der Deklarationszwang eingeführt werden, die Einfuhr von Faserfleisch müsse verboten werden usw.
7. Berbandstag
des Verbandes der Zigarrenladen-Jnhabcr.
S. u. H. Breslau, 10. Juni.
Gestern traten hier die deutschen Zigarrenladen-Jnhaber zusammen. Aus dem Geschäftsbericht ging hervor, daß dem Verbände fast 5000 Mitglieder angehören. Außerdem gehören noch etwa 250 Zigarrenfabrikanten und Importeure dem Verbände an. Lebhafte Erörterung rief ein Antrag auf Beseitigung des Verkaufs von Tabak- fabrikaten nach Ladenschluß. Nach längerer Beratung wurde folgende Resolution angenommen:
Der Berbandstag beauftragt den geschäftsführenden Ausschuß, die vorjährige Petition an Reichstag, Bundesrat und Bundesregierungen, welche eine Neuregelung der SLmntagsruhebestimmungen durch Reichsgesetz und dabei die Festlegung der Verkaufszeit für Zigarrenläden an Sonn- und Festtagen auf mindestens 5 Stunden fordert, zu wiederholen. Daran wird nun die weitere Forderung anaeschlosfen, daß der Verkauf von Tabakfabrikaten nach Ladenschluß überall, also auch in Restaurants, Kantinen, Vergnügungsetablissements, Mineralwasser- und Branntweinschänken, Friseurläden gänzlich zu verbieten sei.
Eine längere Aussprache führte die Frage der Vereinbarungen mit Fabrikanten und Importeuren herbei. Es handelte sich hierbei um die Bekämpfung der Pr>eis- schleuderei in der Tabak Branche. Man beschloß eine Revision der bestehenden Konvention ins Auge zu fassen. Der Verband soll mit den Fabrikanten eine Einigung dahin herbeizuführen suchen, daß Grossisten die Waren nur mit einem prozentual auf den Fabrikpreis festzusetzenden Aufschlag abzugeben haben. Die Frage der Konvention mit den Fabrikanten rief noch eine lebhafte weitere Erörterung hervor, lieber die Notwendigkeit eines besseren Verdienstes beim Verkauf von Rauchtabaken wurde verhandelt. Die Notwendigkeit des Schutzes des Kleinhandels wurde lebhaft betont. Das Anfertigen von Zigarren im Laden müßte den bete. Geschäftsinhabern wieder gestattet werden, da das jetzige Verbot eine unbillige Härte sei gegen diejenigen kleinen Zigarrenladeninhaber, die aus ,Sparsamkettsrücksichten den Laden als Arbeitsraum benutzten. Scharfer Protest wurde gegen den Mißbrauch erhoben, der mit der Bezeichnung Konkursausverkauf getrieben werde. Diese sog. Konkursausverkäufe stellen sich meist als unlauterer Wettbewerb: dar, wogegen protestiert werden müsse.
Ans StaOt rrrro t-ano*
Gießen, 11. Juni 1907.
Jubiläums-Stiftungen für die Gießener Universitäts-Bibliothek. Für die Universitäts-Bibliothek sind in jüngster Zeit weitere höchst erfreuliche Jubiläums-Stiftungen errichtet worden; unter Anderen hat Professor Dr. Baldensperger in Gießen die (Summe von 1000 Mark für die Anschaffung ausländischer theologischer Zeitschriften und der emeritierte Pfarrer K. Ley d Heck er in Auerbach den Betrag von 3000 Mark für die Vervollständigung der theologischen Bestände und namentlich dec Missionsliteratur gestiftet.
•• Einweihung des Neubaues der Höheren Mädchenschule. Wir werden gebeten, darauf aufmerksam zu machen, daß die unter den früheren Schülerinnen der Höheren Mädchenschule veranstaltete Sammlung für eine Spende demnächst abgeschlossen werden soll. Die Damen, die sich noch mit einem Beitrag beteiligen wollen, werden freundlichst gebeten, dies an der ihnen bekannten Stelle zu tun. Um Mißverständnissen zu begegnen, sei daraus hingewiesen, :daß die Spende in erster Linie dazu verwendet werden soll, das neue Haus durch künstlerischen Bildschmuck recht wohnlich und behaglich zu machen.
•* Des Südwestafrika-Wohltätigkeitsfestes dritter Tag nahm trotz der außerordentlich ungünstigen Witterung im großen und ganzen einen programmäßigen und allgemein befriedigenden Verlauf. Der Besuch war wiederum außerordentlich stark und die liebenswürdigen Verkäuferinnen hatten namentlich in den Abendstunden alle Hände voll zu tun, um allen Anforderungen gerecht zu werden. Die einzelnen Darbietungen, insbesondere Kabarett und Sängerchor, fanden wieder lebhaften Beifall und namentlich dem Tanz, den Leutnant von Nathusius während der drei Tage mit unermüdlicher Ausdauer leitete, wurde eifrig gehuldigt. Auch der dritte Festtag wurde durch keinen Mißton getrübt und fein bemerkenswerter Unfall störte die allgemeine Festfreude, jo daß die Sanitätskolonne nur in drei leichten Fällen einzugreifen hatte. Wenn alle Beteiligten für ihre unermüdliche Tätigkeit Lob und Anerkennung in reichem Maß verdienen, so feien noch besonders die Mannschaften unseres Infanterie-Regiments erwähnt, die sich mit wahrem Feuereifer an dein Fest aktiv beteiligten. Große Heiterkeit rief übrigens einer der wackeren Vaterlandsverteidiger durch die an einige als Holländerinnen kostümierten mitwirkenden Damen gerichtete Frage hervor: „Nun, ihr süßen Schnuteken, macht ihr auch gute Geschäfte?" — Hebet den finanziellen Erfolg der Veranstaltung ist natürlich ein Ueberblick noch nicht möglich, doch wird er allem Anschein nach trotz des schlechten Wetters recht beträchtlich sein, da nach einer oberflächlichen Berechnung rund 10 000 Personen das Fest besucht haben werben. — Auf ein Telegramm, in dem dem früheren Gouverneur von Südwestafrika, Generalmajor Deimling Mitteilung von dem Feste gemacht worden war, erhielt Oberst von Lindenau folgende telegraphische Antwort:
Ihnen und allen am Wohltätigkcilsfest Beteiligten, insbesondere auch dein Dichter Hans Kötlschau herzlichen Dank und Gruß.
Deimling, Generalmajor.
"Löblicher Unfall. Der 19 Jahre alte Bahnarbeiter Friedrich Heep aus Allendorf a. Lahn wurde heute morgen auf der Strecke Gießen—Wetzlar am Posten 148 von dem 5,56 Uhr ailsfahrenden Schnellzuge erfaßt, zur Seite geschleudert und sofort getötet. Heep wollte sich in den Arbeiteraufenthaltsraum begeben, der inmitten der Geleiseanlagen sich befindet. Als er das erste Geleiseanlage überschreiten ivollte fuhr eine von Wetzlar kommende Maschine vorüber. Er überschritt gleich hinter der Maschine das erste Geleise ohne beachtet zu haben, daß im gleichen Moment auf dem 2. Geleise der Schnellzug gefahren kam. Er wurde nun auf dem 2. Gleise vom Schnellzug erfaßt und beiseite geschleudert. Der Schädel war ihm zerschmettert und der rechte Fuß verletzt. Die Leiche wurde, nachdem der Tatbestand aujgenommen, nach Allendorf a. L. überführt. Der
Vater des Hcep ist vor 14 Jahren ebenfalls von einem Zuge überfahren und getötet worden.
-o- Heuchelheim, 10. Juni. Wegen UeberfüHung der hiesigen Schulklassen ist die Errichtung einer siebenten Klasse geplant. V
Bad-Nauheim, 9.Juni. Auf einer baineologischen Studienreise unter Leitung der Professoren Tr. Starck und Tr. M a g^n u s von der Heidelberger Universität trafen 44 Studenten und 'Ltudentinnen der Medizin aus Heidelberg heute in Bad-Nauheim ein. Sie besichtigten die neuen staatlichen Bade- Anlagen, das Elektrizitätswerk, Fernheizkanal, fiskalische Waschanstalt für Reinigung und Tesinfektion der Badewäsche, die Trink-« quellen, das Zanderinstitut, das Inhalatorium, die drei Sprudel und die neuen Badehäuser mit den komfortablen Badezellen. An die Besichtigung schloß sich ein von der Kurverwaltung darge-, botenes Tiner im Teichhaus.
= Kirtorf, 10. Juni. Vergangene Nacht wurde von roher Hand ein im Stalle des Briefträgers 'Schmidt ausbewahrtes Pferdegeschirr total zerschnitten, ferner bvannte auf dem Felde nahe der Wähler Stpaße ein Stroh Haufen ab. Ein von losuswärts hier beschäftigter Knecht, der der beiden Taten drängend verdächtig ist, wurde bereits gerichtlich vernommen und in Untersuchungshaft abgeführt. |
X Aulen-Diebach, 10. Juni. Unter Beteiligung der ganzen Gemeinde wurde heute unser neues Schulhaus eingeweiht. Am alten Schulhause hielt Lehrer Lentz eine warm empfundene Abschiedsrede. Fast 2 Jahrhunderte (seit 1730) hatte dieses HauS als Bildungsstätte gedient. Nun war es nicht mehr den Anforderungen der Neuzeit entsprechend und mußte durch einen zeitgemäßen Ban ersetzt werden. Die Weiherede am neuen Hause hielt Pfarrer Köhler von Rohrbach. Er sprach über das Wort: „Wo der Herr das Haus nicht bauet, da arbeiten uinsonst, die daran bauen." Nach der Schlüsselübergabe an Kreisamt- mann Dr. Löhlein, Vertreter des Kreisamts, ergriff Schulrat Scherer das Wort. Er beleuchtete lebhaft, wie die Jetztzeit an das Wissen und Können des Einzelnen hohe Ansprüche stellt, wie darum der Mensch in der Schule schon dazu ausgerüstet werde, denn auch der Bauer müsse heute rechnen können, er müsse ein kleiner Kaufmann sein. Deswegen bringe aber auch die Gemeinde gerne und freudig Opfer, indem sie ihren Kindern und ihrem Lehrer Helle und luftigen Räume schaffen. Mit den Worten „unfern Eingang segne Gott" öffnete Lehrer Lentz den Saal, und die Fest- teilnehnier strömten zur Besichtigung hinein. Damit war die offizielle Feier beendet, und noch lange hielt eine gemütliche Nachfeier bei einem guten vorn Wirt Hardt verzapften Stoff die Festteilnehmer zusammen.
Darmstadt, 9. Juni. Das Parteifest, welches die Vereinigten Liberalen heute in Königstädten abhielten, trug den Charakter eines Volksfestes. Mit den Bewohnern des Dorfes, in dem einer der Hauptführer des hessischen Liberalismus, Pfarrer Korell, sein geistliches Amt ausübt, vereinigten sich die politischen Anhänger der freisinnigen Sache aus dem Wahlkreise Darmstadt-Groß-Gerau und weiterhin aus fast sämtlichen Wahlkreisen des Großherzogtums. Aus Frankfurt gesellte sich dazu ..ein stattliches Kontingent von etwa 60 Teilnehmern. Tie Zahl der Festgenossen betrug mindestens 800. Von nah und fern waren telegraphische Grüße eingelaufen, u. a. von den freisinnigen hessischen Landtagsabgeordneten Dr. Gut fleisch und Reh, von zahlreichen liberalen Vereinen des Landes, vom Verein der Deutschen Volkspartei in Mannheim und vom Wahlverein der Liberalen in Berlin. Der Versuch, Stadt und Dorf, die sich politisch und gesellschaftlich gemeinhin nur schwer vereinigen lassen, zusammenzubringen, rechtfertigte sich durch den vollen Erfolg, den die Veranstaltung brachte. Ein Königstädter Bürger, Gemeinderat Lohr, bot den Gästen den Willkommengruß, Justizrat Gallus verband damit den Gruß des festgebenden Darmstädter freisinnigen Vereins. Er führte u. a. aus, warum man Kvnigstädten zum Festort wählte: es ist der Wohnsitz unseres Reichstagskandidaten, der der freiheitlichen Bewegung in Hessen einen neuen Aufschwung verschafft hat. Jubelnd begrüßt, nahm sodann Pfarrer Korell das Wort. Er verwahrte sich gegen die Unterstellung, als ob er, der Pfarrer, mit dieser politischen Veranstaltung den Parteihader ins friedliche Dorf trüge. Mcht das Trennende, sondern das Einigende {j(ei für ihn in der Politik |bie Hauptsache. Der Liberalismus dürfe keinen Gegensatz zwischen Stadt und Land konstruieren, sondern müsse einen harmonischen Ausgleich suchen. Wenn auch neue Gewitter sich über seinem Haupte zusammenballen würden, er werde unbeirrt seinen Platz ausfüllen, auf den er gestellt sei. Sein Hoch galt dem Großherzog und dem hessischen Volke. In zündender Rede sprach Oberlehrer N i e r h a u s - Frankfurt über die politische Freiheit; Oberlehrer Dr. Strecker- Bab-Nauheim pries ui gehaltvollen Ausführungen den erzieherischen Einfluß der Frauen auf die politische Betätigung der Männer; Arbeitersetretär Erkelenz sprach von der Bedeutung der Arbeiter für den Liberalismus, und Bürgermeister Schuckmann-Bechtolsheim wies auf das liberale Bauernprogramm yin, das gerade Korell am tiefsten durchdacht habe. (Frkf. Ztg.)
** Kleine Mrtreilungen aus Hessen und den» N a ch b a r st a a t e n. In Kassel wurden zwei internationale hochelegant gekleidete Einbrecher in dem Augenblick verhaftet, als ie den O°Zug nach der Schweiz besteigen wollten. Die von Frank- urt a. 9)1. kommenden Gauner hatten m Kassel in den Nachmittags- tunden bei drei Einbrüchen 800 Mk. bar erbeutet.
PecmiMtes«
* Panik im Theater. Ter „Daily Telegraph" meldet von New-Pock, daß ein etwa 14jahriger Knabe in einem Theater in Gotham bei einer Matinee eine furchtbare Panik verursachte. Er kletterte über eine Stange bis zu einem Punkte auf dem Dach empor, wo sich ein Ventilator befand, Öffnete den Ventilator und chrie in diesem Augenblick: Es brennt! Die Oeffnung des Ventilators ließ einen Sonnenstrahl ins Theater blitzen, und die Theaterbesucher glaubten die Flammen zu sehen. Alles stand auf inö drängle nach den Türen. Alan kämpfte unb stieß wild um id) herum. Männer schlugen auf Frauen los und Kinder wurden im Gedrä.ige überrannt. Alle gelangten schließlich ins Freie, doch erlitten zahlreiche Personen ernste Verletzungen. Der Knabe, der das Unheil verursacht hatte, entkam.
— Die Erforschung der Maul- und Klauen- euche, welche int vorigen Jahre aus Anlaß der Uebertragung der Seuche aus dem Bersuchsgehöft des Professors L ö s f l e r bei Greifswald aufgegeben wurde, wird int nächsten Jahre neu aus- genommen werden, sobald ausreichende Sicherheiten gegen eine Ausbreitung der Seuche aus dem Institut gefunden sind. Es ist angeregt, ein neues Versuchsgehöft auf der Insel Koos bei Greiss- ipalb anzulegen, um so eine völlige Isolierung gegen die Umgegend zu erzielen: ,edoch steht noch nicht fest, ob diese Anlage eine hinreichende Garantie gegen die Seuchenübertragung bieten ^irö- ^ur dte Bekämpfung und Grsorschung der Seuche dürste int uachften Etat des landwirtschaftlichen Ministeriums ein Betrag von 110 000 Mk. enthalten sein, "
bullst rrnd Wissenschaft.
— General-Musikdirektor Mottl in München hat trotz Ersuchen des Prinzregenten erneut sein Entlassungsgesuch ein- gereicht.
GerichtssaaL.
fc. Frankfurt a. M-, 10. Juni. Oberer i.egsgericht. Im Herbst v. I. drängte sich dem Adjutanten des 21. Pionier« bataillons in Kastel, Oberleutnant Zipper, die Ueberzeugung auf, daß die Bataillonskapelle nicht ganz auf bef Höhe sei. Deshalb nahm er sich vor, sie etwas „hoch zu nehmen", ging aber dabei so weit, daß er wegen Anmaßung von Dien st - unb Strafgewalt unb vorschriftswibriger Behanb- lung unb Beleibigung Untergebener vor bas Kriegsgericht bes Gouvernements Mainz kam, bas ihn in seiner Sitzung vom 29. April zu 8 Tagen Stubenarrest verurteilt. U. a. hatte ber Abjutant bie Kapelle eines Morgens im September ifm 5 Uhr vor seinem Zimmer antreten und eine Zeitlang ein und dasselbe Stück, den Porkschen Marsch, blasen lassen, well sie diesen Marsch am Abend vorher im Offizierskasino nicht gut zum Vortrag gebracht hatte. Der „Abend" hatte bis 2 Uhr morgens gedauert, sodaß die Mitglieder der Kapelle kaum drei Stunden schlafen konnten. An einem bitterkalten Morgen im November ließ er zum Ueben auf dem Kasernenhofe auch einen Sergeanten herbeiholen, den ber stellvertretende Kapellmeister kurz vorher entlassen hatte, weil er unwohl war. Der Oberleutnant empfing ihn mit den Worten: „Der deutsche Soldat tut Dienst, bis er v.....t!" und der Sergeant mußte mitüben.
Nach ber Uebung stellte ber Arzt Lungenentzündung fest: sieben Wochen lang lag ber Sergeant im Bett. Einem andern Mitglied ber Kapelle gegenüber brauchte ber Mjutant einmal bie Redensart: „vor ben Bauch treten". Gegen bas Urteil bes Kriegsgerichts hatte sowohl der Angeklagte wie ber Gerichtsherr Berufung eingelegt, über die das Oberkriegsgericht heute in nichtöffentlicher! Sitzung verhandelte. Zur Verkünbung des Urteils wurde bie Oesfentlichkeit wiederhergeftellt unb auch während ber Begründung beibehalten. Tps Urteil lautete ebenfalls auf adjt Tage Stubenarrest und zwar wegen Anmaßung einer Strafgewalt in einem Falle und vorschriftswidriger Behandlung UntergW bener in zwei Fällen. Das erstere Delikt wurde darin gefunden, daß der Adjutant die Kapelle hatte morgens um 5 Uhr antretenj lassen. Tas Herbeiholen des tranken Sergeanten und bie eri wähnten Rebensarten charakterisierten sich als vorschriftswidrig^ Behandlung Untergebener. Von ber Anklage der Anmaßung einet Strafgewalt durch selbständiges AnseHen von Dienst wurde der Angeklagte freigespwchen, weil er sich hierbei in einem ent-i schuldbaren Irrtum befunden hatte.
Sport.
= Radwettfahren. Bei dem am Sonntag vom Radlerverein „Diana" veranstalteten 3 0-K m.- Straßenrennen, woselbst um zwei von Mitgliedern gestiftete Ehrenpreise gefahren wurde, errang Herr Rudolf Blum den 1. Preis in 52 Min. 3 Sek. und Adolf Flick den 2. Preis, in 52 Min. 5 Sek. Tie übrigen Fahrer erzielten ebenfalls sehr gute Fahrzeit- Resultate.
Düsseldorf, 10. Juni. Von den 12 BallonS, die sich an der gestern vom niederrh'eiuischeii Verein für Luftschiffahrt veranstalteten Wettfahrt beteiligten, landete der Ballon „Podewils" in Eleve, „Becolb" in Kellern bei Cleve, „Abercron" 3 Kilometer südlich von Uedem, der Ballon „Pommern" in Cleve, der Ballon „Köln" in Matecbom bei Cleve, Ballon „Franken" bei Rheda, Ballon „Elberfeld" in Staplon, Ballon „Cognac" in Bielisch, Ballon „Augusta" südlich von Wesel, Ballon „Koblenz" 9 Kilometer südwestlich von Wesel, Ballon „Ziegler" in Altcalcar und Ballon „Tschudi" in Feldhausen südwestlich von Dorsten.
Handel und Verkehr, Volkswirtschaft.
Zur Laoe des Renten markt es. Mit Recht heißt es in einem Börsenbericht bei der Berichterstattung über ben Rentenmarkt: Die Kapitalisten verlieren große Summen an dem solidesten Teil ihres Portefeuilles. Trotzdem ist am Rentenmarkt in der letzten Zeit eine kleine Besserung zu verzeichnen gewesen, die allerdings noch sehr zimehmen muß, wenn nur annähernd die Kurse von Ansang Ium 1906 wieder erreicht werden sollen. Dabei ist noch besonders daraus hinzuweisen, daß die Kurse im vorigen Juni aus politischen Gründen auch nicht gerade günstig standen. Nachstehend ein kleiner Ueberblick: Die 3%% Reichsanleihe ist von 99,70 bis 93,80 zurückgegangen, die 3% von 87,55 bis 83,75; die 4% Bayern wichen von 101,60, bis 100,30; die 3% Hessen von 85,35 bis 82.—. Auch die Auslandsrenten haben zum großen Teil sehr empfindliche Verluste erlitten, voran die- jentgen ersten Ranges. So wichen die englischen Konsols von 89,44 bis 84,06, die französische Rente von 98,70 bis 95.—. Dis italienische Rente ist von 105,20 bis 103,30 zurückgegangen, die portugiesischen Renten haben trotz der sehr großen inneren Unruhen gegen das Vorjahr nur 3% emgebüßt, bie Spanier 1,60. Die Lückenlose haben einen Kursverlust von über 10% auszuweisen. Die 4% Ungarische Golbrente notiert nur noch 93,10, bie Kronenrente 92,75; bei beibeit sind wesentlich niedrigere Kurse angesichts der politischen Lage durchaus nicht ausgeschlossen. Erwähnt seien hier tioch die ihren Besitzern nun schon seit Jahren so wenig Freude machenden Russenwerte; Deutsche und Franzosen können ihnen ein Loblied fingen. Anfangs Juni 1906 notierten bie 4% 1880 er Russen 79,05, jetzt 72,90 und die Russische Staatsreiite ist von 79,40 bis 74,90 gefallen. Dabei ist der russische Staat seinen Zinsverpflichtungen nod) immer prompt nachgekommen. Von exotisck)en Werten haben sowohl die argentinischen wie die mexikanischen Anleihen sehr bemerkeiiswerte Verluste erlitten. So stand die 4% argentinische Anleihe im Vorjahr 91,10 und gegenwärtig 84 und die 3% Mexikaner gingen von 70,55 bis 64,40 zurück.
Markte.
Gießen, 11. Juni.Marktbericht. Aus heutigem Wochenmarkt« kosteten: Butterpr. Psd. 1.10—1.15 Alk., Hühnereier 1 St. 6—0 Vsg., 2 Stck. 11—00 Psg., Gänseeier 10—00 Pfg., Enteneier 7 Psg., Käse pr. Stck. 5-8 Pf., Käsematte 2 Stck. 5-6 Pfg., Erbsen p.Psd. 18-24Psg, Linsenp. Psd.25-40Pfg., Tauben pr.Pr.0,80—1,00Mk., Hühnerpr.St. 1,00—1,60 Alk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Alk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Alk., Gänse vr. Psd. 00-00 Psg., Ochsenfleisch pr. Psd. 82—88 Psg., Kuh- und Rindfleisch pr. Psund 80—82 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 64—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisck) pr. Psd. 80—90 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 64—84 Pfg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 7,00—9,— Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 10,00—12,00 Alk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepfel per Zentner 20 bis 25 Alk., in Korben 00 Pfd., Nüsse 100 Stück 50-00 Psg., Birnen per Pfd. Mk. 0.20—0.25, per Ztr. 9—15 Alk., Weißkraut per Stück 15—30 Pfg., per Zentner Alk. 0.00-0.00. — Alarktzeu von 7—1 Uhr.
Gießener Wetterdienst.
Borauösichtliche Witterung für Hesse» am Mittwoch den 12. Juni: Ausbeiterung. Warm und trocken. Südliche Winde. ■
Müller'schc Badeanstalt.
Wasserwarme am 11. Juni: 15 0 R.
Original-Drahtmeldungeu.
Berlin, 11. Juni. An den deutsch-dänischen Handelsvertragsverhandlungen, die soeben begonnen haben, nehmen als Vertreter des deutschen Reiches der Direktor im Auswärtigen Amt, v. Körner, Legationsrat Edler von Stockhammern und Geh. Regierungsrat von Schönebeck teil. Ferner werden mehrere Kommissare der preußischen Ministerien den Beratungen beiwohnen.
Kreuznach, 11. Juni. Schwere Gewitter und Hagelschlag richteten in der hiesigen Gegend viel Schaden an.
Budapest, 11. Juni. Der plötzliche Entschluß i>eSz Kaisers, den hiesigen Aufenthalt abzutürzen, rief eine peinliche Sensation hervor. Man gibt die Schuld hierfür dem Thronfolger, der gegen die Bewilligung von Verfaisungsgaraniien eni/chieden Einspruch erhoben haü .AM. die Affäre Kaida habe ogn Agiler verstimmt.


