Nr. 186
Zweites Blatt
157.3
Erscheint tSgllch mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger für Gberheßen
5U
Graf zu Stolberg.
Sr. Hochwohlgeboren
Sobald der Reichstag zujammengetreten fein ivird, werde ich einer münblidjen Ansjprache gerne bereit jein.
In ausgezeichneter Hochachtung bin ich
Euer Hochwohlgeboren sehr ergebener
Di- „Siebener FamttknblStler" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Der „hesstfche Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Vorgehens enthält und in dem um die Hülfe Frankreichs zur B'strafung b:r Schuldignr gebeten wird.
— Der Kreuzer „Forbin" ist aus Casablanca, das er gestern abend nach der Ausschiffung von Truppen verlassen hat, hier eingetroffen und bestätigt, daß 2000 Soldaten die vollständig geplünderte und in Brand gesetzte Stadt besetzt haben. Tie Marinetruppen hatten 2 Tote und 15 Verwundete. Ter spanische Kreuzer „Rio de la Plata" ist angekommen. Das Eintreffen des Panzerkreuzers „Jeanne d'Arc" ist gemeldet.
— Ter Kreuzer „Forbin" bringt ferner die Nachricht mit, daß in Casablanca vollkommene Ruhe herrsche, daß alle Flüchtlinge von den. Dampfern wieder an Land gegangen und in ihre Wohnungen zurückgekehrt seien. Tie Stadt liege allerdings in Trümmern. Durch Funkentelegramme hat der britische Konsul in M a z a g a n um Entsendung eines britischen Dampfers ersucht. Ein solcher ist zurzeit dorthin unterwegs.
— Ein Augenzeuge berichtet, daß bei den Straßen- kämpsen am letzten Sonntag drei spanische Matrosen von den Rebellen umzingelt wurden und sich heldenhaft verteidigten. Ein spanischer Unteroffizier, den plötzlich die Wut Packte, warf sein Gewehr fort und sprang einem seiner An- greifer an die Kehle und erwürgte ihn.
— Das kommende Winterhalbjahr der Ludo- v i c i a n a bringt eine Fülle von Vorlesungen ans den verschiedensten Wissensgebieten, die auch für weitere Kreise, für frühere Akademiker und Nichtakademiker, Interesse besitzen. Wir heben nur folnenbe Kollegien hervor: Werden und Wachsen des Ultramonlan s "us im 19. Jahrhundert, 6)eh. Kirchenrat Prof. Dr. Krüger; — Ech il* Hygiene (für Nichtmediziner), Prof. Dr. Kassel; Familiensori^,ung unb Vererbungslehre (für Angehörigen aller Fakultäten) Prof. Dr. Sommer; Forenfische Psychiatrie für Mediziner und Juristen, mit Besprechung von Begutachtimgssällen und Vorstellung von Geisteskranken, Pros. Dr. Tanneinann; — lieber Wesen, Ursprung und Entwickelung der Sprache, Geh. Hoirat Proü Dr" Siebeck: TaS Gefühls- und Willensleben des Kindes, Prof. Dr. Groos; Geschichte der Philosophie von Kant bis auf unsere Tage, Prof. Dr. Kinkel; Schiller als Philosoph, Prof. Dr. Kinkel; Ucbev den Begriff und das Lebeii der nienschlichen Seele, Prof. Dr. K nkel: Chemisches Praktikum für Landivirte, Pros. Dr. Elbs; Weltverkehr und Welthandel, Prof. Dr. Sievers; Italienische Malerei, Prof. Dr. Sauer; Niederländische Malerei, mit Lichtbildern (bei genügender Teilnehmerzahl je eine Exkursion nach Kassel iinb Frankfurt am Schluß des Semesters), Tr. Rauch; Tas griechische Drama (für Studierende aller Fakultäten), Tr. Körte; lieber Sprachgebrauch und Sprachrichtigkeit, Geh. Hofrat Pros. Tr. Behaghel; Tie Wortbildung des Deutschen, Behaqhel; Geschichte des deiitschen Dramas un 19. Jahrhundert voll Hebbel bis Hauptmann, Prof. Dr. Collin; Geschichte der altgernianischen Religion, Prof. Tr. Helm; Entstehung und Entwickelung des modernen Romans, Dr. Küchler; Ausgewählte Kapitel aus Kultur imd Literaturgeschichte der Re- nniffnnce, Dr. Küchler; Robert Schumami unb ‘ ferne Werke, mit Erläuterungen am Klavier, Prof. Trauunann.
— O diese S ch n a k e ii! Nun sind die heißen Sommertage doch noch gekommen uiid nut ihnen die übelsten Plagegeister, die
dem Mitglied des Reichstages, Vize-Präsidenten Herrn Köhler-Langsdorf, zu Langsdorf i. Großh. Hessen.
Berlin, 9. Aug. Der Abg. Bassermann traf zum Besuch beim Reichskanzler in Norderney ein und hatte mit d e m F ü r ft e n Bülow eine längere Besprechung.
— Der zweite Delegierte des Deutschen Reiches bei der Algeclras-Konserenz, Graf Tattenbach, ist heute früh aus Lissabon im Hotel Kaiserhof hier eingetrosfen. Man wird diese Reise mit den plötzlichen Ereignissen vor Casablanca in Verbindung bringen dürfen.
— Wie die „Nordd. Allg. Zig." meldet, hat ein Austausch von Ratiflkatlonsurkunden zu der neuen deutsch - französischen Urheberrechts - Ueberein- kunft vom 8. April 1907 am 31. Juli stattgefunden. Die
Samstag 10. August 1907
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UntversitätS - Buch- und Steindruckeret.
R. Lange, Gießen.
Schnaken. Ein kmrpsiger Lebensphtlosoph im stattlichen Mannesalter von 4 Jahren vertündete mit ernsten Minen feine Sommerempirie in folgendem Satze: „So ein eoinmer ist dumm. Zuerst regnets alle Tage und bann kommen die Schnacken, wenn die Sowie scheint. Muttchen, mir jucken die Hosen und die Strümpfe auch." Und welche Erfahrungen sammelt, wer abends am Walde behaglich Platz nimmt bei Bier und Butterbrot. Nomina sund odiosa. „Ach, wie schön! Wie herrlich!" Wie windstill! Er muß lächeln. Sein Tischnachbar kratzt sich gerade auf der Glatze herum. Wie das komisch aussieht! lind dann — die Dame da! Nein, das schickt sich nicht! Die reibt sich das Bein. Bald möchte er laut ausplatzen. Mama errötet. „Schau weg, Bubi", j/igt sie zum Sohn. Papa schaut dahin, von wo Bubi wegschauen soll. Eine junge Dame stößt taktmäßig einen fremden Herrn mit dem Füßchen. Feine Familie! Papa spielt den Entrüsteten. Da muß er sich plötzlich auch kratzen; und zwar auch auf dem Kopf; und da darauf keine Haare sind — auch auf der Glatze. Die verdammten Schnaken! Maina fuchtelt mit dem Taschentuch um sich herum. Sie ist putlerrot. Jetzt fährt sie mit der Hand talabwärts. Sie greift nach der Wade und reibt und reibt. Papa schielt verlegen hinunter. Ganz iuie bei jener Dame, über die er sich schier totlachen wollte. »Was stößt du mich beim immer fo?" fragt jetzt plötzlich ärgerlich die Mutter den Sohn. Ter hat auch begonnen, zu „sicheln", ganz ivie das junge Mädchen da drüben. ,M'ch beißt etwas entsetzlich auf dem Fußrücken, Mama." Papa packt beide Glasdeckel und klopft wie em Besessener und rüst die Bedienung, lind als er eben das Geld aufzählen will, muß die Linke plötzlich die Rechte ablösen, denn eine große Schnake „arbeitet* darauf fieberhaft. Papa will nach ihr schlagen, vergißt aber, daß er Geld m der Hand hat. Tie Schnake ist tot; mausetot. In der Luft aber fliegen die Fünfziger, Groschen und Pfennige herum und fallen zu Boden, sich im Sande verkriechend. Alan lacht. Uederall. Hier, da und dort!! Papa ist luiuenb. Er sucht das Geld; Mama, Bubi mit. Natürlich auch der Kellner. Endlich hat man's zusammen —- dis auf einen Fünfziger. Papa geht nut seiner Familie. Er schimpft auf die Gäste, die Schnaken und das schöne Wetter. Das schlechte Wetter ivar doch angenehmer. O liebe Schnalenkommission, wohin bist du entjchivunden!
— Tie Vorstellungen des Gr. Hoftheaters zu Darmstadt werden, wie uns geschrieben wird, am 8. September mit der Oper Templer und Jüdin beginnen. Tas Schauspiel soll mit Wüdcnbruchs a b e n ft e i u e r t n" eröffnet werden.
— Ludwig Fulda hat die deutsche Bearbeitung eines nachgelassenen Werkes von Ibsen übernommen, der das Bruchstück einer epischen Dichtung in gereimten Versen ist. Fuldas Verdeutschung soll im Herbst erscheinen.
— Der französische Gesandte in Tanger, Reg- nault, wird nach seiner Rückkehr aus Karlsbad die Aw- Ichauungen Clomenceaus über die in Marokko zu ergreifenden nachitcn Maßnahmen dem Minister Pichon mitteilen, mit dessen Instruktionen versehen auf seinen Poften nach Tanger zurückkehren und das diplomatische Korps einberusen. Ein Teil. Uer Pariser Presse fährt indessen fort, die Regierung zu einer Aktion in größtem Umfange zu drängen. Tie'französische Zollbehörde müßte um jeden Preis in ik/oen Funktionen belassen, d. h. durch Militärgewalt unterstützt werden. Tie Trikolore dürfe von Casablanca nicht herabgeholt tverden. Minister Pichon denkt, wie man bestimmt versichert, in diesen Punkten viel ruhiger und findet bei Fallieres kräftige Unterstützung.
Ter.Antimiditarist Professor Serbe veröffentlicht m semem Mattle „Sa guerre sociale" einen heftigen: Artikel gegen bi e Expedition nach Marokko svk- wie gegen die Beschießung von Casablanca und bedauert unter anderem, daß die Antimilitaristen nicht in der Lage seien, die Ausschiffung von Soldaten durch einen Streik unmöglich zu machen. Er drückt weiter den Wunsch aus, daß die Franzosen vom Sultan von Marokko in derselben Weise cinblangen werden möchten, wie die Italiener boni Negus von Abessinien empfangen wurden ober daß sie zu Tausenden verenden möchten, luie in Madagaskar.
Sanger, 9. Aug. Tas Eintreffen der vier französischen Kriegsschiffe, lvelche das Vombardement der Kreuzer „Galiloe" und „Forbin" unterstützen, erfolgte am 7. August 11 Uhr vorm Das rechtzeitige Eintreffen dieser Kriegsschiffe war ausschlaggebend für bie Zurückwerfung der angreifenden Aufrührer, denen die kleine Ableiluiig Fratizoseil nicht langer hätte Widerstand leisten tonnen. Admiral Pyilibert ließ durch Maueranschlag bekanntgeben, welche Absichten Frankreich verfolgt. Am Nachmittag des 8. August schlug General Trude in der Nahe der Stadt einen Angriff von 5—6000 Reitern ab. Casablanca ist zurzeit von 2000 Mann besetzt.
— Ter spanische Kreuzer „Rio de la Plata" und der französ. Kreuzer „Forbin" sind heute in Tanger eingetroffen; sie wechselten mit dem Fort Salutschüsse.
— Nach dem Bombardement des arabischen Stadtteils und der Umgebung Casablancas besetzte ein Bataillon Fremdenlegion, das von der Division Philibert gelandet wurde, den Strand. Tie Tore und Walle wurdeii von Pionieren gesprengt. und besetzt; wo sich Gruppen von Arabern bildeten, wurden sie durch Kanonenschüsse zerstreut. Der Dampfer „Nive" ist gestern angekommen und landete sofort 2200 Mann. Ter Panzerkreuzer „Admiral Aube" ist nach Mazagan entsandt worden.
— Berichte ausCasablanca melden, daß die deutsche Post ausgeraubt und 4500 Pesatos gestohlen wurden.
— Ter ftanzö fische Konsul M al per tu y in Casablanca erhielt sofort nach seiner Ankunft einen Brief von Muley Hamid, der eine i r r ’ ’ ' * ‘ '
zogen habe. Ein Angriff von 5000 bis 6000 Reitern wurde energisch zurückgewiesen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^51. 9lebattion:e^ii2. Tel.-AdruAnzeigerGießen.
Aus einer Gießener LeihbiSLiothek vor IW Jahren.
Ter Zufall hat mir ein Blättchen in die Hand gespielt, das die 9ieueingänge der Kriegerischen Leih- und Lesebibliothek in Gießen für das Jahr 1806 enthält und anscheinend als Zeitungs- bcilage zu dem damals hier allwöchentlich einmal mit 4 Seiten Text erscheinenden „Giesser Anzeigungs-Blättchen", der Ahne des Gießener Anzeigers, erschienen ist. Es gewährt einen interessanten CiuöUck in die damalige geistige Kost des deutschen Kleinstädters, die nach unseren Begriffen außerordentlich niedrig zu betonten ist,, zumal wenn man bedenkt, daß Gießen doch auch damals^ Universitätsstadt war und in seiner Um g eg end zahlreiche Adelsfamilien saßen, die ihre literarischen Bedürfnisse sicher ebenfalls zu einem großen Teil in der Hauptstadt Oberhcssens deckten. Tas 29 verschiedene Werke umfassende Verzeichnis, das im Januar 1807 gedruckt wurde, enthält vorwiegend Belletristik und Lustspiele, jedoch auch einige historische Werke ufto. Von heute noch bekannteren Autoren finben wir, soweit sie überhaupt angegeben sind, Kotzebue, Lafontaine und Archenholz. Auffallend ist das gänzliche Fehlen zeitgeschichtlicher Werke, wenn wir nicht die unter 2412 stehende Prozeßbeschreibung dahin rechnen wollen. Offenbar fürchtet der Besitzer der, Leihbibliothek durch Aufnahme zeu.geschichtlicher Bücher das dNißtrauen und Mißfallen der ja damals in den Rheinbundstaaten allmächtigen Franzosen zu erregen. Doch lassen wir das Verzeichnis selbst reden. Es verzeichnet im wesentlichen: Alphonsine, oder der Zögling unterirdischer Liebe von Fr. v. Genlis für Deutsche bearb. Augio- tina, die liebende Büserin, von A. W. Rose. v. Archenholz, I. W., (beschichte Gustavs Wasa, Königs von Schweden. Cyaereas and Kallirhon, ober die Folgen der Eifersucht, eine antike ^tovelle oon Schmieder. Ter, Emeritus, Seitenltück zum Landprediger, oon Lafontaine. Erwina, oder die Geheimnisse der unterirdischen Gruft, vom Verfasser Lorenzo. Eudocia, Gemahlin Theodosius )e<3 Zweyten, eine Geschichte des dien Jahrhunderts, zwei Bände, nit Kups. Fiametta, aus dem Italienischen des Boccaccio über» 'etzt, von Brentano. Grünberg, ein Roman vom Vers, der Gerichte eines Strumpfbandes. Der Hagestolz, oder die sieben chebschasten, von Schmiedtgen mit Kupf. Julius, oder das 6ctterhaus, von Müller, v. Kotzebue, A., kleine Romane, Er- .ühlungen, Anekdoten und Miszellen, 3. Bändchen. Carolus Mag- lus, ein Lustspiel in 3 Aufzügen. (Fortsetzung der deutschen c'leinfiäbter) von Kotzebue. Tie Hussiten vor Naumburg, von ^'otzebue. Blinde Liebe, ein Lustspiel in 3 Aufzügen, von A. v. -iotzebue. Tas Organ des Gehirns, ein Lustspiel in 3 Aufzügen. Lafontaine, Sittenspiegel für das weibliche Geschlecht, 2 Bände. Nar-Hanna, oder die Pilgrime aus Renten, eine heilige Kunde wn dem Buche der Menschheit. Die merkwürdige Maskerade, >ber der seltsame Tausch, vom Verf. der Angelika. Maria Rcont-
Aie in WaroLüo.
♦r 9. Aug. Die Lage In Casablanca ist
allen Telegrammen aus Tanger zufolge furchtbar. Nicht einmal die unmittelbare Gefahr für Leib und Leben der
tn ()er _e>tabt befindlichen Europäer ist behoben, da eS fraglich erscheint, ob die französischen Landungsttuppen, deren Zahl nut insgesamt 2000 entschieden überschätzt wird, einem vereinigten Ansturm der durch die Beschießung auss äußerste er- bitterten, durch Zuzug von >Ltammesleuten aus der Nachbarschaft verstärkten Stadtbewohner gewachsen wäre. Tie Munition der Kreuzer ist durch das 28stündige Vombardement nahezu er s ch öp f t. D»er größte Teil der Stadt gleicht einem rauchenden Trümmerhaufen. Tie Straßen sind von verwesenden Maurenleichen iiberfät. Tie Luft ist verpestet, die Zufuhr von Lebensmitteln hat so gut wie aufgehört. T,ie Bureaus der Staatsbank sind zertrümmert, ihre Kassen völl i g ausgeraubt. Am schrecklichsten ist das Judenviertel zugerichtet.
— Tie Tribüne meldet aus Tanger: Ter Stamm der And scher steht jetzt nahe bei Tanger. Man hört den Lärm eines Feuergefechtes, unter den Europäern herrscht große , .Mael Ain in, der Groß-Sherif der Sahara ruckt mit 8000 Anhängern gegen Mogador vor. Ec will die Christe n au^rotten. Die Bevölkerung ist im Aufruhr gegen den Pascha.
— Einer Meldung des Reuterschen Bureaus auA Mogador vom 30. Juli zufolge ist Cap Juby von den Stämmen Aituyusa mio Ailchemal überfallen und angegriffen worden. Mehrere Soldaten der Garnison wurden getötet, die übrigen gefangen genommen. Vorräte und Proviant wurden geplündert. Ter Gouverneur entkam in einem kleinen Boot nach dem Jnsel- fort Mulainen. Auch eine Karawane von Adrar nach Cap Juby ist übersullen und zur Rückkehr genötigt worden.
— Ter Berichterstatter der „Daily Mail" in Casablanca, Namens Hands, sendet als Zeuge der ersten Beschießung der etabt eine ausführliche Darstellung der Ereignisse, woraus hervorgeht, chaß der marokkansicye Stadtkommandant Mulai Amin seiner Pflicht nach Kräften nachgekommen ist, daß aber die voreilige Landung einer ungenügenden Zahl franz. dNatrv^rn vom Kreuzer ,,Galil6" zum Schutze des französischen stvnjulats bie jueitertn blutigen Vorfälle verschuldete.
— Ter „Times" berichtet aus Tanger, daß dort eingetroffene mavokkaniiche Beamte einen Brief des Gouverneursvon -etuan erhalten haben, wonach Mac Sean von SlaifuH m Freiheit gesetzt worden ist. Die Freilassung soll auf die Initiative des Stammes der Chmes zurückzuführen sein.
Paris, 9. Aug. ($in Telegramm des französischen Ge- WflöträgerS in Tanger an den Minister des Aeußeren, Pichon, vefü)reibt im einzelnen die äußerst tapfere Haltung der am 6. August morgens mit dem Schutz des französischen Konsulates^ beauftragten Abteilung und fügt hinzu, daß viele Ausländer Zeugen der Tapferkeit und Geistesgegenwart der Mannschafteiü toaren und mit Worten der Bewunderung nicht zurückhielten. Ein Telegramm des Generals Trude an den Kriegs'minister! Picquart meldet: Am 7. August erfolgte die Befitzergrei- । un g von Casablanca, das feit 5 Uhr früh von einer! Marinealsteilung verteidigt wurde, von der zwei Ossiziere und 10 Mann verletzt und zwei Mann getötet wurden, als sie die l'Nehrzahl der diplomatischen Agenten beschützten. Die Verteidigung ehre alle Teilnehmer. Ein Telegramm des Admirals Phrlibert bezüglich des am 7. August von den französischen und spanischen Seeleuten zurückgetoiesenen kräftigen Angriffes auf bas Kvnsulatsviertel, besagt, daß rwch fünf Matrosen von dem Kreuzer „Tu Chayla" getötet wurden, und daß auci) die Spanier Tote und Verwundete hätten. Die gegen den Machsen aufrührersichen Stämme haben, wie es im Telegramm weiter heißt, bedeutende Verluste erlitten, die noch durch das Feuer der Kreuzer „Galilee" und „Forbin" erhöht wurden. Vier Kreuzer #unb Panzerschiffe kamen morgens elf Uhr noch zur Zeit an, um den Angriff, dem die Abteilungen nicht mehr lange hätten widerstehen können, zum Stillstand zu bringen. Cs wurden Truppen gelandet, nachdem 15 Minuten lang gefeuert worden war, um die Umgebung der Stadt zu säubern. Tie Landung ging schnell vor sich, trotzdem die See sehr hoch ging. Tie Stadr wurde« besetzt. Die Landung des Materials wurde bei dem Licht der Scheinwerfer die Nacht hindurch fortgesetzt. Admiral Philibert und General Drude ließen an Land eine Proklamation anschlagen, die die Absichten Frankreichs kund- giot. Ein ferneres Telegramm Philibecls am -8. August Nach- miu.'go meldet, ^daß^Trude in der Nähe dcr Stadt Lager be-
Das Ltaiserpnür auf Schloß Wilhelmshvhe.
Wilh e lms h öhe, 9. Aug. Ter Kaiser konferierte heute mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, von Tschirschky, und dem Gesandten v. Jenisch.
pesier, Prinzessin von Orleans, ein romantisch Gemälde aus den Zeiten Ludwig XlVten, von Muller. Ter Prozeß Ludwig be*> XViten und dessen Gemahlin, von Posselt, 2 Teile. Röschens Verlegenheiten, von G. F. Fischer, mit 1 Kupfer. Tobias cktos- mariiistengel, ober Abenteuer, Ausflüge und Verwandlungen eines jovialen Windbeutels, ein komischer Roman mit 3 ausgemalten Karikaturen. Ruinen, die, in der Geisterburg, ober die warnende Stimme um Atitternacht. 3. Teil. Skelette, aufgestellt von K. Fr. Töhnel. Wanderungen und Abenteuer zwischen Dorf und Stadt, vom Verfasser der Heliodora. Wanderungen der Phantasie int Gebiete der Wahrheit.
Also kein Werk unserer Klassiker, nichts von Goethe und Schiller, den bekanntlich ein Jahr vorher sein deutsches Vaterland so früh verloren hatte.
Ihre Vorschläge in Betreff der Reichstagstagung werde ich dem c'V“v •'-'vuit.M i ©ciiiorencoiivente gerne uorlegen. Ich muß aber allerdings sagen,
offizielle Billigung des französ. daß dieselben doch etwas zu schematisch zu fein scheinen.
nält und IN dem nm hie kckilfe ^rnnfreidia Zunächst werden Sie sich wohl mit Ihren engeren Freunden über dieselben zu einigen haben.
ttfyr traf der König von Siam mit seiner Begleitung auf dem Bahnhofe Wilhelmshöhe ein. Der Kaiser der den Ueberrock der Posener Jäger zu Pferde trug, war zum Empfang auf dem Bahnhofe erschienen. Mit dem Kaiser waren anwesend der Kommandant des Hauptquartiers, Generaladjutant v. Plessen, der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, v. Tschirfchky, der Gesandte Freiherr v. Jenisch, die Adjutanten und die zum Ehrendienst kommandierten Herren. Leide Majestäten begaben ich im offenen Automobil nach Schloß Wilhelmshöhe; ein zahlreiches Publikum hatte sich eingefunden und begrüßte die Majestäten herzlich.
Bei seiner Ankunft im Schloß Wilhelmshöhe wurde der König von Siam vom Oberhofmarschall Grafen Eulen- bur'b empfangen. Hierauf wurde der König zu der Kaiserin geleitet, die ihn empfing. Tie Majestäten, Prinz Paribatra und Prinzessen Viktoria Luise nahmen darauf den Tee im Garten in der Nähe des Schlosses ein; dann unternahmen der Kaiser, der König und der Prinz mit sämtlichen Herren der Umgebung eine Spazierfahrt im Autoniobil durch die Anlagen. Mit dem König von Siam ist auch der siamesische Gesandte in Berlin hier eingetcoffen. Ter Kaiser verlieh dem Prinzen Paribatra die Uniform des Kaiserin Augusta-Grenadier-Regiments, bei dem der Prinz seinerzeit Dienst getan hat.
Heute abend sand auf deut Schloß Wilhelmshöhe bei den Majestäten ein Tiner zu Ehren des Königs von Siam statt. Hierbei sap der König links neben der Kaiserin und gegenüber saß der Kaiser. — Ter Kaiser stellte Den Prinzen Paribatra ä la suite des Königin Augusta- Grenadier-Regiments. Der Kaiser verlieh dem General- adjutanien Cyolv Phya Surawongse das Großkreuz des Roten Adlerordens und dem Oberst 9lon NarendS den Roten Adlerorden 2. Klasse.
Deurichss Reich.
— Aus bie Eingabe des Abg. Köhler-Langsdorf an den ReichstagSpräsidenten Gras zu Stolberg-Wernigerode, bie (Einführung einer freien Woche nach voransgegangener vierzehntägiger Sitzungsperiode, sowie die etwaige Ausdehnung der ganzen Session von Oktober bis Juni betreffend, hat der Präsident des Reichstages folgende Antwort erteilt:
D ö n h o f fr ä d t L Ostpreußen, 8. 7, 07. Sehr geehrter Herr Kollege!


