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13/08/1907 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

Dienstag 13. August 1907

Giehener Anzeiger

Erscheint tSgttch mit Ausnahme deS Sonntags.

General-Anzeiger für Gberhesfen

157. Jahrgang

DieSietzener FamMenblStter" werden dem ,9ln<eifler* viermal wöchentlich beigelegt, das Krdsblatt für den Kreis Gietzen" zweimal wöchentlich. Derheffifche Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: 61.

Redaktion:^^ii2.Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

RotattonSdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Eteindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Fie Lage in Marokko.

T«n g er, 12. Aug. Die Deutschen in Casa­blanca sind durch das Bombardement der Stadt schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Am bongen Sonntag früh 2 Uhr wurde das Konsulats-Korps in Casablanca von dem frcurzösischen Vertreter unterrichtet, daß um 5 Uhr genügend Truppen eines französischen Geschwaders die Stadt besetzen würden. Beim ersten Schuß von feiten der Araber werde die Stadt bombardiert. Morgens befand sich nur der französische Kreuzer GalilLe im Hafen. Er landete 60 Mann. Beim Marine-Tor fiel ein Schuß. Das Bombardement begann sofort. Die deutsche Kolonie hatte sich der Sicherheit wegen in das österreichische Konsulat zurückgezogen. Infolge der ungenügenden Landungs- lruppen wurde die Lage sämtlicher Europäer sehr kritisch. Tausende von Beduinen drangen in die Stadt ein, raubten, mordeten und vlünderten tagelang. Die europäische Ko­lonie war in Lebensgefahr. Biel deutsches Eigen­tum ist verloren. Die deutsche Post, die Wohnung des deutschen Konsuls, Privathüuser und Magazine sind ausgerauot und niedergebrannt. Bis zum 7. August war die Lage verzweifelt. An diesem Tage landeten die französi­schen Schisse Fremdenleaionäre und Zuaven. Am 9. er­klärte der französische Kommandant die Lage der Stadt für gesichert.

Die Besidung eines Deutschen in der Um- aebung von Casablanca ist von den Franzosen bom­bardiert worden. Der ganzen Familie wurde vom fran­zösischen Konsul Vertveigert, den Truppen folgen zu dürfen, um ihre Angestellten und ihren Viehbestand draußen retten zu können. Auch sind französische Soldaten widerrechtlich in die geschlossenen Magazine und Bureaus eines deutschen Kaufmannes eingedrungen. *

Aus Casablanca wird berichtet, daß die m a t e r i e l l e n Verluste der deutschen Ansiedler in Casablanca ruf mehrere Millionen Franken veranschlagt verden.

Der britische DampferGibeldersa" ist gestern mit 240 Personen, zumeist Europäern an Bord, von Mazagan hier ^ingetrofsen.

Aus Mazagan wird gemeldet, daß v o r l ä u f i g alles ruhig ist, daß aber die Volksleidenschaft jeden Augen- )lick zu neuen Unruhen führen könnte. Es sind Stämme )is zu den Stadttoren gekommen und baten um Geld. £er Kommandant desAdmiral Aube" hat dem Gouver- reur mitgeteilt, daß er im Falle eines Angriffs Mann- chaiten landen und die Umgebung der Stadt beschießen veroe. Der mit neun Schwcrverwundeten soeben aus Casa­blanca eingetroffene KreuzerGalilöe" bringt die Nach- ccht, daß die Straßen von Casablanca durch Ver- ) r e n n u n g der Leichen in Gegenwart der Behörden zesäubert würden. Zur Verfolgung der Kabylen seien Gruppen weit ins Innere vorgedrungen.

In Tanger herrscht große Unruhe. Zahlreiche Kamillen sind heute nach Gibraltar abgereist, und andere, >ie außerhalb der Tore der Stadt wohnen, haben sich in )ie Stadt begeben. Mohamedel Torres hat heute an Ue Vertreter der Mächte ein Zirkular gerichtet, worin r sie aujsordert, ihre Staatsangehörigen anzuweisen, sich ncht außerhalb der Postenkette zu begeben. Ein aus Ma- , agan hier eingetroffener Flüchtling erzählt, daß sich >ort nichts von Bedeutung zugetragen habe. Nur eren Ruhestörungen hervorgerusen worden durch Mauren, >ie von Casablanca bei den Kabylen eingetrossen seien und Einzelheiten berichtet Hütten über das Blutbad in Casa- Uanca. Ties habe die Kabylen aufgereizt, und sie hätten ich sofort zum Gouverneur begeben mit) unter der An- >rohung, daß sie widrigenfalls die Stadt zerstören und rtadje nehmen würden für den Tod ihrer Brüder, Geld 'erlangt. Ter Gouverneur Hube ihnen 2000 Dollar ge­leben und sie hierdurch für alle Zeit beruhigt. Es be- iehe aber die Gefahr, daß andere Stämme, wenn sie -wrvon hören würden, in derselben Weise vorgehen wür­den. Bis gestern habe der Gouverneur den Flüchtlingen w Erlaubnis zur Einschiffung verweigert mit der Begrün- mng, daß keine Gefahr vorhanden sei, und diese Eriaub- ris erst gestern dank dem energischen Vorgehen des Kom- nandanten des französischen KreuzersAümiral Aube" legeben. Tie Flüchtlinge seien in der Hauptsache Frauen lnd Kinder. Die Männer seien geblieben, da sie mit Wasfen md Munition wohl versehen wären und Angriffen der Ka- »Ylen eine Zeitlang stand halten könnten.

In Casablanca fanden am 9. August die allwöchent- ichen mohammedanischen Gebetsübungen statt, die die Ein- Wborenen in günstiger Weise beeinflußt haben. Aus dem ^ouverncurspalast war die sranzös. Flagge rehrßt. Hierfür und für den französischen Schul) sprach Ruley Amin seinen Dank aus.

Oran, 12. Aug. DasEcho d'Oran" veröffentlicht Telegramme aus Tanger, die bestätigen, daß am «ergangenen Samstag stündlich S ch a r m ü tz e l z w i s ch e n ranzosrschen Truppen und Arabern stattgesun- >en haben. General Drude hat Verstärkung er- ' e t e n, da sonst seine Lage unhaltbar sei. Trotz hochgehen- >er See sind sofort Schuhen und Kavallerie gelandet wor- «en. Die Feldartillerie und die Schnellseuertanonen sind wch nicht eingetroffen, so daß man gezwungen ist, Artclle- ie von den Kreuzern zu landen.

Paris, 12. Aug. An amtlicher Stelle wird ver- ichert, daß die Regierung keineswegs daran denke, neue muppenverslarkungen nach Marokko zu entsenden. Sie ist äelmehr überzeugt, daß die vorhandenen Truppen zur Liederyerstellmig der Ordnung genügten.

Der Telegraphiftenstreik in Amerika.

New-Jork, 12. Aug. (W. B.) Die Erklärung pmalls, des Präsidenten des Telegraph i st enverbandes oroie die Erklärung des nationalen Sekretärs Rüssel in Chicago, daß der Ausstand der Telegraphisten binnen 24 stunden in den Bereinigten Staaten und Kanada allgemein ein werde, haben dem'-bisherigen Optimismus Einhalt etan. Rüssel wendet sich in seiner Erklärung an die Ber- eger der Bereinigten Staaten und Kanadas und sagt, der

Verbund wünsche nicht die Zeitungen in Verlegenheit zu bringen, aber die Telegraphisten kämpften um ihr Recht; sie seien der Meinung, daß sie zu gering bezahlt seien; der Verband billige die gegenwärtigen Forderungen und wenn diese nicht erfüllt werden, würden die Arbeiter angewiesen werden, die Arbeit nicderzulegen.

Die Angestellten der Western Union Telegraphen- gesellschast in der Stadt New-Jork haben sich heute Mittag dem Aus stand angcschlossen.

Aufdeutsch-atlantischem Kabel. Auch die Telegraphisten und die Poslangeslellten der Stadt Newyork sind heute Nachinittag in den Aus stand getreten.

Alls deutsch-atlantischem Kabel. Der Aus­stand ist nunmehr auch von den Telegraphisten in Balti­more, Philadelphia und Cleoeland proklamiert ivorden.

Dem Ausstande haben sich auch die Telegraphisten der Börse, dec Associated Preß, sowie die verschiedener Zeitungen angeschlossen. Tie 'Ausständigen, denen die Menge Sympathie eutgegenbrmgt, veranstalteten vor denr Gebäude der Western Union Telegraphen-Gesellschaft Kundgebungen, gegen die die Polizei wiederholt elnschritt.

Gestern haben in allen Teilen d e§ Landes Tausende von Versammlungen von Geiverkschaften Ilattgefunden, die die verschiedensten Berufsziveige vertreten. In diesen Versammlungen niachten sich die Delegierten von etiva 3 Rtillionen Gelvertschaftsmitgliedern, die über Atittel m Höhe von 5 Atitlionen Lollar verfügen, anheischig, die strei­kenden Telegraphisten m ihrem Kampf moralisch und finanziell zu unterstützen und es wurden Resolutionen in diesein Sinne beschlossen.

Wien, 12. Aug. Ter Zeitpunkt des Wiener Besuches des spanischen Königs paar es ist aus den 4. Oktober verschoben ivorden.

Roui, 12. Aug. In hiesigen diplomatischen Kreisen erzählt man sich, daß der Zar anläßlich seiner animciifunU nut Kaiser Wilhelm a ii König Viktor Emanuel ein T e t e g r a in in gerichtet haben soll, worin er tue Hoffnung auödrückt, dap es ihm ivahrscheinlich bald möglich sein werde, seinen Gegenbesuch in R o in abzustatlen.

Bei einer antiklerikalen Demonstration wollte die Polizei sozialdemokratische Fahnen beschlagnahmen. Dabei wurde ein Ofsizier der Carabinieri verivundet. Die Polizeitruppen ivurden hieran! in Caftell Gandolfo konzentriert, mn zu verhindern, daß die Demonstranten sich gegen das päpstliche Sommerpalais wandten, wo Aterry del Bal gegenwärtig sich in der Sommerfrische befindet.

Zürich, 12. Aug. Heute abend wurde der vierte Inter­nationale Kongreß christlicher Textilarbeiter durch den Vorsitzenden des Zentralvcrbandes christlicher Tertil- arbeiter D e ii t s ch l a n d S, den Reichstagsabgeordneten Schisser eröffnet. Anwesend sind 26 Delegierte, die sechs Nationen mit 454 Ortsgruppen und 78 126 Mitgliedern vertreten. Ter Zuwachs des Verbandes beträgt seit dein letzten Jahr 262 Ortsgruppen und nahezu 46 000 Älitglieder. Ter deutsche Verband allem zählt 40 500 Alitglieder.

Paris, 12. Aug. Ter König von Siam trifft am Donnerstag neilerdmgs hier ein.

Toulon, 12. Äug. 3 Soldaten des 22. Kolonialinfanterie- regiments sind aus dem Disziplin ardepol, in welchem sie sich besanden, in der verflosseneii Nacht aus geb roch en. oie mißhandelten zwei Zollbeamten, wurden jedoch schließlich wieder eingesangen. Auf dem Wege zum Arreslhause sangen sie die Internationale. Im Arrestlokale versuchten sie alles z it demolieren.

Paris, 12. Aug. Tas Zuchtpolizeigericht ver­urteilte, den russischen Terroristen Smirnow, der im Mai 1907 im Zuilmer seines Kameraden Sleipner beim An fertig en von Bomben schwer verletzt wurde, zu 13 Monaten Gefängnis und seinen verichwund-enen Komplizen Sleip­ner in contumaciam zu der gleichen Strafe.

London, 12. Aug. Heute abend erreichten die Un- ruhen bei Belfast euren so hohen Grad, daß die Truppen sich genötigt sahen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Eine Person wurde getötet; mehrere Personen wurden verletzt. Es Ivurden Verstärkungen erbeten.

Während der gestrigen Unruhen in Belfast find 2 5 Soldaten einschließlw) zweier Offiziere verwundet wor­den. Viele Verhaftungen haben stattgefundcn.

Tie Voss. Ztg. meldet aus Riga: Am 17. August vov- nnttags wurde der lutherische Pastor Julius Busch m der Nähe von Nerft in Cur land auf der Fahrt zur Kirche von Terroristen ermordet. Sein Rutscher wurde gleichfalls getötet.

New York, '12. Aug. TerHerald" meldet aus Soeul: Präf ident Roosevelt hat gestern dem Prinzen Ii, der von denr neuen Kaiser von Korea zum Tode verurteilt wurde, eine iiwffizielle Audienz verweigert.

London, 12. Aug.Standard" berichtet aus Newyork, daß die Verhandlungen zwischen d e n Ve rs,e i n i g te n Staaten und Japan bezüglich des Abschlusses eines Ein­vernehmens abgebrochen Worden sind, infolge der Wei­gerung Japans, amerikanische Vorschläge anzunehmen.

1 Aus Washington wird geineldet, daß dort große Un­zufriedenheit wegen der Weigerung Japans, bei der Verrrags- erneuerung irgendwelche Einschränkungen der Kuli­einwanderungen zuzugestehen, besteht. Amerika bot als Gegenleistung an, eine eventuelle Zollunion zwischen Japan und Koreaanzuerkennen, Japan lehnte je- doch diesen Handel ab._______

Heer und Flotte.

Berlin, 12. Aug. Gras v. Kl in cko w strö m, Ge­neralleutnant und Kommandeur der Garde-Kavallerie-Tr- vision ist laut Militär-Wochenblatt in Genehmigung seines Abschiedsgesuches unter Verleihung des Charakters als Ge­neral der Kavallerie mit Pension zur Disposition ge­stellt worden.

Aus StcrSt uuO Land.

Gießen, 13. Aug. 1907.

" Ordensangelegenheit. S. K. H. der Gcoßherzog haben dem Provinzialdireltor Geheimerat Dr. Breidert zu Gießen die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von S. Ai. dem Kaiser verliehenen Kronen-Ordens 2. Klasse erteilt.

* * In Audienz empfangen wurde von S. K. H. dem Großherzog am Samstag noch Professor Tr. van Calker, oer Dekan der juristischen Fakultät der Landes- Universität.

* * Rezitations- und dramatischer Abend von Fräulein Minna di Cerenotti-Strauß. Wir weisen iwchmals auf den für Tonnerstag in Aussicht stehen­den Künstlerabend hin, der nach dem uns vorliegenden Programm durchlveg moderne Dichtungen bringen tvird. Ten Vorverkauf hat, wie aus dem Inserat zu ersehen ist, die Ferberl'che Universitätsbuchhandlung übernommen.

^Siegreiche Radfahrer. Einen großen Erfolg hatte der Rad-Club Germania gestern beim Sportsfest des Gail 9 des D. R. B. in Wetzlar zu verzeichnen. Der Verein errang unter sehr starker Konkurrenz in Gruppe 2 beim Preislorso den Ehrenpreis der Stadt Wetzlar, bestehend in einem silbernen Weinservice. Für den schönsten Blumenschmiick aller erschienenen Vereine wurde der Germania ebenfalls dec 1. Preis zuerkannt. Die sehr wertvollen und gediegenen Preise sind in dem Schaufenster der Firma Fr. Teipel, Marktplatz ausgestellt.

Dec^Oberhe,sische Bienenzüchter-Verein hat auf der decitichen Bienenausflellung in Frankfiirt die höchsten zu vergebenden Preise erzielt; von allen Besuchern und Kennern wurde erklärt, daß die Oberhessen das geleistet hätten, was bisher noch keine Bienenzüchter-Vereine fertig* gebracht hätten. Er erhielt den 1. Ehrenpreis, zwei Vasen im Werte von 200 Mk., die Konsul Dr. Wemberg-Frankfurt stiftete, sowie den 1. Preis, die goldene Medaille und die dieses Jahr zuni letztenmal ausgegebene silberne Medaille. Die nächiljährige Wandecvecsammlung deS Oberhessischen Bienenzüchter-Vereins findet in Büdingen statt. Hiermit wird auch das 25jährige Jubiläum de§ VereinsrechnerS, Lehrer Hotz-l)Udda, verbunden.

* * Eine Aufbesserung der Bezüge der alten hessischen Pensionäre, für die nach derTarmst. Ztg." die mißlichen Finanzverhältnisse der letzten Jahre die VereitsteUung von Mitteln nicht zuließen, konnte im taufenden Rechmmgsjahr endlich in Aussicht genommen werden. Es wurde von den Landständen ein Dispositions­fonds von 50 000 Acark bewilligt zur Ausbesserung der Be­züge der vor 1. April 1897 pensionierten Beamten, von widerrustich angestellten, vor Erlaß des Gesetzes vom 2. August 1899 pensionierten Beamten, von Hinterbliebenen solcher Beamten und von Volksschullehrern, die vor dem 1. April 1900 in den Ruhestand getreten sind. Die Aus­besserung soll ohne Rechtsanspruch der Pensionäre und Hinterbliebenen in Fällen des Bedürfnisses erfolgen, das aus Grund von Fragebogen über die Einkommens-, Ver­mögens- und Famitienverhültnisse sestgestellt werden wird. Tie zur Verfügung stehenden Mittel gestatten nur die Zu­wendung von mäßigen Aufbesserungen und auch diese nur in Fällen wirklichen Bedürfnisses. Es werden daher die auszugebcnden Fragebogen zunächst nur den Pensionären und Hinterbliebenen zugehety deren Bezüge an Pension und Hinterbliebenengeldern den Betrag von 2000 Mark nicht übersteigen. Es ist dies weitaus die Mehrzahl aller Pen­sionäre und Hinterbliebenen, rund 90 Prozent derselben. Auch die Fälle des größten Bedürfnisses dürsten zweifellos hiermit getroffen werden. Nach Bearbeitung der einge­gangenen Fragebogen läßt es sich übersehen, ob und ge­gebenen Falles in welchem Maße die verfügbaren Mittel noch in diesem Jahre eine Berüctjichtigung von Pensio­nären und Hinterbliebenen mit höheren Bezügen zulassen.

* * Der ahnungslose Herr Netz. Wir lesen im Oberh. 9lnz." folgendes hübsche Familien-Jdyll:

Friedberg, 10. Aug. Eme große Ueberraschung wurde dieser Tage einem der ältesten Einwohner unserer Stadt, Herrn Friedrich Netz, zuteil. Er kam eines Tages von einem Ausgange heim und erhielt die Nachricht, es sei Besuch gekommen. Ahnunglos machte er die Stubentüre aus und sah sich mit Verwunderung einer fremden Dame gegenüber. Diese Verwunderung schlug aber bald in die höchste Freude um, als sich die unbekannte Dame als seine Tochter Philipvine, verehelichte Großmann, entpuppte, die vor 24 Jahren nach Amerika ausgewandert war. Aber damit war der lleberraschungen noch kein Ende. Am Abend desselben Tages fuhr eine Chaise am Netz'jchen Hause vor, in welcher em Herr und zwei junge Tarnen saßen. Ahnungslos sah Herr Netz diese aussteigen und sein Haus betreten; er glaubte, einer seiner Atieter bekäme Besuch. Plötzlich aber geht die Türe aus und er erkennt zu seinem größten, sreudigeu Erstaunen in dem Herrn seinen vor 37 Jahren gleichfalls nach Amerika auSgewanderten Sohn Heinrich, welcher seine beiden Töchter dem gllicklichen Großvater vorstellen wollte. Die Ueberraschung war samos gelungen; die Geschwister hatten sich verabredet, ihren Vater zu seinem 82. Geburtstage, der morgen ist und zu welchem Feste wir Herrn 9lelj hiermit unsere herzlichsten Glückivünsche darbringen, persönlich zu beglückwünschen. Frau Großlnann ivar vorausgefahren, während Herr Netz mit seinen Töchtern sich einen Tag in Bremen aufgehalten hatte, um sich von der Reise zu erholen.

-1. Leihgestern, 11. Aug. Unsere Kirche, die im Sommer v. I. von einem Gewittersturm zerstört wurde, ist -jetzt im Rohbau wieder aufgebaut. Die Einweihung erfolgt im Sommer 1908. Die Baukosten betragen rund 80 000 Mark.

Lang-Göns, 12. Aug. Unser Gemeinderechner Dem trat nach 50jähriger LlmtSzeit von seinem Amte zurück, fein Nachfolger wurde Konrad Wenzel. Bei Landwirt Wagner brach in der Gesindewohnung Feuer aus, das zum Glück bald entdeckt und gelöscht wurde.

-ck Trais-Horloff, 12. Aug. Am Sonntag ver­unglückte hier ein junger Mann aus eigentümliche Weise beim Kegelspel. Beim Schieben einer Kugel streiste er mit der Hand das Aussatzbrett, wobei ihm ein Holzsplitter vorn in den NUttelsinger eindrang und am Ende desselben wieder heraustrat. Ohnmächtig stürzte der junge Mann zusammen und mußte sosort ärztliche Hülfe in Anspruch genommen werden.

Ettingshausen, 11. Aug. Zwecks der Anlage des Bahnhofs an der neuen Bahnstrecke LiehGrünberg hat die Gemeinde eine pof reite angekauft, um nach dem Bahnhos eine neue Straße anzulegen, die den Bahnhoj drrekj