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11.2.1907 Erstes Blatt
 
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Montag 11. Februar 11)07

157. Jahrgang

Erstes Blatt

*swen,

5le tzeulige Dummer umfaßt 10 Ketten.

Pari- erhielt vom XSanlait zur SbcucioaBe an

die Wahlbewegung keinerlei

1. (LS sind für

werde. Ulfo wie in ^öciuiu/ianb zeigt iiuj aua» tu Frank-

lassen

ttags 4Ghrti

die Mitteilung, daß der Heilige Stuhl Briand vorgeju/lag^ne Bcriragüsurrncl und Ociflliuxn nicht QiuüniniL Der den Bis^-vjcn Dotßcia)ladcnc Forucel

Vln. @eljtlm!mifli n, 50 l'in., bei c.i uliirabe, W. tlirü, , Hiflonenntidwa , 3iiinrrcnociibJr; uuaricu ctbuiini t*m. (ilcbdinlnna rituell, au erpüb..

den und

3 L'J 1U4, des

Bischöse Minister mcifirtn die von

Tie tjenbe seil

geleugnet wurde, noch einen weiteren Ausbau erfährt mit der Spitze gegen Deulscl-laud. Wieviel dagegen auch immer dorgeüracht werden möge, das Bestreben sl'önig Eduards i|t icdcn» falls daraus gerichtet, Deutschland einzukesjeln. Vielleicht hat sich u. a. auch König Eduard, der vorzügliche Gci'chäftsrcisende der Firma Albion, der übrigens am Sam»lag wieder in London eingetroisen ist, über die Feittgtcit der franzoi ischen Füianzpolttit

an Lrt iJnb Stelle informieren wollen. Die erheblichen KurS- rüdgängc der französischen Rente und der Tiefstand der rusfifchen Milliardenanleihen buven eine der unerfreulichsten und schwer- wiegendsten Erscheinungen der inneren französischen Politik. Die in der Tekutiertenkammer darüber verlautbarten piiiunistischcn Ansichten konnten kaum schwärzere Farbe tragen. Tag durch den AuSsall der D u m a w a h l e n bia russische Finanzwirtfchast

Vorträgen itie öO^'

yZr. 35

Srschetat täglich außer Sonulag«.

Lein Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Siebener Kamillen- blätter viermal in der Woche deigelegt und zweimal ivöchenllich daS Xieisblati |tir den Kreis Giebea. Fernspiech Au- schluiis.d. Redaktion 113 Verlag u. ExpedUion öl

politische U ochcnjci-au.

Die Reich StagSwahlen endeten mit der Hinwegräumung der antinalionalen Mehrheit des Reichstages. Der nationale Block errang 222 Mandate, während daS sdjwarz-role Kartell es nur auf 177 brachte. Durch die neue Parteigruppierung errang sich der L i n k S l i b e r a l i S m u s gesteigerte Bedeutung für Die Beeinflussung der Rcichstagsverhandlungen. Er kann in drei Mehrheiten Bcrwendung sinoen und zwar zunächst in der nationalen Mehrheit in Beroindung mit den Nechlöparleien und zweitens in der Abwehr-Mchrhcit in Verbindung mit der LvLialdemokratie und dem Zentrum. Eine dritte Möglichkeit der Teilnahme an einer Mehrhcitsbildung liegt für ihn vor bei der Bildung der mtttelparteilichen Mehrheit in Verbindung mit Rechtslibcralen und Zentrum. Nur eine Mehrheit kann ini Reichstage ohne ihn gebildet werden, die der reaktionären Grup» pcn. Doch die Relchsregierung würde sich durch eine reaktionäre Politik mit dem deutlich belundeten Bolkswülen in einen ver» hangnisvollen Widerspruch {eben. Die öieichölagöwahlen haben noch weitere günstige Wirkungen erzielt: In erster Linie stehl die Beseitigung der Furcht vor dem roten Gespenst, oder vor der llmstuizgesahr. Damit ist die hier oder da gehegte Besorgnis, tast eine Aenderung deS Wahlrechts zur Beseitigung dieser roten Äeiahr angcflrebl werde, versclMunden. Ferner ist erwiesen, daß das Bürgertum der Groststädte aus eigener Straft mit Hülse dcS allgemeinen gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts Die Lozialoemolratie überwinden kann, da» es nicht deS festen Boll- ivrris Der ZenlrumSpartei hierzu bedarf. Diese Erkenntnis an führender Stelle sollte und mühte deren Lattung gegenüber dem Zentrum bestimmen. Drittens ist zur Anschauung gebracht, bau bad Zentrum seiner eigenen Politik gespottet Hal, indem es der

Kintcrtripp.KpoiU.K.

ES gibt nicht nur Hmieiircppenromane, sondern auch ; Hintertrcppenpvlitiker, das sind Die GalopmS Der Weltgeschichte Ziel mehr Minister steigen und stürzen durch Hmteitnppcn. Politiker, als die Welt ahnt, und schon mehr als em hcivor- iagendec Staatsmann mußte feinen Abschied nehmen, weit ei cs nicht verstand, nut den GalopmS der Weltgeschichte Umgang zu pflegen.

Tie Politik ist kein sonderlich reinliches Geschäft, weil zu viel Menjchcnhänbe dabei im Spiele sind und in politi- ichcn Angelegenheiten mancher sich selbst innerhalb des eigenen Restes nicht immer von den Geboten deS Geziemenden und Dir Wohlanständigkeit Inten lägt, die ec sonst zu be­obachten sich strikt befleißigt.

Sobald eS gilt, em bestimmtes Ziel zu erreichen, ist mancher enragierte Parteigänger völlig ikrnpeUoS. Ec ver­bindet sich mit dunklen Ehrenmännern oder wird selber zum Linlertreppciipollliker.

Wie wir schon am LamStag mitteilten, hat der ,9?agr. Kurier* den Briefwechsel veröffentlicht, den währeitd des Wahl- kampfeS der Leiter deS Flottenoereins Generalmajor Keim mit verschiedenen regierungstreuen Persönlichkeiten ge­pflogen hat. Auf welche Weise sich das Müucheucr Zeu- numsblatt in den Besitz dieser Schriftstücke gesetzt Hal, eifährl man durch eine Kundgebung der Geschäftsstelle des Deutschen Flotten-BereinS. Danach sind Die im ,Bayr. Kur." veröffentlichten Schriftstücke der Mehrzahl nach Privat, bnefe, die sämtlich den Bermerk .Vertraulich" tragen, unD mciftcnS Abschriften. In welchem Umfange Originale entwendet sind, steht noch nicht fest. Von Milte bis Ende Januar sind, wie fefigefieUt ist, in mehreren Nächten Liebe in den verschlossenen Räumen der Pcäsidial-GcschäfiS- stelle deS Fl.-V. zu Berlin tätig gewesen. ES handelt sich also nm einen schweren Diebstahl, weshalb auch Die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft zur weiteren Ver­anlassung übergeben ist. Ein Briefwechsel mit Dem Reichs­kanzler habe nicht staltgefunden.

Wie andererseits dagegen verlautet, besäßen die Zen­trum s f ü hr e r nicht nur Briefe B ü l o w S an G e n e r a l K e i in, sondern auch solche an andere Persönlichkeiten. TaS Zentrum will Dadurch beiveisen, dass entgegen Der Versicherung BüloivS im Reichstage dieser unter dec Firma einer Volksstmimung eine Katholikenhctze habe heraufbcschwörcn wollen. Zn diesen Briefen berufe sich Keim immer auf Weisungen von der Wilhelmstrabe. Aber es scheine kein Brief Bülows vor­handen zu sein, rooim dieser eine derartige oder ähnliche Weisung an Keim gibt.

Bei all diesen üblen Auswühlereien spielt die Hauptrolle die Angabe, baß dec Reichskanzler 30000 Mark

gilt als abgcfailciiCii. Eine Reihe von verbrechen DcS Eh>.is bei Geheimpolizei ist auigeDcdt, mw eS unterliegt keinem Zweifel, Dau bet Sultan Dem Verlangen nach Gerca,liglest eine Fchiw Pascha uni^äoiich machende Eunugiuung gibui wird. Die Ver- bannung Fehims bürste unmittelbar bevorstehen.

Wahlschulden des Flottenoereins bezahlt habe. Ferner soll u. a. Oberst a. D. Becker in Tarnistadt am 11. Januar einen Brief von Generalmajor Keim des Inhalts bekommen haben:

Im Rlicinlaude Hai der Flolteuverein e5 ledig gebracht, daß in acht Wahlkreisen Front gegen das Zentrum gemacht wird. Macht Da 6 in Reffen nad).

Ist nun diefe ganze Durch unlautere Mittel in die Oeffentlichkeit gelangte Koicespoudenz dazu angetan, besonderes Aufheben zu machen?, Ter Flotlenoerem, der von jeher dem Zentrum nicht freundlich geunnt war, hat, was man ihm nicht übet nehmen kann, eine intensive Agitation gegen diese Partei entfallet und scheint sich dabei der Unterstützung der Relchsrcgieiilng erfreut zu haben. Nun Hut aber doch bei Reichskanzler die Wahlparole nicht nur gegen bie Sozial- Demokratie, Polen und Welfen, fondern a.ich gegen das Zentrum ausgegeben und Dem Wahlkampf natürlich nicht mit

Zaren ordnete übrigens an, baß für die Hkburhüii'e im Rolstandsgebiet und zur Tellung bet ün Staatsbudget vorge­sehenen unaufschiebbaren außerordentlichen Ausgaben in der vor» geschriebenen Ordnung für den Nominalbetrag von 70 Mill, mubel 4 proz. Staatsrente emittiert werden sollen.

Die Beilegung des f r a n z ö f i s ch e n K i r ü) e n f r i e g e i scheiterte am Widerspruch deS Papstes. Kardinal Richard in alle fratijui lieben die vorn Kultus» zwischen Bürger- Papst wist, das, unveränoert bei»

Nordd. Allg. Ztg.^ stellt offiziös daS Fol.

teert i hiimorillischt» 1. älangrS.

M-

Vorstand.

besaiten_______ . _

reich der llttramoistanismus vorerst unversöhnlich.

In derLurkei mauste die Asjäre Fehiui-Pasu-aS, gegen den der Dcuijuje Botschastcr einschritt, Aussehen. Die Unieiiuchung

nicht gefestigt worden ist, durfte cinleuujienb fein. Bon 4532 gewählten Wahlmännern sind nur 1161 Monarchisten ilt) Gemäßigte, Dagegen 1825 der Linken Angehörige und oppositionelle Nationalisten, ferner 314 foauenoic und Deren Parteistetlnng nicht bekannt ist. Em öuaB

verschränkten Armen zugeiehen. Wir eriahren asto auo den publizierten Briefen lediglich die Benätigung unseres Wissens.

Wud) darüber sind wir imS wohl klar, daß man sich in der Wilhelmitraße zu Berlin noch mehr gefreut hätte, wenn daS Zentrum mit einer ühutichcn Schlappe wie die Lozialbemokialie aus dem Wahlkampf heimgekehrt wäre. Wozu also der Lärm7 Tie Personen, die sich mit dem Gencralmajor Keim darüber brieflich unterhielten, wie am besten Zcnirtim und Sozialdemokratie tolzuichtagcn wären, sind zumeist ganz ohne Bedeutung.

Wir meinen, e» sollte auch in der Politik eine Aektbetik des GeschmasteS geben. Wie cfl nicht voc- uehm ist, über Gesinnungsveiivandte öffentlich zu spotten, so Ul eS niederttäch'.ig, m den Schränken deS Gegners herum» zuschuüsicln und seine Briefe oder fonsttgen schriftlichen Auf» zclchnungen gegen ihn zu verwertcu. Wec sich einen Ber» iiauenSmitibrauch zunutze nwcht, ist moralisch verächilich.

SiW* lo rs'elluns ssfe-ss de rlOv^-

AuS dem ZentrumSturm.

Der bekanntlich dem ^e.druui aiig..,ot.g^' vessische LandtagSabg. v Brentano, der inOsfenbach die Unter st üvungdeS nationalliberalen Kandidaten, Lehrers Lern, gegen den Sozialdemokraten Ulrich empsohleu hatte, veroiientlicht folgende Erklärung:

Die Wahlschlacht ist vorüber. Em glatter Sieg wäre dem Burgertum nicht der nationalliberalen Partei als solcher, wie in bciuu'uter Entstellung der Wahrhest behauptet wurde sicher gewesen, roemi Das Lokalkomstee zu Dieburg den Le- schtub der Mainzer Lanbcsoermmmlung veröuentstcht hätte. Durcy Unterbr udung bieses BcfchlujscS, b-rd> Depeschen- und andere Fälschungen in Lf.enbach, burdj Die Stel­lung eines sog. ZcntrumSinuttes, wde-es sich lueigcrie, eine Etttarung auijuncijmen, brauste man Becw irrung in Die Wähler- schajt. Solcher bar. man nicht verübeln, was einzelne verursacht. Meine Ehre aber gebietet mir, vor dem Lanve fest­zustellen, ckib ich Den Zentrumswaoiern bie Wa^rheu gesagt, und Denjenigen, besonders Den Lsienoachcra.^welche fast aus­nahmslos meiner ^crvie gefoigt sind, jage taj Dank, diejenigen, welche den Lieg Ulrichs verursacht, haben sortan jeDes Riecht verloren, sich ub.r Die Anwürie au- Glauben, Liste unD persön- lidje Ehre imAbcndolatt" zu LeLagen. Der Erlag der bühersto-cn Biichö.c, D.e Uuttafe o.r Lstn.r^msmstglicder Da.on o. L>cit.uig, v. Sob.n usw., werden ihnen vietteia/t Lut machen, wo der rcu/te Weg ge.-^on niute. Die Zentrumspartei yeiicu8 wird zu entichcidcn h^ocn, ob man sich jurber noch eine u ri­et tragliü)e Rebeuregierung eines nicht hessi­schen perrn gefallen lassen lärm, sie wird zu enticheiden haben, wo das blecht und wo der ^rrtam war."

Ter nichts suche Herr ist der ne«geroäij.te Zentcumsabg. 'Dl üller-ö-ultra, bessen Einmischung in d.e hessische Wahl- aewegung übrigens auch von derKoui. Zolksztg." oerarteiU wird.

Für Aflika-Zateresienteo.

R. Berlin, 10. Febr.

Die vom Lolonialdireklvr Tornb-rz eüiueieitcte lowuia.e Agi­tation bleut nicht ohne Wirkung, ^nuner häuiiger untren sich im Anzeigenteil De; Tagespreise Au .rüerungcn an unterneh- mungdiuitige Deui .u> an tout ^a tiidjer. GrunDung-n in

Den cu/avgebuten zu ^etelagen. Mitunter wird KupstLlbeiiS nicht als notwendig bezeichnet.

«,U,6en'1: Botatlonstrui und Verlag der vrllhrichen Unlo.-Vllch. und SteinörudereL B. lange. Nedattlan, grpebttion und Druderel; Lchulstratze 7. -r--ck

amtliche Fonds m Anspruch genommen worden, m3- bi sondere hat weder der Flottenvercm noch Geueralmajoe Keim persönlich Zuwendungen ouS solchen Fonds süc Wahl» zwecke erhallen. 2. Bon privater Seile sind zur Unterstützung i.gicruugslieuudlichcr Kandidaturen Mittet auigcbrachl worden, bei deren Berweudung m dankenswerter Weise auch mehr­fach dec Stal am tt ich er Stetten emgeholt und befolgt wordcn ist. Dec Reichskanzler war in der Lage, dem

Fürsten Salm in Aussicht zu stellen, datz ec sich für eine Ze» hülfe zu den Kosten des Wahlkampfes au- solchen privaten Rütteln intereff irren werde. 3. Geueratmajor Keim hat wie andere im Wahlkampfe her­vorragend tätig gewesene Rtännec Gelegenheit gehabt, dem Reichstanzlcr über den Fortgang feiner und DeS im natio­nalen Siune längen FiottenvercinS Ätrbeit zu berichten. Ta- vei hat ec auch naiurgemäst der Herausgabe von Wahl- bcoschüren Erwähnnng getan. An der Geilallting dieser Broschüren hat der Reichskanzler so wenig ioic bie Reichs- kanzlci mitgewirkt, auch eine ,Lügen des Herrn Erzbcrgec^ betitelte Broschüre ist an diesen Stellen vor ihrem Erscheinen nicht bekannt geivesen.

9 & 9 sSS'S

lchenerAMger

TüK aueiuälii Xu P'eumg.

General-Anzeiger für Oberhefsen MW

fcoiialbemolratie besonders bei den Stichwahlen zahlreiche bürget- Kehr: Mandate ausliesene. Damit ist augenfällig erhärtet, trag 13 dem Zentrum in Wirklichlest nicht um bie von ihm betonte Bekämpfung bet SoziatDemolratie zu tun ist, sondern Dass es der parteipolitischen Herrja>ajt nationale Interessen preisgibl. Auch rach Der anDercn Seue ist bet Wahlkampf seht lehrreich. Die fcoiialbeuiolratie hat burch bie UnierjlüBung, bie sie bochschnbzöllnern wie J) u j nagel gegenüber Dem Demokraten , Prof. Ouidde zutell werden lieh, sie hat durch ihre Stichwahl- Parole zugunsten von Reaklionären aller Schattierungen anstelle beispielsweise zugunsten eine» Demokraten wie Blumenthal üi Straßburg und Eolmat, positiv dazu beigetragen, bie Parteien im Keii^tfln zu schwächen, w ei äst bie Reaktion bekämpfen. Sie bist Damit, wie Dr. David in betMainzer Volksztg." erHärte, |iu) s .bst einen<5 dj a n b f 1 c d" jugefügt. (Dgl. unsere Nt. 3b n0LV 7. b. M.) Aus so scharfer Verurteilung feinet eigenen Partei trllutt cs fid) auch, baü Dt. David für Den Wahlkreis sieben- Grünberg-NidDa bie ParoleW a h l f r e i h e i t, 1 e D o d) gegen k o b l e r", ausgab, ba boch baöuru) unser Wahlkreis eine arbeiter- freunbliiiK Lertretung erl-alten hätte. TaS konnten allerbings klclngcsstige unb engherzige fo-iallstisdst Führet nidjt begreifen unD scheuten sich nid-t, burch Lug und Trug jene DaviDschc Parole unwirtsam zu madstn. Jedenfalls darf sich, blidt man fid) im ganzen Reiche um, bie sozialistische Partei, die zahlreichen Rc- titlonärcn liberale Mandate ohne Besinnen ausgeliciert hat und auf 3entrum8trüden in Den Reichstag bineingdangt, nimmer mehr einen öort gegen bie Reaktion nennen.

Tie in der Wahlnacht zum Mittwoch vom Königl. Schlost ht Berlin and erfolgte Ansprache deS beutschen Kaisers an pairiotifche ihm aus Anlaß des Wahlsieges hilldigende Wähler- fd-aren hat erwiesen, wie hoch Die Woge Der Begeisterung durch bie Raiion bahinrauschte. Seit 18GG, als König Wilhelm nach ben ersten fiegreidjen Gefechten im böhmischen Felbzuge vom Balkoii deS Königlid-en Schlosses herab wenige inhattschoerc Wv^e zu der ihm huldigenden Volksmenge sprach wat eS das erste Mal, dass sich ähnliches in Berlin ereignete. Ter uner- schütlerliche Wille der nationalen Kreise, bad beutsche Volk vor» wärtS, aufwärts zu bringen, hat über alle Widerstünde gesiegt. Tst freudige Zuversicht, daß die Zukunst klar und frei vor der Kation liegt, prägte sich deutlich in der kaiserlichen Anspruch ans, wie sie auch anS der Rede deS Reichskanzlers herauSklang. Ter starke Eindruck deS Wahlsiegs auf das Ausland ist un­verkennbar. ES wäre indes töricht, wollte in ben fremden Na­tionen bic Ansicht Wurzel schlagen, als strebe bas beutsch Volk banad?, kriegerische Lotbeern zu pflücken. Mst einer friedens- feindlichen Stimmung hoben die Wahlsiege der nationalen Par­teien nicht das mindeste zu tun. Nicht friedenstörendet Chau­vinismus ist bei den Wahlen zum Durchbruch gelangt, sondern besonnene DaletlandSlicbc unb bet zielbewusste Selbsterhastungs- trieb Der Nation. Eine Drohung gegen baS Ausland bedeuten die Wahlen nicht. Eine bemerkenswerie Einzelhest im Wahl­kampfe bildete die Stellungnahme dec Erzbischöfe gegen bie Stich- wahlpolstik des Zentrums.

Gleidjzestig mit dem NuSgang des deutschen WahlkampseS fand der dritte Besud) König Eduards von England in Paris innerhalb zweier Monate statt. Er hatte u. a. eine Unter» rebung mit dem König Der Belgier, def.cn Kongostaatpolstst in Givstbritannien belannstich ftarkn Unwillen erregt hat. Auch mit Dem Deutschen Botschafter fanD eine Unterredung statt. Was dabei zur Erörterung gelangte, ist seither nicht in Die Oessentlich- kest geDrungen. Die angebliche Absicht der Deutjc^n Regierung, die Walfisd)bai für einen Gebietsstreisen in Teiusch^stasrika, der als Terrain für die Kap-^Kairo-Vahn zu benußen wäre, rinzmauschen, würde von Ternburg anss entschiedenlte Dementiert. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Die englisch-französische Militärkonvention, Deren Bestehen bekanntlich nicht ab-

politische Lagerjchatt.

Besuch des Kaisers in Spanien?

-tt» Berlin, 10. Febr.

Tie Meldung von einer für Lpn. gepiamen Diene D-.s Kai­ers nach Madrid wird in politi.'chen Streifen für u u z u- treffend gehalten. Wenn eine Begegnung Des tzerrscherS mit König Alfons beabsichllgt sei, so würde fie wahrscheinlich im Zuiammenhange mit der Mittelmeerfahrt futliinöen, unb Dann, wie vor wenigen Jahren, an bet spanischen Kulte. _ Tas mit anarchistischen Elementen durch,etzte MabriD böte so wenig hinreichende Garantien für den sia/ercn Aufemhalt eines Staatsoberhauptes, baß selbst ein so warmer Freuno Spaniens wie König Eduard eS vorziehe, dieser vauptstadt sernzubleiben. Was bic Nachricht anlangt, König Alsons werbe im Juni D. I. an ben tictanftaltungen bet Kieler Woche teil ne 6 men, o läßt sie bie Frage offen, ob bei dieser Gelegenheit Die Butte auch Der spanisastm Königin am beiuioen itaiictljoie ftattimöen wirb. Ter Auslandsbesuu) Der SloniQin ist emiuocuen auf Eng- lanb bcschtäntt geblieben, unb es hieß vor einiger Zeit, daß sie zunächst am Wiener öofe sich vorstellen wolle.