Ausgabe 
12.6.1907 Zweites Blatt
 
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Konzert des G ernh ardt'schen Zither- und Man- doli nenchorcS ou§ Gießen statt. Das Konzert war auch aus der weiteren Umgebung (Schotten, Büdingen und Hungen) sehr gut besucht und die Leistungen wurden sehr beifällig ausgenommen. Besonderen Beifall fand Punkt 3 des Pro­grammsDas Kirchlein" (von Becker-Gernhardt). Nicht allein das Publikum war mit dem Gebotenen sehr zufrieden, auch die Künstler sprachen über das schöne Bad Salzhausen ihre Bewunderung ans, und bedauerten, daß noch viele Gießener von der Natnrschönheit Bad Salzhausens keine Ahnung hätten.

Lindheim, 11. Juni. Die Blatternepidemie scheint um sich zu greifen, außer hier ist die Krankheit auch in Altenstadt und Orten berg bei einigen Personen auf­getreten. Die Behörden sind eifrig bemüht, ein Umsich- greifen der gefährlichen Krankheit zu verhüten, die Kranken wurden isoliert. Im Ganzen sind neun Personen erkrankt.

t- Rüddingshausen, 11. Juni. Nächsten Sonn­tag, 16. d. M. feiert der Gesangverein Concordia das 1. Bundesfest des Lumdatal-Sängerbundes verbunden mit Fahnenweihe. Da sich etwa 20 Gesang­vereine, ebenso verschiedene Kriegervereine und der Radfahrer- Verein Rabenau-Londorf 1902, angemeldet haben, verspricht das Fest, bei günstigem Wetter ein recht gemütliches Zu­sammensein. Unsere Einwohner sind bestrebt, ihr Bestes dazu beizutragen, daß das Dorf in einem schönen Festkleid dastehen wird. Auch die hiesige Schülerkapelle wird unter Leitung des Lehrers Schmidt an dem Festzuge teilnehmen und einige Konzertstücke auf dem Festplatze vortragen.

/^Butzbach, 11. Juni. Der seither in Untersuchungs­haft in hiesigem Arrestlokal internierte Bäckermeister Glintzer von Gambach ist gestern in das Untersuchungs­gefängnis nach Gießen transportiert worden. Glintzer wird bezichtigt, mit seiner Stieftochter in strafbarem Ver­kehr gestanden zu haben. Verschiedene Blätter wußten schon vor einigen Tagen von einem Geständnis des Glintzer zu berichten, was aber nach eingezoaener Erkundigung voll­ständig unzutreffend ist. Tatsache ist, daß die Tochter wiederholt den Versuch gemacht hat, sich in der Jauchegrube zu ertränken.

Bad-Nauheim, 11. Juni. Gestern nachmittag 5.17 Min. traf Bischof Dr. Kir stein von Mainz, empfangen vom kath. Kirchenvorstand und der zahlreich erschienenen Gemeinde hier ein, um am heutigen Tage den Akt der Firmung in unserer Gemeinde vorzunehmen. Von hier aus wird der Bischof die kath. Orte in Oberhcssen besuchen, um das Sa­krament der Firmung zu spenden.

Worms, 11. Juni. Das Verlagsrecht desWormser- Tageblatts" geht nach derFrkf. Ztg." durch Kauf von der Rheinischen Buchdruckerei mit Ende dieses Monats in den Besitz des Verlegers derWormser Zeitung" über. Die hiesige Handelskammer beschloß, bei der Großh. Regierung für die steuerliche Gleichstellung der Konsumvereine mit den konkurrierenden Gewerbe­betrieben einzutreten. Ferner beschloß die Kammer, bei der Negierung zu beantragen, gelegentlich der Vorbearbeitung des Gemeindeumlagengesetzes die Einführung einer Filial­teuer in Erwägung zu ziehen.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In S a ch s e n h a u s e n 'st a r b am Sams­tag plötzlich em Ljähriges Kind. Die Mutter nahm sich den Tod des Kindes so zu Herzen, daß sie einige Stunden darani eben- salls starb. In Weisenau warf die geistesgestörte Frau des Arbeiters Leineweber ihr einjähriges Kind vom ersten Stock auf die Straße hinab und sprang dann dem Kinde nach. Muller und Kind wurden schwer verletzt ins Hospital ver- bracht.

Ans Stabt und fand«

Gießen, 12. Juni.

** Auszeichnungen für Oberhessen in Düssel­dorf. Vom Ausschuß der Landwirtschaftskammer für die Provinz Oberhesfen war die Düsseldorfer Ausstellung mit 22 Stück Vogelsberger Rindern und 15 Saaner Ziegen be­schickt worden. Wir wir aus der vorliegenden Liste erfahren, sind auf Oberhessen in der Abteilung Rinder 8 erste, 5 zweite, 5 dritte Preise und 4 Anerkennungen gefallen. Die Preise stellen einen Geldivert von 2020 Mk. dar. In der Abteilung Ziegen erhielt Oberhessen 1 ersten, 4 zweite, 1 vierten Preis und 4 Anerkennungen mit einem Geldwerte von 330 3Jlt. In dieser Abteilung fiel auf den Ziegenzucht­verein Alsfeld der 2. Sammlungspreis, geiviß ein erfreuliches Resultat, wenn man berücksichtigt, daß die alten Ziegenzucht­vereine in Starkenburg und Rheinhessen die Konkurrenten waren. Im allgemeinen können die oberhessischen Aussteller mit Genugtuung auf die in Düsseldorf erzielten Resultate blicken.

* Lehrerpersonalien. Uebertragen wurde dein Lehrer Hch. Brücke l zu Bisses die zweite Lehrerstelle ander Gemeindeschule zu Wohnbach; dem Schulamtsaspiranten Wilh. Baußmann aus Neu-Bamberg eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ehringshausen; der Schulverwalterin an der höheren Bürgerschule für Mädchen (Schillerschule) zu Friedberg Hedwig Arendt eine Lehrerinstelle an dieser Schule. In den Ruhestand versetzt wurde der Lehrer an der Gemeindeschule zu Bernsburg Karl Hechler auf sein Nachsuchen bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit.

** Sein 25jährige§ Dienstjubiläum in der Kreisamtsverwaltung feiert heute Bureauvorsteher Schiffnie. Dem in weiteren Kreisen wegen seines entgegenkommenden Wesens geschätzten und beliebten Beamten wurden aus diesem Anlaß von den verschiedensten Seiten, Behörden und Kollegen mannigfache Ehrungen zuteil.

**>Der Hessische Zentralvercin für Errichtung billiger Wohnungen hält seine Hauptversamm­lung am 27. Juni zu Darmstadt ab. Auf der Tagesordnung lieht u. a. die Frage der Ausgestaltung derBau- ordinungen und Bebauungspläne, unter beson­derer Berücksichtigung des Kleinhauses. Als Re­ferent hierfür ist der Ober- und Geheime Baurat Tr. ing. S t ü 6 b e n in Berlin-Grunewald gewonnen worden, eine anerkannte Autori­tät auf diesem Gebiete, der als einer der ersten auf die Not­wendigkeit einer Reform der bei Ausstellung von Bauordnungen und Bebauungspläne geltenden Grundsätze hingewiesen hat. Die Frage hat jetzt für Hessen aktuelle Bedeutung, da eine Umar­beitung des hessischen Baugesetzes geplant ist. In einer kürzlich abgehaltenen Sitzung des Vereinsvorstandes wurde die Betei­ligung des Vereins an der im nächsten Jähre stattfindenden hessischen Kunstausstellung beschlossen. Nachdem der Verein durch den mit großem Erfolge durchgeführten Wettbewerb zur Erlangung mustergültiger Pläne zu Häusern mit kleinen Wohnungen einen kräftigen Anstoß in der Richtung einer besseren und geschmackvolleren Bauweise gegeben hat, sollen bei Gelegenheil der Ausstellung diese Bestrebungen durch praktische Beispiele dargestellt werden. Es sollen zu diesem Zwecke auf dem Ausstellungsgelände mehrere mustergültige Ein- und Zwei­familienhäuser mit kleinen Wohnungen errichtet werden, die zu­gleich Ausstattungen mit praktischen, solid hergestellten und da­bei doch billigen Möbeln erhalten. Neben dem wirtschaftlichen Moment, d. h. der Anpassung von Häusern und Möbeln an die Eintommensverhältnisie und Lebensgewohnheiten minderbemittelter Familien, soll geschmackvolle, künsllerischem Empfüiden Rechnung tragende Ausführung leitender Gesichtspunkt des Unternehmens sein. Es werden ferner auf oer Ausstellung Modelle schöner Haut er grupp en, sowie Pläne und Schaubilder zur Darstellung wimnen. _ Die bisher geführten Verhandlungen, deren Leitung in den Händen des Großh. Landeswohnungsinspektors Gretzschel liegt, haben em grotzes Interesse im Lande für das Unternehmen gezeigt. Es haben sich z. B. fünf hessische Gwßindustrielle, nämlich Freiherr v. Hehl in Worms, Fabrikbesitzer Wilhelm Opel ui Rüpels heim, Fabrikbesitzer Eloos in Nidda, sowie die ö-irmen Dorr u. Reinhart in Worms und Dyckerhoft u. Söhne zu Amöneburg bereit erklärt, sich durch Erbauung je eines Hauses und depen innere Ausstattung an dem Unternehmen zu beteiligen ferner ist es gelungen, angesehene l)essische Architekten iu. a bie Proienorcn Olbrich unb Walde in Tarmstadt, Architekt Georg Metzendors in Bensheim, Landesbaugewerkschul-Tirektvr Wienkoov in Eberstadt und die Architekten Mahr und Markwort hier, zu gewinnen. Das Unternehmen erscheinr umso bedeutungsvoller als in Hessen das nenie Haus weit überwiegt und mithin seine Darstellung m geschmjackvoller Form weithin im Lande be­fruchtend wirken kann.

** D i e O b st er n t c in H es s en. Nach den statistischen Erhebungen wurden im abgelaufenen Jahre im Großherzoa- tum 290840 Zentner Obst im Werte von 3 2 9 6 89 0 Mk geerntet.

O Bad Salzhausen, 10. Juni. Letzten Sonntag fand hier, vom herrlichsten Wetter begünstigt, daZ angesagt­

Staatsanwalt R e u ß plädierte für schuldig des Verbrechens tut Amt und für die Bejahung der Frage, daß damit im Zu- faminenhang als eine einheitliche Verfehlung die Unterschlagung zuin Nachteil des Professors Dr. Sommer anzusehen sei. Es sei in der Beweisaufnahme dargetan, daß Dönges als Beamter gehandelt und asts solcher auch nach dem Gesetz anzusehen sei. Der Staatsanwalt tritt außerdem für mildernde Umstände ein.

Der Verteidiger, Justizrat Windecker, ist der Ansicht, Der Angeklagte sei nicht als Beamter anzusehen, er sei als solcher weder verpflichtet, noch vereidigt worden, cs Hütte nach der Reckst- sprechung des Reichsgerichts eines besonderen förmlichen Aktes bedurft, um ihn als Beamten ansehen zu können. Der Ver- leidiger gesteht zu, daß der Fall bei einem Manne, dessen Amt ihm obrigkeitliche Funktionen auferlege, anders liege, daß dieser, weiin er ein solches Amt ausübe, auch ohne durch einen förm­lichen Akt verpflichtet zu fein, Beamtenqualität genieße. Im vorliegenden Falle aber könne auch ein Privater, ohne Beamten­qualität zu besitzen, die Geschäfte der Klinik besorgen, wie es der Angeklagte tatsächlich getan hat. Er beantragt, die Frage des Verbrechens im Amt zu verneinen, dagegen liege einfache Unter­schlagung vor. In diesem Sinne bitte er die Geschworenen, ihren Spruch zu fällen und dem Angeklagten dann noch die mildernden Umstände nicht zu versagen.

Der Spruch der Geschworenen lautet dem Antrag des Staatsanwalts gemäß.

Staatsanwalt R e u ß weist darauf hin, daß die unterschlagene Summe beinahe 6000 Mk. beträgt, daß der Angeklagte die Tat nicht aus Not begangen, sondern um der Genußsucht, um der Unzucht und dem Laster der Schwelgerei huldigen zu können. Er hat sich nicht gescheut, einen groben Vertrauensbruch zu be­gehen. Aus diesen Gründen hält der Staatsanwalt 2 Jahre und 3 Monate Gefängnis für angemessen, worauf ein Teil oder die ganze Untersuchungshaft als verbüßt anzurechnen sei. Von einem Antrag auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte wolle er absehen, well er der Ansicht ist, daß der noch junge Angeklagte eine ehrlose Gesinnung bei Begehung der Tat nicht an den Tag gelegt hat.

Der Verteidiger führt dem Gerichtshof alle Momente vor, die bei Ausmessung der Strafe für eine geringere Strafe sprechen.

Das Gericht erläßt Urteil dahin, daß auf 1 Iahsr 8 Monat Gefän gnis erkannt wird, worauf 2 Monate Untersuchungshaft in Anrechnung kommen.

Die Ankunft der Herkomcrfahrt.

Aus Frankfurt a. M. wird uns unter dem 11. Juni geschrieben:

Frankfurt steht heute int Zeichen des Automobils. Daß aber die Zahl der upperten, die sich ein Auto leisten können, in unserer Stadt überraschend groß ist, das konnte man mit Auge, Ohr und Nase wahrnehmen, als man heute mittag zum Ziel fuhr, an dem man die Herkomer-Autler erwartete. Das Ziel liegt, etwa eine halbe Stunde hinter dem Ostbahnhof an der Chaussee, die rechtsmainisch über Mainkur nach OffenbachHanau führt, auf dem Gelände, wo jetzt ein Stück zukünftiges Frankfurt Ostpark und Osthafen langsam Gestalt gewinnt.

Kurz vor 3 Uhr traf das Prinzen paar Heinrich v o n P r e u ß e n im Automobil ein, einige Minuten später das Großherzogspaar von Hessen; beide Herren steuerten selbst ihre Wagen. Bald sah man S. K. H. den Großherzog, der in allerbester Stimmung schien, in fröh­lichem Geplauder im Gedränge. Er trug einfaches graues Zivil. Die geschmeidige Gestalt des Prinzen Heinrich im dunklen Anzug mit den braunen Ledergamaschen machte einen höchst sympathischen Eindruck, den das offene, freund­liche, dunkelgebräunte Antlitz noch erhöht. Zwanglos be­wegten sich die Fürstlichkeiten unter der Menge, und alles harrte voll Spannung auf das Eintreffen deA ersten Wagens.

Und dann kam der große Moment, auf den alle Zu­schauer gewartet hatten. Doch, wie so oft im Leben, war auch hier die Vorfreude das Beste. Das Endergebnis wird erst morgen abend verkündet. Der zuerst eintreffende Wagen war nicht der Sieger, und wer nicht unter den Insassen des Wagens Freunde und Verwandte hatte, für den hatte das Schauspiel bald seinen Reiz verloren. Es waren ja einzelne hübsche Augenblicke der Begrüßung, wenn z. B. eine Dame in eleganter Toilette sich kühn neben den total bestaubten Gatten schwang und freudestrahlend mit ihm durchs Ziel fuhr. Oder wenn die wenigen Damen, die an der Fahrt teilgenommen hatten, unter dem Jubel der Zu­schauer anlangten.

Die Konkurrenten trafen in folgender Reihenfolge ein: Nr. 9 Ladenburg-München (Mercedes), 21 (Opel», 17 (de Dietrich), 24 (Opel), 26 (Fiat), 36 (Mercedes), 49 (Gaggenau), 37 (Bianchi), 40 (Bianchi), 29 (Mercedes), 61 (Opel), 38 (Bianchi), 47 (Martini), 64 (Scheibler), 60 (Jtala), 58 (Jtala). Umi/2? Uhr waren sämtliche Wagen eingetroffen.

, Als Schlußergebnis der Fahrt ist folgendes zu sagen: Etwa 10 Proz. der gestarteten Wagen sind ausgeschieden Die vorgekommenen Unglücksfälle find hcrvorgerufen da­durch, daß die Zuschauer den Wagen zu nahe kamen und umgerannt wurden. Fest steht, daß während der Fahrt keine tödlichen Unglücksfälle vorgekommen sind. Ein Teil der Wagen ist stark beschädigt. Sämtliche Fahrer sprachen sich dayin aus, daß diese letzte Herromerfahrt sehr schwierig und anstrengend gewesen sei,

Als mutmaßlichen Sieger bezeichnet man vielerseitS den Wagen Nr. 19.

Der Arbeitsausschuß hat folgende 26 Fahrzeuge zur engeren Konkurrenz unter Verschluß gestellt: Nr. 7, 9, 14, 18, 19, 22, 35, 36, 44, 59, 61, 63, 92, 98, 100, 104, 106, 109, 119, 121, 142, 152, 159, 165, 169, 187.

An dem geselligen Beisammensein heute abend int Frankfurter Automobilklub nehmen Prinz Heinrich von Preußen und der Großherzog von Hessen teil.

Beseitigung der Antomobil-Staubplage!

Die durch den rapid wachsenden Automobilverkehr hervor« gerufene Staubplage äst unangenehm und allgemein, daß wohl jeder es begrüßen wird, wenn bald eine Einrichtung ein- geführt wird, welche diese beseitigt, oder doch auf ein erträgliches Maß beschränkt.

Vergeblich hat man sich bisher bemüht, die Lösung" dadurch herbeizuführen, daß man staubbindende Flüssigkeiten benutzte, um das Äufwirbeln des Staubes zu verhindern. Die Betriebskosten dieser bis jetzt über das Versuchsstadium noch nicht hinausge­kommenen Besprengungen sind aber so ungeheuer hoch, daß sie selbst die größte Stadtgemeinde, wenn sie das Verfahren an­wenden will, so oft, als es unbedingt geschehen muß, um einiger­maßen feinen Zweck zu erfüllen, nicht aufbringen kann: von den kleineren Stadt- und Landgemeinden, die doch auch ein Recht darauf haben, nicht im Staub zu ersticken, gar nicht zu reden. Es ist daher unschwer zu erkennen, daß man auf diese Weise die Staubplage niemals beseitigen wird, sondern nur da­durch, daß man den Staub, der ja stets nur zu weiterer und größerer Staubbildung beiträgt, unbedingt entfernen muß.

Dies bezweckt nun die Erfindung, welche ein Herr L. Klarn- berg in Frankfurt gemacht hat. Sie sieht die Beseitigung der Staubplage auf zwei Arten vor, einmal durch das Anbringen eines, an jedem Auto anzubringendcn, von dem Motor desselben betriebenen Apparates, der mittels vier Mundstücken den auf­gewirbelten Staub hinter den Rädern aussaugt, niederschlägt, netzt, knetet und als kompakte Masse wieder fallen läßt.

Auf diese Weise wäre die Aufgabe wohl am rationellsten zu lösen, indem dann die Staubplage der Chausseen auf das erträgliche Maß zurückgeführt würde, wie es früher vor Ein­führung der Automobile war, vor allen Dingen würden Unglücks­fälle, wie sie oft und wieder dieser Tage bei der Herkomer-Fahrt vorkamen, vermieden. Belastet würden dadurch nur die Auto­mobilfahrer, welche sich gegen die obligatorische Einführung nicht sträuben können.

Die zweite Lösung der Staubfrage soll durch einen Straßen­staubsaugwagen erreicht werden, der durch eine, einer Kehrmaschine ähnliche Einrichtung, den Staub aufwirbelt, in Wasser, das ein Bindemittel enthält, niederschlägt, und an geeigneter Stelle ab­lädt. Die Betriebskosten für solche Wagen sind gering. Es wäre bei stark benutzten Straßen kaum nötig, sie täglich in Tätigkeit treten zu lassen, und bei Landstraßen nur in größeren Zwischen­räumen. Soweit Städte und Kreise nicht selbst solche Wagen anschaffen, soll eine zu gründende Betriebsgesellschaft das Staub­freihalten von Straßen sich zur Ausgabe machen.

Hoffen wir, daß diese Einrichtung bald die ausgedehnteste Verbreitung findet, wenn nicht das Wandern zu Fuß in abseh­barer Zeit, ohne Schaden für Gesundheit und Leben gänzlich unmöglich werden soll.

ituaiüt rind wssjerrschaft.

Paris, 11. Juni. Präsident Fallieres eröffnete heute eine A n s st e l l u n g von Bildern der Maler Chardin und Frag onard, unter denen sich auch Bilder aus dem Privatbesitz des Kaisers Wilhelm befinden. Tas Erträgnis der Aus­stellung soll zu einem Denkmal für Chardin und zum Besten deS Instituts des Professors Poirier zur Bekämpfung der Krebskrank­heit dienen.

In C l e v e l a n d (Ohio) wurde am 10. Juni ein Schiller- und Goethe-Denkmal enthüllt. Kaiser Wil­helm sandle ein Begrüßungstelegramm den Bürgern deutschen Stammes in Cleveland, in dem er die Wertschätzung deutscher Ideale freudig anerkannte.

Universitäts-Nachrichten.

Die Universität Oxforo wird am 18. Juni dem Direktor des Jnftitttts für experimentelle Therapie in Frankfurt am Main, Professor Paul Ehrlich, den Grad eines Ehrendok­tors verleihen.

Ein längerer Artikel derKöln. Ztg." beschäftigt sich mit einer bevorstehenden Universitätsrektoren-Konserenz. Es heißt darin im wesentlichen: Im laufenden Sommersemester soll wieder, wie bereits früher einmal, eine Konferenz der Uni­versitäts-Rektoren 1 (30. Juli in Marburg) statt- fiitben. In der Tat gibt es eine Menge von Dingen, für die gerabe die gemeinsame Erörterung durch berufene Vertreter der ver­schiedenen Universitäten sehr förderlich sein kann, wenn unsere Universitäten in stetem Streben nach gesunder, zeitgemäßer Fort­entwicklung sich immer so auf der Höhe halten sollen, wie wir es wünschen müssen. Man kann daher nur wünschen, daß solche Zusammenkünfte zu einer ständigen alljährlichen Einrichtung werdenmöchten. Will man aber etwas Ganzes haben, dann muß man statt einer bloßen Rektoren-Konferenz eine Konferenz von Universitäts-Vertretern nach folgenden Grundsätzen einrichten: Jede Fakultät der betreffenden Universitäten wählt einen Vertrete r, die philosophische Fakultät aber abgesehen von solchen Universitäten, wo die matl-ematisch-naturwifsenschaftlichen Fächer in einer besonderen Fakultät vereinigt sind zwei, einen aus der philol.-historischen, den andern aus der mathematisch- naturwissenfch. Abteilung. Diese Vertreter werden eigens für den Zweck der ftaglichen Konferenz, und zwar jedesmal auf mehrere Jahre, am besten drei, gewählt. Jedes Jahr scheidet an jeder Universität ein Teil der Vertreter aus und findet für diese eine Neuwahl statt, wobei Wiederwahl zulässig ist. Der Rektor ist für sein Rektoratsjahr zugleich der Vertreter seiner Fakultät.

Zur Bekämpfung d e s Z u st r o m s von russischen Studierenden haben Delegierte der schweizerischen Univer­sitäten in Lausanne beschlossen, daß Russen und Russinnen, welche an den schweizerischen Universitäten studieren wollen, mindestens die Bedingungen erfüllen sollen, welche in Rußland für den Ein­tritt in die Universität gelten.

Der hervorragende Gynäkologe ProfessorBumm in Berlin hat den Ruf nach München endgültig abgelehnt. - -"* 1 " 11

Arbeiterbewegung.

Frankfurt a. M., 11. Juni Zu der A u s s p e r r u n g der Metallarbeiter ist zu melden: Nach der Ablehnung der zwischen den beiden Kommissionen getroffenen Vereinbarungen durch die Streikenden in Offenbach hatte die Offenbacher Siebener- Kommission der Arbeitnehmer bei dem Vorsitzenden des Arbeit­geber-Verbandes angefragt, ob weitere Verhandlungen erwünscht seien. Tie Fabrikanten haben sich dazu bereit erklärt. Heute vormittag wurden die Verhandlungen zwischen den beiden Siebener-Kommissionen wieder aufpenomnten.

Berlin, 11. Juni. Ter Bäcker st reik tourbe durch Be­schluß einer Gesellenversammlung aufgehoben. Dagegen soll der Boykott weitergeführt werden.

Zwickau, 11. Juni. Auf den Brückenberg-Schächten des Brückenberger Stein kohlen Vereins nahmen gestern und heute gegen 600 Bergleute, das sind fast em Drittel der gesamten Belegschaft, ihre Entlassung, um nach dem R u h r r e v i e r auszuwandern. Rian will hier keinen Aus­stand beginnen, sondern durch Abwanderung der Lohnbewegung zilm Erfolg verhelfen.

GerichtssaaL.

0 Marburg, 11. Juni. Ter Landwirt H. Köhler aufl Lützelwig, der auf einem Wechsel aus 869 Mk. 1869 Mk. machte, wurde von der Strafkammer zu sechsMonatenGefängnis verurteilt.: Z w e i S t u d en te n^ die wegen Hausfriedens«, ruchs « begangen durch. Eindringen ins Wachttokal, vom

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