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15.1.1907 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

sozialdemokratischen Presse.

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Auf den Ton, der in der sozmt.bemokrattfchc:i Presse herrscht,

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von der SozialdeniOlratte bei den meisten beträgt noch mehr.

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neuem zu bestreiten, also uns beioe der Lüge zu -eihcn. Ich erhob mich und verlangte von ihm, daß er sich den Namen aufschreibe und die Sache verfolge, denn eine derartige Behandlung konnte ich mir in einer öffentlichen Versammlung nicht gefallen lassen. Wenn ich Herrn Beckmann recht verstanden habe, hat er sich geweigert, meiner Aufforderung nachzukommen.

Das ist der Sachverhalt. Herr Beckmann hat also da- Wort ,Lügner nickst -wusdrücklich gebraucht, aber er hat Herrn Riedel u/nd mich behandelt, als ob wir bewußt die Unwahrheit verbreiteten, d. h. er hat uns als Lügner behandelt.

Bei dieser Gelegenheit sei als weiteres Beispiel für die Art, wie der Wahlkampf geführt wird, mitgeteill, daß in Ober- Ohmen mir gegenüber ein Herr Kratz behauptete, Herrn Beck­mann sei in Großen-Buseck das Wort nicht mehr erteilt worden, obwohl es doch Larsache ist, daß auf die Frage des Vorsitzenden, Herrn Lehrer Wagner :Wünscht noch jemand das Wort?" sich niemand mehr meldete. Dann erst wurde die Versammlung ge-

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Zum Liebrswerben der Sozialdemokratie um die Stimme« der Postbeamten.

DaS Gießener Organ der Sozialdemokratie brachte dieser Tage einen längeren Artikel über die Lage der Postunterbeamten, um deren Summen für sich einzufangen. Auf den materiellen Teil dcS Artikels fei für heute nicht emgegangen. Nur möchten wir einmal zeigen, wie es die Soz'alüemokratie, die allen goldene Berge verspricht, als Arbcitgtberm macht: 1. In den unter sozialdemokratischer Leitung stehenden Konsumvereinen beziehen über 2250 Verkäuferinnen monatlich weniger als 5 0 Mark Gehalt, nur 52 erhalten mehr. Nach einer Statistik der großen Vereine gewähren diese aber eine Tivi- bende bis zu 14 Proz. 2. Tie ,Lewz. Volk-ztg.* gab 1902 ihren Angestellten eine Zulage von 1,50 Mk. statt der erbetenen 3 Mk. wegen der Notlage. Im Zähre darauf brachte dieses notleidende Blatt säst 50 Proz. Dividende. 3. Von den unter sozialdemokratischer Leitung stehenden großen Konsumvereinen gewährten nach derselben Statfiut nur 2 die

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Ta War die Versammlung in Rödgen Herr Vetters kämpfte sachlich

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Gegner über den großen Wert unserer Kolonien abzuschwächen, bringt die sozialdemokratische Partei des Gießener Wahlkreises einen längeren Artikel. Darin werden die von unseren Ko­lonien ausgeführten Produkte: Baumwolle, Faserstoffe, Kaut­schuk, Oelprodukte, tropische Nutzhölzer usw. aufgezählt, und ihre Werte milgeteilt. Die Angaben sind, wie es dort heißt, auß dem WirtschastSatlaS der deutschen Kolonien genommen. Zum Schluß wird noch der bisherige Reichstagsabgeordncte Dc. 6emler zu Hülse genommen, um unsere Kolonien lächerlich zu machen.

TaS Mittel ist ebenso naiv als plump. Wer wüßte denn nicht, daß unsere zum größten Teile noch in den ersten Anfängen der Entwicklung steckenden Kolonien jetzt nur einen winzigen Bruchteil von dem liefern können, was sie in 10 bis 20 Jahren ergeben können? Jeder Bauer weiß, daß em 3 jähriges Baumstück nicht den Ertrag liefert wie ein 20jähriges, und jeder Kaufmann weiß, daß gewisse Geschäfte sich nicht gleich rentieren.

Mit all diesen Mittelchen können die Angaben eines Dchlettmann und anderer sachkundiger Landsleute nicht wider­legt werben. Wenn unsere Kolonien im Jahre 1905 auch nur für etwa 400 000 Mk. tropische Nutzhölzer zu uns ge­sandt haben, so liegt daS an dem Fehlen von Eisenbahnen und dergleichen. Deshalb hat der Holzbestand in Dcutsch- Ostasrika allein doch einen Mert von 100 Millionen netto und die Worte des Engländers DaviS: , Die landwirtschaftlichen und bergbaulichen Erwerbs­quellen von Südwestafrika sind von ungeheurem 'Serie*, werden auf diese Weise nicht entkräftet. Bezüglich der Baumwolloerhältnisie in Südwestafrika könnten die Herren einmal nachlesen, was ihr erstes Blatt, der .Vorwärts*, am 16. Oktober 1903 geschrieben hat. Sie könnten dann die betreffenden Stellen zur Aufklärung ihrer Leser veröffentlichen, damit diese nicht einseitig unterrichtet sind.

Aus Anlaß dec ZSalMämpse

erhalten mir täglich eine Reihe von Zuschriften aus den Der- schudensten Kreisen der Gesellschaft in Stadt und Land. Sie sämtlich abzudrucken sind wir außerstande. Jedoch sei den 1 wichtigsten Zuschriften Raum gewährt.

Zur Aufklärung.

In Nr. 11 desGieß. Anz." nnro der Fall Riedel in Großen-Buseck besprochen. Er mag hier ausführlich bar*

Zur Wahltaktik der Sozialdemokratie.

In einem sozialbemokr. Bericht über eine Wähler- Versammlung in Dutenhofen wirb Prof. Prenzel arg mitgenommen. ES wird ihm u. a. zum Vorwurf ge­macht, daß er eine Parallele zwischen bem Kriege von 1870 bis 1871 und dem in Sübwestafrika gezogen und gemeint hätte, es wäre jetzt gerade so, als wenn der preußische Landtag die Mittel verweigert hätte, den glorreichen Krieg von 1870 zu Ende zu führen. Dann heißt eS: .Lieber Herr Professor, der Krieg von 1870 war doch immerhin etwas anderes, als die EroberungS- und Vernichtungskriege in Afrika.*

Der Verfasser will da im Handumdrehen seiner Partei ein patriotisches Mäntelchen umhängen. Wir bitten ihn folgendes darauf zu schreiben: Unser großer Bebel sagte am 26. November 1870 im norddeutschen Reichstage: .Herr Liebknecht und ich verlangen nicht mehr und nicht weniger als die Ablehnung der Mittel zur Fortführung deS Krieges.*

Mit dieser Inschrift entspräche die Sache der Wahrheit.

Ter Kampf um unsere Kolovirn. die mündlichen und schriftlichen Darlegungen der

wüsten Schimpfereien, mit denen sie ihre Gegner über­ist von ^i>nen ,ckwn oit lsingewicsen wordcu. Das

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hindert aber die Herren dieser Preise nicht, wenn ihnen in ähnlicher Weise entgegnet wird, die Sntrnjrung ixt Wohlanstandigkeic

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lomw.cn, aber was niiij: es, einen zwecklosen Slar.^f gegen

poütijc^c Lagesschar».

Echte Völkerfreundschaft!"

In her Metropole der großen transatlantischen Republik ist eine Wochenschrift .Amerika* begründet worben, die mithelfen soll, eine echte Völkerfreundschaft zwischen Ameri­kanern und Deutschen erstehen zu lassen, und zu diesem Zwecke' ihre Spalten hervorragenden Amerikanern zur Verfügung stellt, damit sie Verständnis für die politische, wirtschaftliche und soziale Eigenart ihres Landes durch volkstümlich ge­haltene Darlegungen in weitere Kreise des Deutschtums hineintragen. Und ein der Newyorker Wochenschrift ent­sprechendes deutsches Zeitungsunternehmen ist soeben in Ham­burg unter demselben Titel geschaffen worden, in dem vor allem das literarische, gelehrte und künstlerische Deutschland; sich an die Amerikaner wenden will, um sic mit den Besonder­heiten deutschen Gemeinschaftslebens vertrauter zu machen. Also ein Seitenstück zu dem Profesioren-Austausch, das zweifellos gut gemeint ist, von dem aber immerhin sehr frag-, Uch sein dürfte, ob es die Volksmassen einander näherbringen wirb. Mit ber Entwicklung von Theorien, unb feien cs bie ebelften, ist ba wenig getan. Bestimmend wirb stets die praktische Gestaltung der wechselseitigen Beziehungen fein, unb, fast will eS scheinen, als solle vermittelst ber amerikanischen Wochenschrift ein gewisser Druck ausgeübt werben insofern, als ber Appell an das deutsche Wohlwollen sich hören läßt in einer Zeit der Vorbereitung beider Länder für ein handels- polit. Uebereinfommen. Man kalkuliert am Ende, ber beutsche Ebelsinn würbe sich vor aller Welt in ein schiefes Licht setzen, wenn seine Repräsentanten bie Bemühungen hervorragender Amerikaner um die echte Völkerfreundschaft durch Erschwerung der Möglichkeit wirtschaftspolitischer Verständigung durchkreuzen würden. ES bleibt abzuwarten, ob auch von bem auf bie amerikanische Politik jo nachdrücklich einwirfenben Senat Mit- gheber sich bereit finden lassen werben, bie echte Völker­freundschaft mit den Deutschen herbeiführen zu helfen, unb zwar nicht sowohl burch Artikel, als vielmehr in ihrer Eigen­schaft als Gesetzgeber burch Berücksichtigung ber gerechtfertigten Wünsche DeutjchlanbS.

Nix daitsch.

Man schreibt uns aus Berlin:

Die heutigen Montags-Frühblätter brachten als kurze Lokal-' Notiz bie Nachricht von dem Selbstmordversuche eines neunzehnjährigen Polen, der aus Verzweislung darüber, daß er infolge seiner ungenügenden deutschen Sprachkenntnifse weder in Stettin noch in Berlin eine Stelle finden konnte, Petroleum, trank. Ein Vorfall, wie er sich im Getriebe der Großstadt häufig ereignet, der aber in diesem speziellen Falle nicht nur rein menschliche Teilnahme, sondern auch ein gewisses politisches Jn- teresse beansprucht. Ter Unglückliche versuchte, sich außerhalb seiner engeren Heimat sein Brot zu verdienen, er besaß ein paar kräftige Arme und den ernsten Willen zur Arbeit, vermochte sich aber nicht zu verständigen, weil er nur seine Muttersprache be­herrscht. Tasnix daitsch'^, dieses gewissenlose Schlagwort, welches von panslaoistischen Agitatoren mit Vorliebe in die oreiten Volks­schichten der verschiedenen siaoischen Nationen geschleudert wird, ist dem armen Polen zum Verhängnis geworden. Er har den Ver­such, sich jenseits von berPolatri' in der weiten Welt feinen Lebensunterhalt zu erwerben, ohne vie Kenntnis der deutschen Weltsprache zu besitzen, bitter bezahl..', müssen. Den polnisa>-n Chauvinisten mag e§ ja in die Nase stinken, daß sie mit ihrer Muttersprache über die Weichsel oder die Oder hinaus nicht

Hdauert habe; dieser aber hätte behauptet, er Lünne nichts tun und hätte auf die belaiuucabgehauene Hand" hingewiesen.^ Ich nannte dabei auch beit Namen meines Gewährsmannes. Trotz­dem wagte es Herr Beckmann, bie vorgebrachttn Tatsachen von

H^ r Riedel hatte schon in einer früheren Nummer desGieß. Vnz." von ber üblen Behandlung erzählt, bie ihm in einer berliner sozialdemokratischen Versammlung widerfahren war. Die ' Oießcncr sozialdem. Zeitung bestritt die Nichtigkeit dieser Tat- lache und suchte die ihr unangenehme Geschichte ins Lächerliche ' zu ziehen. Da ich die Sache wiederholt aus bem Munde des Herrn Riedel gehört hatte, brachte ich sie in Großen-Buseck vor, mit ber Bemerkung: Ein junger Freund hat mir den Fall j als eigenes Erlebnis erzäblt. Herr Beckmann wies in seiner Ent­gegnung die Geschickte als unwahr zurück. Sie sei nichts Er- übles, sondern eine Erfindung eines wenn ich nicht irre _ Cudelblattes des Vereins gegen bie SozialdenwkraLie. Das war für mich ein birefter Vorwurf ber iinwahrhaftig- leit, ber Lüge, und auch für meinen Gewährsmann.Ich treteitierte bann energisch gegen die Unterstellung des Herrn Beckmann, gab noch Einzelheiten der Begebenheit an, z. L. daß auch der Schwager des Herrn'Riedel herausgeworfen worden sei, daß fcerr Riedel sich bei einem vor ber Tür stehenden Schutzmann

heuchlerisch zur Schau zu tragen. Ergötzlich ist, was sich in dieser Hinsicht das Gießener sozialdem. Blättchen in seiner Nummer! vom 10. d. M. geleistet hat. Es berichtet dort über eine 'Jlcba dcö Präsidenten des oreutzischen Abgeordnetenhauses, v. Kröcher, in der er die ZentrumSieute und SozialdemokrateninfamtiAe öefuiter" nennt, mit Beziehung auf sie voninstruier Unver- ichämttzell" spricht und daß man ihnenauf die Finger klopien müffe".

Derartige Ausdrücke wird man ja nicht gerade als Mustev- beifDiele guten Tones bezeichnen können. Aber es ist auch ver- kehtt, darüber in Entrültung zu geraten; denn sie sind in einer Parteirede gesprochen, unb da entichlüpjt auch dem best erlogenen Mann, und zu denen gehört doch wohl Herr v. Kröcher, einmal ui der Hitze des Ge.i^es eine solche tteußerung, wenn sie überhaupt im Ernst gemacht ist. Wenn fiu) aber bie Genossen von Franz Mehring darob erregen, jo ist das lächerlich. Ganz besonders lächerlich aber wirkt in diesem Falle die Erregung des Gießener Blättchens, das in der nämlichen Nummer bie blühendsten Beispiele des sozialdemokratischenSauherbenwneS'' liefert. Dort wird in den vorhergehenden Artikeln vonKvlo- nialschwindlcrn",wettpvlitischen g-ieibeutem",politischen ^Mord­brennern",einer schwarzen Bande des Reederzariömus" go Iprochen, und selbst Einzelpersonen werden mit der üblen Jauch« solchen Stilpfuhls überschüttet. Herr v. Trotha wird derBluthelü von Südwest" genannt, und bem Reichstagsabgeordneten Seniler traut man bis zum Gegenbeweis einnichtswürdiges Verbrechen^ zu. Alles zu lesen in derselben Nummer, in der auch dets Kröcher-Artikel steht. A.

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Nr. 12 Erstes Blatt 157. Jahrgang Dienstag 15. Januar 1907

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ALe heutige Yummer umfaßt 10 Setten. tz-cgen den J,uxu9 in der Acmee.

LS wird und geschrieben:

Immer wieder tauchen Klagen auf über das Ginbringen eines Luxus in die deutsche ttrinee, der zu den Traditionen der rubn> Dollen Vergangenheit im argen Widorspruche steht. In der Tat hat das OffizierkorpS, welches die Diipoelstürnier tommanbierte tnb bei St. Privat die Garden zum Sturme anführte, weit ein­facher und besch.idener gelebt als das heutige, von welchem nur ein sehr kleiner Teil bisher Pulver gerochen hat. Man braucht sich nur an den nahezu spartanischen Haushalt zu erinnern, IU IG tu Mo11ke den größten Teil seines Lebens geful-rt hat, uul>t well er bis zu seinen großen militäriid>cn Erfolgen auf feine Gage angewiesen war, sondern well schlichte Einfachheit [einer Soldatennarur entiprach. Jetzt haben sich die Zellen allerbmgs geäubert, die Lebenshaltung ist bei weitem genußvoller geworben. Durch die Gegenwart geht Überhaupt ein starker Hang zum Wohl­leben: aber andererseits dar, nickst verkannt werden, daß, wenn es einen Beruf gibt, der seiner Vergangenheit nicht untreu werben bat], es der Ofsiziersstand ist- Die Geschichte lehrt uns aur jebem Blatte, daß, wenn das Heer verweichlichte, auch der Ltaat reif für eine Katastrophe wurde. Jenes preußische Ofiizier- korvs, welches sich bei Jena und Auerstädt mit Schmach bedeckte, fratu seine kriegerischen Eigenschaiten durch übertriebene Genußsucht unb leichtsinnigen Lebenswandel eingebüßt. So fielst das Jahr 1SU6 unjcligen AngedenlenS vor uns mit der emfien Mahnung, nicht wieder Zustände entreißen zu lassen, welche ber deutschen Irmee von neuem verhängnisvoll werden könnten.

Erst unlängst sah sich Kaiser Wilhelm veranlaßt, nach Linet Teilnahme am Mittagessen bei einem OffizierkorpS sich sehr ungehalten über den bei der Ta fei entfalteten £ u u s auszusptechen unb durch das Militärkabinett ber Armee t.n Wunsch zur flieniitniS zu bringen, daß auch bei seiner Anwesen« L it un iTreije von Offizierkorps das Mittagessen nur einen be- i, eibenen büraerlick>en Charakter tragen möge. Französischer Cett, teure Werne und Delikatessen sollen bon ber Ofsizierstasll tLcrlyaiLpt ausgeschlossen loerden. DaS Volk wird vieler kaller- l .ycn Willensineinuiig sicher -ustimmen, und ebenso wird daS Liniierlorpd Beifall -ollen. Das Protzentum einer Verhältnis« mäßig kleinen Minderzahl fkann für bie Mehrhell gefährlich n -iden, well das kämetlldschaftliche Verlstlltnis, in welchem bie _ Dji liiere zu einander fteljen, ein gewisfeS Mllmachen verlangt. Licht an ber Spitze des Regiments ein Oberst von schlichten Litten und bescheioenem Hauohatt, dann wird sein Beispiel sicher - auch erzieherisch auf die ihm unterstellten Offiziere cinroirten, i]t aber der stommandM em fDiann, ber mit Reichtum nrunft, lt wollen die anderen Offiziere nicht die Spartaner spielen, lindern steigern ihre Lebenshaltung entsprechend. Dadurch ge« inten die Minderbegüterten in finanzielle Verlegenhellen, und tj.ir manck-er beiahtgie Ollizier mußte seinen Ab|chted nehmen, iteil er durch die Verhältnisse in seinem Regiment gezwungen rar, über jein Einkommen hinaus zu leben.

Wo solche ungesunden Zustande vorhanden slltd, müssen sie djugeruttet löcrben. Unbarmherzig, denn wenn das Ofsizieickorps nclst vollständig tadellos seine Pfiicht erfüllt, ist das beste Sol« >ileiimaterial nicksts wert, es gleicht dann einem Schwert oljne . üliilf. US ist ohnehin schpn ein Uebel, daß bei den Subaltern- , ostizieren unserer Ltrmce ein Znsckmß vom väterlichen Hause erlangt wird, denn diese Aedüigung versckstießt vielen befähigten . Elementen die Ofsizierskarriere. In der vsterreickstschen Armee iiid die Gagen bedeutend niedriger, und trotzdem besteht der größte Teil des österreichischen OnizierkorpS aus ALännern, die uun ihrer Familie gar keinen oder nur einen sehr bescheidenen Zuschuß beziehen. Dabei ist aber das österreichische Offizier- .orp5 nach dein heutigen das beste unb von einer Ausopferungs- iäbigleü, bie uns bei Königgrätz mit Staunen erfüllt hat. Die bioorjugte Stellung, bie ber Offizier genießt, die Vorrechte seines Standes mus>en ihn für viele Ännehmltchkellen entsck-ädigen, deren , sich oer Zionist erircuL Ebenso wie nur ber ein echter Künstler | ist, dem lein Schaf j en den Labens Inhalt ausmacht, erscheint nur Der eigentlich würdig, Offizier zu sein, welcher in diesem Berufe vollständig aufgelst. .

Die Heldeiitaien und der Op,ermut der bcutldien Offiziere [ in Sübwestafrika haben uns zur Genüge bewiesen, baß von I veat kriegerischen Geiste, dem wir ein Sedan verdanken, noch nichts I verloren gegangen ist, aber bei ber Genugtuung darüber bürfen | wir uns nicht beruhigen, sondern müssen bei Zeiten mit den ! G.-fahreii reckten, von denen die Qualität unseres OffizierkorpS I tedrolst wird. Man kcuin nur wünschen, daß der St'aiicr keine j vklegcuben mehe findet zu neuen cchnlichen Klagen.