Fer aus den Schuß zum Tatorte eilte, gleichfalls einen grauen !Bart trägt. Es wird darauf ankommen, ob die drei Zeugen in Derrn v. Lindenau den Herrn mit dem grauen Bart wieder- erkenneu werden.
Als Freiherr v. Lindenau am Samstag auf dem Bahnhof in Baden-Baden in gerichtlicher Begleitung erschien, meldete sich ein Zeuge, der bekundete, ihn am letzten Mittwoch, an dem er abends in Mannheim verhaftet wurde, in Baden-Baden gesehen zu haben. Lindenau hatte seinerzeit mitgeteilt, er sei an jenem Tage tagsüber in Heidelberg gewesen. Lindenau gab schließlich zu, in Baden-Baden gewesen zu sein, schwieg sich aber über den Zweck seines dortigen Aufenthaltes vollkommen aus.
Lindenau war nur ein Jahr lang österreichischer Offizier. !Er erfreute sich aber bei seinen Kollegen keiner Beliebtheit wegen seiner Berschwendungssucht und seines protzigen Auftretens. Ta sich fortwährend Klagen erhoben, daß er sich in schmutzige Geldangelegenheiten einlasse, wurde gegen ihn das militargerichtliche Verfahren eingeleitet, und 1867 wurde er seiner Offizierscharge verlustig erklärt.
Olga Molitor wird den Ausgang der Ermittelungen \un Falle Hau in einem Zufluchtsort in der Schweiz abwarten. Gleich nach ihrer Konfrontation mit Lindenau, die am Donnerstag nachmittag in Mannheim stattfand, führte Fräulein Molitor ihre fluchtartige Reise aus. Sie begab sich zunächst mit ihrem Bruder, dem Oberleutnant Molitor, nach Karlsruhe, wo sie den Abend über blieb. Sie bestieg dann den Nachtschnellzug nach Basel. In Freiburg erwarteten sie ihre Schwester, Frl. Fanny Molitor, und Frau Oberleutnant Bachelin, und die ganze Familie setzte die Reise nach der Schweiz fort. Das Ziel wurde in Freiburg geheim gehalten. Man will aber wissen, daß sie Fahrkarten nach Celerina im Ober-Engadin gelöst haben und daß Olga Molitor dort bis Anfang September bleibt. In Karlsruhe gingen die unsinnigsten Gerüchte, u. a., daß Olga Molitor .Selbstmord verübt haben soll.
Gegr.ttrber den Anschuldigungen, die gegen Olga Molitor erhoben nwrdcu find, erklärt der Rechtsbeistand der Familie Wttftitor, Rechtsanwalt Schäfer in Baden-Baden: Fräulein Molitor hat mir erklärt, den Tättr, der den Schuß auf ihre Mutter abgab, gesehen zu haben. Unter der Berücksichtigung der Berhüttursfe ist sie der Ueber ze ugun g, daß Hau der Täter gewesen ist. Sie habe in der Gerichtsoerhandluu^ keine i^ranlassung gehabt, diese für andere unerhebliche Meinung vorzutragen, besonders nachdem sie vom Vorsitzenden nach ihrer Meinung über den Täter nicht befragt wvrden war. Hau nahm mir Genugtuung das Geständnis Lindenausi'entgegen, wonach dieser jetzt die moralische Ueberzeugung hat, daß Olga nicht geschossen haben könne.
Hau hat dem Zeugen Lenk im Untersuchungsgefängnis erzählt, er werde, wenn er zum Tode verurteilt werde, alles in .einer Schrift niederlegen, was er über den Mörder der Frau Molitor wisse. Dem Verteidiger des Hau iß eine Unmenge von Zuschriften zugegangen, darunter solche von geisteskranken £e Uten, die sich selbst der Tat bezichtigen nnd bereit sind, sich für Hau köpfen zu lassen.
Entgegen der Behauptung Haus, er sei am Nachmittag des -6. November mit seiner Schwägerin Olga Molitor zusammen gewesen, steht fest, daß Hau bereits um 2 Uhr nachmittags auf 'dem Bahnhof in Baden-Baden eintraf und daß auch Olga Molitor schon um 2 Uhr die Villa verlassen hat. eie begab sich erst um 4 Uhr zur Kaffeegesellschaft in die Villa Eugel- -horn, von wo aus sie von ihrer Mutter zu dem verhängnisvollen Gange auf die Post abgeholt wurde. Was Olga in der Zeit von 2 bis 4 Uhr getan hat, iß nicht ermittelt worden.
' Für die Verteidigung des Hau in der Hauptverhandlung hat Dr. Dietz ein Honorar von 10000 Mk. erhalten, das von ben Verwandten aufgebracht wurde, da Hau über keine Geldmittel Mehv verfügt. ; . । r , t ,
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Kein Tag ohne neue Enthüllungen zum Falle Hau. Nur schade, daß sie nicht Licht verbreiten, sondern die leidige Affäre in immer schwerer durchdringliches Dunkel hüllen. Es bleibt vor allem verwunderlich, daß von Seiten der Anklagebehörde immer neue Versuche gemacht werden, die Oeffentlichkeit gegen Hau ein- zunehmen. Der Karlsruher Staatsanwall hat, wie behauptet wird, nn förmliches Preßbureau eingerichtet, durch das eine Anzahl im ganzen Reiche weit verbreiteter Blätter fortwährend mit gegen -Hau gerichteten Notizen versorgt wird. Das widerspricht durchaus ollen bisherigen Gepflogenheiten der deutschen Rechtspflege und hat /den Verteidiger Haus zu gleichem Vorgehen gezwungen, wodurch mrchts als ein übler Wirrwarr von vorgefaßten Meinungen in Weitesten Kreisen des deutschen Volkes hervorgerufen wird. Nach wie vor ist die wichtigste Frage die: genügten die mehr oder weniger bedenklichen Indizienbeweise, um das Todesurteil gegen Hau vollkommen zu rechtfertigen? Ist es gänzlich ausgeschloffen, daß niemand anders als Hau die, unselige Mordtat begangen hat?
Das Edikt der Todesstrafe birgt eine ungeheuerliche Verantwortlichkeit m jedem Falle in sich. Im Falle Hau aber knüpieii äch gar viele fein verschlungene Fäden ineinander, deren völlige Lösung die Gerichtsverhandlung u. E. ebensowenig mit sich gebracht hat, wie die neuesten Enthüllungen. Hau selber leugnet nach wie vor aufs entschiedenste die Tat. Ist es aber nicht ein Furchtbares, einen Mitmenschen, den nur eine Reihe von Verdachtsmomenten belasten, vom Leben zum Tode zu befördern? Wer vermag m die Fetischen Abgründe, die dieses Dramas verborgenste Tiefen bilden Üi schauen! Sie alle geben uns Rätsel auf, die in ihm erschütternde Hauptrollen innehaben: Hau, wie Olga Molitor und der neueste deus ex machina, der Baron v. Lindenau. Es ist denkbar, daß um seiner sündigen Liebe zu einem Weibe willen ein Mann eine furchtbare Schuld auf sich nimmt. Deswegen braucht Olga drrchaus nicht etwa die Mörderin zu sein; es mag nur die Absicht vorliegen, sie vor Komproniittierungen delikatester Art .möglichst zu bewahren. Es ist aber auch ebenso denkbar, daß eine mißratene Tochter die ihr unbequeme eigene Mutter aus dem Wege räumt. Wer weiß schließlich, ob nicht eine dritte Person den Mord begangen hat, eine Person, die vielleicht in dem Prozesse nur eine Nebenrolle spielte, oder oon der man noch keinerlei Ermittelungen besitzt? Und nie besitzen wird?
Vorläufig bleibt die Entscheidung des Reichsgerichts abzuwarten, von der man die Ueberzeugung haben darf, daß auch in 1 diesem rtalle das deutsche Recht die Gerechtigkeit darstellt.
Aus Stadt und Lcvnd.
Gießen, 12. Aug. 1907.
'* Des Großherzogs Ja g dau fent halt in Romrod ging am Samstag früh zu Ende. Nachdeni S. 5k. H. der Großherzog an den Tagen vorher 16 Böcke geschossen hatte, verließ er um 5 Uhr morgens im Auto das Schloß, um zunächst nochmals der Jagd obzuliegen. Er schoß nochmals 3 Böcke und fuhr dann im Auto nach Darmstadt, wo er am Vormittag Audienzen erteilte. — Dem hohen Herrn, der ganz allem hierher gekommen war, hat sein kurzer Jagdaufenthalt recht gut gefallen.
"Vom Hofe. Das Großherzogspaar besuchte gestern vormittag den Prinzen Ludwig von Battenberg, der seit Samstag auf Schloß Heiligenberg bei Jugenheim weilt. Am Nachmittag fand, wie uns ans Darmstadt drahtlich gemeldet wird, auf Jagdschloß Wolssgarten Familicn- diner statt.
** Landesuniversität. S. Magn. der Rektor Geh. Hofrat Professor Dr. Behaget wurde am Samstag in Darmstadt von S. K. H. dem Groß Herzog in Audienz empfangen. Bei dieser Gelegenheit überreichte er S. K. H. oas Widmungsexemplar der von der Universität zur Dreijahrhundertseier herausgegebenen Festschrift.
Das Kolosseum hat morgen seine 100. Vorstellung zu verzeichnen. Die morgige Vorstellung wird deshalb -als besondere Festvorstellung ausgestaltet werden.
" Lotteriegewinn. Der Hä uptgewinn der Michelstadter Kirchenbau-Geld-Lotterie von Mark 20 000 fiel auf das von der Hauptkollekte Richard Buchacker hier verkaufte Los Nr. 77 606. Der Gewinner ist ein Mann aus der Umgegend von Gießen, der wie uns mitgeteilt wird, das Geld sehr gut gebrauchen kann.
O Büdingen (Oberhessen), 11. Aug. Während der H e r b st ü b u n g e n des 18. Armeekorps wird der Kreis Büdingen sehr starke Einquartierung erhalten. Für 73 Gemeinden des Kreises sind die Belegungszifsern bereits vorgesehen, die Stadt Büdingen erhält z. B. in der Zeit vom 22. August bis zum 19. Sept. 138 Offiziere und 3557 Mannschaften. Vom 116. Infanterie-Regiment sind unterzubringen in Berstadt vom 28. August bis 2. Sept, her Regimentsstab und 3 Kompagnien des 1. Bataillons, am 3. und 4. Sept, ein Bataillonsstab und 3 Kompagnien, in Echzell am 5. Sept, ein Vataillonsstab und 3 Kompagnien, in Gettenau am 5. Sept. 1 Kompagnie. Vornehmlich sind es Truppenteile der 21. Division, die im hiesigen Kreise üben und demgemäß dahier unterzubringen sind.
fe. Frankfurt a. M., 10. Aug. Ter Revolverheld, der vor einigen Tagen bei Rheindi eb ach a. Rh. aus seinem Automobil auf eine Schar Kinder, die mit Aepfeln nach dem Automobil geworfen hatten, sechs scharfe R e v o l v e r s ch ü s s e ab gab, ist ermittelt worden. Von einwandfreien Zeugen wurde Die Nummer des von drei Herren und einer Dame besetzten Automobils als I. T. 1608 angegeben, als dessen Besitzer Direktor Scriba in Schwanheim ermittelt wurde. Scriba soll sich durch seinen Rechtsanwalt bereits an die Mutter des geschossenen Mädchens und an die Bürgermeisterei Bacharach wegen Leistung einer Entschädigung gewandt haben. Scriba wird sich außerdem wegen gefährlicher Körperverletzung zu verantworten haben.
X. Hai/au, 11. Aug. Gegen den Jagdausseher Seng in Törnigheim wurde zur Nachtzeit, als er im Hochstädter Walde sich auf einem Dienstgange befand, ein Anschlag verübt. Aus dem Gebüsche fielen plötzlich zwei Schüsse, von denen der eine den Hund niederstreckte, der andere dem Jagdaufseher selbst gatt, denn die Kugel pfiff diesem dicht am- Kopfe vorbei. In jenem Revier wird stark gewildert, man nimmt deshalb an, daß der Anschlag auch von Wilderern verübt worden ist. Ter Mitpächter der Jagd, Carl Rother in Frankfurt a. M., in dessen Tienst sich Seng befindet, hat eine Belohnung von 500 Mark auf die Ermittelung des Täters ausgesetzt.
= Atzbach, 10. Aug. Gestern ereignete sich ein bedauerlicher Unglücksfall, der leider den Tod eines nahezu 75jährigen Mannes zur Folge hatte. Ter Landwirt Will wollte an dem am Hause emporrankenden Weinstock das Blattwerk entfernen, wobei er zu Fall kam. Infolge eines Schädelbruches starb bald darauf der alte Mann.
+ Frankenbach, 10. Aug. Das neue Schulgebäude ist im Laufe dieser Woche im Rohbau vollendet. Das stattliche Gebäude liegt unmittelbar vor dem Dorfe auf freier Höhe an der Straße nach Felluigshausen. Tie Maurerarbeiten wurden durch Maurermeister Roth-Hohensolms nach Plänen des Kreisbaumeisters Achenbach-Biedenkopf ausgeführt. Die Gemeinde Frankenbach stellt selber die Baumaterialien, wie Steine und Holz; zur äußeren Fassade wurden Blendsteine vom Gabrielschen Werk, Abendstern verwendet. Die neue Schule ist für 2 Klassen nebst Lehrerwohnungen vorgesehen. Daneben werden Oekonomiegebüude und Schulgarten nicht fehlen. Das ganze Bauprojekt ist auf 35 000 Mk. veranschlagt und soll bis 1. Mai 1908 fertig werden.
(h.) Kassel, 11. Aug. Gestern abend 6 Uhr stürzte während eines Spazierganges der Prinzessin ViktoriaLuise mit den Kindern des Herzogs von Württemberg im Park von Wilhelmshöhe gleich hinter den Fürstentindern ein alter Kastanienbaum mit donnerartigem Krach zusammen. Ter Kaiser eilte von dem nahe gelegenen Tennisplatz sofort herbei und leitete selbst die Aufrüu- mungsarbeiten.
Eine alte Geschichte.
Tie Darmst. Ztg. schreibt offiziös:
Im Abendblatt der Nr. 218 der „Frankfurter Zeitung" vom 8. !f. Mts. wird ein der „Germania" entnommenes und mit dem Namen des seit über 23 Jahren außer Dienst 'befindlichen Ministers von Starck versehenes Formular wiedergegeben. Es' enthält ci«e Anfrage des Großh. ,Ministeriums des Innern bei einem nicht näher bezeichneten Kreisamt 'über das bürgerliche und politische Verhalten und die politische Gesinnung eines ebenfalls nicht genannten (katholischen) Pfarrers und empfiehlt dem Kreis- amt erforderlichenfalls möglichst verdauliche und diskrete Erkundigung .bei geeignet scheinenden Personen. An die Wiedergabe des Formulars tverden Bemerkungen über „das Systeml der politischen Schnüffelei" und die „heimliche Uel^rwachung der katholischen Geistlichen in Hessen" geknüpft.
Wir können hierzu mitteilen, daß es sich um ein Formular handelt, das im Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts benützt wurde. Der Anlaß hierzu ergießt sich aus der am 24. Juni 1873 in der zweiten Kammer der Landstände bekanntgegebenen Antwott der Großh. Regierung auf eine Interpellation des Abg. Matty über die Besetzung der katholischen Pfarreien im Großherzogtum (Verhandl. der 2. K. d. Löst., 21. Landtag 1873)75, Prvtt^ Bd. I Nr. 16 2—4). Danach hatte bereits das Ministerium ^-tarck bei Uebernahme der Geschäfte1 die Uebung vorgesunden, daß, wenn die Besetzung einer katholischen Pfarrei erforderlich wurde, das bischöfliche Ordinariat dem Ministerium, des Innern anzeigte, welche Persönlichkeit von dem Herrn Bischof ür die Stelle in Aussicht genommen sei. Hiermit verband das Ordinariat die Anftage, ob gegen die fragliche Persönlichkeit in bürgerlicher oder. politischer Beziehung ein Anstand vov- tiege. Erhob das Ministerium nach geeigneten Erkundigungen keinen Einwand, so würde das Ordinariat entsprechend ver- 'tänbigt, das demnächst dem Ministerium die durch den Herrn Bischof erfolgte Erneiinung des berresfenden Geistlichen anzeigte. An die Stelle dieser Uebung traten demnächst 'die Vorschriften des Artikels 1 des Gesetzes vom 23. April 1875 über die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen (Reg- Blatt S. 256). Tiefes Gesetz sah u. a. — und zwar nicht bloß ür die katholischen Geistlichen- — vor, daß ein geistliches Amt nur einem Deutschen mit der vorgeschriebenen wissenschaftlichen Vorbildung übertragen werden dürfe, „der nicht von der Staatsregierung unter Angabe des Grundes als ihr in bürgerlicher ober "taatsbürgerlicher Beziehung mißfällig erklärt worben ist". War der für das Amt in Aussicht Genommene-dem Ministerium nicht bekannt, so war es nach dieser gesetzlichen Vorschrift Sache des Ministeriums, sich über ihn zu erkundigen, was durch das zuständige Kreisamt geschah. DLach dem zurzeit geltenden Gesetz über die Vorstellung und Anstellung der Geistlichen vom 5. Juli 1887 darf ein geistliches Amt ebenfalls nur einem Deutschen mit der vorgeschriebenen wissenschaftlichen Vorbildung übertragen werden, „gegen dessen Anstellung kein Einspruch vonseiten der Staatsregierung erhoben worden ist". (Art. 1.) Die wbere kirchliche Behörde ist in Vollzug dieser Vorschrift durch Artikel 9 des Gesetzes verpflichtet, bc;c Anzustellenden dem Ministerium des Innern anzuzeigen. Gleiches Recht gilt bei Versetzung eines Geftttiwen in ein anderes Amt oder bei Umwandlung einer widerruflichen Anstellung in eine dauernde. Das Akinisterium kann innerhalb vier Wochen nach der Anzeige gegen die beabsichtigte Anstellung Einspruch erheben, „ivenn beC Anzustellende aus
einem auf Tatsachen beruhenden Grunde, welcher dem bürgert lichen oder staatsbürgerlichen Gebiet angehört, für die Stelle nicht geeignet ist. Die Tatsachen, welche den Einspruch begründen sind anzugeben." '
Turch diese gesetzlichen Vorschriften sind die Punkte genau bestimmt,^ auf welche sich gegebenenfalls eine Erkundigung heut- allein erstrecken kann.
K l e i n e T a g e s ch r o n i k. Ein den Z u g B a d Elster- Berlin begleitender Eisenbahnbeamter zündete während der Fahrt das Licht m den Coupös von den Dächern der Wagen aus an Er stieß dabei unweit der Station Zahna gegen eh« eiserne Brücke und wurde an derselben zerschellt. Der Lokomotive führer transportierte die Leiche sogleich mit dem Zuge in langsamer. Fahrt nach Wittenberge zurück. Inzwischen war der Zug von einem anderen in schneller Fahrt daherkommenden cingeholt worden und es brach unter dem Publikum eine große Panik aus. Atan sprang in wilder Hast aus den Coupes und gab dem hcranbrausenden Zuge ein Zeichen so daß lveitercs Unglück ver- yindert werden konnte. — In Berlin gab die Ehefrau Emma des 40jährigen Kellners Karl Hiebel auf ihren s)jI an n fünf Schüsse ab. Tie Tat ist als ein Akt der Notwehr anzufchen Hiebet liegt in bedenklichem Zustande im Krankenhause Moabit darnieder. Tie Frau stellte sich selbst der Polizei, wurde aber wieder in Freiheit gefetzt. — Ter Eisenbahnarbeiter Dlugafch aus L a n d s b e r g a. d. Warthe hatte seiner Frau wiederholt gedroht, daß er sie erschlagen würde. Tie Frau war schließ, lich nach Neussen in Braunschweig verzogen. Tlugasch folgte seiner Frau dorthin. Nach kurzem Wortwechsel schoß er ihr zwei Revolverkugeln in den Kopf. Tie Frau ist lebensgefährlich verletzt. Ter Mann tötete sich darauf selbst. _2.■
Paris, 10. Aug. Prinz Borghese ist auf seiner A n t o rn o b i l f a h r t von Peking Henle nachmittag hier eni- gctroffen. Ihm zn Ehren innd Henle abend ein Festmahl stall Veischiedene Reden nnirben gehalten, in denen der Mut des Prinzen und seiner Rtilfahrer, sowie der staunenswerte Fortschritt im SHuto- mobilwesen gefeiert wurde.
D a r - e s - S a l a a m , 13. August. Der Start des Oberleutnants a. D. Grätz ziir Au t o in o b i l i a h r t D a r-es- S a l a a m S in a k o p m n n d isl am 10. ds. hier erfolgt.
——— —------1 rmr—n - —mn mumi» „ii, »
— Der trübere Präsident der Akademie der Künste Geheimrat Herrn. Ende ist im 79. Lebensjahre zu Wannsee bei Berlin verk ft orbe ii. Ende 1830 m Landsberg a. W. geboren, er war ein hervorragender Architekt. Sein Name ist (in Verbindung mit dem seines Sozius Böckmann) mit der baulichen Entwickelung der Reichshauptstadt seit 40 Jahren eng verknüpft. Aus der großen Reihe der öffentlichen und Pilvatbanten, die beide in Berlin aufgeführt haben, seien erwähnt: das sogenannte Role Schloß, das Hotel de Rome, die Pienßische Bodeiikreditbank (Unter bcn Linden), die Deutsche Unionbanf, die Mitteldeutsche Kreditbank und das Aiuseum für Völkerkunde.
— Im Befinden des berühmten Geigers Professor Joses I o a ch i in in Berlin ist nach einer ans den letzten aflhinatischeu iünsall gefolgten vorübergehenden Besserung inlnmehr wider Erwarten eine ernste Wendnng eingetrcien, die für den belagien Pallenken ,das,Sch l i m m ft c b e i ü rchte n l ä tz l.
Märkte.
fe. Frankfurt a. M., 12. Aug. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Otoliernngen der hentigen Frnchtmarktpreise, Weizen Rtk. 00.00—00.00, Knrhessifcher Alk. 00.00—00.00, La Plast Alk. 22.00—22.75, Kansas All. 22.00—22.75, Roggen (hiesiger) Mk. 00.00—00.00, Gerste (Welterauer) Mk. 18.25—18.50, Fanken- felder Alk. 18.75—19.00, Hafer 20.00—21.00, Mais Mk. 15.25-00.00. Weizenmehl Aik. 29.50—30.00, 00—00, 2. Qualität Mk. 27.0t' bis Mk. 28.00, 3. Qualität Mk. 25.50—26.00, Roggenmehl 00 Mk. 29.50—30.00, l.Qualilät Wik. 28.50-29.50, Wcizenkleie Mk. 13.00. bis Wik. 13.50, Roggenkleie Wik. 12.00—12.50, Maiskeime Wik. 11.25 bis Mk. 11.50, Franken, Pfälzer, Rieb Wik.00.00—00.00. Lilles per 100 Kg. ab hier.
fc. Frankfurt a. M., 12.Aug. (Telegr. Orig.-Bericht bes ,®ie&. Anz/'). Amtl. Notierungen der Helltigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 391 Ochsen, 140 aus Oesterreich, 51 Bullen, 0 aus Oesterreich, 0 ans Dänemark, 800 Kühe, Fersen, Stiere und 9iinber, 0 aus Dänemark, 287 Kälber, ‘250 Schafe und Hammel, 00 Schafe ans Oesterreich, 0 Ziegen, 1704 Schweine. BezalR wurde für lOOPsnnd Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 83—85 Mst 2. Qual 76—80 Mk., 3. Qual. 70—72 M; Bullen l.Qnal. 73 bt« 75 Mk., 2. Qnal. 70—72 Ml'.; Kühe l.Qnal. 75—77 Wik., 2. Qual. 72—74 Mk., 3. Qual. 64-66 Mk, 4. Qual. 00—00 Mk., 5. Qual. 00—OOMk. Kälbei: 1. Qual.92—95 Psg., Lebendgewichtbö—57 Pf., 2. Qual. 82—90 Psg., Lebendgewicht 49—54 Psg., Schlachtgewicht 65 — 70 Psg. Schafe: 1. Qnal. 84—00, 2. Qnal. 78—80 Ps^ 3. dual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 73-00 Psg., Lebbgew. 57.00—00.00 Pfa., 2. Qu. 71—72 Psg., Lebendgew. 56.50—00 Pfg., 3. Qual. 62—64 Pfg. Lebendgew. 00 Psg. Geschäft: bei Hornvieh Markt gut, Ueberftanb unbedeutend; bei Kleinvieh gut, fein lieb erstand. 1
Ortgnr«U'Drahtnie!-ungen.
Metz, 12. Aug. Ter enchari ft l sch e Kongreß wurde gestern g e s ch l o s s e n. Am Vormittag hielt Kardinal Vanutelli ein Ponttfikal-Hochamt ab und am Nachmittag bewegte sich eine Prozession von 80060 Menschen dnrch die Stadt. Bei Bischo! Benzler fand Tasel statt, zii der n. a. Bezirksprafidelit Gras Zeppel:n und der Bürgeriilcister geladen waren. Bischof Benzler daukle den Behörden für ihr Eiilgegenkoinmen, während Kardinal V a ii n t e l l i feilte Frei!de über den schönen und nngeslörten Verlauf des Kongresses aussprach.
Rochefort, 12. Aug. Als der Kriegsminister Pic-^ quart gestern einen zur Abfahrt nach Paris bereitstehenden Zug besteigen wollte, faßte ihn ein Mann am Arm und । sagte: „Tn bist Picquart, wohlan eK lebe der Marschall/ - Ter Mann wollte den Minister dann anspeien, wurde aber । daran verhindert und verhaftet. Man scheint es mit einem ; Geisteskranken zu tun zu habeu. Ter Verhaftete gab' ann le Eoq zu heißen und aus Konstantinopel zu ftammeu.
Versailles, 11.Aug. Ter Chauffeur des Prin jen ; M utat wurde zu vier Wtoiiateii Gefängnis unb 400 Fr cs. Geld- , strafe verurteilt, weil er kürzlich ztvei junge Leute überfahren , hatte, voli beiten ber eine auf der Stelle tot tvar.
Bet fast, 12. Aug. Gestern abend kam es abermals zu Rn h eft ö ru n g en. Die Polizei mußte 'nehriach nut Knütteln gegen die Tumiiltuatiten vorgehen, die Pflastersteine Herausriffen. iuiö gegen die Polizisten fchleuderten. Wtehrere Polizelbeamie tvitrden verletzt. Es tvurden fodann zwei Bataillone 3itfanterie requiriert, die mit gefälltem Bajonet gegen die Ruhestörer vorgingen ' unö sie zerstreuten. Es kam zti zahlreichen fßeriüimbungen.
Tanger, 12. Aug. Der Befehlshaber der fransöfifdien j Truppen in Casablanca verlangte 3000 bis 4000 Mann V e r-1 st ärkti it g e n.
Jetzt ist die richtige Zeit, Säuglingen statt ber int Sommer ) gefahrbringenden Kuhmilch das erprobte unö seit 40 Jahren steio 1 bewährte Nestle'sche Kindermehl zu reichen. Dasselbe hat den. Vorzug, niemals Verdauungsstörungen zu verursachen, dagegen; aber bereits bestehende Magenbeschwerben sofort zu beteiligen [ Die von einem berühmten Kinderärzte verfaßte Broschüre über die Ernährung unb Pflege bes Kindes versendet auf Wunsch gratts - und franko Nestte'S Kindermehl G. m. d. H., Berlin L. 42. ss//»
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