Nr. 212
Erscheint täglich außer SonntagL.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem basischen Landwirt dis Gictzener Familien- blätter viermal in der Woche beigeleql und «veimalwöchentlich das Krelsbtßtt für den Kreis Kletzen. Fetnjprech-An- lchlußs.d. Redaktion 112 Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschenr
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Dienstag io. September 1907
Erstes Blatt
157. Jahrgang
Bezugspreis, monatlich 75 Ps^ vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokallbPf., auswärts 20 Pfennig.
Verantwortlich tüt den politischen Teil: L. Anderson; s. Feuilleton und »Vermischtes"
; K für Obechch«
P. Wittko; für »Stadt u. Land- und.Gerichts-
Rotdtonsörud und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch. und Steindruckerei. 8. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrah« 7.
g—f nniuii miii ! ,wwii .IMIMMI—niriwiniiwiri» Ale cSage in Marokko.
Die Stellung des neuen Sultans Muley Hafid ist noch keineswegs als befestigt anzusehen. Der „Temps" meint, daß Muley Hafid bei dem Versuch, sich an die Stelle Abdul Asis zu setzen, auf ernste Schwierigkeiten stoßen werde. Zunächst würde es ihm an Geld fehlen; auch zeigten sich einige Kaids, die zuerst sich ihm angeschlossen hätten, jetzt weniger geneigt, ihm Gefolgschaft zu leisten. Mehrere Stämme, darunter der angesehene Stamm der Traghma, in der Nähe von Mara- kesch, hätten erklärt, daß sie Abdul Asis unwandelbare Treue halten würden. Noch bedenklicher für Muley Hafid lautet eine Meldung der „Daily Mail" aus Marakesch vom 2. September: Sultan Muley Hafid plündert den Besitz der Beamten Abdul Asis. Anarchie und Korruption greift um sich. Muley Hafid hat nur 500 Soldaten, denen er keinen Sold zahlt. Täglich finden Veränderungen in den Behörden statt. Das Volk betet zu Gott um Schutz vor einem solchen Herrscher.
Die letzten Tage scheinen nach den heute vorliegenden Meldungen keine weiteren Zusammenstöße zwischen den Franzosen und den Marokkanern gebracht zu haben, aber die leitenden französischen und spanischen Kreise halten die Lage noch keineswegs für gesichert. Hierauf deutet auch die Meldung des Reuterschen Bureaus aus Gibraltar hin, wonach in Algeciras der Befehl eingetrosfen sei, daß eine Brigade von 7000 Mann unter General Cane sich am Mittwoch zur Einschiffung nach Tanger bereit halten solle. Clömenceau hat aber in einem Interview mit mehreren Journalisten erklärt, daß die Frage, ob Frankreich entschlossen sei, im Einvernehmen mit Spanien Truppen in allen Häfen Marokkos zu landen, augenblicklich nicht spruchreif sei. „Wir verfolgen", so führte er aus, „vorläufig keinen anderen Zweck, als in C a s a - blanca die Ordnung wieder herzu st ellen. Erst nachdem diese Angelegenheit in befriedigender Weise geregelt ist, werden wir uns mit der Frage, unter welchen Bedingungen sich die Organisation der Polizei in Marokko entsprechend der Akte von Algeciras vollziehen soll, beschäftigen".
Von Interesse ist die Stellungnahme Deutschlands zu der geplanten Organisation einer provisorischen Polizeitruppe.
Die „Norddeutsche Allg. Ztg." schreibt unter der Ueber- schrift „Zu den Vorgängen in Marokko": „In einem Promemoria der hiesigen französischen Botschaft vom 2. September wurde mitgeteilt, daß es in der Absicht der französischen Regierung liege, im Einvernehmen mit der spanischen Negierung und mit eigenen Mitteln beider Mächte in denjenigen Vertragshüfen Marokkos, in denen eine solche Maßregel als notwendig erkannt werden würde, eine provisorische Polizei einzurichten mit dem Zweck, daselbst die Ordnung aufrecht zu erhalten und die Bildung der in der Alte von Algeciras vorgesehenen marokkanischen Polizeitruppen zu erleichtern. Hierauf hat die deutsche Regierung geantwortet, sie habe von dieser Mitteilung und von der in dem Promemoria gegebenen Begründung Kenntnis genommen. Sie entnehme daraus, daß die in Aussicht genommenen Maßregeln provisorischen Charakters sein und den Bestimmungen der Akte von Algeciras nicht präjudizieren werden. Die deutsche Regierung habe die Befugnis Frankreichs, sich für
die Vorgänge in Casablanca Genugtuung zu verschaffen, anerkannt und beabsichtige nicht, der von Frankreich deswegen unternommenen, durch außergewöhnliche Umstände motivierten Aktion Schwierigkeiten zu bereiten. Sie hoffe und wünsche jedoch, daß schwereSchädigungen der fremden Kaufleute, wie die in Casablanca erlittenen, sich nicht wiederholen möchten. Die deutsche Regierung mache deshalb darauf aufmerksam, daß nach Ansicht des deutschen Geschäftsträgers in Tanger die in der Algecirasakte nicht vorgesehene Aufstellung fremderPolizeikorps unter den gegenwärtigen Verhältnissen einen Angriff der Bergstämme aus die Stadt und eine ernste Gefahr für Leben und Gut der Europäer Hervorrufen konnte, zumal wenn jene Maßregel nicht unter d em Schutze militärisch unbedingt genügender Kräfte vollzogen würde. Die gleiche Gefahr dürfte auch an andern Hafenorten bestehen."
Was die Entschädigmtg der durch die Beschießung Casablancas in Mitleidenschaft gezogenen Europäer, insbesondere der Deutschen, betrifft, so scheint Frankreich die Lösung dieser Frage auf die lange Bank schieben zu wollen. Der französische Ministerrat hat nämlich in seiner letzten Sitzung am 9. September beschlossen, daß die marokkanische Negierung für die Vorgänge in Casablanca verantwortlich zu machen sei. Der Ministerrat nahm hierbei auf Präzedenzfälle Bezug, namentlich auf die Beschießung von Alexandria im Jahre 1882. Die Höhe der Entschädigung für den materiellen Schaden soll durch eine internationale Kommission festzusetzen sein. Der Minister des Aeußeren, Pichon, wurde beauftragt, die Angelegenheit weiter zu verfolgen.
Antijaparnsche Unruhen auf Vancouver.
' London, 9. Sept. Au f der I n se l V a n co u v c r , dem äußersten Punkt von Vritisch-Nordamerika haben antijapa- nische Unruhen stattge fanden, deren Charakter noch ernster war als die Ausbrüche in San Franzisro- Die Volksmenge griff das chinesische Viertel an und demolierte Häuser sowie Geschäftsläden. Dreitausend Chinesen und Japaner flüchteten in die Vorstädte, um der Wut der Volksmenge zu entgehen. Darauf griff die Volksinenge das japanische Viertel an, wo noch größerer Schaden angerichtet wurde. Die Japaner sammelten sich und rüsteten sich zur Verteidigung ihres Eigentums, sowie des eigenen Lebens- Plötzlich stürmten die Japaner unter wilden Banzai- Rufen gegen die englische Volksmenge, um diese zurückzutreiben. Die Japaner hatten sich mit Messern, Stöcken und Revolvern bewaffnet- Es fand ein heftiger Kampf zwischen Engländern und Japanern statt, wobei die Japaner einen glänzenden Sieg daoontrugen. Die angreiscnde Volksmenge wurde vertrieben- Die Unruhen dauern fort.
— Nach einer Meldung der „Times" aus Ottawa soll sich der japanische Handelsminister Jschu während der Unruhen zufällig in Vancouver befinden, und von dort einen Drahtbericht an den japanischen Generalkonsul in Kanada, Rosse, gerichtet haben, der ihn dem kanadischen Premierminister Laurier vorgelegt haben soll. Etwa 3000 gelbe Einwohner in Vancouver sind aus der Stadt geflohen. Der Sachschaden i st sehr beträchtlich. Das Schiff, das während des Aufruhrs ein- traf, hatte 400 japanische Einwanderer an Bord. Auch diese wurden von der erregten Volksmenge sofort angegriffen; mehrere von ihnen wurden ins Wasser geworfen. Bei dem Widerstand, den bewaffnete Japaner leisteten, wurden vier Weiße verletzt und ein Japaner tödlich verwundet.
N e w y o r k, 10. Sept. Die am Sonntag in Vancouver begonnenen Ausschreitungen gegen die Orientalen fanden ihre Fortsetzung in Prügeleien. Die Wut der Massen ist namentlich gegen die Japaner gerichtet. Es wird gemeldet, daß der japan. Konsul bei dem Versuch der Friedensstiftung von einem Holzscheit am Kopfe getroffen wurde. Der Bürgermeister versicherte
Wanövertage.
Man schreibt uns aus Friedberg vom 9. d. M.:
Aus Friedberg ist ein K r i e g s l a g e r geworden. Soldaten aller Waffengattungen durchziehen die Stadt, lehnen in den Haustüren, unterhalten die vor Freude strahlenden Mädchen, laden auf, laden ab. Die eine Gruppe zieht ein, die andere marschiert -in die Umgebung ab.
Die Kaiserstraße hat sich geschmückt, um die Großherzogliche Familie zu empfangen. Vom Rathause bis zur Burg ein Triumphweg. Ein mächtiger Triumphbogen zeigt in großen goldenen Buchstaben das Wort „Salve" — wir haben Gymnasiasten genug in der Stadt, die dem Nichtlateiner das Wort übersetzen können. Der Großherzog ist mit seiner Gemahlin in den Vormittagsstunden im Automobil angekommen. Jeder Empfang war verbeten.
Heute früh gegen 9 Uhr rückten die beim heutigen Scharfschießen beteiligten 116er aus. Vor dem Tor der Stadt an der Straße nach Dorheim hatten sie die Gewehre zusammengesetzt. Die Kompagnien lagerten am Straßengraben vor der Burg bis zum Uebergang über die Maiuwejerbahn. Ich kam gerade an dieser Stelle an, als das Kommando ertönte: „An die Gewehre!" Der Marsch ging über Dorheim, Beienheim in die Gegend von Wölfersheim. Ich eilte voraus. Mich interessierte das Scharfschießen, ich wollte nach langen Jahren einmal wieder Kanonengebrüll hören und Granaten einschlagen sehen. Auch die Bewegungen der Infanterie im Gefecht interessierten mich: das an den Feind herankriechen, das sprungweise Vorgehen, das uns die Franzosen im Jahre 1870 aus den ersten Schlachtfeldern durch ihr Massenfeuer so rasch beigebracht hatten. Im Exerzierreglement stand damals. noch nichts davon.
Ich wußte, daß das Scharfschießen zwischen Echzell, Mehlbach, Wölfersheim stattfinden solle. Damit wußte ich nicht viel. Wo war der geeignetste Platz, um etwas zu sehen? Um den zu finden, mußte ich Glück haben, und ich hatte Glück. Zu Fuß — ich wollte meine Felddienstfähigkeit als 61 jähriger prüfen — marschierte ich über Dorheim, Beienheim, Weckesheim bis in die Nähe von Reichelsheim. Hier biegt eine Straße ab über Heuchelheim nach Echzell. Mein Ziel war die hohe Straße G e t t e n a u— Schwalheim in der Nähe des ersteren Dorfes. Ich erreichte diesen Punkt um 12 Uhr und traf damit auf die Absperrungslinie.
Die Ernte ist hier in der Wctterau nahezu beendet. Hochbeladene Wagen schwanken den Dörfern zu. Es handelt sich noch um die Bergung von Weizen und Hafer. Im Felde und in den Dörfern brummen die Dreschmaschinen, überall benutzt man den schönen Herbsttag, im Felde und auf den Wiesen. Denn auch die Grummeternte hat begonnen.
Schon aus der Ferne sah ich viele Landleute, die sich an der Absperrungslinie, die markiert wird durch einzelne Soldaten ohne Waffen, gesammelt haben. Viele Zuschauer haben auch die Strohschober in der Nähe der Absperrungslinie erstiegen und warten von diesen hohen und luftigen Standorten der Dinge, die da kommen sollen. Ich eile einem kleinen Hügel zu, um von hier aus einen weiten Ueberblick zu gewinnen. Eine Anzahl Landleute ist auch hier schon versammelt, auch einzelne Soldaten und ein junger Artillerieoffizier, der die Absperrungsmaßnahmen anscheinend zu überwachen hat. Ein großer Düngerhaufen, wohl zwei Meter hoch, den ein Land-Wirt hier im Sommer zusammengefahren hat, um ihn später auf dem Acker zu verteilen, scheint den meisten ein geeigneter Standort. Unter dem Gewicht so vieler Menschen
den Reportern, daß die S t a d t d e n S ch a d e n, den das japan. Konsulat auf 25 000 schätzt, nichr ersetzen werde, da er zeitig genug vor weiterer japanischer Einwanderung gewarnt habe, weil dies zu Ausschreitungen führen müsse. Die Lohnarbeiter hindern die Orientalen an der Herstellung ihres zerstörten Eigentums.
Deutsche» üeich.
Berlin, 9. Sept. Eine Kabinettsordre des Kaisers spricht dem Prinzen Heinrich den wärmsten Dank für seine Tätigkeit als Flottenchef aus.
— Nach einer Meldung der „Frankfurter Zeitung" aus Kassel machte die Kaiserin heute vormittag seit ihrem Unfall den er st en Ausgang zu Fuß und zwar vom Wilhelmshöher Schloß bis zur Fonteine.
— Der amerikanische Kriegsmini st er William H. Taft kommt nach Berlin. Kriegsminister Taft wird, wie in eingeweihten Kreisen verlautet, seinen Berliner Aufenthalt in intensiver Weise zur Gewinnung von Informationen über administrative, industrielle und kommerzielle Verhältnisse benutzen. Soweit es seine Zeit erlaubt, dürste er auch einer Anzahl besonders bemerkenswerter öffentlicher und privater Etablissements einen Besuch abstattcn.
— Aus Deutsch-Südwestafrika wird gemeldet: Von den Anhängern Morengas haben sich gestern 42 Männer, größtenteils Kriegsleute, mit 97 Weibern und Kindern sowie 140 Stück Kleinvieh in Ukamas unterworfen. Sie werden in Warmbad interniert.
— Die abessynischeGesandt schäft, die bereits Berlin verlassen hat und nach dem Besuch einiger deutscher Städte nach Wien fährt, hatte um Vermittlung des Kaisers in Konstantinopel zu ihrem Gunsten in Sachen der abessynischen Klosterfrage ge^ beten. Wie die „V. Z." hört, wird die ch e u t s ch e DiplnnuAe den Wunsch der Abessynier nach Möglichkeit bei der Pforte Unterstützen.
tjeev unö Flotte.
Berlin, 9. Sept. Das „Militärwochenblatt" meliret: General der Infanterie B r u n s i ch von Brun, Gouverneur von Thorn, wurde in Genehmigung seines Abschiedsgesuchs zur Disposition gestellt. ——- > -» - - ' , ____________ _____
Der allgemeine deutsche Knappschaftsverband.
Eisenach, 9. Sept. Der allgemeine deutsche Knappschaftsverband hielt gelegentlich des 10. allge^ meinen Bergmannstages unter dem Vorsitz von Geheimrat Weidt-, mann-Aachen die Generalversammlung ab, an der 100 Vertreter der zum Verbände gehörigen Knappschaftsvereine und der preuß. höheren Bergbehörden teilnahmen. In dieser Versammlung wurde der Entwurf zu einer Satzung für eine Rückversicherungsan st alt der preußischen Knappscha fts-i vereine beraten und vorläufig festgestellt. Die konstituierender Versammlung wird demnächst nach Berlin einberufen werden.
— Vor Beginn des 10. allgemeinen Bergmannstages hielt heute die Knappschafts-Beru fsgenossenschaft unter Vorsitz des Geheimrats Krabler-Altenessen eine G e n o s s e u - schaftsversammlung ab, woran 125 Delegierte aus allen Teilen des Reiches sich beteiligten. Auch der Präsident des Reichs-, Versicherungsamts Dr. Kaufmann und Regierungsrat Hellwig wohnten den Verhandlungen bei. Nach Erledigung der laufenden Geschäfte wurde die Frage der durch Gesetz vorgeschriebenen, von beteiligten Kreisen als zu weitgehend betrachteten Erhöhung des Reservefonds erörtert. Der Genossenschaftsvorstand wurde bevoll-' mächtig!, an maßgebender Stelle dagegen vorstellig zu werden, lieber den Stand der in Vorbereitung begriffenen Unfallver- hütuugsvorschriften wurde berichtet, die Frage dürftq in der nächstjährigen Genossenschaftsversammlung ihre Erledigung finden.
Ausland.
Graz, 9. Sept. Auf dem vierten internationalen SteNv- graphen -Kongreß, der heute hier seine Beratungen auf- nahm, trat Professor Gondo^Budapest dafür ein, daß die Regierungen sämtlicher Länder, in denen die GabelSbergcr'sche Stenographie verbreitet ist, gebeten werden sollen, den internationalen! Verband durch finanzielle Zuwendungen zu fördern- Batzer-Kvpen-^ wird aber der Düngerhaufen bald auscinandergetreten wie ein Pfannkuchen. Wir befinden uns hier dicht vor der oben bezeichneten „hohen Straße" südlich von Echzell— Gettenau. Halblinks uns gegenüber liegt Wölfersheim-^ Södel. Noch mehr links Mehlbach. Dort muß die Artillerie aufgesahren sein, deren Feuer sich gegen die auf dem Kamme einer Terrainwelle hinziehende Römerstraße, die Echzell mit der Straße Södel-Berstadt verbindet, richten soll. Diese Römerstraße ist weit sichtbar und mit jungen Obstbäumen bepflanzt.
Ter Artillerieoffizier hat das Glas vor den Augen und' übersieht die Absperrungslinie. Ein fliegender Händler mit seinem Kasten, der Zigarren, Zigaretten, Schokolade enthält, hat sich aus Gießen hierher verirrt. Tie Gruppe Menschen langweilt sich. Man hört und sieht nichts. Tas Kvnzert sollte doch nach aller Meinung schon um 12 Uhr beginnen! Ter fliegende Händler liegt im Schatten eines Haferhaufens und renommiert: „Ja, 1897 habe ich das Kaisermanöver mitgemacht, da hatten wir so Hunger, daß wir Hafer gefressen haben". Ter junge Artillerieoffizier nimmt das Glas von den Augen und fragt: „Was? Hafer gefressen? Was ist denn dabei? Hafer ist doch eine eßbare Sache!" Wieder hat der junge Offizier das Glas vor den Augen, er sucht die Römerstraße ab. „Donnerwetter", sagt er auf einmal, „da sind ja Menschen, eine Dame dabei mit einer weißen Bluse. Die werden ja dot geschossen, wenn sie dort bleiben, dahin fliegen alle Granaten". Er ruft nach seinem Pferde, das im Hintergründe von einem Soldaten gehalten wird und schwingt sich in den Sattel. Obgleich das Artilleriefeuer jeden Augenblick beginnen kann, reitet er im Galopp quer durch die in Aussicht genommene Schußlinie der Artillerie auf die Römerstraße los. Von unserem Standorte aus sind es bis dahin mehr als 3000 Meter. Wir sehen den Offizier auf seinem Pferde schließlich nur noch als einen Punkt. Tie mit der Bluse und ihre Begleiter räumen den Platz und entfernen, sich in der Richtung Straße Wölfersheim-Södel.


