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13.5.1907 Erstes Blatt
 
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Nr. 110 Erstes Blatt 157* Jahrgang Montag 13* Mai 1907

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ES General-Anzeiger für Oberheffen WZZ

**1^iSwu Rolatkonrdnlck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steinöruderel K Lange. RedaMa«, LxpedMon und Druckerei: Zchulstratze T. ^g^teu-pa^! *%

Are heutige Kummer umfaßt 10 Sette«.

Wiesbadener Kaisertage.

Wiesbaden, 11. Mai.

Kurz nach 3 Uhr begab sich der Kaiser zum neuen Bahn- Kur -nach 3 Uhr begab sich der Kaiser zum neuen Bahn- böse, um die Kaiserin zu empfangen, die mit der Prinzessin Alexandra Vittoria zu Holstein-Glücksburg von Homburg im Sonderzuae hier eintraf. Die Majestäten und die Prinzessin begaben sich durch die Fchtstraste im offenen Automobil nach dem Königlichen Schloß, von dem Publikum lebhaft begrüßt. Im wei­teren Verlaufe des Nachmittags treffen hier ein und nahmen im Königlichen Schlosse Wohnung Prinz August Wilhelm, der Großherzog und die Groß Herz o g in von Hessen uni) Prinzessen Friedrich Karl von Hessen.

Soeute nachmittag wurde das neue Kurhaus durch ein Galakonzert eingeweiht. Auf dem Kurhausplatze hatten Schul­mädchen, weiß gekleidet, mit Frühlingsblumen im Haar, Auf­stellung genommen. Die Wandelhalle wirkte durch ihr hohes Ge­wölbe, das von der riesigen Lichtkuppel durchbrochen wird, überaus iiuponicrenb, während die Vornehmheit des Materials, nämlich dunkelroter schwäbischer Granit, Marmor, Serpentin, Bronee, Mo­saik, Glasmalereien und die Nachbildung antiker Marmorstatuen von der Gediegenheft des ganzen Baues gebührend Zeugnis ab­legen. Um 5 Mr 30 Mm. fuhr der Kaiser im Automobil in Husarenuniform vor und wurde von Oberbürgermeister v. Jocll und Professor Thiersch begrüßt, während Fanfaren von der äußersten Galerie ertönten, deren Bläser altrömische Kriegertracht angelegt hatten. Oberbürgermeister v. I b e l l hielt eine An­sprache, in welcher er dem Dank der Stadt Ausoruck gab, daß der Kaiser dieser neuen Heimstätte der Kunst und der e.len Ge­selligkeit die Weihe gebe. Er hoffe, daß des Kaisers landesväter­liche Huld der Stadt auch ferner erhalten bleibe. Zum Schlüsse erneuerte der Redner das Gelübde der unwandelbaren Treue und brachte ein dreifaches Hoch auf den Kaiser aus, in welches die Anwesenden begeistert einstimmten. Der Kaiser dankte dem Oberbürgermeister für die freundlichen Worte und gab seiner Freude darüber Ausbruck, daß er dieses außerordentlich schöne Kurhaus einweihen helfen könne. Er wies auf die Erinnerungen hin, die hier an das einst an dieser Stelle herrschende Nömervolk geweckt würden und er wünschte der Stadt, daß sie mit diesem neuen Unternehmen einen wetteren Aufschwung nehmen möge, daß sie die Erinnerung an das erhabene Haus Nassau-Oranien weiter pflegen und in zielbewußter Entwicklung weiter erblühen möge. Bürgermeister Heß überreichte dem Kaiser einen Ehren­trunk 1893er Neroberger in einem schönen hohen Goldpokal, welchen die vereinigten Goldschmiede Wiesbadens hierzu gestiftet haben. Der Kaiser trank auf das Wohl der Stadt Wiesbaden und ihrer Bürger. Professor v. Thiersch überreichte dem Kaiser settie Denkschrift, welche er dankend entgeaennahm. Es folgte ein Rundgang durch die KonversationS-, Lese-, Schreib- und Spielzimmer, sowie durch die kleinen und großen Restaura- tionsräumc. Alle diese Räume sind ebenso vornehm als bequem. Hierbei nahm der Kaiser auch die Vorstellung der beim Bau be­teiligten Herren entgegen. Es langten hieraus auch die säntt- lick-en, als hier cingetroffen gemeldeten Fürstlichketten im Kur­hause an, zuletzt um 6 Uhr die Kaiserin. Der Kaiser empfing die Herrschaften und führte sie in die Wandelhalle.

Ehrenjungsrauen überreichten der Kaiserin und der Groß­herzogin von Hessen sowie den Prinzessinnen Blumensträuße. Tie Majestäten und die Fürstlichkeiten wurden sodann in die Hos- loge des großen Konzertsaales geführt, wo sie von den dort bereits versammelten, etwa 1000 Köpfe zählenden Publikum mit Hochrufen empfangen wurden. Der große Konzertsaal mit seinen Säulen aus Nassauer Marmor, seiner schweren, flach gewölbten Kasettendecke und den Mahogoni-Täfelungen wirkt ruhig und vornehm.

Das Konzert begann mit der Ouvertüre zu Wkbers Frei­schütz, von der Kurkapette vorgetragen. Hierauf trug ein Knaben- und gemischter Chor mit Orgelbeglettung den Chor aus Judas Makkabäus von Händel:Sehet er kommt mit Preis gekrönt" vor. Das wettere Programm brachte die dritte Leonoren-Ouver- türe von Beethoven, zwei Lieder aus dem Volksliederbuch für Männerchor, nämlichDie Lore" undWem Gott will rechte Gunst erweisen", sehr gut vorgetragen vom Wiesbadener Männer­gesangverein, dann Wagners Tannhäuser-Ouvertüre, zwei weitere Lieder, nämlich: ,,Jch gatt' einen Kameraden" undFriedericus Rex". Den Schluß machte der Huldigungsmarsch von Richard Strauß. Der Kaiser und die Fürstlichkeiten beteiligten sich leb­haft an dem Beifall. Nach dem Konzert nahm der Kaiser an einem Bierabend beim Generalintendanten v. Hülsen im Foyer des Theaters teil. Im Sckstoß sand bei der Kaiserin Familientafcl und für die Gefolge Marschalltafel statt.

12. Mai. AlS sich gestern abend zu später Stunde vor dem Königlichen Schlosse und aus der großen Freitreppe des illumi­nierten Rathauses eine gewaltige Menschenmenge angeiammcit hatte, die den Majestäten andauernd Ovationen da^brachte, erschienen beide Majestäten wiederholt auf dem Balkon des Schlosses und dankten auf das freundlichste. Heute morgen nahmen beide Majestäten an dem Gotte sdienste in der Schloßkirche teil. Später machten sie in Wagen einen Ausflug nach dem Neroberg. Heute nachmittag unternahmen die Majestäten mir den anwesenden fürstlichen Herrschaften einen Ausflug in Automobilen nach der Eisernen Hand und machten dort einen Spaziergang. An der Abenotafel nehmen die anwesenden Fürstlichkeiten teil. Im neuen Kurhaus sand eine Wiederholung des Eroffmmgskonzerts statt.

Heute nahmen im Königlichen Theater die diesjährigen Mai- sc st spiele ihren Anfang mit einem dramatischen Gedicht in drei Szenen von Joseph LaufsGotberga". Die musika­lische Leitung der Festspiele hat Professor Schlar, die Regie führen die Herren Kochy und Nebus, die dekorativen und kostüm- licyen üinrtmrungen liegen in den Händen der Oberinspektoren Schick und Nitzschc, die Dekoration ist von Gebr. Kautzky und Cottonara. Das Haus war reich mit Girlanden geziert, das Orchester nach dem Zuschauerraum durch ein Parterre frischer Blumen abgeschlossen. Das Haus war bis auf den letzten Platz besetzt. Im Parkett und auf den Rängen bemerkte man viele be­kannte Persönlichkeiten aus Künstler-, Gelehrten und literarischen Kreisen, und die Spitzen der staatlichen, städtischen und militäri­schen Behörden. Neben der Hofloge hatten die Ehrenjungftauen, die gestern die Fürstinnen begrüßt batten, Platz gesunden.

Fanfarenbläser in ftiederi manischer Tracht ließen ihre Drommeten ertönen, als' der Hof die große Loge betrat. Das Publikum brachte ein dreifaches Hoch aus. Der Kaiser, in Husarenunifvrm, und die Kaiserin, in einer Robe aus Silberbvokat, verneigten sich an der Logenbrüsttmg.

Tas Festspiel ist in das Jahr 140 nach Christi Geburt gelegt, ido der Stamm der Chatten zwischen Taunus und Rhein dem Anstürme der Romer Stand zu halten sucht. Gotberga, die

Tochter des Chrttensürsten Thuiskar, liebt Marius Berus, den Adoptivsohn des Kaisers Antonius Pius. Zur Priesterin der heiligen Quelle der Aquae Tlattiacae gewählt, hat Gotberga ge­schworen, uraltem Branche gemäß, ben heilbringenden Brunnen keinem Fremden zu gönnen. Sie bricht den Schwur, um den wunden, fiebernben Geliebten zu retten, vermittelt ihrem Volke einen ehrenvollen Frieden mit dem Kaiser unb erschließt bie Quelle bet ganzen Menschheit zum Hell und Segen. Die Bcrse sinb schwungvoll geschrieben. Die Ausstattung war prachtvoll und pocsiereich. Schauspielerisch hervorragendes leisteten in der Titelrolle Frau Willich, als Kaiser Otto Sommerstorfs, als Thuiskar Leffler. Die begleitende Musik ist von Professor Schlar, bet auch birigierte. Das Publikum applaubierte lebhaft, ebenso die hohen Herrschaften, die beim Verlassen der Loge sür erneute Hochrufe dankten.

Gleich nach der Vorstellung empfttlg der Kaiser Joses Laufs und bie Hauptdarsteller Frau Willich und bie Herren (Sommern torff unb Leffler. Sodann erfolgte die Rückfahrt nach dem Königlichen Schlosse, von dessen Balkon Ihre Majestäten und die anwesenden Fürstlichkeiten eine Serenade der Männer- gesangoenine von Äftsbaden entgegennahmen. Diese rückten mit der Musikkapelle des 80. Infanterie-Regimentes, begleitet von den Lamvwns tragenden Mannschaften der fteiioilligcn Feuerwehr, auf den Schloßplatz, der von Flambeaux erleuchtet war. Vorgetragen wurden: Beethovensdie Himmel rühmen des Ewigen Ehre", MendeisohnsWer hat dich du schöner Wald", In einem kühlen Grunde" undWilhelm von Nassovien". Viele Tausende hielten die Umgebung des Schlossplatzes sowie bie Fenster ur.b Dächer ber anliegenden Häuserreihen besetzt unb brachten ben Majestäten wieder unb icicber stürmische Ovationen bat.

Anläßlich ber Einweihung des Kurhauses hat ber Kaiser sol- genbe Auszeichnungen verliehen: Die Krone zum Roten Ädlerordcn mit Eichenlaub Oberbürgermeister Jbell, den Roten Abletvrden zwettcr Klasse dem Tr. Ritter ix Thiersch, ben Sieten Ablerorben dritter Klasse mit Schleife dem Bürgermeister Heß und dem Kuroircktor von Edmeyer, ben Roten Adlerorden vierter Klasse dem Professor Pfeifer in München und dem Polizeirat Falck, den Kroncnorden dritter Klasse dem Siadtbau- rat Frohen ins und dem Architekten Ritter in Frankfurt a. M.

Zur Einweihung des Kurhauses bezw. zum Beginn der Fest­spiele im Königlichen Theater sind eine Reihe von Festschriften erschienen. Tie Stadt Wiesbaden hat eine von Professor von Thiersch verfaßte, sehr gründliche Festschrift, betiteltDas Neue Kurhaus zu Wiesbaden", herausgegeben. Der Kurdirektor von Ebmeyer hat eine sehr hübsch illustrierte Denkschrift eben­falls über das Neue Kurhaus versaßt. General-Intendant von Hülsen hat, wie immer, eine Festschrift herausgegeben, welche sich durch feinen kunstsinnigen Text und sehr hübsche Lichtdrucke auszeichnet.

Wie berGeneralanzeiger" erfährt, hat ber Kaiser an ge­ordnet, daß ein großer Teil der von Frankfurt nach Wiesbaden ab kommandierten Schutz teilte wieder zurückges chickt wird, da die Wiesbadener Verhältnisse ihre Anwesenheit nicht erforderlich machten.

Deutsche» Reich.

Berlin, 12. Mai. Zur Rede Sir Campbell BannermanS in Manchester schreibt bie ,Norbd. Allgem. Ztg.': Aus ben Worten bes britischen Premierministers wirb auch für wettere Kreise erkennbar, baß bie fachlichen Meinnngsverschiebenheiten zwischen Berlin unb London in der Abrüstungsfrage auf die allgemeinen Beziehungen ber beiden Mächte keinerlei verstimmenden Einfluß auSgeübt haben. Von dieser Tatsache wird man bei unS überall da mit aufrichtiger Befriedigung Kenntnis nehmen, wo man ben Wunsch hegt, baß die beiden Nationen in loyaler Weise ein Verhältnis zu­einander pflegen, wie es ihren wirklichen Interessen ent­spricht.

DaS Abgeordnetenhaus erledigte heute zilnächst nach kurzer Debatte die erste unb zweite Lesung bas Wohn- ungssursorgegesetz für Beamte unb Arbeiter, bas 15 Millionen für den Bau von Wohnungen fordert. Der Antrag Engel­brecht unb Dr. Hahn, betreffenb gesetzliche Maßregeln gegen bie Aufsaugung bes bäuerlichen Besitzes durch bas große Kapital, würbe zurückgezogen, nachbcm Minister v. Arnim an der Hand ber Statistik bewiesen hatte, daß die Verhältnisse durchaus nicht so ungünstig lägen. Das Haus erledigte dann eine Reihe von Petitionen. Montag: Wohnungsfürsorgegesetz und Verunstaltungsgesetz in dritter Lesung, ferner Jagdgesetz.

Braunschweig, 11. Mai. Am Montag ben 13. Mai findet eine vertrauliche Sitzung des Lanbtags statt in Sachen ber Regentenwahl.

Düsselborf, 11. Mai. Heute vormittag 11 Uhr wurde in der Ausstellungshalle die Natio nale Kunstausstellun g in Gegenwart des Kronprinzen feierlich eröffnet.

Aolonialpoft.

DerKölnischen Zeitung' wird aus Berlin tele­graphiert: Aiis bester Quelle erhalten wir die Nachricht, daß m dem Disziplinarverfahren gegen den früheren Gouverneur v. Putt kämm er bie Reichsregierun g gegen bas erstinstanzliche Urteil Berufung angemelbet hat. Das Urteil in bem Prozeß ist allerdings ben Parteien noch nicht zugestellt, aber ba bie Berufungsfrist für ben Kläger vom Tage ber Urteilsverkünbimg an läuft, entschloß sich bie Reichsregicrung, bie Zustellung beS Urteils nicht mehr ab» zuwarlen, sonbcrn schon jetzt Berufung einzulegen.__________

Zur Geburt des spanischen Thronfolgers.

Madrid, 12. Mai. Das Befinden der Königin und des neugeborenen Prinzen ist andauernd gut. Die Eintra­gung des Prinzen von Asturien in das Standes­amtsregister fand heute vormittag 11 Uhr im Palast statt. Der Prinz erhielt den Vornamen Alfonso Pio Christino Eduardo und zahlreiche andere. Zeugen waren Prinz Carlos als Vertreter ber Familie, Maura als Vertreter ber Regierung, Ar­cor roya als Vertreter des .Senats, Carullejas als Vertreter der

Kammer und <ootomayor als Majordomus des töniglidien Pa­lastes. Canalejas teilte mit, daß ber König von Englanb telegraphisch ben Wunsch ausbrückte, Taufpate zu fein. Ihm sei geantwortet worben, baß man bebaucrc, bem Wunsche nicht entsprechen zu können, ba ber Papst schon barum gebeten habe, Pate zu sein. Der Taufakt, ber nächsten Dienstag ftattfinben sollte, ist auf unbestimmte Zett verschoben, ba ber König beabsichtigt, ber Zeremonie einen besonders feierlichen Charakter zu geben. Anläßlich des freudigen Ereignisses sind für heute in ganz Spanien große Festlichkeiten arrangiert.

London, 12. Mai. Zahlreiche spanische Flaggen sind iw England, aus Anlaß des freudigen Ereignisses in Madrid, aus- gehängt. Die deutsche Botschaft war die erste, welche die span. Flagge hitzte. In Der spani.chen Gesandtschaft trugen sich zahl­reiche Personen in die angelegten Listen ein. Auch beim hie-> figen spanischen Gesandten liefen Glückwunschtelegramme cin u. a. ein solches vom Lordmayor in Padia.

Berlin, 12. Mai. Anläßlich der Geburt des spanischen- Thrensolgers haben der Kaiser, ber Reichskanzler und bie Gesandtschaften ber hiesigen spanischen Botschaft ihre Glück­wünsche übermittelt. Außerbem hat Kaiser Wilhelm nach- Mabrib an König Alfons ein überaus herzliches Telegramm gerietet.

Deutscher Flottcnverein.

Köln, 12. Mai. Zu ber Hauptversammlung des Deutschen Flottenvereins, bie unter sehr zahlreiche: Beteiligung stattfand, war im Auftrage des Kaisers General-, seldmarschall von Haynke erschienen. Der Präsident Fürst S o l mx Horstmar eröffnete die Hauptversammlung mit einem Hoch auf den Kaiser, die deutschen Bundcssürsten und die Freier Städte. Atz den Kaiser wurde folgendes Hnldignngs- te leg ramm gesandt:Eurer Kaiserlichcn und Königlichen Majestät entbietet bie in Köln tagenbe 7. außerordentliche Hauptversammlung des deutschen Flottenvereins ihre ehrfurchts-, vollste Huldigung. Unsere Bestrebungen sind nach wie vor darauf gerichtet, dem Daterlande bald eine starke Flotte schaffen zu helfen, welche in ber Hanb Euerer Majestät bie sicherste Biftgri schast für bie Erhaltung des Frieoens bietet." Generalfeldpi marfchall v. H ahn ke dankte für die ihm gewordene Begrüßung: unb bemerkte, daß der Kaiser den Flottenverein sehr hoch schätze und darin bie Verkörperung des idealen Gedankens er­blicke, dem deutschen Volke das Verständnis und Interesse für. Bebrütung ber brutschen Flotte zu wecken, zu pflegen und zu stärken. Ter Kaiser habe ihn beauftragt, bec Versammlung nicht nur seinen Gruß zu überbringen, sonbern auch seinen bcsonberÄ herzlichen Taut allen ausznsprcchen, die so opserwillig und einsichtig sich ben Mühen unb umfangreichen Arbeiten im Verein, unterziehen. Ter Kaiser lasse dem Deutschen Flottenverein fine weitere segensreiche und erfolgreiche Zukunft wünschen zürnt Besten unserer deutschen Flotte. Redner schloß mit einem brei-t fachen Hoch auf ben Flottenvcrcin. Regierungspräsident Dr. Steinmeister begrüßte die Hauttversammlung int Auftrage der Staatsregierung. Präsident Fürst zu >so Im-Horst matt und Gencraünajor Keim bezeichneten es als grobe Lüge, datz ber Flottenverein bie katholische Kirche unb bie tatholftchc Be--i Dölferung bekämpfe. Jeber Deutsche sei im Flottenverein ohne! Unterschieb ber Konsession und der Partei willkommen, der dis Bestrebungen des Vereins unterstützen wolle. Der Flottenvrretttt treibe keinerlei Partei-, fonbem nur nationale Politik. Schließe lief) gelangte folgende Erklärung einstimmig zur Annahme:.

In der Ertennmis, daß andere Nationen die Kampfkraft: ihrer Flotten unaufhörlich, unb zwar in einem solchen Maße, vermehren, baß sich bie Stärkeverhältnisse immer mehr zu un­seren Ungunsten verschieben, woraus ernste Gefahren für utiferj Lat erlaub entstehen können, fpricht bie Hauptversammlung bie, Ansicht aus: Cs ist imbebingt nötig, ben durch die FlottengcsetzL/ von 1900 und 1906 feftgciefctcn Ausbau der deutschen Flotte zu beschleunigen. Um bas Verständnis hierfür Wetter im deutschen Volke zu fordern, wirb brr deutsche Flotten­verein in feiner awf klärenden Tätigkeit fort fahren und hierbei alÄ nationaler Verein über den Gegensätzeir der Konfessionen unbj Parteien stehen." hf

Alsdann gelangte unter großem Beifall der Versammlungt folgender Antrag einstimmig zur Annahme:

Die Versammlung nimmt Akt von der Erklärung desl Präsidiums, daß der Verein als nationaler, unpolitischer, Verein einer Agitation für oder gegen eine politische Partei serw-s bleibt, und crclärt unter Zustimmung des bayerischen Landest vrrbandes dessen Antrag für sachlich erledigt. Tic Versammlung^ spricht dem Präsidium volles Vertrauen und herzlichen^ Dank tüt feine aufopfernde tatkräftige Führung und Förderung dcs Vereins aus."

Als Tagungsort für die nächste Hauptversammlung 1908| wurde Danzig gewählt und hieraus die Haupwersammlungj geschlossen.

Ausland.

Stockholm, 12. Mai. Die zweite Kammer nahm mttj 122 gegen 105 Stimmen den Gesetzentwurf betreffenb Abäni berur. g bes Wahlrechtes mit einigen Zusätzen an, bie teils auf Bewilligung von Diäten für bie Mitglieder ber ersten- Kammer hinausgehen, teils auf Heraosetzung des für bie Aus-i Übung des Wahlrechts zur ersten Kammer bestehenden Zensus von öiertaufenb Kronen auf zweitausend Kronen Einkommen^

Paris, 12. Mai. In Gegenwart Falliöres, Clemenceaus, der meisteit Minister und der Präsidenten des Senats unb bes Kammer, sowie zahlreicher anberer Persönlichkeiten, darunter! des Majors Drey^us, wurde heute bas Denkmal bcs ftüherenz Ministers unb Senators Traricux enchüllt.

In der Kammer brachte heute Finanzminister Caillauxs das Budget für 1908 ein. Tas Budget geht von Demi Bestreben aus, die öffetttlichen Ausgaben lediglich durch den Ertrag der Steuern zu decken. Turch den Bedarp für Tilgung der breiprozentigen 9tenie unb der chinesischen Anleihe für Dasl Betriebsjahr 1907 ist ein ungebeefte r Betrag von 247 Millionen geblieben; infolgebessen ergab sich bei der Aufstcllungj des Bubgets für 1908 zunächst ein Defizit von 141 Millionen^ Dieses Defizit würbe inbeiien beseitigt und das Buoge-aiftchx' gewicht hergestellt, indem die zu fordernden ^lusgab^nrrhöhungLnl gekürzt, unnötige Ausgaben gestrichen, und außergewöhnliche; Ersparnisse durchgeführt wurden.

Das Ministerium des Auswärtigen erhiett ein Telegramms aus Marrakesch, üi bem es heißt, ber KreuzerJconn« b'Arc" benachrichtigte mittels drahtloser Telegraphie Den y.reujä$ ,Lalande", t»ß der Stamm der Re Ham na sich Mar caq kesch Demächtigte und die Europäer, audgenomm:.' bie Deutschen, nach ber Küste abgegangen sind. Die Nachrich: be* darf jedoch noch der Bestätigung. Der englische Konsul ver°» ließ, 9, SDlat Marrakesch,feie franiöiucüc Stolonic mürbe iwfo