DicnStag 12. Februar 1007
Erstes Blatt
für Oderheffen
L 57. Jahrgang
Nr. 36/
Urlchelnt täglich außer Sonntags.
Dein Siebener Anzeiger werden Im Wechsel mit Dem hessischen Landwirt die Siebener Kamillen- Hitler viermal in der $5od)e beigelegt und zivrunal wöchentlich da» Kitisblell für den Kreis Hieben. gernspiech-An- |ckUuvl.d.Rebatiion 113 Verlag u. (Lxpebit>on 61
monnmch^P'^ vierteljährlich Alk. 2.20; durch Abdole- il Ziveigstcltea monaihd' 65 Pi., burd) SiePostMk.r.—vlerlll- jäbrL fluildjU BeircckK Annahme von Hniclfca für Die IftflWiummce bis vvnnittags lu Lüg ^eileitpveie; lokal 15 auswärts 2U P'eiuilg. Berantworllich 'üt den yolü. und ailgem. Teil: P. Wittko, iüX r = iabl und LOilö' und ,(verrctzt»>aal'-. Ernst
“«ilcU« Ä1 IL * * V Bofaflonsbrui uni Verlag der vrShl'Ichen Unlo.-Vuch. und Sleintrudtreu H. lange. Beöatfion, LipedUlon und vrnckerel: Schulftratze 7. «.Ü
Kie heutige Dummer umfaht 10 Setten.
Generalversammlung des Bunde» der Landwirte.
(Unbcrcdjligkc Nachdruck verboten.)
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E. u. H. Berlin, 11. Februar.
Unter dem üblichen Massenandrange trat heule mittag im Zirkus Busch der Bund der Landwirte zu einer Äencralversamm- lung zusainmen. Mit Beifall begrübt, erklärte Freiher von L> o n g e n h e i m als Vorsitzender die Verhandlungen für er» jfinet. Nach langen Kämpscil, so führte er auS, nähert sich das erste Jahr unter der Herrschaft der neuen HandelSberlräge feintm In de zu. Sie werden sich alle erinnern, welche düsteren Prophc- jctungcn an die Folgen dieser üandelSvcrträge geknüpft worden und, Prophezeiungen, nach dcnett die dculfche Industrie gc» jivungen sein würde, inS Ausland zu gehen, daß bad Proletariat ausgepowert und der allgemeine Ernährungszustand so zurück- zcheu wurde, bau ein neuer bethlchemilischer jlrndermord die 'solge fein müßte. (Heiterkeit.) Prophezeien ist immer ein Hechtes Geschäft, bad lieht man schon beim Wetter Heiterkeit), geschweige benn bei politischen Fragen (Sehr richtig!) Was haben wir erlebt? Wir haben einen Aufichwung der deutschen ^nbusttie mitirlcbt, wie er bis dahin niemals zu konstatieren gcwcfin ist. Alle Werke stehen in voller Arbeit und zwar nicht nur in vorübergehender, sondern in fester Arbeit. Tas müssen rtbst die sozialdemokratischen Nationat-Lekonomen zugeben. Hand in Hand damit ist eine Besserung der Lebendhaltung ocr Arbeiter u konstatieren, fodast darauf auch ein Lichtblick für die deulsck-e Landwirtschaft zu entnehmen ist. Doch noch stehen die Q) e» trtibep reife erheblich unter dem Durchschnitt, nur tle Fleifchpreife haben eine kleine Erhöhung zu Der» zeichnen. Eines aber ist mit unheimlicher Pünktlichkeit cingetretcn; Die Zunahme der Leutenot aus dem Lande. Wenn die Ber» fjältnifie auf diesem Gebiete sich so weiter entwickeln, so weist ich nicht, wie in der Zukunft noch ein intensiver landwirtschaftlicher betrieb aufrecht erhalten werden soll, zumal, wenn gegen den . -mmer schlimmere Formen annehmendcn Lontraktbruch der länbl. arbeitet nicht endlich ein gesetzlicher Schuh eingesuhrt wird. (Leb- läster Beifall.) Und da müßen wir und fragen, wie die aud den lebten Neichstagdwahlen hervorgegangene Mehrheit sich zu bincu Tingcii stellen wird. Wir können nur nochmals bentJHciajd.aniici und dem Staaisminist r p. Podbielsli (Großer Beisalt und Hvch- lu|e) verfichern, baß wir ihnen bankbar sind für den Widerstand, i len sie gegenüber den Fleischnvtklagen arleistct haben. (Er- t .itec grober Beifall und Ruse: Hoch Podbieldki!) Wurde man an dieser Mazime für die Zukunft etwa nicht mehr festgalten, so Hiebe nichts anderes Übrin, ald au den Theorien bed sozial ullscheti 1 .Zukunftsstaates übcrjugicifen. Ich konnte ed mir kaum voritellen, wie die Fleisch- und Getreidroersorgung nach diesen Theorien
I iurchgeführt werden soll, wenn ich mir auch Arthur Stadt- lagen ganz gut ald O b e r s chw e i n e m e i st e r vorjitstellen
I i tniag. (Stürmische Heiterkeit.) Tenn auch die sozial ist n ehe Zu» । lunstöftaalsschlächterei müßte unbedingt noch lutjct Bett ben Sonfurd aninelden, weil eben niemand Getreide und Dieh fort» flcfcbt unter dem Selbstkostenpreise abgeben kann. (Sehr richtig! fcjcifall.) Wenn wir bann hinaudblicken über bie Oren» zen, so müssen wir zugeben, daß die letzten Jahre für die deutsche Politik ziemlich bewölkt gewesen ,iird. Auch (nute noch sehen wir, wie bad deutsche Bolk überall zuur Kar» nickel gestempelt wiro, bad angefangen haben soll und noch an» fangen füll. Wir sehen und einer Welt von Fernden i gegenüber und da müssen wir fragen: Wie stellte frei) der verstossene Reichstag diesen Dingen gegenüber? Biel Freude batte er ja bau deuischen Volke schon lange nicht mehr gemacht. Lis er dann aber sogar versuchte, in die Äommanbogctoajt des üaisers eutzugrcisen, da war das Mah übervoll. Deut »türm im Volke mußte er weichen. (Sehr richtig.) Und der Appell .an das Volk ist nickt vergeblich gewesen. Aber noch geben mir uns keinen Illusionen hin. Eines aber hossar wir: daß der LiberalismuL vernünftiger werben wird. Von unserer -serte ilt i für eine Verständigung aller bad mögliche geleistet worden. Wir b haben bei den letzten Wahlen Liberale aller Schattierungen unter» stutzt und selbst Leuten zum Siege verholsen, die uns bis vor ' kurzem noch aus bad allerschäriste angegriffen hatten. ,(>sehr richtig.) Zwei Bedingungen sind ed, die mir für die künftige 1 Politik aulsuftcUcn haben. Ter Reichskanzler hat cd ja abge- I lehnt, ein Programm für unsere künftige Politik auszustellcn, ober das deutsche Bolk hat aus der BiSmarckschen Zett her die Lote Aiigewohnheit, Klarheit in den Zielen seiner Staatsmänner zu verlangen, und deshalb hoffen mir, baß endlich klar außgc» sprachen wird, wie unsere Politik in Zukunft fein soll. Schutz jeder ehrlichen Arbeit in Stadt und Land, Zusammenfaiiung eilet Kräfte, keine fatsche Rücksichtnahme aus die Feinde bruuicu und draußen. (Stürniisck-cr Beifall.) 2Ba5 bann bad Zentrum anlangt, so ist in dankenswerter Weise ber Zmammenhang zwischen dem politischen Zentrum und der Sozialdemokratie ie|t» x.stellt. Aber wir müssen untersck)eiden zwucoen den momen» tanen Führern des Zentrums und der großen Maste, die hinter itnen steht und die aus Landwirten und Handwerkern zuiammcw g-letzt ist, die ebenso staatserhaltend denken wte wir. Notwendig ist also, daß die d c in o k r a t i s ch c Kltgue tut 3 ent rum beseitigt wird und dazu ist Aufklärung nölig. Wir munen ’ dieien Leuten klar machen, daß ed in ihrem Sntercue liegt, ( Hand in Hand mit dem Bund bet Landwirte zu arbeiten, darüber wollen wir uns keiner Täuschung hmgeben, Daj auu) un
I Zentrum ebenso wie in ber Sozialdemokratie die Unöujricbenbeu vielfach nur künstlich aufrecht erhalten wird. (Bestatt.) (snbnaj ho-sen wir, daß man in den Kreisen der Regierung zu der Ein» sicht kommt, nur mit Hülfe des Mittelstandes den Kampf durch» i führen zu können. TaS deutsche Volk hat gezeigt, daß es «ine c Verschiebung nach links wünscht. Das Sehnen des Zolles geht i nach der anderen Seite, nach einer starken, leitenden Monarde.
Tas deutsche Volk will geführt werden. Wenn die i verbündeten Regierungen und ber Reichskanzler den Enstcoluß fassen, klare Wege und Ziele nach bieser Richtung hin uns zu .. i-tigen, bann wird Bismarcks Wort wahr werden: Wir Dcusto-«.
V fürchten Gott, sonst nichts in ber 23eit! (Stürmstchcr Bestast. ■ Gan hat dem Mittelstand oft den Rat gegeben, den Weg der i Selbsthülse zu gehen. Nun, wir sind ihn gegangen und man
lenn unseren Bund nicht mehr a-chtlos bciieue lieben lauen.
(Sehr richtig.) Auch das Handwerk hat sich inzwstchen machl- - v»sll zusammen angeschlossen und auf diesem Wege werden wir
' s«hließiich aud) siegen. Wir haben aber auch unsere Pt acht noch
tiieuiaid mißbrauo>L Zum Wohle der Allgemeinheit haben wir ilsere Forderungen zurückgestellt und im Znieresse des Vaterlandes Cpfet gebracht. Wir werden auch in Zukunft uiisere Macht nicht mißbrauchen. Und sollte zum Kampfe gerufen werden, bann werden fcit die ersten sein, bic sich feiner Majestät zur Verfügung neuen
und Gut und Blut opfern, — nicht als heuchelnde, schmeichelnde Sklaven, sondern ald aufrechte Lchnsberren unseres geliebten Haiierd. (Stürmischer Beifall.) Der Redner schloß mu einem Hoch auf den Kaiser.
Es folgte bann eine kurze Ansprache des BunbedDorHbenben De. 8t 0 esicke»Kaiserslautern. Stachdeui Laitdrat v. M a l v a h n Den Kaffc>iieuisioiisocria)l erstattet und ocr oclamue Bundcsiuhrer Lucke» Paierehausen die Generalversammlung durch ein patrio» njeye» Gedicht erfreut halte, erstatteie der Reichstagsabg. Dr. Hahn den von uns bereits erwähnten Gesa-afts»'erichü
Reichötagsavg. luunmcrartr von Llbeiiburg»Januicyau sprach hierauf über „v e i ma t po l t t r k und Kolonial» Politik". Er meinte, eigentua» häue er Wernburg h.er zur Vertretung seiner Hüloiuaipuiiüt erwartet (*)Citctl:iU, al um er beiiuciiie, Sag b«.r Koioiiimd.rUUr |m> bannt oen Dank ieiner i'uciaieii Freunde erwirken hatte (erneute Heiterkeit,. 2)a Üiconci poicmuicikv bai.ii in feinet b.taiuitui bcio-bumor»fiuu>cn lükut gegen die Sozialdemokratie, b.c bud Voll andauernd berogen uabe, namcnliich in Sad-en ber Fleifchnot. Tud teure Schivein habe die Sozialdemolratie erschlagen HnrnufdK Hciicrkcit, das teure Schwein fei cd auch gcioucn, oas bet Sozia.demolraüe sänieglich bad Hirn so uinncbc.t baue, bau sie abwechselnd |ur und gegen die KvtOiiialpolckik iuar, sudaß ichlieguch kein schivein mehr a^d ihr llug wurde ^eilerteit1.
Ubtircbaltcur Dr. Certcl von dec „Xeutid/cn Tageszlg." sprach über die endgültige Regelung der bcutiujtii $)anociöv> Ziehungen zum Ausland. Gr Dcr.aiigte, baß tu b.n iluraincc* Itieicln, bic bei den ocuvrile^ubeii V.roaii^iung^n Mit dem Aus» lande gcirugen werden müßten, auch fre riujiigen Uicuie stecken müßten. (Heiut.cn,. Seine Audführungen faßte er ui folgender jiefolulio n zusammen:
„Die Q/Ciuraivitiummlung bed Bundes der Landwirte er- wartet, bau 1. an der von den verbündeten Öicgicrungen durch den Staatsseltctut ves Znncrn Gra,ea von Pui^dowSty abge» gebenen Griuirung rücrha.Ucs und unueoingt icirgetzallen wird, nach her wettere Abschwächungen des beutiwn ZoillarstS a.s ausgeschlossen zu betrachten sind; daß 2. led.oede Verhandlung über den Abschluß eures Hande,Svettrages nur unter An- enennung die,es (örurtbsatzcs gciuhrt wird; daß 3. hiernach die verbündeten Regierungen, insdefondere den Verein.gtcn Staatcn von umcrita gegenüber, ao.oarteri, roelche Zugeu.tnbiuste diese für bic weitere Gewährung der zurzeit pioonoriich em» ßuraumkn Gvrg..ni.iguiigea ai^uüict.n bC.uu.t sind; bau 4. b.c ucrounbctai b.egictuugui, augu,iu,-L> uen^icxiuc Prcumeedun- geu, die in ine Kreise ber Landwirte Vcunruh.guug und IDtiulraucn zu tragen geeignet waren, unzweideutige Gnu schlostenheii betunücn, an dem ouen bezeichneten Grund,atze unverrückbar festzuhaltcn."
Zn bet Lislusiwli gaben Profeifor D inger-^ena, Staub» tag-abgevrdnetcr S ch r e m p f-Stullgart und rwch einige andere yunbcsmilgliebct chte Zustimmung zu b.eser Uteiolutton zu er* tennen. Bei dieser Qklegcnbcit forderte ein bauerifdMCd Lundcs-- milglicb unter Heiterkeit, Beifall und Wckeripruch, daß mvn der Leutenot auf dem Laude dadurch steuern mochte, daß jedem Abwandcrnden bis zum Aller oon 20 Jahren eine stau» tion abvcr.angt werde, die er erst zurückerhalleii solle, wenn er beimtcLre und sich verheirate. Abg. S ch r e pt v f Lcuaneite, ui feinen Ausführungen beit Verduft Henöronns an Slaumann, bat gewisse Streue im Bllrllwrr T'-crgaetcuvic^lll mit gewaltigen Summen uiucritiifct haben mußten, benn fanu hätte der Bauernbund', er durc.)kommrn müssen. Hieraus wurde die Gertttlche Re» sollttwn u'nt.r großem Beiiall einstimmig angenommen.
Verschiedene VundeSmllgluder überorachten Dann noch Grüße ihrer HaiidcSvcrcuiigungen, moraut Frecher von Wangen» heim die tiKncrau)er,ammlung» vergeblich hätte mw
Liebermann von Sonnenoerg aus b,r Littrnerttibüne erroaiLL Der sonst in jedem Iah« bic Versamvilung namens feuiex Partei zu begrüßen p,legte, dagegen war von Dem RetchStr-saug. 3im» m e r m a n n • u)redbeu numenfc der b^iidicn Vi-.ioraipartci ein längeres Bcgrüßungdtelegrauun eingelaufen.
Zur Heerschau der Lüudler.
Unser politisckjrS Le«-eu lieht im Beugen ber Organisationen von Berufs- unb Jntercfscnständen, und ie festgefügter und um- laffcnbct die Crganiiätion, desto mehr vfewähr haben ihre M>t» glieber, daß ihre Forderungen gehört unb ersünt weroen. Ti- Landivirte haben ebenso klug gehandcll wie die Arbeiter, ald fu jio) zu einem mächtigen Bunde zusammenichlofsen, uiib ed wäre zu wünschen, baß auch die Bürger in ben Städten sich zu machtvollen Verbanden Aufammcniänbcn. Ohne den Bund der Land- wirte hätten wir sicher keine agtarifc^c Hochschunzollpo.itik er- halten, und wenn Die St-dter dem Bunde ber Landwitte eine gleichiveriigc Organisation cutgcgcnitcUen lönnten, io wurden tu nicht bei der neuen Zolloontll bic Lcchiragetiden jein. Durch solche Orga-nisatwnen wird aber auch jumcucn ein Ausgleich ber benetzenden Interessengegeniatze gei'chancn, und deshalb sollte uns die Generaiocriammlung ded Amides der Land-uirtc d.ran mahnen, es itzncn gleich zu tun!
Den orgu.istierten Agrariern roub jetzt in Berlin von ihren Führern Lar gemacht. Dun bad Werk des Bundes der Landwirte nicht zu llnde, fondarn ent im Beginne fei, büß bic „größeren und icöiotreren" Ausgaben noch bevor- Itchen. W^rui bicie Ausgaben zunachit bestehLu, in ohne werllrcs uriennbar: cd toitb auch eiitschiedcnire gegen Handelsoer- embarungen nut Amirika unb ung^anb i.ngelämp,t werden, sofern sie nach bündicriichcr Äuiiaiiung bic agrariidjen Sonder» Interessen nicht angcmciien berücksichtigen. Den Ton dazu schlug heute schon die üJenctaluerfamnuung des Bandes der Landwirte an. Zn diesen speziellen Fragen haben die Aogg. Röucke unb Hahn bereits in iraljcten Zayrcn fia# eurig betätigt, tteilich nicht ohne schar,e Abweisung vorn Regierungötiiche aus. Becken Herren Si,[toten ist abrigens sowohl von ber konservativen wie von der reichsparteilichmi Frattion der Anich.ug vctick^osscii wordeii.
politische Lagesicha».
ciegenDe tieju,iagene.
Wie ed sich für eine gut disziplinierte Partei schickt, ergreifen in der Sozialdemokratie zuerst die Führer bad Wort über Sieg unb Niederlage bei den Wahlen. Tenn Sieger ist bic Sozialdemokratie nach der Dicmung ihrer Autoritäten notz dis MandaisverluiieS. LaS 'Anivachfen Der Stmimenzahl stimmt zu Hellem Znbel; ed bciuciil dem »Bor- ivärid' — der sich mehr unb mehr m einen LptlmiSmus hineinlebt, nut dem oeiglichen dec Cptnnismud des Fürsten Bülow von bemache fchiparziehcrncher Art ist. — .eine präch
tige Ausbreitung dec fozialdemokratuchen Idee'. Ter |ozial- demokratische Parteivorstanb spricht in feiner bereits geitern mitgeteillen feierlichen Proklamation .An die Partei!' von den siegenden Geschlagenen. Die Umstellung bet Worte würde >vohl eher den Tatsachen gerecht: Geschlagene Sieger.
Wenn eS so weiter geht niit der gewaltsamen Fröhlichkeit unb der Genugtuung über die Wahlen, bann wirb wohl, nächstens folgende ShmbQcbung erscheinen:
.Tie sozialdemokratische Parteileitung hat alles kommen sehen, wie es Iain. Roch mehr, sie l-gie von uouibcnni gauudn Io ' besonderen Werl aut bic Gewinnung von Mandaten, ne wollte Neuer remfoufd) gesinnte, Im wilden Slnrm unsichere Leute, tote die tialwcr rc., los werden, lieber zu einer kleineren, aber gc- id)lo||ciien Jrati>on iverden. Tiele filbsichi lii voUkouuuen gelungen, tvrrade die minder Zuverlässigen sind durchgc'alleu, aber von den üläimem der »sieggettonten revolnnouären üatiik' kblcn nur wciiifl teure Häupter. (Betjote: Schade, bog 'B o 11 m a v , bicicu nubeaueme Cnciifliler imb Bedelgegner, nicht unter den 'Lurch- geialleneu sich befindet I) Also kohlocti, Zhr Geuoslen un Lande t Arcnt Euch mit uns, daß die sidertegene 21'eishett der Parteileiinug die» kaum zu hossetidc lLr^ebnts derdeigestilnt Hail llnö so Zhr im» ditichan» einen gt and tos en Fackeizng mit Musil billigen wollt, io lei e»Denn was der .Radau Lrvmc' recht ist, die tu '-beilut mm schloß und zmn Ilanzleivalatö zag, das ist den oignnifteuen Pioletariern billig. Reden töimen auch wir halten, vor allem läiiflete Reden, m denen wir (Sud) beweuen iverden, baß die voller- oeirctenbe Soziaide>nokrattc tvicbctum einen licirlidieu, glorre»chet> <-icg ciinngcu hat. nein, zwei Stege: einen, Lieg mit einem Zuwachs uou einer Vtettelmillion Glimmen über das elende, get|ies- uäge Bürgertum, über die vetionete füvualtliiidic tilcjellldja i, und emen anbeten, noch giöneren, über uns felbii, indem wir maimhait und entschlosien die halben Freunde, bte 'Dhilämev, von uns lliii.eii und uns der noch viel verderblicheren Rem|toni|ten cmlebigieiu Lad Banner hoch! Hock bte Partei 1*
So etwa könnte im weiteren Verlauf ber Tinge die sozialbemokralifche Parteileitung sprechen. Für jetzt stl charak- letlstlsch, baß sie sich selbst gar keine Schuld an der .Schlappe^ bcimißt, desto mehr dem .ichamlosen' Treiben bed ,Vothn- tolkn* nnb Slaffern»Uartcllö* unb beiläufig auch ben Organt« lationS-Fehlern ber leitenden Genossen m den unleilegenen Löahlkicijcii. Der Parteivorstanb Hot ober gleich ein U)htte( ueieit, bic Ärilit Anbeiöbculcnder in beu eigenen Sieihcn ab- zuschrccken. PleinungSverichiedenhcltcn dürfen, so Dcitüubct er, fortan .nur in der streng fachlichsten Weise^ zum An-- trag gebracht werben; mon unterlasse ben Stampf für Stiem« Lebed unb Nebensächliches, lieber bieS Nnhegebot lounbcrn (ich etliche Organe bürgerl. Parteien. 9Ud ob ed nicht eine uralte Erfahrung wäre, boß gerade diejenigen, die sich cbual darauf zugute tun, uiumnuuiiben ihre Meinung zu sagen, am aUerctiipsindlichsten sind, wenn Andere zu Wort gelangen.
Tie pSQorbb. Allg. Atgll schreibt zu bem Anlnil bed sozial- b.*mofiottid)cn PartetvoisiaudcS: TiejeS Lchreiben soll offenbar baju 0uiicn, Die wahren Wituibe ber sozialdeurotratiichen Ruoeriage, die iiidu m ju'aliiflcn Umstanden, foubeni un Wejeir der Partei iclbtu begründet sind, zu verschleiern. Ter Hauptgrmib ist der ooll- lommcnc 'Mangel an proDiifuocn Letsiungen, der notwciibifl bedingt ist durch ein Programnr, das grundlegend die ganze heiings Staats- rmd (Pejelljchaitsordimug vcrwiru. lleber diese Dellliikiioll voir id)äDlid)cm Eharalier der Sozratdcmolrane fnrd einem großen Lecke aud) der scriherigen smiaidcmotrauidren Wähicr,ckait ute ■Jlttflcn au'gegaugeir und dieser Prozeg .vird sich U)U|etjen, Nicht wie ocr Partewoisland hosst, wieder veisckjrvlnden.
Kreutz.schrS Abgeordnetenhaus.
Berlin, 11. Februar.
Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die erste Beratung eined Wan derart) cits ft ättengefetzeS.
Tic Vorlage geht an eine Aioiuinifsion von 21 Mitgliedern. Es folgt die erste Beratimg bed Gesetzentwurfs über Aendcrung des hannoverschen Gesetzes über die Zusammen- Icgnng der Grundstücke vom 80. Inrn 1842. Der Entwurf geht nach kurzer Debatte an die Agrarlammission. Hierauf wird die zweite Beratung beim Etat der landivirtschaftl. Perwallung fortgesetzt beim Kapitel .LanbeSmeliorationeif. Abg. v. Hagen (Ztr) tritt für eine stärkere Beteiligung deS Slaals an der Pioorkultnr em und bittet um möglichste Ernt ä Ü i g u n g der Tarife auf den Kanälen. Em Regie rungskommtffar gibt eine entgegenkommende Er- Hüning ab. Beim Titel Wald- und Wiesenkultur tritt Abg. p. Prittwitz (Kons.) für eine wesentliche Erhöhung ves FviidS für PtelioraUonLzwccke em, da man rcchizeuig voisoigcn müsse. LandwittichafiSminister v. Arnim sagt eine Eihühnng des Fonds z»i. Damit ist das Crömortum erledigt. £ie weitere Beratung wird auf Dienstag vertagt.
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Deutsches Ne ich.
Berlin, 11. Febr. Ter Kaiser beivilligte dem Vize- Admiral Galster, zuletzt von der Btanne-Ltation ber 9lorb- jee, unter ben Üblichen Beblngungen ben Abschieb,
__ feiner Antwort auf em Glückwnnfchfchreiben bed HeraudgeberS ber .Dentschen Ztg.^, Friebrich Lange, zu dem Ergebnis der Wahlen sagt bcr Reichskanzler Fnru Bülo,v: Zch stehe nicht an, em sehr wesentliches Verdienst an dem günstigen AuSgang d-cseS Nampsed bem auf baS Ganze blideiibcn, von Sonbcrrücksichten nicht gehemmten Wirkungen ber unabhängigen nationalen Presse zuzuschreiben.
— Der Reichskanzler empfing heute ben gegenwärtig in Berlin weilenbcn bulgarischen Niinister dcS Aeußeren 61 a n t j d) o iü.
— Lanbgerichtsdirektor Dietz, der Vorsitzende in ben


