Mittwoch!!♦ September 1907
157, Jahrgang
Erstes Blatt
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Hofationsörud und Verlag der vrühl'schen Univ.-Such- und Steindruckerri. 8. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei- Schulstrah« 7. B-L
Iie Heutige Yummer umtatzt10 Seiten.
Kroßyerzog Ludwig IV.
Ein Erinnerungsblatt zum 12. September 1907.
Siebzig Jahre sind morgen verflossen, seitdem der ritterliche Water des jetzigen hessischen Landesfürsten geboren wurde. Da ziemt cs sich wohl, den Blick rückw'ärts zu lenken und unserer raschlebigen Zeit das Bild des vor jetzt 15 Jahren verstorbenen Fürsten ins Gedächtnis zu- rückzurujen. Denn als Mensch, Soldat und Fürst zeigt er uns alle Vorzüge seines hochsinnigen Geschlechts, das jetzt seit 660 Jahren Freud und Leid des Hessenvolkes geteilt hat, und unvergänglich sind die Spuren, die das Wirken seiner kraftvollen Persönlichkeit in den hessischen Landen zurückgelassen hat.
Ludwig IV. ist der älteste Sohn des Prinzen Karl von Hessen, des Bruders des Großherzogs Ludwig III. Es war dem jungen Menschenkind, das zu Darmstadt in dem väterlichen Palais, dem jetzigen Gebäude der Landesver- sicherungsanstalt, Ecke der Wilhelminen- und Heinrichs- straße, das Licht der Welt erblickte, nicht in der Wiege gesungen, daß er dereinst zur Regierung gelangen werde, denn sein Onkel war damals erst 31 Jahre alt und seit vier Jahren mit Prinzessin Mathilde von Bayern verheiratet. So wurde denn Prinz Ludwig, der alten Ueber- lieserung seines Hauses, gemäß und auch seiner eigenen Neigung entsprechend, vorwiegend zum Soldaten erzogen, wenn auch seine wissenschaftliche Ausbildung nicht vernachlässigt wurde. Und Soldat ist Ludwig IV. sein ganzes Leben hindurch geblieben, als Organisator und Heerführer hat er seinen Namen in der Geschichte des Heimatlandes unvergeßlich gemacht, und bis zu seinem Lebensende nahm er als Armeeinspekteur und Generaloberst einen hohen Rang in der deutschen Armee ein. In seinem 17. Lebensjahre trat er irrt ersten hessischen Jnfanterie-(Leibgarde-) Regiment als Leutnant ein, um zunächst in diesem Regiment mit seinem Bruder Heinrich — der späterhin auch sein Nachfolger als Kommandeur der hessischen Division wurde — Frontdienst zu tun wie jeder andere Offizier. Nach zwei Jahren bezogen beide Brüder dann die Landesuniversität Gießen, wo sie hauptsächlich Volkswirtschaft und Geschichte studierten und daneben sich eifrig der Musik widmeten. 1859 traten beide als aktive Hauptleute in die preußische Armee ein, um dort in den größeren Werhält-
und edle allzeit hilfsbereite Fürstin dem Hessenlande gewesen ist, das melden ruhmvoll die Blätter des Landesgeschichte. In zahlreichen humanen Stiftungen und Vereinen lebt ihr Name in Hessen fort.
Die Vermählung führte den Prinzen in die Heimat zurück, wo er alsbald seine militärische Laufbahn als Oberst des 2. Chevauxleger-Regiments (jetzt Garde-Dragoner-Regi- ment) wieder ausnahm. Den unseligen Kampf von 1866 machte Prinz Ludwig als Generalmajor und Kommandeur der hessischen Brigade mit, pflichtgetreu, aber unlustig. Denn er stand im Herzen auf der Seite Preußens und wußte außerdem, daß mit der unglückseligen Bundesarmee, die vielfache Aehnlichkeit mit der früheren Reichsarmee hatte, keine kriegerischen Erfolge zu erzielen waren. Er gewann in dem kurzen Feldzuge das Vertrauen der Truppen als unerschrockener und umsichtiger Führer und es war fast selbstverständlich, daß er nach dem Friedensschluß das Kommando der Division erhielt, um ihre Reorganisation und ihren Anschluß an das Heer des Norddeutschen Bundes durchzuführen. An der Spitze seiner Hessen zog er dann vier Jahre später nach Frankreich. Gravelotte, Metz und Orleans sah ihn als tapferen, tüchtigen Feldherrn, und mit den Taten der hessischen Soldaten werden die ihres Führers ruhmvoll fortleben, solange es eine deutsche Armee gibt.
Der Friede führte Prinz Ludwig in die Heimat zurück. Es folgten einige glückliche Jahre, die 1877 mit dem Tode von des Prinzen Vater ihr Ende erreichten. Wenige Wochen später starb auch Großherzog Ludwig III. und am 13. Juni j.-J. bestieg der Prinz als Großherzog Ludwig IV. den Thron seiner Väter. Nur I1/2 Jahre konnte seine hochherzige Gattin an seiner Seite als geliebte Landesmutter walten. Sie fiel der Diphtheritis zum Opfer, die die ganze fürstliche Familie heimsuchte und außer der Mutter auch das jüngste Töchterchen, die erst vier Jahre alte Prinzessin Marie, hinwegraffte. Er suchte und fand Trost in seiner unermüdlichen Tätigkeit zum Wohle seines Landes, und wenn wir' uns heute so mancher Einrichtungen erfreuen können, die wir vor anderen deutschen Ländern voraushaben, so danken wir es zum großen Teile ihm und seiner gerechten und streng verfassungsmäßigen Negierung. Gern und freudig tat er seine Pflicht auch als deutscher Fürst und der deutschen Armee widmete er auch als Großherzog seine Tätigkeit und seine Kenntnisse als Armeeinspekteur der 3. Inspektion, die ihm vom Kaiser Friedrich übertragen
nissen ihren ntilitärischen Blick zu erweitern. Drei Jahre verblieb er in Potsdam, und mit welchem Nutzen dieser Aufenthalt für ihn verbunden war, sollte sich später zeigen, als es ihm, dem stets gut deutsch fühlenden Prinzen, vergönnt war, an der Spitze der hessischen Truppen den Krieg gegen Frankreich mitzukämpfen. Während der Zeit seines Potsdamer Aufenthaltes lernte er auf einer mit dem Bruder gemeinsam unternommenen Reise nach England seine nachmalige Gattin, die Prinzessin Alice, kennen und lieben. 1862 erfolgte die Vermählung beider zu Osborne aus Wight. 16 Jahre nur dauerte die überaus glückliche Ehe, die man im ganzen Lande als mustergültig hochschätzte. Was Alice ihrem Gatten, was sie als Mutter von sieben blühenden Kindern (von denen fünf die Eltern überlebten) und was sie als hochsinnige Frau
worden war.
Am 4. März 1892 warf ihn, mitten aus seiner Tätigkeit heraus, ein Schlaganfall auf das Krankenlager, von dem er sich nicht mehr erheben sollte. Am 13. März entschlief er, tiefbetrauert von seinen Kindern und dem ganzen Lande. Jetzt schläft er den ewigen Schlaf in dem stillen Mausoleum bei Darmstadt an der Seite der heißgeliebten Gattin, und dankbaren Herzens werden an seinem 70. Geburtstag alle treuen Hessen des edlen und herzensgütigen Fürsten gedenken, von dem mit Recht gesagt werden kann, daß sein Name unvergessen fortleben wird.________E. H.
Deutsch-sozialer Parteitag.
F. C. Frankfurt a. M., 9. Sept.
Zu der heute in den Alcmanniasälen ab gehaltenen Sitzung waren Gaste und die Presse zugelassen. Oberlandesgerichtsrat
Die AutomobU-Rennbahrr im Taunus.
Man schreibt uns:
Tas Kaiserpreis-Rennen hat in allen Kreisen, sowohl beim großen Publikum als in Fachkreisen und bei den Behörden, die Ueberzeugung erweckt, daß es fortan untunlich sein wird, Automobil-Rennen auf der regulären Landstraße in Szene gehen zu lassen. Allenthalben wird es als feststehend betrachtet, daß für Schnellrgkeits- und Zuverlässig- keits-Prüjungen eine eigene Automobil-Rennbahn erbaut werden müßte. Auch der Kaiser hat sich, wie bekannt, in diesem Sinne ausgesprochen, und seiner Anregung ist es wohl hauptsächlich zu danken, daß die Frage energisch in Fluß gekommen ist. Er hat Finanz- 'und Sportkreise daraus hingelenkt, eine dauernde Automobil-Rennbahn zu errichten und den Geh. Kommerzienrat von Friedländer-Fuld beaustragt, Ermittelungen einzuleiten. Tie Vorfrage, die dabei zu beantworten wäre und die allein von den Interessenten selber beantwortet werden kann, ist die, ob über- haupt diese Automobil-Rennen für die Interessen der deutschen Industrie notwendig und zweckmäßig sind. Diese Frage wird von Fachkreisen bejaht. Die aufblühende Automobil-Industrie behauptet, dieser größeren Nennen zu benötigen.
Wie wir gestern mitteilten, liegt bereits ein Projekt vor zur Errichtung einer Rennbahn im Hunsrück. Bei allen Erörterungen über die Wahl des Ortes für diese Rennbahn hat man, wie es scheint, den Taunus aus dem Spiel gelassen. Es ist aber do<h möglich, im Herzen des Taunus- Gebirges eure selbständige, für leben anderen Verkehr abgeschlossene Automobil-Rennbahn einzurichten. Welche Vorteile daraus den Verkehrs- und Geschäftsinteressen unseres gesamten Gebietes erwachsen würden, liegt auf der Hand. Zunächst ist hervorznheben, daß aus zuverlässiger Quelle bekannt ist, daß im Falle der Errichtung einer solchen Auto- Rennbahn im Taunus alle Auto-Rennen auf öffentlichen Straßen unserer Gegend untersagt werden, bezw. daß dazu leine Genehmigung erteilt wird. Alle derartigen Veranstaltungen müssen auf der Rennbahn stattsinden und die Beschwerden über Belästigung des Publikums, die vielfach mit Recht erhoben worden
sind, würden verstummen. Es läßt sich in der nächsten Nähe von Homburg ohne Berührung von Ortschaften und Landstraßen eine Automobil-Rennbahn Herstellen. Es ist nicht erforderlich, daß die Landstraßen in ihrem Niveau überschritten werden, sondern die Bahn kann durch Unterführungen an wenig belebten Stellen die Landstraßen kreuzen.
Tie Kosten einer Auto-Nennbahn werden pro Kilometer 50- bis 60 000 Mk. betragen, und wenn man dafür eine Rundstrecke von etwa 50 Kilometer in Betracht zieht, so wird das gesamte Kapital etwa 3 Mill. Mark betragen. Dieses Kapital kommt alsdann dem Lande selbst zu gute, weil es dort festgelegt werden muß. Aber auch die vielen Vorteile, welche der Geschäftswelt nicht allein der nächstgelegenen Ortschaften, sondern auch der im weiteren Umkreise liegenden Städte durch die Auto-Rennen erwachsen, werden sich auf viele Hunderttausende Mark bemessen. Mit der Beschäftigung eines einzelnen Erwerbszweiges genießen naturgemäß auch alle anderen selbst mit der Automobil-Industrie in keinem Zusammenhang stehenden Vorteile. Tie Aufbringung des Anlagekapitals Wird wohl nicht allzu schwierig sein. Tie ,Fremdenindustrie" ,bie heute im Erwerbs- leven eine Nolle spielt, wird von der Auto-Rennbähn Förderung genießen, und es ist deshalb zu erwarten, daß die Fremden- und Verkehrsvereine sich der Sache annehmen werden. Und es wird auch angenommen, daß der Großherzog dem Projekt einer Rennbahn im Taunus Sympathien entgegenbringt, ebenso wie dies seitens des Re- gierunas-Prasidenten in Wiesbaden und ganz besonders durch oen Kaiser geschieht.
Was die Verzinsung und Amortisation der Rennbahn anbetrifft, so kann sie folgenden Zwecken dienen, aus denen die entsprechenden Einnahmen hervorgehen müssen:
1. Zur Abhaltung nationaler und internationaler Rennen.
2. Als Lernbahn zur Ausbildung von Herrenfahrern und Chauffeuren.
3. Als Einsahrbahn neuerbauter Automobile.
Nachdem im Taunus die ersten größeren Nennen aoge- halten worden sind, durch welche tue deutsche Automobil- Industrie groß geworden ist, uno nachdem die Bevölkerung
Frhr. v. Richt Hofen sprach über die Reform des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs- Herr v. Richthvfen hat die Ueberzeugung, daß das Gesetz in seiner jetzigen Gestalt seinen Zweck, den soliden Geschäfts^ mann vor unlautern Praktikern zu ichützen, nicht erfülle- Zu den Paragraphen des Gesetzes, die reformbedürftig sind, gehöre in erster Linie § 1 (Reklameunwesen und zivilrechtliche Verpflichtung zum Schadensersatz). Der Paragraph zählt eine Reihe von Punkten auf, die sich als unlauterer Wettbewerb darstellend Das ist nach Ansicht des Redners grundfalsch. Er wünscht, daß der Paragraph allgemein gefaßt werde und es dem Richter überlassen bleiben soll, zu entscheiden, was unlauterer Wettbewerb ist, gerade so gut, wie es ihm nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch, überlassen sei, zu entscheiden, was gegen die guten Sitten verstoße. Das würde den sozialen Sinn der Richter schärfen, in deren Rechtsprechung sich jetzt noch sehr viel soziales Unverständnis! zeige- Die Richter hätten noch zu viel Respekt vor der Heiligtest; des Gewerberechts. Bei Ausverkäufen sollte jeglicher Warennachschub strafbar sein. Bezüglich des Ausverkaufsunwesens wünscht der Reder im übrigen ein Sondergesetz- Um der Gepflogenheit vieler Geschäftsinhaber, gegebenen Falls einen ihrer Angestellten zum Sündenbock zu machen, wirksam zu begegnen, soll der Inhaber künftig zivilrechtlich auch für seine Angestellten haftbar gemacht werden können- Zu 8 4 (strafrechtliche Haftbarkeit) wünscht Herr v- Richthofen, daß auch die Fahrlässigkeit unter Strafe gestellt werde. Nach weiteren Verbcfserungsvor--> schlügen brachte der Referent folgende Resolution ein: „Der Parteitag her deutschsozialen Partei erklärt eine gründliche Abänderung des Gesetzes zur Bekämpfung des unlautern Wettbewerbs für dringend geboten und wünscht, daß der bereits vost der Wirtschaftlichen Vereinigung des Reichstags eingebrachte Initiativantrag bezüglich des genannten Gesetzes möglichst bald zur Erledigung gelange, sofern nicht alsbald die von vielen Seiten verlangte Regierungsvorlage erscheinen sollte."
In der Diskussion sprach sich Reichstagsäbgeordneter Schack entschieden gegen jede „größere Freiheit" der Richter aus- Er glaubt nicht, daß viel gewonnen werde, wenn man es dem Richter überlasse, zu entscheiden, was unlauterer Wettbewerb ist Schack begründet seine Ansicht mit der Weltfremdheit des Empfindens mancher Richter, namentlich der jüdischen, gegenüber den Bedürfnissen derjenigen Volksschichten, für die das Gesetz gemacht sei- Amtsgerichtsrat Dr. Brandes gibt zu, daß es etwas anderes sei, ob ein arischer oder picht arischer Richter sitze. Dr. Brandes ist gegen die Juden im 'Richterftande, (ebenso wie Frhr- v. Nichthofen). Der Charakter der Richter spiele beis Auslegung der Gesetze eine große Rolle, und der Charakter bilde! sich je nach der Volksangehörigkeit. Die vielen widersprechenden Urteile beruhten darauf, daß es arische und nichtarische Richter gebe<
Amtsrichter Dr. Lattmann wünscht, daß die Richter unch die Rechtsanwälte mehr sozial erzogen werden- Reichst tagsabgeordneter Schack meint, der unlautere Wettbewerb sei' jüdischen Geistes, er sei von den Juden in das Geschäftsgebarens hineingetragen worden, deshalb könnte hier ein jüdischer- Richter- nicht objektiv urteilen- Seine Hochachtung vor den Richtern, soweit sie nicht jüdisch seien, sei unbegrenzt. Es sprachen noch' mehrere Redner, dann wurde die Resolution einstimmig angenommen.
Hierauf sprach Reichstagsäbgeordneter Dr- Böhme über: „Nationale Aufgaben der inner n Politik"-! Dr- Böhme befürchtet eine Entnationalisierung durch das Hereins strömen polnisch-galizischer Arbeiter, die eine Folge der Landflucht der Arbeiter im Osten sei- An der Hand eines^ reichen Zahlenmaterials wies er das Zurückgehen der Geburtenziffer nach/ was ihn die Frage aufwerfen läßt: ob wir in absehbarer Zeit noch genügend Arbeiter hoben werden- Die menschenverschlmgen-. den Industriezentren vermehren sich und die Geburtenziffer im Osten, der die Menschen für die Industrie produziert, geht zurück- Sollen wir nun die Industrie eckt schränken oder sollen wir^ ausländische Arbeiter hereinlassen? Keins von beiden, sondenr' wir müssen die Geburtenziffer auf dem Lande heben, und das geschieht durch Kolonisation- Ein Herr v. Arnim habe gefügt,j man müsse polnisch-galizische Arbeiter hereinlassen, denn die größte! nationale Tat sei, dafür zu sorgen, daß das Land^bebaut iverSe-J Demgegenüber heiße es mit Recht in einer Schrift: Ohn^ deutsche Arbeiter gebe es keine nationale Landwirtschaft- Im die mannigfachen damit verbundenen Belästigungen willigertragen hat, erscheint es gewissermaßen als eine Undankbarkeit, wollte man jetzt, nachdem die Rennen auf einer besonderen Bahn und in geordneteren Verhältnissen durch- gesührt werden sollen, eine 'ändere Gegend dem Taunus vorziehen. Die Geschäftswelt der Taunusbewohuer und der Umgebung des Taunus hat sozusagen ein Anrecht darauf erworben, daß ihr die Rennen erhalten bleiben, und es wäre zu begrüßen, wenn die maßgebende Korporation sicF ungesäumt der Sache annehmen wollten und ans Werk gehen, damit im Taunus die geplante Bahn errichtet werde.
Behrings Präparat
gegen tuberkulöse Augenerkrankung.
In der Berliner Universitätsaugenklinik hat im Auftrage des Geh. Rats v. Michel der Assistent Stabsarzt Dr. R. Collin Versuche mit den Behringschen Tulasepräpa- raten angestellt. Seine Erfahrungen teilte er auf dem> Heidelberger Ophthalmologen ton gresse mit. Hier sei aus' den Mitteilungen das vorläufige Gesamtergebnis verzeichnet. Man gewann den Eindruck, als ob diejenigen Fülle, die auf die Tulasebehandlung in spezifischer Weise reagierten, in, kürzerer Zeit zur Abheilung gelangten als sonst. Ties gilt ganz besonders von den frischen schweren tuberkulösen Er- tranlungssormen. Keinerlei Einwirkung ergab sich bei Hauttuberkulose. Günstige Ergebnisse wurden bei einigen Fällen von chronisch verlaufender, auf Grund allgemeiner konstitutioneller Tuberkulose entstandener Augentuberkulose mit der kombinierten Anwendungsweise beider Tulasepräpa- rate erzielt. Man geht jetzt in der Weise vor, daß zunächst versucht wird, den Erkrantungsherd lokal durch eine einmalige Behandlung mit Antitulase spezifisch zu beeinflussen; ist dies gelungen, so erfolgt später nach endgültiger Abheilung des tuberkulösen Prozesses am Auge die übliche Tekaden- behandlung mit Tulaselattin. Die bisherigen klinischen Versuche ergeben, daß die Tulasepräparate in geeigneten Fällen eine spezifische Wirkung auf den tuberkulösen Prozeß am Auge ausüben, und daß sich diese Einwirkung ohne nachhaltige Schädigung des Gesamtorganismus wie des erkrankten Auges vollzieht. Damit sei eine wertvolle Grundlage geschaffen,, auf der sich weiter therapeutisch arbeiten lasse.


