Ausgabe 
9.8.1907 Zweites Blatt
 
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M-. 185

Zweites Matt

157.1

von S. R. Mecu in*

Erscheint ILgllch mit Ausnahme des Sonntags.

DieSietzener FamilienblStter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Uretrblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Derhessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Marokko und die Mächte.

Tie L,an düng deutscherTruppen inMarokkoan der atlantifchen Küste zur Wahrung der deutschen Interessen und deseuropäischen Gleichgewichts" fordert dieRhein. Wests. Ztg." Cs bedarf keiner Darlegung, daß das mit unfehlbarer Sicherheit zum internationalen Konflikt führen würde. Wenn England und Italien der Meinung fiitb, ihre Interessen seien durch die franzosisch-spanischs Aktion hinreichend gewahrt, so darf sich Deutschland ohne weiteres auf den gleichen Standpunk: stellen. Tie Geschosse der französich-spanischen Flottille und die Bajo­nette ihrer Landungstruppen besorgen den Schutz der Interessen aller Weißen ohne Unterschied der Nation. Ist diese Sühne der Euvopüermorde §11111 Abschluß gebracht, dann werden zunächst die Tipchmaten der Algeeiras-Signatarmächte Arbeit bekdmmen. Ein Teil der französischen und spanischen Presse fordert die Revision der Alge ei r as-Akte. Davon kann keine Rede sein, denn noch ist einer der wesentlichsten Bestimmungen dieser Akte nicht L.vlge gegeben worden, obwohl sie seit 16 Monaten in Geltung ist. Tie Negierungen in Paris und Madrid haben verabsäumt, Die Polizei in Marokko zu organisieren, und den zum Geneialinspekteur dieser gar nicht existierenden Polizei ev- nmutten schweizerischen Oberst Müller fast in der Rolle-, einer Operettenfigur belassen. Tie Kosten, die beiden Regierungen jetzt durch die militärische Aktion gegen Casablanca entstehen, Hutten fie zweckmäßiger aufgewendet für rechtzeitige Einrich- tung eines starken Polizeidieustes. Nun bleibt natürlich nichts übrig, als die Sicherung dieses wichtigsten Hafens an der aV ^Ä^"Küjie durch eine französisch-spanische Besatzung. Auf-

Aus Stadt und Land.

Gießen, 9. Ang. 1907.

Audienz empfangen wurde am Mittwoch H. dem Groß Herzog u. a. Oberbürgermeister

* * Landes Universität. S. K. H. der G r 0 ß h e r z 0 g haben den Finanzaspiranten Gg. Jung in Gießen zum Ver- walter bei der chirurgischen Klinik der Landesuniversität ernannt.

* * Landgericht. S. K. H. der Großherzog haben den Landgerichtssekretäv bei dem Landgericht der Provinz Oberhessen Iustizrat Ernst Löwer auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhe­stand versetzt.

* Staatsschuldenverwaltung. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog hat den vortragenden Rat im Ministe­rium der Finanzen, Obersinanzrat Hch. Schäfer, von den Funktionen eines Stellvertreters des Vorsitzenden der Staats­schuldenverwaltung entbunden und genehmigt, daß diese Stell­vertretung dem Ministerialsekretär bei dem Ministerium der Finanzen, Theodor Ulrich, übertragen wurde.

* * Uebertragen wurde dec Lehrerin Margarete Schneider zu Bieber, Kr. Offenbach, eine Lehrerinstelle an der Gemeindeschule zu Bürgel.

* * Erledigte Stellen. Erledigt sind: Zwei mit kath. Lehrern zu besetzende Leh rer stellen an der Ge­meindeschule zu Weisenau; die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Glashütten, mit der Stelle ist Organisten- und Vor-

jungeit Privatdozenten beim Ministerialdirektor bei. Der Macht­haber des preuß. Kultusministeriums wird uns als einmittel­großer Mann, ähnlich einem Schifsszimmermann oder Methodisten­prediger" geschildert,mit ziemlich groben Zügen und unterm Kinn hervorkriechenden V»art". In seiner derb zugreifenden Weise wirft er dem Gelehrten vor, daß er ein jüngst erschienenes Werk einer Sozialistin gewidmet habe und fragt mit Humor:War sie wenigstens hübsch?" .Dann kommt das Gespräch auf die Polen­politik, in der die preuß. Regierung gerade an einem Wendepunkt steht. Ter Priviatdozent gerät ins Feuer und betont, daß eine völlige Germanisierung nur durch moralische und intellektuelle Eroberungen möglich sei. Zum Beispiel wenn m(in in Posen eine deutsche Universität begründe. Dieser Gedanke ist Wasser auf 'die Mühle des Ministerialdirektors, der sich längst mit ähn­lichen Plänen getragen hat. Damit ist sein Glück gemacht. Er erhält einige Monsate später die Berufung nach Posen und sein Zukunftstriaum, als Repräsentant geistiger Mächte das zu er­füllen, was alle Polizeigewalt uuo Unterdrückung nicht ver­mochte, realisiert sich. * 1 H. L.

Tie S. K. H. dem Groß Herzog bei seiner Ernennung zum Ehrendoktor überreichte Urkunde stammt aus Offen­bach. Sie ist von der Firma Gebr. Klingspor ausgeführt, für die sie Rud. Koch in deutscher Schrift auf Pergament zeichnete. Auch die von Professor Kleukens in Darmstadt ent­worfene silberne Kapsel zur Aufnahme des Siegels ist in der Gravieranstalt von Gebr. Klingspor angefertigt.

Die Unstttte, daß inunserenSpeisehäusern französische Speisekarten den Gästen vorgelegt werden, scheint unausrottbar zu sein. In dem neuen Kaiserkeller in Frankfurt z. B. gibt es nur französische Speisekarten. Wie wenige Franzosen aber mögen sich wohl unter dessen Gästen befinden? Zur Aelbsthülfe in solchen Fällen von Fremdentümelei

Freitag «. August 1907

. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Untversitäts - Buch- und Steindruckeret.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e@51. Redaktion: ^^112. Tel.-AdraAnzeigerGießen.

Eine historische Kommission für das Großh. Hessen.

Der Abgeordnete Köhler-Langsdorf hat einen Antrag bei der Zweiten Kammer der Stände, d i e B e g rün d u ng einer historischen Kommission für das Großherzogtum Hessen betreffend, soeben eingebracht, folgenden Wortlauts:

Fußend auf den hierunter zur Begründung dieses Antrags abgedruckten, den Ouartalblättern des Historischen Vereins für das Großherzogtum Hessen (Nr. F., Bd. III) entnommenen Darstellungen des Großh. Hessischen Staats- archivars Dr. Dieterich, beantrage ich, verehrliche Zweite Kammer wolle beschließen, die Grobherzogliche Reaiecuna zu ersuchen,

1. die alsbaldige Einsetzung einerhistorischen Kommission

für das Großherzogtum Hessen in die Wege zu leiten, 2. zu diesem Zweck einen Betrag bis zu 10 000 Mark in

Ausgabe des Hauptvoranschlags für 1908 einzu- stellen.^

Habe der deutschen Diplomatie wird es sein, darauf hinzu- wirken, das; diese Besatzung baldmöglichst abgelöst wird durch Polrzcrmannichaft. Wurde sich dieser Wechsel weiterhin auf« fallend verzögern, 10 kannte der Verdacht entstehen, daß die Einrichtung der inte^alwnalen Polizei geflissentlich hintange- halten, und der Zwischenfall von Casablanca ausgenutzt werden soll, um d,e Vohauchetzung zur Ecltendmachung franz-ösisch-spa- nischer Sonderrechte ttua; an der atlantischen Küste Marokkos zu konstruieren, wo immerhin beträchtliche deutsche Interessen vorhanden smd.. Es fällt aber schwer/ anzunehmen, daß Fwanö reich und Splamen sich einer Verletzung der Algeeiras-Akte schul­dig machen werden.

Ministerialdirektor Althoff als Romanstgur.

Es dürste ziemlich unbekannt sein, daß der preuß. Kstltus- Ministerialdirektor Althvff, dieser Alleinherrscher int Ressort des Preuß. Universitäts- u. höh. Schulwesens, der mehrere Minister in seiner Amtsführung überdauert hat mtd jetzt seinen Abschied nehmen soll, vor kurzer Zeit von einem unserer begabtesten jüngeren Romianschiiftsteller, Wilhelm Hegeler, in seinem jüngsten Roman Flammen" verewigt worden ist. Tas Charakterbild dieses Mannes reizt dae Lichter zur Darstellung. Es ist so sehr von Haß und Gunst der Parteien entstellt, daß es noch geraume Zeit vauern wird,, um es in seiner wirklichen Wesensart kennen zu lernen. jSo viel steht «aber jetzt schon fest, daß Althoff im Gegeu- s-atz zu Studt, der nur derschöne Mann" hieß, eine eigenwillige und energisck-e Persönlichkeit und aus weit kraftvollerem Holze geschnitzt ist- Darum war er, wie man auch über seinen viel gelästerten Tispotismus denken mag, in jedem Falle die sym- tiathischere Figur inti Kultusministerium, der auch der Glanz ttneö überlegenen Humors nicht gefehlt hat. Auf den Roman selbst, der fein Schlüsselroman int gewöhnlichen Sinne des Wortes cht, wll hier nicht des Näheren eingegmtgen werden. Nur der Konflikt foll geschildert werden, in den Althoff «als Ministerial- Direftor mit dem Helden des Romans, dem Privatdozenten der Philosophie Heinrich Grjabaus, gerät, well dieser von der ab­geschlossenen akademischen Stubengelehrtheit nichts wissen will, tnb zum Aerger der Fakultät in populär wissenschaftlichen Zeit- christeii Beiträge veröffentlichte. Es ist übrigens interessant, daß auch Grabaus in einer bedeutenden, lebenden Persönlichkeit fein Urbild hat. Es ist nämlich niemand anders, als der im vorigen Fahr nach Breslau berufene Professor der Philosophie Eugen ühu e m a n n, der ursprünglich in Marburg dozierte und später ils Rektor der neu gegründeten Akademie nach Posen kam. In -in) er ein RoMan wohnen wir einer interessanten Audienz des

regt eine Zuschrift aus Düsseldorf an dieft. Z." an. Darin heißt es:Die Gäste sollten die Abhülfe dura) eigene Kraft herbeisühren. Vor einigen Jahren erhielt derBr. H." für das Restaurant" einen neuen Vorsteher (Chef"). Der Herr schrieb die Speisenfolge (Menu") durchweg französisch aus, deutsch be­nannte er nur Butter und Käse. Ich rief den Herrn heran und fragte, wie er dazu käme, von der bisherigen Sitte des Hauses abzuweichen, ob er wohl glaube, daß derartiges in einem andern Lande den Eingeborenen geboten werden dürfe. Der Herr wollte sich mit dem Hinweis entschuldigen, daß er mit den Gepflogen­heiten des Hauses noch nicht vertraut sei. Ich erklärte ihm, er hätte gerade als Neuling derartige Neuerungen vermeiden müssen. Ter Mann hatte das Einsehen, daß er für die Folge französ. Menus" vermied."

Wie man bei öffentlichen Bekanntmachungen die Deutschen im Vergleich zu den Ausländern behandelt, zeigt die nach­stehende Bekanntmachung in Nauheim am Musiltempel beim Kurhaus: J

Rauchen ist untersagt.

Smoking not allowed.

Priere de ne pas fumer.

Also dem Deutschen wird das Rauchen untersagt, dem Engländer ist es nicht erlaubt und der Franzose wird höflich gebeten, nicht zu rauchen!

internationale Schreibmas chinen - Aus - »teil un g. In Venedig findet gegenwärtig eine von Graf Budan organisierte Schreibmaschinen- und -Zubehör-Ausstellung statt. Schreibmaschinen auch für Blinde, Stenographie und Rechiiungo- maschinen sind hier zu sehen. Hierbei darf mit Genugtuung wnstattert werden, daß die deutsche Iiidustrie mit 16 Maschinen vertreten ist. , Wtitte September werden Wettschreiben ^darunter ein zlveiftüiidiges Dauerschreiben) stattsinden, an dimew auch, deutsche Maschinenschreiber sich beteiligen werden^

leserdienst verbunden; die Stelle des F or st warts der Forst­wartei Baumgarten, Oberförsterei Schiffenberg.

** Die neue Augenklinik, die gestern eröffnet werden sollte, kann infolge eingetretener Verzögerung bei den Einrichtungsarbeiten erst am 15. August eröffnet werden.

** H e r b st - P f e r d e m a r k t. Am 4. September findet hier Pserdemarkt mit Prämiierung statt. Tie letzten Märkte waren durchschnittlich mit über 300 Pferden befahren und von Händlern, Züchtern und Landwirten sehr gut besucht. Für die Prämi­ierung stehen 2000 Mark zur Verfügung. Tie Prämiierungs- kommission bestebt aus Oekonomierat Müller-Neuhof bei Gießen, Vorsitzender des Landespferdezuchtvereins, Oekonomierat Hofmann- Hofgüll, Gutspächter Bene-Hof-Altenberg bei Wetzlar, Kreis­veterinärarzt Knell-Gießen, Schlachthofdirettor Modde-Gießen und Oberstleutnant Schmidt-Gießen. Au Preisen sind vorgesehen: 1. Abteilung: Reitpferde 30 und 40 Mk. 2. Abteilung: Wagen­schläge (paarweise) 80, 60 und 40 Mk. 3. Abteilung: Arbeits- sckläge (paarweise) a) schwere 80, 60 und 40 Mk.; b) leichte 60, 40 und 20 Mk. 4. Abteilung: Arbeitsschläge (einzeln) a) schwere 30, 20, 15 und 10 Mk.; b) leichte 30, 20, 15 und 10 Mk. 5. Abteilung: Arbeitsschläge (Diese Pferde müssen mindestens sechs Monate im Besitz von Landwirten sein, die Mitglied des Hess.

Das englisch-russische Abkommen.

Nach langer Arbeit dürfte nun endlich das englisch-russische Abkommen perfeit werden; die Unterzeichnung ist zwar nach einer oiliatolen Auslassung noch nicht erfolgt, aber an der binnen kurzem erfolgenden Ratifikation kann kein Zweifel mehr bestehen. Es ist gleichsosis ein Zeichen der Zeit, daß zwei früher einander auf das ichroffpe gegen.iberstehende Rivalen sich auf Grund einer Abmachung über die beiderseitigen Interessensphären einigen, wenngleich in diesem Fall das Nuhebedürsuis Rußlands mit­gesprochen paben mag und England dadurch große Vorteile er­langt. Es sind nur wenige Jahre her, daß Rußland und Eng­land sich wie Katze unb Maus vertrugen und man hätte weit eher den Ausbruch eines Krieges zwischen Rußland und England erwartet,, als einen solchen zwischen Rußland und Japan. Es hat freilich nicht an Stimmen gefehlt, die meinten, daß Eug- lant) seine Sache in Asien durch Japan führen lasse, um ernten. In Zentralasien war der Kviifliktsstosf axv» gehäuft und ständig befürchteten die Engländer ein Eindringen Ri'.ßlands in Indien, resp. Unterstützung eines indischen Aus- standes durch die, Russen; lagen doch diesem Spiel die beider- seittgen Intrigen in Afganistan zugrunde. Wie anders ist jetzt bas Bild. Man vertrügt sich schiedlich unb friedlich, be- [erttgt allen Konfliklsstoff und braucht sich wegen eines Ve-- sitz-handes und ।einer Interessen keiner Besorgnisse hinzugeben. Im Gegenmtz zu den Uebereinkünften in der letzten Zeit soll daS englisch-russische Abkommen lediglich einen ganz bestimmten Zweck verfolgen, indem es nur die Verhältnisse in Asien regelt, |onft aber in die Beziehungen Rußlands in keiner Weise eingreift. W ist bemerkenswert, daß die offiziöse Patt-Moll-Gazette un­mittelbar nach der Entrevue von Swinemünde besonders be- tonen zu müssen glaubt, daß es nicht die Absicht Englands sei, Rußland in irgend eine neue europäische Gruppierung pineinzuziehen, die das Gleichgewicht der europäischen Mächte beeinflussen ober die Interessen irgend einer einzelnen Macht beeinträchtigen könne. Dieses Passus ist ersichtlich auf Deut sch^- iand gemünzt, um ein etwa auftauchendes Mißtrauen zu be­seitigen, unb es ist bemerkenswert, daß bie offiziöse Auslassung Juni Schluß lausbrücklich hervorhebt, England müsse gegenüber Teutschland inbezug auf die Verstäubigung mit Rußland volle Aufrichtigkeit zeigen- sie fügt noch hinzu, daß Teutschland auf dem lauseiiden gehalten und nicht wieder unter ähnlichem Mangel an diplomu.tischer Rücksichtnahme leiden dürfe, wie seinerzeit bei Abschluß bet euglisch-französischen Entente. Hierin zeigt sich ein neuer Beweis Don dem Umschwünge in der Stimmung Englands gegen Deutschland. 9?vch vor wenigen Monaten liinunerte man sich in England nicht einen Pfifferling darum, was wohl Deutschland zu englischen Attißnahmen jagt, und man tat alles, um zu einem Konflikt zu schüren. Mau ist coen allma.httcl) zur Vernunft gefominen und erkennt, daß bei einem Konflikt auch der überlegene Teil schwer an den Folgen einer kriegerischen Verwicklung auf Jahre hinaus würde zu tragen haben. Nicht ohne Jut-eresse ist es auch, daß man das englisch- russische Abkommen dem Volke gegenüber rechtfertigen zu müssen glaubt, luei£ man wegen des Abschlusses des' Vertrages Angriffe von dieser Seite beftirchtet. Es wird in der erwähnten offiziösen Auslasiung besonders betont, daß der Abschluß einer engeren Entente mit Rußland nicht im Interesse Englands liegen könne und den Gegnew einer Verständigung^ zwischen England und Rußland wird besonders versichert, daß eine derartige Erwei­terung der. asiatischen Verstandigungsversuche für England höchst unbequem fein würde. So stellt sich das englisch-russische Ueber- einkommen keineswegs als ein erneuter Einkreisungsversuch Eng­lands gegenüber Deutschland "bar, vielmehr hat man es mit einer tatsächlich nur den Leiberseitigen realen Verhältnissen die- neuben Verständigung zu tun.

' LanbespferdezuchtverLins oder'eines landwirischaftlicdm Bezirks- * Vereins smd) a) einzelne Pscrde 30, 20 unb 10 Mk" b) vaaÜ 1 weise 50, uO und 20 Mk. 6. Abteilung: Dreijähriae lohten - (9eb. 1904): a) Wagenschläge 40, 30, 20 und 10 Mk; b) Arbetts- - schlage 40, 30, 20 und 10 Mk. 7. Abteilung Zweiiabriae ' -(9e4r-190ok: Wagenschläge 30, 20, 20° und 10 M?

' b) Arbeitchchlage 30, 20, 20 und 10 Mk. 8. Abteilung: Zucht- stuten mit Fohlen ober nachweislich gebest (Prämien für inländ Züchter, welche Mitglieb des Landespferbezuchtvereins sind) a> Wa- : senschläge 60, 50, 30, 20, 15 unb 10 Mk.; b) Arbeitsschläae 60, 50, 30, 20, 15 unb 10 Mk. In ben Äbteilungen 1 bis 4 werden für un Privatbesitz befindliche Pferde, die nicht um Geld­preise konkurieren, Ehrenpreise gegeben. In ben Abteilungen

» t. werden nur Pferde im Besitz von Händlern zugelassen. Ter Pramiieruiigsplan, welcher die näheren Bedingungen enthält, wird von Weinhändler August Schwan zu Gießen auf Wunsch übersandt Mit dem Pserdemarkt ist eine Verlosung von Pferden Wagen, Fahrrädern, Nähmaschinen, Haushaltungs- und Gebrauchsgegenstänben verbunden, zu der Lose ä 1 Mark bei Herrn Richard Buchacker und den Verkaufsstellen zu haben sind.

N ach träaliches zum Universitäts fest. Auch der hiesige B ü r g e r v e r e i n hat am Vorabend des ^ubiläumsssstes der Universität seine Glückwünsche darge­bracht. Es geschah durch Ueberreichung einer Adresse, die auf die guten Beziehungen zwischen Universität und Bürger­schaft Bezug nimmt und deren Bestehen auch für alle Zu- kunft erhofft. Der Rektor, Geh. Hofrat Professor Dr. Be- haghel, dankte den beiden Vorstandsmitgliedern, die die Adresse überreichten Prof. Dr. Sommer und Lehrer Valentin Müller aufs herzlichste und sprach auch seiner­seits den Wunsch aus, daß auch in der Zukunft nichts die schöne Harmonie zwischen Universität und Bürgerschaft stören möge.

* Der Turnverein veranstaltet am nächsten Sonntag vormittag einen Tnrngang in den Wald mit dem Endziel Schiffenberg, woselbst Turnspiele stattsinden sollen. Auch die Damenriege und der Sängerchor werden sich an dem Turn­gang beteiligen (S. Ins.)

** Gebote für Spaziergänger und Aus­flügler.^ Wenn du in Gottes freie Natur gehst, so be­denke, daß sie ein Tempel seiner Schönheit und ein auf- geschlagenes Buch seiner Allmacht und Weisheit ist. Darum laß zu Hause alle Gedankenlosigkeit, prosaische Alltags­stimmung und Gemeinheit; aber nimm mit dir alle Em­pfänglichkeit des Geistes und Gemütes und die Fröhlich­keit des Herzens. Widmest du den lieblichen Schöpfungen der Pflanzenwelt deine besondere Aufmerksamkeit, so tue es nicht dadurch, daß du sie unnützerweise ihrem Lebensboden entreißt, sondern daß du dich dem Zauber ihrer Schönhett hingibst und ihr Leben zu verstehen suchst. Vor allem enthalte dich der widersinnigen und naturfeiirdlichen Mei­nung: Pflanze und Tier seien vornehmlich für das nattrr- historische Atuseum geschaffen worden oder wohl gar für dein Herbarium oder deine Schmetterlingssammlung. Am Besitz und Werte der Landleute übe jederzeit alle Schonung und Rücksicht, besonders der Art, daß du nicht durch dreistes Betreten ihrer Wiesen und Aecker den Ertrag ihrer hurten Arbeit kürzest und sie zu zorniger Abwehr reizest. Dein Feldblumenstrauß halte sich in verrrünftigen Grenzent Waldrand, Wegrand und Feldrain rönnen dein Schönheits- bedürfnis für diesen Zweck mehr als reichlich befriedigen^ seltene Blumen aber laß stehen, damit sie sich aussähen und vermehren können. In solchem Sinn sollst du be­sonders auch deine Kinder belehren. Will sich deine Natur­freuds im Gesänge Luft machen, so achte wohl darausi daß er nicht aus der Art schlage, und wisse zum Schluß- ein grober Feind aller reinen Freude und innigen Enl> zückens ist ost der Alkohol.

** In Amerika verstorbene Hessen. Grtttav Lesch aus Butzbach, 48 Jahre alt, zu Buffalo, N. Y.. Frau Klara Heinrich Wwe., geb. Roth, aus Gernsheim, 93 Jahre alt, zu Newyork. Franz Geis aus Büdesheim i. Rheinh., 55 Jahre alt, zu Newyork. John Millep aus Wommelshausen, 63 Jahre alt, zu Louisville, Ky. Johs. Junker aus Kviegsheim, 83 Jahre alt, zu Posey Co., Jnd.

1. Lollar, 7. Aug. Alt ist die Geschichte des hiesigen Krieger Vereins, denn er wurde am 9. Juni 1844, dem Geburtstag des Großherzogs Ludwig III., von 15 Vete­ranen in alter Hessentreue mit dem bedeutungsvollen! NamenLudwig zur Treue" gegründet. Noch älter und dabei sehr interessant ist aber die Geschichte der jetzt 165 Jahre alten Vereins sahne. Sie zeigt aus blauweiß­rotem Grunde einen Löwen und die Jahreszahl 1742. Sie stammt von der Bürgergarde, die sich in jener Zeit zum Schutze gegen Räuberbanden hier gebildet hatte. 1844 wurde sie auf einem Speicher im GasthausEinhorir" aufge-