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11.6.1907 Erstes Blatt
 
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Dienstag 11. Jun« 1907

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Ausland.

Kopenhagen, 10. Juni. Das deutsche Kaiser­paar wird am 3. Juli nach Dänemark kommen, um dem König und der Königin einen Besuch altzustatten. Tie Abreise erfolgt möglicherweise am 5. Hüli.

Paris, 10. Juni. $ie Kammer bespricht den Entwurf, welcher das Zusetzen von Wasser zum Wein, sowie das übermäßige Verzuckern verhüten will, und sodann den Bericht der Kommission zur Untersuchung des Weinbaus. Canmzet (Sozialistischer Republikaner, Deputierter aus Burgund) tritt gegen die Deklaration der Ernte als etwas AergerlicheS und Unnützes ein, da die Ursache der Weinbau krisis nicht in Betrügereien, sondern in der übermäßigen Produktion und der Konkurrenz der Kunstweine liege. Ackerbau- minister Raau setzt auseinander, wie das Gesetz von 1905 bex treffend die Nahrungsmittelverfälschuugen gehandhabt wird und kommt zu dem Schlüsse, daß zunächst die Weinfälschungen unter­drückt roerben müßten.

Toulon, 10. Juni. In Brrgnales fand gestern abend etne Kündgebung der Weinbauern statt, an der über 15000 Wein­bauer teilnahmen. Von dem früheren Präfekten Blache, dem Vorfitzenden des Generalrates des Tepartentents Var, wurden lebhafte Reden gehalten. Eine Tagesordnung gelangte zur An­nahme, in der es heißt, daß die Weinbauern gegen Paris marschieren werden, wenn ihnen keine Genugtuung seitens der Regierung gegeben würde. Dem Umzuge wurde ein Plakat vorangetragen Imitden Worten:Nie der mit dem Kabinett- ch e f!"

Montpellier, 10. Juni. Gestern abend nach der Kund- aebuna der Weinbauern fanden tumultuöse Austritte vor

Mm deutsch, franj. und engl Sprach:, eratur und Geschichte, lassen- u. 6in)elftunöfn i und Fortgeschrittenen üUü strasse 21, pari. ngen unb wroipeklt in e von 2-3 Ufr.

Ücfrgt bie fratiiöiiitb. ausgaben eines i)läb- jheren Löchterschulc. lnsed. mit wtfem.

üTiLMWMamM. i, auf 1W Uv Ml. cheAngevvteuntnM Sietzener ÄnMer eit.

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Nachdnick verboten.

S. u. H. Hamburg, 10. Juni.

Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung trat heu^e hier der 30. deutsche Fleischertag zusammen. Den geschäft­lichen Verhandlungen ging heute eine vertrauliche Sitzung der Delegierten voraus. Die Verhandlungen leitete der Reichstagsabg. Kobelt-Magdeburg, der erste und einzige Vertreter des Fleifchergemerbes tm Reichstag. Mit Rück­sicht darauf, daß in dieser Sitzung der Fall Zorwes zur Verhandlung stand, war die Oeffentlichkcit aus- gesch lassen. Es handelt sich bei diesemFall" um den Geschäftsführer des Verbandes, der mit dem Leiter der agrarischen Biehzentrale und des Berliner Milchringes, mit dem inzwischen verstorbenen Oelonomierat Ring hinter dem Rücken des Verbandes angeblich mit Zustimmung einiger Vorstandsmitglieder Verhandlungen gepflogen haben soll. Zu dieser Angelegenheit lag folgender Antrag der Berliner Fleischerinnung vor:Mit Zorwes ist ein neuer Vertrag in keiner Form abzuschließen, dagegen ein etwa bestehender Vertrag baldmöglichst zu lösen und der Genannte von der weiteren Tätigkeit für den Verband zu entbinden." Tie Beschlußfassung soll morgen dem Fleischer­tage vorgelegt werden. Vom Verbandsvorstande liegt eine Resolution über die Fleischversorgung vor, die über die gegenwärtige Lage des Viehmarktes Bericht erstattet« Darnach sind normale Verhältnisse auf dem Gebiete des Viehmarkles immer noch nicht eingetreten. Die Regierung hätte die Pflicht, dafür zu sorgen, daß die Volksgesundheit erhalten bleibt. Das könne fte am besten tun, wenn sie das streng überwachte deutsche Fleischergewerbe vor dem unlauteren Wettbewerb vieler ausländischer Firmen be­schütze. Für ausländisches Schmalz und Speisefett müsse

dem Rathausc statt. Tie Volksmenge verlangte ftürmifd) bie Demission des Bürgermeisters, darauf warf sie mit Steinen gegen das Rathaus, viele Fenster wurden zertrümmert. Erst nachdem Polizeiverstärkungen eintrafen, gelang es, den Platz vor dem Rathause zu Täubern. Viele Verhaftungen wurden vorge­nommen.

Bern, 10. Juni. Im Zuchthause verweigert die russische Attentäterin Tatiania Leontie w jedwede Arbeit. Sie zer­riß die Wasche, die ihr zum Nähen gegeben wurde. Üßcgcn schlechten Einflusses auf ihre Mitgefangenen mußte sie in eine Einzelzelle gebracht werden, wo sie mit Schlafen, Essen und Lesen ityte Zeit verbringt. Gegen das Anstaltspersonal benimmt sie sich höchst anmaßend.

B u d a p e st, 10. Juni. Das vom Ackerbauminister Daranpi gegründete landwirtschaftkiche Mu s e u m wurde heute vom König eröffnet. Der Monarch unterzog ti: Sammlungen, welche die Bodenbearbeitung, die Viehzucht und die laiiDii)ii:i|cl)nrtlicl)C Industrie in ihrer geschichtlichen Entwicklung von der ältesten Zeit bis zu den modernsten Methoden vorführen, einer Besich­tigung.

Jamestown (Virginia), 10. Juni. In einer Rede befür­wortete Präsident Roosevelt eine Entschädigung der in Ausübung ihres Berufes ^u Schaden gekommenen Ar­beiter bezw. ihrer Familien int Fall des Todes solcher Arbeiter. Die Lasten müßten die Unternehmer tragen, die ihrerseits diese durch Erhöhung der Weltpreise ihrer Erzeugnisse auf das Publikum abwälzen könnten. Für eine Unterscheidung zwischen Unfällen, die durch Nachlässigkeit oder force majeure verursacht seien, liege kein gesunder wirtschaftlicher Grund vor, eine Entschädigung müsse ohne weiteres erfolgen, statt daß darum erst prozessiert ivcrden müßte. Roosevelt sprach sich auch vor dem Nalionalvcrband d r Verleger für eine progressive Erbschaftssteuer aus.

Jas Achilleion.

Man schreibt uns:

Als Kaiser Wilhelm das Achilleion auf Korfu, bekanntlich einen der Lieblingsplätze der verstorbenen öster­reichischen Kaiserin Elisabeth, kaufte, geriet ein Teil unserer Presse vor Freude fast aus dem Häuschen, daß diesesHerr- liche Schloß", diesesParadies" von nun an dem deutschen Kaiser erb- und eigentümlich zur Verfügung stehe. Wer der Sache etwas auf den Grund zu gehen sich mühte, mußte über solcken Enthusiasmus- freilich den Kopf schütteln, denn der Kaufpreis von 1250000 stand in keinem Verhältnis zu den Unsummen, die die Kaiserin Elisabeth von Oesterreich einst in diese Besitzung gesteckt hat. Man sagte sich, daß da etwas nicht in Ordnung war. Kenner der Verhältnisse wußten es langst, daß man in Wien das Achilleion los werden wollte, selbst auf die Gefahr hin, es bedeutend unter dem Selbstkostenpreis abzugeben. Freilich knüpfen sich in der Wiener Hofburg nicht gerade angenehme Erinne­rungen an den Bau. Die Kaiserin Elisabeth, beinahe als Kind mit dem auch noch fast knabenhaften Kaiser Franz Josef verheiratet, reiste bekanntlich gegen den Willen des Gatten in der Welt umher oder barg sich in ihren be­sonderen Zufluchtsstätten. Das führte zu manchen merk­würdigen Episoden. Erinnert sei nur an ihr Zusammensein mit ihrem Vetter König Ludwig II. von Bayern auf der ülojeninfel" im Chiemsee, wo sie sich unter den Namen Adler" undTaube" anschwärmten. Später war dann das Achilleion ihre Roseninsel, wo sie sich ihren Schwär­mereien hingab. Kaiser Franz Josef hat diese Besitzung auch nie betreten und hätte sie schon längst gern losge­schlagen. Es fand sich auch eine. Gesellschaft, die dort ein Sanatorium errichten wollte. Doch verlautete gleichzeitig, die Absicht fei, ein neues MonteCarlo dort zu schaffen. Die Gesellschaft hat dies energisch bestritten, jedenfalls aber war auf die Gefahr hingewiesen, daß vielleicht in späterer Zeit die Stätte doch einem ähnlichen Zweck dienstbar ge­macht werden und sich dann in den ehemaligen Gemächern der Kaiserin Elisabeth dreiste Halbweltdamen der Spiel­hölle breit machen könnten. Der Verkauf in private Hände unterblieb daher.

Als jedoch Kaiser Wilhelm sich geneigt zeigte, war man in Men höchst entgegenkommend. "Allerdings ist es nicht mehr das alte, so vielfach wegen seiner feenhaften Pracht verherrlichte Achilleion. Vieles auf dem Schlosse und auch dem Park ist nach dem Tode der Kaiserin als von öfterr. Gelde beschafft, nach Wien transportiert worden, so daß die gesamte innere Ausstattung zunächst neu berge stellt werden muß. Und dasSchloß", das in jWirklichreit nur eine bessere Billa ist, wie man sie vor einigen Jahren schön fand, in antikisierendem Stile, ist auch nicht im besten Zustande. Vielmehr liegt es seit zwölf Jahren völlig unbewohnt und unbenutzt und für seine Erhaltung ist so gut wie nichts geschehen. Das fällt umso­mehr ins Gewicht, weil es von vornherein von dem Italien. Baumeister nicht für alle Ewigkeit aufgebaut zu sein scheint. .Die Einflüsse der Witterung haben sich denn auch geltend gemacht, daß voraussichtlich in Jahr und Tag ein Aufent­halt des Kaisers in Achilleion unmöglich sein wird. Damit hängt es auch zusammen, daß die Revaraturen nicht einem deutschen Baumeister übertragen werden, sondern bestimmt worden ist, daß der Erbauer, der Italiener Eorito, sie aus- zusühren hat. Er mag am besten wissen, wie er seinen Bau wieder in bewohnbaren Zustand setzt. Um die nötigen Anweisungen in die Wege zu leiten, weilte Oberhofmarschall Graf Eulenburg gelegentlich der offiziellen Uebernahme der Besitzung für den Kaiser vier Tage dort, was schon beweist, wie vielerlei dort zu prüfen und anzuordnen war. Vor allem muh die Elektrizitätsanlage wieder hergestellt werden. Ohne diese Anlage ist ein längerer Aufenthalt des Kaisers kaum denkbar, geschweige denn die Instand­haltung des Ganzen. Das Achilleion bezieht nämlich sein Wasser nicht durch Brunnen, sondern muß sie aus Seewasser Herstellen, die elektrische Anlage ist sonach der Hauptfaktor alles Seins in der Besitzung. Es wird aber schon jetzt erklärt, daß diese Arbeiten allein mindestens bis zum nächsten Frühjahr dauern. Die sonstigen Reparaturen können zum Teil natürlich erst nach Vollendung dieser Anlage in Angriff genommen werden. Inzwischen zeigen sich die Griechen, die den Hauptvorteil von der Sache haben werden, wenig entgegenkommend. Die Ueberschreibung des Besitztums auf Kaiser Wilhelm in das Grundbuch von Korfu ist auf alle möglichen formellen rechtlichen Schwie­rigkeiten gestoßen. An Auflassungsgebühren verlangen die Behörden von Korfu 500 Franken, außerdem die dem Kauf­preis von 1250 000 Franken entsprechende Stempelgebühr von 9400 Franken, weil nach den gesetzlichen Vorschriften im Auslande in diesem Falle in Oesterreich aus­genommene Urkunden auch in Griechenland stempelpflichtig sind, wenn sie inländische Grundstücke betreffen.

Zur Zeit der Kaiserin Elisabeth war die Besitzung für österreichisches Staatsgebiet erklärt worden; es wurden deshalb dafür keine Steuern noch Abgaben m Korfu und Griechenland bezahlt, auch gilt dort österreichisches Recht. Ob das Besitztum jetzt unter deutsche Reichs Hoheit kommt, ist noch nicht erwogen worden. Bis die Rechts­verhältnisse geordnet sind, herrscht dort souverain der ital. Kastellan Maltempo, den der Kaiser auch ferner dort als Verwalter beläßt. Besonders kluge Leute haben allerdings behauptet, der Kauf der Besitzung sei nur deshalb erfolgt, damit Deutschland oder vielmehr der deutsche Kaiser Grund habe, ein Geschwader ins Mittelmeer zu schicken bezw. sich von einem solchen ins Mittelmeer begleiten zu lassen, ohne daß England in die Verlegenheit komme, alle möglichen Verdachts- und Mißtrauensgründe einem solchen Flottenmanöver gegenüber zu haben. Man meint, daß Deutschland alle Veranlassung habe, sein in der Türkei stark ins Wanken geratenes Ansehen etwas auüubeiiern

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Reue Greueln in Rußland.

Der als Ingenieur der städtischen Straßenbahnen in Moskau angcstellt gewesene deutsche Staatsangehörige Drews wurde dort am 4. Juni von Terroristen ermordet. Drews hatte auf den Hinweis des deutschen Konsuls, daß er unter den obwaltenden Um­ständen besser täte, Moskau zu verlassen, geantwortet, daß er sich der Gefahr bewußt sei, ober durch verschiedene Umstände ge­zwungen werde, a.'uf feinem Posten zurückzugehen und daß er nie Verantwortung für diesen Entschluß übernehme. Der Mord wurde in Gegenwart von 22 Arbeitern ausgeführt. Bisher war cs noch nicht möglich, von diesen Arbeitern eine Angabe des eigentlichen Täters zu erlangen, oa sie offenbar die Rache der Terroristen fürchten und deshalb mit ihren Aussagen zurückhalten. Während die Kriminaluntersuchuug noch int Gange ist, hat die Verwaltung der Stadt Moskau dem Andenken des in ihrem Dienst verstorbenen Beamten dadurch eine Anerkennung gewährt, daß sie der Witwe eine lebenslängliche Pension in Höhe des vollen Jahresgehalts ihres ermordeten Mannes, also 3300 Rubel, aussetzte und die Kosten für den Transport der Leiche von Moskau nach Peters­burg bewilligte.

Am Samstag erschoß sich im Zuge auf der Fahrt von Petersburg nach Peter Hof ein gewisser Jakob Tschermann aus Tukim. Auf Grund von Papieren, die bei ihm vorgefundew wurden, wurde eine Reihe kompromittierter Personen verhaftet. Alle Anzeichen lassen darauf schließen, daß Tschermann im Be­griffe stand, iu Peterhof einen terroristischen Akt gegen irgend lemand zu verüben. Im letzten Augenblick scheint er jedoch iw seinem Plan schwankend geworden zu sein und zog den Tod vor.

Eine Strafexpedition, bestehend aus Kosaken, richtete in der Umgebung von Wladikawkas im Kaukasus großes Unheil an. Kosaken zogen in die Dörfer Olginske und Besorkina ein und veranstalteten ein Blutbad unter den Einwohnern. Außerdem folterten Kosaken zahlreiche Einwohner, wobei sie unmenschltche Grausamkeit entfalteten.

Wie aus Tschita gemeldet wird, hat in einem dortigen Hotel eine unbekannte Frau den Direktor des Zuchthauses von Akatui ermordet.

Der PetersburgerHandels- und Jndustrie-Ztg." zufolge war der Saatenstand am 2. Juni folgender: Für Winter­weizen im allgemeinen befriebigenb; in den Gouvernements Minsk, Mohilew, Witebsk, sowie Smolensk schlecht, in Bessarabien, Eher- son, Kiew. Podolien, Wolhynien, Tschernigow, Kaluga, Grodno, Wilna und Kowno unbefriebigenb; in den übrigen Gouvernements befriedigend. Der Winterroggen im allgemeinen gut mittel, schlecht und unbefriedigend überall, wo Winterweizen schlecht oder be­friedigend. Die Sommersaaten sind im allgemeinen vollkommen: befriedigend.

30. Deutscher Fleischertag.

I.

und dazu müßte man bei dem befreundetenkranken Manne" am goldenen Horn auch einmal mit einem passablen Ge­schwader paradieren können. Wie aber dort hinkommen, ohne Englands Verdacht aufs neue bis zum Gipfelpunkt zu treiben? Die Antwort auf diese Frage sei der Kauf des Achilleion gewesen. Selbstverständlich erübrigt es sich, auf solche Kombination einzugehen:Wär" die Idee nicht so verwünscht gescheit, man mär versucht, sie herzlich dumm zu nennen!"

Deutsches Reich.

Berlin, 10. Juni. Heute besichtigte der Kaiser das Modell einer neuen Kölner Rheinbrücke in Gegenwart des Ministers Breitenbach. Um 11 2/4 Uhr empfing der Kaiser den japanischen Admiral Vamamoto, um 121/2 Uhr den japanischen Prinzen Kuni. Zur Frühstückstafel waren u. a. geladen Staatsminister von Tirpitz, Admiral v. Hollmpnn und UnterstaatssekretÄ; Dr. v. Mühl­berg. Bei der Tafel saß der Kaiser zwischen dem Prinzen Kuni lind dem Admiral Vamamoto.

Ter Kaiser empfing vorgestern abend den Botschafter Freiherrn v. Marschall. Man geht wohl nicht febl, wenn man annimmt, daß die Haager Konferenz den Gesprächs­stoff bildete.

Zu Ifer Mitteilung, daß Staatssekretär Dernburg wegen Verleumdung und Beleidigung im Herzogtum Gotha acht Anklagen erhoben habe, erklärte Dernburg auf Anfrage folgendes:Tie Anklagen richten sich gegen Redatteure, welche die Beschuldigungen, daß unsere Soldaten in Südwest- afrifa unmenschliche Grausamkeiten begangen hätten, veröffentlichten. Ich werde mich auch künftig an den Grundsatz halten, alle Verfehlungen rücksichtslos zu untersuchen und zur Strafe zu bringen, aber auch alle Verleumder zur gerichtlichen Rechenschaft zu ziehen."

Angesichts der Fortdauer der hohen Fleisch- pr.eise beschloß der Magistrat der Stadt Dülmen ein­stimmig, sämtlichen Fleischermeistern des Ortes mitzuteilen, daß, falls innerhalb einer kurzen Frist feine den niedirgeu Viehpreisen angemessene Herabsetzung der Fleischpreise eintreten sollte, der Magistrat entschlossen sei, im Interesse aller Einwohner zur Selvhilfe zu greifen und dieErrichtung eigenerSchlacht- h all en vornehmen würde.

Nach einer Meldung des B. T. ist di: Nachricht, daß im Laufe der nächsten Monate eine Begegnung zwischen b13 m Zaren unb Kaiser Wilhelm unb zwar auf beutfdjem G - biete statlfinben werde, allem Anschein nach zutreffend. Die Begegnung werde stattfinden unter der Voraussetzung, daß zu der in Aussicht genommenen Zeit die innerpolilischen Verhältnis^ Rußlands dem Zaren eine Reise ins Ausland geitatten.

Wie dieNat.-Ztg." erfährt, soll auf allerhöchsten Befehl auf Grund der seit dem Bestehen der Verordnung über die Ehren­gerichte der Offiziere im preußischen Heere vom 2. Mai 1874 gemachten Erfahrungen in eine einheitliche Prüfung der Frage eingetreten werden, ob bezw. inwieweit Aenderungen in den formellen Bestimmungen dieser Verordnung sich als not­wendig erwiesen haben. Diese Verordnung des Kaisers wird mit den Ergebnissen der Prozesse gegen den Oberst Gädke in Ver­bindung gebracht.

Entgegen anders lautenden Meldungen erfährt dieTägl. Nundsch." von wohl unterrichteter Seite, daß die Vorarbeiten für die allgemeine Aufbesserung der Beamte^ gehälter noch nicht soweit gediehen sind, daß bestimmte Vdischläge dem Fachreferenten zugegangen sind. Ebenso wie für Preußen steht es auch für das Reich, außer Zweifel, daß wir ohne neue Steuern zu Gehaltsaufbesserungen nicht in der Lage sind.

Mannheim, 10. Juni. Ter neu: Gouverneur von Ka - merun, Geh. Legationsrat Dr. Scitz, ist heute hier einge­troffen, um on dem heute beginnenden Kongreß des Deut­schen Tabakvereins und der Tabakberufsgenossenschaft teil» zunebmen.

Karlsruhe, 9. Juni. Die N a t io n als0 z ia l en Badens beschlossen auf ihrer heutigen Tagung in Heidelberg, erneut in eine energische Propaganda für das allgemeine, gleiche, direkte unb geheime G e m e i n d e w a h l r e ch t mit Proporz ein­zutreten.

Schwerin, 10. Juni. Tie bisherigen Verhanblungen der beiden mecklenburgischen Ministerien haben das Resultat gezeitigt, daß die neue Verfassung sich auf einei^modernen Ausbau der alten Ständeordnung beschränken wird. So wird die Ritter­schaft wie die Landschaft bestehen bleiben. Tie Verlegung des Wahlrechts an die Stadt- und Landbevölkerung ist in der Weise vorgesehen, daß zu den bisherigen zwei Ständen ein dritter als allgemeiner Stand treten soll. Wichtiger als bie Wahlrechtsl- bestimmimgen und weiter den liberalen Wünschen entgegen­kommend, sind die übrigen Bestimmungen dev Verfassung, besonders die, welche von dem öffentlichen Unterricht handeln. Die viel angegriffene mecklenburgische Schulfrage wird von Grund auf geregelt.