nur
Preußisches Herrenhaus.
Berlin, 8. Juni.
Es sind nur wenige Mitglieder des Hauses anwesend, darunter befindet sich der Naumburger Domherr Staatssekretär und Ltaatsminister Graf Posadowsty. Ober- bürgermeister Becker, der den Vorsitz führt, begleitet den Grasen in den Saal und richtet Worte der Begrüßung an ihn. Graf Posadowsty nimmt auf der Linken P l a tz. In einmaliger Schlußberatung werden verabschiedet der die Erweiterung des Kaiser D i l h e l m k a n a l s betreffende Gesetzentwurf, sowie der Nachtragsetat mit den Teuerungszulagen. Weiter ist vom Abgeordnetenhause mit einigen Aenderungen die Jagdordnung zurürkge- kommen. Graf von Arnim-Boitzenbnrg empfiehlt die Zustimmung zu der nunmehrigen Fassung des Abgeoroneten-- Hauses. Dies geschieht. Mtt einem Kaiserhoch schließt die Sitzung.
Deutsche Landwirtschafts-Ausstellung 1907.
Nachdruck verboten.
II.
Düsseldorf, 8. Juni.
Wohl aus einem guten halben hundert riesenhafter Ställe, in denen trotz aller Primitivität die einen unermeßlichen Wert repräsentierenden Tiere vorzüglich aufgehoben sind, tönt uns das Blöcken der Rinder- und Schafherden, das Wiehern der in langer Untätigkeit übermütig werdenden Pferde und das Grunzen des lieblichen Borstentieres entgegen. Tie Holz- und Zellbauten sind rund herum nm die in riesenhaften Timensionen gehaltenen, wohl 10—15 000 Personen Platz bietenden Tribünen gruppiert und liegen nahe den Ringen in welchen die Tage über, bevor die Ausstellung sich für die Veiucher össnete, das Richten der Tiere stattfand, welches gestern in den Abettdstunden zu Ende ging. Wie manchen Landmannes Herz mag heute stolzer schlagen, ob der ihm von autoritativer eeite zuteil gewordenen Anerkennung feiner Arbeit, wie mancher aber auch mag schwer enttäuscht sein und dem gepreßten Derzeit Luft machen in, wenn auch stillen Ergießungeit nicht gerade freundlicher Art. Alles Irdische ist unzulänglich und wo nicht wenig.r denn 600 Pferde, 900 Rinder,
300 Schafe, 700 Schweine und 250 Ziegen, ferner Geflügel, Fische und Bienen binnen wenigen Stundeit zu richten sind, wie sollte da auch nicht dem ruhigsten, objekttvften Richter ein Strich unterlaufen, der in der nottuenden Eile nicht zu ver- meideit war, berechtigte Hoffnungen aber zunichte macht. Tann ist es ein eigen Tins mit der Prämiierung auf Ausstellungen:
andere aber, Leistungen usw. können nicht in Betracht gezogen Werden. Und daß dies ein Mißstand ist, kann ich manchem enttäuschten Züchter nachfühlen, der es nicht in dem^Maße wie ein anderer verstanden hat, seine Tiere für die Schau recht augenfällig hcrauszustaffieren und zu füttern. Schließlich aber ist dieses ja auch eine Kunst und feine geringe! Wollten wir all' die vielen Ställe durchwandern, unsäglich ermüdend wäre die Arbeit, und wo die Schiedsrichter die Spreu schon von dem Weizen getrennt haben — roenn das Wort hier, wo nur das auserlesenste Zuchttnaterial vorhanden ist, gestattet — hieße es auch, eine Arbeit doppelt tun. Warten mir also die Zeit der Vorführungen im großen Ring ab. Kurz vor der elften Morgenstunde beginnen sich die Tribünenplätze zu füllen und bald harrt eine vieltausendköpfige dichtbeieinandersitzende Menge gespannt der Dinge, die da kommen sollen. Da, ein Zeichen und ein Schauspiel, prächtig wie kaum je eins zuvor, zletzt an meinen Augen Pasüber. Tas Pferds das edelsbe, schifte gllex Tiere, er*.
Sozialdemokratie waren geringfügig. In Sachen des Falles Grandinger hat das erzbischöfliche Ordinariat zu Bamberg dem liberalen Pfarrer seinen Entschluß mitgeteilt, wonach er auf seine Kosten für die Dauer der LandtagS-Session die Übertretung in der Seelsorge erhalten wirb.
In schönster Harmonie fand dieenglischeJournalisten- r e i s e in Köln ihr Ende. Die Engländer nahmen die Ucberzeugung mit in ihre Heimat, daß Deutschland keine Kriegsgelüste gegen Großbritannien hegt, daß man nichts als gut Freund mit England sein will. Hoffentlich wird diese Erkenntnis ihre Früchte tragen. Die Londoner „Tribüne" schrieb: „Den überwältigendsten Eindruck, der sich nicht in Worte fassen läßt, machte die grenzenlose Großmut, mit der die englischen Gäste überall bewillkommnet wurden. Wir meinen nicht, daß jeder Anlaß zu Mißverständnissen jetzt vermieden, oder jede Gelegenheit zur Erregung aus dem Wege geräumt ist, aber von großer Wichtigkeit ist es, daß die internationale gute Kameradschaft offen bekundet würbe. Es ist bie Aufforderung ergangen, auf beiden Seiten in bet Journalistik einen höheren ethischen Standpunkt einzunehmen unb sich im Ausdruck zu mäßigen. Das wird von einem günstigen Einfluß fein auf bie Beziehungen zwischen beiden Völkern. Es ist unmöglich, allen Deutschen einzeln bie Genugtuung zu gewähren, baß in England in den weitesten Kreisen Dankbarkeit empfunden wirb. Sie mögen versichert sein, daß mir noch tiefere Genugtuung empfinden darüber, daß die Deutschen dazu beigetragen haben, den Samen des Vertrauens und der freundschaftlichen Wertschätzung dort einzu- pflan^en, wo früher Mißtrauen und Unkenntnis wucherten." Die Herren sandten vor ihrer Abreise an den Herzog v. Trachenberg ein Telegramm, in dem sie diesem als Vorsktzenden des deutschen Begrüßungsausschusses nochmals dankten und ihn baten, „dem Komitee ihre warme Anerkennung zu übermitteln für die Sorgfalt unb Fürsorge, mit ber in so weitgehenber Weise für ihre Bequemlichkeit gesorgt wurde und die es ihnen ermöglichte, so viel des Interessanten und Lehrreichen zu sehen." Sie seien tief gerührt von den bemerkenswerten Beweisen von Freundschaft und Entgegenkommen seftens aller Klassen unb zweifeln nicht, daß ihre Landleute ihre Befriedigung teilen werden über die außerordentliche Artigkeit, bie ihnen auf deutschem Boden zuteil geworden.
Interesse erregte das Auftauchen zweier Thronprätenden- turen. Ter portugiesische Herzog Miguel von Braganza trachtet danach, in dem durch bie Diktatur in Erregung verletzten Portugal ans Staatsruber zu gelangen. Seine Aussichten dazu sind recht gering. 9tod) geringer freilich dürften diejenigen des Grafen Merenberg auf den luxemburgischen Thron sein. Tie zur Regelung ber luxemburgischen Thronfolge in ber luxemburgischen Kammer eingebrachte Gesetzesvorlage setzt bie weibliche Erbfolge fest. Ter einer morganatischen Linie entstammenbe Graf Merenberg wirb als „ebenbürtig" nach fürsten rechtlichen Anschauungen schwerlich angesehen tvcrbejt, er kündigte aber trotzdem gegen die Abweisung seiner Thrvnansprüche eine Klage beim Luxemburger Gerichtshöfe an.
In Rußland ist die positive gesetzgeberische Ausbeute der seitherigen Duma sehr gering. ■ Die Gerüchte, daß in den nächsten Tagen bie Auflösung der Duma bevorsteht, gewinnen an Wahrscheinlichkeit. Aus sonst verläßlicher Quelle verlautete, daß bie Ernennung Wittes zum Premierminister beschlossene Sache sei. Witte soll das Ministerium des Innern übernehmen unb bie Wahlgesetzresorm durch führen. Erstaunen erregte das schroffe Auftreten Wittes in der Mittwoch-Sitzung des ReichK- rats-Zentrums gegen bie Regierung. In anderlhalbstünbiger Rede griff Witte Stolypin an und wies nach, daß Stolypin nicht verpflichtet gewesen wäre, dieses Budget in der Duma einzubringen. Am letzten Tienstag fand bei Witte ein Diner statt, an dem die Großfürsten Wladimir unb Alexander teil- nahmen. Charakteristische Zeichen der latenten Gärung in Rußland bildeten u. a. Meutereien im Leibhusarenregiment des Zaren, die Ermordung des Grafen Kayferlingk in den Ostsee- Provinzen, das Bombenattentat in Lodz unb mehrere andere Bluttaten und Räubereien. Bei einer Abend-Spazierfahrt, welche ber Bruder des Zaren G r o ß s ü r st M i ch a e l auf seinem Fahrrade von Gatschina nach Krasnoje Selo unternahm, verbarrikadierten unbekannte Täter den Eingang zur Ortschaft Romanowka mit Steinen. Polizisten gelang es erst nach langer Arbeit, bie
öffnet ben Reigen. Eine Abteilung Krefelder Husaren sprengt in bie Arena; die auserlesenen Neilergestalten führen Remonten vor. Tie Königlichen Landgestüte Celle (Hannover), Warendorf und Wickrath bringen eine erlesene Auswahl ihrer Hengste, unter denen bie 10 auch für den Laien eine wahre Augenweide bildenden Exemplare des letzteren Gestüts schwere Belgier und rheinische Kaltblüter, helle Bewunderung erregen. Die Vorführung der staatlichen Institute erreicht ihren Höhepunkt in zwei komplett bespannten Feldgeschützen des Kleveschen Feldartillerie-Regiments Nr. 43 zu Wesel unb dem schweren Festungsgeschütz des Kölner Fußart.-Regts. Nr.7. Wie besonders die leichteren Feldgeschütze von einem leichten Trab allmählich in ein schnelleres Tempo übergingen unb schließlich in rasendem, atembeklemmenden Galopp durch die Arena sausten, kannte der Jubel ber Zuschauer feine Grenzen. Nun folgen bie Privatzüchter, zunächst die Rheinländer mit Kaltblutpferden. Wir haben hier im Distrikt bas größte Zuchtgebiet dieses Schlages, was naturgemäß zur Folge hatte, daß er wettaus am stärksten vertreten ist. Eine ganze Reihe bestechender ^emplare ziehen an uns vorüber, kaum, daß es selbst dem Kenner gelingen will, einen Unterschieb heraus;usinden gegenüber ben Original-Belgiern des Kgl. Gestüts Wickrath. Allgemein ist bie Ueberzeugung Vorhand«:, daß die früher gehegten Befürchtungen, wonach es den rheinischen Züchtern in absehbarer Zeit nicht gelingen würbe, ein dem belg. Pferde ebenbürtiges Produkt zu erzielen^ grundlose gewesen sind. Vor allem ist bie Auffassung, baß gewisse charakteristische Eigenschaften bes belg. Pferdes, insbesondere seine Schwere im rhein. Klima bei der Wetterzucht verloren gehen würden, durch die Tatsachen Lügen gestraft worden. Freuen wir uns dessen im Interesse unserer deutschen Zucht! Soviel ich feststellen konnte, sind eine ganze Reihe erster Preise an die rhein. Kaltblüter gefallen, so nach Däörs, Hofstadt bei Merckstein — 6 — Rommerskirchen, Köln-Nippes, Ameln (Kreis Jülich), Kempen und andere. Ebenfalls mit dem rhemisch- belgischen Schlage vertreten sind Westfalen, Sachsen, Hannover und Hessen. An preisgekrönten Tieren tonnen diese Gebiete indes weniger Exemplare vorsühren, da die Beschickung nicht derartig umfangreich, wie bie ber bcnachbarlichen Gebiete des Ausstellungsplatzes ist. Kaum haben die schweren und halbschweren Arbeitspferde den Ring verlassen, als auch schon die deutsche Edelzucht auf dem Plane erscheint. Ter Verein Hannoversches Stutbuch hat glänzend abgeschnitten; nicht weniger als sechs erste Sieger, sämtlich Halbblüter, kann er die Tribünen entlang führen lassen. Hervorragend sind auch die Oldenburger durch die Züchterverbände in Rodenkirchen und Vechta vertreten, ersterer mit eleganten schweren Karossiers, letzterer mit einigen mtttelschivcren eleganten Wagenpferden, die sich auch einen 1. Preis eroberten. Als MügekMt tonnen in bgr Arena bass LrMdß heH Saeins
Straße frei zu machen. Wäre die Tat nicht noch rechlzelngi entdeckt worden, so wäre ein schwerer Unfall des Großfürsten unausbleiblich gewesen. Einige Petersburger Blätter berichteten von einer im Laufe des Sommers bevorstehenden Zusammenkunft zwischen Kaiser 23 il h cIm unb dem Zaren in ben deutschen Gewässern, der politisch große Bedeutung bei- zumefsen sei.
Tie schlechte Behandlung, die Japaner in dem westlichen Nordamerika erfuhren, führte dazu, dah die japanische Regierung generell die gleiche Behandlung seitens der Amerikaner forderte, wie sie den Anglosachsen zuteil wird, llebcr- rascht war mjan in Amerika, als in dieser Sache Frankreich seine öermittclcrbienfle anbot. Die Washingtoner Regierung cr- flärte indes, baß ihr Verhältnis zu Japan vollständig zufriedene stellend sei.
Tie chinesischen Unruhen breiteten sich Weiter aus; doch ist die Bewegung offenbar nicht gegen die Fremden, sondern weit eher gegen die seitherige Verwaltung gerichtet unb hervorgerufen durch bie zur Unterdrückung des Anbaues und Unterdrückung des Anbaues von Opiunt getroffenen Maßnahmen. Ein deutsches Flußkanonenboot ging nach Wanshien, um bie dortigen Deutschen zu schützen. Die kaiserl. chinesischen Truppen, bie aus Eanton entsandt waren, um den Aufstand zu unterdrücken, erlitten schwere Niederlagen in der Nähe von Weichau unb Lienchau. Tie regulären Truppen wurden von den Rebellen, völlig aufgerieben.
Preußisches Abgeordnetenhaus.
Berlin, 8. Juni.
lieber eine Petition des Berliner Magistrats um Heranziehung des Einkommens aus gewinnbringenocr Beschäftigung ber Gemeinbeeinkommensteuer in derjenigen Gemeinde, in ber die gewinnbringende Beschäftigung ausgeübt wird, auch wenn sie nicht die Wohnsitzgemeinde des Steuerpflichtigen ist, beantragt die Kommission Uebergang zur Tagesordnung. Das Haus beschließt nach dem Antrag ber Kommission. Eine andere Petition des Berliner Magistrats um Aufhebung des Kommunalsteuerprivilegs der Beamten wird der Regierung zur Erwägung üoerwiesen. Petitionen von Volls- schullehrern um Revision des Lehrerbefoldungsi gesetzes sollen der Regierung als Material überwiesen werden. Bei einer Petition wegen Versagung einer An- siedlungsgenehmigung im Kreise Marienwerder holt sich Abg. Tr. v. Farlinski (Pole) einen Ordnungsruf, da er behauptet, die Staatsregierung habe sich von der Regierung in Marienwerder belügen lassen. Abg. H o b r e ch t (nl.) spricht dem Präsidenten v. Kröcher den Tank für seine unermüdliche und unparteiische Führung der Geschäfte aus. Präsident v. Kröcher dankt dem Hause
Wests. Pserdestammbuch Münster i. W. erscheinen, der zum ersten- male eine Schau der T. L.-G. beschickt hat. Von Holstein sind die beiden einzigen von einem Privataussteller gesandten Hengste, die sonst regelmäßig erscheinende Fahrschule Elmshorn bat die diesjährige Veranstaltung nicht beschickt —. auch mit Preisen! ausgezeichnet worden.
Es erscheint nun der lange Zug des Rindviehes, von neuem dem Auge erlesene Genüsse bietend. Daß der deutsche Landwirt auf eine solch auserlesene Eliteherde stolz ist, kann ich ihm nach- empfindcn. Von den Gebirgs- und Höhenschlägen, die sich mit 236 Haupt gegenüber den 668 Haupc der Tieflandschläge in der Minderheit befinden, erscheinen zunächst die „Simmentaler" der .Zuchtgcnossenscyaft für die Kreise St. Wendel und Ottweiler, dann die den Glanzpunkt der ganzen Herde biloenden Glan-, Tonnersberger mit den verwandten Exemplaren des Lahnschlages, alles selten prächtige Tiere, bei denen auch der Laie die säst ausnahmslos erften Preise verstehen kann, bie sich indes mcrk- wüichigerweise durchweg die Einzelzüchter holten. Ter Zug geht weiter. Es kommen die einfarbig roten und rotbraunen Tiere, besonders zur Schau gebracht von dem Verband der Hcrdbuchge- sellschaft für das Vogelsberger Rind lHessen-Nassau). Eineweitaus längere Reihe bilden nun die nahenden Tiefiaudschläge, die, wie schon angesührt, ungefähr dreimal so zahlreich als das Höhenvieh tret treten sind, was seine Erklärung in der Lage des Ansstellungsplatzes hat, der einer Beschickung sehr gelegen war. Als erster nabt mit Siegern der Zuchtverein ,ür schwarzbunte: Holsteiner in Lensahn i. Holstein, bann bie ostfriesischen Stammviehzüchter Norben (Hami.), ber Jeverlänbiscye Herbbuchverein Hohenkirchen (Oldenburg i, bem bic Zuchtgenossenschaft bes Kreises Kleve folgt, bie geradezu glänzend abgeschnitten hat und wohl ein Dutzend erste Preise sich holte, von den zweiten, brüten unb vierten gar nicht zu sprechen. Ebensalls erfolgreich waren bie Zuchtgenossenschaften Mörs unb Rees mit Lanten-Rheinberg, von ben Westfalen bie Verbände des Münster- und ^auerlanbes. Den erfreulichen Beschluß bildet ber Wesermarschichlag, vor- wiegenb burch Oldenburger Aussteller vertreten und Vie rotbunten holsteinischen Schläge und Angler, von denen besonders die leeteren den hohen Stand der Viehzucht in Schleswig-Holstein zeigen.
Bon den Schafen haben naturgemäß die Oldenburger, Haii- noverschen und Mecklenburger die Krone davon getragen. Leider ist bre Schau wesentlich schwächer beschickt, als die vorjährige in Berlin. So haben in Merinos die seinen Tuch- und Stosswoll- herden von einer Beschickung der Ausstellung abgesehen. Shrop- shires, Hampshires und Oxsordshires ziehen eine ganze Reihe prämierter Exemplare an unseren Augen vorüber, wahrend wir von unseren Landschafen, Rhönschafe, Heideschase unb auch bü* M durch üwM ZIollreichtuui guszeickmendcu LeisejchM Lchen^
? ein eigen Tiiia mit der Prämiierung auf Ausstellungen: das, was dem Richter hier vor Augen geführt wird, den Bau, die Proportionen des Tieres kann er beurteilen, alles
Nr. 133 Erstes Blatt 157. Jahrgang Montag 1V. Imst 1907
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dem hessischen Landwirt W | Bä fl F I I I 7 I MW ■ ■ M M W M.W jV d,ePost Mk.L-viertel-
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zweimal wöchentlich das H M A M ßeilenpreiS; total 15^
Kreisblatt ftlt ben Kreta V , . . "uiwLrta r°
E— General-Anzeiger für Oberhessen
A-lnrci^er Rieften? * Rotationsdruck und Verlag ber vrühsschen Unio.'vuch. und Lteindruckerei. R. Lange. Redaktion, ExpedMon und Druckerei: Zchulstratze 7. ^igenteii^Ha^s D^Ir
Die heutige Yummer umfaßt 10 Seite«. politifd?c Wochenschau.
t n t , Gießen, 10. Juni 1907.
Wahrend die Landtaassession in Preußen am SarnStag Ende gegangen ist, wo die freisinnigen Parteien auf nochmalige Behandlung ihres Wahlrechtsantrages verzichteten, in der Einsicht, daß damtt doch nichts erreicht werden würde, hat bei uns in Hessendie Parlament. Zeit wieder eingesetzt. Die 1. Kammer, welche am letzten SamStaa zusammentrat, beriet über die Zusammensetzung des Ausschusses zur Beratung der W a hl re chls - Vorlage und stimmte dem Anträge der Regierung, die Wahl des Ausschusses aiiif Grund des Gesetzes von 1836 vorzunehmen, aus aesetzlichen Bedenken nicht zu, sondern vertagte die Wahl deS Ausschusses. Sofort aber hat nun bie zweite Kammer die Angelegenheit aufgegriffem um sie wenigstens ihrerseits so weit als möglich zu fördern. Der Scniorenkonvcnt der zweiten Kammer versanunelte sich am Samstag unter Zuziehung der beiden Vorsitzenden des Gesetzgebungüausschusseö. Es würbe zunächst eine Aeußermig bes Gesetzgebungsausschusses an bas Präsibium bet Kammer zur Kenntnis gebracht, in ber bic Ansicht ausgesprochen wirb, baß nach Maßgabe ber Verhanblungen über bas Gesetz vom Jahre 1836 unb besonbers auf Grunb ber bamals gegebenen Erklärungen ber Regierung eine Verweisung an einen bejonberen Ausschuß nickt geforbert werben könne, baß vielmehr bas Plenum der »wetten Kammer allein zu entscheiden habe, ob ein befonberer Ausschuß oder der Gesetzgebungsausschuß für zuständig zu er- adyten sei. Sämtliche zur Beratung versammelten Abgeordneten stimmten bau »u. Es muß infolgebeffen bas Plenum zusammentreten, um sich über bie weitere geschäftliche Behanblung ber Frage schlüssig zu machen. Es heißt nun, bic zweiteKammer werde am 26. Juli zu einer Plenartagung »usammentrclen, bei der man sich hoffentlich über die geschäftliche Behandlung der Wahl- rechlsvorlage derartig schlüssig machen wird, daß auf einen befseren Fortgang der Angelegenheit doch noch zu hoffen ist.
Die Affäre Mollke-Harden wirbelt vielen Staub auf and spielte auch, wie wir indes von mehr vertraucnswerter, aufs beste orientierter Seite hören, ohn ejeben Grunb auf bas politische Terrain hinüber. Was *a!ber bei ber Streitfrage in bas persönliche Gebiet gehört, bleibt für uns außer Betracht. Worin bie krankhaften Neigungen gewisser hochgestellter Herren bestehen, mag denjenigen zu erörtern überlassen bleiben, bie sich für foldje Klatschereien interessieren. Die näheren Grünbe bes Rücktritts bes Grasen Moltke vorn Posten bes Gouverneurs von Berlin, ber Demission des Grafen Hohenau, der Abberufung bes französischen Botschaftsattaches L e e o m t c unb bes Rücktritts bes Fürsten Eulenburg finb uns jetzt, ba wir wissen, baß sie mit Politik nichts zu tun haben, gleichgültia. Tie Melbung, baß Fürst Philipp zu Eulenburg gegen Maximilian Harben Strafantrag wegen Bcleibigung gestellt unb bic Staatsanwaltschaft biesem Anträge Folge gegdjen habe, ist unrichtig. Dagegen hat Fürst Eulenburg bei ber Staatsanwaltschaft von Prenzlau, bie für Liebenberg zu- ftänbig ist, Strafanzeige gegen s i ch s e l b ft erstattet, um auf biefe Weise eine gerichtliche Untersuchung ber ganzen Angelegenheit zu veranlassen. Allerbings ist zu befürchten, baß bei biesem Prozesse höchst unerquickliche Dinge an bie Ocffentlichkeit gelangen und dem Auslände wieder Gelegenheit geben werden zu verächtlichen Aeußerungcn über unser deutsches Vaterland unb bas sog. „Dice allcmanb". Tatsache ist, baß burd) beschwerde- führende Mannschaften der Kronprinz von gewissen unerquick- liqjen Dingen Kenntnis erhalten und sich verpflichtet gefühlt hat seinem kaiserlichen Vater Bericht zu erstatten. Kuno Moltke und Hohenau haben sich jedenfalls nicht mit Politik beschäftigt. Wie uns auf das bestimmteste versichert wird, sind alle Gerüchte von Umgarnungen des Kaisers durch eine sog. Nebenregierung unzutreffend. Man bezeichnet es als eine „Unmöglichkeit", daß der Kaiser jemals der „Geschobene", und nicht der „Schiebende" sei. Was die Affäre der abnormen Neigungen einzelner Herren mit einer „Kamarilla" sachlich zu tun hat, ist jedenfalls schwer einzuschen.
Die bayerischen Landtagswahlen ließen den Bestand der Zentrumsmajorttät unerschüttert. Die Erfolge der


