Ausgabe 
8.3.1907 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

hau, 07 'Wt 'Wlll,el«lr.|i8 sse M,

reiB, - Märg lU£Peihauses. Uris

Ende 10 Uh,. * 2'~ Herrn Urt«® bleibet

WH

er*1 l'iano-

ON

leiiö, bei abiulut w xlbnua^ui

WIN

hvli di Teh, Nwibabnbof.

HIHI uT

8l/4 Uhr

b Saalbau

PpecISburg: WKM. W\djmubancr> t uub die zerren eiaai. ]>/i emgelüdeu.

s

s Stück 26 W

uorrSlO

Danit11'

8

gesmrben käs- an [1820

u. Frau

ger.

WWW

[ehr gerne bie [ngk

:ers

ig.Pulrer

Nr. 57

.. (Unruhe.) «l Ordnung

Effcheint täglich mit Ausnahme de» Sonntag».

DieSitbtittt Samillenbiatter* werden dem Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, .da» tirdsblatl für den Kreil Liehen" zweunal wöchenllich. Terljtsstlch« CanbroUt erfcheuck monatlich einmal.

gerade unter diesem Gesichtspunkt Zollvergünstigungen aus spanische Verschnittiveine sich verböten, auch wenn die Handels­vertragsverhandlungen darüber in die Brüche gehen sollten. Es darf den deutschen Winzern nicht auch noch unlautere Auslandskonkurrenz auf den Hals geladen werden.

Abg. Dr. Blanken Horn (nl), ein Weinsachverstän­diger ails Baden, ließ keinen Zweifel darüber, daß Zoll» konzessionen auf spanische «Rotweine den Handelsvertrag und annehmbar machen würden. Er protestierte aber nicht minder entschieden gegen die unlängst vom 9lbg. Gamp (Np.) geforderte Einführung, einer Neichsweinsteuer. Herr Gamp verriet nicht, ob er Beerenobslweine, die er selbst von feinen Ländereien gewinnt, von der Besteuerung ausgenommen zu sehen wünscht. Die Herren aus Süddeutschland mutmaßen einen gewissen Widerstand Preußens gegen die Vereinheit- lichung der Nahrungsmittclkontrolle. Dr. Blaukenhorn z. B. regle eine Interpellation im preuß. Abgeordnetenhause an, | um eine Stellungnahme der Regierung dieses Emzel[laats herauszufordern.

Die Lauge einer Festrede erreichte der Vortrag deS Abg. | Ehrhart (Soz.), und es war schließlich auch Anlaß 511 festlicher Vertiefung in die Weinfrage: feierte doch der Alt­meister der äußersten Linken, Abg. Bebel, heut das 40jährige Jubiläum als Parlamentarier. Ein Strauß flammend roter Nelken schmückte seinen Platz. Ehr­hart stellte den KoMumenten-Standpunkt m den Vorder­grund, Abg. Oeser (Fr. Vlksp.) den deS Weinhandels. Ei nannte dabei den Namen Sartorius unerfreulichen Angeden­kens, und in der Wandelhalle sprach man davon, daß dieser Freund deS Mußbachwassers auf einer der Tribünen gesehen worden sei, freilich lief im Hintergründe.

Was auf dem Gebiet der Weinfälschung in Deutsch­land geleistet wird, enthüllte Abg. Stauffer (Wirlsch. Ber.) an geradezu beängstigenden Einzelheiten kurz, es muß etwas geschehen, um wenigstens die Kontrollbeslimmun- gen des Weingejetzes zu voller Wirksamkeit zu bringen.

mesienen Ertrag erzielen, weil die unlautere Konkurrenz bei Weinpantscher sich auf dem deutschen Markt breit macht. Kommt nun gar eine Wein-Mißeriite hmzu, wie im legten Jahre, dann ist der Winzerstand in die ärgste Bedrängnis gebracht. Die Regierung kann also nicht umhin, emzugreisen und zum mindesten die Umgehung deS deslehenden Wem- gesetze» energisch zu verhindern.

Die Absicht der Regierung kennen zu lernen, war der Zweck der JnlerpeUationen des landbüudlerischen Abgeord. Dr. Roes icke (Hosp. d. Kons.) und deS Abg. Schell Horn (natl.). Dieser ist Rheinpfälzer, während iRoefide in Ost­elbier, beheimatet und nur von Mandats wegen zum Für- sprecher süddeutscher Winzerinteressen berufen ist. Ec vei- saumte nicht, den Pfälzer Wein angelegentlich zu empfehlen.

Graf PosadowSty ließ jedoch in seine Beantwortung der Interpellation die kühle Bemerkung einfließen, eS werde auch m der Pfalz am Wein gesündigt. In der Sache selbst bezeichnete der Staatssekretär erfreulicherweise eine Ergänzung des Weingesetzes als nicht unwahrjcheinlich. Jedenfalls seien .die Beschlüsse der Nooemberlonfereuz den verbündeten Re- Igierungen zugestellt, und es empfehle sich, auch in den Emzel- parlamenten die heut im Reichstag geäußerten Wünsche gel­tend zu machen. Sieht Graf Posadowsky den Schwerpunkt des WeingesetzeS auch in der Handhabung der Kontrolle, so macht er doch für seine Person kein Hehl daraus, daß du- bisher unverhältnismäßig medrig gehaltenen Geldstrafen für Wemfälschungen kräftig erhöht, wenn nicht gar durch Frei­heitsstrafen ersetzt werden muffen. Wer so gewissenlos sei, hunderttausende von Mark einzuheimsen auf Kosten der Ge­sundheit seiner Mitmenschen, habe keinen Anspruch auf die Milde des Gerichts. Lebhafte Zustimmung von allen Seiten .des Hauses. Für einheitliche Regelung der gesamten Nahrungs- mittelkontrolle durch Reichsgesetz, die Graf Pojadowsly als höchst erwünscht bezeichnete, scheint sich einstweilen keine Aussicht zu eröffnen. Wenn der Staatssekretär aber meinte, ts werde auch im Ausland Wein gefälscht, so beweist bas die Notwendigkeit, die Einfuhr fremdländischer Weine nicht durch Zollermäßigungen zu erleichtern.

Treffend wieS Abg. Schüler (Ztr.) darauf hin, daß

Berkaus von Wern.

Staatssekretär Gras Posadows fy erklärt sich zur sosor- tigen Leaniwortung bereit. _

Abg. N 0 e s i ct e (Lund der Landwirte) begründet die Inter- pellation. Die Frage, um die es sich handle, errege im ganzen Lande das größte Interesse. Früher waren die Meinungen über das Weingefetz auseinandergegangen, heute aber seien die Wünsckfe der reellen Weinhändler wie die des Volkes, daß es ohne beruss- mäßige Kontrolle nicht mehr gehe. Die Kontrolle werde heute von Leuten ausgeführt, die teils un Haupt-, teils im Neben-, teils im Ehrenamt diese Kontrolle versehen. Unter 600 Kontrolleuren befanden sich 208 Apotheker und viele Aerzte, die vielfach wohl nach der weingesärbten Nase (Große Heiterkeit) zu diesem Amt berufen seien. Zur Beurteilung der Reinheit des Weines gehöre aber etwas mehr. Das Ergebnis der Weinprozesse entspräche dieser Kontrolle. Preußen habe 21, die Nheinpsalz aber 141 Prozesse gehabt. Das sei ein Beweis dafür, daß man es in der Pfalz mit dem Gesetz und der Kontrolle ernst nimmt. Gefordert werden müsse, daß durch hohe Freiheitsstrafen jeder vom Fälschen abge- j schreckt werde. Die zahlreichen Weinprozesse in der letzten Zeit hätten die unbedingte Notwendigkeit einer Aenderung des Wein- gesetzeS und die Bestellung von Berufskontrolleuren bargetan. Vielfach werde von den Fälschern über die bezogenen Chemikalien kein Wort in den Büchern angeführt. Redner bittet auf das Dringendste, dafür zu sorgen, daß das Weingefetz auf das Strengste beobachtet wird, damit der Winzerstand und der recte Weinhandel nicht vernichtet wird. Auch dürfen die Regierungen nicht nach- I lassen in der Bekämpfung der Reblaus., Für die Bevölkerung der Weingegenden, der die Treue für Kaiser und Reich im Herzen wohne, müsse nach besten Kräften gesorgt werden. (Beifall.)

Abg. S ch e l t h 0 r n (natl.) begründet die Interpellation der Nationalliberalen und führt aus: Unbedingt nötig sei eine einheit­liche fachmännische Vorbildung der Kellerkontrolleure. Auch die Buchkontrolle müsse strikte durchgeführt werden. Den Wünschen des Weinparlaments müsse entsprochen werden.

Freitag S. März 1007

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Umoerfudt» Buch- unb Kieiudruckeret.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition unb Druckerei: Crfiul« strahe 7. Eroebnion unb Verlag. &L dkbaftlome^ 113. TeÜ-Ad^ AnzdgerG letzen.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom v. Marz lbU7. imvr.ug.ec Nachdruck verboten.

Ein Antrag auf Einstellung eines Strasvenahrens gegen den Wa v Chrzan owski wird debattelos genehmigt.

Bei der Beratung des E t a t s n 0 t g e s e tz e s führt

Staatssekretär Fchr. v. Stengel aus: Es find nur noch drei Wochen bis zum neuen Etatsjahre und wir stehen erst vor dem Beginn der zwecken Beratung des Rcichshaushaltvetals für VJ07 Daß dadurch eine Notlage geichasten worben ist und schleu­nigst' Vorsorge getrossen werden muß, die finanziellen Unter­lagen für die Verwaltung zu aewinnen, bebart feiner näheren Begründung. Bezüglich der Forderung eines vorlaustgen Kredits von 200 Millionen Mark möchte td) hervorheben, bau die Sage des Geldmarktes speziell des Anleihemarktes, seit längerer Zeit j wenig günstig ist. Ter Hauptpunkt der Schwierigkeitenin ber Unterbringung von Reichs» unb Staatsanleihen liegt nicht m bem Mangel an Kredit im Reiche oder in den Bundesstaaten, sondern in der Hochfnnfunktur, deren sich die Industrie erfteut. .Umsomehr scheint es geboten, Fürsorge zu treffen, daß bas Reich m Ansehen ber Zeck der Begebung seiner Anleihen mögliafft wenig gebunben ist Deshalb schlugen wir bem Reichskanzler vor, uns zu ermäch­tigen, 200 Millionen Mark im Wege beS Krebits flüstig zu

ungcbulbig die (inullung ihrer Wünsche, zumal vurch oen ver­ringerten Umsatz unb burch die erhöhten Produltionskosten ihre Lage eine sehr schwierige fei. Die Heraufsetzung der cöllc lur Verschnittweine habe unzweifelhaft eine günstige '-djiuung und müsse unter allen Umständen aufrecht erhalten l erben. Redner bittet bann den Staatssekretär, d.n beulfa)en Wemoauvereinen für die auf Bekämpfung der Reokrankheilen gerichteten Rei­bungen einen Zuschuß zu geben. Das Weingeses lei nicht 10 Utyledjt rote fern Ruf. Bei richtiger fcanbbabung ferner Beit.unmungen würde ein Teil ber betragenswerlen Zustände befeitigt werben. Tie Kontrolle im Hauptamt sei der Schwerpunkt ber Frage. Mck bem Staatssekretär unb dem Vorredner stimme er lur eine Vep. fchärfung der Strafen. t

Abg. E h r H a r t (S.) glaubt, nach der Antwort des ^taatsstkrei tärs werde man nouj lange auf eine Novelle zum Weingefetz warten binnen Daä Weingefetz 1901 habe Schi,,brua> gelitten. Zum Parlamente feien die Leinen Winzer nicht euigelaben worden, unb über bie Verhandlungen sei das Lchweigegeooi vereng» worden. Preußen habe lein Geld für eine luidiame Weinkontrolle. Das Weingefetz muffe aber durch eine schar,e Kontrolle wiikiam und bie Lagerbückzer müßten obligatorisch gemacht werden. -nxim in Preußen, wo ber Staatssekretär auch Einfluß habe, der Voll­zug der Gesetze erst bejfer fei, bann iverde btes auch aui bie anderen Staaten ermuntemb wirken. ...

Abg. Oeser (Deutsche Vpt.) erklärt eben,all» eine Revision des Wemgesetzes für erwünscht. Zunächst fei aber bajur zu wrgen, patz bas bestellende Gesetz durchgeführt werde. Em neue» Weiw. gesetz auf das alte herum zu propfen hacke lerne Partei nicht lur erwünscht. Tie Beimisästing von Ehemilälien zum Wem ist >chwn jetzt verboten. Ich fühle mich nicht berufen, Herrn Satotius in Schutz zu nehmen. Die Vonvune, die man ihm macht, Imb abet weck größer als die Verfehlungen, die hat. Die strengste Straie für bie Fälfcher wäre bie, ihren Wem felber zu trinken. (Heckerkeck.) m , ...1

Abg. Stauffer (Wirt|ck)astl. Vgg.) erklärt. Tie Beseitig gung der Grenzzahlen bei ber Analyse muffe erfolgen. Der reelle Handel muffe vvr bem unreellen in Schutz genommen weiden, ber reelle Handel dürfe daher nicht belästigt werden. Zntereiiant ist, daß vor nicht langer Zeit 30 Stuck Wem zum Prelle von 13ll Mark per Stuck, das sind 11 Pfennig pro Liter, nach Rudcsheinü gegangen sind, um von dort wieder alL Rüdesheimer e^rdicrs zu werden. Tie Zuckerung, wird erst durch den ^a»erzmaS rentabel. In einer jranzonichen Seitung las id) bas' einer Koblenzer Firma, in welchem em Gruridstuasverkaui awi gezeigt wurde. Darin heißt es, das Grundstück habe ^^glicheÄ Queliwafser, welcl-es lieblicfy weich unb ^und,ullend für bie Weinrxrbesscrung außerorbentlid) geeignet )et. (Unruh«.) Wir virlangen von ber Regierung, datz sie end.ich einmal Orbnung, in biefe Ui^ronung bringt unb das Wemgeietz abunöert.

dtach einer aui der Tribüne unverslandliä-en Bemercung einLS Regierunaskommifiars wirb die Vertagung befchlvnen. '

Mchste Sitzung Freitag: Zwecke Le>ung des Nachtvags iua f Sübiveftaitita und Rechnungssachen.

inad$bg Speck (Ztr.) hält bie Gründ«, welche der Staatssekretär für die neue Anleihe geltend machte, für durchaus zutreffend. Der Wunsch ber Regierung, ben Unterbeamten stnanziell beizu- i'pringen, sei seiner Partei außervrbentlich sympathisch, iuenn auch bie Beträge noch bei weitem nicht ausreichten, um allen Wünschen gerecht zu werben. Rcbner empfiehlt bie Ueberroeifung an bie Gesetzeskomuiission. (Beifall im Zentrum.)

Abg v. Richthofen-Damsbors (kvns.) schließt sich biefem Anträge an. Alle Einzelheiten würben sich besser m ber Ge- setzeskommission erlebigen lassen; besonbers bie Beamtenfrage könne nicht im Plenum im Hanbumbrehen erlcbigt werben.

Der Gesetzentwurf geht hieraus an bie G.,etzeskommisswn. Es folgt hieraus bie Beratung ber Interpellation ber Konservativen unb Nationalliberalen betreffend Aenderung des Gesetzes über den

ZS.ludevutte im Ueichslagc.

R. Berlin, 7. März.

Wenn im NeichSparkament vom edlen Traubenblut b:c Rede ist, bann pflegt ber Gesetzgeber Herz höher zu schlagen oeiber, muß man sagen, ist hier vom .Freudebrmger Wem häufiqer die Rede, als es wünschens,vert erscheint, denn Wem und Weib haben das gemeinsam, daß e» uni fo beffer um sie bestellt ist, je weniger nmn von ihnen spricht. Die Ltalte ber Gei-tzq-d.mg w-mglt-nS ist dazu berufen, der fMttetung oon MiMnde» in den om Weur mtereflierten Erwerbs, -weinen za dunen, und zu Silagen auf dielen, Gebiete liegt betrüblicherweise noch viel Anlaß vor, well die Weingefetz- gebi.ng im Reiche nach wie vor lückenhafl ist, trotz bereu» erfolgter Revision des ganz unzulänglichen WeingesetzeS von 1892. Nun hat im November v. Js. m Berlin eme^ Konferenz von Wcmsachversiändigen getagt, m ber sich Die Regierung unterrichtete über bie Wünsche ber Winzer unb reellen Wemhünbler, deren Interessen solidarisch sind un Gegensätze zu denen der Weinfabrikanten, bie SUinilnxin .wachsen lassens ohne eine einzige Traube SU benötigen. Für das .Bouqiiet" sorg-n hier gewisse Tailsenbkilnstler. die sich auf bie Destillierung ber feinsten Geschmacksunterschiede verstehen. So wird in verschwiegenen Kellern, besonberS in Preußen, eine Flut sogenaunlen Weines probuziert, zum Schaden ber Weintrinker, ber ehrenhaften Weiuhänbler unb vor allem der Winzer, bie mit unenblicher Muhe bem Boden da» jRatiirprodukt obgcroinnen, aber nicht entfernt äuge»

politijdyc

Autisemitische Scheidung.

Der antisemitische Flügel, ber den TitelDeutsche RefonnPartei^ führt, stand bisher mit der Wcrlschaftl. Vereinigung beS Reichstages m einem losen fiartelloer* haltnis. Jetzt haben bie .Reformer^ aus dieser Gruppe korporativ ihren Austritt vollzogen und sich, um in der Kommission Vertretung zu falben, ber konservativen Reichspartei angesch10ssen. Die ^Deutsche Resorm- partel" begründet diesen Entschluß wie folgt:

Ein Anjchlub an bie sogenannte Wictichastliche Vereinigung war von vornherein ausgeschlossen, weil bie Mitglieder dieser Wirtschaftlichen Vereinigung" m allen nationalen und >v l r t s ch a i l l i ch e n Fragen bisher stets untevenumber unem» waren unb gegeneinander gestimmt Haven. -L.ie Reiorin- partei, bie immer geschlossen aufgetreten ist, verspürt keine Luft, einer solchen ,V e r u n e l n l g u n g" ber verschiedensten Richtungen auch nur einen Teil ihrer Selbslanbigkeit zu opiern. Im letzten Wahlkauipse haben rott es von den Gegnern bis jum UeberfiuB hören tonnen, wie sie bas GegeneinanderstilNinen der 'JJtitglieoec der Wirtschaftlichen Vereinigung, durch welches diese zur politischen Ohnmacht verurteilt war, mit Hohn und Spott überschütteten uno wider die bessere Wahrheit auch bie stets einigen Resormer al» Daran mitschuldig zu verdächtigen suchten."

Die ^Teutfchsoz. Blätter- deS Herrn Ltebermann von Sonnenberg bestätigen auch ihrerseits diese Schilderung, indem sie feststellen: , ..

»s stellte sich bereits bie erfreuliche Tatsache heraus, das; die jetziaeu -Dhtglieber in fast allen Fragen völlig gleicher Anschauung sind, unb daß die Arbeit im neuen Reichstage kaum jeiual» di« volle Geschlossenheit vermissen lassen wirb, bie eine bet VorauS- etzungen für positive Erfolge bildet." <

Veutdche» Ueieh.

Berlin, 7. März. Ter Kaiser fonferierte heute mit dem Reichskanzler. Um 10V, Uhr empfing der Kai,er'die nach P 11 ts- burg in Amerika bestimmte Abordnung, bestehend au^ ben Herren Staatsmuiister a. D.von <Dl ö Ile r, Generalleutnant von stöwenf eld, Proiessor Dr. ftofer, Vrv'essor Schaper, Geh. Hofbanrat v. Ihne, Oberstleutnant D t d l) u t. . ,

lieber das Gespräch b e s Kaisers mit dem R eichS t a g s v r ä s i d 1 u m bringt dieTentsche Tagesztg.' heute noch eine Richtigsiellung. Ter Kaiser habe zwar über die Dr ewer- hälliusse gefproMen und eine Aniiaherung b es R 0 n \ er oatismus und des nationalen Liberalismus für wünschenswert erklärt, 00m I u n k e r t u m habe er mbesten fein Wort gejagt. Er habe vielmehr aiisge'uhrl, daß bie Par­teien nicht umhin können würben, ihre Programme zeit­gemäß u m i u g e ft a 11 e n unb zwar schon deswegen weck ge- wisse Forderungeii bereits erfüllt seien, eo sei beiipielsroei e die liberale Forderung der Preßsreiheit er'ullt; die Er.ahrung öes Tages lehre, daß von dieser rzreiheit reichlich Gebrauch gemacht IVClbl Tem Berl. Tagebl/ zlifolge wurde zum zweiten deickschen Delegierten bei der Haager ck r 1 e b e n s k 0 n i e r e 11 z der Vor­tragende Rat, Geh. Legationsral Dr. K r 1 e g e ernannt. Die Wahl des erneu Delegierten ist noch nicht erfolgt.

- Die .Rordd. AUg. Zlg." schreibt: TerBayr. Kur. ver- siichte den Eindnick ber Zurechtivelsnng, die ihm der Chef der Reichskanzlei am Montag im Reichstage zu erteilen genötigt war, durch eme leidjuertige Polemik zu veiivischen. Gestutzt einen ungenauen Parlamentsbericht erlaubt sich das Black, dem Geh. Rat 0. L 0 e b e 11 eme Fälschung des m Frage stehenden Zitate» u'orjuiuerfen. Hätte der ,Bayr. Kur." einen forrelten Bericht m öie Ha»id genommen, io hätte er gefunden, das ganz genau mst Einschluß des FragezeicheiiS unter Beziignahme aui Deninaner , zitiert worden ist. Auch diese neueste Meinung des Blattes geirrt ; also in Da» Gebiet der an ihm gerügten eigentümlichen Kanip'es-

Die Dispositionen imReichstage sind,lur die nächsten , Lage wie folgt getrosten worden: Am Freuag findet dte zwecke

Staatssekretär Gras Posabowsky erklärt: Er teile bas Bebauern über gewisse Zustäirbe, bie heute im Weinhanbel be- stänben. vollkommen. Die Herren könnten sich bamit trösten, daß solche Fälle nicht nur in Deutschland, sondern auch jenfecks ber Grenze borfamen. Wenn Roes icke bas Protokoll ber französ. Deputiertetlkainmer vom 25. Januar nachlese, werbe er finben, baß dort ber Deputierte Bruce fast biefelbe Rebe gehalten habe, wie er heute hier. (Heiterkeit.) Das Weingefetz sei erst 1901 ergangen. Die Kommission habe volle 18 Sitzungen abgehalten, nachbem bas große Weinparlament vorausgegangeu war. Er teile bie Auf­fassung Roesickes vollkommen. Wie jebes Kompromiß, fei auch dieses Gesetz nicht vollkommen befriedigend. Es habe eben eine Einigung erzielt werben müssen zwischen ben bivergierenben An­schauungen im Reichstage unb benen ber Sachverständigen unb auch ben juni Teil auseinanbergehenben Auffassungen ber Regierungen. Nach bem Erlaß bes Gesetzes hätten sich zwei berühmte Fälle von Weinfälschungen zugetragen, er wolle bie Namen nicht nennen. Wenn bas Gesetz nicht so gewirkt habe, wie es wirken könnte, so seien nicht bie Bestimmungen bes Gefetzes baran schult), sonbern feine Hanbhabung. Die Verhältnisse in ber Pfalz seien nicht so ganz besonbers schlecht. Pecatur intra Palatiam et extra. (Heiter- keck.) Die Buchkontrolle besteht jetzt schon, allerbings unter ber Voraussetzung, baß Bücher überhaupt vorhanben unb. (Heiterkeit.) Eine weitere Reform wäre möglich buvch eine Ergänzung bes Weingesetzes ober burch einen Zusatz zum Nahrungsmittelgesetz. Wenn eine Einschränkung ber Zuckerung verlangt werbe, jo sei nach feiner Ueberzeugung bie Zuckerung unter Umftänben eine ganz praktische Manipulation. Die Zuckerung bürfe jeboch nicht fo groß sein, baß bas SBcinquantum baburch beeinträchtigt werbe. Die Deklaration sei nicht möglich. Der Schwerpunkt liege nicht im Gesetz, sonbern in einer geschäftskunbigen, sachverstänbigen unb un­abhängigen Weinkontrolle. Die Kontrolleure müffen sozial unb wirtschutlich unabhängig bastehen. Gerabezu erfchreckenb seien bie Ergebnisse ber Nahrungsuiittelfälscherprozesse. Die Gelbstrafe von ein paar taufenb Mark stehe ost zu bem aus brutaler Gewinn­sucht ohne Rücksicht auf bie Gefunbhecksgefahr erworbenen Vorteil in feinem Verhältnis. Es sei zu erwägen, ob man nicht bie Strafe für Falscher erheblich höher setzen ober unter Umftänben sogar bic Gclbstrafe absolut ausschließen sollte. (Beifall.)

Auf Antrag v. 92 0 r mann (kons.) finbet eine Besprechung bei Interpellationen statt. .

Abg. Schuler (Ztr.) stimmt den Interpellanten bei, baß I eine Revision des Weuigeietzes von 1901 bringend notwendig fei. Seine Partei verlange, thü bie Strafe erhöht werde, unb baß in schweren Fällen auf Gefängnis erkannt werde. Die Wmzer I feien in einem großen Teil der Weinbaubsitrikte dem jium nahe. Die einzig richtige Hülfe für den reellen Weiiibau wäre bie strengste Deklarativlispflickst. (Zustimmung.) Dafür bestel-e aber keine Aussicht, unb man müsse sic» mit einet fcharicn Steller» tontrolle, mit der Defchränkung bcs Zuckerwafferzufatzes, mit bem 9Rarlenschutz unb mit Der Eiiiichränkung der Etikellen, re check als ben Acilibestfordermigen begnügen, l^r bitte bie Regierungen recht I ernfa ehe es zu spat ist, eine GeietzLsooriag: zu unterbreiten. Die ben berechtigten Llageu abhüljt.

Slbg. B lauteuho rn (nati.) meint, die Winzer erwarteten

Zweites Blatt 1S7. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für (vberheften