mcnccauS. Die nf SBo^c dürfte somit neue Vorfälle dringen. / _ r . . _ .
o^9el-c •gleurg bei der Kriegs- «chule St Cu/singen zwei Korporale und ein Soldat dc§ iRegiments schwere Ausschreitungen gegen Zivilisten ©ic/^an^c^cn Ausländer vor einem Restaurant, braunen ins T na$ "nd konnten nur mit Mühe entfernt werben 2(u/^ut zertrümmerten sie ein außen stehendes Automobi? / Bastes, worauf sich ein heftiger Kampf mit < Gendarmen verhafteten die Uebcttätcr.
S sa/O* Juni. Es ist noch'nicht bestimmt, wie lange die Ment/oo:n 17. Infanterie-Regiment hier ver- bteiben /CIL Die meisten von ihnen haben am 12. Juli ihre al/Dienstzeit beendet und müßten dann zur Ent- laffun/mmen*
ofntpellier, 29. Juni. Marcellin Albert erhält nack/gesetzt zahlreiche Briefe, in denen er zu seiner Haltung bea/wünscht wird.
«eziers, 30. Juni. Auch die heute zur Vornahme der ^nizipalwahlen zusammenberufenen Wähler leisteten ^Aufforderung keine Folge. Die Wahllokale mußten /chloffen werden. Der erste Wahlgang war ungültig. Es /darf einer neuen, die Wähler zujammenberufenden 53er* rdnung.
/ 34. GauLurnfeft des Turngaues Hessen.
— Bad-Nauheim, 1. Juli.
Unsere schmucke hessische Badestadt hat sich in diesen Tagen in ihr schönstes Festkleid gehüllt; zahlreiche Fahnen in den deutschen und hessischen Farben verkünden Fremden und Einheimischen, daß hier ein deutsches Volksfest gefeiert wird, nämlich das Turnfest des Gaues Hessen. Ter zweitgrößte Gau des mittelrheinischen Turngaues, der außer hem größten Teil von Oberhessen die preußischen Kreise Wetzlar, Marburg, Kirchhain und Frankenberg umfaßt, hatte zu diesem seinem 34. Feste ganz besondere Anstrengungen gemacht, galt es doch, dem internationalen Bade- jpublikum zu zeigen, wie tief diese, eine Stütze des deutschen Volkstums, die deutsche Turnerei, in die Herzen der Bevölkerung eingedrungen ist. Schon atu Samstag waren zahlreiche Turner hierher gekommen und am folgenden Sonntag vormittag folgten ihnen viele hunderte nach und es mögen im Ganzen wohl gegen .2000 Turner, also etwa ein Viertel der Gau angehörig en am Fest- svmitag hier geweilt haben. Ueberall sah man zwischen den eleganten Toiletten des Badepublikums die einfachen Tarnjacken austauchen, denn erfreulicherweise 'macht sich in der Kleidung hei unseren Turnern die Rückkehr zur früheren Einfachheit zum Wichten grauweißen Leinenrock bemerkbar.
- Auf dem schön gelegenen und äußerst zweckmäßig eingerichteten fFestplatz versammelten sich am Samstag abend die Nauheimer !mit den bereits amvesckuden Turnern zum Eröffnu ngs- 'kommers, der schön und ohne Mißton verlief. Konzert, turne* rische Darbietungen des festgebenden Vereins und Gesangsvorträge der vereinigten Männerchore Bad-Nauheims unterhielten die Festbesucher bis in die späte Nacht hinein.
Am Fesksonntag begann das festliche Treiben schon sehr früh, denn um 6 Uhr durchzog die Festmusik die fonft um diese Zeit .noch stillen Straßen der Stadt, um zu wecken. Um 10 Uhr versammelten sich die Kampfrichter zu einer Sitzung in der Turnhalle arud eine Stunde später stieg auf dem Festplatz ein feuchtfröhliches Frühschoppenkonzert — leider in doppelter Hinsicht feucht, berut offenbar wollte Petrus einmal sehen, ob sich deutsche Turner vor einem bischen Regen fürchten würden. Sie taten ihm aber den Gefallen nicht, trotzdem aus dem „bischen" alsbald ein „viel" wurde. Denn trotz dem bindfadenartigen Landregen versammelten sich um IV2 Uhr die Turner in der oberen Parkallee zum Festzug und auch die Nauheimer Vereine beteiligten sich recht lebhaft daran, teilweise iji recht hübschen Gruppierungen. Auch Ehren- und Festausschuß, sowie der Stadtvorstand nahmen an bem Umzug teil, der trotz der ungünstigen Witterung in bester Ordnung verlief. Die Zahl der im Festzug marschierenden Turner belief sich nach genauer Zählung auf 1117, während es beim vorhergehenden Fest nur 560 waren.
Nachdem der Zug auf dem Festplatz angekommen war, begrüßte der Sprecher des Turnvereins Bad-Nauheim, Herr Rosenthal, die Festgäste, indem er ihnen ein herzliches Gut Heil zurief. Im Namen der Stadt Bad-Nauheim begrüßte dann Oberbürgermeister Dr. Kayser die Turner, zugleich den Dank der Stadt für die .Wahl Bad-Nauheims als Festort übermittelnd. Sein Gut Heil -galt dem Gau Hessen. Den Dank an die Stadt und ihre Einwohner- schast für die treffliche Herrichtung des Festes und dem herzlichen Empfang übermittelte Gauvertreter Stadtv. Helm von Gießen. Nachdem er sich noch über die Ziele und Ausgaben der deutschen Turnerschast in kurzen kernigen Worten ausgesprochen hatte, schloß er mit einem Gut Heil auf bie deutsche Turnerschaft. Die Festrede, die hierauf Oberlehrer Dr. Strecker hielt, hätte es um ihres gedankenreichen Inhalts willen verdient, von so vielen lausenden gehört zu werden, ats es hier hunderte waren. Sein Gedankengang wich von den landläufigen Festreden ab, wenn er ihnen auch ein gebräuchliches Leitmotiv unterlegte, den Turner - wahlspruch „Frisch, fromm, froh, frei". Er feierte die deutsche Turnerschast als die treue Trägerin der deutschen Ideale: Freiheit, Vaterlandsliebe und Pflichterfüllung. In das von ihm auf das deutsche Volk und Vaterland sowie Kaiser und Großherzog' ausgebrachte Hoch stimmte die Festversammlung begeistert ein.
Dann gab es eine längere, durch den niedergehenden Regen bedingte Pause. Aber kaum war es von oben her ein wenig trocken, so eilten die wackeren Turner zum Turnplatz, um mit der turnerischen Festarbeit zu beginnen. Unter Leitung des Gauturnwarts, Turn- und Tanzlehrer .W i l l - Gießen, erfolgte zunächst ein schneidiger Aufmarsch, der vorzüglich klappte. Die sich anschließenden, von über 400 Turnern ausgeführten Eisenstab - Übungen rissen die Zuschauer zu lebhaftem Beifall hin Und waren auch vom fachmännischen Standpunkt aus mit uneinge- slchränktem Lob zu beurteilen.
Dann begann das Vereinswetturnen, zu dem sich 47 Riegen, eine im Gan bis jetzt noch nicht erreichte Zahl, angemeldet hatten und es spricht für den Geist der Turner des Gaues, daß trütz aller widrigen Umstände hiervon 42 antraten und turnten. Tas Turnen ging in 3 Abteilungen vor sich und jede'Riege hatte eine selbstgewählte Gruppe am Gerät und eine vom Turnausschuß bestimmte Gruppe Stabübungen vorzuführen. Geturnt wurde vornehmlich Barren, das für solche Gelegenheiten bequemste und sicherste Gerät, aber auch Reck, Seiten- und Längspferd waren häufig vertreten. Vereinzelt sah 'man dann noch Langstab- übungen, Keulenschwingen und Hebungen an 2 Böcken, während das frohe Turnspiel kam durch eine Faustball-Vorführung des Akad. Turnvereins Marburg zur Geltung kam. Besonders erfreulich war die lebhafte Beteiligung von Zöglingsriegen. Im allgemeinen wurde recht erfreuliches geleistet, denn von den 42 Riegen er- biettcn folgende 41 Auszeichnungen (Ehrenurkunde und Eicken- rranz):
1. ffl a b Nauheim, Tv., Barren, 35 Punkte,
2. Alsfeld, Tv., Barren, 32,70,
3. Wetzlar, To., Reck, 32,64,
4. Gießen, Tv., Barren, 32,51,
0. Schotten, Tv., Neck, 32,38,
6. Kirchhain, Tv., Keulenschwingen, 32,33,
7. Treis a. d. Lumda, Tv., Barren, 32,10,
8. Schlitz, Tv., Reck, 31,81,
9. Wetzlar, Tv., Barren, 31,73,
10. Grünberg, Tv., Barren, 31.72,
11. Gießen. M. - T v.. Barren, 31,58,
12. Wetzlarr-Nieder-Girnres, Barren, 31,21,
13. Nidda, Tv., Barren, 29.52,
14. Großen-Buseck, Tv., Barren. 29,49,
15. Ober-Mörlen, Tv., Neck, 29,34,
16. Raun Helm, Tv., Barren, 28,86,
17. Marburg, Tv., Barren, 28,68,
18. Nieder-Weifel, Tv., Barren, 28,53,
19. Griedel, Tv. „Frisch-Aus", Barren, 28,51,
20. Marburg, Akad. Tv., Neck, 28,51,
21. Lauterbach, Tv., Seitenpserd, 28,03,
22. Daubringen, Tv» (Zöglinge), Seitenpserd, 28,03,
23. Oder-Mörlen, Tv., Seitenpferd, 27,96,
24. Gießen, M t v., Seitenpferd, 27,90,
25. Steinberg, Tv. „Gut Heil", Barren, 27,79,
26. Ufingen, Tgm. (Zöglinge), 27,78,
27. Bad-Nauheim, Tv. (Zöglinge), Langstabe, 27,73,
28. Marburg, Tgm., Barren, 27,43,
29. Nieder-Weisel, Tv. (Zöglinge), Pferd, 27,34,
30. Friedberg, Tv. tZöglinge), 26,7^,
31. Lieh, Tv., Barren, 26,59,
32. Großen-Linden Tv. (Zöglinge), 26,36,
33. Annerod, Tv. (Zöalinge), Barren 25,95,
34. Lang-Göns, Tv., Barren, 25,80,
35. Gantbach, Tv., Barren, 25,46,
36. Gießen, Tv. (Zöglinge), zwei Böcke, 25,39,
37. Annerod. Tv., Reck) 25,36,
38. Nieder-Mörlen, Tv., Barren, 25,13,
39. Muschenheim, Tv., Seitenpserd^ 25,04,
40. Münzenberg, Tv., Barren, 24,95,
Außerdem erhielt für seine Spielriege der Ak. Tv. Marburg eine Urkunde mit der Beurteilung „recht gut".
Das vorgesehene Turner der geübteren Turner und das gemeinsame Keulenschwingen mußte zeitmangels halber aussallen. Auf dem Festplatz herrschte am Nachmittag und Abend ein frohbewegtes Treiben, wozu namentlich das treffliche Konzert des hesfischen Garde-Jnfanterie-Regiments viel beitrug.
Am heutigen Montag findet vor allem das Einzelwetturnen statt, zu dem über 200 Anmeldungen vorliegen.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 1. Juli.
** Ordentliche Sitzung des Provinzialtages der Provinz Oberhessen. Qu Beginn der Sitzung am Samstag gedachte der Vorsitzende, Geheiincrat Provinzialdirektor Dr. Breidert, des im verflossenen Jahre verstorbenen Mitgliedes des Provinzialtages, Geh. Kommerzienrats Bnderus, sowie des verstorbenen Direktors der Siechenanstalt Dr. Markwald, zu deren Ehren sich die Anwesenden von den Sitzen erheben. In die Tagesordnung eintretend, erläuterte der Vorsitzende alsdann die Anträge des Provinzial- Ausfchiisses über die Getvährung einer Gabe von 20 000 Mk. an die Lan d esnniv crsität anläßlich der Feier ihres 300jährigen Bestehens, sowie über den Entwurf von Grundsätzen bezüglich der Anstellung der Provinzialbeamten. Beide Anträge fanden die Genehniigung des Provinzialtages. Ebenso wurde der Entwurf des Voranschlages der Provinzialkaffe für 1907 genehmigt. Bei Beratung hierüber wurde beschlossen, bem Hess. Verein für Heimatpflege und dein Altertums ve re in in Büdingen mit je 100 Mk. Jahresbeitrag als Mitglied beizutreten. Schließlich wurden noch eine Reihe von Wahlen vorgcnotnlnen und zwar wurden dnrch Zuruf wiedergetvählt: Mühlenbesitzer Falck-Friedberg als Mitglied, Oekonomierat Schlenke-Friedberg als Ersatzmitglied der Landestornmission für Feldbereinigung; Oekonomierat Schlenke-Friedberg als AUtglied, Major a. D. Freiherr Röder v. Diersburg-Gießen als Ersatzmitglied der verstärkten Oberersatzkommission; Mühlen- besitzer Falck-Iriedbcrg, Justizrat Dr. Gntsieisch-Gießen, Geh. Justizrat Dr. Schäfer-Gießen und Bürgermeister Stöpler- Lanterbach als Mitglieder, Kommerzienrat Georgi-Gießen und Konunerzienrat Heyligenstaedt-Gießen als Ersatzmitglieder des ProvinzialauSschnsscs. Hierauf schloß der Vorsitzende mit Worten des Dankes die Sitzling. Im Anschluß an diese fand eine Besichtigung des alten Schlosses am Kanzleiberg und ein gemeinschaftliches Essen im Hotel »Großherzog von Hessen" statt.
* * Silberne Hochzeit feiern morgen, 2. Juli, Bahnsteigschaffner Emil Günther und feine Ehefrau, geborene Herrmann.
* * Das heutige Konzert im Neuen Saalbau wird, da die Regiments-Nlnsik verhindert ist, von der vom letzten Sommer noch in guter Erinnerung stehenden Kapelle des Pionier-Batl. Nr. 21 aus Mainz ausgeführt werden, woraus wir Hinweisen.
* * Uhrnepper. Beim Verkauf minderwertiger Uhren wurde ge|tern ein Fremder abgefaßt. Da es sich um den berühmten Trick handelt, minderwertige Uhren als silberne an den Mann zu bringen, wurde der Mann verhaftet.
* * Wegen Trunkenheit und Obdachlosigkeit rourben in verstoßener Nacht vier Personen in Polizeihaft gebracht.
• • Ueber fahren: In der Nacht vom Samstag auf Sonntag gegen l1/2 Uhr wurde auf den Schienen am Loko- inotivschnppen der M. W. Bahn ein Fremder gcfimben, dem der linke Unterschenkel abgefahren war. Er nennt sich Franz Sabiniewicz aus Sainbar und hatte Fahrkarte nach Cassel. Er war vorher im Wartesaal des Bahnhofes und auf welche Weise er an die entlegene Stelle unter die Schienen gekommen ist, bedarf noch weiterer Allfklärnng.
* * Selbstmord. Gestern Nachnuttag.erschoß sich im Eisenbahnzuge zwischen Dutenhofen und hier der Zementfabrikant Karl Gerhardt aus Fernborf, Kreis Siegen. Die Leiche würbe nach bem neuen Friedhof gebracht. Gerhardt war seit einigen Tagen besuchsweise hier in Gießen, er war hochgradig nervös und hat die Tat im Anfall geistiger Störung ansgesührt.
** Siegreiche Ruderer. Aus der gestrigen Emser R e g a 11 la siegte die Gießener Rude r g e l e l l schäft von 18 7 7 gegen den Ruderverein Ems im Emser Oluellenpreis mit einer Lange Vorsprung.
** Zu dem schweren Unwetter von Freitag abend fei noch bemerkt: Die Gewitter die mit heftigem Hagel schlag verbunden waren, haben in vielen Teilen Obcrhcffens beträchtlichen Schaben angerichtet. Ganz besvnbers gilt dies von den Nachbarorten Lang-Göns, Watzenborn- Steinberg, Leihgestern, Hausen bis nach Garbcn- teich hin. Aus vielen Fluren ist bas Getreide wie Häcksel zerschlagen, fobaß es verfüttert werben niuß. Mehrere Obstbäume würben vom Stiirm abgebrochen ober schiver beschädigt.
den Waldungen bei Nieder-Bcssingen, Ettingshausen und Hattenrod wurden Aäiime zerstört. Bei Lang-Göns waren die Wiesen mit einer 2 cm dicken Schicht Hagelkörner bedeckt, es sah aus, als läge Schnee. Die Gewitter und ber Hagelschlag zog bis ziirn Vogelsberg, bie Arbeiten am BisrnarckLturm auf bem Taufstein mußten stundenlang eingestellt werden, jo heftig wütete dort das
Unwetter. In unseren Nachbarorten kam das Wetter ganz plötzlich, als Leute und Gespanne auf bem gelbe an der Heuernte waren. Die Tiere wurden unruhig, dem Landwirt Brückel ging fein Gespann durch, er fiel vom Wagen und brach das Bein. Zum Glück zog bas llmvetter nur strichweise, sodaß nur wenige Orte betroffen worden sind. Gießen und bie nächsten Orte blieben verschont. Das Hagelwetter erinnert an bas letzte furchtbare Hagelwetter, bas Mitte der 80 er Jahre über Gießen und Umgegend stundenlang wütete iind damals enormen Schaden verursachte.
△ Steinbach (Kr. Gießen), 1. Juli- Heute nacht um etwa 1 Uhr brach hier im Oberdorf Feuer aus, das in kurzer Zeit die Scheuern und Nebengebäude der Hofraiten von Land- und Gastwirt Karl Gerhard IV., Landwirt Heinrich Ludw. Horn II. und Landwirt Hch. H a a s XI. vernichtete. Das Vieh konnte gerettet werden. Dank dem Umstand, daß die der Brandstelle gegenüber wohnenden Wasserleitungsarbeiter den Brand bald bemerkten und bekämpften, sowie dem tatkräftigen Vorgehen unserer Feuerwehr wurde eine weitere Ausdehnung des Feuer verhindert. Von auswärts kamen die Feuerwehren von Lich, Albach, Garbenteich, Hausen und Annerod der hiesigen Wehr zu Hilfe.
X Butzbach, 29. Juni. Der Forstmeister Friedr. Schaum pert nms München starb heute früh gegen 10 Uhr an einem Herzschlag in einer Automobildroschke vor den Toren unserer Stadt, als man en sehr schwer herzkranken Herrn von Bad-^ Nauheim nach Friedrichshütte bet Laubach zu Verwandten bringen^ wollte. Gattin und Schwägerin befanden sich in seiner Begleitung., -ö- La^ubach, 30. Juni. Heute nachmittag wurde dahier im Hotel „Solmser Hof" durch das Vorstandsmitglied der Land- wirlschaftskammer K ö h l er-L an g s d0 rf und in derer Auftrag der erste Bezirksausschuß tm Großherzogtum Hessen auf Grund des Gesetzes vom 16. Mai 1906 konstituiert. Als Vorsitzender wurde gewählt Bürgermeister und Landwirtschaftskamnter- mitglied Vie hl zu Rainrod bei Schotten, als dessen Stellvertreter Bürgermeister Jochem zu Laubach.
§ Alsfeld, 30. Juni. Wie uns nutgeteilt wird, wird der mit Unterstützung des Landwirtschastskammer-AuSschusses für Oberhessin am 10. Juli in AlSseld zur Durchführung kommende Zuchtviehmarkt sehr umfangreich beschickt luerben. Aus den Reinzuchten der Kreise AlSseld und Lauterbach sind bis jetzt zum Auftrieb auf den Markt angemeldet: 70 Simmentaler Bullen, 40 Simmentaler Kühe und Kalbinnen, 40 Eber und Eberferkel, sowie 20 Sauen und Sanferkel ber weißen Ebelschweinrasse, 8 ältere und 60 jüngere Ziegenböcke und 20 Milchziegen und 40 Ziegenlämmer der weißen hornlosen Saanenrasse. Sämtliche am Markt zugelassenen Tiere sind vorbesichtigt, besitzen nachweisbar reinrassige Abstammung und sind als Zuchttiere gekennzeichnet, ein kostenlos von der Znchtviehlnarktkommission in Alsfeld zu beziehendes Niarktverzeichnis gibt hierüber Ausschluß; aus Verlangen auswärtiger Käufer ist dieselbe Kommission bereit, Zuchttiere anzukaufen und bereit Verladung zu besorgen. Es wird also durch Veranstaltung dieses Marktes einem in weiten Kreisen der Viehzüchter empfundenen Bedürfnis für den Bezug guten, gesunden Zuchtmaterials direkt aus der Hand des Züchters in weitgehendstem Maße Rechnung getragen und eZ wäre nur zu wünschen, daß dieses Unternehmen überall Anklang und Unterstützung fände.
s. Schwa 1 bach (Kreis Wetzlar), 30. Juni. Ta bad alte Schulhaus, das nur ein Sck>ulzimmcr, aber fcüte Lehrerwohnung enthält, durchaus nicht mehr den Anforderungen entspricht, hat die Gemeinde einen Schul Haus Neubau beschlossen. Er wird auf "dem alten Schulhof, unter Wegfall der baufälligen Schul- fcheime aufgeführt und so weit zurüllgefteltt werden, daß davor ein großer geräumiger Spielplatz zu liegen kommt. Die neue, zu 18 000 Mk. veranschlagte Schule wird in ihrem unteren Geschoß den Lehrsqal und im oberen Stockwerk die Lehrerwohnmig» bergen.
R.B. Bürstadt i. Rh., 29. Juni. Eine schwere Bluttat hak der 19 jährige Bursche Philipp Bep er le von hier verübt, indem er nach einem Sittlichkeitski ttentat auf eine dortige Frau diese mit der Sichel so schwer verletzte, daß an ihrem Auskommen gezweifelt wird. Der Attentäter wurd^ verhaftet.
= Vom Westerwald, 30. Juni. Von folgenschweren Gewittern, bie meist von Sturm und Hagelschlag begleite« waren, wurde im Juni unsere Gegend wiederholt heimgesucht. Tas erste Unwetter ging am 10. Juni in der Richtung von Elz-i Triedors Über unsere Höhen und richtete an Wiesen und Aeckern, ja selbst' an den fest gebauten Wcsterwaldstraßen großen Schaden an. Ein weiteres ebenso schreckliches Hagelwetter beängstigte Freitag, 28. er., nachmittags aufs neue die Gemüter. In manchen Gemarkungen gewähren die Kornfelder einen geradezu trostlosen Anblick. Es ist dies umsomehr zu beklagen, da durch den langen Winter ohnehin nur wenig Korn zu envarten war.
Einsendungen zum Tabakarbeiterstreik.
Aus den Reihen der Tabakarbetterschaft wird uns hierzu geschrieben: _
„W er hat Schuld? Wenn man die Fabrikantenberichtei über bie Tabakarbeiter-Aussperrung im „Gieß. Anz." liest, kann; jeder Unbeteiligte annehmen, daß die Arbeiter Unrecht hatten,' dem ist aber nicht so. Weshalb verschweigen die Herren^ daß in einer Wiesccker Fsabrik der so wie so geringe Verdienst noch bedeutend geringer geworden ist? Das ist die Ursache ber Differenzen und nichts anderes. Warum schreiben die Herren nichts davon, daß alle Lebensmittel und Bedarfsartikel teurer geworden sind? Wenn die Beamten Teuerungszulagen iwhalten — wogegen wir nichts haben —, wenn «alle Übrigen Berufe durch bie Teuerung gezwungen werben, höhere Löhne zu erzielen, weshalb sollen denn bie Tahakarbeiter, die sicher am allerwenigsten verdienen, nicht das Recht lyaben, banadj zu streben, auch ein paal Pfennige mehr zu verdienen? Weshalb gehen die Herren nicht auf die von uns ermittelten Löhne ein, ist das auch unwahr?
Von 112 Arbeitern verdienen nur 2 über 3 Mk. den Tag, die anderen alle weniger, bis herab auf 1.50 Mk. Von 973 Atti beiterinnen verdienen 786 unter 2 Mk. den Tag bis herab zu 75 Psg. den Tag. Sind das auskömmliche Löhne bei den teuren Verhältnissen in Gießen und Umgegend? Weshalb vm'chweigen die Herren, daß im vorigen Jahr die Lohnerlstihung für das ganzc Tausend Zigarren nur 40 bis 60 Psg. betragen hat, was einen Mehrverdieust von nur 40 bis 70 Psg. in ber Woche ausmacht. Mehrere Herren haben für diejes Jahr weitere Lohnerhöhungen in Aussicht gestelli, weshalb aber ihre Zusage nicht erfüllt?
Tie Herren haben,an ihre Kundschaft Zirkulare versendet, in denen enthalten ist, bie Steigerung ber Rohtabakpreise und bie fortgesetzt fteigenben Arbeitslöhn.- machten eine Verteuerung der Zigarren notwendig. Wo sind denn die fortgesetzt steigenden Löhne, die Arbeiter wissen nichts davon.
Nun sollen die Arbeiten widerspenstig, kontraktbrüchig und böswillig gehandelt haben, dabei steht fest, daß es wohl auf ber ganzen Erde keine Arbeiter gibt, bie bescheidener unb gutmütiger sind als die hiesigen Tabakarbeiter; aber weshalb schreibt man kein Wort, daß das Material in den lebten 2 Jahren viel schlechte' geworden ist, daß da manchmal dem besten die Ged. iv \.,i kann? Ist denn die Behandlung auch immer einwandf auch ungesetzlich sollen die Arbeiter gehandelt haben. 2 «in vi n feiten ber Arbeiter 4 bis 6 Wochen in ber frieblichst 1 gebeten wird, besseres Material zu liefern und ein paar !? . n / Lohn mehr zu geben, unb sie immer unb immer wieder 1 ö> i * werden, dann braucht sich niemand zu wundern, wenn ; G> • duldsfaden reißt. Von den taufenden .£aba(o^ücru Hal - jux


