Freitag 11. Oktober 1907
157. Jahrgang
e. 339
Zweites Blatt
Lrschcml lvglich mit Ausnahme deS Sonntags.
SM
pflicht nicht zu beunruhigen, bis sie sich mit der persie scheu Botschaft in Konstantinopel verständigt habe. In der türkischen Bevölkerung wird die Möglichkeit kriege rischer Verwicklungen mit Persien besprochen und daraus hingewiesen, daß angesichts der zerfahrenen inneren Verhältnisse Persiens die ganze Kurdenbevölkerung des Grenzgebietes Persiens vor der Anarchie und einer ungewissen Zukunft geschützt werden müsse.
Rotationsdruck und Verlag der Br Ührchen Un io erst t ä tS - Buch- und 6 ttlnb ruderet R. Lange, Metzen.
Die „titeßener FaniMenblätter" werden dem Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das Krdiblßtt für den Kreb Giehen" zweimal söchenllich. Der ..hesstsche Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Redaktion, Expedition Und Druckerei! Schul- stratze 7. Expedition unb Verlag i bL Redaktion: 112. Tell-Ad^ Anzeiger« letzen.
Die preußischen Feuerbestattungsvereine.
S. u. H. Berlin,?. Okt.
Im Reichstagsgebäude traten am Sonntag die Vörde der preuß. Feuerbestattungsvereine zu einer Bein g zusammen, um den^ Streit wegen der Benutzung Krematoriums in Hagen einer Kritik zu unter- rtm. Das Kultusministerium, das Ministerium des tern und das Justizministerium waren vertreten. Die Handlungen leitete Reickstagsabg. Dr. Leon h a r d. — h längerer Debatte wurde folgende Resolution ein- >mig angenommen: Die l-eutige Versammlung der preu- hen Feuerbestattungsvereine ist der Ansicht, daß die innte dem Hagener Verein für J-euerüestattung auf Ver- rssung der früheren Minister v. Studt und Bethmann- lweg zugeaangene polizeiliche Verfügung, welche die .utzung des Hagener Krematoriums für die Leichen- ischerung untersagt, von unrichtigen tatsächlichen und tuchen Voraussetzungen ausgeht. Sie widerspricht dem psinoen weiter Volkstreise und läßt die Gründe der Ent- idung des preußischen Oberverwaltungsgerichts vom Mürz 1806 unbeachtet. Die Versammlung betont, daß Feuerbestattung einen Fortschritt in gesundheitlicber, nheitlicher und wirtschaftlicher Beziehung bedeutet, baß keinen christlichen Glaubenssatz verletzt, und daß es i Smudpriukt der Strafrechtspflege bei vorangegangener he-uschau stichhaltige Einwendungen nicht gibt. Die ung des Andenkens der Toten ist den Freunden der erbestattung eine heilige Sache. Die Einführung der .erbestattung ist in zahlreichen deutschen Bundesstaaten ügt; irgenowelche Mißstände sind dadurch nicht hergetreten. -Die Gefühle der Freunde des Erdgrabes neu auch in Preußen nicht verletzt werden, da es sich die unverbindliche Feuerbestattung handelt. Die Ver- :mlung beschließt, diese Leitsätze mit einer ein gehen-.
sacktichen Begründung, den zuständigen Ministerien Kenntnis zu bringen mit dem Ersuchen und dem An- ie das Verbot der Benutzung des Hagener Krematoriums ückzuziehen nnt) sich auf die Bestimmung zu beschränken, ' solche Leichen, bei denen der Verdacht vorliegt, daß Tod ourch eine strafbare Handlung hervorgerusen ist, nach vorangegangener Obduktion zur Einäscherung ge- gt.
Zur Lehrerbttdungsfrage.
Durch den vor einiger Zeit im Gießener Anzeiger veröftent- lichten Antrag Köhler ist die Lchrerbildungsrrage zur.ofiwt- lieben Diskussion gestellt. Der Vorstand des henstwen ^and.^- lehrervereins hat die Wünsche der Volksschullehrer lMftcht-ick> chrc^ Ausbildung in idiner Denkschrift vom ^ahr 1899 meberg Jegt Tarin nnrd gefordert: . _
1. Die Präparandenschulen sind aufzuheoen.
2. Tie Vorbereitung für die Schullehrerseminare erfolgt aup den Realschulen. , , . . . , ..
3. Ter Seminarkursus umfaßt vier Jahre, hon denen die beiden ersten der allgemeinen Bildung und die beiden letzten der Fac^rildung zu widmen sind.
Betrachtet man die Bildungsfrage vom rem pädagogischen Standpunkt aus, so steht der Aufhebung der Präparandenanstalten^ nichts im Wege. Es ließen sich vielmehr zahlreiche Gründe anführen, die gegen die Zweckmäßigkeit dieser Schulen als direkter Vorbildungsanstalten für die Seminare sprechen. Diese Momente aufzuzählen, ist heute nicht beabsichtigt. Die Forderung der Realschule als VvrbildungSanstalt entbehrt neben der pädagogischen Begründung auch nicht einer solchen praktischer Art. An Stelle der drei Präparandenschulen würden 37 Real- und höhere
Billige Kartoffel» für die Eisenbahner.
Unter dieser Aufschrift brachte der „Niersteiner Lokalanzeiger" in seiner Nr. 1227 folgende Nachricht:
In der Wartehalle der Station Nackenheim hat der dortige Eisenbahner-Verein eine „Vereinstafel" angebracht, auf der Kartoffeln und zwar Magnum bonum zum Preise von 1.85 Mk. per Zentner und Industrie-Kartoffeln per Zentner 2.15 Mk. empfohlen werden. Des weiteren wird bemerkt, daß der Vorstand die Kartoffeln „versucht" habe und dieselben für „vorzüglich" befunden hätte. Es heiterte uns an, als wir diese Art Empfehlung zu Gesicht bekamen. Doch wird sich der Landwirt über diese Preisnotierungen weniger freuen. (In welchem Verhältnis mögen die landwirtschaftlichen Produktionskosten zu diesen Schleuderpreisen stehen? Ob die Bewilligungsfreudigkeit der ländlichen Abgeordneten für Erhöhung der Beamtengehälter angesichts dieses Verhaltens der Eisenbahner dadurch gehoben wird? D. Red.) .
Diese Nachricht wurde mir von einem Anonymus aus Rheinhessen zugeschickt, wahrscheinlich darum, damit ich die angehängte Nedaktionsäußerung auch meinerseits in der „Hess. Landw. Zeitschrift" noch einmal ganz besonders dick unterstreichen und bekräftigen möchte. Ta kommt der Herr Anonymus aber bei mir an den ganz Unrechten. Ja, i ch sage ihm sogar, wenn die Eisenbahner gute Kartoffeln billig fliegen können, dann sollen sie sich solche nur anschaffen. Und ich wünsche ihnen guten Appetit dazu. Das Vorgehen der Eisenbahner kann ich nur billigen, denn nicht von diesen, sondern von gans anderen Umständen hängt das Wohl und Wehe des Bauernstandes ab. Tenn es ist heutzutage Alles in der Welt so gegeneinander ge» richtet, so in Einzelinteressen gerissen, daß es im Wirtschaftsleben dem Einzelnen und auch Genossenschaften gar nicht mehr möglich ist, Rücksichten auseinander zu nehmen. Jeder mui; heutzutage eben seinen Vorteil suchen, wo er ihn zu finden glaubt, und ihn nehmen, wo er ihn findet. Tas ist eben die moderne freie R a ubw i r t s ch a f t. Sie ist da, es ist das bedauerlich zwar, aber sie ist eine Tatsache, und der einzelne Mensch hat ihrem Dasein, soll er nicht untergehen, gebührende Rechnung zu tragen. Darum kann im vorliegenden Fall der Eiesnbahner vernünfiigerweise für den Zentner Kartoffeln irgend einem Händler keinen Pfennig mehr geben, in Aussicht dessen, um als Lohn von den Bauern abgeordneten höhere Gehaltssätze dagegen einzutauschen. .
Die Bauernabgeordneten wissen wohl, daß es eine der höchsten Aufgaben für sie ist, einen Beamtenstand erhalten zu helfen, der ohne Sorge für sich und feiner Familie Gegenwart und Zukunft, in unparteiischer und gerechter Weise sich einzig und allein dem öffentlick>en Dienste zu widmen in der Lage ist. tz>ie liebergriffe mancher Beamten bei Wahlen, bad abstoßende Verhalten mancher Beamten gegen das Publikum, den Kaltengeit mancher Beamten, insonderheit der akademisch gebildeten, wollen wir mit ganzer Heberseugung und mit allen Kräften und gesetzlichen Mitteln bekämpfen, aber es sollte uns Bauernabgeordne.en docy niemals irgend etwas abhalten, Gegenwart und Zukunft be» einzelnen Beamten sichern zu helfen. Neben £em dauern* stand ist es ein gesunder B e a m t e n st a n d, der des Stabes bestes Fundament bildet. Denn wer hat denn eigentlich Preußen fo groß gemacht, trotz all seiner Reaktion und seinem vielfach unleidlichem Bureaukratismus? Doch in enter Stnte sein unbc- stechlicher Beamtenstand. Und u nb e st e ch l r ch wird der amtenstand bleiben, so lange in ihm Einfachheit der Sitten und der allgemeinen Lebenshaltung von ausreichenden Gehaltssätzen
ich, wenn der „Niersteiner L°k-l°n^iger" meint' man solle der Selbsthilfe der Eisenbahner seitens der B-uernabgeorducten darum nun mit Bergeltrmg bei Bewüügmiz von Beanitengehältern begegnen, so befindet er sich doch W cny dem Holzweg, Das ist ein sehr bes chran11er und eng- ber z i a er Standpunkt, den er da ein nimmt. Bauernabgeordneten werden ihm nicht folgen bahin. ^E si wissen, daß nicht die Beamtengehalter es sind, die den dauern büncklcken sondern es ist der o r g a n is ierte Sch a ch e r und Wucher, der ihm Millionen von Mark int Jahre ab knöpft und aussaugt. Und dazu die k l e tuen Blutsauger all, die an seiner Lebenskraft zehren, tagau», taarin - Wn Dorfmakler, jeden der. Schweinchanbeln u a t e r handelnden Schweinehirt leitet das Bestreben, den Prei^ des landwirtschaftlichen Produites herabzuschrauben im >5 n t e- resse des Händlers, ihres Brotherrn und Verdi en st a e d er s. Und so geht es von unten bis oben, vom Schweinehirt als Unterhändler und dem ^en bandler arbntei..
Dn-s-srnakl^r bis hinauf zur groizmachtigen -Lpielyoiw oer Dörse^ Das alles sind des Bauernstandes wahrhafte unb gefahr- liZm Knde, nicht der Beamtenstand ist es, 1° wert a: mflt in politffcher Tätigkeit und Agitation, rm einzelnen dee, Baaeim standcs Wohl bewußt oder uubewuszt zu schädigen Mait, iu?ü»lten gilt es all die Blutsaugeinstitute, bte dem Bauernstand am Leben zehren: es gilt, dcn Bauerust-md zu orgamsierm damit er sich ihrer zu erwehren maa)hg sei. Und dazu veourreu wir ernes tüchtigen Beamteustandes Mithil^ mwt semcr Gcgu - schast, die imr hervorgerusen wurde durch em kurzstchNS«, Vorgehen, wie es dem »Nierstemer, Lvkalan^iger^
politifd?c Tagessch««.
Gründung eines Verbandes höherer technischer Verwaltungs- beamteu.
Die „Norddeutsche Mlgemeine Zeitung" schreibt: An einen ß des Ministers der öffentlichen Arbeiten, worin zur Gründung ) Verbandes höherer technischer Verwaltungsbeamten bei den n ß i s ck) h s s i I ch e n C t a a t s e i s e n b a h n e n Stellung mmen wirb, sinb in verschiebenen Tagesblättern Bemerkungen üpst, die von nicht zutreffenden Voraussetzungen ausgehen, er Erlaß, der seinem Inhalt nach in der „Nationalzeitung" 6. Oktober mitgeteilt wurde, hat, wenn er auch nicht amtlich geheimer Erlaß bezeichnet ist, nur durch groben Vertrauens- h den Weg in die Oeffentlichkeit finden können. Bemängelt
daß er auf verfassungswidrige Beschränkung des Peti- ^rcchts der Beaniten und Verbot der Gründung eines Standes- iNs abziele. Die „Norddeutsche" verweist zunächst zum Beweise, Die Staatseisenbahnverwaltung die Veremsbildung unb Ver- tätigftit ihrer Angestellten unb Beamten nicht verhindere beschränke, auf die Tatsache, baß zur Zeit 54 Vereine von mten, Hilfsbeamten mit etwa 150,000, sieben Vereine von ilbahnarbcitern mit etwa 43,000 Mitgliebern bestehen. Auch n ben Zusammenschluß ber höheren Techniker zu Standesver- n an fick) seien Bebenken nicht zu erheben. Im vorliegenden e jebock) mußte bie Ueberzeugung gewonnen werben, daß cm Verbände in erster Reihe darauf ankäme, durch Entfaltung gehender Agitation bisher nicht erfüllte Forderungen der höhe- technischen Beamten gegenüber der Staatseisenbahnverwaftung iHusetzen, wobei eine Verschärfung des Gegensatzes zwischen Inen Beamtenkategorien innerhalb der Eisenbahnverwaltuug, Lsondcre gegenüber ben abniiniftratiüen Beamten dieser Vereng nicht zu vermeiden wäre. Es wäre jedenfalls tief zu be- cn und für die Aufgaben der Staatsverwaltung schädlich, it höhere Beamte, wie auch Landräte, Regierungsräte bis zum ister hinaus sich zu Kampsverbänden zusammenschlössen. Der alt des Erlasses gebe keinen Anlaß zudem Vorwurf versassungs- iget Beschneidung des Petitionsrechts der Beamten. Tie rddeutsche" erinnert ferner daran, daß von Landtagsabge- :cten wiederholt ftn Abgeorbnetenhause der Inhalt einer aus Kreisen der höheren technischen Beamten herrührenden Bro- re, unb Klagen unb Wünsche der höheren Techniker der Staats- ibahnverwaltung zum Gegenstand ber Besprechung gemacht tat wären, ohne baß hiergegen die Ressortminister Einspruch den. In der Lagespresse sei anerkannt, daß vieles für Verbesserung der Anstellung- und Beförderungs-Verhalt- der höheren Techniker geschehen sei. Der jetzige Minister
cs für seine Ausgabe, die berechtigten Wünsche der niker mit Nachdruck zu unterstützen, habe sich aber anderseits verpflichtet gehalten, die Beamten vor Schritten zu warnen, schließlich eine Schädigung ber Verwaltung und damit auch Ansehens ber Beamten selbst herbeiführen müßten.
Das^Befinden des Kaisers von Oesterreich.
Wien, 10. Okt. Das Befinden des Kaisers hat gebessert. Er empfing heute den Gardekapitän v. Beck, ern hat Professor Chiari eine Haisuntersuchung beim fer vorgenommen, die aber nichts ungünstiges ab.
Wien, 10. Okt., 4 Uhr 45 Min. nachm. (Wiener Korr.- '.) Das Befinden des Kaisers ist vollkommen verändert; es handelt sich um Bronchialkatarrh ohne ber. Der Kaiser ist durch sein Befinden nicht gehindert, sende Geschäfte wie gewöhnlich zu erledigen.
Wien, 11. Oki. Die Fiebererscheinungen gingen beim ser im Laufe des gestrigen Vormittags zurück.^ Der ser hat besten Appetit und man glaubt, daß die KLank- bet strenger Schonung in 8 bis 10 Tagen behoben werde. Offizielle Bulletins werden nicht ausgegeben, tern abend war das Befinden noch nicht fieberfrei. Tem- atur 38,1. Im Laufe des Abends erschien abermals zur izialuntersuchung Hofrat Professor Neusser und blieb 8 Uhr beim Kaiser. Gegen 9 Uhr begab sich der Monarch Bett.
General-Mzelger für Gberhessen
Militär-Luftschiffe.
Berlin, 10. Okt. Nach Beendigung der Pro befahrt en mit dem lenkbaren deutschen Militär-Ballon, die nur noch in dieser Woche stattfinden sollen, beabsichtigt man an den Bau weiterer Militär -Ballons heranzutreten.
Lo n d o n, 10. Okt. Das englische Militär-Luftschiff Nulli Secundus hatte bei' seiner heute erfolgten Rückfahrt vom Krystall-Palast nach Aldershot schwer unter dem Winde zu leiden und ist vollständig wrack geworden. Der Rahmenbau, der Gondel und Maschine hält, ist vollständig verbogen. Außerdem erlitt der Ballon andere Beschädigungen. Man mußte das Gas aus der Hülle entleeren und diese entfernen. Der Re stliegt als Trümmerhaufen aus der zweiten Radbahn.
Koloniales.
M r o g o r o, 10. Okt. (W. B.) Nach der gestrigen ersten Fahrt des Personenzuges auf der Zentralbahn bis Mrogoro, an der auch Staatssekretär D ern bürg nebst Begleitern teilnahm, erinnerte der S t a a t s s e k r e t ä r bei dein anschließenden Festmahle in dem Trinkspruche auf den deutschen Kaiser an das Wort des verstorbenen Herrn v. Siemens: „Die Zentralbahn wird unb muß gebaut werben!" Der Staatssekretär fuhr fort: „Sie ist gebaut worden trotz aller Schwierigkeiten. Ob sie über den jetzigen Endpunkt hinaus fortgesetzt wirb, ist in erster Linie abhängig von der Entscheidung der gesetzgebenden Faktoren, der wir nicht vorgreifen können. Eins aber läßt sich ohne weiteres fügen, nämlich, daß ohne V a h n b a u 1 e n die E r s ch l i e ß n ii g der Kolonie ebenso ivenig möglich ist wie bie Gut- nähme des Inhaltes einer verkorkten Flasche oder Hebung unterirdischer Schätze des Bodens ohne Sciikung bc5 Schachtes! Deshalb sei der Einwand gegen beit Bau von Kolonialbahnen, daß inan sie nicht bauen könne ohne Vorhandensein festen Verkehrs, hinfällig. Tas Beispiel Milansas zeige, wie Kolonialbahuen wirkten. Vorher ein toter Platz, habe es blühenden Haiidel, feitbem die Bahn, wenn auch keine oeutsche, zum Biktoriafee sühre. Die Kolonie solle nicht vergessen, welche Wohltat ihr Rlutterlanb durch den Bau der heute befahrenen Bahn ihr erwieseii habe. — Während des Festabends gab es einen Z iv i s ch en s a l l, da zwei Löwen in einen kamn 75 Bieter entfernten Kraal eindrangen und dort zwei Schiveiiie raubten.
Änsiand.
Paris, 10. Okt. Halbamtlich wird bie' immer aus- tauchende Nachricht von der Zulassung d eutscher Werte an die Pariser Börse für univahr erklärt und hinzugefügt, die Frage fei von ber Regierung nie erörtert worden. Auch Elemenceau läßt ferner bestreiten, baß er die Unterstützung ber Arbeitsbörsen, die mit dem allgemeinen Arbeits- bund zusanimenhängen, einstellen werde. „Figaro^ sagt, diese Ableugnung sei bedauerlich, denn sie widerlege die Amienser Rede. — Herve gibt in feinem Blatte „Guerre sociale“ zu seinem Antimil ltarismus eine Erläuterung, nach der er eigentlich eine Form der Vaterlandsliebe wäre. — Gegen Herve unb den Leiter des Blattes „La Gtierre sociale“ ist Untersuchung wegen Beleidigung der Armee eingeleitet ivorden.
London, 10. Okt. Einem Vertreter der „Pall Mall Gazette^ gegenüber hat das Auswärtige Amt erklärt, daß die Petersburger Meldung, das englisch-russische Ueberein- kommen enthalte verschiedene ge h e i m e P ara g rap he n, die nicht veröffentlicht seien, jeder Begründung entbehre. — Mehrere hervorragende Blätter berichten onf Grund angeblich authentischer. Informationen, daß König Eduarb beabsichtige, dem Sultan einen Besuch abzustatten. Anläßlich der jüngsten Reise der dritifchen Mitlelmeer-Flotte habe der englische Llbmiral mit dem Sultan über diesen Gegenstand verhandelt.___________________
Kundgebmrgen
für das allgemeine Wahlrecht in Ungarn.
Budapest, 10. Okt. Die von den Sozialdemokraten heute veranstaltete Kundgebung für das allg-e-< meine Wahlrecht nimmt einen großartigen Verlaus. Alle Geschäfte, auch die Gast- und Kaffeehäuser sind gesperrt. Eine nach vielen Tausenden zählende Menge tummelt sich in den Straßen. Schon um sieben Ahr früh begann der Zug der Arbeiter, die in allen Fabriken und Werkstätten feiern, nach zehn Versammlungsorten, wo^ die Formierung eines Riesendemonstrationszuges erfolgt. Viele Häuser sind mit Fahnen und Transparenten mit den Aufschriften „Hoch das allgemeine Wahlrecht! geschmückt. Es mögen etwa 200 000 Menschen sein, die so dem Stadt- walde zuströmen, wo am Nachmittag ein Volksmeeting stattfindet. Vor dem Parlament, das ringsum von der Polizei abgeschlossen ist, befinden sich nur sehr wenige Menschen. Präsident Justh empfing um 11 Uhr eine größere Arbeiterbeputation, darunter auch eine Frau, die die Petition um Verwirklichung des allgemeinen Wahlrechts überreichte. Da der Redner der Deputation der'Regierung und dem Parlament über das Fernhalten der Arbeiter Vorwürfe machte, kam es zu einem erregten Wort-, wechsel, und Justh drohte, den Empfang abzu- br e ch e n. Er nahm schließlich die Deputation an und versprach, sie dem Parlament zu unterbreiten. Eine darauf folgende Deputation christlich-sozialer Arbeiter erfreute sich bei Justh eines weit freundlicheren Empfanges.
Der persifch-türkifchc Konflikt.
Konstantinopel, 10. Okt. Der persische Botschafter, der sich um die Beilegung des türkischpersischen Konfliktes bemüht hat, befürchtet eine dr oh en de Verwicklung der Situation, erklärt aber die alarmierenden Nachrichten für unwahr. Die Beziehungen zur Pforte seien nicht gespannt. Der Botschafter verweist aus daS 2eiegramm der Pforte nach Bagdad vom 8. September, in welchem die Pforte verspricht, Persien in der Streitfrage betreffend die Militärdienste


