Reicht sind, Berücksichtigung finden. Ferner wird eine Anzahl Einzelanträge angenommen.
ES folgt die Beratung des VorsengefetzeS. Das Referat erstattet der Vizepräsident der Berliner Handelskammer, Geh. Kommerzienrat Mendelssohn. Er legt eine Erklärung vor, in der schleunigst eine Aenderung dcS Gesetzes verlangt wird, insbesondere die Beseitigung des BörsenrcgisterS und die Wiederaufhebung des Verbots des Borsenterminhandels in Anteilen von Bergwerks- und Fabrikunternchmringen, sowie in Getreide und Mühlenfabrikaten. Tie Erklärung gelangt ohne Besprechung einstimmig zur Annah nie.
Als nächster Punkt folgt die „Haftung de§ Staates*. Generalsekretär Dr. Soctbcer-Berlin befürwortet den Antrag, daß durch Ncichsgesetz die unmittelbare Haftung bc§ Staates und anderer jiiristlscher Personen des öffentlichen Rechts für den von ihren Beamten in Ausübiing der diesen anoertrauten öffentlichen Gewalt zugefügten Schaden festgesetzt werde. Der Antrag wird diSkussionslos einstimmig angenommen.
Kommerzienrat Werner-Hannover sprach danach über die St o l o n i e n. Er legte seinem Vortrage die Erklärung zu Grunde, daß der deutsche Handelstaq wann eintritt für eine zielbewußte und kraftvolle wirtschaftliche Entwickllmg unserer Kolonien, insbesondere durch planmäßigen Eisen bahn bau und deshalb allen Kreisen des Handels und der Industrie im Vertrauen auf die großzügige Leitung der Kolouialver- waltung tatkräftige Mitarbeit empfiehlt. Auch dieser Antrag wird einmütig angenommen.
Schließlich sprach noch Syndikus Schloßmacher- Offenbach über Zeichenschutz. Er befürwortet die Abänderungen des Gesetzes zum Schlitze der Warenzeichen vom 12. Mai 1894 durch Erfüllung der vom Ausschuß des Handelstages am 8. April 1907 beschloffenen Forderungen. Eine letztere enthalteiide Resoliilion wird angenommen.
Nachdem die Mitglieder für den Ausschuß neugewählt resp. wiedergewählt waren, wurde die Vollverfaiiimlung durch Präsident Kämpf geschloffen.
Bei dem F e st m a h l e des Handelstages führte der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. Tschirfchky aus: Er habe in seiner bisherigen Tätigkeit im AuSlande, namentlich aber in Hamburg einen Einblick in die Bedürfnisse deS deiltschen Handels erhalten und den Wert schätzen gelernt, den der deiitsche Handel neben anderen Zweigen der Volkswirtschaft für das Gedeihen des gesamten deutschen Vaterlandes zu beanspruchen habe. Er iverde daher in feiner verantwortungsvollen Stellung bet der Wahrnehmung der Beziehungen Deutschlands zum Auslande jederzeit den Interessen des deutschen Handels besondere Fürsorge angedeihen lasten. Der Staatssekretär brachte em Hoch auf den deutschen Kaufmann und auf den deutschen Handel aus.
Der Präsident der Reichsbank Dr. Koch führte au§: Die jetzigen schwierigen Geldverhältnisse feien unzertrennlich von der großen wirtschaftlich en Kraftentfaltung. 9)lit einer Aenderung der Bankverfassung sei dem nicht abzuhelfen. Der Handels st and müsse sich in seinen Unternehmungen mäßigen und größere Barreserven an zu sammeln suchen. Redner schloß mit einem Hoch auf den Vorstand des deutschen Handelstages.
Der stellvertretende Direktor deS Kolonialamts Dern- vurg betonte, daß in den Kolonien nicht allein die kommerziellen Interessen, sondern auch die Ausbreitung der deutschen Kultur und deutscher Ideale maßgebend sein müsse, die Aufgabe der nächsten Zukunft fei eS, soviel Rohprodukte zu produzieren, daß Deutschland bei der internationalen Preisgestaltung das Zünglein der Wage bilde. Dazu genügten geringe Quantitäten. Die Rede des Kolonial- direktorS klang in ein Hach auf den deutschen Handelstag ans.
*
„Rechts Früchte und links Blumen"
so kennzeichnete em Redner im Reichstag die Gaben, mit denen Fürst Bülow vor die konservativ-liberale Mehrheit trat. Beim Bankett deS Deutschen Landwirtschaftsrats im Brustton der Ueberzeugung das Bekenntnis zum agrarischen Prinzip, unverrückbar bis ans Ende von Kanzlers Erdenwallen — zum Handelstage der höfliche Wiinsch für gedeihliches Wirken dec verehrlichen Versammlung: sinnfälliger kann trotz aller fchänen Reden dec anderen Herren von der Regierung eine unterschiedliche Behandlung wohl kaum sein. Schade, daß der Handelstag mit der Eröffnung seiner Sitzungen nicht warten konnte bis nach der Rückkehr des Kanzlers nach Berlin. Des Grafen Posadowsky Rede wurde, wie man hört, von den Börsen mit Befriedigung ausgenommen, aber — es war eine Blume, deren Duft bald verweht wurde. Vielleicht beschert der Herbst, die Erntezeit, endlich auch dem linken Partner der Regierungsmehrheit einige Früchte aus dem Füllhorn des Fürsten Bülow.
Aus StuSt und £anö.
Gießen, den 10. April.
•* Prämiierte Kaninchenzüchter. Bei der Prämiierung der Ausstellung des K a n i n ch e n z n ch t v e r e i n s „Volkswohl" erstellen folgende Aussteller Preise:
Klasse 1, B e l g i sch e Ri e s e n. E h ren p re ts: Jos.Menges, Limburg, 87 Punkte, Alanin Schmält, Gießen 84, Kcnüncheuzüchter- gesellfcha'l Fechenheim 85, Heinrich Vollmöller, Lauterbach, 85, Adolf Tiller, Siegen, 84, I. F. Zimmermann, Eschwege, 84 Punkte. — I. Preise: Friedrich Baum, Totzhenn, 83, Karl Hölper, Dotzheim, 831/,, Heinrich Roder, Kassel, 83, Guido Selten, Westerstede i. Olddg., 821/, Punkte. — II. Preise: Heinrich Eisler, '21 r- heilgen, 82, Heinrich Köhler, Hersfeld, 82'/,, Wilhelm Mayer, Gießen, 82, Kaninchenzuchtverein Homburg v. d. H., 8I1/., Karl Hölper, Dotzheim, 81%, Heinrich Kohler, Hersfeld, 81'/, Punkte. — III. Preise: I. F. Zimmermann, Eschivege, 81%, Joseph Menges, Lrmburg, 81, Heinr. Gabriel, Gießen, 81, Emil Binger, Arheilgen, 80, F. Schmidt, Gießen, 80, Franz Rau, Hersfeld, 80, Bornei, Oberschäffelshenn t. Els., 80, Heinr. Ebert, Gelnhausen, 80, H. Röder, Kassel, 80, Gg. Schäfer, Langendiebach, 79, Heinr. Binz, Allendors a. d. Lahn, 79, Heinrich Bauer, Brücken i. Bayern, 79 Punkte.
Klasse 2, Belgische Landkauinchen: Franz Rau, Hersfeld, 84, Ehrenpreis.
Klasse 5, Französische Widder: Ehrenpreise: H. Röder, Kassel, 87, Gg. Hültenberger, Gießen, 83% Punkte. — IL Preise: Will). Weder, Offenbach a. M., 79, Karl Weber, Kaiserslautern, 79 Punkte. — III. Preise: Gg. Hüttenberger, Gießen, 78'/, Putte.
Klasse 6, Angora: Heinr. Raab, Tarmstadt, 76, Karl Kaufmann, Gießen, 72 Punkte, HL Preise.
Klaffe 7, Sitbertanrnchen: Ehrenpreise:
H. Röder, Kassel, 86, Gebr. Fasset. Siegen, 86/ A. Wagner, Gelnhausen, 85, W. Schlag, Langendiebach, 85, Ph. Element, Langen- biebach, 85 Punkte. — I. Preise: H. Binz DI., Allendorf a. d. Lahn, 84, H. Raab, Darmstadt, 84, Fr. Mayer, Arheilgen, 84 Punkte. — II. Preise: H. Bauer, Brücken i. Bauern, 84, Ludw. B epi er, Wetzlar, 84, Andr. Brann, Offenbach a. TI., 84, Franz Rau. Hersfeld, 84 Punkte. — III. Preise: H. Röder, Kassel, 83, Ad. Ang. Silbert, Bieber b. Offenbach, 82, Karl Happe, Ostenbach a. 9)L, 83, Gebr. Fastel, Siegen, 80, Karl Kieling, Gelu- bansen, 80. £). Bauer, Brücken i. Bayern, 83, F. Baum, Dotzheim, 81, Wilh. Schlag, Langendiebach, 81 Punkte.
Klasse 8, R n s f e n k a n i n ch c n: Ehrenpreis: Gebr. Fasset, Siegen, 82 Piinkte. — III. Preise: Karl Bückle, Hcrs- fclb, 80, H. Köhler, Hcrsscld, 80, H. Baiier, Brücken i. Bayern, 80 Pnnkte.
Klasse 9, H o 11 ä n d e r k a n i n ch c n: Ehrenpreis: H. Köhler, Hersield, 94Punkle. — I. Preis: Jak. Bröhl, Langen- Diebach, 82 Punkte. — IL Preise: Wilh. Rees, Brücken i. Bay., 82 Punkte.
Klasse 10, Black and tau: I. Preis: Franz Raii, Hersield, 82 Punkte.
Klasse 12, Japaner: Ehrenpreis: Otto H. Liidwig, Greußen i. Thür., 83 Puullc. — II. Preis: Adolf Roll, Gießen, 82 Pinikie.
Klasse 14, Engl. Schecken: III. Preis: Pfyster von Altishoien, Köstritz, 80 Punkte.
Klasse 15, Schlachtzuchttiere: 1. Preis: Adain Döring, Gießen, 83 Punkte. — 111. Preis: Franz Otto, Gießen, 79 Punkte.
Klasse 16, Schlachtkaninchen: II. Preis: Gust. Koch, Gießen, 80 Pnnktc.
Klasse 17, Inngtierklasse: III. Preise: Ludwig Kreiling, Gießen, Heinr. Gabriel, Gießen.
Bon den Aussiellern der Pelzwaren erhielt Anton Weber in Aue dre goldene und Max Arzberger in Harburg die silberne Medaille.
** Nepper. Der Schuhmacher Konstantin Krug auS Fulda, wohnhaft in Offenbach, wurde gestern hier dabei betroffen, als er eine mindcrwcrtige Uhr, die er nach seiner Angabe für 10 Mk. in Frankfurt a. M. gekauft haben wollte, an einen Bückerjungcn unter der falschen Angabe, er sei in Geldnot, für 16 Mk. verkaufte. Er wurde auf die Polizei- ivachc sistiert, wo es sich heiausslcllte, daß Krug auch sleck- buiflid) verfolgt wurde. Er machte daun einen F l u cht- v ersuch, indem ec von der Wache entsprang, wurde ober m der Schloßgasse wieder ergriffen. Jedenfalls hat Krug, der auch schon wegen Diebstahls bestraft ist, noch mehr auf dem Kerbholz.
A Rieder-Wöllstadt, 9. April. Hier starb der Lehrer i. P. Konrad Falk im Aller von 70 Jahren, der lange Jahre in mehreren Orten der Wettcrau tätig war. Er hatte von 1855 — 1858 das Lehrerseminar Friedberg besilcht.
Mainz, 9. April. Von der Bürgermeisterei wurde ein Regulativ ausgearbeitet, nach dem die GchaltSbezügc der Volksschullehrer im allgemeinen um 200 Mk. erhöht werden sollen; die Mielenlschädigimg soll stiifcnmeise erhöht werden, jedoch über den Höchstbclrag von 700 Mk. nicht hinausgchcu. Bisher betrug das Höchstgehalt der Lehrer 3200 Mk. nebit 600 Mk. WohnungSvelgütung. .— Der Provinzialaiisschuß der Provinz Rheuchessen hat eben« falls der Wahl deS sozialistischen Beigeordneten Reifert aus Hechts heim die Bestätigung versagt.
Erwiderung.
Das Ein gesandt eines Herrn B. in der Montags- itimtmcr des „Gieß. Anz." enthält eine solche Menge objektiv unrichtiger Angaben und ist in einem aggressiven Tone gegut unser in stetem Aufblühen Gegriffeneß Gemeinwe>en geschrieben, b-iß dcr untcrjeidjnctc Vorstand sich veranlaßt sieht, gegen dasselbe mit aller Entschiedenheit Front zu machen.
Ohne unjcnrfeitß zu dem Wioerstreite der Meinungen über bett bekannten Bescymß der Stebwerordnelenverfammlung über bie Erhebung der Kanalgebühren im Rahmen dieser Er- rdiberung Stellung nehmen zu tuouen, möchten wir unserer Ucber- zeugung nur btibüt Ausdruck geben, bau u. E. die urplötzlich ent,achte Erregung der Gemüter unbedingt vermieden worben wäre, roenn rechtzeitig, b. h. vor Fertigstellung unb Benutzung des ersten Kaual-Hauöanschlusses eine Beichluß- fassung der Sl..dtoerordneten über die Höhen der Gebühren und die Art ihrer Erhebung hcrbeigeführt woroen wäre.
Dann waren wohl in den meisten Fällen die so sehr beanstandeten Mietstet gerungen unterblieben, die geeignet sind, viele Mieter doppelt zu belasten, falls fie nicht rückgängig gemacht werben. Dann würde auch der Ctadtsääel und bumit bie Gefamtyeit der Steuerzahler die recht erhebliche Einbuße nicht zu erleiden haben, welche jetzt wohl nicht mehr zu vermeßen ist, unb es würoc dann endlich wohl auch nicht vvrgekommen sein, daß ohne genaue Grundlagen mit Zahlen (5 Pwz. des MietwerteS i.iiro.) operiert wurde, wodurch erst recht die allgemeine Erregung auf die Spitze getrieben worden fein dürfte.
Die in dem Eingesandt des Herrn B. aufgestellten Behauptungen:
Gießen könne sich mit anberen Städten, wie Worms, Offenbach ufw. überhaupt nicht messen; — das Bauen sei hier viel billiger tote dort; — die bärtigen Wohnungen seien schöner unb komfortabler eingerichtet, bie Lebensmittelpreise billiger u. s. f. Kinnen wir auf Grund unserer Erfahrungen samt und sonders als bcbaucr.'iche Ucbertrcibmigcn bezeichnen, unb wenn Herr B. sich weiter bemüßigt sieht, zum Wegzüge von Gießen, zu einer Preßsehde gegen oic hiesigen Verhältnisse unb gegen den Zuzug nach hier öffentlich aujzufordern, so sind bas bedenkliche Entgleisungen eines Mannes, bei Gießen offenbar überhaupt nickt näher kennt und der wohl auch entgegen aller Erfahrung nicht weiß, daß ein Kanalbau ohne Schmutz und Schlamm nun einmal nicht zu bewerkstelligen ist, weder hier iwch attderSwo.
Rllige er sich darum auf fein backigcs Schecken aus unserer Stadt freuen; — wir gönnen ihm neidlos dieses Vergnügen. Wir Gießener Einwohner aber toollcn uns durch ihn unb feine unüberlegte Redetocife bie Freube an den sanitären Wohltaten, bie unserer Gesamt./eit bei nunmehr nahezu vollendete Kanalbau bringt, nicht trüben lasten, unb der Hoffnung Ausdruck geben, baß nach her allgemeinen Inbetriebnahme b.eses großen Wertes auch alles Murren wieder verstummen unb volle Zw- sriebcnheit bei allen Beivohncrn der Stabt einlehren möge, begleitet von einem allgemeinen Aufschwung aller städtischen Verhältnisse, nicht zuletzt durch einen ;ehr erheblichen Zuzug von auswärts. Ties isl die -uversichtllche Hosfnung des Verkehrs- vereins unb aller berer, bie an bent Aufblühen Gießens nicht verzweifeln.
Gießen, den 9. April 1907.
Ter Vo rstanb d es V er keh r sve r eins Gießen, e. B.
* Kleine Tages uj um Vor einigen Tagen ver» fckivandcn in Moers die zwei Kinder der Jlgerschen Ehelenlc. Sie ivurden jetzt in einer Kiste auigeumben. Tas Ehepaar rouibc wegen dringenden Mordverdachles verhallet. — In Köln fuhr cm Automobil m eine Schar spielender Kinder hinein. Eni Knabe von 11 Jahren wurde schwer, zwei andere Kinder 'wurden leicht verletzt. — Das Kolouialwarcn-Geschäst von Franz Haiipc in 911 c D e vf d) ö ii b a n j e it bei Berlin wurde der Schauplatz eurer Ex p l o s i o n, Die durch, eine Höllenmaschine herbeigestihrl wurde. Tie Aiaschme befanb sich in einer von einem Unbekannten zur Aufbewahrung niedergelegieu Kiste. Ein Lehrling wurde ourch Stichflammen an Gesicht und Hände verletzt. Die Schaufensler- fcheiben wurden zertrümmert und bie im Fenster ausgestellten Waren flogen auf die Straße. Jin Laden eiU|umö em Brand, der bald gelöscht werden t'onutc.
Kandel.
Deutschland als Weltbankier. Zn Len letzte» Jahren waren die deutschen Banken unb zwar mit Erfolg bemüht, den alten großen Geldmachten, ben Franzosen unb Engländern, in ihrer Tätigkeit als Weltbankiers Konkurrenz zu machen. Jetzt, da das Geld seit Monaten sehr teuer" geworden ist unb teuer zu bleiben scheint, worunter Teutschlanb noch mehr als England unb Frankreich zu leiden hat, lvirb zum Rückzug gebtafen. Besonders auch von Finanzblärtern wie der „Franks. Aktionär". Dieser konnte in der Zeit der Hochkonjunktur der Banken nicht genug deren mutiges, umsichtiges unb erfolgreiches Vorgehen rühmen. Jetzt meint bas Blatt: Unsere Großbanken sollten ben Ehrgeiz zügeln, ber fie in der guten Zeit etwas zu weit vorangedrängt fiat Sie sollten sich nicht becifcm, allen möglichen unb nnntög- lichen Staaten bett Kredit aufzubrängen. Es genügt nicht, bei bent Wettkampf nm eine russische, japanische ober serbische Anleihe Sieger 511 bleiben, man muß sich auch der Verantwortlichkeit bewußt sein, bie darin liegt, den deutschen Sparer zu solcher Anlage veranlaßt zu haben. Man darf seine Kinder nicht schutzlos allen Unbilden der Witterung aussetzen. Man muß auch später für ihr Wohlergehen Sorge tragen. — Es ist nur schade, daß den Finanztoochenfchriften diese Weisheit etwas verspätet kommt. Als seinerzeit ber Reichskanzler sich gegen eine neue russische Anleihe erklärte, ba hat gerabe baS öbeu genannte Blatt böse gewettert unb bie Behauptung aufgestellt, durch des Kanzlers Vorgehen würben gute Geschäfte in bas Auslanb verschleppt. Auch für bie Unterbringung der japanischen Anleihen an ben deutschen Börsen ist es mit Eifer eingetreten. Bis jetzt haben aber auch die Japaner ihren Besitzern nur sehr wenig Freude bereitet. Im übrigen hatten wir aber doch sozusagen baS Kind mir dem Bade ausgesdiüttet, wenn nun auf einmal alle exotischen Geschäfte als gefährlich hingestellt werden unb ber Rat erteilt wirb, bie Emissionstätigkeit überhaupt einzustellen. Daß nicht richtig disponiert worben ist, bei uns unb an anderen Orten, z. B. damit, baß ben Amerikanern für Spekula- twnszwcckc zu viel Kredit gewährt ober ihre Eisenbahnfhares abge- nommen würben, ist zweifellos. Daß nun aber gar nicht mehr bisponiert toerben soll, wäre erst recht verfehlt, beim bann würden bie Danken in ihrem Verdienst so bedeutend zurückgehen, baß eZ nur noch sehr kleine Divckenben gäbe.
Markte.
ke. Frankfurt a. M., 10. April. iOrig.'Telegr. des ^Gieß. Anz.") B i e h m a r k t. Zinn Berkaiüe standen 00 Kälber, 00 Schafs n. Hammel, 1670 Schweine, 0 Ziegen. Schweine: 1. Qual. 57—58 Pf., Lebendgewicht 45.00—00 Pf., 2. Qual. 55—56 Pt, Lebendgewicht 43.00-44 Psg., 3. Qual. 50-52 P'g. Kälber 1. Qual. 00—00 Pf, Lebendgewicht 00—00 P'g., 2. Qual. 00—00 Psg., Lebendgewichi 00—00 Pig., Schlachtgewicht 00—00 Pfg. Schafe L Qualität 00—00 Psg., 2. Qualität 00—00 Pfg. Geschäft bei Schweinen: gnt, Markt geräumt.
Arveiiterbewegung.
— Vorn S ch n e i d erstre ik e. In dein über fünf Wochen währenden Lohnkcnnpfe der Herren Maßschneider steht der F r« e d e n s f ch t u b jetzt unmittelbar bevor. Wie au5 zuverlässiger Quelle vertäutet, wird noch heute, Atittwoch, abend m allenthalben statt findenden Versammlungen die Ett ischeldnng über die A ufhe - bung der Sperre, die sich auf 72 Ortsgruppen des Al! icinen deusichen Arbeiigeberverbandes für das Schneckergcwerve mit 14,600 Gehülfen erstreckte, fallen. Alle Anzeichen fprechen dafür, daß die Arbeit fchon am Donnerstag auf der ganzen Linie wieder a n s g e n 0 m m e n ivirb. Den Zeitpunkt der Eröfsnnng der Betriebe bestimmt der Centralvorstand m Acünchen, Damit bie Wiederaufnahme ber Arbeit in fämtlichen Ortsgruppen einheiilich dnrchgcführt werden kann. Tie Lösung des Konfliktes ist tuejentlich dadurch ermöglicht worden, daß die Vertreter der G e 1) ü l f e 11 f cl) a f t den Arbeitgebern insoweit entgegen- k a m e n, als sie die n c n e n L 0 h n t a r i f e d e r U n t e r n e h m e r im allgemeinen anerkannten und nur zu einigen Positionen noch unwejeuiliche Znfchläge verlangten, die aber nach dem jetzigen Stande der BerhanDlungcn dem Frieden nicht mehr hinderlich sind. Der Zenlral-Borstand der Arbeitgeber in München gibt bekannt, Daß der Vorfchlag der Arbetter-Organisatton betreffend Wieder- au'nahme der Arvest atigenonunen und die Sperre somit ui allen Ortsgrilppen des Verbandes sofort aufgehoben werde zu Dein Tarne der Arbeitgeber. Von dem Streike waren außer Berlin 72 deutsche Städte betroffen.
Hamburg, 9. April. 9lachdem sich die Organisation der Hafenarbeiter an Den Ardeiigeberverbanb gewandt hat und auf Dessen Verlangen Die schriÜllche Erklärung abgegeben hat, daß Der Beschluß der Verweigerung der Nachtarbeit nun- inehr bedingungslos aufgehoben werde, wird über die vom Ha'enbetriebsvcrein erftrebtte völlige Neuordnung der Arbeitsverhältnisse im Hamburger Haf.n eine Besprechung mit Dem Vov- sitzenden Des Haienarbeitei-verbanDes stattsinden.
toieHcncr Wettcrotcuft.
Voraussichtliche Witternug für Hesteu am Donnerstag, den 11. April: Teilweise heiter. Keine erheblichen Niederschläge. Temperaiur nicht verändert. Schwache nördliche Winde.
Würzburg, 10. April. Ter Staatsaiuvait hat die Unter, suchuug gegen ben flüchtigen Bankier Scheibt in K i tz i n g e n eingeleitct. Die Oeffnung des Ktzssenschrankes zeigte umfassenbe Depotunterschlagungen. Die Ursache des Zusammenbruches ist in Spekulationen in Kupferminen zu suchen. Beteiligt suck besonoers Pariser unb Londoner Banklstiuscr. Der Fehlbetrag ist noch nicht festgestellt.
Madrid, 10. April. Hiesige Llättcr wollen wissen, baß ein b e u t s ch e s G e s ch w a b e r unter bem Kommando des Prinzen Heinrich von Preußen int Mai verschiedene spanische Häfen besuchen werbe, u. a. Vigo, Valencia, Ferrol, Cartagena.
Moskau, 10. April. Der liberale Sd;riftsteller Koro- lenko, sowie mehrere aickere, ben liberalen Kreisen Poltawas angehörenbe Persönlichkeiten erhielten von ber schwarzen Ka- morra Tobesurteilc zugesanbt, in denen sic aufgeforbert werben, Rußlanb binnen fünf Tagen zu verlassen, widrigenfalls die Tobesurteilc vollstreckt werben würben.
Kaninchrttzucht-Vercm „Votkswohl"
Gletzen. Gewann-Laste*
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