pflichicn, aber seiner Darstellung fehlt, ronS sich ja üucb von selbst versteht, die volle offene Wahrheit. Ans leicht begreiflichen Rücksichten vermag er nur anzndenten und anzutippen, denn eine rücksichtslose Slvihf luüibc seine Slellimg in der Paitei untergraben. Man kann darauf begierig sein, ob die sozialistische Presse von dein Artikel Bernsteins Notiz nehmen oder, wie sie es sonst zu tun pflegt, sie einfach tot- zuschiveigcn bestrebt sein wird.
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Tie politische Jugend.
Die Organisationen dec polnischen Jugend haben in vielen (Legenden des Reiches bei der Wahl die Feuerprobe bestanden. Auf bürgerlicher Seite wenigstens darf, zieht man das ganze Reich in Betracht, die Hingabe der jungen Gene, ration an ihre politischen Ideale mit lebhafter Anerkennung vermerkt werden. Entfernt davon, auf den errungenen Lor. beern auSzuruhen, legen bereits in verschiedenen Städten die liberalen Parteien frischweg Hand an den weiteren SlnS- ban ihrer Jugendorganisationen, und sie tun gut daran, denn speziell für sie handelt es sich darum, den voi der Sozialdemokratie gewonnenen Vorsprung feuz'halten und bis zur nächsten Wahl zu erweitern. Es wäre ein Irrtum, ans der Niederlage der äußersten Linken zu schließen, daß deren länger bestehende und taktisch gründlicher durchgebkTdete Jugendorganisationen im Wahlkampfe versagt haben. Sie sind bis zum letzten Mann und nut äußerster Anilrengung tätig gewesen. Die von ihr in Berlin eingerichtete, eilt kurze Zeu bestehende Parteischule entsandte Lehrer und Schülerin die Agitation fast im ganzen Reiche. Tec Unterricht au dieser Schule ist, wie wir auS Berlin erfahren, wieber aus. genommen und dürfte mit verdoppelter Kraft durchgeführt werden. ES ist weiterhin die Bildung von Jngendschutz. ko m Mission en für jeden — angeblich unpolitischen — Jugendverein geplant. Diese Kommissionen sollen sich mit den Arbeltersekretariaten in Verbindung setzen und durch diese .moralisch unterstützt* werden.
Im Vergleich hierzu erscheinen die Jugendorganisationen der bürgerlichen Parteien allenthalben noch wenig entwickelt, und bei uns existieren sie ja leider überhaupt noch nicht.
DaS platte Land erwies sich allerdings erfreulicherweise auch diesmal als unüberwindliches Bollwerk gegen die Sozialdemokratie. Hier haben die bürgerlichen Parteien in vielen Dutzenden von Wahlkreisen mit Leichtigkeit den Ansturm der äußerlten Linken abgewiesen. Andererseits aber hat sich herauSgesleUt, datz eZ dem Liberalismus sehr wohl möglich ist, bei ständig tätiger Organisation und ununterbrochen lebhafter VersammlungSwirksamkeit in den Landbezirken größere Erfolge zu erzielen, auch da, wo er schließlich, wenn auch mit geringer Minderheit, unterlegen ist. Er hat außerdem mehrfach in .angestammten" konservativen Wahlkreisen gesiegt und agrarische ,2Uhiiei|ier*, wie die Herren Rettich, den emfiigcn Vorsitzenden der Zoll- lariskommljsion, Himburg, v. Ricpeuhailfeu, v. Böhlenboiff, aus dem Sattel gehoben.
Es muß Aufgabe deS Liberalismus sein, in allen größeren Landorten speziell die politisch mündige Jugend in Verbänden anziigliedern. Damit wirb er feine Kampfkraft stärken. Auch, wo eS darauf ankommt, wie in manchem unserer hessiichen Wahlkreise, gegenüber dem Zentrum, dem die politische Jugend zlizuführen sich die kathol. Geistlichen, unübertroffene Oigam. satoren, in aller Stille, aber mit zähem Eifer angelegen sein lassen.
Wer die politische Jugend hat, hat die politische Zukunft.
Klcine Nachrichten vom nmcii Reichstag.
Der Neichsanz. veröffentlicht eine amtliche Zusammenstellung des neuen Reichstags. Darnach sind gnvählt 60 (52) Konservative, 23 (22) Reichspartei, 4 Bund der Land- wirte, 1 Christlich-Sozialer, 3 Deulsch-soziale, 12 (15) wirt* schriftliche Vereinigung, 6 (6) deutsche Reformpartei, 106 (104) Zentrum, 20 (16) Polen, 55 (51) Ralionalllberale, 1 (1) Bauernbund, 13 (10) freisinnige Vereinigung, 2d (20) freisinnige Vereinigung, 7 (6) deutsche Voll spartet, 43 (7 9) Sozialdemokraten, 7 (9) Elsässer, 0 (2) Welfen, 1 (1) Däne, 7 (3) Wilde. Die eingeklammerten Zahlen geben die Partei- starke des aufgelösten Reichstages wieder.
Der König von Sach)en gab seiner Freude über den Ausfall der sächsischen Stichwahlen auch in einem Tele. gramm an den Kaiser Ausdruck. Daraufhin ist vom Kaiser folgende Antwort eingegangen:
-Ich danke Dir von Herzen für Deine treue Gesinmmg, welche auS Demen Worten svncht. Mit lebha'ter Geuugiuung habe Ich den Aussalt der Wahlen begrüßt und bin bcionbci* dankbar, daß die Bevölkerung Teines Landes gesunde oaiciläu- dlsche Gesimmng im Geiste der verewigten Herrscher Sachsens, Meiner oerchrien väterlichen Freunde gezeigt Hai. Unserer gemeinsamen Slrbcit tue das Deutsche Vaterland gebe Gott weiter seinen Segen."
Fürst Bülow hat den bürgerlichen Wahl-KomiteeS von Danzig, Dresden, Frankfurt a. M. und München, die ihm die Wahlergebniffe mit Glückwün.chen übermittelten, mit herzlichen Worten telegraphisch gedankt.
Der Parteivorstand der sozialdemokratischen Partei veröffentlicht im Vonvärts eine Erklärung, worin der Behauptung widersprochen wird, er habe für Württemberg und mehrere füddeutsche Wahlkreise eine besondere Stichwahl. Parole ausgegebcn und speziell Bebel habe in dieser Richtung geivirkt. Der Parteivo>itand habe im Gegenteil den Stichwahl- Plänen^der Parteigenossen in Württemberg, Straßburg und Fürth-Lchwabach eutgegengewirkt und es fei nicht feine Schuld, daß er fo wenig Erfolg damit halte.
Der Straßburger Bischof Fritzen ist mit der Haltung dcS Zentrums bei den Stichwahlen unzufrieden. Ei äußerle sich bereits bei der Kaisers Geburtstagsfeier in bei Universität einem hohen RegierungSbramten gegenüber, er hoffe, ba§ Zentrum werde in der Stichwahl die Sozial, bemofrate» nicht unterstützen. Als dann später verlautete, das Zentrum werde wahricheinlich doch für die Sozial- demokraten emtreten, fragte die Regierung an, ob der Bi|cho, nicht feine damalige Crtlärung veröffentlichen ivolle. Ties sagte er auch eril zu, zog aber feine Zusage wieder zurück da mittlerweile die Slichwahlparole des Zentrums belanni gegeben worden war.
Sämtliche Londoner Blätter beschäftigen sich in Leit
artikeln mit dem Ausgang der deutschen Wahlen, der in England außer ordentliches Jnleresie erregte. Die Niederlage Der Sozialdemokraten wird als Ereignis von internationale! Bedeutung betrachtet und Fürst Bülow wird allgemein, selbst von radikalen Blättern zu dieser Wendung beglückwünscht. Es wird hervorgehoben, der neue Reichstag werde das gefügigste Parlament sein, mit dem die Negierung alles werde machen können. In diesem Zusammenhänge wird die nächtliche Rede des Kaisers ungünstig kommentiert, denn die Drohung, daß das deutsche Volk alles niederreiten werde, was sich ihm entgegen stelle, könnte sich auch auf das 'Ausland beziehen. Die „Morniug Post" schreibt, die mitternächtige Rede könne nur eine äußern aggressive auswärtige Politik einleiten und die N a ch- bain Deu 1 schlands müßten auf der Hut fein.
Tie „Oe Ilerr. Volkszlg." in Wien meint: Ter Zweck, den Bülow mit der Maßregel der Reichstagsauslösung erzielen wollte, ist erreicht. Tie drückende Fessel des Zusammen, gehens des Zentrums mit der Sozialdemokratie im Reichstage ist gesprengt. Tas Zentrum ist gewissermaßen isoliert. Der Liberalismus erinnerte sich seiner nationalen Herkunft wieder, und ans diesem Grimde ging er gestärkt auS dem Wahlkampf hervor.
Deutsches tteich.
Berlin, 7. Februar. Nach einer hiesigen Zcitungs Korrespondenz soll der Kaiser Ende Mürz oder Anfang 'jfpril die Reise nach Madrid anzutreten beabsichtigen, um den Besuch Königs Alfons zu envidern.
— Kolonialdireklor Der n berg verließ heute mit Urlaub Berlin und begab sich nach Oberhof, wo er bis zur Einberufung des Reichstages bleiben wird.
— Au hiesigen amtlidjen Stellen wird zu der Meldung, daß die a in e r i k a u l s ch e T a r i f - K o ul ul i j s i o n die Grund ,;üge eines wirklichen Vertrages uild nicht eines Provi soriunis nut Deutschland veröffentlicht, er Härt, daß keiner- leiHandelsvertrags-Verhandlungen stangefunden hätten, weil dazu weder die anicrikaiiifche Konuiiisston noch die deutschen Herren, die nut ihr unterhandelten, Auftrag gehabt hätten. Die amerilaitischen koinmisfare hätten sich lediglich informieren loUeu und Bericht an den Senat erstalten. Wenn sie ihrem Bericht Ine Form eines Handelsvertrags-Entwurfs vielleicht auS Zweckiiiäßigkeitsgruuden gegeben hätten, so könne daraus noch nicht gefolgert werden, daß dieser Entwnrf das Ergebnis von deutsch.amerikanischen Verhandlungen sei. Ausgeichtossen fei es freilich nicht, daß die anierikaniiche Regierung den von der Kommission ver- össentlichten Euiwurf zur Grundlage wirklicher Verhandlungen niache
Schwerin, 7. Febr. Im Mai tritt Herzog Adolf Friedrich, Major im 2. Gardcdragonerregirnent, von Deutsch ostafrika aus eine Durchquerung Afrikas an. Die Kosteil der zweijährigen Expedition, auf der den Herzog Männer der Wissenschaft begleiten, werden teilweise vom Reiche getragen.
Frankreich und Rußland.
Paris, 7. Febr.
In der Siammer griff Rouanet heute sehr heftig die großen französischen ihebitinftitute an, kritisierte deren Geschäfts- gebahren bei der Ausgabe der russischen Anleihen und bezeichnete die Finanzen Rußlands als faul und morsch. Während bc5 russiscl-p-japanischen Krieges habe man für tu)). Fonds einen willkürlichen Kurs aufrecht erhalten können und sprach bann von neuen „Börsemnanövern" gelegentlich der neueften russischen Anleihe und von der „Hinrichtung" des Großfürsten Sergius. (Lärm.)
Der Minister des Aeußern, P i ch v n , unterbricht den Redner und sagt: Das sei ein Pdord und nid)! die Ausführung eines Urteils gewesen (Beifall), ein verabschruungswürdiger, von dem öffentlichen Gewissen aller Länder verdammter Mord. (Lebhafter Beifall.)
9t o u a n n c t führt das Sinken der französischen Nentc auf Börsenmcmöver zurück und sagt, wenn es nicht vorher zu furchtbaren Krachs komme, würde das sranzös. Kapital naaj Frankreich zurückkehren, aber eine Stunde Schwäche könne die französische Industrie und die Republik verderben. Roch sei es Zeit, die Gefahr zu beschwören. Redner fordert den Finanzminister auf, auf den Schrei der Unterdrückten in Rußland zu hören, die die Finanzleute ins Verderben stürzen wollten. (Beifall auf der äußersten Linken.)
Der frühere Minister des Aeußern D e l c a f f ö erhob gegen diese Worte lebhaften Einspruch. Rußland habe seine Unterschrift immer eingeiöst. (Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum.)
Der Sozialist M e s l i e r kritisierte in sehr heftigem Tone die Emission der russischen Anleihen in Frankreich und greift auch ben früheren Minister Rouvier an. Meslier bespricht sodann die Zusammenkun,t ides Fürsten v. Bülow mit dem Grafen Witte in Norderney, sowie ben damals abgeschlossenen, iür Dentschlaiid so vortesihasien russisch-deutschen Handelsvertrag und behauptet, baß die deutschen Finanziers den größten Teil des damals Rußland gewahrten Darlehens in Franrrcich an den Mann gebracht hätten.
Der Minister des Aeußern, P i ch o n, ergebt entschieden Protest gegen die Steuerungen Mesliers über die französisch-russischen Beziehungen. Er ircue sich, zu sehen, d^ß die rufmaje Regierung den für die Anleihen gegebenen Garantien fonftitutouelle Garantien lstnzujüge. Picken erttärt rociter, die französische und die tumiuje Regierung untersuchten sich geacnieitig täglich in der auswärtigen Politik. Die französsicke Regierung sei entschlossen, bei ihrem Zriedensmerke zu verharren und dem r u f s. Bündnisse treu z u bleiben. (Beifall.)
An» StaM rrnd Land.
Gießen, den 8. Februar.
*• Vereitelter Unglücksfall. In der Licher- straffe fiel am Donnerstag vormittag em Fuhrmann von seinem Wagen zwischen die P)erde und Räder, die die ihn zu übcrfnljrcu drohten. Dec gerade vorübergehende Tanzlehrer SL Schmidt sprang hmzi, und brachte die Pferde zum Stehen, sodatz dec Fuhrmann nut dem Schrecken davon inm.
* Stadttheater. Es sei dararif hingewiescn, daff in Oer heutigen Vorstellung von „Johannlsseuer" Herr Weine» kraiiß den Hafflc spielt. Es lommt ihm zrigute, daß er den onprcußisch.n Tiatett, der für diese Rolle vorgeschricben ist, vorzüglich beherricht.
Silberne Hochzeit feiern heute der Schneider- meister Retnhard Gceb und feine Ehcsiau Wilhelmine, geb. Getzlier.
---- Wicseck, 8. Febr. Unser Bürgermeister, Herr Plnt Son,merlad IV., erlitt gestern vormittag einen Schlaganfall. Erfreulicherweise hat sich das Befinden des Er. krankten bis heule vormittag bereits wesentlich gebessert.
4- Langd, 7. Febr. Bei der heute hier abgehaltenen B ü rg erin e i st e nv a h l wurde unjcc seitheriger Bürgermeister Ozlo Meyer mied er gewählt. Ta ein Gegenkandidat nicht ausgestellt war, erfolgte die Wiede,wähl einstimmig.
= Wimpfen, 7. Febr Hcnte früh gegen fünf Uhr ist in dem altehrwürdigen Kloslergebüude, das feil Jahren die Realschule beherbergt, eine Feuerbrunst zum Ausbruch gefomuicn, durch die der »nächtige kaiserbau- komplex mit seinen intcrcfamten romantischen Partien zum größten Teil zerstört wurde. Bo», dem Bücher),laterial konnte n. d. Kl. Pr. die Hauptsache gerettet werden. Dagegen sind die gesamten Einrichtungen zu Grunde gegangen. Die Ursache des Feuers ist nach den Mntmaßnngcn auf einen Kamuidesekt zurückzusühren.
Dacinstadt, 7. Febr. Die Stadtverordneten. Versammlung bewilligte in ihrer heutigen Sitzung 2000 9)1 n rf für die Hinterbliebenen der bei dem Gruden- imglück auf dec Zeche Reden Verunglückten.
b. Frankfurt a. M., 8. Febr. Tie Ctadtverord. nete n bewilligten 1 2 5 0 0 0 M k. als TencrungSzutag« für städtische Beamte und Slrbeitcv, sowie 5 0 00 Mk. für die Lpser des Redener Grubenunglücks.
Hanau, 7. Febr. Tie Stadtverordneten be- schlossen wegen der Teuerung eine A ii f b e s se r u ng ber Gehälter dec unteren Beamlcnklaffe und der Löhne ber 'lädlischen Arbeiter. (Fkf. Ztg.
Zkibec d.e „Niue A.au" schreibt Dr. Richard Bahr im Türmer (Vertag von Greiner uni Piei,ser in Stuttgart):
Ein neuer ^cauentypus ist bei uns im Werden. Kraftvoll, strebsam, tatendurstig in den höheren Schichten; xübrig und voll zäher Lebensenergie in ben mittleren; selbstbewußt, wo nicht gerade das namenlose Elend weitender ober parasitischer Hausindustrien Leiber und Hiriie zernrürbt hat, auch in ben unteren. Ein ganz junger Typus; recht ein Kind unserer Tage. Die Frauenberufs,rage ireilid) — man kann sie schlechtweg auch die Frauensrage nennen — ist erheblich älter. Die em lieht im Grunde schon im srühen Mittelaiter mit der anbebtiWtn städtischen Kultur. Es ist darnais eine männermoröenbe Zeit. Kr.ege an den Grenzen unb bie nie erlöschenden inneren Fehden dezimieren ihre dieiben; auch Haiibeisreisenoer sein ist in jenen Zeit- läujtcn <Jin rauheres Gewerbe denn heute, unb bie periodisch wicderkehiende Pc)t erwesit sich den Dcanliern verderblicher als den Weibern. Heute kommen im Durchschnitt auf 1UU Mänmr 103 Frauen; im 15. Jahrhundert zählt man in Nürnberg, in Basel und Frankfurt a. M. auf 100<) yiänncr ihrer ituu. Dawill heißen (da das Zölibat den Geistlichen und die Züiiite den Gesellen das Heiraten verbieten): sch.echt gerechnet 80 vom Hun- dert der Frauen können nicht zur Ehe gelangen, müssen sich einen Beruf wählen unb für andere fronend sich durchs Leben schlagen. Aber gerade in ihrer Blütezeit sind bie Zünfte nicht engherzig: baß die Witwen bas Gesck>äft des Mannes weiter- führen, ist einfach Handwerks Gebrauv) und Herkommen; audj Aerztinnen kommen vor, und die Nonnenklöster sind die Heimstätten weiblicher Schriftstellerei unb der feinen kunugewcrbilckM Arbeiten. Not unb Mangel, denen bie Beguinenhäufer vergeblicb zu steuern suchen, bleiben allerdings auch so; sie mehren sich noch, als um bie Wenbe bes 15. Jahrhunderts die Dcrialienben Zünfte den Weibern den Zutritt zu wehren beginnen und die riieformation ihren Kamps gegen bie mittelalteriickfe Leichttebig- feit und bie (freilich vieisach entarteten) Frauenhäuser ausnimmt. Dafür erwächst unter ihren Einflüssen — bent beutidjen Bürgertum, nicht betn uni die Hose icharwenzeuiden Sibel — ein neues Frauen- ideal: das der zart unb siUig inmitten eines behäbige», Aiuoejens ivaltenben Hausiran unb 9)1 utter. Ihm singen Misere klassischen Dickster, unb so fest prägt cd sich in bie Seeben Oer DeutickM, daß sie nur langsam, nur unter schmerzlicher Bewegung unb allerlei verwirrenden Begleiterscheinuligen sich von ihm loszii- ringen vermögen. Denn seit etwa vier Jahrzehnten ist das Ideal unhaltbar geworden. Nicht absolut, wie der lebeneirenibc Dok- trsiiarismus fanatischer Frauei.rcchtlerinncn uns glauben machen will, denen die Enllvickiung noch nia;t rasch genug geht und Familie und EinzelhauShalt unter allen Umständen veralte« Wirtschastsiormen bedeuten. Aber doch unhaltbar als das alleinig« Ideal, neben dem es für honette Leute von Rechts wegen kein anbcrcS geben dürfe. Fabrik unb moderne Gwgunternehmung haben eo z-crstörf, wer die Din^e ,erklärt zu haben glaubt, wenn er ein Schilagwort für sie findet, soll meinetwegen auch sagen: der Kapitalismus. In diesen rund gerechnet acht Lustren ist bie Famllie nämlich aus einem ProduktumSorgan eines ber Konsumtion geworden. Unsere Großmütter buken noch Brot unb nähten ihre Aeider; unsere Mütter schlachteten (wenig- steiis in ben Mittelstädten) noch jährlich ihre paar Schweine, unb das Wurstmachen stellte bann allemal bas ganze Hauswesen auf ben Kops; unsere Frauen und Schwestern aber lachen uns mü Recht aus, so wir ihnen zur Diätetik der peelen den Strickstrumps empfehlen. Weit mehr als das Handwerk Hat die Fabrik die Familie bepossediert. Ehebem konnte auch im städtischen Haus- (yalt bie Zahl der hei senden Hände nickst leicht zu groß fein. Wer von uns Slelteren, dessen Kindheitseriiinerungen etwa in die Tage von Sedan zurückreichen, erinnert sich nicht mit dankbarer Wehmut der alten Tante, die uns gebadet unb gekämmt hat, bie uns tagaus tagein dieselben Märchen erzählen mußte, und gegen die wir dann flegelhaft wurden, nachdem sie uns den ersten Schulranzen gepackt hatte. Die alten Tanten starben aus oder sind im Aus sterben; bet W.rkungsbereich der Fam.lie Hai sich verengt; was im Haushalt des bürgerlichen Durchschnitt zu verrichten ist, kann bie Hauchrau — wenn's not tut, mit Hck« einer bienenbeii Kraft — bequem leisten. Für bic Ueberzahliger und Uebriggebliebenen, hie Zaungäste fremden Eheglücks, biete: die heutige Kleinfamllie mehr feinen Raum. Was geschieht mü ihnen? Das ist bie moderne Frauen,rage in jenem (engeren: Sinne, in dem man sie auch» die soziale Frage der gebilbeten Stände gen nut hat Dem, der Frau aus unfein Schichten gebricht s »tum an Arbeit. Die bat uuniei D.e Hänoe rühren mui,en uni muß es erst recht, seit Maschine und Technik in immer weiterem Umfange bie absolute Körperkraft zu etfeßen begonnen haben unb bas auf Verzückung ausgehende Äiapital erkannt hat, um wieviel billiger sich bie unorganisierte unb unenblich fügsame weibliche Arbeit stellt. Aber b.e Bürgerstochter liegt brach, unb ihr ben Lebenssvielraum zu enueüent unb neue Ermerbsmbglichke.Un zu sichern, bemüht sich seit Ausgang sechziger Jahre eine wachsende Anzahl tapferer Frauen. In Berlin wird ber Lettevcrein begründet; in Leipzig tritt die erste deutsch^ Frauenkonsccen; juiannncn mit kr Absicht, „die weioliche Arbeit von ben Fesseln des Vorurteils zu befreien", sie zur „Pflicht und Ehre bei weiblichen Geschlechts" zu erklären; auch bie Behörden sangen allmahlia an bei der Eisenbahn, bei Post und Te.egcaphen yrawen anzu- ftellen unb den wirychasisichen Tatsachen, bie \o au, bie Berufs- iual)i der Frau hindrängen, gesellen sich geistige Strömungen, die dem männlichen Ziele zustreven. Aber im ganzen verbaust bie Entiv iillung doch recht langia.n; er ft mit bem neuen Jahchander: kommt — in ben Großstädten ungleich intensiver zu spuren ali in ben lleinen und mitteten Siedeiungen — bie eigentlich! Wendung. Unb nun jergeubvit sich ber gewissenhafte Hausvater nicht mehr U .5 Hirn uoer die beiden Probleme von bazumal: „Was soll unser Junge werden?" unb „Wie verheirate ia meine Tochter?"; sonbern er sieht beizeiten zu, auch Die Heranwachsende Tochter für Den Lebensiampf tüchtig zu machen unb |U einen Berus wählen zu lassen, der unter allen Umständen il/cem Dasein Inhalt gewährleistet. Du neue Frauentyp i|t im »werben


