Ein Soldatenmisjhattdlungs-Prozek.
Hande)
Körne. 9. März. 1.15 Uhr.
85.80
Eschweiler Bergwerk
105 60
4 96 Uesterr. Goldrente. . 4*/8 ?6 Gestern Silberrente
233 20
125.60
97.20
85.80
215.20
233.70
29.30
127 90
145.30
95 — 99.70 99.80 95.25
Canada E. B. . . . Barmstedter Bank . Deutsciie Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .
Tendern: ruhig.
29 50 145.00 143.-
Reichsanleihe do.
Konsols . .
do. . .
Hessen . .
Oberbessen
68.55 69 90
91.35
92.15
95.10
145.—
51 50 86.-
66.60
97.95
März. Anfan^skurse.
Hurpener Bergwerk.
Lauraliiitte . .
■ombarden E. B.
Nordd. Lloyd . . . l'iirkenluse . •
Deutsche Bank .
Deutsch-Asiat Bank . . Diskunto-Koinmandit . . Dresdner Bank . . . Kreditlinien.....
Baltimore- und Ohio-
Etsenlahn .
Gotthard bahn . . . .
Lomuard. Eisenbahn . * Gestern Staatsmann . . . Pniiee-Henri-Eisenbahn .
ö°/0 Mexikaner . 4>tu/0 Chinesen . . .
Aktien:
Bochum Gass . . .
Buderus E. W
Tendenz: fest und
dieser Zeit keinen seiner Untergebenen mehr angefaßt bat: er bat auch bei seiner guten Führung das Bestreben gezeigt, sich zu bessern und die früher begangenen Fehler wieder gut zu machen. Tarin lag für das Gericht ein ausreichender Grund, von einer Tegradation abznseben, auf die unbedingt erkannt worden wäre, wenn sich der Angeklagte noch in letzter Zeit hätte Verfehlungen zu schulden kommen lasten. Tas Gericht hat auch von einer sofortigen Fest- nelnnnng des verheirateten Angeklagten 9lbftanb genommen, weil es seinem ehrenhaften Charakter traut und die Ueberzeugling hegt, daß er alles tun wird, seine früheren Verfehlungen durch gute Führung zu sühnen. Ter Angeklagte erklärte, sich die Entscheidung über die Annahme der Strafe vorbehalten zu wollen.
4% 3 96 396
lCird)e nnö Schirle.
5t 5 I n, 8. März. Die Meldung, nach welcher die Vornahme emer Teilung der Erzdiözesen Köln, die Grenz- anderung der westfalifchen Diözesen Münster und Paderborn sowie dte Wiedererhcbung des Besitztums Mainz zum Erzbistum den Gegenstand reger Verhandlungen bilden soll, ist, wie der „Köln. Ztg." vonzuständiger Seite mitgeteilt wird, vollständig aus der Luft gegriffen.
. 146- . 114.40 . 234 85
Börsen-Wochenbericht.
Tas Interesse der Börse war diele Woche in erster Linie tu Anspruch genommen durch die Erschütterungen an der New- Dörfer Börse. Tort hat sich anscheinend ein Kampf zwischen Eisenbahnmetadoren abaespielt und nachdem das Kursniveau einmal iu eine wendende Richtung gedrängt war, kam es vielfach auch zu Zwangsliguidalioneii. Cb die abwärts gerichtete Bewegung ihr Ende schon erreicht hat, vermag niemand zu sagen. Es ist hauptsächlich die Spekulation von Profession, die gegemvärlrg in Wall- Street tätig ist und den Markt manipuliert und deshalb ist man auch Ueberraschimgen nicht sicher. 9lber eine nachhaltige Verstauung der Börse pflegt gewöhnlich auch auf Handel und Verkehr zu- rückzuwirken und deshalb befürchtet man vielfach, daß auch das Wirtschaftsleben in den Vereinigten Staaten abflauen könnte, wenn nicht bald ein festerer Grundtou an der Newporter Börse §urütf- tehrt. Tie andauernde Anspannung des Geldmarktes muß ja schließlich überall retardierend auf das Geschäftsleben eimvirfen. Zn diiesem Quartal kann nun von einem Bet lasten bc? 6 °/oigcn Bankzinsfußes feine Rebe mehr fein, eine Herabsetzung ber Rate muß also dem nächsten Vierteljahr Vorbehalten bleiben. Tie Ansprüche, bie an den Geldmarkt gestellt weiden, sind immer noch sehr groß, abgesehen davon, daß die Industrie noch wie vor viel Mittel in Einspruch nimmt, summieren sich auch die Bedürfnisse der Städte auf mehrere hundert Millionen. Anleihen mit weniger als 4°/0 Verzinsung können heule nicht mehr aufgenommen werden und selbst bie 4° „igen Titres finden neue langsame Umerkuust. Sind doch die 4%igcit Anleihen verschiedener Städte schon auf den Parikurs zuruekgegangen. Gegenüber den Erschütterungen, die sich in Wall-Street vollzogen haben, blieb unsere Börse noch relativ fest, denn man hofft immer noch, daß man auch über die Gelbkalamitäten schließlich himvegkommen wird. Staatsfonds konnien ihr vor- wöchiges Stmsniücan behaupten; Russen lagen ziemlich fest; man neigte wieder einmal mehr bei Ansicht zu, daß die Tmna sich Mäßigung auferlegen und bemüht sein wird, mit der Regierung zusammen zu arbeiten. Bankaktien schwächten sich mäßig ab. '«Mut dein B o h n e n m ark 1 verloren Baltimore und Chio 2‘, °/0, Pennsylvania 2_°/0, ÜJleütnonal ebensoviel. S ch i t s a t) r t s a k t i e n peinlich fest auf die Erhöhung ber Zivifcheudeckspreise. At ontan« Papiere »erfolgten feine einheitliche Tenbenz. Eontorbta erholten sich..nm 5 °/0, Buderus nm 8%, Cberschlesriche um 2%, während Phönix 3°/o verloren haben; auch andere -Borten er itten mäßige Einbuße. Von anderen I n d u ft r i e p a p i e r e n erholten sich Holzverkohlung auf günstige Alitteiluiigen über die Lage ber Illdiistrie und den Geschäftsgang ber Gesellschaft um 5%, Zellstoff imb Walbhof fliegen ebensoviel, Teutsch-atlaiitische Telegraphen 4°/0, iouft Überwegen aber bie Kursrückgänge. Es verloren Hennmger Brauerei, Eheiuiiche Alanuheim, Lothringer Zement, Tampikorn- brauerei Helbmg, Kunstselbe, Karlsruher' und (Sülmer Maschinen Zwischen 4 imb 6%, Prwaldiskonto 5‘/4 °/0.
4}i0/e rnss.Staatsanl. 190a 4^u0 japan. Staatsanleihe 196 Uonv. Türken von iuu3 'I’ürkenlose.....
Griech. Monopol-Anl. \% äussere Argentinier .
Telefonische Kursberichte
des Giessener Anzeigers, mitgeteilt von der Bank für
ruhig
Berliner Boi«o, 9.
3^°/<
3%
3^°/( 3%
3 %°lc
. 177.10 . 136- . 240.40 . 81..,0 . 154.30
und Industrie, Gipssen. Frankfurter
Schöffengericht Gicsten.
Gießen, 8. März.
Eine „Wundärztin". .
Eine Frau ans Hannover hielt am 21. September 1906 in einer hiesigen Wirtschaft S p r e ch st unde n für Kranke ab, die cm Krampfabern, offenen Beinschäben imb bergt, litten. Ihre Kllnbscha't verschaffte sie sich in der Weise, daß sie zunächst inse- riene, sie komme an einem bestimmten Tage nach Gießen. Ta sie ihren Aufenthaltsort hier nicht näher bezeichnete, sondern nur ihre Adresse in Hannover angab. waren die Leute gezwungen, ihr zunächst nach Hannover, ihiem Wohnsitze, zu schreiben. Von dort ans veranlaßte sie die Lerne, sie auf den von ihr bestimmten Tag nach Gießen zu bestellen. Hier empfing sie dann den Be° juch ber betr. Personen. Durch Strafbefehl würbe sie wegen unberechtigter Führung des Titels „Wundärzlin", wegen Ausübung der Heilkunde im Umherziehen, sowie wegen Feilbieteus von Heil- mitteilt im Ilmherziehen zu einer Geldstrafe von 26 Alk. verurteilt. Atif ihren Einspruch kam es zur Hauptvelhandlimg vor dem Schöffengerichte. Ter Verteidiger der Angeklagten führte ans, der dieser ziigestellie Strafbefehl sei schon wegen Verletzung des § 449 St.-P.-O. nichtig, da er nicht das zur Amvendung gebrachte Strafgesetz enthalte. Weiter habe die Angeklagte sich mit dem Titel .Wundärztin", zu dessen Führling sie gemäß § 29 Gew.-O. ohne Approbation nicht befugt sei, nicht selbst bezeichnet; wenn andere Lelite sie so bezeiclnut hätten, so sei dies ohne Bedeutuiig. Ferner habe sie Heilmittel überhaupt nicht feilgehalten, sondern nur die zur ärztlichen Behandlung erforderlichen Salben selbst unmittelbar verwandt. Auch was die behauptete Uebertreumg des § 56 a Zisf. 1 ber Gew.-O. anlange, sei bie Angeklagte ebenfalls unschuldig. Es sei zwar nur approbierten Aerzten die Ausübung der Heilkunde im Ilmherziehen gestattet. Tie Angeklagte habe aber etwas derartiges überhaupt nicht getan. Tenn dadurch, daß sie die Letike veranlaßte, sie an einen bestimmten Crt zu bestellen, sei ihre Tätigkeit gern. § 55 ber Gew.-O. nicht als „Gewerbebetrieb im Umher- ziehe n" anzusehen. Es ljaiibcle sich hier allerbings um eine Umgebung des Gesetzes, die auch iu anderen Fällen in gleicher Weise ungestraft geübt werde. Bei der gleichen Sachlage ivie hier habe das Landgericht in Stendal imd das preuß. Kammergerichi den Angeklagten freigeiprocbcit. Tas Gericht beschloß die Entscheidung a ii s z u j e tz e n.
Beamienbeleibignng.
Am 11. Juni v. I. mollte der Arbeiter I. W. aus Lohra auf dem Bahnhöfe zu Lollar in einen fast besetzten Eisenbahnwagen einsteigen. Tie bereits auf der Plattfoim stehenden Personen suchten ihn daran zu Hinbern. Als ein Eisenbahnbeamter deswegen eiuschreilen modle, rief ein Arbeiter aus Lohra: „Schmeißt ihn vom Trittbrett, haiit ihm aufs Dach!" Der Angeklagte mürbe megen Beleidigung int Sinne der §§ 185 200
Si.-G.-B. ui eine Geld ft rase von 35 M. ev. 7 Tage Gefängnis verurteilt. Das Gericht hielt eine so hohe Strafe mit Rücksicht auf die öfteren derartigen Vorkommnisse bei der betr. Bahn am Platze.
Strenge Strafbestimmungen.
Tie Polizeiverorbnung beS Großh. Krcisarntes Gießen vorn 10. Mai 1899, betr. Blaßregeln gegen bie Bl a u l - u n d Klaue n° ieuebe, bestimmt, daß Schafherden, die von einem Orte im Kreise Gießen nach einem anbereit verbracht merben sollen, zuvor von dem zuständigen Tierarzt auf das Freisein von Blaul- und Klauenseuche uniersucht werden müssen. Ein Schäfer ans Wieseck, der eine Heerde von 200 Schafen durch Mainzlar int Auftrage fernes Herrn trieb, ohne daß bie Schafe zuvor untersucht worden waren, wurde deshalb zur Anzeige gebracht. Ta er selbst zngab, daß er die in Betracht kommenden Bestimmungen kenne, mußte er verurteilt rneiben. Bei dieien Delikten ist bedauerlicher Weise bie Verhängung einer (Selb- strafe ausgeschlossen. Mit Rücksicht hierauf mußte auf eine Gefängnisstrafe erkannt werden. Der Angeklagte erhielt 3 Tage Gefängnis.
Privatklage Grünewald-Gutmann.
In der Privalklageiache Grünewald-Gutmann wegen Beleidigung scheiterten bie V e r g l e l ch s v e r s u ch e in der gelingen Sitzung. Die Angelegenheit wird daher demnächst zur gerichtlichen Verhandlung kommen.
Gelsenkirchen Beix-w^rk . 208.30 Hamburg:-Amerik. PaketL 148.70 Harpcner Bergwerk. . . 215.60 Lauraliittte...... 234.—
Nordd Llojd . . . . 127.90
Obeischles. Eisen-Industrie 115.50 Berliner Handelsges . . 167.90 Darmstädter Bank . . . '.36.20 241.- 170.70 182 25 154.30 214.10
Ungar. Goldrente » .
Italien. Bente . . . Portugiesen Serie I . Portugiesen „ III
(Molthan/Tr. Schmitt und Uebel): alle anderen Mitglieder des Hauses stimmten gegen den Ausschußantrag und für die Bewilligung des Staatsznfchtiffes. .
Beim Lan b wirts chafts-Etat pries Aba. Brauer Herrn v. Pobbielski. Es erfolgte auf feine Ausführungen keine Antwort.
Wie die Negiermtg erklärte, gedenkt sie den l o s t ait p o 111:i - ,-chen Kurs weilerzusteuern. 9115 einziges Kapitel des Etats des Fnnern blieb heute die Gewerbeanfficht übrig, die man auf Antrag Bähr zurückstellte, da hierzu seitens seiner Freunde em Antrag beabsichtigt werde. Man will nämlich die Vergütung für bie neuen fünf Hülfsbeamten aus dem Arbeiterstaube streichen. Hoffen mir, nicht nur im Interesse einer gesunben Arbeitervolltik, sondern auch im Hinblick auf eine glatte Erledigung des Budgets, daß es bei Dein sozialen Fortschritt bleibt, den diese Etatsposition darstellt.
Um so lobenswerter war bie Kritik an unserem Genbar- erlernet en. Der Abg. Ulrich hatte von vornherein (am Mittwoch» gesagt, baß es sich bei den von ihm verlesenen Distrikts befehlen, in denen zu vermehrten Anzeigen aufge'orbert wurde, mit Verfügungen aus den Jahren 1893)95 handelte. Abg. Bähr erklärte, beweisen zu können, daß auch heute noch die Gendarmen in der bezeichneten flirt angeregt würden.
Im Llcbrigen brachte bie Debatte über den Etat des Mi- lnisteriums des Innern manches Interessante. So den Protest bes Zentrumsabg. Horn gegen die Umwandlung der K o n fe s s i o n s° sch u l e zu S e l i g en st a d t in eine simultane Volksschule, (üi-rübcr luirb sich das Haus zu einem späteren Termin noch zu unterhalten haben. Hoffentlich fand sich bann bie Blehrheu der Kammer und die Regierung darin einig, daß auch für hie Zukunft mijcrcr Volksschule der simultane Eharalter als vornehmster Weienszug bleibt, zu Nutz und Frommen einer friedlichen Eintracht der Koincstioucn un Lande. Erfreulich ist der Beschluß der ^Kammer, eine Hute r st ü tz u n g bei) ii r f t i g e r G e m e i n be n 8 u 4b a j i e r l e 11 u n g 51 o ft e n zu sichern ; insbesondere un Iuterege der ärmeren Gemeinden des Vogelsbergs und Odeu- >walds.
Dermifd)te»«
. * Der ne u e ft e Eisenbahnunfall. Am 8. März suhr aus der Wannfeebahn eine vorzeitig ausfahrende Loko- mottve einem von Wannsee kommenden Zuge, vor der Einfahrt in den Wannseebahnhof am Potsdamerplatz in Berlin, in die Flanke. Beide Lokomotiven wurden erheblich beschädigt Ver- letzt wurde niemand. Die Strecke ist gesperrt. Der Verkehr wird durch den Fernbahnhof am Potsdamerplatz aufrecht erhalten.
, r e V i Vr?’ März. .In der heutigen Vormittagsziehung der Zgl Preußischen Klassenlotterie fielen 20000 Mk auf 9h:. 113 820, 10 000 Mk. auf Nr. 131594, 5000 Mk. auf Nr. 158 061, 173 245, 251444, 3000 Mk. auf Nr 31023 228 641 In der Nachl-Utagsziehung fielen 15 000 Mk. auf Nr' 272 o09, 3000 Mk. aut Nr. 16 879, 42 935, 256 195
Märkte.
Gießen, 9. März. Marktbericht. Ans heutigem Wocheninaikte kosteten: Butterpr. Pfd. 0.95—1.00 Mk., Hühnereier 1 St. 7-8 Vfg., 2 etef. 00—00 Pfg., Gänseeier 00—00 Psg., Enteneier 0 Pfq., Baje pv. Stck. 6—8 Pf., Kasematte 2Slck. 5-6 Pfg., Erbsen p. Pfd. 18-24Pfg . Linsen p. Psd.25-40Psg., Tauben pr.Pr.0,80-l,00Mk., Hühnerpr.Sl. 1,00—1,60 Bik., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enien pr. Stück l\80712'?2 yiL' Ganse pr. Pfd. 00-00 Pfg., Ochsensleisch pr. Pfd. 82—88 Pfg., Kuh- und Niudsleisch pr. Pfund 80—82 Pfg., Schweim- lleifcl) pr. Pfund 80—84 Pfg., Schwemeslelsch, gefalzen, pr. Pfund 88 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 80—84 Psg., pammelsleisch pr. Pfund 61—84 Pfg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 7,00—0,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 5,00—6,00 Blk., Blilch per Liter 20 Pfg., Aepiel per Zentner 20 bis 25 Blk., in Körben 00 Pid., 'Nüsse 100 Stück 50—00 Pfg., Birnen per Pfd. Blk. 0.20—0.25, per Ztr. 9—15 Blk., Weißkraut per Stück 15-30 Pfg., per Zentner Blk. 0.00-0.00. - Blarklzeit 8-2 Uhr.
le. Frankfurt a. Bl., 8. 'März. H e u- u n d Stroh, markt. Blau notierte: Heu Blk. 3.00 bis 3.40, Stroh Blk. 3.00 bi- Mk. 3.10. Tendenz fest.
sä. Darmstadt, 8. März.
Ente Verhandlung gegen einen Soldateuschinder, mie sie, Gott sei Tank, seilen sind, begann gestern am hiesigen Kriegsgericht. Im vorigen Fahre i|t durch einen abgegangenen Kanonier eine Anzeige bei dem Feld-Artillerie Regiment Nr. '25 m Xannfiabt emgelauien, nach der sich der Wachimeister I. H leyerzapf von ber zweiten Batterie grobe Solbatenmißhand- lungcn zu fchulben habe kommen lassen. Tie alsbald angeitellteuvlach- iorschungen und Uuierfuchungeu haben ergeben, daß die Anzeige au' Wahrheit beruht und die Blißhaublimgen eine Ausdehnung angenommen hatten, wie sie sehr selten vorkommen dürften. Schon seit Jahren hat ber frühere Unteroisizier und jegige Wachtmeiuer Leyerzapi feine Untergebenen in der hartherziguen und rückfichts- loielten Weife drangsaliert, obwohl ihm von feinem Batterieche' das beste Zeugnis ausgestellt wirb. Die Ermittelungen ergaben bau schon fett dem Jahre 1898 derartige Mißhandlungen uortamen ohne, bay jemals einer ber Gequälten es gewagt hätte, eine 2tn- Scige zu machen. Einzelne Zeugen sagen aus, baß Leyerzapf sie gehauen habe, wo er fie gerade 'and. Er benutzte dabei befonbers etode, Klopipeiticheii, Stiesel, Säbel oder was ihm sonst geeignet idjien. Einem warf er den Helm nach, so daß biefer tu Stucke ging. Einzelne schlug er mit der Klopfpeitsche so, daß sie bluteten. Er ließ fie unverantwortlich lang an den Stangen hangen ließ sie' außcroröentlicl) lang nut tDenfeltriigcn in den auSgestiellten Armen m ber Kniebeuge sitzen, aber bie Krone setzte er ‘|emem Gebaren sedenialls dadurch auf, daß er in zahlreichen Fällen den Leuten bei dem Appell derart die Brustwarze drückte, daß sie blutete Dei lieiifd) muß bie reine Wollust gehabt haben, bie Leute zu quälen baju m dieser barbariichen Art und Weise. 68 Biann aus beu verschiedeuen Jahrgängen machten heule ihre meist für ben Angeklagten sehr belastenden Aussagen. Leyerzapf erklärt am ben ihm gemachten Vorhalt, baß er die Leute nicht quälen, sondern ihnen nur eme bessere Ausbilbung beibringen wollte. Bis zum ^d)HUU,nÖC5 jungen Verhandlungstages hat der Vcrhaudlnngsleiter ca. 1000 einzelne uaIle von Blißhandtungen uub vorfchilstLividrigeii Behandlnngen leftgcficllt, da jedoch immer noch manche Leute inu ber Aussage zilitickhalteu, oder ber schon längere Zeit zurückllegen- ben Bilßhanbllmgen sich nicht mehr genau erinnern, fonnen es and) mehrere tausend Fälle sein, deren sich L. schuldig gemacht hat' die aber lange nicht alle unter Anklage stehen. '
^.as am Freitag abend um Uh. verkündete Urteil, beffeu Jetainiig und Feststellung volle vier etunbeu in Anspruch nahm
Vi“' ÖnU Angetlagie ivegen Blißhanblnng Untergebener in 647 Italien, wegen vor,chrlslsividriger Behandlung in 19« Fallen wegen Jnmaßimg einer Beiehlsbefiigms m 80 Fällen imb wegen ic.cibijpmi ui b pallen zu einer Gefamtstrafe von 1 Jahr Ge- angiiw vermteilt wird. Von 306 Fällen und einer Anzahl weiterer -Uu.eklagte sreigesprochen. Tas Gericht hat ,l ,nc'1 OüU eingehend an der Hand der Auflage geprüft i. erachtet ne vorerwähnte Zahl ben Straftaten als lefiacucllt ..u» »U LÄ
» , w,e Kampfsti,umung kam am Freitag zum Durch- Druch über den vom Ausschuß gestrichenen Siaatszuschuß für die Ji o k er e i s ch ule in L au t e r b a ch. Tie Baueriibündler elnc!) ^tatsposiiion. Tas mußte immerhin au fallcnb f«n, jumal SDImiftcr »raun sich darauf berufen tonnte, » n " l rt, ch a , 11 > ch e P r o v i n z t g l p e r e i n für über l) elf en ben ^taatszuschuß als im Interesse ber Lanbivnt- ;1chast liegend für b e g „ n d e t erachtet hatte! Abg. Tr. peidcn- retch inetnte, daß sich die Cppoiition gegen ben Zuschuß nur ui B7\ÜntlÄm^LCn-tn,,C- r ?u0?cc Vertreter' Lauterbachs, 6tople stellte ne präge, ob bei der jüngsten Reichstagswah in einer Ber a.n.nluug m Lanierbach nicht t on jener Seite geb;ot t würbe, bie Molkerei,chule Lauterbach wegz.inehmen, wenn nicht fBmbcwalb gewählt werbe. Von ben Bänlen bes Bauern' erscholl daraus etn starkes Gelächter, inbeifen fanden bie Bauern-
bleiben, was besser einmal erörtert werben sollte; em etwaiger iBlißmut hierüber barf aber nicht so weit gehen, irgend einer Seile einen Vorwurf zu machen, wie bas am Donnerstag ber Abgeorb. Bähr der Regierung gegenüber versuchte. Diesem, in wenig kon» Zilianter Form er'olgteii Vorstoß gegenüber beschränkte sich Finanz- rnimster Tr. G n a tr t h auf den Hmiveis, daß das Budget nicht später an das Haus gekommen ist, als in früheren Jahren, und auch nicht später, als es in anderen Bundesstaaten nut einjährigen iSJubaetperioben ber Fall zu sein pflegt. Schon die Erumerung an bie Neichstagswahlkampagne kann doch eine genügende Erklärung abgeben für bie Zwangssituation, in der sich fetzt bie Landstände befinden. Hier muß sich eben das Vertrauen m das Pflicht- ?efühl beivähreu! Für beu so ungemein wichtigen Nachtragsetat Aufbesserung ber I a h re s g e h ä 11 er, W ohuungs- geldzuschuß iür dieSlaalsbeamteu — und Besettigimg der D es i z i t w irt f d) af t!) soll eine genügenbe Beratungszeil freigemachi werben, um schließlich das ganze Budget rechtzeitig isertigsiellen zu können. Und es muß anerkannt werben, baß dieser Wunsch aus allen Setten des Hauses obwaltet.
Aus dieser beschleunigten Beratung kann aber noch manche gute Lehre gefolgert werden. Man denke nur an bie Erörterung bes Kreisvermessungswesens, bie fast die ganze Donnerstags-Sitziing in Anspruch nahm. Nicht, daß diese Debatte an fiel; zivecklos gemefen wäre. Im Gegenteil! Aber schließlich Mußte mau auf ben beiden streitenden Seiten bekennen, daß die iFrage als solche das Bnbget nicht heute tangieren mußte, und so verwies man sämtliche Anträge zu dieser 'Dinierte an den Finanz- ausjchuß.
StaatsmiMer Ew^ld auf eine Anfrage des W Leun, ,bte Regierung halte es für das zweckmamgfte, wenn die Anlag-. der Gnlndbücher vor Ausführung der Feldbereinmung erfolge.
Tie Abgg. Leun, Bähr und Dr. Weber bringen Eln- ,Wendungen dagegen vor. . . „
Für Aufforstung von Gemeindewüftungen und Melioration von .
Hutweidcn rm Vogelsberg
werden 7300 M k. bewilligt. Beim Titel: Beitrage an bedürftige Gemeinden zu den Kosten für Wasserleitungen und zu wasserwirtschaftlichen Meliorationen wird der Antrag Weber und Breimer mitberaten, wiederum den Betrag von 60000 Mk. einzustellen. Ter Finanzausschuß tot beit Antrag eingehend geprüft und beantragt: „Die Großh. Negierung zu ersuchen, bei d?r Brandversicherungskammer einen Fonds zu schaffen, dem die Mittel zu Beiträgen bedürftiger Gemeinden zu Wasserleitungskosten entnommen werden könnten, und damtt den Antrag Dr. Weber und Breimer für erledigt zu ertiaren. Das Laus stimmt dem zu, nachdem Abg. Dr. Weber für die Gewährung der Mittel seinen Tank ausgesyrochm und fich aiich die Abgg. Korell und Leun zur Sacto geäußert haben. H-ur Regulierung von Bächen und nicht schisibaren muiwn, sowie zu Ufer bauten an der Nahe werden 3240 Mk., für Forderung und Schutz des Weinbaues 1. zur Bekämpfung der Neblausgcsahr 45 000 Mk., 2. zur Hebung des Kieinwinzer- tzandes in Hessen 2000 Mk. und 3. zur Bekämpfung des Deu- iini> Sauerwurms 1000 Mk. bewilligt. Hierbei sucht
Minister Braun um die Genehmigung nach, die luuu «Mark auch für Bekämpfung der Reblaus verwenden zu dürfen. , Abg. Wolf spricht sich für Verminderung re,p. Milderung der Maßregeln zur Bekämpfung der Reblausschäden aiis.
Gegen die anderweitige Verwendung der 1000 jjcl wirb lein Widerspruch erhoben und das Kapitel g e n e hmrgt. ^.ann /werden zur Förderung des O b st - und G e m ü, e b a u es 14040 Mark, zur Förderung der P f e r d e z u ch t, Einnahme 29 030 Mt., Ausgabe lo7 365 Mk. (LandesgestüD, für sonstige ,Forderung der Pferdezucht 23 800 Mk. für Nindvichzucht 87 470 Mk., für Schweinezucht 12 080 Mk., für Ziegenz u ch t >620 Mk., für Geflügelzucht 4950 Mk., für Fischzucht toOO Mk., f ur Bienenzucht 2300 Mk. und für Bodenkultur 3130 Mk. bewilligt.
Beim Allgemeinen Titel, Viehzucht, führt .
z Abg. Stauer aus, die Preise für Schweine seien ■ftuf dem Lande auf 36—38 Mk. Lebendgeivicht, alfo aus 50 Mk. sSchlachtgewicht zurückgegangen. Tie deutsche Landwirlichmt, habe /gezeigt, diß sie den gesamten VcÄirf an Schweinen aufzubrmgen vermag und von einer „F l e i s ch n o t" k e i n e R e d e icm iptine. Tas konnte aber nur erzielt werden, weil die Grenze geschloffen gehalten wurde, wofür man dem früheren Minister v. Podbielsu dankbar sein müsse. Jetzt sei drs Laird scuchensrei.
x lAbg. Tr. Heidenreich hebt hervor, daß das -Schweinefleisch trotz der niedrigen Schlachtviehpreise nochimmersehr hoch bezahlt werden müsse. . ,
Zur Förderung sonstiger Zweige der Land- 'wirtschaft werden dann noch 7100 Mt., für Schlachtviehversicherung 16 000 Mk. bewilligt. Für Bergbau werden twch 19 4000 Mark, für Knnststraßenwesen 1 224 200 Mk., für Handelskammern 21130 Mk., für Förderung des kaufmännischen FortbildungK- .Unterrichts 12 GW Mk. und weiter als Beitrag für die Handelslehranstalt in Mirinz 3500 Mk., für die Handwerkskammer 6000 Mark, für .Handwerkergenossenschaften 1500 Mk., für Gewerbeaussicht 71 700 Mk., für Tampikesselprüfung, Einnahme und -Ausgabe 46 000 Mk., für Eichwesen 113 000 Mk., Ausgabe 18 680 Mark, für die Zentralstelle für die Gewerbe und den Landesgewerbeverein, Einnahme 45 900 Mk., Ausgabe 53 400 Mk., für die chemische Prüfungsstation in Darmstadt, Einnahme 4800 Mk., Ausgabe 16 615 Mk., für Gewerbliche Unterrichlsanstalten 203 610 Mark, für Kunstgewerbliche und gewerbliche Zwecke 16 000 Mk. ,bewilligt.
Damit ist der Etat des Ministeriums des Innern erledigt. / Präsident Haas will nun für den Nachmittag eine neue iSitzung anberaumen, dsi sich aber die Mehrheit dagegen erklärt, wird die nächste Sitzung auf Dienstag vormittag anberaumt. *
/ Don anderer Seite schreibt man uns au5 Darmstadt 8. März:
! Tie Bndgetberatung schreitet in erfreulicher Weife fort. Das Tempo in der Erledigung der einzelnen Abschnitte und Kapitel des Etats ist überraschend. Aiag auch dabei so mancherlei ungeiant
97.20 Klektriz. Lnlnneyer
25.2‘J Elektriz. Schlickert


