Ausgabe 
10.8.1907 Zweites Blatt
 
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Mutter und Tochter sei es oft zu Handgreiflich­keiten gekommen. Olga soll der Mutter verschiedene Male an b : Vu'tjle gesprungen sein.

- Staatsanwalt Tr. Bleicher dagegen erklärte, er wolle, fall.' es zu eurer zweiten Verhandlung kommen sollte, was er übrigens für ausgeschlossen hält, noch er­drückenderes Bc weismaterial gegen Hau zu Tage sördern Namentlich soll ein bei seiner Gattin gefundenes Tagebuch, äußerst Belastendes enthalten. Tie Verhältnisse Han's sollen einer noch schärferen Beobachtung unterzogen werden urrd namentlich dnr.ch das Zeugnis des Newhorker Partners oon Hau, dem der Verurteilte große Summen schuldet, hofft er den endgültigen Beweis zu erbringen, daß Hau das Messer an der Kehle saß, und daß er jeder Ver­zweiflungstat fähig gewesen sei, um sich Geld zu ver­schaffen. Was den Mann mit dem grauen Bart betrifft, so glaubt Staatsanwalt Bleicher, daß sich Hau beim Verlassen des Postgebäudes den Bart mit Puder bestäubt habe, um hier­mit den Zusammenhang zwischen dem Mann mit dem schwarzen Bart am Telephon und dem Mann mit dem grauen Bart in der Gegend der Mordstelle zu verwischen.

Fräulein Olga Molitor hat den Brief, den Lindenau anonym an sie geschrieben hat, ihrem Bruder, dem Oberleutnant Molitor übergeben, der den Brief sofort der Staatsanwaltschaft über­mittelt hat. Tiefe Uebergabe des Briefs soll sofort nach der Verurteilung Hau's erfolgt sein.

Zu den Aussagen Li'ndenaus sind folgende Tatsachen in Betracht zu ziehen: Tas Geschoß ist durch den Körper gegangen, und die Kugel ist nicht aufgefunden worden. Ter Mantel und die Untertaille, sowie das wollene Hemd, das Frau Medi­zinalrat Molitor trug, sind angesengt und riechen nach Pulver. Der Schuß kann, wie gerichtlich festgestellt worden ist, nur aus einer Entfernung von 10 bis 20 Zentimeter abgeseuert worden sein.

Für die Beweiserbringung, daß von Lindenau tat­sächlich an dem Tage der Ermordung der Frau Medizinal rat Molitor in Baden-Baden gewesen ist, hat Rechtsanwalt Gönner bereits drei Zeugen ermittelt. Erstens den Chauffeur derVilla Tanfani", zweitens einen Tiener aus derVilla Kann" und drittens einen Zeitungsträger.

Von Bedeutung wäre der Brief zum Stelldichein in Baven- Vaden, den Lindenau erhalten haben will, und der ihn dorthin führte. Auf die direkte Frage antwortete Lindenau, & pflege Briefe in Mariage-Sachen" stets nach einigen Wochen zu ver­nichten. Bei dringlicher Nachfrage aber gab er auf den Hinweis, daß man solche wichtige Dokumente doch aufzubewahren pflege, zu, da ß der Brief Wohl noch vorhanden sein könne. Tas fragliche Schriftstück müßte also demnach entweder sich unter den be- schlagirahmten Papieren und Briefen befinden, oder es ist in Sicherheit gebracht worden, wenn es überhaupt existiert hat.

Es ist bekannt, daß sich Herr v. Lindenau viel Mühe gegeben hat, vor allem durch eine einmalige Abfindung von 3000 Mk., ein Kind zu adoptieren. In Karlsruhe bat er sich als Bauunternehmer betätigt. Vor einem Jahre ungefähr ist über sein Vermögen Konkurs verhängt worden und seine Grund­stücke im Werte von 15 bis 20 000 Mk. wurden gepfändet. Er hat dann in sehr beschränkten Verhältnissen bei einem Schuster- gewohnt und soll sehr solide gelebt haben. Nach einer Priöat- meldung aus Karlsruhe ist die vom Baron v. Lindenau gegen seine Inhaftnahme eingelegte Beschwerde vom Landgericht Karls­ruhe als unbegründet abgelehnt und die Fortdauer der Unter­suchungshaft wegen dringlicher Kollusionsgefahr verfügt worden.

Frhr. v. Lindenau ist übrigens in Mainz geboren als Sohn eines österreichischen Offiziers. Er sollte gleichfalls in die österreichische Armee eintreten, lunrbe aber dato wegen allerlei Vergehen, zum Teil Eigentumsvergehen, mit Kerker und Degradation bestraft und schließlich davongejagt. ___

Aus Stadt und Land.

Gießen, 10. August.

L e h r e r p e r s o n a l i e n. S.K. H. der Groß Herzog haben dem Lehrer Jak. Helfrich zu Hergershansen ans Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen mit der Krone verliehen. Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bermers­heim. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden.

** Der Fernsprechverkehr zwischen Gießen und Antwerpen nebst Vororten wird heilte eröffnet.

* Ei n Fahrrad, MarkeCito", on§ den Cito-Fahr­radwerken in Köln-Plettenberg, mit der Fabrik-Nr. 13037, das noch gut erhalten ist, wurde hier an einem Hause der Goethestraße in einer Gartenhütte niedergestellt. Das Nad ist entweder nach einer Reparatur irrtümlich dort hingestellt worden oder rührt von einem Diebstahl her, bei dem der Täter sich des Rades dort entledigte. Der Eigentümer des Rades oder die, die Ansprüche darauf zu machen haben, werden ersucht, sich bei der Kriminal-Abteilung des Großh. Polizeiamts, Zimmer Nr. 2, zu melden.

*' Der 2. Bezirkstag des Hassia- Bezir ks Gießen findet am 25. August hier statt.

+ Dorlar, 9. Aug. Tank der Beihilfe der ehorde konnte auch die hiesige Gemeinde endlich den Schulhnus- neubau beginnen, der zur Notivendigkeit geworden war. Gilt doch die hiesige Schule mit ihren beengten niedrigen Räumen wohl als die älteste im Kreise Wetzlar. Die neue Schule erhebt sich an der Straße nach Atzbach in schöner freier Lage. Sie darf als ein Musterschulhaus gelten und unserm Dorf zur Zierde gereichen. Man hofft, sie mit Beginn des Schuljahres 1908 beziehen zu können. Für zwei Klassen und zwei Lehrerwohnungen bietet der Neubau genügend Raum, Auch wird bei ihm ein Sehulgarten nicht fehlen.

4 Ost heim b. Butzbach, 9. Aug. Ein Einbruchs­diebstahl wurde heute am Hellen Mittag bei dem Handels­mann Heinrich Petri Hierselbst begangen. Ein schon am Vormittag im Ort nach Arbeit suchender Schweizer hatte beobachtet, daß Petri ' sein Wohnhaus verließ und hinter sich abschloß. Ter Schweiz-er versuchte nach kurzer Zeit durch das Kellerfenster im Hof in das Haus einzudringen, was ihm auch gelang. Beim Durchsuchen einer Kommode fielen ihm 500 Mk. in die Hände, womit er in der Richtung nach Bad-Nauheim zu verschwanö. Kurz darauf kam Petr: in die Wohnung zurück und bemerkte den Verlust. Ein Junge aus der Nachbarschaft hatte den fremden Menschen sich entfernen sehen; man setzte zunächst die Bahnpolizei in Bad-Nauheim in Kenntnis, doch der Zufall wollte es, daß man ihn nicht dort, sondern in Butzbach am Bahnhof o e r h a s t e n tonnte, nachdem der Gauner seine Spur durch Veränderung seiner Wegerichtung zu verwischen gesucht hatte. Tas vermißte Geld sand sich noch in seinem Besitz. Lr gab an, Albert Haase zu heißen und in Jena geboren -u sein.

lp Aus derWetterau, 9. Aug. Tie Ernte arbeiten find seit etwa 10 Tagen in vollem Gang. Körn und Gerste sind bereits geschnitten, und man ist jetzt an dem Hafer. Tie Haupt­ernte bildet der Weizen; er beginnt jetzt rasch zu reifen, sodaß nächste Woche mit dem Schnitt begonnen werden kann. Tann herrscht aus den Fluren der Wetterau ein emsiges Treiben und Hasten. Hier und da sieht man bereits die Dreschmaschine in Tätigkeit. Ter Landmann ist bestrebt, seine Frucht so rasch wie möglich nach Hause zu schaffen, da die Feldmäuse in Scharen auftreten und ungeheueren Schaden anrichten. Vor­züglich stehen auch sdie Kartoffel- und Zuckerrübenfelder, sie persprechen, ehne gute Ernte. An Allee herrscht großer lieber^

Gießener Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für Hessen am Sonntag den 11. August: Meist heiler und trocken. Warm.

Gießener Strafkammer.

)( Gießen, 9. August. Berwsrfcne Berufung.

Tie am letzten Tienstag unterbrochene Verhandlung gegen H. St. 11. von Rieder-Ohmen, der ein Urteil des Schöffen- geriehls Grünberg, nach roelcbem er wegen Beleidigung durch die AusdrückePapa und Mama" zu 10 Mark Geldstraie verurteilt worden ist, angefochten hat, führte zur Verwerfung der Berufung des Angeklagten, da alle Umstände darauf schließen ließen, daß es ihn: darum galt die Klägerin zu beleidigen.

Ein Epileptiker.

Die kürzlich durch Gerichtsbeschluß angeordnete Untersuchung des Ai a l e r g e h ü l j e n G. Sch. aus Eisenach, der sich hier ver­schiedentlich an schulpflichtigen Mädchen verging und ein Mädchen nm Hellen Tag in einem Neubau verfolgte, "ergab nach den Aus« 'ührungen des Sachverständigen, daß der Angeklagte für sein Tun und Treiben nicht verantwortlich gemacht werden kann. Ter Sach« verständige hielt ihn für einen Epileptiker, der erblich belastet ist. Wenn er auch keine Krampfanfälle hat, so ließ sich doch indirekt Nachweisen, daß bei ihm Dammer- und Traunrzustände vorkommen. Er hat ein sehr erregbares Nervensystem, bekommt fieberische Zuckungen und plötzliche Weinanfälle. Nach seinen eigenen Angaben ist seine Mutter nervenkrank; er selbst ist vor mehreren Jahren aus beträchtlicher Höhe gestürzt, hat dabei Arme und Beine gebrochen und ist bewußtlos liegen geblieben. Seither leidet er an Schwmdel- ansä'llen und Kopfschmerzen. Im Hinblick auf das Gutachten des Sachverständigen hielt es das Gericht nicht für nötig, die näheren Latumstände festzustellen. Weiin es auch eine Geisteskrankheit nicht für positiv feststcllte, so mußte es doch mit der Möglichkeit rechnen, daß er die ihm zur Last gelegten Straftaten m einem Zustande begangen hat, der feine freie Willensbestimmung au5- jchloß. Es mußte deshalb Freispruch emtreten.

Märkte.

Gießen, 10. Aug. Marktbericht. Aus heutigem Wockenmarktt kosteten: Butter pr. Pfd. 1.001.15 Alk., Hühnereier 1 St. 89 Vfg.» 2 Stck. 0000 Psg., Gänseeier 1000 Pfg., Enteneier 8 Pfg., Käst pr. Sick. 68 Pf., Käsemalte 2Stck. 5-6 Pfg., Erbsen p.Psd. 18-24Pfg, Linsen p. Psd.25-40Pfg., Taiiben pr.Pr.0,80l,00Mtt, Hühner pr.St« 1,001,60 9JIL, Hähne pr. Stück 0,801,80 Alk., Enten pr. Stück 1,802,20 Alk., Gause pr. Pfd. 0000 Pfg., Lchsenfleifch pr. Pfd« 8288 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 8082 Pfg., Schweine- fleisch pr. Pfund 7084 Pfg., Schwemefleifch, gesalzen, pr. Pfund 88 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 8090 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 6484 Pfg. Welsche per Pfund. Kartoffeln pr. 100 Kg. 89 All., Zwiebeln pr. Ztr. 6,007,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Kirschen das Pfund 2530 Pfg., Nüsse 100 Stück 5000 Pfg., per Ztr. 915 Mk., Weißkraut per Stück 1530 Pfg^ per Zentner Alk. 0.000.00. Marktzeit von 71 Uhr.

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heiratctcr Kaufmann verhaftet. Neue Festnahmen flehen bevor. Im Wäldchen bei Bublitz (Pommern) ist ein 15jähriges Mädchen Ida Kirchenwitz ermordet aufgefunden worden; vermutlich ist an ihr ein Sittlichkeitsverbrechen be­gangen worden. Außerdem iverden zwei Kinder vermißt. Die Chemnitzer Strafkammer verurteilte den Volksschullehrer Weißflug aus Oberwiesenthal wegen Sittlichkeitsverbrechen an Schülerinnen zu zwei Jahren Gefängnis.

^Kleine Tageschronik. Unweit n i gs ber g (Pr) ber Arnau geriet ein von Pionieren errichteter Ponton, als der ihn schlepp mde Dampfer Villdamapf g^b, in eine starke Strömung, juuröe ?ollge;chlagen und ging in Wenigen Augenblicken unter, £te Leiche» der ertrunkene» neun Pioniere wurden sämtlich geborgen. - Nach dem Genus; von Blutwurst verstarb der Zmlmermelfter Keske in Ernsthof bei Bublitz ffBommw-nV zwei Gesellen schweben in Lebensgefahr. - Ter P e iers b nr^ Medizmalinfpektor teilt mit, daß ein Fuhrmann, der Gurken verzehrt und Kwaß getrunken habe, unter untrüglichen Anzeichen von Cholera gestorben sei. Tie Stadtverwaltung ergreife dre größten sanitären Vorsichtsmaßregeln. In Bezug auf die Augelegenh.it des Ehepaares Gold, welches beschuldigt ist m Monte Carlo eine Schwedin ermordet und deren zer- ftüaeLte Leiche in einem Koffer nach Marseille gebracht zu haben wird gcmejbet, daß alle Juwelen der Halbweltdame aufgefunden wurden. Ter Wert derselben wird auf 1500 Franks geschätzt ^o.^d gehört einer alten irländischen Familie an.'

vcrsnirch.es.

* Ter folgenschwere Un,alldes D-Zuges52 Eydtknhnen-Thorn-Berlin in der Nacht vom 6. zum 7. August ereignete sich nach der jetzt vorliegenden amt­lichen Darstellung auf der gerade in einem Gefälle von 1:325 liegenden zweigleisigen Strecke zwischen Tremessen und Gnesen etwas 1 Kist-meter vor dem Haltepunkt Thalsee in einem Einschnitt von etwa 5 Meter Tiefe. Ter Zug war 52 Achsen stark und wurde von zwei Lokomotiven befördert. Es entgleisten die beiden Lokomotiven, der Packwagen, vier Personenwagen, darunter drei neue sechsachsige T-Zug- wagen, und wurden zum Teil starr beschädigt. Der vierte Wagen schob sich etwa mit der Hälfte der Länge in den drirten Wagen hinein, dessen Reisende teils getötet, teils schwer verletzt wurden. Die Zahl der Opfer belauft sich nach den bisherigen Feststellungen auf zehn getötet, bezw. bald nachher gestorbene und drei schwerverletzte Personen. Tie Leichtverletzten entfernten sich größtenteils bald nach dem Unfälle, so daß sich die Zahl, die als nicht erheblich ange­sehen wird, bisher nicht genau feststellen ließ. Tas Gleis, auf dem der Unfall sich ereignete, befindet sich zurzeit im Umbau. Mehrere hundert Meter waren im Laufe der letzten Wochen schon erneuert worden. In der Unsallnacht sollte eine weitere Gleisstrecke von 60 Meter Länge umgebaut, hierzu die bisherige Kies'bettung durch Kleinschlag, sowie der Oberbau durch neue Schienen und Schwellen ersetzt werden. Es handelt sich hierbei um eine infolge Abnutzung in regelmäßigen Zeitabschnitten wiederkehrende Gleiser­neuerung. Eine solche wird auf Strecken, wo der Zugver­kehr am Tage hinreichende Pausen für die Ausführung nicht bietet, auch in die Nachtstunden verlegt. Tie Arbeitsstellen werden durch Signale gedeckt, durch die die passierenden Züge zu vorsichtiger und langsamer Fahrt veranlaßt werden. Das war auch hier der Fall. Für die Arbeit war die längere Pause hinter dem Zuge D 52 in Aussicht genommen. Zur Erleichterung der Arbeiten während dieser Zugpause wurde indessen vorher und vor dem Eintreffen oes ver­unglückten D-Zuges das Bettungsmaterial zwischen einem Teile der Schwellen aus dem Gleise entfernt. Inwieweit hierbei gegen technische Regeln allgememer Vorschriften ver­floßen, und ob hie Signaie gehörig ausgestellt und beachtet wurden, wird die sofort eingeleitete gerichtliche Untersuchung ergeben. Vom Minister der öffentlichen Arbeiten ist eine befondere technische Kommission zur Teilnahme an der Unter­suchung entsandt worden.

* I m m e r neue V e r g u n f ä l l e. Am Pizzo Manco (Oberengadin) sind zwei Kurgäste aus Sils Maria, ein Sechzigjähriger Namens Kind aus Turin und der dreißig­jährige Albert Weber aus Wien ab gestürzt und als schrecklich verstümmelte Leichen auf dem Tschiervagletscher aufgefunden worden. Sie hatten am Montag ohne Führer die Besteigung des gefährlichen Berges versucht. Von Sils Maria traf am Mittwoch abend spät bei der Rettungsstation Pontresina ein Gesuch ein um Nachforschung nach Den Herren Kind und Weber im Berninagebiet. Die Station sandte noch in derselben Nacht je zwei Mann in vier Klubhütten der Berninagruppe. Bald daraus wurde aus Tschierva berichtet, das dortige 5Mtenbuch enthalte folgende Eintragungen: August Kind, Kaufmann, Turin, und Albert Weber, Wien- Turin. Der 5Mttenwart von Tschierva sagt aus, die beiden , Touristen hätten am Montag früh die Hütte verlassen und nach ihrer Aussage die Morteratsch- oder Tschiervatour aus- führen wollen. Daraufhin wurden tion_ zwei Seiten Ret- tungskolonnen in dieses Gebiet abgesandt. Auf dem Tschierva-Gletscher, am Fuße des fiijmec zu besteigenden Pizzo Bianco wurden die Leichen am Donnerstag nachmittag \ cuifgesunden; ihren Transport besorgten 25 Führer aus ! Pontresina. Die Absturzstelle bildet eine ziemlich senkrechte, j gegen 600 Nieter hohe Felswand. Von der Bettelspitze ; (Tirol) ist der Tourist Küiser aus Weinheim abgestürzt; ; er starb sofort. In der L a n g k o s e l g r u p p e stürzte ein Wiener Tourist, Namens Keil ab; er wurde schwer verletzt.

* Sittlichkeitsv erbrech en. In Troppau in österreichisch Schlesien herrscht in allen Bevölkerungsschichten tiefste Entrüstung über die von der Polizei ausgedeekten Sitt­lichkeitsverbrechen an Kindern. Bis jetzt sind 33 Schul­mädchen im Alter von 8 bis 13 Jahren sestgestellt worden, an denen unsittliche Attentate verübt wurden, unter ihnen viele, die die Klosterfchule besuchen. Bisher wurden ein aktiver Hauptmann, ein RechnungSsührcr und ein jung ver- .

JpolHnarlS

WEL T- TAFEL GE TRÄNK.

Niederlage bei; Jean Weisel, Sonnenstr. 6.

fiuß, viele Landwirte lassen den snee zu Hcu trocknen. Nur die Obsternte zeigt ziemlich geringe Aussicht.

-m Friedberg, 9. Aug. Ein H a ftp f lich tp r o z e ß, der einen romanhaften Beigeschmack hat, wird demnächst die Gerichte beschäftigen. Bei einem hiesigen Fabrikbesitzer ist gegenwärtig ein Dienstmädchen, das anscheinend lieber mit dem Gewehr, als mit dem Strickstrumpf hantiert. Vor etwa drei Wochen, als der Hausherr verreist war, nahm die Amazone einen Flobert, um auf Spatzen zu schießen. Zu­fällig arbeitete em junger Schreinergeselle in dem Garten, als ein Schuß siel, die Kugel streifte seinen Kopf, als der junge Manu einen Warnungsruf anSstieß, erfolgte fast unmittelbar der 2. Schuß, der leider besser traf. Die Kugel, ein 9 Milli­metergeschoß, drang ihm in die Bauchhöhle, in nächster Nähe der Schlagader, wo sie bis heute nicht gefunden werden konnte. Der junge Mann liegt im Hospital, und ist, wenn auch nicht lebensgefährlich, doch so schwer verletzt, daß seine Wiederherstellung noch längere Zeit dauern wird. Das Niädchen gibt an, von seinem Dienstherrn mit dem Spatzen­schießen beauftragt worden zu sein, was nicht gut glaubhaft ist. Die Entschädigungsklage richtet sich in erster Linie gegen das Mädchen, in 2. Linie gegen den Dienslherrn als Eigentümer des Geivehres und Auftraggeber zum Spatzenschießen.

v Wiesbaden, 9. Aug. Unter auffallenden Umständen ist in einem hiesigen kleinen Hotel ein Hotel­besitzer aus Schlangenbad m der letzten Nacht gestorben. Er war mit einer Dame, die anscheinend der Halbwelt an­gehörte, im Hotel abgelegen; als man den Gast später tot auffand, war die Begleiterin verschwunden. Eine Unter­suchung ist eingeleitet.

§ M a r b u r g, 9. Aug. Bei der heutigen Ergän­zung swa hl der Stadtverordneten in der 1. Wähler­klasse wurden General a. D. Feyerabend und Prof. Reissert gewählt. In dem Vj4 Stunden m nordwestlicher Richtung liegenden Dörfchen Aiichelbach steht noch eine aus dem 13. Jahrhundert stammende, im romantischen Heber» gaugsstil erbaute Kirch e. Wie jetzt mitgeteilt wird, soll diese unter Leitung des hiesigen Architekten Dauber ihrem alten Charakter entsprechend wieder hergestellt werden. Dei Staat hat eine namhafte Beihülfe zu den Kosten bewilligt. Riichelbach, jetzt ein kleines Dörfchen, war früher der Sitz eines Erzpriestecs.

Grigirral-Drahtmelvungen«

Frankfurt a. 2JL, 10. Aug. Zur Berhütuna vov E i f e n b a h n u n f ä l l e u har die Generaldirektion der Reichs^ elfenbahuen verfügt: Zusammenstöße von Güter- mit Personen­zügen sind neuerdings häufig dadurch veranlaßt, daß die zulässige Fahrgeschwindigkeit überschruten wird und daß Züge infolgedessen vor demJn-Halt-Slettung" stehenden Einfahrts-Signal nicht zum Stehen gebracht werden konnten. Das Lokomolivpersonal ist fort­gesetzt, namenlkich in den Unterrichtsstunden, gründlich zu belehren, daß die durch das Fahrplanbuch festgesetzte Höchstgeschwindigkeit, nach der die kürzeste Fahrzeit berechnet ist, nicht überschritten iverden dari. Die Anzahl der zu bremsenden Wagenachsen ist allein für diese Geschwindigkeit bestimmt, und wenn diese überschritten' wird, reicht die Bremsenzahl nicht aus, um den Zug rechzeitig zum Halten zu bringen, auch ivenn der Lokomotivführer alles aufbietet, diese Bremswirkung zu erhöhen.

Metz, 10. Aug. Kardinal Erzbischof Fischer-Köln hielt aus der gestrigen Generalversammlung des Kongresses eine Rede, worin er sagte, daß die große sakramentale Prozession am Sonntag nicht d e n C h a r a k t e r einer H etzHerausforderung gegen Andersgläubige haben, sondern den Ausdruck der Liebe und Versöhnung tragen solle. Nicht in allen Ländern seien zurzeit solche Kundgebungen katholischen Glaubens möglich, man brauche nur über die westliche Grenze zu blicken. Er danke deshalb den Behörden und vor allem dem Kaiser. Ter Erzbischof teilte weiter mit, daß der Lvngreß 1908 in London und 1909 in Köln tagen werde.

London, 9. Ang. In letzter Stunde au5 Tanger ein* getroffene Telegramme berichten, daß die Zahl der in Casa- blanea getöteten und verwundelen Atarokkaner auf 3000 geschätzt wird. Der englische Konsul in Mazagan ersuchte um Entsendung eines Dampfers, der auch unverzüglich abging. In Ak a z a g a n ist die Ruhe vorläufig wiederher­gestellt. Ebenso bestätigt es sich, daß in Rabat Ruhe herrscht. Zwischensälle iverben dort nicht mehr erwartet, da der französische Zoltkontrollcur die Stadt verlassen hat. Ein spanisches Kriegs­schiff mit einem Teil der spanischen Bewohner Casablancas ist in Tanger ciiigetroffen. Spanier berichten, daß die sraiizöstschen Kriegs^ schiffe fortfahren, ab und zu Granaten in die Stabt zu werfen, um sich ansammelnde marokkanische Truppeil zu zerstreuen.

Tanger, 10. Aug. Ter spanische Dampser .James Hayner", der von Casablanca hier ankam, halte 6 0 Flücht­linge an Bord. Sie ergänzten die bisherigen Meldungen über die Ereignisse in Casablanca durch die Erzählung, daß dieLei ch en der getöteten Europäer um die Stadt geschleift und zum Gegenstaiid des Gespötts gemacht worden seien. Die Haltung der spanischen Alatrosen fei sehr gut gewesen.