Ausgabe 
10.5.1907 Zweites Blatt
 
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7>ofsen wir, daß die Siechenanstalt auch unter einem neuen Direk­torium im Geiste des alten weitergeleitet werden möge.Nehmt alles nur in allem, er war ein ganzer braver Mann!"

Zur Beerdigung des D i r e k t o rs Dr. M a r k m a l d 'hatte sich am Mittwoch nachmittag eine in ihrer Zusammensetzung in Gießen seltene Trauergemeinde auf dem alten Friedhose em- gesunden. Außer den Mitgliedern des Kuratoriums der Provinzial- Siechenanstatt waren die Mitglieder des Provinzial-Ausschusses erschienen. Tie Schwestern, die Beamten, die Wärter und Wär­terinnen des Siechenhauses waren fast vollständig gekommen. Ter ärztliche Kreisoerein Gießen halte eine starke Abordnung seiner Mitglieder entsendet. Tas Landwehroifizierkorps des Bezirks war durch Oberstleiitnant o. Mosch und dessen Adjutanten Oberleiitnant v. Peiis vertreten. Die Burschenschafter hatten eine Abordnung entsendet, wäh­rend der Bereiu der alten Burschenschafter diirch mehrere seiner Dht- glieder unter Führung des Geh. Hosrats Professor Dr. Haupt seine Trauer um den Heimgegangenen bekunden ließ. Ungemein zahlreich hatten sich dre Arbeiter von Heyligenstaedt u. Co. eiiigesunden, deren Fabrrkkassenarzt der Verstorbene lange Jahre hindurch war. Ueber- aus groß war die Zahl der Leidtragenden ans allen Schichten der Bevölkerung, aus allen Kreisen unserer Bürgerschaft. Sie alle waren gekommen, um in aufrichtiger Trauer dem so plötzlich aus feiner segensreichen Wirksamkeit abberufenen Manne das letzte Geleit zu geben. Die Insassen des Siechenhauses, denen ein treuer Freund und Helfer genommen ist, bildeten auf einem Teil des Weges, den der Leichenzug zurücklegte, Spalier. Mit Tränen m den Augen zogen die allen Leute ihre Kopjbedeckung und schauien mit Wehmut aus den einfachen Sarg, der die sterbliche Hülle des Entschlafenen enthielt.

Der Großh. Provinzial-Rabbiner Dr. Sander hielt am Grabe eine roarm empfundene Gedächtnisrede, worin er, der mit Dr. Markwald in Freundschaft verbunden war, ein treffliches Bild desselben, seines Wirkens als Arzt uiid Menschenfreund gab. Geheimerat Prooinzialdirektor Dr. B r e i d e r t legte daraufNomens der Provinz Oberhessen em prachtvolles Blumengewinde am Grabe nieder und bemerkte, daß der Entschlafene unter schwierigeii Vor- hältniffen s. Z. die Leitung der Provinzial-Siechen-Ansialt über­nommen, daß er es aber verflanden habe, daraus eine Mustercrnstcitt zu Machen. Seine erfolgreiche Tätigkeit, seine Hingebiing und Pflichi-- treue, seine Menschenfreundlichkeit und Herzensgüte sicherte dem Verstorbenen ein ehrendes Andenken in der Provinz Oberhessen für ade Zeiten. Kranz an Kraiiz wurde darauf am Grabe niedergelegt, iso daß die Gaben der Dankbarkeit, der Liebe und Verehrung sich zu einem ansehnlichen Hügel austürmten.

ÄüU.aor utw

Gießen, 10. Mai 1907.

** Ordensiangelegenheiten. S. K. H. der Größ­ter z o g haben dem Oberstleutnant Schmidt, Tistriktskomman- deur im Großh. Gendarmerie korps, die Erlaubnis erteilt, den ihm von den: Kaiser und König von Preußen verliehenen Kronen-Orden dritter Klasse anzunehmen und zu tragen, sowie dem Mitgiede des' Vorstandes des Vereins für das Großherzogtum Hessen und die Provinz Hessen-Nassau zur Beschäftigung Ar- deitsloser, Adolph Baer-Goldschmidt zu Frankfurt am M. das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß- ,mutigen verliehen.

** A m H i m m e l s a h r t § ta g e herrschte nach einer gewitterreichen Nacht das herrlichste Maiwclter. Ja,Vinn bricht aus allen Zweigen das maieusrische Grün". Die belebende Krait der Frühlingssonne Hal in wenigen Tagen wahre Wunder hervor gezaubert. Tas Heer der Blumen ist aus dem Winterschlaie erstanden, mit lieblichem Gesang begrüßen die Vögel die schönen Maitage, und der frischgrüne Rasen ladet zum Verweilen em. Alle Waldungen nah und fern wimmelten von Menschen, an ver­schiedenen Hmiptverkehrspuukteu hatten unternehmungslustige iWirte Zelte ausgeschlagen. Gleiberg, Dünsberg, Staufenberg, sSchiffenberg, Annerod, Badenburg, Nindsmühle u. a. waren den ganzen Tag über dicht besetzt. Und am Abend kehrten die Aus- stügler mit Sträußchen von Schlüsselblumen, Anemonen und Waldmeister versehen zurück.

Plötzlich irrsinnig wurde in verflossener Nacht ein hiesiger Einwohner. Er bedrohte seine Familie und nachdem diese die Verbringung des Kranken in die Klinik in die Wege geleitet hatte, widersetzte er sich dem Arzt und den übrigen Beteiligten derart, daß es schwer hielt, ihn in einem Wagen nach der Anstatt zu bringen.

0 Lollar, 10. Mai. Ter Himmelsahrtstag war auch hier, troie wohl allerorts den Ausflügen in die neu erblühte Natur «geweiht. Schon in srüher Morgenstunde zog alt und jung hinaus in die grünen Wälder und Fluren. Der Radfahrerverein unter­nahm früh morgens eine Tour nach dem schön gelegenen Forsthaus Waldhaus. Nachmittags herrschte in dem Lollarer Kopf em fröhliches Treiben. Hunderte hatten sich dort versammelt, um so recht den Frühlingszauber des prächtigen Waldes zu genießen. Gesangvereine entzückten die Ausflügler durch schöne Volkslieder. Fröhlichkeit herrschte überall, bis die untergeherde Sonne die Naturfreunde zur Heimkehr mahnte.

+ Lang-Göns, 10. Mai. Eine unglückliche §5ah rt hatte gestern eine Anzahl Gießener Studenten, indem Ider eine Wagen wider eine Telegraphenstange im Ort fuhr. Der Wagen ging entzwei und Pferde und Kutscher trugen Verletzungen davon. Am Samstag abend sprach Rechtsanwalt Sandmann aus Hungen dahier über Feld- be rernigun gen.

b. Langsdorf, 9. Mai. Unser Reichs- und Land- tagsabg. Köhler hat die Postagentilr gekündigt. Einem Herrn Heil, pensionierten Postsekretär, der unmittelbar am Bahnhof einen Neubau errichtet hat, soll dem Vernehmen Nach die Agentur übertragen werden.

öermiidMes»

Berlin, 9. Mai. Gestern um acht Uhr, als kurz Dor Geschäftsschluß die Hochflut des Publikums in den Läden der Geschäfts- und Warenhäusern wogte, als die Weinhäuser, Restaurants und Cafes dicht gefüllt waren, erlosch plötzlich stm Zenlrum der Stadt und im Moabit das elektrische «Licht. In dem Teil der Leipziger Straße zwischen Char- äottenstraße und Spittclmarkt, in dem ganzen Teil der öst­lichen Friedrichsstadt und im Moabit erloschen die Bogen- -lampen der Straßenbeleuchtung und das goldene Flimmern der Kronen und Glühlampen in den Häusern machte un­durchdringlichem Dunkel Platz. Nur die großen Hotels und Warenhäuser, die ihr Licht aus eigenen elektrischen Zentralen «beziehen, prankten in unverminderter Helligkeit. Am schwersten Äußerte sich die Störungin der königl. Oper: Die Vor­stellung derSalome" von Richard Strauß mußte, da die Bühne und der dicht gefüllte Zuschauerraum plötzlich lm Dunkeln lagen, abgebrochen werden.

' Bankdirektoren-Gehälter. Es ist interessant, zu erfahren, wie hoch die Leiter der Berliner Bankinstitute ßur Staatseinkommensteuer 1905 eingeschätzt sind. Berück- isichtigt sind die Einkommen von 19 Vorstandsmitgliedern 'ber Deutschen Bank, der Diskonto-Gesellschaft, der Dres­dener Bank, der Bank für Handel und Industrie, der Nationalbank für Deutschland, der Mitteldeutschen Kreditbank und des Schaaffhausenschen Bankvereins. Diese 19 Herren hatten zusammen ein staatssteuerpflichtiges Einkommen von rund 3 500 000 Mk. Es kamen also auf einen Herrn rund 185 000 M. Die höchsten Einkommen hatten die Vorstands- vütglieder der DiStonto-Gesellschaft und der Deutschen Bank.

Drei Direktoren der Deutschen Bank und ein Direktor der Diskonto-Gesellschaft hatten ein staatssteuerpflichtiges Ein­kommen von je 450 000 Mk.

Ueberfa ll auf einen Expreßzu g.Daily Tele­graph" meldet aus Newyork, daß berittene Räuber den Ex­preßzug in der Nähe von Butte im Staate Montana an* hielten, indem sie eine rote Lampe auf dem Geleise zeigten. Die Räuber erschossen den Lokomotivführer und ver­suchten den Zug, der auch Geld mit sich führte, zu plündern. Zugbeamte und Passagiere setzten sich zu Wehr und trieben die Räuber in die Flucht. Polizei verfolgt die Räuber mit Bluthunden.

* Hundert Menschen ertrunken. Es heißt, der DampferPoitou" derCompagnie des Transports Mari­times" sei bei der Küste von Uruguay gescheitert, über 100 Menschen seien umgekommen. Nur zwei Passagiere erster Klasse hätten den Dampfer verlassen, und zwar ein Fräulein Signoret in Rio de Janeiro und ein Herr Decker, Kontrolleur im Finanzministerium, in Teneriffa. An Bord befanden sich 160 spanische Passagiere, von denen 50 gelandet waren. Offiziös wird die Verunglückung von nur 22 Menschen zugegeben, doch findet diese Meldung keinen Glauben. Die Strandung erfolgte in einer Entfernung von einigen 30 Meter von der Küste. Bei der an Bord ausgebrochenen Panik sprangen viele Passagiere über Bord und ertranken. An der Unfallstelle sind verichiedene Dampfer zur Hilfeleistung ein» getroffen. Tie Bergungsarbeiten sind wegen der ungünstigen Strandungsstelle sehr schwierig.

* Von Frauen gelyncht. Eine eigenartige Rache für die Mißhandlung einer Frau haben sechzehn Frauen in Madison County, in der Mhe von Springfield in Ohio, genommen. Georg Ward, ein Landmtann, hatte seine Frau wiederhott miß­handelt und mir einer Peitsche geschlagen. Die Frau mar den Verletzungen erlegen. Um bei der Beerdigung Kosten zu sparen, grub Ward selbst das Grab. Als er von der Bestattung zurück- kam, wurde er von sechzehn Frauen überfallen, die seinen Wagen anhielten und ihn mit Schimpfworren begrüßten. Sie zogen ihn aus dem Wagen und bearbeiteten ihn so mit neuen Reitpeitschen, daß das Blut in Strömen floß. Doch damit war die Rache der Amazonen iwch nicht erschöpft. Sie nahmen einen Topf roter Farbe und malten Ward rot an, dann erst gestatteten sie ihm, seinen Weg nach Hause fortzusetzen.

*KleineTageschronik. In Leipzig wurde Rechts­anwalt Wilhelm Richard Hammer wegen Untreue und Un­terschlagung von 4800 Mk. Zwangsvergleichsgeldern zu acht Monaten Gefängnis und zwei Jahren Ehrverlust verurteilt. In Bottrop bei Essen hat e in 20 jähriger Mensch namens Fiedler in der letzten Nacht das dreijährige Töchterchen namens Ohmann durch das offene Fenster aus der Wiege geraubt. Er schleppte das Kind auf einen benachbarten Acker, wo er es in bestialischer Weise vergewaltigte. Das Kind wurde nach längerem Suchen in furchtbarem Zustande aufgefunden. An seinem Wiederausbimmen wird gezweifelt. Der Täter wurde verhaftet. Ter Professor Dr. Albano Brand wurde in seiner Wohnung in G r o ß l i ch t e r f e l d e bei Berlin t o t aufgefunden. Er hatte durch einen Revolverschuß seinem Leben ein Ende gemacht. Der Grund der Tat soll in einem Nervenleiden zu suchen sein, das den Gelehrten befürchten ließ, geisteskrank zu werden. Ter Regisseur des Theaters der Sarah Bernhard in Paris, Cartereau, beging diese Nacht Selbstmord. Der Beweggrund zur Tat ist unbekannt. Ein Telegramm aus Texas berichtet, daß bei einem jüngsten Cyklon die Ortschaft Birtright, welche 500 Einwohner zählt, zerstört worden ist. Auch an anderen Stellen des Staates sind zahlreiche Personen dem Cyklon zum Opfer gefallen.

Die neuesten Automobil-Unfälle.

Ein Automobilunfall, dem ein junges Menschenleben zumOpferfiel, ereignete sich am Sonniag zwischen Höchst a.M. und Weilbach. Dr. med. Heyder aus Frankfurt fuhr mit zwei anderen Aerzten in seinem Automobil die Landstraße zwischen Weilbach und Hattersheim, als ein Radler ans entgegengesetzter Richtung kam und dem Auto links statt r e ch t s' a n s w i ch. Ta der Aulomobillenker vorjchristsmäßig rechts steuerte, wurde das Rad am Schutzblech gefaßt und der Radler, der 20jährige Arbeiter Paul Krell aus Weilbach, mit solcher Wucht zur Seite geschleu­dert, daß er trotz aller Sorgfalt, die ihm die Aerzte sofort ange» deiheu ließen, noch am gleichen Tage im Höchster Krankenhause st a r b. Tie Automobilmsassen, die sofort den Sachverhalt auf der Polizei meldeten, trifft keinerlei Schuld.

Ein schiverer Unglücksfall hat sich am Montag im Grün e- w a l d bei Berlin ereignet. Zwei Tarnen und em Herr hatten eine Spazierfahrt durch den Gruiieivald unternommen. Als das Gefährt am Kaiser Wilhelm-Turm die steil abfallende Chaussee hmuntersuhr, nahm es eine derartige Schnelligkeit an, daß es schließlich zur Seite geschleudert wurde und sich vollstäiidig überschlug. Die vier Personen wurden unter dem Wagen begraben und mußten durch die Insassen eines entgegenkommenden Automobils befreit werden. Die A ut o mo b i l d r o sch k e war vollständig zer­trümmert. Eine der verunglückten Frauen hatte erhebliche Wunden im Gesicht, sowie eine Ausrenkung des linken Armes davon­getragen; die drei anderen Personell hatten Rücken- und Brust- guetjchuiigen erlitten.

Im Grünewald trug sich am Himmelsahrttage noch ein schweres A u t o m o b i l - lk n g l ü ck zu. Ein Chauffeur, der Bekannte eingeladen hatte, fuhr den Kilometerberg beim Kaiser Wilhelm-Turm m raschem Tempo hinunter und verlor die Gewalt über die Steuerung. Tas Gefährt fuhr gegen einen Stein und wurde vollständig zertrümmert. Es begrub die Insassen unter sich. Ter Chauffeur und zioei Insassen wurden leicht verletzt, ein dritter sehr schwer; dieser liegt hoffnungslos im Krankenhauie.

Kriegsgericht.

R Gießen, 9. Mai.

Tas Kriegsgericht der 25. Division hielt jüngst hier seine Sitzung ab, m der sich drei Kameradeii aus Alsfeld wegen ch w e r e n Raufereien mit Zivilisten zu verantworten hatten. Ter Dragoner Joh. S t e i n ro i r t von der 3. Schwadron des 24. Trag. Regts., der Musketier Karl Müller von der 7. Komp, des 168. Inf. Rgts. und der Musketier Heinrich Werner von der 4. Komp, des Jnf.-Regls 116 waren nach Alsfeld beur­laubt und hatten sich dort zusammen gefunden. In einer der dortigen Wirtschaften bekamen sie aber mit mehreren anderen Gästen Streit, der sich auf der Straße fortsetzte. Bei dem Hand­gemenge nahm ein Zivilist Mütter das Seitengewehr ab und lief damit davon. Die Soldaten eilten ihm nach und fanben das Seitengewehr auch auf dem Acker wieder. Nun schlugen die Sol­daten auf den Entwender der Waffe und zwei andere Zivilpersonen in unbarmherziger Weise ein, bis die Kämpfenden durch das Ein­greifen anderer auseinander gebracht wurden. Als der Wütendste der Kämpfer wurde ©teinroir t erkannt, der wegen gemeinsamer Körperverletzung, verbunden mit rechtswidrigem Wafferigebrach, zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt wurde. Werner erhielt wegen gemeinsamer Körperverletzung in zwei Fällen 4 Wochen Gefängnis, während Musketier Ai ü i l e r freigesprochen wurde.

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Ter Musketier Andr. Gröschel aus Oberfranken von der 12. Komp, des Jnf.-Regts 116, der wegen angeblicher Vernach­lässigung im Dleiist zum Nachexerzieren befohlen worden, sich aber keiner Schuld bewußt war, trat beim Antreten bet Kom­pagnie vor die Front und fragte den Feldwebel, warum er eigentlich nachexerzieren solle. Er stehl deshalbwegen zur Rede stellen eines Vorgesetzten vor öeijanunelter Mannscha't unter dem Gewehr" unter Anklage. Aus der Zeugenvernehmung ergibt sich, daß er tatsächlich über die Ursache fernes Nachexerzierens im Zweifel jein konnte und

daß er schon vorher auf die an einen Unteroffizier gerichtete gleiche Frage dazu veranlaßt wurde, sich zu'.beschweren, wenn er unschuldig fei. Der Gerichtshof konnte daher in seiner Handlungsweise keine Straftat erblicken, sodaß seine F r e i s p r e ch u n n g erfolgte.

? Marburg, 7. Mai. Wegen fahrlässiger Tötung stand heute der Kutscher Jost Graulich aus Dannerod, wohn­haft in Niederrlein, vor der Strafkammer. Ter iungc Mann, hatte am 8. Novbr. v. I. gelegentlich einer Hochzeit einen mit fünf Hochzeitsgästen besetzten Wagen gefahren. Auf der Rückkehr von der in Schweinsberg erfolgten Trauung fiel das Gefährt dicht vor Niederklein an einer Kurve um und sämtliche Jiyassen trugen bei dem Sturze mehr oder weniger Verletzungen davon. Güter der verunglückten, per Bezirks-Kommando-Unter­offizier Spieß aus Homrighausen, starb an dem Tage. Graulich wurde zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt, weil das Gericht feststellte, daß er unvorsichtig gefahren sei.

Märkte.

tb. G i e ß e n , 8. Mai. Der dieswöchentliche Vieh markt hatte einen Austrieb von ca. 1500 Stück Großvieh, 250 Kälbern und etwa 600 Schweinen. Dem großen Auftrieb von Milchvieh konnte die Nachfrage nicht folgen, besonders waren oberhessische Landrassen schwer an den Mann zu bringen, trotzdem die Kund­schaft für die Ware am Markt gut vertreten war. Die für tragende und frisch melkende Kühe erzielten Preise waren weniger hoch als an den letzten Märkten. Em Einkäufer aus dem Koburgischen, der gute Ware suchte, konnte seinen Bedarf, der in mehreren Wagen­ladungen bestand, zu verhältnismäßig wohlfeilen Preisen decken. Der Handel in selten Kühen und Rindern ging ebenfalls langsam; hter hielten sich die Preise etwas, sie zeigten aber eine Neigung nach unten. Tas Geschäft in Kälbern war weniger flott al5 sonst und besonders für Frankfurt a. 3)1., Wiesbaden und Mainz schien fein dringender Bedarf vorzuliegen, weshalb die Ware zu nicht hohen Preisen abgesetzt werden mußte. Der Schweinemarkt zeigte ein lebhaftes Getriebe. Während der Preis für Einleg- schweine und stärkere Tiere recht niedrig war, hielten Ferkel immer noch einigermaßen Preis. Ter Vorrat in allen Viehgattungen wurde bis auf etwa 6080 Stück geringwertige Milchkühe ge­räumt. Gehandelt wurden Kühe frischmelkend und tragend 1. Qual. 430475 Mk. (wenige schwere Stücke bis 490 Mk.), 2. Qual. 340 bis 400 Mk., 3. Qual. .270-320 Alk. das Stück. Fettvieh stellte sich, im Preise der Zentner Schlachtgewicht wie folgt: fette Rinder 1. Qual. < 869 Mk., 2. Qual. 6466 Mk. Fette Kühe 1. Qual. 6566 Mk., 2. Qual. 63-64 Mk. Kälber 1. Qual. 70-76 Mk., 2. Qual. 6368 Mk., 3. Qual. 5760 Pik. Die Preise für Schweine fteüien sich das Paar Ferkel bis 6 Wochen alt 3538 Mk., bis 12 Wochen alte Tiere 4060 Mk., Springer 7085 Mk. Ein­leger 90140 Pik. das Paar. Nächste Markttage 2 8. und 2 9. M a i d. I.

te. F r a n k f u r t a. M., 10. Mai. (Tetegr. Orig.-Dericht des Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarkt­preise. Zum Verkaufe standen: 59 Ochsen, 00 aus Oesterreich 1 Bulle, 2 aus Oesterreich, 69 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder 0 aus Rumänien, 688^Kälber, 00 Schafe und Hämmel, 00 Ziegen, 35 Ziegenlämmer, 0 Schastämmer. Bezahlt wurde für das Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 8085 Mk., 2. Qualität 7175 Pik., 3. Qualität 6567 Mk.; Butten 1. Qual. 7173, 2. Qual. 00-00; Kühe 1. Qualität 72-75 3)1L 2. Qual. 6971 Mk., 3. Qual. 6062 Pik., 4. Qual. 0000 Pik., 5. Qual. 0000 Mk. Kälber 1. Qual. 100000 Pfg., Lebendgewicht 6000 Pfg., 2. Qualität 9296j Pfg., Lebendgewicht 5357 Pfg., Schlachtgew. 6772 Pfg.; Schafe: 1. Quak. 8000 Pfg., 2. Qual. 7678 Pfg. Geschäft: mittelmäßig, lieberjtanb bedeutend.

Limburg a. 0. L., 8. Mai. Fruchtmarkt. Durchschnitts­preise pro Platter. Roter Weizen (9lassauischer) 00.00 Mk., weißer Weizen 00.00 Mk., Korn 13.50 Mk., Gerste 00.00 Mk., Hafer 9.50 Pik. Erbsen 0.00 Pik., Kartoffeln 0.00 Pik.

Verlobte: Fräulein Lina Arnstein in Friedberg mit Herrn Josef Schwarz in Hamburg. Fräulein Else Engel mst Herrn Heinrich Zißeler, beide in Wetzlar.

Gestorben: Frau Plane Fertsch, geb. Hahn in Friedberg. Frau Pauline Bernecke, geb. Dorsch in Bad-Nauheim.

Gießeuer Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für Hessen am Samstag den 11. Mai: Wechselnde Bewölkung. Zunächst noch trocken. Nachts kühl, am Tage mäßig warm. Auffrischende südliche Winde.

©rigiitabDratyfmclfcungen*

sc. Ludwigshafen, 10. Mai. Gestern abend ent­standen insolge eines Streiks in der Leimfabrik Zimmermann! schwere Ausschreitungen. Eine Anzahl Stteikender, denen sich andere Leute angeschlossen batten, zog vor die Fabrik und bombardierte sie mit Steinen. Um 9 Uhr drangen etwa 500 Leute in die Fabrik ein und zerstörten alles, ivas ihnen in den Weg kam. Die Polizei war machtlos. Ter Bezirksamtmann und drei Polizisten wurden durch Steinwürfe verletzt. Wie cs heißt, sind zwei der Ex­zedenten in den Rhein gestürzt.

London, 10. Mai. Premiermini st erBannerman hielt in Nlanchesler eine längere Rede, in welcher er über die Hager Friedens-Konferenz und die ablehnende Haltung Deutschlands gegenüber der Erörterung der Abrüstungs- Vorschläge sprach. Bannernian erklärte, Fürst Bülow habe unlängst eine Rede gehalten über eine Frage, an welcher das englische Slabinclt, seitdem es am Ruder sei, großes Interesse an den Tag gelegt habe. Die Regierung habe gehofft, daß alle Mächte sich an der Beratung der Einschränkungen der Lüftungen beteiligen würden. Indessen wisse man jetzt, daß Deutschland nicht daran teilnehmen werde. Er wolle keines­wegs verhehlen, daß die englische Regierung hierüber ent­täuscht sei, da es doch nicht ausgeschlossen erscheine, daß eine Maßnahme gegenseitigen Vertrauens aus­findig hätte gemacht werden können, die jedenfalls später Früchte getragen hätte. Dadurch wäre es der englischen Regierung in Uebereinstimmung mit den übrigen Nationen möglich gewesen, die übertriebenen und unausstehlichen Lasten der Rüstungen, welche von allen Nationen schwer empfunden worden, zu ver-j ringern. Es sei nicht daran zu zweifeln, daß irgend etwas getan werden könne, obgleich die Aufgabe jetzt ohne die Mitwirkung aller Mächte bedeutend schwerer sei. Er wiffe, daß England verdächtige Absichten zugeschrieben würden, u. A. die, Deutschland durch Aufwerfen der Abrüstungsfrage in Verlegenheit zu setzen. Das sei eine vollständig falsche Auffassung. Wenn den Engländern Deutsch, land zuvorgekommen wäre und die Initiative zu diesem Anträge ergriffen hätte, so wäre man auf­richtigen Herzens der deutschen Regierung ent­gegen .gekommen. Die englische Regierung sei einzig und allein von Beweggründen geleitet, die zu verbergen Eng­land niemals versucht habe. Campbell Bannerman schloß: Es fei die Pflicht der englischen Regierung gewesen, die Ge­legenheit der Einberufung der Haager Friedenskonferenz zu bemchen, um den Versuch zu machen, Maßnah,nen im Sinne der Abrüstung zu treffen. Die Friedenskonferenz sei doch m der Hauptsache gerade zu dem Zweck überhaupt zustande ge­kommen, sich mit der Abrüstungsfrage zu befassen, wenn' auch Fürst Bülow zu glauben scheine, daß dieser Dechuh I illusorisch fei. 1

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