leiden viel ytoi, Raben, Elstern, ^ccher, Spechte, re. kommen wieder bis in die Orte.

Achntiche Meldungen liegen uns heute auch aus änderen Gegenden vor, namentlich au5 Tirol, wo Lavmcn- und Fels­stürze viel Schaden verlirsachten und mehrere Eisenbahnen tvegen der Schiieemassen nicht verkehren können, sowie aus dem mittleren und südlichen Frankreich.

* Zigarcen - Industrie. Die Interessenten dec Ta- bakindusliie seien auf die neuen Bestimmungen des Bundes­rats hingewiesen, die neue Vorschriften über die Eincichtiing und den Betrieb der Zigarrenfabriken enthalten. Es wird deshalb auf die Bekanlitmachung des Großh. Polizeiamts im heutigen Kreisblatt verwiesen.

* * Landes-Universität. Dec Privatdozent und Assistenzarzt an der medizinischen Klinik Dr. Ritter v. Tabora gibt seine Stelle auf, um nach Straßburg überzusiedeln.

* * Eine Bürgermcisler - Bersarnmlung für den Kreis Gießen findet am Donnerstag nachmittag 1 Uhr un Gasthaus zur Traube zu Hungen statt.

** St u n ft b e r e i n. Die gegenwärtige Ausstellung, worunter die interessante Kollektion Porträts des Malers Eharles Hocs- lall-Berliii n6; be,indet, kann leider nicht, lute vorgesehen war, bis zum nächsten Sonntag ausgestellt bleiben, da sämtliche Ge­mälde am Samstag zur Weitersendung gelangen müßen. Die Ausstellung ist daher nur noch Mittwoch (an diesem Tage auch itou) von 3 bis 5 Uhr nachmittags), Donnerstag und Freitag von 11 bis 1 Uhr geöffnet. Da ein vollständiger Wechsel der Gemälde ftattsiudet, können auch die Kolleitionen von Professor Hc ichert-Königsberg und Dora Horn-Karlsruhe nur noch bis Freitag ausgestellt bleiben.

** Das Kölner Burlesk en-Ensemble eröffnet sein auf drei Tage berechnetes Gastspiel heute im Neuen Saalbau mit dec BurleskeHusarensieber", worauf Interessenten aufmerk­sam gemacht seien.

Ausstandes der Arbeiter der Elektrizitätswerke zur Beratung. Jaurös hielt der Regierung vor, daß sie Trup­pen gegen die Ansständischen requiriert habe; solches Vorgehen 'ei nicht gerechlfertigt. Es stehe den Arbeitern frei, durch ein praktisches Beispiel zu beweisen, daß, wenn sie ihre Arme nicht regten, jeder Betrieb ftillstehen müsse. Die Sitzung wurde ziem­lich stürmisch, als Jaurös ausführte, daß, wenn die Re­gierung das Recht auf den Ausstand abspreche, die Arbeiter die Umwandlung dieser Betriebe auf sozialistischer Grundlage ver­langen würden.

Der Ministerpräsident Clemenceau führte aus: Ein Aus­land könnte seine Berechtigung haben, dürfe nicht auf Kosten der Außenstehenden geführt werden. Die Regierung habe die Sol­daten verwendet auf Grund des Anspruchs auf Selbsterhaltung, den die menschliche Gesellschaft hat; Pflicht der Regierung sei es, diesen Anspruch zu wahren. (Beifall in vielen Teilen des Hauses, Widerspruch bei den, Sozialisten.) Das, was Jaurös als Frei­heit bezeichne, sei die Vergewaltigung der ganzen menschlichen Gefells ch a f t durch einige Individuen. Alan dürfe die Arbeiter nicht zu S k l a o l h , aoer ebenso­wenig auch zu Tyrannen machen. Tie El-ktcizitälsarbester seien in den Ausstand getreten, ohne einen wahren Grund und hätten die anderen armen Arbeiter geschädigt. Tie Regierung habe seinen (Clemenceaus) Entschluß, die Gcuicsoloaten hecauzu- ziehen, einmütig gebilligt. (Beifall im ganzen Hause, ausgenom- men auf der äußersten Linken.)

Jaurös erwidert, er spreche für ein Recht der Arbeiter auf das Leben.

Biöetry greift den Sozialisten an, unterbrochen von hef­tigem Lärm auf der äußersten Linken, dessen der Vorsitzende nur mit Mühe Herr wird.

Jaurös schlägt folgende Tagesordnung vor: Die Deputier - tenkammer ist der Ueberzcuguug, daß das Zurückgreifen auf militärische Hülssarbeiter mit dem Zwecke, die ausständigen Ar­beiter der Elektrizitätswerke zu ersetzen, eine Beeinträchti­gung desStreikrechtes und ein M i ß b r a u ch d e r Ko m-. ni a n b o g e a 11 gegenüber den Soldaten ist und geht zur Tagesordnung über.

Der Vorrang für die Tagesordnung wird mit 418 gegen 50 Stimmen abgelehnt.

Präsident B c i s s o n stellt eine Tagesordnung zur Abstim­mung, die der Regierung das Vertrauen ausspricht. Diese Tagesordnung wird mit 378 gegen 68 Stimmen ange -- n o in m e n.

Heute liegen folgende Meldungen vor:

/ Sofia, 12. März. Der Mörder des Ministerpräsidenten Petkow, ein Beamter der Landwirtschaftlichen Bank in W.ddm snamens Petrow, verzankte sich vor einigen Tagen mit feinem Chef, prügelte ihn durch und wurde daraus entlassen. Am 11. März gegen 6 Uhr abcnbS drängte sich Petrow bei der Adlerbrücke zwischen die den Ministerpräsidenten begleitenden Gen­darmen und gab znerstl lauf Petkow zwei oder drei Schüsse ab, worauf er »Lus den Handelsmini ft er Genadjew schoß. Petkow stürzte sofort zusammen. Der ALörder ilüchtete, indem er weitere Schüsse abgab, in der Richtung nach der Stadt. In einem Bierhause wurde er von Gendarmen und Soldaten, die ihm nachsetzten, abgesaßt. Ec erklärte, er habe seit 20 Tagen den Gedanken getragen, den Ministerpräsidenten zu er­schießen. Er sei zwar weder Sozialist, noch Terrorist,

Vermi|d?t»e

* Raub und Hunger inoijuiii. Aus Süd-Schantung ist derKöln. Vocksztg." ein Berickst zugegangen, wonach infolge Räuberuuwesens seit einem Jahre in Tichautichoufu saft völlige Anarchie herrsche. Ganze Dörsec werden ausgeraubt. Wer sich zur Wehr setzt, ivird nied e c g es cho ssen oder lebendig verbrannt. Ungefähr dürsten 20000 Räuber jenen Bezirk unsicher machen. Zu befürchten steht, daß durch anhaltende Teuerung allgemeines Durcheinander entsteht. Im Süden an der Grenze Lchantungs herrscht traurige Hungersnot. Unter Vor­behalt erklärt der Geivährsmanu derKöln. Volksztg.", es werde bestimmt behauptet, daß es in einzelnen Bezirken zur offiziellen Rebellion gelommen sei. Man wlll wieder die alte Mrngdynastie aus Ruder bringen.

* Kleine Tageschronil.

Nach dem soeben veröffentlichten Monatsbericht des königlichen baftenologifcbeii Instituts für das Ru h r r e v l e v sind im yebruar insgesamt 100 ReueArankungen an Genickstarre behördtich gemeldet, gegen mir 49 un Januar und nur 14 un Dezember, das bedeutet eine 50pro zenlige Zuna h m e der Epidemie Die Leuche, welche bisher nur 11 Kreise umfaßte, hat sich nach dem Bericht nunmehr aus 18 Kreise im Ruhrtohtengebiet ausge- breitet. Am 20. Februar landeten bei Brielle (Holland) zwei inännliche Leichen vom DanipferBerlin." 9lad) emet Meldung aus Rew ° 9) ork fand in der römisch-tatyoliichen 5ilrche Immaculata Conceptwn ein Slampf zwischen Priestern und Einbrechern statt. Die Kirckje ist mit den angrenzenden Wohnungen der Priester dnrck) elektrische Glocken, welckje jeden Einbruch sofort melden, verbunden. Gestern Rackst ivitröen die Priester, vier an der Zahl plötzlich durch die Alarm­glocken aus dem Schlaf geiuecft. Die Priester ergriffen Revolver imd eilten zur Kirche. Hier sanden sie sechs Einbrecher an der Arbeit Diese waren gerade dabei, die wertvollen Gegenstände vom Altar zu entsernen. Die Priester machten von ihren Schuß- wasfen Gebraiich, die Einbrecher erwiderten das Feuer. Es ent­stand ein Kamp,, der nut der Flucht der Einbrecher endete. Tas Innere der Kirche wurde durch die Schüsse beschädigt. Ter 'hottem Gerhard, ein allerer Hausbeamter des RontgL Schlosse in Berlin, wurde m der Höhe des zweiten Stockwerks zivlschen Fahrstuhl und Wand geklemnst. Er trug schwere Siopt- üerletiimgeit davon und wurde in besinnnngslojem Zustande nach dem Krankenhai.se gebracht. Sein Zustand ist recht bedenklich.

A11enda m m bach erschoß em Arbeiter seine 20jabnge lÄeUebte, worauf er Selbstmord begmg. In Sprttel m Lothringen wurde ein Arbeiter mit durchbohrtem Herzen t o t aiifgeiunbeii. Seine italienischen Landsleute werden als 'Mörder verfolgt. In Dortmund wurde der Hilssgeilchtsvollzleher ^annermann, tvelcher Sonnabend unter Attlnahme einer ^oßeii Summe aus der Gerichtskasje verschwunden war, bet seurer Rückkehr verhaltet.

Fialen Gesetzgebung jimt Besten des deutschen Vaterlandes'. (Lcb- ^rster Bestall rechts.) , . . ,

( Mg Schack (Wirtsch. Verein.) meint, die vorliegende Inter­pellation sei gewis,ermaßen ein Erinnerungsblatt des Zentrums !n den Reichskanzler mit der Bedeutung: eave adsum. Die hervorragenden Verdienste des Zentrums auf dem Gebiete der ^zialpolitik erkenne er an und unterschreibe bie Ausführungen lbes Abg Hicber Wort für Wort. Ein einheitlick)es Vereins- uiid LecsammlungsrecA fei eine alte Forderung ferner PÄrtei. Tw Sonntagsruhe im Handelsgewerbe müsse weiter ausgebaut werden. Die Sozialdemokratie sei darauf bedacht, den Mittelstand völlig aufzureiben. Tas Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb reiche picht aus Tier MiUmwalarbeitstag sollte nicht nur sür die Fabrikarbeiterinnen, sondern auch für die weiblichen Angestellten tn den übrigen Betrieben eingesührt werden. Die Vorlage be­treffend die Arbeitskammeru sei notweridigec als die betiesfcnd die Rechts fähig leit der Berussvercstie. Die Einsetzung e.ncr stän­digen sozialpolitischen Slvmuiisswn würde ohne lange Reden un Plenum schnelle Arbest üciern können. (Beifall.)

Abg. Sborsauty iPvie) legt dar: Tiatz die Kouservatiben hier au' der Sozialpolitik kräst.g nuliarbciteu wollen, siehe im Widerspruch mit der Rechten un Abgeord.ietenhaiste. Daß der Reichskanzler sagte, er denke an erfter Stelle an das Beierns- unb Versammlungsrecht, finde seine (des dieoners) Zustunmuiig, denn für die Aroeiterschast sei es viel wichtiger und nöliger, als z. B. das Gesetz betreffend die Becufsvereine. Die ö-rduciu arbeit in den Bergwerken und in den Hütten müsse euisacy unterlagt werden. .

Abg. Giesberts (Ztr.) erklärt: Daran», daß keine Partei her Sozialpolitik feinblicij. gcgcnüberftelje, sollen dw Leute sicher lernen, daß für eine Zuchtljausvonage keine Mehrlxtt un Reick>stag sei. Seit 25 Jahren habe das Zentrum Boracoeit sm die Sozialpolitik geleistet. Wun komme es nur bavauf an, datz dem beutschcu Aroeiter geholfen wird. Nach ben schönen Ijiei gehaltenen Reden werde jetzt Zcutrumspolüik ohne das Zentrum getrieben. (Heiterkeit.) Alle Bestrebungen auf sozialem Gebieti «müßten die christliche Religion zur Grundlage haben. Seme Partei werde auf diesem Boden immer gleich gegen Die Soziai- Idemokratie weiter arbeiten. Redner tritt sür den kleinen Be­fähigungsnachweis ein. Redner spricht dann die Hosfiiung aus, daß die Regierung bald eine Vorige gegen d.e -schwinbelvec- käuse einbringt. Die Stärkung des Mittelftanbes und bie Bc- rämpsung der Auswüchse des Großkapitals musje eine der ersten Ausgaben sein. Daß die Arbeitsöammern ohne Anhörung der Vertreter der Arpcsterorganisationeu eingesührt werden, fei be-

Vizepräsident K ä m p s f rüst den Abg. K o r f a n t i) nachträg­lich zur Ordnung, well er am Schluß seiner Rebe geäußert habe, mit ber Sittlichkeit habe bie preußische Polenpvutck mcksts zu tun. Sie sei aujgebaut auf einen Sumpf und dieser Sump! sei Unsittlichkcst unb moralische Verkommenheit.

j Abg. Hne (Soz.) weist die Aiigrisie Dirlscns aus bw So- zialbenwkratie zurück. Unrichtig sei, barj die Geivertscha,tsbeamken nur mit Gelbem bcsolbet seien, bie durch Erprefsung von den Arbeitern beschafft würben.

Abg. Pauli-PotSdam (konf.) stellt gegenüber bent Abg. Hue fest, baß bie Rechte stets bei ber Sozialpolitik mitgtarbeitct habe Wenn nicht biet erreicht sei, so liege bas daran, baß die Sozialbemokratie mit unerfüllbaren Forderungen und Anträgen dazwischen gelommen sei. Was der Reichsoerb-and gegen dir Sozml- demolratie vorbrachte, sei wlahr. Seine Partei werbe der Rechts­fähigkeit ber Berussvereine gern zustimmen, nachdem sie sich hie Vorlage erst angesehen habe.

, Morgen: Dritte L^ung des N a ch t r a g § e t a t s surSüb- westafrika. Interpellationen betressenb bie Strafprozeß- vrbnung, betreffend W a h l b e e i n f 1 u ff u n g und bctreifcnb hie Verhältnisse ber Pribatbeamten.

Deutsche» Neöch.

Berlin, 11. Alärz. Tec Kaiser stellte für bas deutsche freiwillige Automobilkorps einen Preis zur Ver­fügung für eine Distanzfahrt analog den Tislanzritten bei den Armeekorps. Tie Fahrt ist in großem Stile in Aussicht ge-

Wie berL.-A/ hört, liegt es in ber Absicht ber Regiernng, auch noch die Gew erbe Novelle, bie ber vorige R e t chs t a g !bereits in ber zweiten Lesung üiigenommeit halte, m dieser Session wieder vorzulegeir und, wenn mögtich, bis Pfingsten zrir An­nahme zu bringen. Tie Novelle bezweckt bie Einführung bes jogenannten [lernen Befähigungsnachweises für Bau- unter n e h nier.

In ber heute hier stattgehabten Versammlung von Ver­tretern ber beulschen Zuckerraiflnerien sind die oorgclegteii Verträge auf Zentralisierung bes gesamten Jnlanb- Marktes angenommen worben. Tie Verträge gehen in ben nächsten Tagen nack; Drucklegnng ben Raffinerien zu. Zur Voll- ziehnnq, herrscht eme bem Abschtuß der Verträge günstige Slimmling.

Wi e n, 12. März. Trotz der offiziellen Meldung, daß es sich in Sofia um die Tat eines entlassenen Beamten handele, scheint es dm Eingeweihten zweifellos, daß die Politik eine Ziolle spielte, daß also vielleicht dieser Mörder gedungen wjar. Man war /in unterrickKeten Kreisen sckfon fange daraus gefaßt, daß der Unmut gegen die Regierung irgendwie zum, Ausdruck ge- lanaen werde. Fürst Ferdinand, der «aus der Reise von Paris nach der Riviera begriffen nm, zeigte seine sofortige Rückkehr noch Sofia an. Ministerpräsident Petkow unternahm nach der Sitzung der Sobranje mit den Ministern Payakow und Genadjew einen Spaziergang im Borisparke. Als sie nach der Stadt zurück- kehren wollten, wurden sie von zwei Individuen angefallen. Man schoß zuerst auf Genadjew, der an der rechten Hand verwundet wurde und sich auf den Angreifer warf. Inzwischen gab bas zweite Jndivibuum auf Petkow zwei Schüsse ab, von denen einer in der rechten Schulter eiubrang und links an ber Brust herauskam. Petkow brach zusammen. Er wurde in einen Wagen gehoben und bcrschied bald, nachdem er wach Hause gebracht worben war.

9lut dieselbe entsetzliche Weise also wie sein einstiger be­deutender Vorgänger Slambulow, ber vor 12 Jahren bucch Mörberbanb fiel, ist ber letzte bulgarische Minlsierpräfibenl ums Leden gekommen. Die Opposition gegen die fürstliche Regierung ist wieder einmal von äußerster Maßlosigkeit, und Pelkow war ein Rlann von eiserner Faust. Der> Pariser ElettrizitätSarbeiterstceit vor der fran­

zösischen Stammet-.

Paris, 11. März.

In der Kammer gelangte heute die Interpellation Jaurös über bie Intervention ber Regierung während des