rerehrten Herrn Rektor der LanbeSuniversrtät. Mit ihrem, Lehr- ^Srper wie mit ihrer Studentenschaft hat sich: die Universität in den Dienst der guten Sache gestellt. Der Dank gilt auch, und wahrlich nicht in letzter Linie, dem Vertreter dieser so mächtig aufblühenden Stadt, dem hochverehrten Oberbürgermeister Mecum und seiner Frau Gemahlin, die sich mit der gesamten Bürgerschaft dieses Festes in wahrhaft rührender Weise angenommen haben. Mein Dank gilt vor allen Dingen den opferfreudigen Damen derselben, die in seltener Güte dieses Fest gefördert haben. Wenn ich eine von ihnen noch besonders nenne, so ist es die hochverehrte Frau Gebhardt, die in so außerordentlich sachkundiger Weise den Herren Kirch und Klingspor bei der Vorbereitung des Festes geholfen hat.
An Ihnen, hochverehrte Gäste, die Sie zu dem Feste erschienen sind, ist nun, dasselbe $um vollen Gelingen zu bringen! Möge vor allem, meine jungen Damen, die mich hier -im herrlichen Flor umgeben, der Zauber Ihrer Anmut dem Fest ganz besonders hold sein! Vereinigen Sie sich alle, werte Gäste, mit uns, um hiev zunächst Seiner Durchlaucht, dem Fürsten Solms, der den Ehrenvorsitz über dieses Fest übernommen hat, unseren tiefgefühltesten Dank auszusprechen und Seine Durchlaucht zu bitten, Ihrer Königlichen Hoheit unserer erhabenen Frau Großherzogin den tiefempfundenen Dank, der Stadt, Garnison und Universität zu sagen, daß Ihre Königliche Hechelt das Protektorat Über das Fest allergnädigst übernommen hat.
Ich bitte Euer Durchlaucht, den Basar eröffnen zu Dürfen.
Seine Durchlaucht der Fürst erwiderte:
„Ich habe vor allem dem Festkomitee meinen Dank auszusprechen, daß die Herren desselben die Liebenswürdigkeit und Aufmerksamkeit gehabt haben, mich zu ihrem Ehrenvorsitzenden zu ernennen. Gleichzeitig möchte ich dem Bedauern darüber Ausdruck geben, daß die Großherzogin, unsere hohe Protekto rin, nicht dem Feste beiwohnen kann. Ich bin beauftragt, von Hochderselben ihr lebhaftes Bedauern für ihr Nichterscheinen zum Ausdruck zu bringen. Sie können überzeugt sein, daß Hoch- dieselbe mit warmem Interesse Ihre Veranstaltungen verfolgt und vor allem mit regstem Interesse dem guten Zwecke derselben gegeltübersteht.
Mit Ihrer Zustimmung erkläre ich den Basar für eröffnet."
Hierauf rief der Oberst v. Lin den au mit lauter Stimme:
„Eröffnen wir den Basar mit dem Stute, der unteren tief empfundenen Dank gegen unsere erhabene Protektorin am besten zum Ausdruck bringt:
„Gott schütze, Gott segne Ihre Königliche Hoheit unsere Frau Großherzogin. Sie lebe hoch, hoch, hoch!"
Die zahlreiche Versammlung stimmte begeistert in den Auf ein.
Alsbald begann ein heiteres durch keinen Mißklang getrübtes Treiben. Auf dem F-estplatz ließen abwechselnd oder zusammen die Veteranenkapelle unter der Leitung des Herrn Meißinger und die Regimentsinusik unter Leitung des Musikdirektors Krauße ihre Weisen ertönen, und zwischendurch gab es Ausführungen der mannigfachsten Art. Zunächst entzückte ein für Gießen seltenes Schauspiel die Zuschauer: eine von vier Damen und vier Herren gerittene Quadrille, die von Hauptm. Sold an trefflich einstudiert war. Hieran schloß sich ein von drei, Herren unter Hauptm. Küpttschaus Leitung gerittenes Sch leisen- spiel, das die Zuschauer mit lebhaftem Interesse verfolgten. Unteroffiziere und Mannschaften des Jnfanterie- reguneuts Kaiser Wilhelm zeigten dann ihre Fertigkeit im Turnen (am Reck und Barren), Bajonettsechten und Voltigieren. Die teilweise recht schwierigen Uebungen, deren Leitung Leutnant Heßler hatte, sanden lebhaftesten Beifall. Auch die sich anschließende Tanz-Aufführung von 16 Damen und 16 Herren war sehr hübsch und sand viel beifallsfreudige Zuschauer. Der reigenartige Tanz, denHauptm. Großmann einstudiert hatte, war dur chdie gewählten Kostüme (die Herren trugen Uniformen und die Damen Kostüme aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts) noch besonders wirkungsvoll. Eine lustige Abwechslung bot die Kabarett-Aussührung im Saal. Hauptmann Schroeder, der sich auci) sonst sehr um das Fest verdient gemacht hat, entfesselte mit den gelungenen Aufführungen «seiner Künstler (Frl. Kempff, Frhr. v. d. Goltz, Herr Gläßgen und den jugendlichen „drei Schroeders") wahre Stürme von Heiterkeit. Nach 10 Uhr trug dann ein stattlicher, aus Mannschaften des Regiments gebildeter Sängerchor, den Oberleutnant Schwendy leitete, mehrere wirkungsvolle Männerchöre vor, von denen namentlich das niederländische Dankgebet eine tiefgehende Wirkung erzielte.
Neben diesen mehr für Herz und Gemüt berechneten Genüssen bot dann der Basar auch solche für den Magen. Stattliche Mirtschastszelte, die alle prächtig dekoriert waren, waren errichtet und gaben Gelegenheit, Kafsee, Tee und Liköre, Sekt, Bier, Kaiser-Würstel, Bratwürste, Schokolade und Eis, Weine und Bowle und alkoholfreie Getränke zu genießen. Dazu gab es ein kaltes Büfett, Stände für Blumen, Ansichtskarten (zumeist Gruppenaufnahmen von Mitwirkenden) und Luxusgegenstünde, eine japanische Ausstellung, eine Kvlonial-Ausstellung, eine holländische Taperie und eine Glücksbude. Es würde zu weit führen, auf all das viele Gebotene einzeln einzugehen, und es ist dies -auch deshalb nicht nötig, weil ja am heutigen Montag jedem nochmals Gelegenheit geboten ist, sich das Leben und Treiben selbst anzusehen. Mit unermüdlichem Eifer waren die allerliebst kostümierten und ausnahmslos sehr liebenswürdigen und netten Damen bemüht, ihre Waren an den Mann zu bringen und mancher originelle Einfall mußte dazu dienen, dem guten Zweck Mittel zuzuführen. So zeigte z. B. mit großem Eifer und noch lgrößerem Erfolg eine junge §>ame ein Bild (ihr eigenes), immer für einen Groschen!
Karussell, Schießbuden, Schaubuden, Kraftmesser usw. vervollstäudiaten das bunte Bild, bei dem auch ein von Mitgliedern des Schützenvereins veranstaltetes Prcisschießen (das im Programm nicht aufgeführt ist) nicht fehlte. Und außerdem wurde getanzt, zunächst im Freien und später im Saal, nachdem hier die G e i s h a s ihre entzückenden japanischen Tänze vollendet hatten.
Erst gegen Mitternacht ging das frohe Treiben zu Ende, das vom Wetter außerordentlich begünstigt war. Noch mehr war dies am Sonntag nachmittag der Fall. Der Besuch war außerordentlich stark und ausnahmslos waren alle Festteilnehmer mit den Darbietungen, die sich in gleicher Weise wie am Samstag abwickelten, sichtlich sehr zufrieden. Da die seilgehaltenen kulinarischen und trinkbaren Waren durchweg gut und die Preise nicht übertrieben sind, fanden sie geradezu reißenden Absatz, so daß die meisten Stände trotz wiederholten Nachschubes ausverkauften. Wer aber dadurch seinem Drange, für unsere Südwestafrikaner etwas zu tun, nicht Genüge leisten konnte, findet hierzu am heutigen dritten und letzten Tage des Wohltätigkeitsfestes reiche Gelegenheit.
Wie zweckmäßig und tresfuch das aanze Arrangement getroffen war, mag daraus hervorgehen, daß trotz des außepo.rd.entlichen Menlchenandranges mrd der recht heißen
Witterung keinerlei Unfall eintrat, so daß Sanitätskolonne und Feuerwehr nicht ihres Amtes zu walten brauchten.
Die Herkomerfahrt.
IV.
Der Start in Lindau am Bodensee fand am 8. d. M. bei bedecktem Himmel statt. Es starteten alle in Lindau eingetroffenen 131 Wagen, Simon Oberdörfer nicht, der aufgegeben hat, da er von Hermann Wendt-Berlin ana cf obren wurde.
In München sand am 8. Juni nachm. zwischen 2 und 6 Uhr im Forstenrieder Park die Schnelligkeitsprüfung der Auto- mobil-Tourenwagen statt. Die Rennstrecke betrug 5*/?. Kilometer bei 60 Meter Gefälle. Kurz nach 2 Uhr wurde als erster Wagen Nr. 9 Edgar Ladenburg-München auf die Fahrt geschickt. Um 4 Uhr 12 Minuten verkündeten Fanfarenklänge die Ankunft des Herzogs Ludwig in Bayern, der seinen Wagen (Metallurgique) mit 17 Sekunden Zeitgewinn nach Hause brachte. Dr. Stöß- Zwickau, der vorjährige Sieger, fuhr mit einer Minute 9Vs Sek. früher am Ziele ein, und hätte damit in der Schnelligkeitskonkurrenz gesiegt, wenn er nicht außer Konkurrenz gefahren wäre. Die Resultate'sind folgende: 1) Willy Pöge - Chemnitz (Mercedes- Fahrer, Besitzer selbst, Normalfahrzeit 3 Minuten 57% Sek., gebrauchte Zeit 2 Min. 52% Sek., mithin um 1 ,9)2in. 4% Sek. verbesserte Zeit. 2) Wagen 169, Hans Aschoff-Aachen (Metallur- gigue), Fahrer Besitzer selbst, Normalzeit 4 Minuten 53% Sek., gebrauchte Zeit 3 Minuten 49 Sek., mithin um 64% Sek. verbesserte Zeit. 3) Wagen 154 Franz Heine-Hannover (Adler), Nor- malzeit 4 Min. 45% Sek., gebrauchte Zeit 3 Min. 43% Sek., mithin um 63 Sekunden verbesserte Zeit.
Die Schnelligkeitsprüfung ergab als Sieger der Gruppe 1 Haller-Darmstadt (Neckarsulm), der die sieben Kilometer lange Strecke in 6 Minuten 54% Sek. zurücklegte; in Gruppe 2 Glöckner-Frankfurt (Neckarsulm) 4 Minuten 12% Sek., Gruppe 3 Gassert-Buchhorn (Neckarsulm) 4 Minuten 7% Sek., Gruppe 4 um den Goldpokal von Deutschland Noll-Düsseldorf (Puch) 2 Min. 59% Sek., in Gruppe 5 startete nur Egli-München.
Heber einen neuen bedauerlichen Unfall auf der Fahrt meldet man: In Weiberg bei Waltenhofen wurde ein außer Konkurrenz fahrender Wagen von dein nachfolgenden Oberleitungswagen Nr. 9 Edgar Ladenburgs angefahren. Das Automobil Ladenburgs stürzte um. Drei der Insassen wurden leicht verletzt, der vierte, Hauptmann v. Normann, erlitt außer Verletzungen am Kopf _unb an den Beinen einen Armbruch. Die Signale des umgeftürzten Wagens waren von dem außer Konkurrenz befindlichen nicht beachtet worden.
Wagen 24 erlitt auf der .Strecke Lindau-München beim Nehmen einer Kurve einen Radbruch. Der Wagen fuhr in einen Straßengraben, wobei ein Jnsafse einen Armbru ch und ein anderer Insasse Kopfverletzungen erlitt. Wagen 89 zog sich infolge eines Zusammenstoßes einen Defekt zu.
Die ersten Wagen der Herkomerfahrt, die am 11. Juni in Frankfurt endet, werden an diesem Tage nicht vor 3 Uhr nachmittags dort eintreffen. Das Ziel befindet sich östlich der Riederhöfe auf der Hanauer Landstraße, wo auch ein Restaurationszelt errichtet wird.
Andere Automobilunsalle.
Baron Hamm er st ein aus Linz (Oesterreich) stieß auf einer Automobilfahrt mit einem Radfahrer zusammen. Letzterer erlitt schwere Verletzungen, während Baron Hammerstein nur leichter verwundet wurde.
Ein schreckliches Unglück ereignete sich während einer Automobil-Dauerfahrt von N e wyo r k nach A l - bany. Ein Kraftwagen des Direktors Mackenzie von der Standard Brake Company stieß in schneller Fahrt mit dem elektrischen Straßenbahnwagen zusammen. Der Kraftwagen wurde völlig zertrümmert,die Insassen herausgeschleudert. Mackenzie war sofort tot, alle anderen verwundet, darunter zwei schwer.
Ein am Sonntag in der Wilhelmstraße zu Berlin rad- fahrender Arbeiter wurde von einem Automobil umgerannt und getötet. Der Kraftwagenführer jagte davon und konnte nicht festgestellt werden.
Aus Studt uud Lund.
Abdruck unserer durch Äorrespondcuzzeicheu keuutlich gemachten Origiualartikel ist nur unter genauer QueUcuaugabc (Gieß. Auz.) gestattet.
Gießen, 10. Juni.
" Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Pfannenstiel hat den an ihn nach Kiel ergangenen Ruf angenommen. Diese Nachricht wird weit über unsere Stadt hinaus tiefes Bedauern Hervorrufen. Doch mußte man ja längst darauf gefaßt sein, daß unsere Universität diesen hervorragenden Gelehrten und bewährten Direktor unserer Frauenklinik über kurz oder lang verlassen würde. Waren doch die Bemühungen, die von Berlin aus unternommen wurden, um ihn für eine preuß. Universität zu gewinnen, seit Jahr und Tag überaus lebhaft. Es bleibt für uns nän nichts anderes übrig, als zu wünschen, daß ein möglichst gleichwertiger Ersatz gefunden werden möge.
** 2)ie Blattern in Oberhessen. Wie dasBüdinger Kreisblatt meldet, ist in Lind heim in mehreren Häusern die Bkatternkrankheit festgestellt. Es sind alle Maßregeln gegen eine Weiteroerbreltung der Krankheit getroffen. Angesichts dieses Falles sei an die Maßregeln erinnert, die in 1870 im Fürstentum Birkenfeld angewendet wurden, als durch aus Paris ausgewiesene Deutsche die Blattern dorthin verschleppt ivurden. Dort durfte, iuie uns geschrieben, wird, eine öffentliche Beerdigung von an Blattern Gestorbenen überhaupt nicht stattfinden; vielmehr wurden die Leichen bei Nacht still beerdigt und dann einige Tage später an dem geschloffenen Grabe die Trauerfeier gehalten. Bettiverk und Kleidungsstücke der Lerstocbenen wurden auf freiem Felde verbrannt. Unser Gesetz erlaubt die Beerdigung bei Tag und auch die Leichenbegleitung; es ist aber zu erwägen, ob obige Art der Beerdigung nicht vorzuziehen ist. Alan ist gespannt zu erfahren, woher die Einschleppung erfolgte; man rät auf die eben sehr zahlreich beschäftigten Arbeiter aus Russisch- und Preußisch.Polen. An Reinlichkeit lassen diese gewöhnlich zu wünschen übrig. — Wie uns noch drahtlich imtgeteiU wird, ist bis jetzt in vier Häusern die Krankheit festgestellt worden und ein davon Betroffener, ein Ortsansässiger jüdischer Konfession, i|t der Krankheit bereits erlegen.
""Sitzung des Provinzial-Ausschusses. In öffentlicher Sitzung wurde am Samstag die Enteignung des zur Verbreiterung der Schellengasse in Alsfeld üon der Stadt Alsfeld in Anspruch genommenen Geländes der Th. Bücking II. Ehefrau verkündigt, nachdem der Pco- vinzial-Ausschuß unterm 27. Februar d. Js. die Zulässigkeit dec Enteignung ausgesprochen und die Stadt Alsfeld inzwischen den Nachweis über Zahlung der zuerkannten Entschädigung imd Hinterlegung der auferlegten Kaution für die noch _ auszuführenden Arbeiten erbracht hatte. — Im Anschluß an die öffentliche Sitzung sand eine Besichtigung bet Tuberkulose-Ausstellung unter Führung des Geh. Regierungsrats Dr. Dietz aus Darmstadt statt.
, ..3 er t e. Die in Gießen und Umgegend wohlbekannte
mtyrriche «Lungergesellschaft D' Ehrern feer unter Leitung des ^eTrit/xi edjnet Intt 3ur Zeit in verschiedenen Restaurants auf. za» Gebotene wurde biStzN tetä Bmall aufgenonuneu.
"Der La'ndes-Kriegerverband „Hassi hielt gestern in Groß-Gerau in Anwesenheit seines Protektors, S. K. H. des Groß Herzogs, der mit Rittmeister Flügeladjutant von Maffenbach punkt 9 Uhr im Automobil von Schloß Wolfsgarten eingetroffen war, seine diesjährige Mitgliederversammlung ab. U. a. waren anwesend Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Westphal au§' Berlin, als Vertreter des Kysshäuserbundes der D. Kriegerverbände, Prof. Dr. Redslob, Präs, des Kriegerbundes in Sachsen-Weimar, als Vertreter des Deutschen Kriegerbundes, Bundesschatzmeister Seleger aus München alS Vertreter des bayerischen Veteranen-, Krieger- und Kampfgenossenbundes, Frhr. v. Valot und Hauptmann Truckmüller als Vertreter des Württemb. Kriegerbundes und Generalmajor Anheuser als Vertreter des Badischen Militärvereinsbundes. Sämtliche 38 Bezirke waren vertreten. Den Jahresbericht, aus dem die ersprießliche Tätigkeit der „Hassia" zu ersehen ist, gab der Vorsitzende Generalmajor Hof, den Rechenschaftsbericht der Schriftführer Medizinalrat Vogt-Butzbach, sowie den Kassenbericht Hauptmann d. L. Wald ecker; sie wurden gutgehcißen. An Stelle, der ausscheidenden Vorstandsmitglieder Pfifferling und Krämer wurden Port-Offenbach und Schmitz-Alzey gewählt. Zum Ort des nächsten Verbandstages wurde einstimmig Ortenberg bestimmt. Der Voranschlag, der in Einnahme und Ausgabe mit 54 465 Mk. balanziert und in dem an Unterstützungen 11435 Mk., dagegen an Mitgliederbeiträgen 11559 Mk. vorgesehen sind, wurde gutgeheißen. Es folgten dann noch eine Reihe Mitteilungen über die Prinz Ludwig-Stiftung, die Ernst-Ludwig-Stiftung, die Ernst-Ludwig-Eleon.-Stiftung, den Kyffhäu,erbund, die Versicherungsverträge, die Sterbe- kasse und die Verbandszeitung „Hess. Kamerad". Nach lebhafter Debatte wurde ein Antrag des Präsidiums angenommen, wonach der „Hessische Kamerad" künftig mit einer Beilage „Altdeutschtano' zum Preise von 65 Pfg. für das Quartal geliefert wird. Den Abnehmern des Blattes wird zugleicy die Möglichkeit geboten, eine Sterbekasseoersicherung abzuschließen. Ein Antrag des Präsidiums betr. § 33 der Satzungen über das Schiedsgericht wird genehmigt. Zu Ehrenmitgliedern wurden der Fürst zu Men- burg-Büdingen und der Fürst zu Solms-Hohensolms-Lich ernannt. Ein Antrag Friedberg, betr. die Annahme der Normalsatzungen, sowie der Antrag Darmstadt, betr. Voranschlag und Unterstützungen wurden im Prinzip angenommen. — Ein gemeinsames Festessen im „Adler", sowie eine hübsch verlaufene allgemeine Feier auf dem Marktplatz fchlossen sich an die Verhandlungen an. Montags findet ein Ausflug in die Bergstraße statt.
** Eine hohe Auszeichnung wurde unserer Nach-, bargemeinbe Steinbach auf der Ausstellung der Deutschen Ländwirtschaftsgesellschafi zu Düsseldorf zuteil. Sie erhielt bei starker Konturreirz für ihren Gemeinde bullen Vogelsberger Rasse den ersten Preis. Dasselbe Tier erzielte 1905 auf der hessischen Landesausstellung in Mainz den zweiten Preis.' ""Von dec Gießener Bahnhofsrestauration. Ein Freund unfeces Blattes schreibt uns:
Dem ehrenden Nachruf in N.. 129 Ihres geschätzten Blattes aus Anlaß des Todes des Städtv. Kirch im Uebrigen in jeder Beziehung beistimmend muß ich doch der Gerechtigkeit; halber festftellen, daß d'as Verdienst, die Bahnhvftestauratioir auf ihre Höhe gebracht zu haben, vor allem dem Schwager des Herrn Kirch, dem verstorbenen Herrn Christian Krämer gebührt. Dieser übernahm im Jahre 1872 die damals allerdings in wenig befriedigendem Zustand befindliche Restauration und seiner unermüdlichen Tätigkeit iin Verein mit derjenigen seiner Gattin, dec Schwester des Stadtv. Kirch, gelang es, die Restauration zu einer mustergültigen zu erheben. Ties erkannte Kaiser Wilhelm I., der auf der Durchreise nach Ems seine Mahlzeiten in der Bahnhoftestaur.ätion einzunehmen pflegte, ba^ durch an, daß er Herrn Krämer den Charakter als Hoflieferanten des Königs von Preußen verlieh, und gleiche Auszeichnung wurde ihm von anderen Fürstlichkeiten zuteil. Später trat Herr Kirch in das Geschäft seines Schwagers ein und übernahm! es nach dessen Tode selbständig. Ihm ist 'es zu danken, daß, dem Geschäft sein gutes Renommee erhalten blieb.
X Wieseck, 10. Juni. Unser großes Dorf prangte gestern im schönsten Festschmucke. Die Sangesbrüder von hier und den benachbarten Orten Klein-Linden, Gcoßen- Buseck, Watzenborn und Wißmac hatten sich zusammen- gefunden, tun gemelnsaut das 25jährige Stiftungsfest des Gesangvereins „I ugendbund" zu begehen. Dem Festtage ging am Samstagabend eine Vorfeier auf dem Festplatz voraus, die bei Gefangsvortcägen, Konzert und Solovoctcägen des Kammermusikers Kümmel-Gießen sehr schön verlief. Am gestrigen Hauptfesltage bewegte sich um 2 Uhr ein stattlicher Festzug, an den Festjungfrauen in Buseckectaltracht und die Vereine teilnahmen, durch das Dorf. Auf dem geräumigen und schön geschmückten Festplatz angekommen hielt Festpräsident Da ubert die Festrede. Ec gedachte des 25 jährigen Bestehens des Vereins und der Pflege des Volksgesangs und brachte ein Hoch auf das deutsche Lied aus. Veremsvorsitzeuder H. Kreiling überreichte au dreizehn Gründer, die dem Verein ununterbrochen 25 Jahre ange- höct haben, Ehcendiplome unö ernannte sie zu Ehrenmitgliedern; auch zwei Mitglieder, die 20 Jahre als Sänger Mitwirken, erhielten Diptolne. 9(n diese Feier schlossen sich Gesangsvocträge der Vereine untermischt mit Pistonvorträgen des Kammermusikers Kümmel und Konzertoorträgen dec Kapelle Becker. Unterdessen hatte der Festplatz sich dicht gefüllt und namentlich aus Gießen strömten Scharen von Menschen nach Wieseck. Dank des prächtigen Wetters entwickelte sich auf dem Festplatz em reges Treiben, und das Fest, das heute sein Ende erreicht, nahm einen überaus schönen Verlauf.
/X Lollar, 9. Juni. Unser über 2000 Einwohner zählender Ort erhält demnächst, einem vielseitigen Bedürfnis entsprechend, eine Gendarmerie st ation. Durch den fortwährend steigenden Industriebetrieb und den hierdurch bedingten Zuzug fremdländischer Arbeiter ist die Belegung unseres Ortes mit Gendarmen jedenfalls sehr zweckentsprechend und auch beruhigend für die ansässigen Einwohner.
** Steinberg, 10. Juni. Der seit einem Jahr bestehende Turnverein Steinberg errang auf der Turufahrt des Gaues Wetterau zu Dorheim unter 7 Turnern sorg- gende Preise: zwei 9., einen 16., einen 18., einen 24., einen 25., einen 32. Es sind dieses die ersten Preise, die in unserer Gemeinde Watzenborn-Steinberg errungen wurden.
△ Butzbach,8. Juni. Gestern hatte der liberale Wahlverein seine 2. Versammlung in der Doll- schen Gastwirtschaft. Man konnte schon nach dem einmonatlichen Bestehen des Vereins eine günstige Weiterentwicklung konstatieren. Zum Vorsitzenden wurde Joh. Schimpf ernannt. Der seitherige Vertrauensmann der Partei, Kaufmann Fr. Heyd, übernahm das 9lmt des Schriftführers und Fabrikant W. Heil würde zum Kslfierer gewählt. — Vier
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