Ausgabe 
13.5.1907 Zweites Blatt
 
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Ihie 'nrrtlHto? Praxis die Erjachrung verzcichuen, daß von der lErrtmünbigungs Möglichkeit trotz aller Leiden der Familien nur 'fetten Gebrauch gemacht wird. Trtrdj der Zusammenstellung des Oberstaotsamvalts Theobald sind in Hessen seit 1900 nur 149 Entmündigungen wegen Trunksucht ausgesprochen worden ;?70 tn Starkerchirrg, 59 in Lberhessen und mir 20 in Rheinhessen>. ,Rur 15 wurden wieder aufgehoben (6, 5, 4), ein Beweis, daß ^Heilungen bei der gegenwärtigen Lage der Ge- Oetzgebung selten sind. Diesl hat zurzeit in erster Linie leinen Grund darin, daß man eben außer Stande ist, einem energischen Zwang gegen den entmündigten Trinker in Anwen­dung zu bringen. lKnen solchen auszuüben, ihn, wenn er frei­willig zunächst kam und dann nicht bleiben will, zu definieren, dazu ist die Trinkerheilanstalt nicht bcrechiigt, und so verlassen auch von den wenigen, die überhaupt bineingelangten, zahlreich: den Ort, wie sic hingekommen sind.

In umfangreichem Referat sprach zunächst Dr. Wald- schmidt-Charlottenburg, ein Arzt, der sich seit Jahren speziell der Behandlung der Trinker gewidmet bat, über di-e Bc- hcurdlung derselben. Er sprach sich für die Erweiterung des Antragsrechts der Staatsanwaltschaft aus, wünschte staatliche Trinkerheilanstalten mit offenen und geschlossenen Abteilungen unter ärztlicher Leitung, und verlangte gesetzliche Bestimmungen, welche es ermöglichen, den Trinker zum Heilzweck zu inter­nieren.

Die sich anschließende äußerst interessante Debatte förderte zahlreiche positive Ergebnisse. Bon den Oberstaatsanwälten v. Hessert und Theobald wurde ebenfalls der Standpunkt einer Erweiterung des Antragsrechtes vertreten. Auch müsse der Richter die Befugnis haben, den straffällig gewordenen Alko- holisten in die Trinkerheilanstalt zu senden. Es sei ferner dahin zu streben, daß Mittel zur Durchführung der Heilung unbemittelter Trinker flüssig gemacht werden könnten, analog den Bestimmungen über die Aufbringung der Kosten für die Ävangserziehung.

Landgerichtsrat Hofmann-Darmstadt sprach der Hinzu­ziehung des Psychiaters zu den Entmündigungen auf Grund des '§ 6, 3 des B. G.-B. das Wort. Professor Sommer betonte die Notwendigkeit, der Errichtung einer zunächst kleinen ober er­weiterungsfähigen Trinkerheilanstalt in Hessen unter staatlicher Aegide mit offener und geschlossener Abteilung und empfahl, häufiger wie bisher den Trinker wegen Geistesschwäche anstatt wegen Trunksucht zu entmündigen. Dadurch werde eher eine Möglichkeit der zwangsweisen Durchführung einer Behand­lung gegeben.

Landrichter Dr. F r i e d r i ch -Gießen gab interessante pon ihm augestellte statistische Erhebungen über die Häufigkeit der Berück­sichtigung der Trunkenheit als eines mildernden Umstandes. Er sah 600 Schwurgerichtsurteile darauf durch und fand bei 500 Verurteilungen in 11 Prozent aller Fälle eine Berücksichtigung. In weiteren 7 Proz. der Fälle wurdenmildernde Umstände" zugebilligt, ohne daß sic näher präzisiert waren. Auch hierbei sind sicher viele Fälle, in denen eben der Rausch oder voraus- gegangenka Akkoholgenuß mildernd in Betracht gezogen wurden. Unter diesen 18 Proz. waren nur 2 Proz. Gewohnheitstrinker. 15 Proz. von. den Berücksichtigten betrafen Fälle von Verbrechen wider Leben_ und Gesundheit, 27 Proz. Delikte gegen die Sitt­lichkeit, 35 Proz. betrafen Raub und Erpressung, 16 Proz. andere gemeingefährliche Handlungen (Braudstistung tc.i.

Zur Sache sprachen weiter Geheimrat Ne i b t) a r t -- Darm­stadt, der eine Schilderung der vom Verein gegen Mißbrauch geistiger Getränke auf dem Burgberg bei Bieber erbauten kleinen Anstalt gab. Zurzeit beherbergt sic nur 4 Insassen. Ferner Oberarzt Dr. Dietz-Goddelau, welcher die mit der planmäßigen Durchführung der Abstinenz im Großh. Landeshospital gemachten Erfahrungen mitteilte. Weiter Generalstaatsanwalt Pree - tor ins-Darmstadt, der darauf hinwies, daß in Hessen für manchen die völlig abstinenten Strafanstalten eine gute Vor­schule zur Trinkerheilanstalt seien.

Die Vereinigung faßte eine Resolution dahin lautend, daß reichsgesetzlich eine Ergänzung der Bestimmungen der Zivil- pwzeßorbnung anzustreben sei, welche den Staatsanwaltschaften das Recht auf Anträge behufs Entmündigung von Trinkern gewähre. Landesgesetzliche Bestimmungen sind zu wünschen, die es ermöglichen, den Trinker zivangsweise in die Trinkerheilanstalt zu bringen und die Behandlungskosten, ivenn er unbemittelt ist, aus öffentliche Mittel zu übernehmen. Ferner soll in geeigneten Fällen dem Trinker gegenüber be­dingte Begnadigung nach der Verurteilung wegen eines im Rausch begangenen Deliktes gewährt werden, wenn er sich bereit finden läßt, freiwillig in die Anstalt zu gehen und dann zur Heilung weiter sich aufzuhalten. (Selbstverständlich bezieht sich dies nur auf Delikte nicht allzu schwerer Art.-

Bis zur H e r b st v e r s a m ml u n g in Gießen soll eine Kommission Tatsachenmaterial beibringen und die Frage der Errichtung einer staatlichen Trinkerheilanstalt vorbereiten. In die .Kommission, wurden gewählt die .Herren Theobald, Kayser- Worms, Balser- Mainz, Dietz- Goddelau, Hof­mann- Darmstadt, Sommer- Gießen.

Der Sitzung ging eine Besichtigung des Darmstädter Untersuchungsgefängnisses, sowie der Abteilungen für den Strafvollzug an den Jugendlichen voraus, speziell die Zweckmäßigkeit und humane Einrichtung der letzteren fand ungeteilten Beifall. Bon den für männliche Jugendliche be­stimmten 80 Plötzen waren nur 18 besetzt. Für weibliche Jugend­liche sind etwa 16 Plätze verfügbar, doch waren nur 2 im Augen­blick besetzt. Nach der Sitzung vereinigten sich die Anwesenden zum gemeinschaftlichen Essen in den Räumen des Saalbaues.

Der Gedanke, Juristen und Aerzte zum Austausch ihrer Meinungen zu veranlassen, der vor nunmehr 3 Jahren zur Gründung der Vereinigung^ führte, war, das hat auch diese letzte Sitzung wieder aus das Scküagendste bewiesen, ein sehr glück­licher. Sicher 'werden die Verhandlungen d r Vereinigung mit zur Verbesserung mancher reformbedürftiger Verhältnisse im Lande beitragen und die Verständigung über zahlreiche soziale und gesetzliche Fragen beschleunigen. In diesem Sinne sehen wir der nächsten Zusammenkunft, die int November statutengemäß in Gießen tagen muß, mit großem Interesse entgegen.

Ans StaM nnd Land.

Gießen, den 13. Mai.

Vom städtischen Voranschlag.

VI.

Militärzwecke. Einnahme 1000 M. (1000 M.) von der Militärverwaltung für die Stellung von Ouartier, 'Verpflegung, Fourage und Vorspann bei vorkommender Einquartierung. Aus­gabe 3150 (3100) 3)1., davon 3000 (3000) M. für Verpflegung der (Einquartierung in Wirtschaften.

Polizei. Einnahme 10979,10 (10381) M., darunter aus der Staatskasse 5 714,10 (5616) M. Zuschuß zu den Polizeikosten, 10% der persönlichen Kosten und 4500 (4000) M. Polizei- und Feldstrafen. Unter den Ausgaben von 76 572 (72 496) 3)1. befinden sich 59 432 (57 321) M. Besoldungen für das Polizeipersonal und 8100 (8050) M. Besoldungen des Feldschutzpersonals.

Oesfen tliche Sicherheit. Ausgaben 3200 M., davon Turmwache 2495 (2465) M., Wasenmeisterei 455 (455) M. und für ba^ Entlang en, Verwahren und Füttern herrenloser Hunde 250

Allgemeine Verwaltung. Einnahme 12 640 (11 940) M., Ausgabe 148 028,50 (142 318) M., darunter rund 116000 M. für Besoldungen und das übrige zum größeren Teil für Bureau- bedürfnisse.

Ruhegehalte, Witwen- und Waisengelder erfordern 15167,50 (13 090) M. Hiervon werden 2600 (2300) M. für die nach den Grundsätzen, betr. die Fürsorge für die städtischen Arbeiter und Bediensteten und für deren Hinterbliebene, zu gewährenden Ruhegehalle, Witwen- und Watsengelder erforderlich.

Schuldentilgung. Aus den städtischen Nebenkassen ?c. werden zum Zweck der Schuldentilgung 163 430,31 (159 534,66 M. vereinnahmt, nämlich vom: Elektrizitätswerk 39180 (36 700) 3)1., Gaswerk 30 000 (30000) 2L, Wasserwerk 38 200 (37 998,47) 2)1.

Schlachthaus 12 510,31 (16 296,19) M., Friedhof 5540 (5540) M., Stadterweiterunasfonds 30 000 (25 000) M. und Straßenkostenbet- träge 8000 (8000) M. Ausaegeben werden-filr-Schuldentilgung 236 000 (218 000) TL und für Versicherung der Akkumulatoren- Battterie des Elektrizitätswerks 2245 M. (wie int Vorjahr).

Grundzinsen und 91 ncr f ennun g§ a e b ü bten. Einnahmen 850, Ausgaben 12,40 M., beides wie nn Vorjahr.

Kavitalzins e.n. Einnahmen 250 263,30 (197 328,42) M., darunter vom: Elektrizitätswerk 45 400 (35 800) M., Gaswerk 26 300 (22 700) M., Wasserwerk Al. 56 410 (52 830), Schlachthaus 2833,69 (3380,81) M., Stadtcrweiterungsfonds 64 364 (63 210) 2)1., von Wertpapieren 1490 (1140) M., von den Angrenzern der Hesseristraße 4% Zinsen von den Kosten des Ausbaues der Hessen­straße bis zur Eröffnung der Straße 65,98°/0, von den Benutzern des Verbindungswertes zwischen Erdkauterweg und Aubweg 130,22 (130,22) M.; Zinsen von den aut Kontokorrent angelegten Beträgen sowie von den nicht erhobenen Raten des neuen Anlehens 50 000 (15 000) M. Tie Kapitalschuld der Stadt beträgt 12 240 228,57 M., die dafür aufzuwendenden Zinsen erfordern den Betrag von 563 059,71 (447 664,29) M.

Oktroi. Einnahme 123 370 M. wie im Vorjahr. Aus­gabe 24 870 (24 350) M., darunter Rückvergütttng 14 500 (14 500) M., Besoldungen 8300 (8210) M., Formularien 500 (350) M.

Hundesteuer. Einnahme (TL 10. für jeden Hund) 7970 ( 7470) TL, Ausgabe 1050 (1050) TL, nämlich für uneinbring­liche und erlassene Hundesteuer 800 M. und an die Beztrkskasse Gießeit M. 250 Hebgebühren.

*

' Ernennung. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben den Kanzleirat i. P. Alex. Pille zu Friedberg unter Belassung des Titels Kanzleirat ztim Assistenten der Berg­werksdirektion GrubeLudwigshoffnung" zu Friedberg er­nannt.

* Neuer KammerHerr. Se. Kgl. Hoh. der Groß­herzog hoben den Kammerjunker Ludw. Frhr. v. Bi ege­leben, Generalmajor z. D., zum Kammerherrn ernannt.

** Kirchliches. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben den Professor am Realgymnasium zu Stuttgart, Dr. Jak. Schoell, zum 2. Professor der Theologie am evangel. Predigerseminar und zum Pfarrer zu Friedberg er­nannt und dem Oberpsarrer Friedr. Weber zu Beerfelden die evangel. Pfarrstelle zu Langen übertragen.

* Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dem Schulamtsaspiranten Ludw. Jung aus Salz eine Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Grebenhain. Erledigt ist die mit einem eoang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Reuters. '

** 23 o m Schiffenberg. Die Renovierungsarbeiten zur Wiederher st ellung des Wohn- und Wirtschaftsgebäudes auf dem Domanialhof Schiffenberg, die vor ca. 2 Jahren begonnen wurden, gehen ihrem Ende zu. Während die Ttaurer- und Verputzarbeiten bereits ausgeführt und die Jnstallations- arbeiten beendigt sind, wird jetzt mit aller Macht an der Fertig­stellung der inneren Räume der Gebäude, gearbeitet. Besondere Sorgfalt erfordert die Herstellung des großen Saales. An der Ausführung der Schreinerarbeiten find Schreinermeister Louis Beil-Gießen, Ernst Nikolaus-Steinbach und E. H. Müllcr- Gießen beteiligt, während die Weißbinder- und Malerarbeiten von Weißbindermeister Nikolaus-Gießen ausgeführt werden. Nach Fertigstellung der Renovierungsarbeiten wird der Schiffenberg, der in den letzten Sonntagen schon außerordentlich regen Besuch aufzuweiscn hatte, von dem Publikum wohl noch mehr ausge­sucht werden.

** Der Bczir kstag des Hassia-Bezirks Gießen fand gestern nachmittag im Lenzscheu Felsenkeller statt, wobei sämtliche Vereine vertreten waren. Der 1. Vorsitzende, Kaufmann Fischbach, eröffnete um 3 Uhr den Bezirkstag durch ein Hoch auf den Großherzog, den Protektor des Hassia-Verbandes. Es kamen, dann die Anträge zum Hassia-Verbandstag in Groß-Gerau zur Beratung. Das Präsidium beantragt: DerHessische Kamerad" wird künstig mit einer BeilageAlldeutschland" zum Gesamtpreis von 65 Pfg. für das Quartal geliefert. Dem Abnehmer des Blattes wird zugleich vertragsmäßig die Möglichkeit geboten, unter .ganz besonders günstigen Bedingungen eine Sterbekasse­versicherung damit abzuschließen. Ein Eventualantrag verlangt, falls dies nicht genehmigt wird, daß jeder Verein auf je 10 Mit­glieder ein Pflichtexemplar halten muß. Daab - Lollar begrüßt den weiteren Ausbau desHessischen Kameraden", womit eine Erhöhung des Abonnemcntsprcises erfolgen muß, hält aber be­züglich der Sterbekasfc die Prämienbeiträgc für zu teuer. Ehren­vorsitzender Maye r bemängelt, daß es noch Vereine gibt, die das Verbandsorgan nicht halten. Schließlich wird folgender An­trag des Kameraden Daab-Lollar angenommen:Der Bezirks­tag ist Damit einverstanden, daß das VerbandsvrganHessischer Kamerad" erweitert und auch der Abvnnementspreis erhöht wird. Die Sterbekasse soll aber nicht damit verbunden, sondern für sich behandelt werden. Der Sterbekassc stcht der Bezirk wegen der hohen Beiträge in der gegebenen Form zunächst ablehnend gegen­über, in einer anderen Form ist dem Delegierten freie Hand zu lassen. Mit dem Halten von 2 Pflichtexemplaren bei Vereinen von über 20 Mitgliedern ist der Bezirkstag einverstanden, aber nicht für weitergehende Zwangsmaßrcgeln." Die geplante Grün­dung von Schiedsger i ch i e n für die einzelnen Bezirke bei ebent. Meinungsverschiedenheit in Vereinen oder zwischen Vereinen findet einstimmige Annahme. Der Antrag betr. dieAbhaltung der 5. Gesellfchaftslotterie des Verbandes im Herbst 1907" wird ebenfalls angenommen, nachdem Daab und Mayer wegen des guten Zweckes warm für ihn eingetreten waren. Einem Antrag des Bezirks Groß-Umstadt wegen Verteilung von Ehrentafeln an Schießmannschafts-Kommandeure nach 25jähriger Amtswaltung wird zugestimmt, ebcnfo einem Antrag des Bezirks Friedberg, der verlangt, daß alle der Hasfia beitretenden Vereine die Normal- ftatuten für die Ortsvereine annehmen müssen. Zum Delegierten für den Verbandstag zu Groß-Gerau wird Kamerad F i s ch b a ch , zum Stellvertreter Leun- Großen-Liuben gewählt. Dem Krieger- Verein Klein-Linden wird anläßlich des 25jährigen Bestehens die Ehrentafel überreicht. Darauf kommt der Bezrrksvorsitzende auf die Vorstandswahl im Kriegerverein Klein-Linden zu sprechen, wobei langjährige bewährte Vorstandsmitglieder, die nicht an­wesend fein konnten, aus Antrag einzelner nicht gewählt wurden. Dem Verein Klein-Linden wird ans Herz gelegt und zur Ehren­pflicht gemacht, alsbald eine nochmalige Generalversammlung ein­zuberufen und dabei eine neue Vorstandswahl vorzunehmen. Am 7. Juli findet das Bczirksfest in Daubringcn statt. Die Abhaltung des nächstjährigen BezirkssesteS kommt aus die Tages­ordnung des nächsten Bezirkstages. Der Vertreter des Ma­rinevereins teilt zum Schluß mit, daß am 26. Mai im Neuen Saalbau eine Kriegsmarine-Aus st ellu n g eröffnet wird. Bei der rasch anwachsenden Volkstümlichkeit der Marine, bei der Seltenheit und Bedeutung der geplanten Ausstellung erwartet der Redner einen starken Besuch. Kriegervereine mrd Schulen erhalten Preisermäßigung. Die Krieger vereine vom Lande sollen möglich geschlossen Sonntags die Ausstellung besuchen.

X Leihgestern, 11. Tiai. Bon geschätzter Seite erhalten wir nachstehenden ausführlicheren Bericht über die Grundstein­legung der hiesigen Kirche: Der Himmelfahrtstag brachte unserer Gemeinde die Grundsteinlegung zum neuen Gotteshause. Schon seit Jahren hatte sich immer mehr der Gedanke geltend gemacht, daß die alte, kleine Kirche freilich der Typus einer echten, anheimelnden Dorfkirche einem größeren Gotteshaus weichen müsse, die Vorarbeiten waren schon im Gange, auch Pläne lagen bereits vor, .indes bindende Entschlüsse waren noch nicht gefaßt da zerstörte der gewaltige Gewittersturm vom 31. Mai v. I. die Kirche. Und wie damals große Scharen von nah und fern herbeieilten, die in Trümmern liegende Kirche zu sehen, so waren auch jetzt viele Hunderte erschienen, das Fest der Grundsteinlegung mit^nbegeben. Vollzog sich auch die Feier ip engem Rahmen von Einladung der Behörden usw. chatte man abgesehen so war's hoch eine schöne, vrohlgelungene

und alle Teilnehmer bewegende Feier. Frische Gemeindegesänge und Darbietungen des Schülerchors umrahmten die an 1. Mose 28, 1822 sich anschließende Rede des Ortsgeistlichen, Dekans Strack, der markig und gedankenreich, ernst und doch hoff- nungSfreudig sichtlich die Herzen bewegte. Nachdem die Urkunde verlesen unb nebst einer Bibel, einem Exemplar desGießener Anzeiger^ und einigen Münzen unter dem Gesang des Liedes Ein' feste Burg ist unser Gott" int Grundstein verwahrt worden war, erfolgten die üblichen Hammerschläge seitens des Dekans Strack, des Bürgermeisters Heß, be» Bauführers (ttt Vertretung bcs leiber oerhinberten Baumeisters Hoffmann-Her­born) sowie bes Architekten Ab ermamn. Man hofft, bic Kirche, bic mit über 700 Sitzplätzen bem erhaltenen, nußerft charakteristischen Turm sich anpassen wirb unb eine Zierbe bet Gegenb zu werben verspricht, noch in biesem Jahre cinweihen zu können. Tlöge bic Einweihung her Gemeinde einen ebenso fröhlichen und gesegneten Festtag bringen, wie die Grundstein-- legung!

O Laub ach, 12. Mai. Das neue Arntsgerichts-- gebäude ist nach dem Voranschlag mit einem Kostenaufwand von 105 000 Mk. erbaut. Hierzu hat die Stadt 10 000 Mk. beigesteuert; ursprünglich hatte sie sich zu der doppelten Summe verpflichtet, doch ist ihr die Hälfte erlassen toorden. Dazu stellt die Gemeinde das Gelände kostenfrei, was einem Aufwande von 12 000 Mk. gleichkommt. Von einem länd­lichen Villenstil ist nichts zu bemerken. Allgemein fällt das Plumpe und Massige der Ausführung aus; auch steht der Netibau zu nahe der Straße, so daß die umliegenden Ge- bäube ganz gedrückt erscheinen. Noch niemand hat sich hier beifällig über den Bau geäußert. Während des Winters 1907/08 sollen im alten Amtsgerichtsgebäude, das Eigentum der Stadt ist, bauliche Veränderungen vorgenommen werden, damit die Post aus der Hainstraße am 1. Mai 1908 dahin übersiedeln kann. Am gestrigen Mittage fand hier ein Fußballwettspiel zwischen den Mannschaften des Gießener Nealgymnasimns und des Gymnasiums einerseits und denen des hiesigen Gymnasiums statt. Die Laubacher wurden ge­schlagen; das Ergebnis war 1:3 Toren.

Bad-Nauheim, 12, Mai. In dec abgelaufenen Woche sind 112 9 Kurgäste angekommen. Die Gesamt- frequenz bis zum 9. Mai beträgt 3032 Personen, wovon an genanntem Tage noch 2261 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 9. Mai 24 069 abgegeben.

t. Friedberg, 11. Mai. Beim Grundgraben für den Neubau des Paul Frieße dahier stieß man auf die Uebcrrefte einer Römer-Ziegelbrennerei. Zahlreiche Ziegelstucke der bekannten Formen jener Zeit, mit Abzeichen und römischen Inschriften, Tongesäßfcherbcn, eine irdene Prägeform für einen Römerkopf (von der Größe einer Kinderfaust, anscheinend sorgfältig schön ausgearbeitet) und anderes wurde bis jetzt gefunben und von dem hier ansässigen Denkmalpfleger besichtigt unb verwahrt. Die Aufdeckungsarbeiten sollen am nächsten Montag (13. b§.) fortgesetzt unb weiter ausgedehnt werden. Tie Fundstelle befindet sich in der Vorstadt zum Garten, am Gärtnerweg (zwischen der Bindewaldscheu und der Roßbach- schen Fabrik).

** Kleine T2 i 11 ? i: r r,.....5? esse n und den

Nachbarstaaten. Johannes 28 o H 4. von Nieder-Of- leiden wurde als Beigeordneter dieser Gemeinde gewählt und bestätigt. In Friedberg wurde bei der Ausschachtung für den Bau eines Hauses ein römischer Töpicrofen gefunben. Mit ber Posthilfstelle in Fischbach (Oberbesfen) ist eine Tele­grap h e n a n sl a l t nebst öffentlicher Sprechstelle und Unfall- Meldestelle vereinigt worben. Die Gemeinbe Rainrob erbaut eine eiserne Brücke über d'ie Ribda.

Lonb o n, 11. Mai.D i e TI ä b ch e n von Gottenberg* ist ber Titel einer militärischen Burleske, die dieser Tage hier ihre Ur-Aufführung erleben sollte. Tie Vorstellung wurde abgesagt. 2Bie die Daily Mail meldet, enthielt die Biirleske eine Travestie des Hauptmanns von Köpenick. 2(u§ diesem Grunde winde das Stück in Bezug auf feine Zulässigkeit besonders sorgfältig geprüft. Dabei stellte sich heraus, daß ber Text eine Reihe ungehöriger Anspielungen aus ben beutschen Kaiser enthielt. Bis zu bereu Ausmerzung mürbe beshalb bie Erlaubnis zur Auf» f ü h ru n a verweigert.

GerrehtsHasL.

[] Marburg, 10. Mai. Tie hiesige S t r a f k a m in e r cer< urteilte bie Metzgersirau Hirsch aus Ällenborf, bie bas Innere ber Butterwecke mit Rinbertalg füllte, wegen Nahrungsinittel- f ä 1 s ch u n g zu 6 0 M k. Ge 1 bstraie.

Leipzig, 10. Mai. Tas R e i ch s g e r i ch t verwarf bie< Revision des Rittergutsbesitzers Grafen P ü ck l e r - Klein-Tschirne, ber am 15. März vom Lanbgericht Berlin I als Berufungsinstanz wegen Aufreizung verichiebeuer Bevölkerungstlassen ztl Gewalttätig­keiten gegen einanber zu einem Monat Gefängnis verurteilt worben war.

Telefonische Kursberichte

des Giessener Anzeigers, mitge und Industi

Frankfurter iSörs 314°/o Reichsanleihe . 95.65

3% do. . . 84.20

3)£°/o Konsols .... 95.75 3% do.....84.25

3^°/o Hessen . . . 93.75

3%°/0 Oberhcssen . . . 94.00 4% Oesterr. Goldrente. . 99.20 4\'62o Oesterr. Silberrente 99 80 4% Ungar. Goldrente . . 93.75 426 Italien. Reute . . . 102.75

326 Portugiesen Serie I . 67.60 326 Portugiesen III 68.40 4/6°/o russ.Staatsanl. 1905 91.65 4%° o Japan. Staatsanleihe 93.50 4 26 Conv. Türken von 1903 94.00 Türkenlose.....142.20

426 Griech. Monopol-Anl. 50.30 4% äussere Argentinier 85.75 3% Mexikaner . . 4)4 °/0 Chinesen .... 97.25

Aktien:

Bochum Guss..... 228.80

Buderus E. W . - -

Tendenz: schwächer.

BSerliner Börse, 1

Cauada E. B..... 173.10

Darmstädter Bank . . . 133.10 Deutsche Bank .... 227.90 Dortmunder-Union C. . . 77.50 Dresdner Bank .....

Tendenz: schwach

teilt von der Bank für Handel ie, Giessen.

e. 13. Mai, 1.15 Uhr.

' Elektriz. Lahmeyer . . 128.50

Elektriz. Schuckert . . . 113.70 Eschweiler Bergwerk . 233.00 Gelsenkirchen Bergwerk . 200.80 Hamburg-Amerik. Paketf. 133.20 Harpener Bergwerk. . . 209.00 Lanrahütte...... 228.50

Nordd. Lloyd .... 120.10 Obeischles. Eisen-Industrie 112.20; Berliner Handelsges . . 156.00 Darmstädter Bank 133.20

Deutsche Bank . . . 228.00

Deutsch-Asiat. Bank . . 171.00 Diskonto-Kommandit. . . 172.75 Dresdner Bank . . . 144.50 Krcditaktien..... 267.30

Baltimore- und Ohio-

Eisenlahn . . . 97.16

Gotthard bahn . . . ..

Lombard. Eisenbahn . . 23.20 Oesterr. Staatsbahn . . . 145.50 Prince-Henri-Eisenbalm . 138,50

$. Mai. Anfangskurse.

Harpener Bergwerk . ..

Lanrahütte .... 228.55

Lombarden E. B. ... 23.10

Nordd. Lloyd......120.00

Türkenlose . ....-1

Kindermehl

Bestbewährte gesunde und magen-

darmkranke

Nahrung für: sowie schwächliche, in der Entwicklung zurückgebliebene

Kinder.