Nr. 5B16 Zweites MsM
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die .Metzener KamiUenblatter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Krelsblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Der „hesfische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
157. Jahrgang
Samstag 14. September 1007
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General-Anzeiger für Gberheßen
Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen Universitäts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion: 112. Tel.-AdruAnzeigerGießen»
Kans Wuff-Kießcn f.
Aus Dresden kommt die Trauerkunde, daß der Kammersänger Hans Buff-Gießen durch Selbstmord geendet hat. Die Nachricht lautet:
Dresden, 13. Sept. Heute vormittag erschoß sich in dem nach 11 Uhr hier eintreffenden 'Berliner Schnellzuge der Kammersänger Hans Gießen, früher an der hiesigen königlichen Hofopcr.
Buff entstammte einer alten Gießener Familie und ist ein Großneffe der Lotte Buff. >L>ein* * ** Vater, der Reichsgerichtsirat Buff, ist ihm schon vor Jahren im Tode vorangegangen. Buff studierte in Gießen die Rechte und war ein schneidiger Korpsstudent. Schon auf der Kneipe führte er den Reigen der Sänger und damals war es, daß er beschloß, das Studium aufzugcben und sich der Künstlerlaufbahn zu widmen. Er wurde von Professor Scharfe in Dresden ausgebildet, volontierte am Dresdener Hoftheater und fand dann am Hoftheater in Weimar Engagement, wo ihn eine herzliche Freundschaft mit dem Hofkapell- meisier Eduard Lassen und Richard Strauß, dem Komponisten der „Salome"', verband. Von 1894 bis 1897 war er am Hoftheater in Wiesbaden tätig. Diese drei Jahre schließen feine größten Erfolge ein. 1898 erging an ihn ein Ruf an die Wiener Hof- Oper. Seine tünstlerische Wirksamkeit war aber dort nur kurz, denn schon nach eines Jahres Frist siedelte er nach Dresden über, wo i hm unter außerordentlich günstigen Bedingungen das Fach des lyrischen Terrors am Hoftheater übertragen worden war. Zu seinen Glanzrollen zählten der Raoul, Anwld, Tarnino, Turiddu, Heinrich (Mignon) unb Werther. Sei cs nun, daß ihm das feste Verhältnis zur Hofbühne nicht mehr behagte, sei es,,daß ihm dauernde künstlerische Erfolge versagt blieben, kurz, er löste seinen Vertrag mit der Dresdener Hofbühne, um fortan in der Hauptsache als Liedersänger Deutschland und das Ausland zu bereisen. Sogar am „golvenen Horn" in Konstantinopel gab er vor dem Padischah und seinen hinter einem Vorhang verborgenen Damen ein Konzert. Den Gießenern wird sein Auftreten als Manrico in Verdis Trovatore unvergessen blewen. Auch in manchem Konzert hat er hier mitgewirkt, u. a. auch in Gemeinschaft mit Rich. Strauß, immer wahre Beifallsstürme entfesselnd. Buff war ein liebenswüroiger Mensch und ein vortrefflicher Gesellschafter. Seine Stimme hatte namentlich in der Höhe prachtvolle Töne. In den tieferen Lagen erwies sie sich oft Msl rauh und spröde, so daß mau bei seinem Auftreten von einer harmonisch ausgeglichenen Leistung nicht immer sprechen konnte. Auch seinem Spiet hastete erwas Dilettantenhaftes au. Immerhin stellte ec sich als eilt starkes, beachtenswertes Talent dar, das freilich in seiner Entwickelung enttäuschte. Enttäuschungen mögen es auch gewesen sein, die den Entschluß des KnnUnA herbeigeMift haben,
Deutsche» Ueich.
Berlin, 13. Sept. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die Besprechungen mit dem Reichskanzler, zu denen sich die Minister von Beth- mann-Hollweg und v. Moltke nach Norderney begeben haben, bezogen sich auf die Aufgaben der bevorstehenden parlamentarischen Session. Die Minister wurden alsbald nach ihrer Ankunft vom Fürsten Bülow zu einer mehrstündigen Unterredung empfangen. — Der Abgeordnete Schrader, der Vorsitzende des Wahlvereins der Liberalen, hat sich auf eine Einladung des Reichskanzlers zum Zweck politischer Besprechungen nach N o r d e r n o-y begeben.
— Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die „Berliner Morgenpost" und andere Blätter bringen die Nachricht, daß K u l t u s m i n i st e r Holle die Entscheidung der Aussichtsbehörde bestätigt habe, nach welcher die von der Schulgemeinde Wilhelmsburg beschlossene Erhöhung der Lehrergehälter nicht genehmigt wird. Auf Grund zuverlässiger Ermittelungen können wir jeststellen, daß im Kultusministerium von der ganzen Sache nicht das mindeste bekannt ist. Weder ist eine Beschwerde der Gemeinde Wilhelmsburg eingegangen, noch ist bezüglich der Lehrergehälter in Wilhelmsburg irgend eine ministerielle Entschließung erfolgt.
— Dem bisher dem Herrenhause als Vertreter des Verbandes des alten und befestigten Grundbesitzes im Land- jchaftsbezirke der Fürstentümer Schweidnitz und Jauer angehörigen Wirklichen Geheimen Rat und Präsidenten des Reichstages Dr. Udo Grasen zu Stolberg -Wernigerode aus Dönnhofsstädt ist durch königlichen Erlaß vom 1. Sept, das erbliche Recht auf Sitz und Stimme im Herrenhause verliehen worden. Durch königliche Ordre vom 1. Sept, ist der Majoratsbesitzer Siegmar Freiherr v. Schrötter auf Groß-Wohnsdorf aus besonderem königlichen Vertrauen zum Mitgliede des Herrenhauses auf Lebenszeit ernannt worden.
München, 13. Sept. Nach längeren Besprechungen und Erörterungen über Einzelheiten konstituierte sich gestern in später Nachtstunde auf Vorschlag des Engländers Moscheles ein deutsch-französisches Verständigungskomitee, das aus je drei deutschen und französischen Herren besteht und den Vorschlag eines Einigungskomitees zur deutsch-französischen Annäherung und Ver- nändigung ausarbeiten und ihm eine greifbare Form verleihen soll.
Ge lsenkirchen, 13. Sept. Der Kultusminister lehnte die von Franziskanern nachgesuchte Gründung einer katholischen höheren Privattöchterschule a b.
Arnswalde, 13. Sept. Bei der gestrigen Landtag s e r s a tz w a h l für den Wahlkreis Friedeberg-Arns- walde wurde Oberregierungsrat a. D. v. Voß einstimmig mit 246 Stintmen gewählt.
Neues von Dr. Peters.
Hamburg, 13. Sept. In einer neuen Erklärung, die Karl Peters in den „HamburgerNachrichten" veröffentlicht, behauptet er Folgendes: Legationsrat Helwig habe 1895 in Gegenwart des Geheimrats Schwarzkoppen den Vorschlag gemacht, dieser sollte ein formelles Abschiedsgesuch emreichen, bann werde das Disziplinarverfahren eingestellt. Freiherr o. Nichthofen habe später den Vorschlag wiederholt. Peters habe auch sein Abschiedsgesuch sertiggestellt, aber nur durch das Drängen von Dr. Kayser, der sich der Vermittlung
freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Die Musikwelt, zumal aber seine Vaterstadt wird Haus Buff ein treues! Gedächtnis bewahren.
* Das Modell zur Königin Luise. Die Wiesbadener Hosbühne hat, wie schon gemeldet wurde, einen schweren Verlust erlitten, indem der vortreffliche Baritonist Kammersänger Julius Müller in Frankfurt a. M. einem langen Leiden erlegen ist. Wenig bekannt ist es, daß seine Gemahlin das Modell zu einem der bekanntesten deutschen Gemälde gewesen ist, von dem Gemälde, das Gustav Richter 1879 von der Königin Luise schuf, und das im Museum zu Köln hängt. Als es entstand, hieß die Gattin des Künstlers noch Freifräulein von Ziegler und Klipphausen. Sie war die Tochter eines Kammerherrn aus dessen Ehe mit der Gräfin Klementine Seydewitz, eine der gefeiertsten Schönheiten am Hose Kaiser Wilhelms I. Sie war eine auffallend anmutige blonde Erscheinung und 18 Jahre alt, als sie dem Professor Richter den Wunsch erfüllte, ihm für sein Bild von Preußens edelster und unglücklichster Königin zu sitzen. Das Gemälde stellt bekanntlich die Gemahlin Friedrich Wilhelms III. dar, wie sie in weißem, lang an ihren Gliedern herabfließendem Gewände, die rechte Hand leicht auf die Brust gelegt, eine Treppe niedersteigt. Als Kaiser Wilhelm. I. dieses Bild aus einer Ausstellung in Berlin erblickte, soll er gesagt haben: „Sehr hübsch, sehr hübsch! Aber auch nicht eine Spur von Aehnlichkeit!" Vergleicht man das Bild mit authentischen Porträts der Königin Luise, so wird man zu der Ueberzeugung gelangen, daß des Kaisers Urteil das richtige traf. Die Unähnlichkeit schadet indessen dem Kunstwerke nichts und so hat sich unzähligen Deutschen die Gestalt der Königin Luise dauernd unter dem Aussehen der Frau Josephine Müller, geborenen von Ziegler und Klipp- hausen, eingeprägt.
— Wie die Tromsoer Zeitung meldet, ist Well mann mit dem Dampfer „Frithjof" in der lebten Nacht von Spitzbergen dort angewmmen. Wellmann stieg mit dem Ballonam 2. September auf. Starke nordwestliche Winde führten indessen den Vallon MvärH Wer Land; schließlich lvurdH der Ballon
Arendts bediente, sich verleiten lassen, das Abschiedsgesuch in ein Gesuch uni Stellung zur Disposition umzuwandeln. Den von Dr. Kayser diktierten Entwurf dieses Gesuches habe er jetzt in Händen und er wisse heute, daß Dr. Kayser ihn einfach übertölpelt habe.
Zentralverband der Vereine deutscher Holzinteressenten.
Mannheim, 13. Sept. Unter dem Vorsitz von Himmelsbach-Freiburg tagte heute hier der Zentralverband der Vereine deutscher Holzinteressenten, der von Vertretern der Stadt, der Handelskammer und dem Mannheimer Holzindustriellenverein begrüßt wurde. Abg. Dr. Beumer erstattete den mit großem Beifall aufgenommenen Jahresbericht, in dem er die Holz-Ein- und Ausfuhr, die sozialpolitische Gesetzgebung, Eisenbahnfragen, Zollüberrechnung, Holzdiebstähle auf Schiffen in Holland usw. behandelte und das zunehmende Wachstum des Zentralverbandes feststellte. Schatzmeister Luther- Berlin legte Rechnung ab über die günstigen Geldverhältnisse des Zentralverbandes. Klo ep f er-München und Krebs-Frankfurt am Alain sprachen über den Gesetzentwurf betreffend die Sicherung der Handwerkersorderungen. Nach eingehender Erörterung wurde folgender Antrag Beumer einstimmig angenommen: Der Zentralverband wünscht lebhaft einen angemessenen Schutz der Bauhandwerker-Forderungen, hält aber den gegenwärtigen Gesetzentwurf dafür nicht geeignet. Er setzt eine Kommission ein, die die Aufgabe hat, die Verhandlungen des Reichstages genau zu verfolgen und letzterem eventuell Vorschläge im einzelnen aus der Praxis des gewerblichen Lebens heraus zu machen. Sodann sprach Mayer-Dinkel-Mannheim über den Scheckgesetz- entwurs mit besonderer Berücksichtigung der Zahlungsverhältnisse im Holzgelverbe. Heber Holzschiedsgerichte sprachen Michel-Mannheim und Hertzer-Freiburg; über den Entwurf des Schluhscheines G e h r i ck e - Schwerin, über Vorausleistungen bei Wegebauten Falckenberg- Lagardesmühlen, über die Arbeiterverhältnisse in der Holzindustrie Bachmann-Freiburg, über Zollbehandlung von Massengütern in Rotterdam Degginger -München, über das Interesse des Holzhandels an dem öffentlichen Wetterdienst des Reiches Otto Luther-Berlin. Verschiedene andere Fragen wurden dem Vorstande des Zentralverbandes zur weiteren Verfolgung übergeben. Die Verhandlungen verliefen sehr anregend und in großer Einmütigkeit.
Ausland.
Wien, 13. Sept. Die „Neue Freie Presse" meldet, daß in der Quotenfrage sich heute eine Annäherung zwischen beiden Negierungen ergeben hat. Die A u s g l e ich s v e r Handlungen werden infolgedessen nicht unterbrochen, sondern am Montag weitergeführt werden.
Lodz, 13. Sept. (Von einem besonderen Korrespondenten.) Ter hiesige Fabrikant S. i l b e r st e i n ist heute von einem Arbeiter ermordet worden. ,
Paris, 13. Sept. Professor Herv 6 hielt gestern einen Vortrag, worin er wieder auf den Stuttgarter Kongreß und das Verhalten Jaurös zurückkam. Hervs erklärte, daß Bebel und Vollmar die patriotischsten Vertreter gewesen seien. Die Einrichtung eines internationalen Schiedsgerichtes,, wie es sich Jaurös vorstelle, sei unausführbar, wie der jetzige marokkanische Konflikt beweise. „Wir hassen," so sagte Heros, „alles was Vaterland heißt, und wenn man die Unvernunft haben sollte, uns Waffen in die Hand zu drücken, so wird Niemand es verhindern können, sie für ein anderes Ideal zu gebrauchens
Vvm serbischen Thronfolger.
gruppe gehörigen Offizieren in Streit und rief ihnen zu: „Ich leide euch alle nicht! Ich weiß sehr gut, was ihr gegen mich vorhabt! Ihr werdet mich schon kennen lernen, wenn ich eines Tages euer Herrscher bin! Ich erwarte von euch, daß ihr um eure Versetzung nachsucht!" In der Stadt wird dieser Vorfall selbstverständlich verschieden- artig kommentiert.
Die Lage in Marokko.
Tanger, 13. Sept. (W. B.) Tie Zerstörung des Lagers bei Taddert scheint in Marokko und besonders im Gebiete des Sch auj a-Stammes großen Eindruck gemacht zu haben. Von Kap Spartel und der Riffküste wird noch immer ziemlich lebhafter Waffenschmuggel gemeldet, der sogar an hellen Tagen stattfinden soll.
— Ter Kaid S i Aisza von Abda ist in Marrakesch angekommen, um mit 3000 Reitern zum Sultan Muley Hafid zu stoßen.
— (Agence Havas.) Die Sch aüj as haben an General Drude Boten geschickt, die ihre Hnterwerfung anbieten, sollten. Drude bewilligte einen W a f f e n st i l l st a n d bis morgen mittag. Wenn die Abgesandten der SchaujaS dann nicht ein- getroffen sein sollten, würden die Feindseligkeiten gegen sie wieder ausgenommen werden. Außerdem wurde verabredet, daß die Abgesandten von Vertretern der Buchallas-Bande, weiche die Franzosen ebenfalls angegriffen hatten, begleitet sein sollten. Die einen und die anderen sollten sich nur entstellen, wenn sie die Bedingungen des Generals Drude ohne Einschränkung annehmen. ,
Paris, 13. Sept. Heber die Entschädigungssrage verlautet als Ansicht Pichons, daß die Aufforderung zur Entsetzung einer internationalen Kommission nicht von ihm, sondern vom Sultan von Marokko ausgehen müsse, und daß es gut wäre, wenn diese Auffassung von allen Mächten, die an der Frage interessiert sind, durch Anmeldung der von ihnen vertretenen Forderungen bei der Regierung in Fez unterstützt) würde. Frankreich würde die Initiative zur Einberufung der Kommission jedenfalls nicht ergreifen.
Bomben gegen Arbeitswillige.
Das Berl. Tgbl. meldet aus Zürich: In Davos befinden sich seit vielen Monaten die Schneider im Ausstande, der bis- Ijer vollständig ergebnislos verlausen ist. Heber die Niederlage erbittert warfen in verstossener Nacht Streikende an fünf Orten Bomben gegen die Häuser von Arbeitswilligen und Meistern. Viele Scheiben wurden zertrümmert. Zwei Arbeiter wurden so schwer verletzt, daß sie ins Spital gebracht werden mußten. Die Behörden leiteteten eine strenge Hntersuchung ein.
31 us Stadt und Land.
Gießen, 14. Sept. 1907.
— Hülse für Herbstein. Bis heute vormittag gingen bei unserer Geschäftsstelle weiter ein: Durch Pfarrer Kalbhenn aus dem Opferstock in Kirch-Göns 2 Mk., H. E., Gießen, 3 Mk., Dienstmädchen E. H. 50 Pfg., C. W. Nowack 5 Mk., Gemeinde Dorf Gill 40 Mk., von der Bürgermeisterei Treis- Horloff aus der Sammelbüchse 6,60 Mk., in der Gemeinde Beuern gesammelt 44 Mk.; zusammen mit den früher quittierten 5056,73 Mk. bis jetzt 5 1 5 7,87 M k. — Unjeve Geschäftsstelle nimmt gerne weitere Spenden entgegen.
Bei dem Ausschuß für die Abgebrannten in Herbstein Hingen ferner ein: Sammlung in der Gemeinde Leihgestern durch Dekan Strack und Bürgermeister Heß Mk. 85.—, Ueberschuß des Wohltätigkeits-Konzertes im Botanischen Garten am 1. September 1907 Mk. 649.18, Gemeindekasse Bersrod Mk. 20.—, Sammlung in der Gemeinde Bersrod durch Bürgermeister Reuschling Mk. 28.—.
Die Berliner Morgenblätter melden aus Belgrad: Die Belgrader Abendblätter teilen einen Vorfall im Belgrader Osfizierskasino mit, der ein überaus peinliches Aufsehen hervorruft. Vor einigen Tagen geriet der dort anwesende Thronfolger Georg mit einigen zur Verschwörer-
** Neues Stadttheater. Die. Spielzeit 1907/08 beginnt am 29. September mit Shakespeare's ,Winter- niärchen" Die nächsten Vorstellungen bringen Ibsens „Nordische Heerfahrt" und den jetzt überall vielgegebenen abgeschnitten und im Sti ch gelassen, die übngen Teile wurden nach zweitägiger Arbeit geborgen. — Aus Tronnoe wird ferner telegraphiert: Wellmanns Ballon wurde am 2. '^pebtember von dem Dampfer „Expreß" etwa zwei Meilen in iwrdlicherj Richtung nach der Vogelbayinsel bug)iert. Im Ballon befanden sich Weltmann, Friesenberg und Waniman. Der Ballon war leicht lenkbar, die Maschine funttionierte ausgezeichnet. Me Fahrt war so schnell, daß der „Expreß" nicht folgen konnte Bei der Vogelbay-Jnsel wurde der Ballon bei zunehmendem Winde und Schneetreiben losgelassen. Er wurde über das tfejtlanb Spitzbergens getrieben und stieß, als das Gas ausgelassen wurde, gegen einen Eisb er g. , ,
— Den Rekord im Schnelldichten nicht nur, sondern auch in der Geschmacklosigkeit hat zweifellos der Berliner Sckirift-- fteller Hermann Müller-Hansen errungen, der die Affäre Tarnows ka bereits in einen Schwank verwandelt bat, brr ben Titel „Der weibliche Blaubart" führt. Das ^-tuck wurde auch ^on in Wien vom Orpheum-Theater zur Aulluhrung angenommen. Dieses Theater kennt ja wohl sem Publimm.
— Beseitigung der B lindbar mentzundun g durch Impfung? Wie der Pariser „Matin zu berichten weiß, liegt Pwfessor Metchnikofi, der Direktor des ^nst-itiltsl Pasteur, Studien ob, deren Resultat die Zeitigung der Blinde darmentzündung durch Impfung sein soll. Nach diesem Gelehrten wäre die entsetzliche Krankheit, die in unieren Tagen w viele Opfer fordert, Mikroben zuzuschrciben. Er stellt Versuche mit einem Schimpansen an, der den Namen Antoine tragt und dem er Mikroben einimpft, die aus einem MeNschenblinddarm Kommen. Professor Metchnikosf erklärte dem Abgesandten des „Matm jedoch, daß seine Forschungen noch Nicht so weit gediehen lewn, daß er auf dem medizinischen Kongresse, der Ende dieies Monats in Berlin stattfindet, schon etwas Genaues darüber mitteileiti könne. Jedenfalls glaubt er, daß die plötzlichen, heftigen Lln- fälle der Blinddarmentzündung durch sein Mittel gelindert werden
— Kleine Kunstchronik. Vom 24. bis 26. September wird in Darmstadt der Internationale kunsthifwrische Kongreß zum achtenmal tagen. — Der Heidelberger Hebbel-Verein ließ im Gartentheater der Peter Be hr e n s-Anc>ltellimg In Mannheim Gellerts Schäferspiel „Sylvia" aufführen. Das natürliche Spiel und der südliche Sonnenglanz, der über die Szenen schien, ließen den interessanten Versuch sehr gut gelingen. — Im Opernhaus zu Fr an kfur t a. M. gelangt in den nächsten Tagen eine einaktige eigenartige Tanzszene von Fritz Baselt, „Rokoko" zur Aufführung. — Der verstorbene französisckw Dnyter Sully' Prud Homme hinterließ der Akademie Araneaya
100 000 Francs.


