Erstes Blatt
Montag 11. November 1907
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w Üm«taflTioutS «otaHonsbrutf nttö Perlag dervrühl'schen Unio.-Vuch- nnd SternSruckerei. R. Lange.
157. Jahrgang
Vez u g »p eet-r monatlich 75 $1-, nterteL» jährlich Mk. 2.80: durch Äbhole- u. Zweigstellen monatlich 65 'BL; durch die Post 2.— viertel-
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GMKl-ZKzeiger für Gderhessen
Nr. 265
<r|d)ctni »aglich anbei Sonniags.
Dem «Siebener 'Anzeiger werden >in Wechiel mit den» hessischen Landwlrl tue siebener Kamilien. blätter viermal in der Woche bcigelegt und »weiirral wöchentlich das Krelsblatl sür den Kreis Kietzen. sserniorech-'An- schlutzi.d. Redaktion 112 Verlag u E^pedttroi» 51 Ldielie tüi Depeschen» fln»e4g<f «tetzcn.
Annahme m Anzeigen
politische Wochenschau.
Gießen, 11. 9toü. 1907.
Das Kais erpaa r hat am Freitag die Reise nach England angetreten. Der Kaiserin ist der Entschluß, mit- yiretjen, wohl nicht gerade leicht geworden, denn man weiß es, daß die hohe Frau sich am wohlsten im Kreise ihrer Familie suhlt und daß bic Sorge um das Wohl ihrer Kinder über alles geht. Nun waren betanntlich in der kaiserlichen Familie kürzlich einige, allerdings nicht sehr ernste, Krankheitsfälle vorgekommen, und die Kaiserin hatte es sich nicht nehmen lassen wollen, die Pflege der Erkrankten selbst zu überwachen; auch die Niederkunft der Kronprin- tefjin stand bevor, und so hatte die Kaiserin erst vor wenigen Lagen ihren Besuch in England absagen lassen. In England, wo man inzwischen einen großartigen Empfang für das deutfcl)e Kaiserpaar vorbereitet hatte, ries diese Absage das größte Bedauern hervor. Daß die Kaiserin sich in leVter Stunde nun doch entschlossen hatte, ihren Gemahl auf dieser Reise zu begleiten, ist daher in England mit großer Freude ausgenommen worden. Dieser Besuch des Kaijerpaares am englischen Hofe hat einen rein familiären Charakter, was sich schon rein äußerlich dadurch dokumentiert, daß der leitende deutsche Staatsmann, Reichskanzler Fürst Bülow, nicht mitreist. Der Besuch des Kaiserpaares bedeutet einen weiteren Schritt zur völligen Wiederannäherung beider Höfe, die sich in den letzten Jahren entfremdet waren. Auf die Gestaltung freundschaftlicher Beziehungen zwischen beiden Ländern wrrd dieser höfische Besuch natürlich auch nicht ganz ohne Einfluß bleiben und insofern kommt ihm auch eine gewisse politische Bedeutung allerdings zu.
Wenige Stunden nach der Abreise hat daS deutsa)e Kaiserpaar rwch eine sehr frohe Lande erreicht, die Nach- richt von der glücklichen GeburtdeszweitenEnkels. Es ist ein eigenartiger Zufall, daß der Kaiser ebenso wie bei der Geburt seines ersten Enkels eine solche frohe Meldung im Auslande erfährt. Das deutsche Volk wird auch dem längsten Hohenzollernprinzen, dem zweiten Sohne des deut scheu Thronerben, aufrichtig und von Herzen Glück auf seinem Lebensweg wünschen.
Die letzte Woche hat uns wieder einen recht häßlichen Prozeß erleben lassen, den Beleidiguugsprozcß Brand. Ein Sensationsprozeß, wie der kurz vorhergegangene Moltte-Harden-Prozeß mit seinen häßlichen, schmutzigen Enthüllungen ist dieser Prozeß ja nicht geworden. Zu enthüllen gab es hier ja nichts. Der Reichskanzler steht als Mensch viel zu hoch und rein da, als daß solche schmutzigen Anwürfe eines unreifen Burschen sein Ansehen auch nur im geriugssten zu schädigen vermöchten, aber es ist doch gut, daß hier einmal ein Exempel statuiert worden ist und die Gesmnungsgenossen eines Brand einsehen rönnen, daß man im Deutschen Reiche doch noch nicht ungestraft verleumden darf. Die Verurteilung dieses eigenartigen Schriftstellers zu einer recht hohen Strafe ist ganz allgemein mit Genugtuung auf genommen worden. Hoffentlich bringt nun auch der bevorstehende Strafprozeß gegen Harden endlich die gewünschte Klarheit m die vielerörterte Angelegenheit Eulenburg.
Im Wirtschaftsleben scheint die Welt recht ernsten Zeiten entgegeuzugehen. Die Vanrrrisis in Amerika ist nicht ohne Einfluß auf den internationalen Geldmarkt geblieben. Der Rückgang der Konjunktur und verschiedene srandalöse Vorkommniste bei den amerikanischen Eisenbahn-, Verfiche- cungs- und Jndustrieuuternehmungen haben jenseits des
Gieszener* LtaSLLHeater.
Fieseo.
Als am 8. Oktober 1783 Schillers „Fieseo" seine Premiere erlebte — es war unter der Direktion Großmanns zu Frankfurt a. M. und der „Fieseo" hatte damals noch eine andere Schlutzfassung, nämlich der Held des Dramas findet nicht seinen Tod in den Wellen, sondern er wirft die errungene Krone von sich, weil er „eine höhere Wollust darin findet, der glücklichste Bürger, als der Fürst seines Volkes zu sein" — da schrieb ein damals berühmter Kritiker folgendes interessante Urteil nieder:
„Ter Verfasser ist in vollem Maße eines von den jetzt in Deutschland so häufigen Genies, die in den Fußstapfen Shakespeares um den Beifall der Lastträger und Erbsenkrümer buhlen — unö ihn auch glücklich erhalten, dagegen aber alle vota sanuv.a ihrer Landsleute wider sich haben unü unser Tl^ater dem Spoci der Ausländer Preisgeben. Das Ganze und alle einzelnen Teile dieser Tragödie find unter aller Kritik und einer Analyse nicht würdig.
Man wird dieses erste Fiasko des „Fieseo" heute nicht allzu ernst nehmen, denn wie über den jungen Schiller, so ist auch über den jungen Shakespeare von Zeitgenossen (ich erinnere nur an den seinerzeit hochberühmtcn englischen Kritiker Thomas Nash), über den jungen Goethe, ja überhaupt über jede neue Richtung absprechend geurteilt worden, selbst von Männern, denen es darum zu tun war, die Wahrheit zu finden und zu sagen.
Wir stehen längst dem „Fieseo" ohne Voreingenommenheit gegenüber. Wir erkennen in diesem zweiten großen Werke unseres großen Dramatikers den jugendlichen Feuer- geist des 24 jährigen Dichters, der in einer Menge dramatischer Szenen aufflammt, seine reiche Phantasie, die in üppigster, überschwänglichster Bildersprache schwelgt; aber der große Vorwurf, das Herz mit dem staats klugen Kopf in Widerspruch zu setzen, einen Mann durch die eigene an- wachsende Größe und Macht tragisch zu verstricken und Lu Falle zu bringen, gewinnt unter dem Beiwerk kalter politischer Intrige nicht so unmittelbare Gewalt über die Seelen der Zuschauer, wie der Kampf rein menschlicher Cuipfin- dungen, der in den „Räubern" und in der „Millerin" tobt. Ter „Fieseo" erscheint den Nachgeborenen an einzelnen
Ozeans zusammengewirkt, um den Geldmarkt gründlich zu erschüttern. Das Mißtrauen gegen die Bauten nahm dort derart zu, daß alle Welt plötzlich seine Guthaben zurückforderte. Da stellte sich denn natürlich bald ein Mangel an barem Gelde ein und viele hochangesehene und bedeutende Handelsinstitute waren ruiniert. Die Amerikaner bemühen sich nun, Gold aus Europa heranzuziehen, um noch zu retten, was zu retten ist. Aber der Konjunktur-Rückgang bedroht auch Europa und es wäre darum eine unverzeihliche Torheit, das Geld außer Landes gehen zu lassen. Man hat sich daher zu Erhöhungen des Zins,ußes veranlaßt geseyen, wie sie beinahe seit Menschengedenken nicht vorgetommen sind. Die Bank von England erhöhte ihren Zinsfuß aus 7 Proz. Ein so hoher Zinsfuß ist in England seit dem Jahre 18’/3 nicht mehr zu verzeichnen gewesen. Wenige Tage später ist bekanntlich auch die deutiche Reichsbanl mit einer Erhöhung des Diskonts von 61/2 ans 71/2 Proz. gefolgt. Eine solche Höhe hat der Diskont seit Bestehen der Reichsbanl noch nie gesehen.
Aas Ka^erpaar aus ihr Zie.je «ach K glano.
An das Kaiserpaar wurde die Nachricht von der Niederkunft der Kronprinzessin nach We.el telegraphiert. Ter kaiserliche Hofzug war indessen schon weiter gefahren und so wurde die Depesche nach der holländischen Station Gin- nip abgesandt. Von dort ist alsbald ein herzliches Glückwunsch-Telegramm in Potsdam eingcgangen.
In Vlissingen traf das Kaiserpaar Samstag nachmittag um 3.50 Uhr ein und begab sich sofort an Bord der „Hohen- zollern". Der Kaiser bej achte dann die anderen deutfchen Begleitschiffe. Zur Tafel, an Bord der „Hohenzollern", wo die Geburt des jüngsten Hohenzollern mit Schaum- weü? gefeiert wurde, war auch der deutsche Gesandte v. Schlözer eingeladen.
Infolge des dichten Nebels, der in der letzten Nacht im Kanal herrschte, hat die Fahrt des Kaiserpaares nach Portsmouth einige Verzögerung erlitten. Das Kaiser-Geschwader ist infolge Nebels nicht nach der San Townbucht gegangen, sondern für die Nacht innerhalb der Landzunge Selsey Bill, 25 Kilometer östlich der Portsmouther Reede vor Anker gegangen und soll erst heute morgen weiter fahren. Tie Stadt Portsmouth wimmelt vou Mannschaften der Flotte. Tie Vorfichtsmaßregeln zur Sicherheit des Kaiserpaares bei der Landung sind sehr streng. Ohne Empfehlung des deutschen Botschafters, die durch das Auswärtige Amt gegengezeichnet sein muß, erhält niemand Zutritt zur Werst und zur Landungsstelle.
Zur Englandreise des Kaiserpaares schreibt die „N. A. Zig.": Wie in dem Besuch Seiner Majestät des Königs von England in Wilhelms höhe, so werden in dem Aufenthalt der kaiserlichen Majestäten als Gäste des britischen Königshofes jenseits des Aermelmeeres die Bestrebungen gekrönt, frühere Mißverständnisse zwischen den beiden Mächten endgültig zu überwinden und ihre Beziehungen auf die Basis eines friedlichen und freundlichen Verhältnisses zu stellen. Unzweifelhaft ist der bevorstehenden Begegnung der deutschen und der britischen Majestäten insofern eine nicht zu unterschätzende politische Leoeittung beizumessen, als durch sie der auf beiden Seiten gehegte und deutlich
zutage getretene Wunsch nach Erhaltung ungetrübter Beziehungen neue und wichtige Förderung erfährt. Diese Bedeutung wird keineswegs geschmälert durch die Tatsache, daß entgegen der hier und da lautgewordenen Meinung die Behandlung spezieller politischer Probleme wahrend des Kasterbesuches in England weder angeregt noch beabsichtigt ist. Der warme Empfang, der unserem Herrjcherpaare in England zugedacht ist, wird bei uns einen gleichgestimmten Widerhall finden und seinerseits den geweckten freundlichen Öejiiinungeu zwischen den beiden Nationen neue Kräftigung verleihen. .
Ter Londoner „Observer" schreibt: Es würde ein Fehler sein, dem Besuch des d. e u t scheu Kaisers eine große politische Bedeutung beizulegen, und es ist dies auch von verantwortlichen Politikern hier und in Deutschland in keiner Weife versucht worden. Nichtsdestoweniger kann der Besuch in persönlicher und politischer Beziehung von wirklichem Werte jein, wenn er dazu dient, ein besseres Verständnis zwischen den beiden Völkern und eine günstige Bewertung der gegenseitigen Jnteressenver- hältnifse herbeizusähren. Wir hoffen und glauben, daß dies der Fall sein wird. In diesem Sinne begrüßen wir von Herzen mit ganz England den Besuch des deutschen Herrscher- Paares.
Tie Universität Oxford hat am Samstag dem deutschen Kaiser die Würde eine» Ehrendoktors der Rechte verliehen.
poltHidbc Eaacsicbatu
Die Geburt des geilen Sohnes des Kronprinzen.
P 0 t s d a m , 9. Uoo. Wie aus Pvtsoam über ow Geburt des Prinzen noch berichtet wird, stellten sich um 7 Uhr morgens die Wehen ein. Der Kronprinz, der beabsichtigt hatte, nach Berlin zu fahren, wurde sofort benachrichtigt. Generalarzt Prof. Dr. Bumm und Leibarzt Dr. Keller waren um 8 Uhr in oas Marmorpalais besohlen worden und weilten in der Wochenstube. Der Kronprinz wartete in einem Nebenzimmer das Ereignis ab. Die Geburt nahm einen leichten Verlauf. Der Kronprinz war sowohl darüber, als auch daß ihrn wiederum em Prinz geboren wurde, sehr glücklich und telegraphierte sofort an seinen Vater nach Vlissingen. Ter kleine Prinz soll ein sehr kräftig entwicteltes idnb und munter fern. Die junge Mutter befindet sich den Umständen gemäß wohl. Um 1/2U Uhr donnerten die Salutbatterien, und aus allen Ecken und Enden strömten die Leute nach dem Lustgarten, um nähere Einzelheiten über das freudige Ereignis im K'ronprinzenhause zu erfahren.
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Eine gemeinsame Kundgebung der linksliberalen Parteiu.
Frankfurt a. \>c., lu. Roo. Dw tturskck^r^en Parteien veranftaltetelr heute erne gemeinsame Llundgebung, zu der die führenden Parlamentarier der freisinnigen Volkspartei, der freisinnigen Vereinigung und der deutschen Voltspartei fast vollzählig erschienen waren. Vor einer vieltausendköpfigen Menge sprachen die Abgeordneten Konrad Haußmann, Mueller- Memingen, Dr. W i e m e r und Pfarrer Nauman n. Sämtliche Redner betonten die Rcotwendigkeit eines Zusammen sch lusseZ der bürgertichen Linken unö die Vertreter der freijiimigen Vereinigung und der deutschen Volkspartei richteten an die Führer der
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Stellen fast wie eine geniale, aber noch roh umrissene Skizze | Werke auswendet, deren Darstellung im alten Saale ge- des „Wallenstein"; man vergleiche nur den Monolog radezn grotesk hätte wirken müssen, die auf unS wirren Fieseos, als seine Entschließung zwischen dem Republikaner zu lassen uns daher früher benommen war. Aber eS er-
Fieseo und dem Herzog Fieseo schwankt, mit dem großen Monologe Wallensteins und dem Empfange des schwedischen Obersten.
Schillers „Fieseo" aber war von jeher die stille Liebe einer farbenfreundlichen Regie, das heimliche Begehren einer in verschwenderischem Glanze der Szene schwelgenden Ausstattungslunst. Doch erst den Meiningern wollte es gelingen, die in dem nationalen und historischen Boden der Dichtung geborgenen Schätze zu heben und diese Schätze — künstlerifche Kleinodien dekorativer Art — in die stim-
weift sich jetzt doch als ein gar heikel Ting- das Heranwagen gleich an einige der allerschwierigsten Aufgaben, die die Bühnenliteratur überhaupt an die Regie zu stellen in der Lage ist. Die Aufführungen von Shakespeares Wintermärchen und Ibsens Nordischer Heerfahrt zeigten bereits ziemlich deutlich die Grenzen dessen, was sich vorerst bei uns bieten läßt. Man hätte mit der Inszenierung weniger schwieriger Werke beginnen und dann auf Grund der dabei gewonnenen Erfahrungen nur allmählich von Stufe zu Stufe größeren Ausgaben zustreben sollen.
mungsvolle Beleuchtung der Szene zu rücken. Was aber die ihre eigenen Wege gehende Meininger Kunst nach langen Mühen vollbrachte, erfordert ein so straff diszipliniertes Ensemble und einen so viel verschlungenen Bühnenapparat, daß der einstige Meininger Erfolg heute kaum mehr für die deutschen Bühnen eine vorbildliche Bedeutung besitzt. Das erklärt das geringe Interesse, mit dem das Theater der Gegenwart die,em Schillerschen Jugenddrama begegnet — wegen der Mängel der Tichtung, wegen der losen und weitschichtigen Gliederung, wegen der mehr aus dem Verstände als aus dem.Herzen geborenen Charaktere. Werden diese Mängel nicht durch eine ungewöhnliche Pracht der Ausstattung verdeckt, wird die weitverzweigte Gliederung des Dramas nicht durch einen prunkvollen szenischen Rahmen zusammengehalten, der das Auge entschädigt, wenn die Empfänglichkeit der Seele nur in geringerem Grade in Anspruch genommen wird, so bleibt die Ausführung des Dramas kaum mehr als ein Experiment, als ein Versuch, dem wir mit Interesse begegnen, dem aber selten ein dauernder Erfolg als Lohn für die ausgewandten Mühen zur Seite steht.
Diesen Eindruck hinterließ leider auch die gestrige Auf-
Rückhaltlos und nachdrücklichst sei anerkannt, daß unsere Regie es gestern an ernstem Bemühen wahrlich nicht hatte fehlen lassen. Man spürte eine Reihe wohlerwogener und verständiger Intentionen und merkte rasch, daß hinter den Kulissen ein den Absichten des Dichters sorgsam nachschafsender Geist waltete, der das Beste zu leisten nicht nur willens, sondern wohl auch befähigt ist. Trotzdem gab die Ausführung szenisch im Wesentlichen mehr nur einen Schattenriß des Geplanten. In diesem Betracht liegt die Schwierigkeit vornehmlich im ersten und im Sck)lußatte. Jener spielt in Fieseos Palast; „man hört in der Ferne Baklmusik und den Tumult eines Balles". Tie Szenerie mar, von dem etwas zweifelhaften Stil der Saaldekoration abgesehen, recht hübsch — gedacht : im Hintergründe auf erhöhtem Pvdiuin, von dem eine doppelte Freitreppe in den Saal hinabführt, das eigentliche Balltreiben, von dem man freilich infolge eines Vorhanges nichts sah. Also die „baechantische Lust" des Maskenballes blieb uns vorenthalten. Wir hatten uns die leuchtende Farbenglut eines genuefer Ballfestes hinzuzudenken. Auch die Musik müßte hier in ganz anderer Weise belebend eingreifen.
führung zum Gedächtnisse an den 148. Geburtstag des Tichters, gerade um des Szenischen willen. Es ist ja gewiß sehr dankenswert, daß Tirektor Sieingötter im neuen Hause seine beste. Kraft für die Inszenierung klastischer
Weit schwieriger noch ist die Aufgabe der Regie im 5. Akte. Es war recht verständig, nach dem Vorgänge der Meininger eine geschlossene Dekoration zu wählen, eine Art Hofraum mit Durchgängen nach der Sttaße unb dem Tlw-


