UotatlsnrdruS und Verlag der vrilhl'Ichen Uulv.-Vuch. und Steindrulkeret. H. Lange. Redaktion. Lrpcdition und Druckerei - $<f)ul5fr$$t 1.
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L57. JahrgttNft
entsprungene Götteri!
Das griechische Bolk erkannte in den Tragödien des Aeschylos, Sophokles und Euripides sein eigenes Wesen wieder, sein Ringen, Streben und Hoffen, seine Vergangenheit und seine Zukunft; es sah im Mythos, der den großen griechischen Dichtern als der dramatischen Darstellung einzig würdigen Gegenstand galt, seine Kultur und Sitten, seine Tugenden und Laster wiederspiegelt, und indem es seine Götter vermenschlichte, vergöttlichte es den Menschen. So verschmolz in solcher Vergeisterung Gottesdienst und Theater gleichsam zu einer Einheit; die Kunst wurde die Vermittlerin zwischen den Irdischen und den Himmlischen.
ytoch heute Pflegen unsere humanistischen Schulen das Wesen des „sittlichen Lllonfliktes" an der „Antigone", diesem gewaltigsten Werke antiken Geistes, ihren Zöglingen zu erweisen. Denn hier gemietet nicht das „unabwendbare Schicksal", sondern es ist der die ganze Weltgeschichte durchziehende Kampf des zufälligen staatlichen Rechtes wider das Natur- recht, der Konflikt zwischen Sitte und Sittlichkeit, zwischen dem buchstabengetreuen, kategorischen, rigorosen Realismus und dem ethischen Idealismus. Es ist die Tragödie von dem nach seinen Gejühleu fehl handelnden und für
Air )reihundcrlj»'.H feier dcs Kicß-ner Gymnasiums.
Aie Mrlschüstslage.
Das WirtschastSja.hr 1307 ist bis jetzt ein recht be- egtes gewesen und es sieht nicht danach aus, als wenn ii letzten Viertel die Beunruhigungen, die die Geschäftswelt aj den verschiedensten Gebieten durchzumachen halte, ganz »)winden wollten. Die Hochkonjunktur auf induustriellem cbiet hat manche Ueberstürzungen mit sich gebracht and rdurch ungesunde Zustände hervorgerufen. Es ist viel n'dient worden, aber es mußte auch sehr viel ausgegeben erden, und so ist das Fazit nicht gerade allzu erfreulich, enigstens den Erwartungen in mancher Beziehung nicht ltsprechend. Gerade der Mittelstand und die kleinen Leute erden wohl noch längere Zeit unter der eingetretenen euerung selbst notwendigster Bedürfnisse zu leiden haben, -ne daß sie in der Lage sind, durch Mehrverdienst den usgleich in wünschenswertem Maße herbeizusühren, enigstens nicht in den großen und größeren Städten, alsch ist jedoch die Auffassung, daß eine Krisis, wie sie ühere Spekulationsperioden mit sich gebracht rben, im Anzug ist.
Tie älteren Leuten noch erinnerliche Krisis von 1873 ar eine Folge des Milliardensegens. Man konnte sie e Gründerkrisis nennen, denn es wurden damals in eutschland nicht weniger als 958 Aktiengesellschaften mit Milliarden Kapital gegründet und in Oesterreich waren j i fünf Jahren 682 Aktiengesellschaften mit 21/2 Milliarden uldcn ins Leben gerufen worden. Es dauerte dann .nge, bis wieder eine Periode hervorragenden Aufschwungs im, nämlich bis 1895. Während 1894 nur 92 Aktiengesell- hasten mit einem nominellen Kapital von 88 Mill. Mk. .'gründet worden waren, betrug 1895 die Zahl der Neubildungen 161 mit 250 Millionen Marl und stieg von ahr zu Jahr bis 364 Gründungen nrit 544 Mill. Mk. apital im Jahre 1899. In dem folgenden Jahr wurden rnn nur 261 neue Gesellschaften mit 340 Mill. Mk. be- ründet. Nun brach eine Krisis aus, die jedoch weder n Umfang (sie blieb auf das Deutsche Reich beschränkt), och an Jtensität der von 1873 nahe kam und es folgte ne Depression, die bis zur ersten Hälfte des Jahres 1904 nhielt. Von da ging es wieder ziemlich rasch in die öhe, bis im vergangenen Jahr bei steigender Geldteue- Lir.g der Höhepunkt erreicht wurde.
Im vergangenen und lausenden Jahr sind die An- rrderungen an den Geldmarkt so gestiegen, die Industrie leziell hat jo enorme Bedürfnisse, daß der offizielle Zinsfuß ller Staaten, selbst Frankreich nicht ausgenommen, immer ।eiter stieg, bis von den Groß-Geldgebern schließlich zu .ner Art Einsperrung des Geldes geschritten wurde. Der -eiteren Entwicklung der Industrie, den Geldforderungen er Staaten und Städte mußte gewissermaßen Einhalt eboten werden, und nun macht sich seit gegen Ende August rleichterung bemerkbar — allerdings auf Kosten des Unter- ehmungsgeistes, aber doch zum besten der Gesamt- rohlfahrt.
Wegen der Weiterentwicklung der Großindustrie läßt ch vorerst kein sicheres Urteil abgeben. Es können einst- icilen nur die Erscheinungen registriert werden, zu be-
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stimmten Schlüssen wird man erst in einigen Monaten gelangen können, dabei ist in Erwägung zu ziehen, bajj der rapide Aufschwung von 1905 zu 1906 sich durchaus nicht aus normalen Verhältnissen heraus entwickelte, sondern zu erheblichem Teil auf eine Forcierung der Produktion infolge veränderter Zollgesetzgebung zurückzuführen ist. .Aus diesem Grunde ist auch in dem scharfen Rückschlag gegen die Preistreiberei wichtiger Rohstoffe nicht etwas ungesundes, sondern nur ein Anzeichen der Regeneration, die Rückkehr zu normalen Verhältnissen zu erblicken. Deshalb zeigt sich z. V. gerade bei der Eleltrizitätsinduftrie gegenwärtig ein Aufschwung und die Kurse der Elektrizität sind jüngst gestiegen, weil der Preis eines der notvoendigsten Rohprodukte der Industrie, des Kupfers, in diesem Jahre Zug um Zug zurückgegangen ist. So notierte am 1. Mai an der Newyorler Börse Kupfer pro amerik. Pfd. 25—25.50 Eents und jüngst 14.25—14.75 Cents.
Wohl gibt es Beurteiler der Wirtschaftslage, die in der Preiszurückbildung der Rohprodukte den Anfang vom Ende der Konjunktur erblicken und prophezeien, daß nun eine Anzahl von mageren Jahren kommen werde. Dagegen sprechen Tatsachen. So sind die weiterverarbeitenden Industrien noch auf geraume Zeit versorgt und wenn erst Geld wieder flüssiger wird, dann ist ein gewichtiger Grund der Zurückhaltung verschwunden, der Unternehmungsgeist dürste sich wieder von neuem regen, ob mit Erfolg, wird sich zu zeigen haben. Ferner muß in Erwägung gezogen werden, daß es sich bei den jüngst vollzogenen staatlichen Aufträgen für Eisenbahnmaterial einschließlich der Auf wäge Bayerns, Württembergs, Sachsens und Badens um eine Gesamtmenge im Werte von mindestens einer Drittel- Milliarde handelt, wobei der preußische Eisenbahnsrstus sich für drei Jahre auf Hochkonjunlturpreise sestgelegt hat. Dies dürste doch auch, wenigstens einigermaßen, ins Gewicht fallen.
Endlich muß auf den weiteren, für die fernere Entwicklung des Wirtschaftslebens wichtigen Punkt hingewiesen werden, daß der reelle ftoninm von einer Preisherabsetzung profitieren kann. Wenn Die Produkte wieder zu erschwingen sind,' werden sie auch wieder mehr verlangt werden. Dann haben die großen Verbände eben mit den entstandenen Verhältnissen, die sie mit herbeiführten, zu rechnen und es in der Hand, die Gesamtlage so zu dirigieren, daß der Eintritt kritischer Zustände nact) Möglichkeit vermieden wird. Daß die Verhältnisse sich nicht ausgesprochen krisenhaft gestalten werden, darf man wohl auch daraus schließen, daß die großen industriellen Unternehmungen fast ohne Ausnahme für 1906/07 zum Teil bedeutend höhere Dividenden ausgerichtet haben, wie i. V., wo doch ebenfalls schon schöne Gewinne erzielt wurden. Sie hätten sehr leichtsinnig gehandelt, wenn sie nicht die Zukunft im Auge gehabt hätten. All dieses führt zu dem Schluß, daß die Konjunktur sich wohl allmählich senkt, jedoch ohne daß schwere Erschütterungen zu befürchten sind.
Ventsches EeicS).
Berlin, 11. Oki. Staatssekretär v. Köller telegraphiert aus Straßburg, er habe keinen Grund,
vor dem 1. Oktober 1909, dem Termin, den er schon immer in Aussicht genommen, zurückzutreten.
— Das dem Bundesrate vorliegende Reichsvieh - ) e u d) e 11 g e f e dürste dem Reichstage bald nach dem Zusammentritt zugehen; es enthält eingehende Vorschriften über die B e k ä m p f u n g d e r M a u l - und Klauenseuche.
— Alle Nachrichten, die die Verzögerung der Einbringung des Weingesetzes und eine erneute Aufnahme von Verhandlungen über Fortsetzung des Entwurfes betreffen, sind, wie die „Voss. Ztg." hört, unzutreffend. Die Vorlage wird bestimmt in dieser Tagung und. zwar voraussichtlich zu Weihnachten an den Reichstag gelangen.
Han: bürg, 11. Okt. An Stelle des in den Ruhestand getretenen Dr. Lappenberg wurde Syndikus Dr. jur. Bruno Louis Schäfer zum,Senator gewählt.
M ü n ch en, 11. Okt. Der zum Staatssekretär des Auswärtigen ausersehene deutsche Botschafter in Petersburg, v. Schön, hatte im Lause des heutigen Tages mehrfache Besprechungen mit dem russischen Minister des Auswärtigen Iswolski, der zu diesem Zwecke aus Tegernsee nach München gekommen war. v. Schön reift heute abend nach Berlin und dann nach Klein-Flottbeck zur Besprechung mit dem Reichskanzler Fürsten v. Bülow.
— In der „Allg. Ztg." erklärt heute Bischof Henle von 8t e g e n s b u r g, daß er nie und nirgends auf feiner diesjährigen Firmungsreise politische oder kirchen- politische Ansprachen gehalten habe. Die „Allg. Ztg." meint, ihr Gewährsmann, ein Geistlicher der Diözese Regensburg, habe vielleicht nicht eine Ansprache des Bischofs an den versammelten Klerus, sondern nur an einen kleinen Kreis oder selbst an eine einzelne Persönlichkeit wiedergegeben, die nur zufällig mehrere Zeugen gehabt habe.
C h e m n i tz, 11. Okt. Die „Chemn. Allg. Ztg." schreibt. Von unterrichteter Seite erfahren wir, daß der nächste Marineetat kleinere Fl 0 t t e n f 0 r d e r u n g e n bringen wird. Es handelt sich um Beseitigung einiger Fehler früherer Vorlagen und Veroesserung früherer Bauten. Hiermit hängt die Meldung eines Mannheimer Blattes zusammen, wonach zOaffermann, Tirpi: und Bülow in den letzten Tagen eine Konferenz gehabt haben.
Hannover, 11. Okt. Dem „Hannov. Cour " wird aus Karlsruhe gemeldet, dem Parteivorstand der ^sozialdemokratischen Landespartei sei der Antrag auf Ausschluß der Abg. Frank und Kolb wegen ihrer Teilnahme an der Beisetzung des Großherzogs zugegangen.
— Zur staatlichen P e n s i 0 n s v er s 1 ch e r u n g der P r i v a l a n g e st e l l t e n gibt die vom Hauptausschusse heraus- gcgcbene Privatangestellten - Korrespondenz eine interessante Zu° iaminensteUnng über bie (ftriiDpicumg der Verbände m dieser Frage. Danach tritt die weit iibenuiegcnbc Mehrheit aller AngeNellten- Organüalionen für die Schaffung einer besonderen Kasseneuirichtunq ein und es lit deshalb mit Sicherheit anznnehmcn, da st der Haupt- aussclnw die Beschlüsse der Siebenerlonnnission nach dieser Richtung bestätigen ivird. Tie Stellungnahme der Verbände in der Frage: ob besondere Kasseneinrichtung oder Ausbau des Jnvalidcn-Ver- sichecungs-Gesetzes erilrebt ivird, veranschaulicht folgende Darstellung: Es erklärten sich für _________
seine Handlungen die Verantwortung traaent^n Menschentum. Die freie Kraft des eigenen Rechtsbewußtseins unterliegt zwar, aber die Strafe, die Rache der Götter folgt ohne Verzug durch den Untergang des ganzen beteiligten Königsgeschlechtes; die menschliche Satzung wird über göttliches Gebot gestellt, allein das Ende ist Blutvergießen im engsten Familienkreise, Tod und Untergang. Macht und Gewissen stellen in der Tragödie gegeneinander, und nie hat dieses stolzer, furchtloser vor Königsthronen gesprochen. Gefangen, dem König vorgesührt, bekennt Antigone sich in freudigem Mute zu ihrer Tat:
„So mächtig schien mir deine Weisung nicht, Daß du, der Sterbliche, damit vermöchtest HmausAuschreiten übers ziveisellose
Unb ungeschriebene Gesetz der Götter.
Tenn dieses gilt nicht erst von heut und gestern.
Lebendig ist es schon voii Ewigkeit
Und niemand weiß zu sagen, rvanns begann." *)
S&er denkt bei dieser hohen Antwort nicht an unfern Schiller, seinen Schwung unb seine Gesinnung, an die Anrufung der „Rechte, die da droben hangen unveräußerlich"? Aber so rein, so reduziert auf die einfache Formel wie der Grieche hat der deutsche Dichter in seinen Dramen das Aus- einanderprallen jener gegensätzlichen Gewalten doch nicht dargestellt.
Der Eindruck, den die jugendlichen Deklamatoren gestern hervorriefen, war ersichtlich tief. Alle waren von ihren hohen Ausgaben so erfüllt unb beherrschten sie in Rede und (mit Recht sehr sparsamer) Geberde derartig, daß es eine innige Freude war, ihnen zuzuhören und zuzusehen. Wundervoll klang der Chor in der Mendelssohnschen Begleitmusik, der Leitung des Gcsanglehrers Ge ll e r wie den Gängern und dem virtuosen Pianistmt, dem Oberprimaner
*) Ich zitiere die schöne Jordaii'sche Uebersetzung. In anderen Uebersetzuugeii heißt es gar imschön an dieser Stelle:
»Auch nie so mächtig achtel' ich, was du befahlst, Um über ungeschriebnes, festes, göttliches
Gesetz hinausziijchreiten, eine Sterbliche/
„Denn nicht so mächtig achtel' ich, was du befahlst, Daß dir der Götter ungeschriebnes, ewiges
Gesetz sich beugen müßte dir, d e m Sterblichen.
Denn heute nicht und gestern erst, nein, alle Zeit Lebt dies . .
I.
Die Aufführung der Autigoue.
Der Dreihundertjahr,eier der Universität ist nun die nseres Gyntnasiums gefolgt. Sie hat am Freitag nach- littag 5 Uhr mit einer Schüler-Aufführung in der neuen .niversitatsaula ihren Anfang genommen. Eine festliche -escllschast füllte oen ganzen, in seiner lichten Schönheit jimut und Würde atmenden Raum. Die Gießener Uni- erjitüt war recht zahlreich vertreten. Das Schüler- rchefter, 0-out Ghrnnasialmujillehrer Geller mit feinem dejchmack dirigiert, leitete mit einem zarten Adagio von Mozart die musiralisch-rezitatorische freier würdig ein. ,'ann trat der Unterprimaner Kann auss Katheder und hielt inen sorme-l gewandten Vortrag über Vorgeschichte, Cha- aktere und Konflikt der Sophotleischen Antigone. Leicht nd begeisternngsstark floß die Rede von des jugendlichen tedners Lippen.
Und dann begann die Rezitation der Antigone.
Als OC'- mehr denn 20 Jahren mein heimatliches Gyrw afium feine Säkularfeier beging (ich erinnere mich noch -lit besonderer Freude der launigen, von Dr. „Cum apone“ = Ujinini heraus gegebenen Festzeitung unter dem Titel „Säku- ahrer Hinkender Bote"), da führten auch wir die Antigone .ns, und zwar im griechischen Urtext, und obendrein in Mlikem Kostüm; die Darsteller der Frauenrollen trugen also cktgriechische Frauentracht. Ich gestehe unumwunden zu, >aß die gestrige rezitativische Borsührnng ohne allen kostü- tellen und dekorativen Apparat den Vorzug der größeren ->üroc eines feineren Geschmackes hatte, wenn auch rein heatratische Wirkung unter solchen Umständen ausbleiben gunte Umgeben vom Sängerchor des Gymnasiums, bedeuten sich ans engem Raume, den nur Btattvflanzen be- cheiden frei Len (dahinter sah man an der Wand die Porträts )er bej.i cbeil Fürsten), die rezitierenden Oberprimaner. ) Man stelle sich nun das athenische Theater mit ■einen aewa-tigeu Raumverhältnisten vor: die amphrtheatra- W) aussteigenden Sitzreihen, wo an 30000 Menschen Platz unben, und dazu die große, von einem tempelartigen 5Mter- \runoc abgeschlossene Bühne. Die Schauspieler, die mit
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außer Sonntag« Dem Dietzcnei Anzeiger werden nn Wechsel mit .em hessischen Landwirt
Eichener Familien- I.Itter viermal In bei goebe beigLlegi und ivcnnal wöchentlich das (icisblfltt für den Kreis -letzen steruwrech-An- rblufek d. Redaktion 113 3erlag u. Expedition 31 UDiefle füt Deveschcnr «nzctae, Meßen,
Inno hm« »nzeigen UI Die taqeSrw.mmet >t* Dormittaq^ 10 Uhr.
Samstag 12. Oktober 1907
BezugSpretK: monatlich 75 Pf^ vierteljährlich Dtt. 2.20; durch Abhole- ll Zweigstellen monatlich Pt.: durch diePost All. 2.— mertel- jährl. ausjchl. Vestellg. ZeilenpretS: lokal 15Vf^ auswärts 20 Pfennig.
Verantwortlich für den politifchen Teil: T. Anberfon; t Feuilleton unb .Vermachtes" P iöittfo, für .Stabt u. Land" und ^Derichts-
Rede und Gebevde auf so weite O:nt)emungenjuirten mußten, wandelten auf hohem Kothurn und hatten Charaktermasken vor dem Gesicht, deren Mundöffnungen schalltrichterartig gewölbt waren, während der Chor, der sich in gemessenem Reigenschritt bewegend seine Verse nicht remitierte, sondern in eintönigem Gesänge vortrug, überhaupt nicht von der Bühne ging. Und über diesem ungeheuren Theater wölbte sich als Decke Griechenlands wolkenloser blauer Himmel, wo Phöbus Apollo seine leuchtende Sonnenbahn zog, und in der Ferne am Piräus rauschte leise das unendliche Meer. Ein Bild also, das schon räumlich bis in den Olymp hinein- zuragen schien, und die Phantasie der Dichter zu dem kühnsten Aufschwung der Gedanl tregen mußte. Auf einer solchen Bühne wurden die Nwwugestalten des antiken Mythos zu glaubhaftem künstlerischen Leben erweckt, und ein Zuschanerraum, von dem aus die Blicke über die Bühne hinweg in Meer und Himmel tauchten, vermochte die Einbildung in den andächtig iaujetjenben Volksmassen hervor- zurusen, als sei das hehre hohe Weib' dort aus der Szene mit dem glitzernden Golbhelm und der silbern sn.nkelnden Lanzenspitze Pallas Athene, die aus dem .Haupte des Zeus


