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8.7.1907 Zweites Blatt
 
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Vir- 157 Zweites Blatt LS7. Jahrgang

Erscheint ILglich mit Ausnahme deS Sonntags. j^A / »a - a, S '

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l Eeneral-Mzelger für Oberhefjen

Montag 8. Juli 1907

Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen Untoerfität3 Buch- and 6ttbibtudtttL 9L Sange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul* stratze 7. Expedition urrd vertag! ee®6L Redaktion: 112. TeU-Adr^ AnesigerGießen.

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Besserung der deutsch-französischen Beziehungen.

Berlin, 7. Juli. Zur jüngsten Rede des Mi­nisters Pich o n in der französischen Teputiertenkammer schreibt dieN o r d d. A l l g. Z t g.", in nüchtern denkenden politischen Streifen Deutschlands ist seit langer Zeit der Wunsch lebendig, daß etwa auftauchende konkrete Fragen zwischen Frankreich und Deutschland auch in Frankreich ahne Leidenschaftlichkeit nach ihrer sachlichen Bedeutung allgemein behandelt werden möchten. Man wird bei uns )en freundlichen Ton, in dem Herr Pichon gestern die )eutsch-französischen Beziehungen besprach, wohl zu wür­digen wissen und ihn gern mit gleichem vergelten. Eine Verständigung von Fall zu Fall kann sehr wohl geschehen, ahne die Rechte und Interessen Dritter oder gar die Bünd­nisse oder Freundschaften zu verletzen, die Deutschland oder Frankreich mit anderen Mächten verknüpfen. Wird diese ^eüerzeugung Gemeingut, so wird sie von selbst jenegün- rige Atmosphäre" zwischen den beiden Mächten Herstellen, )ie die Erledigung bestimmter sich darbietender Angelegen­leiten nur erleichtern kann.

Paris, 6. Juli. Die Erklärungen Pichons über die )eutsch-französischen Beziehungen werden von der Presse m allgemeinen mit großer Befriedigung ausgenommen, venu auch einige Zeitungen, wieGaulois" undGil 3las", eine größere Offenheit über die Absichten der ruswärtigen Politik Frankreichs gewünscht hätten. Man ft aber darüber einig, daß Pichon klug und geschickt ge- prochen hat und sieht mit einigem Vertrauen der Entwick- ung der Dinge zu. Großes Aufsehen macht hier ein Artikel -erNowoje Wremja", der sich mit der Frage beschäf- igt, ob die französische Allianz für Rußland roch weiter nützlich sein könne. Man ist sehr über­rascht, daß solche Erwägungen in dem befreundeten Lande überhaupt augestellt werden können und gibt den russischen üundesgenossen einige bittere Wahrheiten zu kosten. In edem Fall sind zurzeit die Möglichkeiten zur Ver- tändigungüverwirtschaftlicheundkoloniale Fragen zwischen Deutschland und Frankreich her gegeben als noch vor kurzer Zeit, nur muß man sich )or übertriebenen Erwartungen in dieser Hinsicht hüten rtid Einzelfragen, über die man sich verständigen kann, richt mit den Fragen der großen Politik verquicken, deren Diskussion zwecklos und gefährlich ist.Aurore" sagt, s seien erfreuliche und ermutigende Worte gewesen, die Archon gestern in der Kammer gesprochen habe, und sie würden auch außerhalb der Grenzen Frankreichs gute Auf­rahme finden.Petit Parisien" meint, die Rede, die n jeder Hinsicht volle Aufklärung über die internationale Jage geboten habe, könne mit Genugtuung erfüllen, da )ie Beziehungen Frankreichs zu Deutschland wurtoisrevolle seien und die Politik der Regierung nieman- >en beunruhigen könne. Die Erklärungen des Ministers »eigten zur rechten Zeit, daß seit Jahren die inter- rationalen Beziehungen nicht so korrekte mb glatte gewesen seren wie heute.Figaro" agt, Pichon habe den verworrenen Erörterungen über > i e Reise Etiennes ein Ende gemacht. Botschafter Fambon könne nunmehr den günstigsten Augenblick ab- uarten. Dieser Umstand dürfe Frankreich und seine Diplo- naten weder zu kindischem Schmollen noch zu ungeschicktem Fifer oder zur Leidenschaftlichkeit verleiten.

London, 6. Juli. Ueber die Aeußerungen Pichons -insichtlich der Besserung der Beziehungen zwi- chen Frankreich und Deutschland schreibt der .Graphie", Pichons Worte werden mit äußerster Befrie­dung in ganz Europa aufgenommen werden. Zwar gehe )ie Annäherung noch nicht sehr weit und die eingeheimsten Ergebnisse seien noch von geringem Wert, aber es sei ein rusgezeichneter und vielversprechender .An- ang gemacht worden.

Zur Lage in Rußland.

Moskau, 6. Juli. Die Fujionsverhandlungen wischen den Oktobristen und den Kadetten sind vollständig gescheitert, da letztere in der Agrarfrage auf der Zwangsentejgnung von Grund und Boden beharren.

Warschau, 6. Juli. Wegen der feierlichen Be­grüßung des Erzbischofs Popiek wurden 13 Per- onen zu 2 Wochen bis 3 Monaten Arrest verurteilt. In >er Provinz dürfen Plakate nur noch in russischer Sprache gedruckt werden. Die Repressalien gegen >ie polnische Bevölkerung nehmen schärfste normen an. Gegen einen Militärzug, der zwei ^ardekompanien von hier nach Petersburg brachte, schleuderte ieute eine bewaffnete Bande in der Nähe von Lacy Bomben ind eine Handgranate. Die Granate beschädigte die Geleise eicht, die Boniben aber explodierten nicht, so daß der Zug ungehindert passieren konnte. Die Bande ist entkommen.

Riga, 6. Juli. Das straffere Vorgehen gegen tl(e revolutionärer Gesinnung verdächtigen Ele­nente hat heute zu nochmaliger Umzingelung und Durch- uchung der Synagoge geführt, wo 95 junge Juden sistiert ind zur Wache gebracht wurden. Die beiden Arbeiter, die pen deutschen Reichsangehörigeli Lüth im März ds. Js. chwer verwundeten, hat das Kriegsgericht zu schwerer Zwangs- rrbeit verurteilt.

Jekatarinenburg, 6. Juli. Heute mittag wurde kuf der Straße ein Revolverattentat gegen den tädtischen Polizeichef, der sich in Begleitung des I Äendarmeriekapitäns Pyschkin befand, v/rübt. Der Polizei- j tjef blieb unverletzt, Pyschkin wurde durch Reoolverschüsse >ctötet. Die Uebeltäter wurden verfolgt, es gelang ihnen ! edoch zu entkommen. Während der Flucht verwundeten sie j inen Polizisten.

Deutsches Reich.

Berlin, 6. Juli. TieBerliner Correspondenz" schreibt: Eie deutsche Krankenkassenzeitung und nach ihr ver­miedene ländere Preßorgane scheinen andeuten zu wollen, cs ü bei der Neubesetzung der zweiten Tirektorstelle ün ReichS­

versicherungsamt Anfang 1907 ein katho lischer Beamter zugunsten eines nicht katholisch en übergangen worden. Dieser Borwurf erledigt sich durch die einfache Tatsache, daß der zum Tirekwr ernannte nichtkatholische Beamte seinem katholischen Kollegen im Tienstalter vorangeht. Gleichwohl wollen wir noch ausdrücklich feststellen, daß bei einer Neubesetzung politische Erwägungen weder im zuständigen Reichsamte des Innern selbst mitbestimmend gewesen sind, noch bieder Behörde vom eiten der Reichskanzlei nähegelegt worden sind.

Wie dieVoss. Ztg." erfährt, ist ev ausgeschlossen, daß in der nächsten Reichstagssession bereits eine Vorlage, ivelche die angekündigte Umarbeitung der Arbeiterver- sicherungsgesetze enthält, dem Reichstage zuaehen wird. Sollte im nächsten Winter ein erster Entwurf fertiggestellt werden, so wäre eS möglich, daß in der übernächsten Session eine Vorlage an das Parlament gelangt. Ties ist aber auch nicht als fieber zu betrachten, da die Beratungen über den Ent­wurf viel Zeit in Anspruch nehmen werden.

Wie in unterrichteten Kreisen angenommen wird, dürste von dem Ergebnis der Fahr karten ste u e r in der jetzigen Reisezeit die Entscheidung der Fpage abhängig gemacht werden, ob auch die vierte Klasse von einem gewissen Betrage ab zur Fahrkartensteuer herangezogen werden soll, um einer weiteren Abwanderung aus der dritten in die vierte Klasse möglichst 'vorzubeugen. Dem Bundesrat würde dann ein ent­sprechender Vorschlag im Herbst gemacht werden.

Dem Berliner Anarchistenorgan Revo­lutionär" ist ein eigenartiges Mißgeschick zugestoßen. Wie es in seiner neuesten Stummer mitteüt, hat es seinen Trucker wechseln müssen, weil der bisherige, seit 1 x/2 Jahren mit einem Pvlizeikommmar in Verbindung gestanden und ihm die Kvrrektur- abzüge, sowie die erste fertige Nummer auf schnellstem Wege zu- gestellt habe. i

Jm^itzungssaale des Reich^kolonialamtes fand freute unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Dernburg und in Anwesenheit einer Reihe von anderen Herren des Amtes eine vom Handelsvertragsverein in Vorschlag gebrachte Sitzung deutscher, am Geschäftsverkehr mit Deutsch-Ost- afrika beteiligter Firmen statt, die dem Staatssekretär vor seiner Abreise Wünsche, Beschwerden und Anregungen deutscher Interessentenkreise unterbreiten wollten.

Hagen l W., 7. Juli. Ter Hagener Verein für Feuerbestattung hat gegen das von den Ministerien des Innern und des Kultus erlassene Benutzungso erbot des Kremo- wriums verwaltungsgerichtliche Klage erhoben.

Dresden, 6. Juli. DasDresdner Journal" veröffent­licht als Sonderbeilage den Entwurf zumWahlgesetz für die zweite Kammer der Ständeversammlung.

Hamburg, 7. Juli. Gegen den Polizeiassistenten Neuhaus in Altona, der als ehemaliger Unteroffizier der Kilimsandscharostation im Petersprozesse vernommen wurde, ist dps Diszilplinarverfahren eingeleitet worden, weil er sich hinter dem Rücken seiner? Vorgesetzten mit Bebel in Verbindung gesetzt hatte.

Ausland.

Bergen, 6. Juli. DieHo henzollern" mit Kaiser Wilhelm an Bord traf heute abend 10 Uhr, begleitet vom DepeschenbootSleipner" hier ein. Die Hohenzollern" wechselte Salut mit der Festung und ging auf dem Puddesjord vor Anker. Ter deutsche Gesandte in Christiania, welcher hier eintraf, sowie der deutsche Konsul Mohr begaben sich sofort an Bord derHohen­zollern". Wie verlautet, wird der Kaiser während seiner jetzigen Nordlandsreise Gelegenheit nehmen, das vierte englische Kreuzergeschwader, das in der Zeit vom 8. bis 15. Juli von Bergen oder Throndhjem ankern wird, in seiner Eigenschaft als Ehrenadmiral der britischen Flotte zu inspizieren. Ein starkes deutsches Ge­schwader wird sich zu der gleichen Zeit in den nor­wegischen Gewässern aufhalten.

Wien, 7. Juli. Reichskanzler Fürst Bülow wird Ende September in Men eintreffen, um Baron Aehrenthal einen Gegenbesuch abzustatten.

Triest, 7. Juli. Die Hafenbehörde erhielt eine amt­liche Verständigung, wonach Ende dieses Monats ein ja­panisches Geschwader den Hafen anlaufen werde.

London, 6. Juli. In der hiesigen Presse ist die ALeldung aufgetaucht, der König von Belgien habe die Absicht, die Baronin Vaughan zu heiraten und zwar zu dem Zweck, um ihren Sohn zu Legitimieren und zum rechtmäßigen Thronfolger von Belgien zu machen. Die Baronin ist die Witwe eines Arbeiters und ihr Sohn aus erster Ehe ist ein sozialistischer Abgeordneter der belgischen Kammer. Die Baronin könnte Königin werden, denn das belgische Gesetz kennt keine morganatische Ehe des Monarchen.

Paris, 6. Juli. Ministerpräsident Cle- menceau stellt in Abrede, daß er während der Ferien eine Zusammenkunft mit dem italienischen Minister des Aeußern Tittoni haben werde.

Präsident Falliöres gab die Absicht auf, im September Norwegen, Dänemark und Schweden zu be­suchen; die Reise findet erst im Jahre 1908 statt.

Die Regierung hat den Berwaltungsrat deS Spiel­klubs in Aix les bains ausgesordert, sich dem Gesetz zu fügen und das Hazardspiel in seinen Räumen zu verbieten. Infolge dieser Ordre hat der Bürger­meister dem Präfekten sein Demissions­gesuch überreicht.

New York, 6. Juli.Newyork Herald" berichtet aus Manila, alle japanischen Arbeiter, welche an den Befestigungswerken und bei den Docks von Olongapo und Gawite beschäftigt waren, sind entlassen worden. Man vermutet unter den Verabschiedeten zahlreiche japa­nische Offiziere, welche wie seinerzeit in der Man­dschurei Arbeiterstellungen angenommen haben, um auf Rechnung ihrer Regierung Spionage zu treiben. Auch 60 Frauen stehen unter demselben Verdacht. Die Amerikaner planen in der Nähe von Olongapo kombinierte Manöver der Flotten- und Landtruppen zu veranstalten.

Die Textil-Industriellen planen eine dem Präsidenten Roosevelt vorzulegende Denkschrift gegen das deutsch-amerikanische Handelsprovi- so r ium.

Die Ausschreitungen in Agraw.

Budapest, 6. Juli. Zu den Demonstrationen in Agram wird noch berichtet: Heute Nacht haben sich die Demonstrationen wiederhol. Die Demonstranten durchzogen

die Straßen der Stadt und zerlrümmerten sämtliche Fenster-« scheiben des ungarischen Kasinos, rissen die Wappen nom; Finanzpalais und suchten vor das Palais des BanuS zu ziehen, was die Polizei mit blanker Waffe verhinderte. Hierbei fam cs zu Zusammenstößen und zahlreichen Ver­haftungen. Alle kroatischen Stationen sind festlich geflaggt zum Empfang der kroatischen Abgeordneten. Einige Blätter melden, Kossuth habe in der gestrigen Sitzung der Unabhängigkeitspartei eine Revision der Hausordnung angeregt, da mit der jetzigen nicht mehr zu regieren sei. Nach dieser Ankündigung sollen sich unbeschreibliche Szenen abgespielt haben. Rufe, wieDas wäre der Tod der Partei, die Hausordnung opfern wir keiner Regierung, das ist ein Putsch, um uns die letzte Waffe gegen Oesterreich zu nehmen" wurden laut. Kossuth erklärte, vor Erregung weinend, die Revision sei gegenüber den Kroaten und den anderen Nationalitäten notwendig. Falls die Regierung auf der Revision bestehe, werde er zurücktreten.

Zu den Agramer Exzessen vom Freitag wird noch mitgeteilt, daß sie viel ärger waren, als zuerst berichtet. Den ganzen Abend und die Nacht über war in allen Haupt­straßen der Verkehr unterbrochen. Von allen öffentlichen Gebäuden wurden die ungarischen Wappen heruntergerissen. Ferner wurden zahlreiche Briefkasten demoliert und der Samoberer Bahnhof förmlich gestürmt. Die Polizei war völlig machtlos. Nach einer Anordnung der Behörde muffen die Haustore abends 8 Uhr geschlossen werden.

Die von Budapest heim gekehrten kroatischen Ageordneten wurden auf dem Bahnhofe von einer großen Menschenmenge empfangen, wobei verschiedene Begrüßungs­ansprachen gehalten wurden. Auch das Mitglied des öster- reichffchen Reichsrats, JvanisevieS, hielt namens deS süd- slavischen Klubs eine Rede. Der Abgeordnete Mekadovics, Präsident des Agramer Landtages, dankte in seiner Antwort für den feierlichen Empfang und erklärte, der Kampfplatz fei jetzt von Budapest nach Agram verlegt. Fast täglich finden Straßenkundgebungen von geringem Umfang statt.

Der Winzerkrieg in Frankreich.

Montpellier, 6. Juli. Die Bewegung zu guirften der Aufgabe des Widerstandes nimmt täglich zu und es ist nunmehr sicher, daß eine Spaltung zwischen den ausständigen Winzern und der Mehrzahl der Bürgermeister bevorsteht. Die Bürgermeister sind in ihrer Mehrheit der Ansily-t, daß die Benoegun^ nunmefrr lange S gedauert habe und daß es an der Zeit sei, diese aus- m. Sie hoffen auf diese Weise eher auf Unterstützung seitens der Regierung rechnen zu rönnen.

Etwa hundertMaires hielten heute eine Ver­sammlung ab, in der beschlossen wurde, die Tätigkeit nur wieder aufzunehmen, wenn die Wähler ihr Verhalten billigen sollten und wenn die Regierung im Parlament Abwehrmaßregeln gegen das Elend im Süden durchsetzen sollte. Weiter wurde die Freilassung der Ge­fangenen sowie die Zurückziehung der Truppen gefordert.

Der Gemeinderat hat gestern mit 16 gegen 8 sozialistische Stimmen alle Demissionsgesuche zurückge­zogen. Das Votum hat in der Stadt großes Aufsehen hervorgerufen.

Marseille, 6. Juli. 40 Meuterer des 17. In - fanterieregimentS, die gestern hier cintrafen, wur­den unverzüglich nach Tunis und Sfax eingeschifft.

Paris, 6. Juli. Tie Kammer nahm fast ein­stimmig das Ergänzungsgesetz zu dem unlängst in Kraft getretenen Gesetz betreffend We i n f ä l s ch u n g' an.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 8. Juli.

* Landwirtschaftl. Bezirksausschuß. Am Samstag fand im Cafs Ebel die Konstituierung des Landwirtschaftlichen Bezirksausschusses für den Wahlbezirk Gießen durch das Landwirtschaftskammer-Vorstandsmitglied Köhler-Langsdorf statt. Abg. Köhler-Langsdorf eröffnete um 31/2 Uhr die Sitzung und begrüßte außer den erschienenen Mitgliedern des Bezirksausschusses insvesondere den Regier-^ ungsvertreter Herrn Geheimcrat Dr. Breidert, dabei hervor-^ hebend, daß die Begrüßung nicht allein seiner amtlichen Eigen­schaft, sondern noch ganz besonders ihm selber gelten solle, als dem hervorragenden Förderer allgemeinen Volkswohls und vor allen Dingen der Landwirtschaft. Als Vorsitzender des Bezirksausschusses wurde sodann gewählt das Landwirtschafts- kammermitglied Wilhelm Weil zu Lang-Göns und als dessen Stellvertreter Heinrich Gilbert II. von Heuchel- freim. Hiernach wurde festgestellt, daß im Jahre 1907/08 in folgenden Orten landwirtschaftliche Vorträge stattsindcn sollen: in Heuchelheim, Atlendorf a. d. Lahn, Steinbach, Watzenborn-Steinberg, Garbenteich, Grüningen, Leihgestern, Lang-Göns und Großen-Linden. Nach Schluß der Kon­stituierung sand eine Besprechung allgemeiner landw. Fragen statt, so über die Einführung einer obligatorischen staat­lichen V iehv ersicherung, der gegenüber man sich ab­lehnend verhalten will, über das neue Jagdgesetz, das zurzeit dem Landtag noch vorliegt und das dem Bezirks­ausschuß als zu jägerfreundlich erscheint und schließlich über die allgemeine Kalamität der landw. Leutenot, bezüglich derer die folgende Resolution gefaßt wurde:Der Bezirks­ausschuß des Wahlbezirks I (Gießen) beantragt in seiner 1. konstituierenden Sitzung bei der LandwirtschastSkammer, die Leutenot im landw. Betriebe in den Bereich ihrer Beratungen zu ziehen und zu versuchen, auf praktischem Wege Abhülfe schaffen zu helfen." Die Sitzung wurde um 6 Uhr nach­mittags geschlossen und alle Dlitglieder, und insbesondere auch Herr Geheimerat Dr. Breidert, gaben der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Bezirksausschüsse bei guter Leitung