Ausgabe 
12.2.1907 Zweites Blatt
 
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- BurgervereinS-Vortrag. W-e aus dem Anzeicien- teil näher beruorqcbl, findet auf Veranlassung des Bürgervereuis an, Donnerstag abend int (£a(e Veib eine allgemeine Bnrgerver- fanunlinifl flalt, die fielt mn der Bodenreform bcidtäiuaen wird. Als Referent ist der t-efamne Sozw-poluiker Professor Tr. Staudinger ans Darmstadt gewonnen. Ter Bürge-verein möchte durch diesen Vorl'ag, ein nachfolgendes Rorrefeiat und freie Aussprache, das Urteil Häven helfen über eine Bewegung, die in den leisten Jahren in Staats- und Geinenidevotttik solche Fori- schrille gemacht dal, das; auch dienen sich bald nut ihr wird auS» einanderiet-en müssen. Bei der Bedeutung des Vortragenden ver­sprechen die Verhandlungen reiche Anregung und gründliche Ver­tiefung.

"Mittelrheinischer T n r n t a g. In unserer Nachbarsladl Marburg ivird am 3. März, morgens 11 U()v beginnend, der 6 9. ftieiSturntafl deö MiilelrHernkreiseS abgel)altcn. Folgende Tagesordnung liegt ihm zugrunde: 1. Rlitleilungen; 2. Aufnahme neuer Vereine; 3.'Abänderung der Wettnrnordnilng und Mililerriegenturnordnting; 4 Bericht- erstaltung des $Uci5Dcrirclcr8, des Kreisturnwartes und des Verlrelers für die Presse; 5. 'RecHnungSablage für 19«>6 und Bericht der RechnungSprüscr; 6. das 28. Kreisturnfest in Hanau; 7. Neuwahl des geichäslSführenden Ausschusses und des Turnausichusses; 8. Wahl der Abgeordnetel, zum 14. Deutschen Turntag; 9. die zu gründende Kreiszeitung, für deren Bestreitung der Stollen die Steuer um 3 Pfg. für jedes 9Ailg>ied erhöht werden soll; 10. daS 11. Deutsche Tiirnfesl in. Fralitflirt a. DL; 11. Antrag des 0)auec- H e s s e >i, helreffend A d ä n d e r u n g der Wahl der Abgeord- nehm zu den Sire iS t um lagen durch die Gaue, die auf je 1000 Rsttglieder einen Vertreter stellen sollen; 12. Anlrag des Turners Scherer von der Turngemeinde Lsfcnbach a. 'UL, einen besonderen Gedenktag für den Tirrnvalcr Jahn sestzi:- setzen; 13. Bekannlmachiingen.

D i e hessisch en Gerichtsvollzieher rich­teten an das Grosih. Ministerium dec Justiz in Tarmstadl und die beiden Ständekammcrn eine Eingabe, in der uiiler ausführlicher Begründung gebelen ivird, daß den Gerichtsvollziehern ein diettogebührenelnkoinmen steigend von 2000 bis 4000- Mark staatlich garantiert ivird, ihr pensionü- fähiges Diensleinkoininen, das zur Zcit ohne Unterschied der Diensljahre 2600 Btark b.trägt, in Stufen nach TienflaiterS- klassen auf 2000 bis 4000 Mark festgesetzt ivird und ihnen bei Verjetznngen Umzugskosten in gleicher Weise wie den anderen Staatsbeamten gewährt werden.

Eine kleine Schule. .Tie am 1. Januar in dein Odenwalddorf St noben errichtete Schulilellc winde dem Schul- amtsajpivankm Schneider vom Kühkopf bei Erfelden über- tragen. Die Schule wird von 1 5 Schüler n aus den Ge- nieinden Slnobctt und Breitenwiesen besucht und dürfte damit die kleinste Schule nu Hessenlande sem.

x Nidda, 11. Febr. Eine von ca. 400 Psarrern, Lehrern und Bürgermeistern des Kreises Büdingen besuchte Versammlung fand heute nachniittag im Saale zum Garn- briiius unter dem Vorsitz des KrciSrats Aöckmann statt. Zivei Referenten, P.arrer Becker und Lehrer Stork, behandelten das Thema: ,'ißas kann zur Förderung der Sitt­lichkeit iind Wohlfahrt und zur Fürsorge für die schulentlassene Jugend in unseren Gemeinden ge­schehen?" (Näherer Bericht folgt.)

KB Darmstadt, 11. Febr. Das Projekt einer Nied bahn von Mainz-Bischofsheim, Ginsheim, Trebur, Geinsheim, Leeheim, Goddelau, Erfelden hat bestem Ver­nehmen nach im Allgemeinen die Zustimmung des preußischen EijenbahnminisieriuiiiS erhalten. Tas Ministerium hat sich bereit erklärt, die Vorarbeiten für dieses Projekt in die Wege zu leiten. Das früher vorgeschlagene Projekt über Ginv- heiin-Bauschheim-Ostheim nach Groß-Gerau sand nicht die Genehmigung der zuständigen Stelle. In emer Verjamm- lung von Vertretern fast sämtlicher interessierten Gemeinden des Ried, die am Samstag in Mainz liattfand, erstattete LandtagSabg. Molthan eingehenden Bericht über den Stalid der Bahnbauangelegenhell; die Versanimliing erllärte sich nach längerer Debatte mit der Entscheidung dcS Eisenbahn- minlstcriums einverilanden und beauitragte den Referenten, der Großh. Liegierung das Einverständnis der interessierten Gemeinden nntzuteilen und dieselbe um wirksamste Unter­stützung, sowie möglichste Beschleunigung der Vorarbeiten zur Turchführuiig des neuen Bahnprojektes zu ersuchen.

fester Einnahmeposten im Budget der Stadt figuriere. Herr E ha Ui er toafleie aui die Gäste. Vorträge der Mitglieder Haubad), Schmieder und Schmidt joiuie (saus comparaisou) die Weilen einer offenbar au tarnevatifiijchen Zwerten hier eingetrosfenenKapelle ans der Pfalz" hielie» die rnusik- rmd tanzfreudigen Teilnehiner noch lange m Stimmung. H. ül.

R. B. Darmstadt, 11. Febr. Das Grosiherzogliche Paar und Prinzessin Dorothea von Solms-Hohciuolms-Lick) be­suchten heute die Fasching-Kiirder-Borstellung im Lwfthcctter: Der g e st i e s e l t e Kate r", die Märchenlouivdie, die von E. A. Gorner nach Perraults Märchenle chat botto" frei für die Bühne bearbeitet wurde. Das von Oberregifseur Baldect prächtig und wirkungsvoll neu einstudierte Stück amüsierte nicht nur die Lleinen, die fast durchweg in kleidsamen bunten Kostümen und freudestrahlenden Antlitzes erschienen waren, sondern auch die Großen in bester Weise. Der Zudrang zu dec Vorstellung war so groß, daß schon lange vorher das sonst seltene Piatar Ausvertaust^ hecvorgeholt iverden mußte. Der außerordent­lichen 'Nachfrage ivcgen ist für nächsten Freitag eine Wrederhotung der Märchenaussühruilg angeordnet worden.

Man schreibt uns aus Frankfurt a. M., 10. Februar: Ludwig Fuldas KomödieDer heimliche König' ge­langte gestern in trefflicher Darstellung zur ersten Aufführung und wurde vom Publikum nach den ersten beiden Akten mit sehr großem Beifall aufgenomnien, während im letzten Akte die Wirkung nachließ. 23ou den Einzclleistungen ist in erster Linie Fräulein Jrmen als reizende Sigune hervorzuhcbcn; Herr Kirch war ein imposanter seuriger Pcredur, nur etwas zu robust.

Zu den falschen Gerüchten über die Eikrankung bc4 Prof, von Behring m 'Marburg liest man jetzt m der dortigen .Lberhesj. Zig.":

Tie Pariser ZeitungQanterne" hat wörtlich behauptet:

Le bruit a cuuru, daus des inilieux mcdicaux, que le ducteur Behring, prufesseur & lUuiversitö de Marbuurg, c6.6ure pur 8c.' rechercbes sur le raccin d« la tubereulose, serait enleruiö uaus uu asile daliönes. Le ducteur Debove, duyeu de la faeultedo ui6de- ciue, interrog6 de ce sujet, d6clore quil a euteudu parier otti- cieusement de Pinter-erneut.1*

Wie die von Profejior Debove dementierteLanterue" zu ihrer Behaupiwig gelommen fern mag, daß dieser französische Gelehrte uir die Mischen Gerüchte ueraniiuouud) m, und wie Pro- sefior Tebove sich nut der , 2amerne alisemaiideige.etzi hm, dar über ist vorläufig noch nichts bekannt gewoiden.

Atis dem Streife Wetzlar, 12. Febr. Fastnacht war noch vor wenigen Jahren unserer armen Leute Festtag. Selbst Kinder, die sonst nicht ihr Brot an den Haustüren erbitten nmsiten, gingen dann mit leeren Körbchen von Hans zu Hous, um ein .Fastnachtsgriebchen* in Empfang zu nehmen. Tie Knaben huqen meinens einen sog. ,Fastnachts­spiel;", an dem sie ihre Speckernte nach Hause brachten. Oft stellten sich die betr. Jniigen gnippenweife im Flur des Hauses auf und sangen den Bittvers: Gebt mir ein Stück non eurem Speck, sonst geh' wir nitt von d'c Haustür weg! Tas Fast- nachtsabendessen bestand dann fall regelmäßig in einem tüchtig mit Speck gespicktem Eierkuchen. Durch die jetzige größere Wohlhabenheit unserer Bevölkerung ist diese Boltssiite fast ganz »erschivuuden.

== Herborn a. d. Till, 10. Febr. Rach dem letzten VerwaltungSbencht besitzt unsere Stadt ein Kapitalvermögen von 147 597,63 Mk.; hinznzurcchnen ist noch der Wert an Grundfiücken, Gebäuden re. im Betrage von 1919 410 Mk. und daS Wasserwerk mit 170000 Mk. Herborns Schuld beträgt 394 490,97 Mk. Der Vecmögeusbeiiand beläuft sich insgesamt auf 1 751 543,66 Mk. Die Sieuereinnahme war 5167 Mk. höher als im Vorjahre. Die Einnahme für Wasser Hellte sich auf 9366 'Ulf. Tie Forliverwallung nahm 8475,67 'Ulf. und die Eisenbahn für den Güleiverlehc 272 178 Mk. ein. Auch die Poft hat eine steigende Emilahme.

* * Kleine M i 11 e 11 u n <i c n aus dessen und den N a ch b a r ft a a t e n. InFrankfnrt a. 'UL flatb nach längerem L'cibcn Tr. Heimann B ärwa I d, Direktor a. T. des Frantturier Phtlaulhropins. Tie ötähmaichinenfavrik I. 'Weriheim in ArantiiiU hat in Bonames LUU Morgen Terram erworben, die sie für möuiirielle Zwecke verwerten wird.

Kc.sijche Acikintgung für FolksLunde.

lLriginal-Berickt des Gießener Anzeigers.)

Die Vereinigung kielt am Montag abend ihren zweiten Mitgliederabend unter dem Vorsitze des Professors Dc. Helm ab. Großes Interesse bot der Vortrag des 1. Vorsitzenden, Pfarrer Schulte, über das Thema:Großen-Lin den er Sitten und Gebräuche bei Taufe und Hochzeit vor 250 Jahren und heute". Wir entnehmen dem Referat folgendes:

In den meisten Orten OberhessenS ist nur noch wenig aus dieser allen Zeit zu finden, |o ganz bejonoers hat in der 'Lßeiierau und der Umgegeuö von branlnirt der geitcigcrte Bei kehr am- geräumt nm den allen Geivohuheiten und Bräuchen. 'Mehr als der Verkehr ist es bie tennvidlung des polnischen, gewerblichen und wirtichuiillchen Lebens, die sie mehr und mehr ucr|chiumDen heuen, io auch in der Umgegend von üliebcn. liniere Boriahreii haben in Büchern darüber fall nie etwas Himerlahen. 9hm ist aber dem Ae'erenlen durch eine giiickliche Fügung aut dem Speicher des Pfarrhauses m Großen-Luiden eine Sammtung von Heuen in die vanöe gcollcn, die die Siuen und Gebräuche der beiden Gemeuiden Großeu-Liuden lind Klen.-Luiden emgehenö behandeln. Es sind Cfuwhehl mit dem Titel P.oiokolluni, |ie find geschrieben von dem Pfarrer Philipp Bigelius ('-hleigel), der m der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts 1647-82 m Großen-Lmden lebte. Die Heile sind auch vom fiiel)enge|d)id)ilicl)cn Standpunkte l)öd)|l intcrefiunt. Sie beridjtcn über alle Erlebnifje und loidjligen Vorkonuniiifje, z. B. Ißahlen der IXelioren der Landesuiuversitäl, yinrid)iungcn in Wieuen, Brände, Unglücks'älle, Fama, das Leben m der Gemeinde, unicr der Luioe, die 'llemier im One tc. Großen-Lmden zählte damals 4kU, Klem-Liuden 183 Emwohncr. Von den ca. 115 peneu land P'arrer Schnlie 67, fo daß nur noch ca. 47 fehlen, die leöen- ialls verloren sind. Liefen 'Mitteilungen fÖnnen vieleJladjridjien über Stilen und Gebräuche nainenihd) bei laufen und Hochzeiten entnommen werden. Er beginnt mit der Taufe vor 26u Jahren. Xieie geschah bald nach der Geburt. Der Vater mußte den Piarrer persönlich ansprechen. Heilte geschieht die Aiimeldung in der '.Hegel am Donnerstag. '21 n den höchsten Festen wurden keine Tauieu vorgenommeii. Beim Ansprechen mußte der Vater Die meistens drei Paten nennen. Wie sehr man an der Zahl 3 iesthielt, er­hellt daraus, daß der P'arrer einmal den 4. Paten zurüdwies. peule sind m beiden Orten fogar 678 Paten üblich geworden. Tiefe Sitte beginnt um 'Mitte des 19 Fahrliiuiderts. Dies gejdjah nicht um der Patengeichenke willen, fonderii um den Bctfland uir das LUnd zu verstärken. Den Knaben hoben früher 2 'Manner und 1 Frau, das 'Mädchen 1 Mann und 2 Frauen ans der Taufe. Ter 3. Pate luar ursprünglich der namengebenöe Pate. Ein 9lame, der damals existierte, Kram ivohl Abkürzung für Katharine i|t verfchivunden. 'Aus derZujammensetzung derPatennamen entüanbeit dann öie vielenToppelnameu, wieHämijörg,Annliesbeth,Hannbalier, Georghennd), 'Marieliesbeth u. a. nr. Dies war in der zweiten päiue des 17. Jahrhunderts. Dieser Brauch war in Oberhessen weit verbreitet bis in die neuere Zett. Heute wählt jeder sogen, moderne Flamen. Den Paten wurden sruher vom Piarrer die lüm Hariptstücke abgehört. Oft wuröen sie ljeimgefd)idt, mußten besser lernen und wiebertommcn. In den damaligen Sd;ulen Glei­berg, Leihgestern u. a. war JiaiedjismuS die Hauptsadie. Daneben lernien die Besseren Latein. Paten von anderen Doriern mußten Zeugnisie über ihre lUnntmfic mubrmgen. Die Gießener brachten aber ost feine mit, fo des Junkers von Sd)walbad) Ehe'rau aus Gießen. Tie '2liisftellung beS Gevatterzeugnisjes kostete 5 Albis öu Heller, oder man gab Käse, Tauben, Butter, Wem, die Hand- werker ein 'Messer, Handsdmhe:c. Bet allen Festen wurde aus­giebig dem Triiiik gehilidtgt. Vor 2öU Jahren land die Taufe das ganze Jahr m der Kirche statt und zivar nacl) der Predigt. An dem Tauizug nahmen außer Gevattern aud) Bekannte und Per- ivandte teil. In Kletn-Lmden beliebt heute nod) der Tauizug, an dem Hebamme mit Kind, Vater und Paien teilnehmen; in Gioßen- Lmden ist dies nicht mehr. In Klcui-Linden gilt die Taufe nod) als Gememdeieier. Slach der Taufe geht der Zug zurück ms Taus­haus, wo das .Kmdbett" gefeiert wird, ohne diese Feier galt die Tau'e nicht vollständig. So kam folgendes vor: Em Kind erhielt die 'Jlotiau'e, starb naai wenigen Stunden, doch wurde nach 14 Tagen Kindbett" gehalten. Piarrer Weigel blieb oit m Kletn-Lmden über Jlacl)t gelegentlich der Famtlienielie und schlief beim Opiermann aui dein Heuboden. t'Dian bedenke, daß es nach dem 3Ujährigen Krieg war.) Tie Paten beschenltcn die Kindbetterin mit Geld, aud) das Kind wurde beichenkt. Heute fd)en(t man am Reiijahrstage das erste 'Mal 3 'Mk., daS zweite Mal 2 'Mk., dann 1 '1)1 f. nebst Beigaben, bei Konfirmation und Trauung folgen weitere Geschenke. Mu der Tanie waren Schmanien und Trinken unlöslid) verbunden. Besonders schwierig und huidernlsrelch geitaliete sich die Ehe- s ch l l e ß u u g. Das Heiraten begann mit dem Handstt;lag, im Vogelsberg Braut genannt. Die Braut schenlte dein Bräutigam ein Wischlrich (Tafchentud)). Das galt als Verlobung und tonnte fogar etngcflagt iverden event. würben Treiiloje durch die Sitte der Gebüctstreii von den anderen Btir|d)en gezivungen. 91ach dem Haiidjd)Iag lolgte die wemlaufhdie Kopulation, es i|t der geictjlidje Abfchluß des Lraudschlags, der Piarrer wohnte bei und hielt die Tischrede über em Sprichwort tc. Tie Feier dauerte bis 12, ja 2 Uhr. Darnach mußte der Bräutigam zum P'arrer kommen und das Aufgebot bestellen, das dreimal von der Kanzel er'olgte. Dann lolgte das Examen der Brautlettie uu Ptarrhaus über den Haie- djisiuus. Wiederholt wurden sie wegen ,d)led)ten tict|lungen Heun» gcjchidt. Tie gar nichts konnten, erhielten Umerricht vom Pfarrer. Das Examen foitetc Geld. War es beiianben, fo tarn endlich der Tag der Einsegnung, gewohnlid) am 'Montag, heute ui der Woche Donnerstags. Ter Hochzenszug m die Kirche und nach Haus voll­zog tick) meist mit Musik und die Wagen würben von iheitcrn be- gleitet. Bor dein Altar bradjte die Brant deut Pfarrer einen Strauß und em Wischtuch, yeute bekommt er noch einen Ros- marmzivcig oder Keime. Vlad) der Eit'segnnng begann das Fest, das Vauvtefleu war die Bräninppe. dci sit noch erhalten.

bei der

tieröadjt einer Veruntreuung benutigte |iu) vorerst niojL Erne wettere gründliche Li.cviswn von sachverständiger Seite förixrte aber eine große Reihe von ihm verübter straioarer Handtungen zu tage. '2115 RedMcr der Hauptkasfe Lag ihm ob: die Aussicht über Die llittercrhebcr bei den Filiatkasscn, die nach Auszahlung der Äran- l'engeld^r die Ueverschüsse an ihn als Hiauptrechiter avzuführc^ Oattcn. Er selbst Hütte das Hotwrar der Kauenärzte auszuzahlen, die Apotheletrechnungen, Kranlenbausbehatwlungen und die Ber- waltungskostcn zu begleicl-en, sowie die Vorschüsse an die Unter» erhebcr zu leisten; der Lleberschuß sollte verzüisiich angeregt wer­den. Die Rcvischn stellte enogült.g einen Fehlbetrag von 4125,48 Mark fest. Um diese Veruntreuungen zu verdecken, hat er eine Reihe von Belegen und Quittungen ver,älscht unö andere falsch angeseriigt. Ec änderte Krmittzeiisscheine aut Längere Krankheit^« dauer ab und setzte in die von den Empsangsoerechtigten aus­gestellten Quittungen höhere Betrüge ein a.s die>e quittiert halten. Andere veranlaßte er Brankettc zu unterzeichnen und lullte diese mit weit höheren Betrugen ans, als sie erhärten Hutten. Euicn Arzt veranlaßte er, eine zweite Quittung über das erhalten« Honorar auszustellen, du die zuerst ausgeslerlte verloren gegangen sei. Den von dem Arzt an der zweiten Quitrung gemachten Vermerk, daß es sich um eine Ersatzesuittung handelt, schnitt er ab und legte den Lievisionsbeamten beide Quittungen vor. In den Büä-ern hat er Ausgaben doppelt, dagegen Einnahmen nicht aufgeiüljrt. Bei der Revision legte er den Beamten eine Reihe von geiäliästen und verfälschten Belegen vor, die er in der Eile so plump gesäischr halte, daß mun es ihnen auf den ersten Blick ansah. Im Beriau,e der bievision leistete er mehrere Zahlungen unb änderte die Taten der Quittungen unb die seines Postbuck> auf eine frühere Zeit ab, um Glauben zu machen, die Zahlungen seien früher erfolgt Der Verwaltungsbehörde gegenüber leugnete er legiiajed Ver­schulden, aber bei seiner gerichtlichen' Vernehmung gestand er leine Veriehlungen jo।ort ein. Wahrend er anfänglich angab, er habe in dem mit seinen zwei Brudern gesühcten Bauge- schajt große Verluste gehabt, brachte er in dec Verhandlung vor, es habe ihm an Zett gefehlt, weShtulb die Sache vernach­lässigt worden wäre. Dec Fehlbetrag wurde von ihm aisoald gedeckt, sodaß der Kasse kein Schaoen crivachsen ist. Vor feinte Verhackung ist er an verschiedene Heute herangetreten, sie möchten ihn bei ihrer Vernehmung sck)vnen. Er wurde wegen fortgesetzter Unterschlagung in einheitlichem Zufammcntre,,eii mit Unter» schlagung und Urkundenfälschung zu einer GefängniS- lt r a e von 10 DJionaten verurteilt. Ter Umstand, daß der Sckjade alsbald gedeckt wuroe und daß die Fälschungen nicht borge- iwinuien wurden, um neue Unterschlagungen zu begehen, sonoern nur um die alten zu verdecken, sowie das offene Geständnis, veranlaßten das niedere ^traiuiafe. Die Untersuchungshast üi Höhe von zwei Monaten, wurde mit Rücksicht aus das Geständnis aus die Strafe in Anrechnung gebracht: dagegen lehnte das Ge­richt den Antrag auf Aushebung des Hastoe,ehlS ab.

Giebcner Strafkammer.

)( Gießen, 9. Februar 1907. Unterschlagung von Kraukeukasiegeloern.

Auf 'autonome Anzeige bei beut Kreisamt Friedberg wurde

Dis Hochzeit dauerte drei Tage. Dm zweiten Tage hielt der Pfarrer die Daulfagiiugsrede, in der der Humor mdn fehlte. Bei Be­erdigungen fanden Leidieninalilzeiien statt, an denen bei P-'arrer teihiohm, er hielt aud) eine Tischrede. Die edmiäufc baue neu initunier mehrere Tage. Diese Mahlzeiien sind verjdnviinden. Das 19. Jahrlnindert Hai am meisten von den alten Bränds-'i zerstört, die Kiichenlanfen wurden abgeidiafft, es haben sich allmählich andere Sitten und Bräuche gebildet.

Ter Redner erntete lebhaften Beifall. Dekan Strack- Leihgestern weift auf die große Verbreitung des Wischtuchs in Oberhesseu und im Odenwald hin, es habe sich mitunter noch erhalten. Dec Pale der Braitt erschien, ein Teller nut Kuchen in dec einen, das Wischtuch in dec andern Hand. In Leihgestern erhält der Pfarrer heute noch eine Zitrone. Pfarrer Hepding hebt hervor, daß dec Pfarrer in Großen- Linden nod) vor einigen Jahren ein Taschentiick) mit Zitrone, der Kirchendiener einen Rosniacmzweig erhielt. Von den Konfirmanden wurden an Pfingsten Eier gebracht. Tr. Ebel weift auf die Kirchenbücher des Hüttenbergs hm, die manchen Aufschluß gäben. 91achdem nod) Oberlehrer Dietrick), Tr. Fritzsche und Dc. Holzappel gesprochen hatten, schloß dec Vorsitzende die Verjainmlung.

dem Bauunternehmer Ph.), zu 'Rieder-Ajolt stabt, die Funktionen eines Hauptcechners bet Ortskran­kenkasse Rieber-Wöllstadt unb Umgebung, wozu 16 Ortschcgtm gehören, versah, eine Kasienreviiwn oorgenommen. Es wurden zunäciK zwar Unregelmäßigleiten ,e,^.gestellt, doch der

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* Der aus °'n Aniialeii der dürfte, film dieser ^"dlung. ßc ^obc halte, niei J ? bösen Menskt ina^te v !,e vor eiivfl 14 g f i« iuiaumic;

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* Jüterbog, 10. Febr. Der Leutnant Tewaag unb ein anderer Ossizier vom Lehr--Negiment der Felbartiilerie-Lchicß- Schule wollten sich heute in einem Krümperfchlitien nach bem Bahnhofe begeben. Der mit der Führung des Fahrzeuges be­auftragte Bursche l/atte vrc Weisung gemäfc ein schucie- Tempo eingeschlagen, als die Pferoe kurz vor bem Bahndamm vor einem l)cranbrau|enben Zuge scheuten uno durchgingen. DerSchli- t en schlug gegen einen Bau m und sämtliche Insassen wurden IjcraudgeidjlcuberL Tewaag flog mit dem Kops gegen einen Pseilcr b.r Eisenbahnbrücke unb erlitt einen schweren Schädel- b r u dji Er wie sein ebenfalls schwer verwundeter Kamerad wurden in besinnungslvsem Zustande in das Lazarett gebracht. Der Bursche tarn mit dem Schrecken davon.

* Reichstagszauber. Der neugewählte Reichs­tag bietet, was die Namen seiner Mitglieder anbelangt, ein recht buntes Bild. Sieben zwei ,Frank"en und einem Rormann ist ein .Sachse", ein /Preiß^, ein Böhme und ein Siebenbürger da. Ein Hermes erinnert an den griechischen Riyihos, David und die beiden Pauli mit Enge len an die Bibel. Den deutschen Tichiecivald verlceten Schönaich, Arndt, Hebel und Heine. Ein Herold mit Pfeisfer'n und Siegern zieht dem Herzog voran. Tas Handwerk hat, wcniguens dem Namen nach, eine stattliche Zahl oon Abgeordneten: drei ÜRüller und drei Schmidts, zwei Becker (nebst einem Beck, einem Sem le v und einem Fischbeck) und zwei Wagner, ferner einen Fleischer und einen Metzger, einen Zimmer­nt a nn und einen Fassbender, einen Weber, einen Schn eioer und noch einen zweiten ,Von dersch eer". Tie Landwirtschaft vertritt ein Bauermeister, ein Vogt, ein 2)1 e ier, em Feldmann; die Feuerwehr ein Löscher, das Veikehrsgcwerbe em Fuhrmann und ein Träger. Im Bindewald haust ein Köhler. Ein Jäger mit Roe reu und Boltz folgt auf dem Ha tzseidt dem Wilde, mit dem Kapheugfi kommt er auf den Hirschberg und zu dem Biebern em, scheucht ec den Wolff, den Haas und das Eichhorn. Die Vogelwelt entsendet den Geyer, den Euler, den Raab, den Finck und den Hahn. Aus dem Pflanzenreich flammen dec Birken meyer und der G e c si e n b e r g e r, der K i r s ch nebst S t a m m und Stengel, aus dem Viineiatreich der Goldstein, dec Erzbecger und dec Kalt hoff. Der einzige Kaufmann bat ein reichhaltiges Horn lager, vielerlei gewöhnliches ,Hocn^, dazu em Ahlhorn und ein Blankenhorn. Bei dem gegen- wärtigen Wetterlö spielen Schüler, ohne dasi ihr Hoff- m ei fier sie hindert, auf dem D a m m, bet einem Winter­feld gleicht, und der Schnee türmt sich zu einem Riese-