Ausgabe 
11.5.1907 Erstes Blatt
 
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lberger.

Samstag 11. Mai 1907

Ire heutige Nummer umfaßt 16 Seiten.

tischem Interesse dem

Die

10. Mai

Preußisches Herrenhaus.

Berlin, 10. Mai.

Die Beratung des Etats wird fortgesetzt beim Etat des Kultus Ministeriums. Die Einnahmen werden bewilligt. Bei den Aus gaben, TitelMinistergehalt" findet eine Generaldebatte statt.

Prof. Tr. Reinke-Kiel Wender sich mit scharfen Worrcu gegen denMonistenbund", der analog dem Vorgehen der Sozialdemokratie auf wirtschaftlichem Gebiete auch aus geizi­gem Gebiete alles Umstürzen wolle, insbefondere die greu­liche Religion, und die chril^tche Weltanschauung. Redner pole#

Hin spanischer Thronerbe.

junge Königin von Spanien wurde am von einem Prinzen entbunden!

Erregung und erwartungsvolle Spannung, mit

Ereignis entgegen. Pope, Juanllo,

der die Spanier dem freudigen Ereignis in ihrem Herrscher­hause entgegenblickten, hatte bereits seit Wochen einen Grad erreicht, dec keine Steigerung mehr zuließ. In allen monar­chischen Ländern pflegt baß Volk ja die Geburt des Thron­folgers mit lebhaftem Interesse zu begleiten, man betrachtet cB als ein nationales Familienereignis, verfolgt mit Spannung alle Details, die mit dem Ereignis in Beziehung stehen; aber tn Spanien geht die Anteilnahme an der Freude des Königshauses weit über das gewöhnliche Maß hinaus. Ganz Spanien beschäftigte sich seit Monaten mit dem jugendlichen KönigSpaare; überall diskutierte man alle Möglichkeiten, alle Einzelheiten; die Hofberichte wurden mit fieberndem Eifer studiert, kommentiert und gedeutet und alles gipfelte in der Frage: wird Asturien einen Prinzen bekommen, oder eine Prinzessin? Denn Asturien ist gewissermaßen das spanische Wales; der Erstgeborene deS Königshauses nimmt den Namen der bevorzugten Provinz an und trägt ihn, bis die Krönung ihn zum König macht. Besonders waren eS natürlich die Frauen, die sich in Vermutungen und Flüstern nicht genug tun konnten. Hunderte von jungen Frauen zitterten in dem Wunsche, daß ihre Kinder in derselben Stunde das Licht der Welt erblicken möchten, wie das KönigSkind, hunderte von jungen Ehepaaren berieten nicht mehr, ob ihr Nachkomme Josb oder DoloreS heißen soll; sie warteten mit Spannung, ob daS Königskind Alfonso getauft werden wird, oder Fernando, ob Isabella oder Christina, um ihrem Kinde den gleichen Namen zu geben. Dabei hatte die Erwartung noch ihre geheimen Hoffnungen. Werden die zwei- oder dreihundert Menschenkindlein, die am gleichen Tag mit der kleinen Hoheit zuerst atmen werden, vielleicht unter die besondere Protektion dcS königlichen Kindes gestellt? Als AlfonS XIII. zum erstenmal Schuhe auf die kleinen Babyfüßchen gezogen wurden, es wahren ent­zückende Schuhe aus weißem Satin mit kostbarer Goldstickerei da verteilte Donna Christina 6 00 Kinderschühchen an die 300 spanischen Kinder, die mit ihm zusammen geboren worden waren. Freilich, diese 600 Schühchen waren nicht so kostbar wie die des kleinen Alfons, der sich auch wacker sträubte, als sie ihm wieder ausgezogen werden sollten; aber dafür sind sie auch praktischer und dauerhafter und es geschieht auch nicht alle Tage, daß der König einem das Schuhwerk stiftet.

Nun ist das Ereignis eingetreten, die Spannung vor­über und die Freude groß. Nicht nur in weiten Kreisen der monarchisch Gesinnten. Blickten doch andere aus sehr prak-

Pancho und wie sie alle heißen, die da im Gefängnis schmachten, weil sie mit altspanischem Temperament ihre ungetreue »Cigarera" schlimm für ihre Koketterie bestraften oder die in einem Ehrenhandel ihr Mester zu hastig führten, harrten voll Erwartung der Geburt des Königskindes. Denn jedenfalls wird König Alfons dem Beispiel seiner Mutter folgen und ihnen Gnade schenken.

In den aristokratischen Familien waren die Erwägungen anderer Art. Da ward die Frage untersucht, welche Chancen die Kleinen der Familie haben, dereinst als Spielgenosse des Jnfanten ins Schloß befohlen zu werden. In den Kasernen aber träumten die Marsjünger v.on dienstfreien Tagen, von doppelten Rationen und festlichen Genüssen, während in allen Gemeinden des Königreiches die Geistlichen und die Kirchendiener auf die Botschaft des Alcalden warteten, um die Glocken zum Te Deum zu läuten. Die Kaufleute erinnerten sich, daß bei der Geburt Alfons XIII. 30000 Hoflieferantendiplome datiert wurden und hosten nun auf neuen Auszeichnungssegen. Er beginnt auch bereits seine ersten Strahlen zu werfen. Wenigstens hat der König vor- erst den Granden und dem Kommandanten der Palaflwache Auszeichnungen verliehen.

Das Künigslmd hat sofort die Mühseligkeiten seines Berufes, die lästige spanische Hofetikette, durchzukosten. Kaum dem Mutterleib entsprungen, muß es gleich an einer feier­lichen Zeremonie teilnehmen und sich einer erlauchten Ver­sammlung vorstellen. Sobald als sich nämlich die eilten Anzeichen der bevorstehenden Entbindung bemerkbar machten, wurden Eilboten ausgeschickt, die daS diplomatische Korps, die Minister, eine Reihe anderer hoher Würdenträger, den Bürgermeister mit einer Anzahl Stadtverordneter und eine Abordnung des Adels ins Palais entboten, wo diese Herr­schaften sich in den unmittelbaren Vorzimmern des könig­lichen Schlasgemaches versammelten. Um 12/« Uhr öffnete Ministerpräsident Maura die Tür, die zu den Gemächern der Königin führt, und rief mit lauter Stimme: »Meine Herren, es ist ein Prinz!" Die Versammelten riefen: »Es lebe König, es lebe die Königin!" Um l1/* Uhr zeigte der König den Anwesenden den neugeborenen ^Prinzen von Asturien" auf einer silbernen Schüssel. Um 1 Uhr war au den vier Ecken des Schlosses die Nationalfahne gehißt, worauf die Bevölkerung in begeisterte Hochrufe ausbrach. Daun wurde im KönigSschloffe ein Tedenm abgehalten. Der Neugeborene ist blondhaarig, sowie von kräftiger Konstitution.

Die Reichstags-Kommission zur Vorberatung des H a n de l s - abkommens zwischen dem deutschen Reiche und den Ber­einigten Staaten pon Amerika nahm nach eingehender Erörterung der von verschiedenen Seiten erhobenen Zweifel und Bedenken das Abkommen an.

Die Budget-Kommission des Reichstags unternahm Freitag vormittag die schon seit langem geplante Fahrt nach dem Truppen-Uebungsplatz Jüterbog. Die sozial- demokratischen Abgg. Bebel, Singer, Dr. Südekum und Noske waren auch anwesend. Seitens der Regierung beteiligte sich Kriegsminister von Einem und mehrere höhere Offiziere an dem Ausflug. Zur Vorführung gelangten die neuen Maschinengewehre, die auf 2500 Meter-Ziel feuerten und 7o Prozent Treffer erzielten. Es wurden sodann die Rohr­rücklauf-Geschütze vorgeführt, die alsbald ein indirektes Feuer auf Schützenlinien eröffneten. Der dr itte Schuß faß. Eine Kavallerie-Attacke auf die Artillerie wurde glänzend abgeschlagen. Ein Imbiß im Militär-Kw'ino der Feld- artitlerie-Schießschule schloß sich der Exkursion an.

Deutscher Reichstag.

50. Sitzung vom 10. Mai.

Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung des Ergänzungs-Etats betreffend Farmer-Entschädigung für Süd west a fr ika. Die Kommiffion beantragt statt 71/2 Millionen nur 5 Millionen Mark zu bewllligen.

^rlonialdirektor Dernburg bemerkt, es sei klargestellt, daß ein Rechtsanspruch des Empfängers auf Unterstützung nicht bestehl, ebenso, daß es nicht ausgeschlossen sei, daß Darlehne gewährt und zurückgegeben werven. Wenn die Regierung trotzdem auf der Vorlage bestehe, so geschehe dies, weil sie die höhere Summe für erforderlich halte. Wenn man wirklich den Leuten etwas Gutes tun wolle, dann bitte er, die 7y2 Millionen zu bewllligen. Natürlich sei er mit der von der Kommission beschlossenen Vor­aussetzung, daß die Betreffenden nicht anderweit iwch Rechts­ansprüche geltend zu machen suchen, einverstanden.

Abg. Gröber (Ztr.) bemängelt, baß die Unterstützung en ent. auch soll gewährt werden können ohne Nachweis des wirklichen Bedürfnisses. Die Verteilung sei doch tatsächlich gedacht nach der Größe des Schadens. Die ganze Feststellung des Schadens beruhe übrigens in Sübwestafrika auf höchst unsicherer Grund­lage. In einzelnen Fällen seien ganz kolostale Uebersorderungen auch in der Kommission feilgestellt worden.

Abg. Dr. Paasche (natl.) hat von den Ausführungen des Vorredners den Eindruck, als ob das Zentrum überhaupt nichts auch nicht einmal als Darlehen bewilligen wolle. Redner plädiert für Bewilligung der vollen in der Vorlage geforderten 7i/o Mill. Mark.

Inzwischen ist ein Antrag Arendt (Rp.) eingegangen, für den Fall der Ablehnung der 71/2 Millionen den Betrag von u12 Mill, (also eine halbe Million mehr als die Kommission vorscblägi zu be­wllligen, zu dem Zweck, daß alle Schäden bis zu 10 000 Ml. voll und die darüber hinausgehenden Schäden zu zwei 2>ritiuii entschädigt werden können.

Abg. v. Richthofen (kons.) empfiehlt in erster Linie Be­willigung der vollen 7i/s Millionen; eventuell bittet er, den Antrag Arendt anzunehmen. Sollte auch dieser abgelehnt werden, würden seine Freunde dem Kommissionsbeschlusse zustimmen.

Abg. Tr. Arendt (Rp.) tritt für seinen Antrag ein. Wer dort hinausgehe nach Südwestafrika, der habe besondere An­sprüche auf die Machtmittel des Reiches. Gouverneur v. Linde- quin hebt hervor, daß es sich bei den 71/» Millionen nicht um eine volle Entscl-ädigung handle. Nicht berücksichtigt sei der in­direkte Schaden. Redner wendet sich dann gegen einzelne Grü­be rsche Ausführungen. . .

Abg. Dr. 23 i c in e r (frs. Vp.) erklärt, er sei bereit, dem An­träge der .Kommission zuzustimmen, aber nicht bereit, über den darin vorgeschlagenen Betrag hinauszugehen.

Abg. Lattmann (w. 23g.) spricht im Sinne der anderen Bloäredner.

Die Abstimmung ergibt die Ablehnung der Regie­rungsforderung gegen Rechte, Nationalliberale und wirt­schaftliche Vereinigung, des Antrages Arendt gegen Rechte und wirtschaftliche Vereinigung. Ter Kommissions-Beschluß wird durch die Blockmehrheit b e ft ä t i g t. Der Ergänzungs- Etat, der die Folgerung aus der Beendigung des Kriegszustandes in Südwestafrika )ieht (Erhöhung des Reichszuschufses unter Ver­minderung der Anleihe) wird in zweiter Lefung genehmigt, ebenso die Teuerungs-Zulage, worüber Dr. Wiemer (fts. Vp.) berichtet.

Es folgt der Etat des Reichstages.

Dizepräfident Dr. Paasche begründet einen von ihm nach Vereinbarung mit dem Senwren-Kvnpent gestellten Antrag, wo­nach die aus den Eintrittsgeldern aufkommenden Summen zur Unterstützung für die unteren und Hilfsbeamten des Hauses verwendet werden sollen.

Abg. Singer (Soz.) trägt dem Präsidenten eine Reche von Wünschen für die Aufbesserung der Lage dieser Beamten vor.

Vizepräsident Paasche erklärt das vollste Wohlwollen des Präsidenten.

Abg. Tr. A r e n d t (Rp.) gibt die Anregung, in den nächsten Etat LOO 000 Mk. einzustellen für parlamentarische Studien­zwecke.

Abg. Liebermann Son Sonnenberg (w. 23g.) spricht der Verwaltung des Reichstages feine Anerkennung aus.

Abg. Werner (Rfp.) und Abg. Kr e t h (kons.) äußern gleich­falls das Wohlwollen für die Beamten des Hauses.

Der Etat desReichstags wird mit dem Anträge des SeniorenkINvents genehmigt. Im Etat der Reichsbanl hat die Kommission die Einnahmen des Reiches aus der Reichs^ Lank um 51/s Million erhöht.

Tie Abgg. Faßbender (Zentrum), Kreth (kons.) und Dr. Sieber (natl.) beantragen eine Resolution, in der um baldige Vorlegung eines Scheckgesetzes ersucht wird.

2Lbg. Tr. Neumann-Hofer (frs. 23g.) lenkt die Auf­merksamkeit des Reichsbanl-Präsidenten auf die Wünsche der Kassendiener bei der Reichsbayk.

Abg. Freihr. von G a m p (Rp.) äußert seine Genugtuung über die Zusage einer Enquete als Grundlage für die Erneuerung des Lankgesetzes.

Ter Etat der Reichsbank wird nach'dem Kommissions- Ansatz angenommen,ebenso die Scheck-Resolution. Zm Etat stehen 10000 M k. Repräsentativ nsgeldert für den Reichsdankpräsidenten. In der Kommission hat die Regierung erklärt, daß man eventuell auch für an­dere höhere Reichsbeamte spater Repräsentationsgelder emführen werde. Tie Kommission beantragt die Bewilligung für den Reichsbank-Präfidenten mit der ausdrücklichen Erklärung, daß daraus keinerlei Folgerungen für andere Beamte gezogen werden dürfen. Das Haus stimmt dem zu. Bei den Matrikular- beiträgen erklärt

Abg. Neumann-Hofer (frs. 23g.) daß die Verteilung dieser Beiträge auf die einzelnen Bundesstaaten aller Gerech­tigkeit Hohn sprächen.

Ter Etat wird mit dem Etatgesetz in zweiter Lesung er­ledigt. Tas Haus erledigt dann noch 20 Petitionen und zwar fast durchgehend dcbattelos gemäß den Anträgen der Kommilsion.

Morgen Rechnungssachen, Weltpostvertrag, P^tograpbie-Ur- heberschutz-Vertrag mit Frankreich, Interpellation über Gruben- Katastrophen.

Nr. 109 Erstes Blatt 157. Jahrgang

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Das Befinden der Königin Viktoria ist den Umständen an- gemessen durchaus befriedigend. Ter Ministerrat beschloß, daß SamStag, Sonntag und Montag in ganz Spanien Feiertcige sein sollen. In den Straßen der Hauptstadt herrscht tin überaus regeö Leben. Alle öffentlichen Gebäude und zahlreiche Privatgebäude sind in spanischen und engli­schen Flaggen beflaggt. Der Ministerpräsident unterbreitete dem Könige ein Dekret zur Unterzeichnung, kraft besten der Thronfolgertitel von dem Jnsanlen Don Carlos aus den neugeborenen Prinzen übergeht.

Der Liebreiz der jungen Mutter, der Königin Viktoria Eugenia, hat ohne Frage dazu beigetragen, das utonarchische Empfinden, die Anhänglichkeit au die Dynastie in dem Lande ihres Gemahls ganz erheblich zu stärken. Auch politische Motive sind dabei im Spiele gewesen, die Heirat des Königs brachte Spanien den Schutz und die Freundschaft Englands. Wir sind fern heute von den Tagen, da tm briliichen Jnselreiche der Untergang der spa­nischen Armada mit Jubel gefeiert wurde.

Der Papst hat, wie aus Madrid berichtet wird, für den Erben der spanischen Krone ein ekostbare Ausstattung arbeiten lassen, die sein Patengeschenk sein soll und die bereits dem König Alfons übergeben worden ist. Alle die Stücke sind in kostbaren Sw ff en mit den herrlichsten Spitzen nach Entwürfen im Stil Louis XVI. von etwa 100 französischen Nonnen in Rom gearbeitet. Ein Wunderwerk ist vor allem das Taufkleid des königlichen Babys, ganz aus Alem;on und Brüsseler Spitze, mit den Wappen der spanischen Königsfamilie und der Battenberger; darunter ein doppeltes Unterkleid, das erste aus byzantinischem Itlas mit breitem Seidentüllvolant, das zweite aus Louisine-Seide, mit einem Volant aus Seidentüll und mit Valeneiennesspitzen. DaS Kissen für die Taufe ist gleichfalls aus Louisine mit einem Volant aus demselben Stoff und zwei aus Seidentüll, die mit herrlicher Stickerei auf handgefponuenem Leinen bedeckt sind;,die Stickerei stellt in den vier Ecken des Kissens die Eucharistischen Em­bleme und die der Passion dar, während in der Mitte das span. Wappen und darüber ein Kreuz angebracht sind. Tazu Eommt eine ganze Reihe kostbarer Kleidchen, unter denen eines aus handge­sponnenem Seinen mit einem ganz gestickten Vorderteil, daS ganz übersät mit Rosen und mit Svitzen und Schleifen garniert i)t, besondere Bewunderung erregt. Auch ein Mäntelchen mit Pelle- rine gehört zu dieser töniglichen Babyausstattung, das gleichfalls mit wundervollen Spitzen garniert ist. Zwei Spitzenhäubchen, Leibchen und auch Urllerkleidchen fehlen nicht, auch eine Decke für die Wiege aus weißem Atlas, mit Rosengirlanden bestickt und mit Goldschnüren besetzt, ist vorgesehen. Selbst für die Wäsche hat der Papst gesorgt; die Ausstattung enthält Bettücher aus Batist mit Stickerei und Wappen, Bezüge für die Kisten in reichster Ausführung, Battifthemdchen und Jäckchen mit reicher Stickerei, Tücher aus feinstem Sinnen, Windeln usw. Die ganze Aussteuer befand sich in einem prächtigen kleinen Koffer, der gleichfalls im Stile Souis XVI. in der kostbarsten Weise dekoriert ist und auf der Vorderseite wie auf der Rück «eite je drei künst­lerische Miniaturen zeigt, in denen berühmte Bilder von ital. Meistern wiedergegeben sind.

Auch sonst sind bereits viele Geschenke für das königliche Baby eingetrofien. Noch eins davon verdient, seiner Criginalität roegen, erwähnt zu werden. Es ist ein richtiges Automobil in Miniatur­format, genau so konstruiert wie ein großes und funktioniert tadellos. Trotzdem dürften sich seiner Benutzung wohl einige Schwierigkeiten entgegenstellen. Denn es dürfte einigermaßen schwer ein, das königl. Baby in der Kunst zu unterweisen, ein noch so kleines Töss-Töss zu steuern. Und woher einen Chauffeur nehmen, der Platz hätte aus dem Duodez-Auw? Da müßte man schon Umschau halten unter den Zwergen im Lande.

Als Kurwsum mag noch angeführt werden, daß die span. N a t i o n a l h y rn n e a ngeblich von Friedrichdem Großen stammt. Zurzeit des großen Preußenkönigs ging man, so er­zählt ein spanischer Korrespondent, in Spanien an eine Arrnee- reform. Man sandte einen Offizier nach Berlin, um die preuß. taktischen Grundsätze zu studieren. Der Gesandte war sehr ver­blüfft, als Friedrich ihm bei einer Audienz mitteilte, daß er feine Taktik aus den Schriften eines spanischen Vicomte erlernt habe. Während der Unterredung hielt Friedrich der Große eine Notenrolle in der Hand, die ihm zu Ehren komponiert war. Um dem Gesandten über die Verlegenhell hinwegzuhelfen, überreichte er ihm die Noten als ein Geschenk für seinen töniglichen Vetter in Spanien. Und aus diesen Noten wurde dann die spanische Na- tionalhyrnne.

Die Geburt des Prinzen ist sehr leicht und glücklich verlaufen. Eine Intervention des Arztes war kaum nötig. Der Prinz ähnelt den Battenbergs. Wahrscheinlich wird er Alfonso getauft werden. Die Königin will ihr Kind felbst nähren. Daß das Kind ein Prinz ist, erregt allgemeine Befriedigung, namentlich auch in den Provinzen. Sogar in Barcelona wurd egerlaggt Der König schenkte eine bedeutende Geldsumme an die Armen. Die Taufe findet am nächsten Dienstag statt. Der König wohnte gestern dem Taubenschießen bei. Er wird mit Gemahlin anläßlich der Regatten nach Cowes reisen und dort mit dem englischen Königspaar zusammenttefsen. Von dort wird sich das spanische Königspaar nach dem Haag zum Besuch der Königin Wilhelmine begeben.

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