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beweiskräftigem Material trat er den Behauptungen entgegen, daß vielleicht durch eine Steuer- und Zollerhöhung auch eine Erhöhung der Fabrikpreise ermöglicht werden könne. Eine solche Erhöhung könnte nur den Erfolg haben, daß ein starker Konsumrückgang mit sehr beträchtlichen Arbeiterentlassungen und großen Störungen der Industrie im Gefolge eintreten würde. Auf eine Diskussion des Vortrags wurde verzichtet.
Geh. Kommerzienrat W. Landfried (Heidelberg) hielt sodann einen Vortrag über Tabakbau und die Versuche seiner Firma, durch geeignete Düngung und rationelle Be- Handlung der Tabakpflanzen vom Aussehen bis zur Ernte der Degeneration des deutschen Rohtabaks entgegenzuwirken. Syndikus Schloßmacher erstattete sodann Bericht über die Bestrebungen zur Einführung der völligen Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Er führte aus, daß die Einschränkungen der gewerblichen Tätigkeit an Sonn- und Feiertagen nicht weitergehen dürften, als auS religiösen Gründen und zur Bc- friedigung deS Ruhe- und Erholungsbedürfnisses der Angestellten erforderlich sei. In dieser Hinsicht sei die jetzige Regelung der Sonntagsruhe vollständig ausreichend, und weitergehende Bestrebungen mußten deshalb energisch zurück- gewiesen werden.
30. Deutscher Fleischertag.
II.
Nachdruck verboten.
S. u. H. Hamburg, 11. Juni.
Ter Fleischertog wurde heute eröffnet Der Bcrbondsvor- sitzende Marx (Frankfurt a. M.) wies aus die geschichtliche Entwicklung des Verbandes hin. Zweifellos herrsche zurzeit eine Erregung in Fleischerkreisen, da die Verhältnisse des Fleischergewerbes gerade nicht günstig seien.
Zunächst behandelte man das Thema der V ie hwä h rs ch a ft. Dazu lag ein Antrag der Fleischerinnung zu Düsseldorf vor, worin gefordert wird, die Dauptmängelliste zu erweitern. Ter Verbandstag stellte fest, daß die wahlweise Freigabe einfinniger Rinder nicht geeignet ist, eine Besserung der Viehwährschaft für das Fleischergewerbe herbeizuführen. Ter Antrag gelangte einstimmig zur Annahme.
Man beriet dann über
die Versorgung Deutschlands mit Fletsch.
Zu diesem Thema beantragt der Verein Unterelbe, den Bundesrat zu ersuchen, die Einfuhr von dänischem Schlachtvieh unter denselben Bedingungen zu gestatten, wie bei dem aus Oesterreich eingcführten, nämlich unter Wegfall der Quarantäne und der Tuberkulinimpsung bei sofortiger direkter lieber- Iteferung der Tiere nach öffentlichen Schlachthäusern mit Bahnanschluß und baldiger Abschlachtung. Bon den hessischen Vertretern wurde festgestellt, daß der Wertunterschied zwischen Fett und Fleisch bei Rindvieh und Schafen so bedeutend ist, daß als Schlachtgewicht dieser Tiere nur das reine Fleischgewicht gelten kann. Es müsse deshalb vor der Verwiegung mindestens das Nieren- und Schlußfett entfernt werden. Diese Verwiegungsweise werde eine Erhöhung des Einkaufspreises zur Folge haben. Tas Fleischergewerbe Ijabc aber allen Grund, dafür zu sorgen, daß die tatsächlichen Einkausspreise für Fleisch zum Ansatz kommen, da Einkaufs- und Verkaufspreise fortwährend durch die Bevölkerung kontrolliert werden. Tic Vertreter Bayerns drängten auf Erledigung der Frage des Lebendgewichthandels und des Schlußscheinzwanges. Zugleich sprächen sie die Hoffnung aus, daß den dauernden Neufordernngen der landwirtschaftlichen Vertreter, die ohne Rücksicht auf die allgemeinen Interessen nur einseitig auf ihr Wohl bedacht sind, auch endlich einmal Halt geboten werde. Ter neue Zolltarif habe den Landwirten bereits soviel Vorteil gebracht, daß man nun auch der anderen Stände gedenken müsse. Von schlesischen Vertretern wurde gefordert, daß Kälber unter 14 Tagen Lebensdauer von Tomänen und Landwirten nicht berfauft werden dürfen. Ferner verlangte man eine Herabsetzung des enormen Einfuhrzolls für Schweine aus Rußland und eine Verlängerung der Transportstunden für Vieh im schlesischen Grenzbezirk.
Tie Frage der Fleischversorgung rief eine eingehende Debatte hervor. Von verschiedenen Seiten wurde der Anttag unterstützt: Die setzt geforderte Quarantäne und Tuberkulinimpfung sei gan- zwecklos. Die Zahl der Tiere, die auf Tuberknlinimpfung reagierten, sei sehr gering, weil in Dänemark eine Vorimpfung stattfindet und die Lymphe and Deutschland bezogen wird. Die Regierung müsse von diesen Tatsachen Kenntnis hohen, denn sie habe Sachverständige nach Dänemark zur Information gesandt. Auch die Quarantäne sei überflüssig und wegen des Gewichtsverlustes höchst schädlich. Das Leder verliere 10 Prozent an Gewicht und an den Tieren gingen 15 Pfund verloren. Das sei der Gvund der hohen Fleischpreise.
Tie Fleischer hätten nur einen Gewinn von 1—6 %0. Den Vorteil habe die Regierung, weil sie 13 Prozent vom Pfund als Zoll nimmt. — Der Antrag betreffs Einfuhr von dänischem Schlachtvieh unter Fortfall der Quarantäne und der Tuberkulin- impfung gelangte dann einstimmig zur Annahme.
Man ging bann zur Beratung der hessischen Anträge über, die als Schlachtgewicht beiRindvieh undS ch a f e n nur das reine Fleischgewicht gelten lassen wollen und die vor der Verwiegung mindestens die Beseitigung des Schluß- und Nierensettes verlangt. Tie Mehrheit stimmte schließlich dem Anträge z u. Auch die anderen Anträge bett. Lebendgewicht- Handlung und Schlußscheinzwang und diejenigen, die Petitionen zur Herabsetzung des Schweinezolls in Rußland verlangen, werden dem Vorstand als Material überwiesen.
Eine längere Debatte entspann sich noch über die Verhältnisse der Angestellten im Fle i s ch e r g e w e r b e. Es wurde oorgeschlagen,.>iim ganzen Reiche eine durchgehende Verkaufszeit lan Sonn- und Festtagen zur Durchführung zu bringen. Bisher waren die Innungen stets bestrebt mit Rücksicht auf die Verlürzung der Arbeitszeit der Gesellen die den Schluß der Verkaufszeit an Sonn- und Festtagen zu früherer Stunde durchzu- sühren. Diesem Bestreben steht aber die Tatsache entgegen, daß tn den meisten Bundesstaaten das Offenhalten der Läden wegen des Hauptgottesdienstes unterbrochen werden muß. Auch über diesen Punkt sollen nähere Erhebungen angestellt werden.
Schlachthaus- und Kommuualabgabcugesetz.
Zu diesem Thema war von Hessen-Nassau, Thüringen, Hanrwver, Schlesien uno Württemberg der Antrag gestellt worden, geeignete Schritte zu tun, daß der § 11 des^Kommunalabgabengesetzes dahin abgeändert wird, daß die Schlachthöfe gesetzlich als dem allgemeinen sanitären Interesse und der Förderung der Volksgesundheit dienende Wohlfahrlseinrichtungen angeiehen werden, und demzufolge die Kosten ihrer Errichtung und ihrer Erhaltung den Kommunen zur Last fallen. Ferner wurde der Verbandsvorstand beauftragt, mit allen Mitteln den Bestrebungen der Stadtverwaltungen entgegenzutreten, daß der im Zolltarif auf das Jahr 1910 festgelegte Termin des Verbots der Erhebung von städtischen Abgaben auf Fleisch und Brot über diesen Zeitpunkt verlängert wird. — Die Frage rief eine lebhafte Diskussion hervor. Taraufhin gelangte der Anttag einllimmig zur Annahme. Es gelangte dann ein schlesischer Antrag zur Beratung, der über das Hausrecht der Schlachthoftierärzte und Direktoren eine generelle Bestimmung verlangt. Der Antrag wird dem Verbandsvorstande als Material überwiesen. Er soll die nötigen Schritte bei den Behörden in die Wege leiten. — Ein Antrag Sachsen-Anhalt fordert die Durchführung eines Prozesses auf Verbandskasten, um die Frage zu Hären, ob für die Revision von privaten Schlachthäusern von den Kreis- und Tepartementstierärzten Gebühren erhoben werden dürfen. — Der Antrag gelangt zur Einnahme. Es kommt dann die Frage der
Vergebung von Militärfleischlieseruugen
zur Behandlung. Dazu liegt ein gemeinsamer Anttag Köln, Sachfeii-Anhalt, Ostpreußen, Westfalen und Lippe vor, der fordert, der Verband möge auf eine strengere Innehaltung der Lie- serupgsbLdingungen tzvffichllich der Qualifikation her Bewerber
und auf eine Anänderung der Bedingungen in dem Sinne bin- wirken, daß die Fleifckvergebung in größeren Garnisonen wieder bataillons- bezw abteilungsweise erfolgt, damit auch kleineren Geschäftsleuten Gelegenheit geboten wird, sich daran zu beteiligen. Ter Antrag sand nach längeren Auseinandersetzungen Annahme. Es wurde dabei betont, daß es nur der Billigkeit entspräche, wenn in größeren Garnisonen die Vergebung nicht an eine, einzelne, oder zwei drei Personen erfolgt, sondern an 20—30. Tas jetzige System der Vergebung der Lieferungen an einen einzigen Unternehmer werde nur aus Begucmlichteit für die Burcaukratie begünstigt, die bei mehreren Abschlüssen freilich ein größeres Ar- beiksauantum zu erledigen habe. Im Interesse der Militärverwaltung liege es aber, die Lieferungen zu monopolisieren, denn dadurch wurde die Güte unzweifelhaft beeinffußt. Es wäre viel vorteilhafter, mehreren lleinen Unternehmern den Verdienst zukommen zu lassen, als einem Grvßschlächter.
Man schritt dann zur Abstimmung über eine Resolution zur Frage der Fleischversorgung. Tarin heißt es: der deutsche Fleischerverband stellt fest, daß die Lage des Marktes für große Kalber und Hammel noch Teilte wesentliche Aenderung erfahren hat. Tic Preise sind in der alten Höhe geblieben die Preise für Schweine sind zwar zurückgegangen und der Fleischertag erkennt an,, daß die Bestrebungen der Landwirtschaft, für Schweinefleisch zu sorgen, Erfolg gehabt haben. Die Landwirtschaft und die Fleischer, sowie die Bevölkerung haben das größte Interesse daran, daß die Erfolge nicht vorübergehend sind und bei allen Viehgattungen stabil werden. Zeitweise trugen die Landwirte sich mit dem Gedanken, die Schweineproduttion als unrentabel einzuschränken. Der Fleischerverband erwartet, daß sie sich wieder eingedenk bleiben, daß auch die Fleischer schwere Lasten zu tragen haben. Ter Fleischertag weist entschiden die Vorwürfe zurück, daß die Viehpreise mit den Einkaufspreisen nicht in Zusammenhang gestanden haben. Er wird sich stets bemühen, Vieh- und Fleischpreise in Einllang zu bringen, um für das Wohl der Bevölkerung in guter Weise zu sorgen. Tie Resolution gelangte unter lebhaftem Beifall zur Annahme.
Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen verhandelte man das Nahrungsmittel-undFleischbeschaitgesetz. Ein Anttag Sachsen-Anhalt will festgelegt wissen, daß die Beamten der Polizeibehörden nicht berechtigt sind, Hntersuchungsproben selbst zu entnehmen, sondern daß sie sich diese verabfolgen lassen müssen. Die Proben sollen nicht wie bisher in Pergamentpapier sondern in numerierten Büchsen untergebracht werden. Auch soll für sie der ortsübliche Preis gezahlt werden. Das Resultat der Untersuchung ist bem Besitzer innerhalb acht Tagen mitzuteilen. Nach längerer Aussprache werden die Anttäge als Material dem Vorstande überwiesen.
Ein schlesisch-hessischer Antrag fordert den Vev- bandsvorstand auf, dahin zu wirken, daß die Kosten der Fleischbeschau als einer der Erhaltung der Volksgesundheit und damit dem öffentlichen allgemeinen Wohle dienenden, durch Reichsgesetz geschaffenen Einrichtung vom Reiche geteagen werden. Ter Anttag entfesselte eine lebhafte Aussprache. Durch das Fleischbeschaugesetz werde den Fleischern eine schwere Last auferlegt, und zwar eine Last von 30 Millionen jährlich. Dazu kämen noch 36 Millionen durch die Minderwertigkeitserklärnng, fodaß die Fleischer also jährlich im ganzen 66 Millionen Sondersteuern aufzubringen haben. Tas Jnlandsfleisch fei gegenüber dein Auslandsfleisch zu sehr belastet. Daher müsse die Negierung die Kvsten der Fleischbeschau tragen. Ter jetzt bestehenden Ungerechtigkeit, daß die Fleischer die Kvsten ttagen, müßte ein Ende gemacht werden. Von verschiedenen Setten wurden gegen die Durchführbarkeit dieses Antrages Bedenken erhoben. Man wurde nicht recht einig, ob man dem Staat oder der Kvmmune die Kosten der Fleischbeschau 'aufbürden solle. Schließlich "nahm man den Antrag an und gab deim Vorstands anheim, Erhebungen darüber anzustellen, ob der Staat oder die Stadtgemeinde die Kvsten ttagen solle. — Ein bayerischer Anttag, wonach an Grenzstädten nur da Fleisch eingeführt werden darf, wo ein wirkliches Bedürfnis vorhanden ist, wurde von der Beratung zurückgestellt, da er ft der Erfolg einer diesbezüglichen Eingabe abgewartet werden soll.
Tar.auf wurden die Verhandlungen auf Mittwoch vertagt.
Hamburg', 12. Juni.
Ter erste internationale Fleischerkongreß faßte nach Längeren Ausführungen deutscher und ausländischer Delegierter über die das Fleischergewerbe angehenden Fragen den Beschluß, alljährlich in verschiedenen Ländern einen Internationa len Fleischer ko ngreß abzuhalten. Tie Leitung der Geschäfte bleibt in den Händen des deutschen Verbandes. Es- gelangte eine Resolution zur Annahme, in welcher der Kongreß u. a. sich aus- f strickt für die Einführung der allgemeinen Fleischbeschau in allen Ländern (da diese Maßnahme lediglich im Interesse der Konsumenten getroffen wurde, sollen die Kosten aus öffentlichen Mitteln bestritten werden-, für den Erlaß von Vieheinfuhrverboten lediglich bei vorliegenden triftigen veterinären Gründen, für strenge Bekämpfung der Viehseuchen, eventuell sogar Entschädigung, für internationale Regelung der Wanderbücher, sowie für Einsetzung eines internationalen Komitees zur Verfolgung der internationalen gewerblichen Angelegenheiten. Tas Komitee soll aus den jeweiligen Verbandspräsi- denten der einezlnen Länder oder deren Stellvertreter bestehen.
Gießener Strafkammer.
)( Gießen, 11. Juni. Tierquälerei.
Dem Landwirt G. R. III. von Heldenbergen ging wegen Tierquälerei ein Strafbefehl über 60 Mk. zu, gegen den er Widerspruch erhob. Nach den Feststellungen des Schöffengerichts, das die Strafe auf 20 Mk. herabsetzte, hat der Ange- riagte den Hund seines Nachbars, mit dem er ans seindseligem Fuße lebt, mit einer Mistgabel geschlagen und ihn getreten, sodaß er mit gebrochenem Hinterbein, schreiend und hinkend, den Hof verließ. Der Angeklagte focht das Urteil an und bestritt, sich an dem Hund vergriffen zu haben: er sucht die Anzeige gegen ihn auf einen Racheakt des Nachbars zurückzuführen. Den Hund habe er zwar in seiner Hofreite gesehen, dieser habe aber eine Katze über einen Steinhaufen hin verfolgt und muß hierbei mit dem Bein unter einen Stein geraten fein und sich so die Verletzung zugezogen haben. Nach dem Gutachten des als Sachverständigen vernommenen Tierarztes, der den Hund als unheilbar bezeichnete, ist es nicht ausgeschlossen, daß das Tier sich die Verletzung auf solche Art zugezogen hat, wenn es auch unwahrscheinlich ist. Ta Augenzeugen nicht zugegen waren, hielt das Gericht den Beweis nicht für ausreichend, weshalb es zum Freit' p r u ch gelangte.
Erpressung.
In den Jahren 1898—1900 stand die jetzige Ehefrau des Fabrikarbeiters K. E. von Ober-Seibertenrod bei einem Landwirt zu Stumpertenrod im Dienst, den sie wegen der zu erwartenden Niederkunft aufgeben mußte. Ihren Zustand führte sie auf den Verkehr mit ihrem Dienstherrn zurück, der sich auch zur Zahlung einer Abfindungssumme verstand, ohne jedoch die Vaterschaft anzuerkennen. Die Sache war ihm, mit Rücksicht auf feine Familie, äußerst peinlich, weshalb er um Verschwiegenheit bat, und bei Auszahlung des Geldes 100 Mk. mehr als vereinbart war, zahlte. Bei Regelung der Angelegenheit zog er einen Handelsmann von Ulrichstein als Verttauensmann zu. Die günstige Vermögenslage des Landwirts und die Furcht vor der Bloßstellung und der Zerstörung des ehelichen Friedens durch das Bekanntwerden, wußte die nunmehrige Angeklagte auszunutzen. Sie schrieb schon im Jahre 1901 einen Brief an den Mann, in dem sie ihm mit Veröffentlichung drohte, wenn er ihr nicht alsbald 200 Mk. schicke. Dieser Brief ging mit einem Randvermerk, daß der Betrag ausbezahlt werden möge, an den Vertrauensmann, welcher sich eine Quittung mit der Versicherung, daß wettere Ansprüche nicht mehr gemacht werden, ausstellen ließ. Es dauerte jedoch nicht lange, so erhielt der Mann einen wetteren Bries, daß noch 1000 Mk. verlangt würden, wenn diese bezahlt wären, so würde kein Anspruch mehr geltend gemacht werden. Ter Bries ging ebenfalls mit dem Auftrag der ratenweifen Zahlung an den Vertrauensmann, der nun aber einen förmlichen Schwur, dgß weiter nichts mehr beMsprucht ttfrte« in die Qulttuna auf?.
nahm. AlS später wieder ein Bries einlangte, nach welchen^ nimmermehr etwas verlangt werde, wenn noch 700 Mk. bezahlt würden, ging der Brief mit dem nämlicken Auftrag an den Vn> trauen-imann. Tiefer, beim Lesen des 139. Psalms gestört, nahm- nun die richterliche Eidesformel in die Quittung auf, daß dicS nunmehr der Rest sei, was beansprucht werde. Trotzdem die Angellagte auf die Strafbarkeit ihres Treibens aufmerksam ge*. mackt wurde, verlangte und erhielt sie von dem der Verzweiflung nahen Landwirt noch weitere Beträge bis zu Anfang dieses Jahres die sich auf 4500 Mk. beliefen. Durch die eidliche Vernehmung des Handelsmanns in einer andern Angelegenheit, kam daS Treiben der Angeklagten zur Kenntnis des Gerichts, das die Unter* suchung veranlaßte. Von dem Gelde hat sie nichts im Interesse des Kindes verwendet, sie mußte vielmehr von dem Vormundschaftsgericht wegen Pfticktwidrigkeiten als Vormünderin ent- lchsen werden. Nach ihren Angaben hat sic von einer Freundin/ die in den nämlichen Umständen war wie sie, gehört, daß sich die Alimente nach den Vermögensverhältnissen des KindesvaterS richten; diese habe von dem Vater ihr cd Kindes, der nicht sy viel Vermögen besitze, wie der ihres Kindes, 5000 Mk. erhalten. Sie habe deshalb angenommen, sie dürfet s oviel Geld verlangen. Es bestand jedoch kein Zweifel, daß sie sich der Rechtswidrigkeit ihres Tuns bewußt war. Das Gericht erkannte wegen Erpressung auf eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten.
Sittlichkeitövcrgchen.
Gegen den jugendlichen Svenglergssellen H. F. K. von Warendorf wurde unter Ausschluß der Oefienllichkeit wegen Sittlichkeilsverbrechen verhandelt. "Nach dem öffentlich verkündeten Urteil hat er zu Bad-Nauheim, wo er in Arbeit stand, sich an einem sechsjährigen Mädchen vergangen, wofür er IQ Monate Gefängnis erhielt.
Teure „goldene" Ketten.
In der Osterzeit hatten tinigv Nepper ihr Arbeitsfeld in bü hiesige Gegend verlegt. Sie nutzten die Leichtgläubigkeit und dis Unkenntnis einer Anzahl von Wirtshausbesuchern hier und irt Klein-Linden dadurch ans, daß der eine seine Uhrkette unter dem Vorwande, er fei in Geldverlegenheit, zum Verkauf anbot, indem er weiter angab, er müsse sich Geld zur Reise verschaffen, die Kette fei ein teures Andenken, von dem er sich ungern trenne, die Not treibe ihn aber dazu. Dabei wies cti. auf das Fabrikzeichen seiner Fünfzigpfennigkette und bezeichnete dieses, als den für die Echtheit bürgenden stempel. Während der eine der Begleiter sich darüber enttüstete, daß dieser die Kette für einige Mark länbiete, da sie doch einen sehr hohen Wert repräsentiere, stellte sich der dritte, als kenne er die beiden nicht, und machte die passenden Bemerkungen dazu. Aus diese Art und Weise vertrieben^ sie eine größere Anzahl der Ketten, für die sie vier Mark das Stück und noch mehr erhielten. Als aber der eine vor einer Wirtschaft seine Kelte verkauft hatte und dann ein« trat, um eine weitere zum Verkauf anzubieten, schöpfte man Verdacht und benachrichtigte die Polizei, welche zwei der Gauner, die sich unter falschen Namen in die Fremdenbüch.'r eingetragen hatten, festnahmen und die sich dann als die Händler L. H. au3 Speicher b. Trier und P. B. von Elberseld entpuppten, während es dem dritten gelang, zu entkommen. Beide sind wiederholt: vorbestraft, insbesondere ist B. wegen den nämlichen Handlungen mehrfach verurteilt worden. Das Gericht verurteilte fie zu je einem Jahr Gefängnis und fünfjährigem Ehrverlust.
Die Hertomersahrt.
VIL
Frankfurt a. M., 12. Juni. .
Tie offizielle ©iegerlifte der Herkoiner-Konkurrenz weift; folgende Namen auf:
a) Herkomer-Fahrt: 1. Edgar Ladenburg- München auf Benz, 2. Hans Aschoff-Aachen (Metallurgigue), 3. Heinrich Opel- Rüsselsheim (Opel), 4. Hermann Weingand-Düsseldorf (Mercedes), 5. Karl Neumaier-Mannheim (Benz), 6. August Schmierer^ Feuerbach (Adler), 7. Richard Benz-Mannheim (Benz).
b) Forstenrieder Park-Rennen: 1. Hermann Weingand- Düsseldorf (Mercedes), 2. Edgar Ladenburg-München (Benz),, 3. Heinrich Opel-Rüsselsheim (Opel).
c) Kesselberg-Rennen: 1. Hans Ascho ff-Aachen (Metal-« hirgtque), 2. Richard Spitzner-Frankfurt a. M. (Benz), 3. Gustav Schürmann-Eisenach (Dixi).
d) Schönheitskonkurrenz: 1. E. F. Gutschow - Dresden (Mercedes), 2. Eugen v. Baruch-Budapest (Gobron-Krillie), 3. Hermann Otto Mühlberg-Loschwitz (Benz), 4. Paul Lehmann-Zeuthen i. M. (Jtala).
Die offizielle Preisverteilung findet am Donnerstag abcn$ beim Festdiner im Frankfurter Hof statt.
* Kleine Tageschronik In Duisburg wurden zwei junge Mädchen, Töchter wohlhabender Eltern, als Kirchendiebinnen sestgenoinmen, die seit längerer Zeit in zahlreichen Kirchen der Umgegend die Opferstöcke erbrochen hatten. In ihrem Besitz wurden 28 Nachschlüssel gesunden. — Zwei Touristen wollten von Admond aus über die Kaiserane nach Johusbach wandern, verfehlten aber den Weg und kamen aus das gefährliche Terrain der Felsschroffen des 2247 Meter hohen Reichensteins, wo sie zuletzt weder vor- noch rückwärts konnten. Am ganzen Körper geschunden, verbrachten sie 48 Stunden ohne Nahrung und Wasser an dieser Stelle. Endlich schleppte sich der eine Tourist im Mute der 23er-. zweiflung nach Johusbach. Eine abgesandte Expedition brachte auch seine Gefährten in Sicherheit. Beide erlitten zahlreiche äußere Verletzungen. — Während eines heftigen, mit wolkenbruchartigem Regen verbundenen Gewitters schlug der Blitz zweimal im Stadtgebiet München ein. Ein Anwesen in dem Stadtteil Giesing brannte vollständig nieder. Bei einem anderen wurde der Dach- stuhl zerstört.
Telefonische des Giessener Anzeigers, mitg< und Industi Frankfurter Hör* 3M°/o Reichsanleihe . . 93.60 3% do. . . 83.70 3>£°/e Konsols .... 93.75 3% do. . « . . 83.60 Hessen . . . — —
3>j°/0 Oberhessen . . . 94.00 4% Oesterr. Goldrente. . 98 50 4*/6 % Oesterr. bilberrente 98 90 4% Ungar. Goldrente . . 93.85 4Italien. Rente . . . 103.40 3% Portugiesen Serie I . 66 30 3% Portugiesen „ III 67.15 4% °/e russ.Staatsanl. 1905 90 30 4)j°,0 Japan. Staatsanleihe 92.25 4% Conv. Türken von 1903 93.70 Türkenlose ... . . 135.60
4% Griech. 3IonopoI-Aul. —.— 4% äussere Argentinier 83.70 3°/0 Mexikaner . . —•— 4>$°/0 Chinesen .... 96.40
Aktien:
Bochum Guss..... 220.50
Buderus E. W ... —.—
Tendenz: fest.
Berliner Börse, I
Canada E. B......167.30
Darmstädter Bank . . . 127.90 Deutsche Bank .... 220.25 Dortmunder-Union C. . . 72.20 Dresdner Bank ... 136.20
Tendenz: test
Kursberichte
teilt von der Bank für Hande) io, Glessen.
e 13. Juni, 1.15 Uhr.
Elektriz. Lahmeyer . . . 115.40 Elektriz. ^chuckert . . . 103.00 Eschweiler Bergwerk . . 220.50 Gelsenkirchen Bergwerk . 187.50 Hamburg-Amerik. Paketf. 130.30 Harpener Bergwerk. . . 201.00 Laurauüttti...... 223.00
Mordd. Lloyd . ... 116.20
Obeischles. Eisen-Industrie 101.50 Berliner Handelsges . . 142.00 Darmstädter Bann. 127.50
Deutsche Bank . . . 220.30
Deutsch-Asiat Bank . . 150.00 Diskonto-Kominanait. . . 166.20 Dresdner Bank . . . 135.80 Kreditaktien..... 202.20
Baltimore- und Ohio-
Eiseutaim . . . 92.90
Gotthard bahn . . . . —.—
Lombard. Eisenbahn . . 26.90 Uesterr. Staats bahn . . . 142.70 Pnnce-Heuri-Eiseuuahn . 128.50
). Juni. Anfangskurse.
Harpener Bergwerk. . . 200.30 Laurahütte .... 222.20 Lombarden E. B. ... 27.00 Nordd. Lloyd.....—.—-
l iirkenlose . ... 135.00
Nach Schluß der Redaktion eingetroffen.
Offenbach, 13. Znni. Die Versammlung der streikenden Metallarbeiter erklärten den Streik, welcher bekanntlich m Aussperrung sämtlicher Arbeiter sühtte, für beendet.


