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1.2.1907 Zweites Blatt
 
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Nr.47

Zweites Blatt

157. ^nTirnnnn

$yrcifrtn 1 Februar 1907

Lrfchetnl täglich mit Ausnahme deS Sonntage.

TieSiehener LamilfenblStter" werden dem ,8lmrinec* viermal wöcheuilich beigelegt, bae Krdsblati für den Kreis Liegen ' zweimal wöchentlich. Tertzeffflche Landwirt" erfcheürt ntonailid) einmal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck und Verlag der vrüblichen UntDcrfudte Bilch- und kieindruckeret. 9L Lange, Dieben.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- firaüc 7. Erpedirion und Verlag.

Redaltion: 112. ieL-2lbr.: AnzeigerGieben.

politijdK Lagesscvatt.

Ternburg über den flneg.

9(u8 dem Aahlkreiw Potsdain war fiofoniolbircffor Dernbnrg von einem Wähler flcbckn wordcn, ihm bei bei Ziiiiicklveisung mehrerer Eingriffe auf dieNolonialpoiitik durch Beantwortung, mehrerer genau präzisierter Fragen behilflich zu sein. Dcrnburg kam blesem Eisuchen umgehend nach und deschied den Fragesteller in einem umfangreichen Schreiben. Den erüen Punkt, unsere Kriegführung bctieffcnb, beantwortete er wie folgt:

Lme menschliche K r i e g h r u n g gibt c 5 über­haupt nicht. Ter Zweck zeder Kriegiuhrnng ist die pliyfljche vermckitiing Des Gegners. Ter Ziocck der Rricgiulirmifl ist dem nach ungertreimbar ucrtnüph nut der Tötung oder der Verstüm- meluiifl des Gegners. Beides i|i nicht menschlich, aber im Lrbeu der Völker nicht zu vermeiden. Unnötig grauiam ist eine Krieg­führung dann, wenn nicht die ftombatianieu, sondern ihre An­gehörigen, die Greise, Weiber und Kinder mit zerstört werden.

Tie neuesteExtratour"' Italien-.

Lus dem Gebiete der Quawunigcn Politik hat sich zwar nicht viel iugetrageu seit der die internationale Lage behandelnden VtcichStagsdebaUe vom November v. I. Gleichwohl dürste eine der ersten Anträgen an die Berliner Regierung bei bet General- bebaue zum Etat die auswärtige Politik betreffen. Lat doch König Eduard unlängst gelegentlich der Begrübung deS öru- dcrS König Emanuels von dembefreundeten und ver­bündeten" Italien gesptvcl-cn. Der Anlab war aller- dings lein polütstl-er, sondern durch einen wissenschastltchcn Vor­trag des italienischen Gastes gegeben. Doch bad Wort des sich stets einer wohlerwogenen Ausdrucksweise bcflcifoigenDen britischen KonigS verliert deshalb nid/t an Bedeutung. ES liegt nun natür­lich der Wunsch nahe, baldmöglichst vom Staatssekretär von Ljchirschky ober vom dürften Butow selbst zu erfahren, inwieweit die Regierung informiert ist über eine englisch-italienische Ab­machung, die auf formellen Bündnisvertrag avziell und damit auf eine Umroeriung des Dreibundes, llebecrafcht könnte die Re­gierung nicht wohl fein durch die neuesteifiuatsur" Italiens, bestehen doch angeblich rege Beziehungen zwischen dem Minister Tittoni und den leitenden Stellen in Berlin. Umsomehr bari man gespamtt sein auf das Urteil der legreren Über die Potflik Italiens.

24u* S.aot uno taiid.

Sprechsiundci! .-v«.' var^i., -.-7V»8 Uhr abd-

Gießen, den 1. Februar 1907.

Denkmal-Archiv. Durch Entschliebiing Großh. Ministeriums des Innern wurde der ordentliche Professor für Kunstgeschichte an der Groß!). Technischen Hoch chule Tr. Rud. Kautzsch in Darmstadt zum Vorstand des neu gegründeten Tenkmal-Archws nebenamtlich bestellt.

** Postalisches. ^eder £ a n b b r ie f tr ä g er sühnt aus feinem Bestellgong ein Annahmebuch mit sich, daS zur Ein. ttagung der von ihm angenommenen Telegramme. Wert- und Lin>a)teibsenbungen, Postanw-ijungen, gewöhnlichen Pakete, Nach­nahmesendungen unb Zeitungsbestellungen sowie bet zur Fraii- tierung bet Seridungen, zur Beitellung der Zeitungen unb zur Beschallung von Wertzcicucn ihm übergebenen Betrage bienn Ein gleiche» Annahmebuch fuhrt jeder Inhaoer einet Posthtls- stelle für die bei bicicr niLdergelegten Wertiendungcn pp. ES ui -wcäbicnlich, bau bte Luigedct die Eintragung der Senbunaen pp. ui bie bezeichneten ünnahmebüchet eigenhändig besorgen ober sich wenigstens von bet Buchung durch den Laudotieittaget oder ben Posthilistelli.nüihäbet überzeugen. Da diese Bestimmungen noch immer nicht ausreichend bekannt sind, werden sie erneut zur öffentlichen KenntuiS gebracht.

** Liederabend. Die ervundete Pfarrerstochter Ftäulem Silbcgarb Dietrich wird am nächsten Dienstag, 5.- Fe­bruar, hier im Neuen ^aalbou ein ^kvnzcrt veruiu'taiten. Ucber bie Meinungen der kMisllerm lesen mir int Hon. Anz.:Im Saale bed eogl- BercinShauseS gab bie erblindete Pfarretstockftet Fräu­lein Hildegard Dietrich vor einem zahckeiä>en Publikum einen Liederabend. Die von einem so schweren Schicksal heungejuchte Sängerin verfugt über eine sympathische und namemiich m den fiJintelUgen unstangreiche Stimme von metallischer KlMigsarbe. Der Vortrag ixt Gelänge (elegisch-ernste Lieder von.oe, Btahmä, Schubert, Wolf u a.) war warm empfunden und durchaus gut, der der Sängerin gezollte Beiiall wohl berechtigt."

** B e i der AuSei na nbersevung eines Nach­lasses oder des Gesamtguts einer ehelichen ober einer sortgesetzten Gütergemeinschast ist nach dem Gesetz über bie Angelegenheiten bet freiwilligen Gerichtsbarkeit das Nachlaßgericht, abgesehen von seiner vetmittelnben Tätigkeit, im wesentlichen auf die Be­urkundung einer Vereinbarung über vorbereitende Maßregeln, aus bie Fertigung deS TellungSplanS und aus bie Beurkundung und Bestätigung bet Auseinandersetzung beschränkt. Wird zur Et- möglichung der Teilung die Veri'flberung von Nachlaßgegenständen, bie Tilgung von Masseoerbindlichkeitcn ober eine andere vorbe­reitende Maßregel von ben Beteiligten beschlossen, so liegt deren Ausführung nach dem Gesetze diesen, nicht dem Nachlaßgericht ob. Da es aber ben Teilungsinteressenten an bet erforderlichen Ge-

sck)üstrgcwanblheü vielfach gcbcidu, so haben bte meisten Gerichte in Anlehnung an d.aS bisherige rechtsrheinische Verfahren für bie Ausführung bet beschlossenen Maßnahmen badurch Sorge getragen, daß sie bie Beteiligten zur Bestellung eine- Bevoll- mädxtigten veranlaßten, biefem bie ersorberlichen Weisungen er­teilten umb seine Tätigkeit überwachten. Diese- Berichten hat sich nicht nur alS nützlich erwiesen und zahlreichen Streitigkeiten vorgebeugt, sondern war im Interesse einer förderlichen Nachlaß- beljanblunfl vielfach geradezu geboten. DaS Großh. Ministerium der Justiz hat eS deshalb in einem an die Nachlaßbehbrden ge­richteten Auofchreiben alS erwüiifcht und zweckmäßig bezeichnet, wenn auch diejenigen Behörden unb Beamten, die sich bisher auf bie Erfüllung ihrer gesetzlichen Obliegenheiten befajrunti haben, in künftigen Fällen in der vorstehend oaraetegten Weife verfahren.

* Der wegen DarlehenSschwjnbelS in Unter­suchungshaft befinbliche Bankier Riedel in Leipzig hat auch, wie sich jetzt herausgestellt hat, hier eine ganze Anzahl von Personen betrogen. Er hatte hier einen Vertreter gesunden, der mit ben Tarlchensuchcndcn einen Vertrag obschloß unb dabei gleich iVy Proz. von dem zu leihenden Kapital als Speien erhob. Sodann trat Riedel selbst mit den Geldsuchenden in Verbindung, ließ sich nochmal 10 Mk. 3111 dürfen, um bann entweder gar nichts mehr von sich hören zu lassen oder dem Betreffenden zuzu- fchiiiben, daß die über ihn eingeholte Auskunit nicht gut aus­gefallen fei und daß u ihm deshalb daS Dcuaugle Darlehen nicht geben könne.

* E i n Unfall ereignete sich in einer hiesigen Mädchen­schule dadurch, daß ein 12jähriges Mädchen mit einer Steck- nabel in den Zähnen bohrte. AIS der Lehrer das Mädck-en aufrief, rutschte ihm die Nadel in ben HalS. Durch die Begonnen- Ijcit deS Lehrers gelang, ben gefährlichen Gegenstanb zu be­seitigen und so ein schwere- Unglück zu verhüten.

* A l S Arbeitervertreter werden vom Großh. Mi- n l fl er i u in , Abteilung für Landwinsa-aU, Bandel uno Ge­werbe, zur Beratung und Bearbeitung wichtigerer, dieVerhällnisfe der getverblichcn Arbeiter betreffenben Fragen jugejogen im Bezirk der Großh. Gewerbeinspeltion Gießen: Wilh. Frey, Zi­garrenarbeiter in der Zigarrensabrik von S. Bock & Co. zu Gießen, wohnhaft zu Wicseck, Jak. Ritfert, Lackierer in der Maschinen­fabrik Leyligenstaedt L Co. zu Gießen, zweiter Vorsitzender des evangelifchcn ArbcUcrvereinS zu Gießen uno Borl'ianbamitglieO der Baiigenoflenschaft dieses Verein-, wohnhaft zu Gießen, Land- mannstraße 6, Heim. Schmutzer, Webeineistet in der mechan. Weberei von K. Grünewald & Sohn zu Alsfeld.

* SchissahrtS abgaben. In Stuttgart tagen zur Zeit die Verlielrr der beteiligten Viindesslaaten, um über dir SchifsahrtSabgaben zu beiaten, als Vertreter Westens beteiligt sich, wie unfl au- Darmstadt geschrieben wird, Geheim rat Freiherrvon Biegeleben an den Beratungen.

Sl ö n t g L Preußische Klaffen-Lotterie. Tie Erneuerung der Loie zur 2. Klaffe 216. Lotterie muß mit Vor­legung der Lose 1. liinfje fpäte|ien« bis zum 4. Februar ge- |d)d)eii fein. Auch müjicn die Freilose zur 2. lUaiie gegni Rück­gabe der Gewinnlose L Klasse bis zum Dorenväljnlen Xeinun cmgefoibcit fein.

"»Zur Frage der alljährlich wiederkehrenden Flei sch leuerun gen. Ter fttzte Absatz deS gestrigen unter dieser Llusschrlst erlchlenenen Artikels ist leider durch ein Berschen in dec Setzerei entstellt worden. Er heißt richtig folgendeiinaßen:

Wir billigen ein dauernde- Verbot der Einstihr von 9t u te­ueren zur Erhaltung eines |eii(f)eiieun Vienbesia>ides im jmercfie der Landwiiischaft und des Wohle» der Allgemeinheit (mu Ulna- nähme der für die emgcfchlagenen Zuchiiichiungen erforderlichen Rafsetiere). Dagegen halte ii wir es iür geboten, den sicher ivfederkehrenden Fletschte u e in n gen durch zollfreien 3 m p 0 r t von Futtermitteln und recht­zeitige 0 e 1111 u n fl der Reich-grenze für Schlacht- v t e h- E i ns ii h r in Z u k n u i t tu 1 r (I a m e r 4 u begegnen.

r Beucrn, 30. Ian. Du GesangvereinPoly. h y m n i q" hielt am vergangenen Sonntag icin S11stungS - I e ft in bem Saale zurGermania" üuhter ab. Emgeleitet wurde die Feier durch einen Borrrag seines Brasrdenten Herrn Walther, der in echt patriotischem Tone des heutigen Tage- gcdachte, an dem der Schirmherr de- deutschen Reick-eS vor 48 Fahren das Licht der Weck erockckte. Seme kern ha, re Anjprack-e Hang in einem Loch mir unfern Jtaijer und obersten Kriegs. Herrn auS, in da- alle Anwesenden auch begeistert mit cm» liimmtcn. Mach Absingen der deutschen Nationalhymne, wurde zum eigentlick-cn Programm ilbctaegangen, da- in Gesang und theatralischen Aussührungen bestand unb bereits um 10 Ul/r fein Ende erreichte.. Der sich hieraus anschließende gemütliche Teil hielt Sänger und Gäste noch bis zur srühen Dlorgenftunbe in Eintracht beisammen.

Ö Aus dem Ohmra 1, 30. Ian. Um seinen Geburts­tag mit seiner Spinnstubengesellschaft tüchtig feiern z u können, suchte sich der 1 6 I a h r e a l t e W. St. au» Rülfen­rod durch einen Einbruchsdieb sta h l Gckd zu verschossen. Er drückte eine Sckx-tbe in bc»u Dause des Zimmermanns Stumps ein und stieg in die Stube. Ta er im öaufe bekannt war, so sand er bald in einem Tischkasten Geld. Das Goldstück ließ

er fick in einer Wirtsa,ast ivedxein, wodurch er sich zugleich verriet. Er wurde verhaftet und legte ein Geständnis ab.

0 Crtenberg, 3L Ian. Der 'rühere Landlag-abg. Dekan Ellenberger beging unter zahlreicher Beteiligung feinen 70. Geburtstag. Dekan Cllenbcrger ist al8 1. Vorsitzender de- oberhefs. DicnenzüchtervereinS eine in den Imkerkrcisen Deutsch­land- bekannte Versönlichkeit. Er wirkt jetzt 30 Jahre al- Pfarrer in Crtenberg. AIS früherer Abgeordneter ist er schon vor langen Jahren für die Erbauung der Nidbertaldahn eingetreten, bie jetzt ihrer Vollendung entgcgengeht.

§ Ruppertenrod, 31. Ian. ©ie man hier unb Um­gegend die Erschutternnq der Erviosion m St Annen wohrgenom- men hu, so wollen pikte Leute auch das Unglück zu <2 L Jo­hann bei Saarbrücken bemerä bauen. Bergleute, die nm S-Uon« tag früh nach ihren Arbeitsstellen auf den Gruben bei IiSdorf unb Mucke gingen, fnhcn gegen 7 Uhr morgen- am sudwesr- iidjcu Bimmel einen Ijclen, bläulichen Lichtschimmer auiuamincn, dem eine dumpje (irfrtvüttemnfl folgte. Da am gleichen Tage und zu gleich« Stunde das Unglück zu Reden sich ereignete, so muß die genannte Wahrnehmung darum zuruckzusühren fein-. Auch von Leuten zu «ikuiaaien wurde die gleiche Erscheinung b6- mextt-

Ruppertsburg, 31. Ian. Schon jahrelang prangt an unserer Station em zweistöckiges GebÜude mit Äarteraum, Sck-altereinrichtung ufiu., allein ohne Benutzung. End­lich scheint sich die tzossnung aus Einstellung eines Personen­wagen- in dek nach der Friedrich-Hütte täglich verkehrenden Guter-, zug erfüllen <u sollen. Am vorigen Samsiag verweilte cm; höherer Beamter im Austrage der Eisenbahndirektion Franksurt am Main hier, um hierüber öerljanblungen zu eröffnen. Wir haben die- itreiarat Tr. Wullau zu verdauten, der nach Anhörung Der Wünsche unserer Bevölkerung mu dem Eisenbaonpräimeiiicn Thouiö in Verbindung trat

8 Merlau, 31. Ian. Wohl der älteste Einwohner de- IlreiseS slarb hier un 97. ^ebenSjahr. der srühcre Schniicde- uuiiiet Heinrich li b 1 e r.; T^r tcug sei.^S hvi-eii Alters noch luii.ge Greis |iel Der wieder viel au,tretenden Influenza zum Opjer.

a. Landenhausen, 31. Januar. Gestern wurde unser Bürgermeister Kuhl, welcher erst vor kurzer Zeit sein Amt iiicbenegte, zu Grave getragen. Welch grotze- Vertrauen sich Bürgermeister Kuhl währe,id seiner 2öjaljrigcn Amtstätigkeit erworben hatte, bavon legte bie große Betefligung an seincm Ileichcnbegängni- genügen!, Zeugnis ab. Lewer konnte er sich einer ihm kurz vor (einem Tode verliehenen Auszeia-nung nicht mehr erfreuen mnb itreiärai 0. Bechtold aus Lauterbach konnte fie ihm (Allgemeine Ehrenzeichen) nur noch auf ben Sarg legen. In warmen kurzen Worten ehrte er das Andenken oeS Dahin- gcschiedenen, ferner legte Restaurateur Kalbfleisch im Namen Der Gemeinde einen Kranz am Grabe nieder. Ehre seinem Anoeukeii. Die am 29. b. MtS. angefeßu Neuwahl eine» BurgenneisterS wurde mit Rücksicht auf den vorerwähnten Todesfall bi- auf weiteres verlegt.

(j Fels cvborn, 31. Ian. Bei der ReichStagSwahl warf ein hiesiger Wähler anstatt einen Stunmzettet eine Rechnung m die Wahlurne.

sb. L a r m st a b t, 1. Febr. (Tel.) Der Verein Hess. Zahnärzte wirb Mitte Februar in Friedberg eine zahnärzt­liche Slinil errichten.

Offenbach, 31. Jan Die sozialdemokratische Mehrheit der SiadtverorduLtenoersammlnug hat endlich ihr Ziel erreicht: Oberbürgermeister Brrnk, der 24 Jahre lang zum Segen iür Offenbach an Der Spitze unserer Stadtverwaltung gestanden hat, legte heute endgültig sein Amt nieder. Seme Amtszeft ist aügelaufcn, und die So-ialdemolraten Haven sich oereflSunSommer luub ui aller Form gegen ferne Wie^cr^ahi cruärt Die 'Nachricht vom Rücktritt des verdienstvollen und allgemein verehrten Mannes hat in der Bürgerschaft sckjmerzlunc- Bedauern und starke Entrüstung gegen die Mehrheit des Liaotparlaments hervor- gerufen. Für die nächsten Lage ist eme große Ovation geplant, m der bie Shmpaihien der Bürger für Bruck -um Ausdruck tommen fallen. L ie Amt-geschäiie fuhrt interimistisch Veigeorb- netcr Walter. Wer Brink im Amte folgen wirb, ist noch un­entschieden. Alle biS jetzt geäußerten Verniutungen und Voraus­sagen sind Kombinationen, die n. d.Frks. Ztg." Der tatsächlichen Grundlage entbehren. S. K. L. der Großherzog verlieh dem Oberbürgermeister Brink in Oflenoach bas Ehrenkreuz des PhilippSordens. Eine öffentliche Ehrung Brinks haben 47 Vereine befchlonen. Es soll ihm, da er auf einen Fackelzng verzichtete, eine Adresse überreicht werden, bie allen dem bisherigen Ltadtoberljaupt nabestehenden Vereinen unb der gesamten Bürgerschaft zur Ilnterscyrist vorgelegt werben soll.

Mainz, 81. Jan. Nach einer Bekanntmachung ber Eisenbahndireklion llflainz roirb dec elektrische M 0 tor- luagcnbetcteb auf ben Strecken Mainz-Oppenheim unb Mainz-Ingelheim am TonnerSlag, 7. Februar, er­öffnet. In jeher Richtung fahren täglich vorerst vier Wagen, je nach Bedürfnis sollen weitere Wagen eingestellt werben.

fc. Frankfurt a. M., 31. Jan. Der deS DtorbeS an seiner Schwiegermutter, der Frau Geheimrat Rtoliloc in Baden-Baben verdächtige Rechiöanwalt Karl Hau wurde

Zv-us dir KLiliu bei $tanß|uit raujcht.

(.Von unserem Äorrespondenken.)

Frankfurt a. M., 30. Jan.

Der Wahlkampf drängt für einige Zeck für Frankfurt bebeut» fame Fragen in den Vinterarunb. So hält sich daS auch Ihnen längst bekannte Gerücht bauernb aufrecht, daS zu melben weiß, daß das neueste Bestreben des Oberbürgermeisters Dr. A d i ck e s dahin geht, Frankfurt a. M. zu einer U n i D c r 1 i t a 18- Üa i>t zu machen. Der Ausführung dieses kuhaien Gedankens stehen mbed mehr alS ein Tuhend Gründe h.uderlich un Dege. Für die nach demokr. Grundsätzeii geleitete Stadt ^-ranf urt kann nur eine freie Universität, wie sie Brussel unb Goteu- berg (Schivedcu) Haden, in Frage kommen. Bon einer ireien Univcrfität aber roül daS preuß. sPultuöminiileruim nichts roinen, hat es doch erst unlängst in einem ähnlichen Falle der Stadt Köln geantwortet: Tie Ernennung jeglicher Pro. sessur ist alleinige Sache des SEultuSni in^ftc r 6.

Ein weiterer Plan, Der schon seit zwei Jahren^ seine Lchatteti Rsrauswirit, ist das Projett einer Kaiser-Sänger Halle. Es wird noch ei inner! io, fein, baß nach ierner letzten Mitteimeer- fahrt tKr Kaiser in kariLruhe ben Wimsch aussprach, dag bie von ihm ins Leben geruieucii deutschen Sängerwettstreite um Die güldene Kais er kette dauernd in Frankfurt a. aJc. abgehalten werden. Leu dieser Stunde mm es mar in ben Tagen des Lenzes itkij ist Fraiitjurrs wewürgermeuter be­strebt, eine impoiaute Kaiser-^angerhaite zu err.^ten. Aus- LeckungLHalle jagt uno Sängerhzllle rneuft g, ^reiÄ»

ausschrciben für dieses Proickt, da- [einem Urnjauge nach bisher einzig in Tcutsä^aub dasteht, ist erlcb.gt, nun kann nun Daran gehen, bas Projeft zu ocrwirllicheu. Vier biS fünf jJl i 11 i 0 n e n wird b i c Halle 10 fi e n. Sie soll ein M ä h - eben für alle- werden: Säuger Halle, Automobilpark, Aus- Itellungsh.'lle, Industrie- unb Gewerberaum, mit einem Worte: ein Unikum. Unb das alles: dem Kaiser zuliebe

Trotz Dahlen, trotz Äaisersängcrhalle, trotz Universitätssorgen hat Frankfurts Gesellschack noch Zeil gesunden, die Vorbereitungen zu einem SubsriPtionS in asten balle zu trcijun, wie er glänzender so sagt und verspracht man bisher weder in ber Laiferstadt an ber blauen Donau, noch am leichtckdigeu Strande Der Seine, noch in der luftigen Hochburg des Karnevals, in München, gefeiert worden ist. Nach den Un io [teil zu urteilen, muß das Ballfest, das der BollsmunbM i 11 i 0 n ä r b a 11" getan,t hat, einzig in feiner Art werden. ES können auch nur Millio­näre dieses Fest, das am 2. Februar im Ulbert Schumanutheater Itaitfinöet, besuchen, denn eine Loge kostet z. B.nur" 10U Mk. em Ävmitce ber Frankfurter Upertcu soll, um mit Sherwck Holmes zu reden,bas Tmg drehen". 20 000 Mk. betragen die Unkosten für dieses Ballseit, an dem natürlich Berlin wieder daS meiste profitiert, denn von öcrun kommt die Ausstattung des Riesenbaues des Sa>uinanntheaters. Als originell ist zu meiden, daß zur Lekoeatchu auch zwölf (grünLausen gehören, die die zwöF Akonate bart teilen unb enttVrechend ber Temperatur und des Eharallers des jemeutgen Aco.iats ausgestctter werden. 2a können jcch hinter iLiSviumen ober :.w;en, hinter Tulpen oder BergivmeuiuM, Hutter tzLür tzwgeMen Lehres (ns

Front,urter 'JJiUiu-nurc aogcionbert von Denen, dienur" einige ^unber.UuicnDc ihr eigen nennen, unterhalten. Das ist Fraifl> lurter . . . Geselligicit. Sechst beim Musieiiballiest bleibt der Kastengeist vorhiiriaMib. . .

La ich gecaoe uciai Festefeiern bin, so fei noch verraten, baß im Februar Die Frankfurter TheaterpensionS- lasse ihr huubertjühriges Jubiläum feiern kann. Das soll mlebet ein großes Fest geben. Diesmal in der Oper. UnD eine Loge soll . . . f ünf hunbert Mark kosten. Wer es jetzt noch nia/i glaubt, daß Frankfurt immer vierspännig ,ähtt, dem ist roeücr zu rattn noch zu helfen.

Unb Franfturts Äunftleben? Da ist es schlecht um un- bestellt. Unlere Oper, die einst eine der bedeutendsten oeurscyen Opernbuhnen war, zehn von Den Weisen Der ,X u it 1 g e n Witw c", d v Ln auspielhauL vo nH u s a r e n f 1 e b e r". Und Du6 ui Gocthrs löat.nruoi, einer Srao., wo Kapazitäten Dec Musik jahrzelmtelang gewirkt Haden. Tie Worte von Frank­furt s Niedergang als K u n ft |t a D t, Die vor einem Iahte oeteits geprägt worden sind, werben mehr uitb mehr zur Un­heil. Als emzigcÄ- neuer Stern am Franftunet Kunst- i/unmei leuchtet feix kurzer Zeit die Tatsache, baß Die Fran k- [Utt-Gronberget Künstlerkolonie zum uambie ,ichi aujgerüft hat, daß sie eine neue Kunst dem künstlerisch sterben­den Fransturt präsentiert. Unb d^e'e neue Kunst cetount, daß ich sie m einem beonberen Anckel behandele. So Lmgt des Mauaes Raust^en bet der stolzen schönen llaiserstadt Frankfurt wenig,i?ns ui eine eiKi^mciüjc.nbe, laßoate Mkiovie aus. Ailas aubete ijt leider . . , Zulunftsmu j j k.^ K. LL, L,