Ausgabe 
12.4.1907 Zweites Blatt
 
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btünnlein murmelt ärgerlich eine wunderliche Melodie dazu. Es kann nicht verstehen, daß es feit einigen Jahren in dem alten stillen Landgraienfchlost fo rauschend zugehl. Auch der alle Herr in der Allongeperücke über dein großen Schloßportal schaul gar verwundert auf die Aenderung herab, die zu feinen Füßen sich vollzieht. Im Vorjahre mußte er schon sehen, wie man am schönsten Teil des Hofes eine intime kleine Veranda im Wartburgsttl anbrachle, dem Liebliiigsplätzchen der Kaiserin. Bald wird er wieder auf eine fröhliche, illustre Gesellschaft hinabblicken können, die dort des Lenzes Freuden in vollen Zügen genießen kann. Dafür sorgen denn auch jetzt die Gärtner, die den herrlichen Schloßpart mit Tulpen und Krokus schmücken, gleichsam um die Statur zum Wetteifern antu- spornen. Dazu das fröhliche Dogelkoiizert, das Plätschern der Springbrunnen, in denen sich Goldfischletn bereits wohlig sühlen.

Besonderer Fürsorge hat sich diesmal die Gartenanlage nach der neuen Erlöserkirche zu zu erireueir. Auch sie, in romanischen Formen an den berühmten Speyrer Dom etwas er­innernd, harrt in diesent Sommer ihrer weihevollen Eröffnung durch den Kaiser. Ter hat den Platz dazu geschenkt, d. h. er war dazu verpflichtet, da die alte Schloßkirche, die heute das Gottes­haus der evangelischen Gemeinde darstellt, von ihm zum Teil zum Schloß herangezogen werden soll. Ter verbleibende Rest ivird dann als Mausoleum der hessischen Landgrafen hergerichtet. Ihre Gebeine ruhen jetzt in alten unzulänglichen Grüften unter der Kirche.

Aber noch ein anderes Moment wird dieses Jahr in die Hom­burger Kaifertage heremgetragen. Die große Automobil- Wettfahrt, das Taunusrennen. Schon sieht man Ministerialräte, das Monokel im Kritikerauge, im Auftrage der beiden Ressortminister, denen die Au:omobilkonkl>rrenzen nun einmal ihre Genehmigung verdanken müßen, der Munster des Innern und der öffentlichen Arbeiten, die Strecke studieren. Ter lästerliche Oberwagenführer Werner be-uhr schon die Strecke. Tie bezylmderten Herren m den sieben zur Verfügung gefteluen Mercedeswagen fanden nichts zu erinnern. Und so wird dort im Throner'eld beim Kloster Thron bald die große Zuschanertribüne ein'-.ehen, von wo man die kaiserliche Heerichan über die benjinbuitenbcn Auüer und ihr internationales Ringen um die lästerlichen Preise ans bester Stahe betrachten kann.

Tie andere durch kaiserliche Hnld beglückte Stadt ist in ihren Vordercniingcn mit der Kaisertoillette noch etiuas zurück. Es eilt ja auch nicht so; kommt doch der Koster erst am 1-. Atm nach Wiesbaden. Und dennoch sputen sich die Wiesbadener. Fast hat es den Ainchcm, als würde man dem kaijerlicl en Gaste nur Unfertiges bieten können. Zwar wird diesmal der neue Bahn­hof das erstemal Wilhelm LL festlich empfangen. An dem

Fürfteuzimmer wird daher fieberhaft gearbeitet. Ter Bau wird bei jedesmaligem Neubefchauen immer weniger einnehmen. Der Wiesbadener Bahnhof läßt falt und imponiert auch nicht. Ein Kölner Bahnhof tn der Tekadenze. Vor dem Bahnhof ist man nun eifrig dabei, die kahle öde Platzwüste mit Anlagen, fo gut es geht, hinweg zu täuschen. Ta wird noch manch Tröpflein den Rhein herunterfließen, ehe die Verbindung mit der Stadt hergestellt ist, bis der Bahnhof hineingewachfen ist. An den Kaisertagen ivird man durch geschickte Staffage und Fahnen- und Gtrtanden- Drappiernng, so gut es geht, die öde Leere verdecken.

Am Theater ist Leben, es erhält eine glänzende Retiovie- rung. Am 12. Mai soll das Festspielen beginnen.

Und nun das neue Kurhaus. Tas alte, in seinem antiki­sierenden Stil, paßte nicht in eine Zeit, die em groß-phantastischer Zug beseelt. Alsoweg damit" war das Prinzip. Und man ftelite em anderes hin. Einen pompösen, großen Bau aus weißem, gelbgeflammtem Sandstein. Ein mächtiger (Shebelbau am iomidjen Säulen, in Form eines alten Tempels, von einer gedrungenen Kupferktippel bekrönt, stellt den iDlittelbau dar, flankiert von stilvoll gehaltenen Seitenanbariten. Auf der Seite nach dem Park zu, ist ein mächtiger Portikus die fDlittelftaflage. Ter nördliche Flügel wird durch einen fampamleartigen Turm flankiert. Das ganze ist ui edler, italienischer Renaissance gehalten, aber noch sehr tuest zurück.

Fiir Anfang 1908 ist eine große deutsche Kunstaus­stellung zu Neiv Bork geplant, die em vollständiges Bild des deutschen Kunstschaffens auf dem Gebiet der zeitgenössischeii Bild­hauerei und 3nnen«5)eforation geben soll. Ter deutschen Ausstelliing in Amerika soll auf Anregung der Ausstellungsleuung eine gleich­artige Ausstellung amerikanischer Kuiist in den größten Städten Deutschlands folgen. Tem künstlerischen Komitee der Ausstellung für Rew Norf, die mit in erster Lime ihr Zustandefomnien der Initiative des Berliner Bildhauers Profeffor Walter Schott oerbanlt, geboren an die Prozessoren Reinhold Begas, Adolf Brütt, Geh. Hoirat Robert Diez, Hermann Hahn, Otto Lessing, Fritz Schaper, Franz von Stuck, Geh. Ho-rat Dr. Treu, Geh. Rat Dr. von Tschudy, Dr. Heinrich Wölfflur. Dem Eyrenfomilee gehört der Berliner Bot­schafter der Be.einigten Staaten Eharlemagne Tower an.

Der Großherzog von S.-Weimar verlieh dem genialen Bild­hauer und Maler Protessor Max Klinger m Leipzig anläßlich dessen öu. Geburtstages die Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft.

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Zweites Blatt

157. Jahrgang

Nr. S5

Freitag 13. April 1907

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntag».

Die«iehener LmnlltenblStter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das KteUblati für den Kreis Liehen" zweimal wöchentlich. Derhessische Landwirt" erscheint monatlich einmal

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gderhessen

RolaNonSdruck und Verlag bet Brüblichen UnwersttätS »Buch- und 6tetnbruderet.

R. Lange. Gießen.

Redaktion. Exvedttton und Druckerei: Echul- straße 7. Ervebitton und Verlag; 61.

Redaklwne^AllL. Tel-Adr^ AnzeigerGteßen.

politische Lagessctza».

Lohnkampf im Berliner Bangeweibe.

-tt- Berlin, 11. April.

Mit dem Abbruch eines allgemeinen LohnkampfeS im Baugewerbe Groß«BerlinS ist, obwohl noch Vermittelungs­verhandlungen iin Gänge sind, mit Wahrscheinlichkeit zu rechnen. Die Maurer bestehen in ihrer Mehrzahl auf der Forderung deS Achtstundentags, diese Forderung gilt den Arbeitgebern für absolut unannehmbar. Man kann den Wider­stand der Bauunternehmer insofern verstehen, weil bei der Vergebung von Bauaufträgen immer mehr die Frage zu einer entscheidenden wird, ob in einer möglichst kurzen Zeit die Ausführung vollendet sein kann. Hohe Konventionalstrafen für jeden Tag der Verspätung sind in fast jedem Bauvertrag festgesetzt. Ter Bauherr will eben aus seinem Hause unver­züglich Nutzen ziehen, und bei den teuren Sätzen für Leih- geld, für die Beschaffung von Hypotheken usw., fällt jeder Tag inS Gewicht. Für einen Streik im Baugewerbe, dem zweifellos sofort die Aussperrung folgen würde, ist der Augenblick nicht günstig gewählt. In Berlin und Umgegend wurde in den letzten Jahren weit über den Bedarf hinaus gebaut. Der alte PossentitelBerlin, wie es baut und kracht" kommt in Erinnerung. Bereits iin ersten Vierteljahr ist die Zahl der Baugesuche außerordentlich zu­rückgegangen; ungewöhnlich viele Zwangsver­steigerungen finden statt. Der Lohnkampf im Bauge- werbe in Verbindung nut der Aussperrung der Holzarbeiter ist gewiß bedauerlich im Hinblick auf daS Schicksal tausender von Arlleiterfamilien, aber auf der anderen Seite wird durch die Unterbrechung vielleicht eine ernste wirtschaftliche Kalamität verhütet: Katastrophen auf dem Baumarkt und Wert Ver­luste im HauS- und Grundbesitz.

Kreußlschrs AbgcorSuetephaus.

Berlin, 11. April.

Die GtalSbcratimg wird fortgesetzt beim KapitelUni- oerfttäten". Die Titel der Umoersitäten Göttingen, Bonn und Al a r b u r g weiden ohne erhebliche Diskussion erle­digt. Bei der Universität Münster bittet

Abg. Schmedding (Zentr.) um eine weitere Ausgestaltung der medizinischen Fakultät tn Münster.

Für Pflege der Leibesübungen an den Universitäten sind 20 000 Mk. eingestellt.

Abg. v. S ch e n k e n d 0 r s s (nl.) meint hierbei, die Pflege der Leibesübimgen müßte nach Alöglichkeit und mehr als bisher unter­stützt werben.

Es folgt die Beratung des Antrages Fritsch (nl), die Regierung zu ersuchen, den Bestrebungen zur Vereinheitlichung der qeutjchen Stenographie tunlichste Förderung dezw. Mit- Wirkung zuteil werden zu lassen.

Abg. Fischbeck (srs. Vp.) erklärt die Zuftimmung seiner Freunde zu dem Anträge. Tie preußische Regierung habe sich in dieser wichtigen Sache von anderen Regierungen bei weitem in den Schauen stellen laffen. Wenn sie jetzt zugreise, werde die Ge­legenheit nicht sobald wiederkehren.

Kultusminister Dr. v. Studt erklärt, der Vorwurf, die Unterrichtsverwaltung sei in bekannter Böswilligkeit auch aus diesem Gebiete rückständig, treffe Nicht zu, er glaube aber nicht, daß schon der Zeupunkt gekommen sei, an dem die Regierung einen besiimniten Standpunkt emnehrnen könne. Er, der Munster, merbe der Sache seine Aufmerksamkeit schenken.

Abg. Fntsch ml.) erklärt, es scheine, daß die Regierung die Situation noch nicht ersaßt habe. Es handele sich nicht um ein bestimmtes System, sondern um die Unterstützung der Einheits­bestrebungen, die die einzelnen Schulen haben.

Ter Antrag Friisch wird einstimmig angenommen.

ES folgt die Besprechung des Antrages Ernst auf ärgan. Zusammenhang der Lehrpläne der Volksschule und der höheren L e h r a n ft a 11 e n.

Abg. E r n ft (irs. Vg.) erklärt, die bei den höheren Lehranstalten bestehenden Vorschulen seien eine unsoziale Einrichtung. Es werde hierdurch einer Kastenbildimg Vorschub geleistet. Die Volksschule jei heutzutage geradezu zur Armenjchule geworden.

Geheimrat Köpcke erklärt, die Vorschulen der (Stpnnafien und Realschulen entsprächen einem praktischen Bedürfnis. In idealem Sinne würde Redner für eine Vorbereitung durch die Volksschule stimmen, die Abschaffung der Vorschulen käme aber in der Praxis nicht der Volksschule zugute, sondern den Privatschulen, da zahlreiche Eltern ihre Kinder nicht in die Volksschule schicken wollen.

Abg. Dr. Krüger hält die Annahme für irrig, daß die Vor­schule eine Standesschiile sei. Anch viele Eltern ans den mittleren Volksschichten schickten ihre Kinder in die Vorschulen. Volksschule und höhere Schule ver'olgteii verschiedene Zwecke. Ein- gleich­mäßige Organisation der beiden sei deshalb nicht möglich.

Abg. Rzesnrtzek streik.) spricht sich gegen die Aufhebung der Vorschulen aus.

Abg. Hilbck matl.) erklärt, so schön e5 auch wäre, wenn die Kinder in den ersten Jahren der Vorbereitung die gleiche Schule besuchten, so sei doch zu beuirchten, daß die Kinder der besseren Bürger in der Volksschule nicht die gleichen Fortschritte machen ivürden, wie in den Vorschulen. Das Material unter den Zindern sei zu verschieden.

Abg. Tr. Dittrich (Ztr.) hält einen dreijährigen Besuch der Volksschule nicht für eine genügende Vorbildung für das Gym- nasinm. Es sei auch sehr fraglich, ob die sozialen Gegensätze durch die Ailfhebimg der Vorschule beseitigt würden.

Nach einem kurzen Eintreten des Abg. Ernst (srs. Vg.) für den Antrag wird der Antrag der U n t e r r l ch t s k 0 m m t s s i 0 n überwiesen. Damit oeuagt sich das Haus.

^parlamentarisches.

Berlin, 11. April. Die Budgetkommission des Reichstages setzte heute die Beratung des Heeresetats fort. Die Mehrsorderung von Mk. 79 600 für die militär- technische Akademie zu ihrer Vereinigung nut der Vereinigten Artillerie- und Jngeweiir-Schiile wurde genehmigt. Bei Kapitel 87Artillerie- und Woffen-Wesen" bespricht Erz- berger die Wasfendiebslähle in Spandüu, wo es an der nötigen Aufsicht gefehlt habe. General Sixt von Armin gibt daS zu und erklärt es mit der Ueberlastung der Beamten. Einem Wunsche von KommissionSmitgliedern, die neuen Geschütze in ihrer Fernwukung kennen zu lernen, wird regierungsseitig Erfüllung zugcsagt, sodaß die ftoinmifjion demnächst zu einer Vorführung eingeladen wird. General von Armin verspricht ferner, eine Anregung Erzbergers wegen Befferstellung der Wallmeister Folge zu geben. Die Kommission bewilligt die geforderten Mt. 21 510000 (gegen das Vorjahr mehr Wik. 5 382 950) für Schaffung einer Reserve an Jeldartittcriematcrial, nachdem auf Anfrage feilens der Regierung erklärt worden war, daß die Summe im Etatsjahre vollständig verarbeitet werden könne, und daß die Privatindustrie in hohem Maße beteiligt werde. Von In­teresse war ein Hinweis auf die Heranziehung des Fislus zur Zahlung von 42000 Mark für die städtische Fleisch­steuer in Mainz. Der Fleischkonsum der Garnison in frei. Indessen müßte für das in einer Mainzer staatlichen Konservenfabrik verarbeitete, nicht für Mainzer Truppen bestimmte Fleisch Oktroi bezahlt werden. Es wurde ent­schieden der Wunsch betont, an dem Jahre 1910 als Termin für die Beseitigung der städtischen Fleischsteuer festzu­halten. Die Forderung von 7 500 Mark als erste Rate von Alk. 500000 Gesamlbedarf für Erwerb und Einrichtung von UebungLplätzen in Mainz wird nach Darlegungen vom RegierungStisch auf Mk. 9 500 erhöht.

Die Wahlprüfungskommission deS Reichs­tages beschloß mit 7 gegen 6 Stimmen die Wahl deS Ab­geordneten für den Wahlkreis 9 BreSlau, Frhr. v. Richt- Hosen-Damsdorf (Kons.), für ungültig zu erklären. Aus­schlaggebend war ein Telegramm des Reichskanz­lers, daS sich gegen die Sozialdemokraten richtete. Die Wahl des Abg. Prof. Tr. Stengel (Frs. Bp.) wurde für gültig erklärt.

An Stelle de§ verstorbenen Abg. Auer dürfte der

frühere Abg. Molkenbuhr zum Sekretär der sozial« dem. Partei vorgeschlagen und voraussichtlich auch bestätigt werden.

Beim Reichstage ist die Denkschrift über die Afrika-Bahnen eingegangen.

liccr und Flotte.

Im Verlage bet Hosbilchhanblung von Karl SiegiSmnnd in Berlin SW., Teffanerstr. 13, erschien: Stech erts Armee- Einteilung und Quartier-Liste des deutschen Reicds- he-.res und der Kaiserlichen Marine. 9lad) dem Stande vom 2. April d. I. Rach amilichen Quellen bearbeitet und heraus- flegehen von der Redaktion bes Deutschen Solbatenhorles. Einzel­preis 80 Vi. Die seit 48 Jahren regelmäßig erschemenbe Armee- Liste enthält eine tabellarische unb sehr üüciüd)Uid)e Zusammen­stellung aller Truppenteile ber deutschen Armee zc.

Aus S adt und Land.

Sprechstunden der Redaktion: t/2 121 Uhr borm., V2 7i/j8 Uhr nuunn., (mit Ausnahme von Samstag unb Sonntag).

Gießen, 12. April.

Post-Personalnachrichten. Verliehen beim Scheiden aus dem Dienste dem Telegraphensekretär Henninger in Gießen ber Kronenorben 4. Klasse. Verliehen ist lernet ber TitelObcr- Postassisteni" ben Postastistenten H11ger unb August Schneider m Friedberg, Keller in Grimberg und Joh. S ch ä f e r m Alsfeld; der TuetOber-Telegraphenafsistent" dem Postassistemen Klaus in Butzbach. Versetzt sind bie Ober-Postpraktikanten aubach von Gießen nach Friedberg; bie Postpraktikanten Haag von Frankilirt nach Gießen und 'Di 0 0 g von Bab-Randeim nach Gelbern; Postmeister L> u p p von Schöneck (Vogilanb) nach Lauterbad); bie Postiekretäre H 0 ch von Alzey nad) Butzbach, Lang von Gießen nad) Eschweiler, Lanckharbt von Butzdach nach Gevelsberg unb Wilh. Schmidt von Franksurt (Main) nach Bnbmgen unter Uebertvagung der Ver- lUuUung ber Poümeisterstelle bajeibu; bie Telegraphensetieiäre Fink von Gießen nad) Friebberg unb Sp 1 es von Friedberg nad) Trier; Ober-Pcstassistent Wilh. Röng von Berlm nach Gießen; bie Post- aififtentcn Erb von Gießen nach Aiücke unter Ernennung zum Postveiwalter, Frank von Gießen nad) Breslau, Hern,.H 0 smann von Haspe nach Gießen, Lorenz von Schütz nad) Darmstadt, Langsdon von Lauterbach nachAlsield,L.W ag n e r von Butzbach nad) Mühlheim (Rhein); Telegraphenajsistent Reitz von Darm,labt nach Gießen; die Postverwalter Dretrich von Westhosen und Vetter von Alücke unter Ernennung zu Postassistenten nach Gießen. Etatsmäßig angestellt sind als Postjekretät der d)aratten|"ierte Post- sekretär p 0 simann aus Offenbach in Bad-Rauheim; alS Post- asststent Postanwärter Lampe in Gießen. Bestanden haben die Telegraphensekretärprüinng Postasststent F t n k in Gießen unb Tele­graphenassistent Tingeldey in Gießen; die Postassistentenprü'ung bie Postgehülien Klinger unb Woli in Gießen. Angenommen sind als Postanwärter Vizefeldwebel Adolph m £aiuerbad), bie Felbwebel Beck m Friebberg, E11lng m Butzbach unb Hör ft in Gießen; als Postgehülsen Dberrealid)üler Äinimel unb Real- gymnasiast ö i n t e r m Gieren; als Postagenten Obermüller Eorbes- m Okarben und Landwirt V ö l s 1 n g in Lardenbach. In den Ruhe- ftanb getreten sind Postmeister Gresser in Büdingen unb Tele- grapheusekretär Henninger in Gießen. Freiwillig ausgefdjieben sind Postgehülie Krebs tn Homberg und Postagentm B a gmann in Okarben.

r. Wleseck, 10. April. Die silberne Hochzeit feierten gestern die Johannes Gilbert Eheleute hier. Dieses veranlaßte den Gesangverein6.0 n eo r b 1 ae, dem der Jubilar als langjähriges Aiilgüed angehört, dem Ehepaar em t ä n b d) e n barzubrmgen. Es würben mehrere Lieber vorgerragen. Hierauf hielt ber erste Vorsitzenbe Bleich. Oswald eine der Feier ent­sprechende Ansprache. Tiefbewegt dankte der Jubilar für bie Ehrung unb lud den Verein zu einem Glase Bier ms Veremslokal, wo man noch einige frohe Stunden verweilte.

-t- Lehnheim, 11. April. Am 8. b. Mts. waren es 25 Jahre, baß ber Forstwart Knauß von Stangenrob bie Großh. Forstivartei Lehnhenn ununterbrochen verwaltet haf. In gleicher Zeit hat K. aud) bie zu seinem Dienftbezlrk gehörenben hiejigen Gemembewaldungen, in bestem Einvernehmen mit unjerm alten Bürgermeister Seng und seiner vorgeietzten Behörde beaussichtigt. Alle, bie K. kennen, wünschen, daß es ihm vergönnt sem möge, seines Amtes noch viele Jahre in bester Gesundheit zu walten.

Q Ober-Ohm en, 10. April. Gelegentlich des großen

Aie Iiüyungsferien des Kaisers.

(Don unserem Frankfurter Korrespondenten.) (Nachdruck verboten.)

Von dem Schlöffe in Berlin wird bald die kaiserliche Standarte schwinden, um in Homburg v. d. H. im alten Landgrafen fchlosse gehißt zu werden. Rod) einmal wirb ber alte schwerfällige Homburger Bahnhof zum Kaiserempfang herhalten muffen. Draußen im Reibe aber prangt bereits der neue schmucke Bahnhof, der in gefälligen Barockformen errichtet wirb. Schon ist er bis zuni Dachfirst fertig, beim auf bem frönenben Turm flattert be­reits bas Schlußbäumchen ber Zimmerleute luftig im Wmbe. -ter Taunus rüstet sich, um ben Kauer würdig zu empfangen, um ihm schöne Jrühlingsserientage zu bereiten.

In Homburg regt es sich bereits allenthalben. Ueberaü haben die Handwerker alle Hände voll zu tun, bie Häuser werben ge­strichen ober geputzt, bie Balkons hergerichtet, ja bie Fahnenstangen schon aufgeftedt. In ben Läden sieht man Kcnjerbllder.

TaS Kurhaus hat ein neues Kleid angezogen. Der südliche Teil ist nod) nicht fertig, die Maurer sind nod) am Verputzen, aber bis in acht Tagen der kaiserliche Gast kommen wird, wird alles fertig fern. Der neue Tachsims mit feinen jiviebelförmigen Be­krönungen wirkt zwar etwas zopfig. Früher war der Eindruck vornehmer, doch ist durch die grünölidje Restaurierung und die Abwafchung des roten Sandsteins ein freundlicheres Bild geschaffen. Im Kurpark wird die Terrasse hergerichtet, ido sich schon manche internationale Szene abgefpielt hat. Die Lüster werden aus ihrer Umhüllung herausgesd)ält und geputzt. Zwar grünt der Rasen noch etioas blaß, doch sieht man überall em Keimen und Sprossen. Tie Wege erhalten neuen Kiesbelag, die Blumenbeete neuen Flor, die Sprmgbrnmienbecken senden luftig plätschernd des »Spring- quells fluffige Säule' in die Lüfte. Die Bruimen, die Heil­quellen sind hergerichtet unb warten der Benutzung ber leibenben Kurgäste. Tie Lawn-Tenmsplätze, wo fid) alljährlich bie inter­nationalen Wettkämpfe abjpiclen, fmb fix unb fertig. Auch bie den Park umjäumenben großen Hotels haben ihre Saifontoiletie beende!.

Und wenn man schließlich zu dem altersgrauen Landgrafen- schloß wandelt, merkt man aud) bald, daßetwas los ist'. Alle Fenster sind sperrweit offen, um die Sumpfe Wmterluft herans- lulaffen, damit ber Frühlmgsobem in bie alten Gemächer emziche. Durch bas Tor eintretend und auf dem geiäunugen Schlohbo e, roo der stolze e cuumranlte Luginsland schlank m die Lüfte awrngt, flehend, fehe id) em Heer von Handwerkerli; putzend, anpmielnö, Ldwaschend, schmiedend, hämmernd, etc. Das alle träge Schloß-