157.£oljrßanfl
Zwcitcö Btntt
Nr. 8
Lricheinl tügNch mit Ausnahme beS Sonntags.
General-Anzeiger für Gderheffen
aus vöieocn uio -urorr -ui e uiyjcyiung ,n’eid)neic de, en Lernen,.e Herr Sommer
Die „eiffirner FamiUenblLNer" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da« '.Urfisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Ter „Yefstfche Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^$> 61. Rebaktioiue-SKIIL. Tel.-Adru AnzeigerGießen.
Deutsche» Neich.
7— Die Freikonservativen des 9lbgcorbnetcn*i hauseö bereiten Anträge vor auf Erhöhung der Lehrer-' besoldungen und Richtergehälter sowie Revision der Fahrkartenstcuer.
— Auch die Zentrumsfraktion hat im Abgeordneten-! Hause Anträge cingebracht, die eine Besserstellung der mittleren und unteren Beamten bezwecken, nnd bereitet, was besonders bcnierkcnswert ist, einen Antrag auf Ein-! Führung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts in Preußen vor.
— Das gegen den Pfarrer T r a u b in Dortmrmd wegen seiner! Haltung im Falle Cäsar vom Konsistorium in Münster ein*1 geleitete Disziplinarermittelungsverfahrenist vom! Konsistorium eingestellt worden.
Fried eck (Westpr.), 9. Jan. Die hiesige Stadtgemeinde hat den Kardinal Dr. v. Kopp zum Ehrenbürger ernannt.
Dresden, 9. Jan. Einem Mitglieüe des sächs. Schiffer- Vereins erklärte Finanzminister Liügcr, Sachsen werde gegen die Schif f ahrcks ab g a b en stimmen. Wahrscheinlich werde Preußen jedoch die Frage überhaupt nicht vor den Bundesrat bringen, sondern sie durch Verhandlungen mit den Einzelstarten in seinem Sinne zu erledigen suchen. Eine Anzahl deutscher Handelskammern tritt am 18. Januar in Dresden zusammen, um j zu der Frage der Schisfahrtsabgaben Stellung zu nehmen.
Berlin, 9. Jan. Fürst Philipp Er-rst zu Hohenlohe- Schillingsfürst, an den der Kaiser unmittelbar nach dem Erscheineu der Hohenloheschen Memoiren auf Gruno einiger Sätze, die ihm zur ftcnntni-3 gelangt waren, das bekannte mißbilligende Tele- gramm über die BeröffentlickMNg gerichtet hat, war dieser Tage in Berlin. Er ist vom Katser empfangen, sehr freundlich auf* genommen und zur Frühftückstasel eingeladen worben.
— Der Kaiser konferierte heute mit dem Fürsten Bülow und dem Staatssekretär v. Tschirschky und empfing den Schloß- hauptmann v. Cranach, der Entwürfe und Zeichnungen roma* nisckfen Stils seines Bruders, Professors v. Cranach, für die Wartburg vorlegte.
— Tas „Militärwochenblatt" meldet die Ernennung des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen zum General» inspektor der 1. Armee-J-nspektion mit Standort Berlin, sowie di- Dispositionsstellung des Generalleutnants Wollmar, Jn- sp ,eur der 4. Jngenieur-Jm'pektion.
— Auf eine Zustimmungskuudgeoung einer Anzahl höherer Reichs beamt er zu fernem Auftreten im Reichstage hat der neue Kolonialdirektor Dernburg zu Händen eines der Unterzeichner folgende Antwort ergehen lassen:
„Die Götter brauck>cn manchen guten Mann
Zu ihrem Dienst auf dieser weiten Erde;
Sie Haven noch auf bild) gezählt.
(Goethe, Iphigenie II 1).
Mit freundlichem Tank und Gruß
Bringt hc mit den national empfindenden Zentrumswählern an die Urne, und sie geben den AuSschlag gegen die Soziatdemotratie.
Erz Verger sucht heute in bei .Germania' umere Rrutf seiner Wahlbroschüren zu entkrä len, und kommt dabei zu dem Schluß, daß ihm kein Fehler nachgewiesen werde. E. passiert dabei das Ihiflhid, daß er cmgidt, wir hätten den Zuwachs des beutichen Nationalvermögens, den wir als Beweis ber oerntehrten siuanztcllcn Leistiiiigsfähigkcit ber Nation anfübrien, m 22 Jahren auf 3 Milliarden Mark angegeben. Er stellt diesen 3 Milliarden die Erhöhung ber ReichSschuldenlast gegenüber, die m der gleichen Zeck den gleichen Betrag ausmache. Äicht um 8 Milliarden, sondern mindestens um dreißig Milliarden Mark ist unsere Nation reicher geivorden.
In immer weitere Kreise dringt die Einsicht, welch große Be- deutung für den Ausgang der Wahlen die Partei der Nichtwähler habe. Aui allen Seiten wird der Appell an das Pllicht- gefuht der drei ThUionen Staatsbürger wiederholt, die bei den letzten Wahlen den Urnen serngeblteben sind. Mit Genugtuung verzeichnen wir die Nachrichten, nach denen die Durchsicht der Wählerlisten diesmal viel reger gewesen sei, als je zuvor. Wlan darf darin ein Anzeichen bahlr sehen, daß eine eitrige Wahlbeteiligung sich vorbereitet. ES hängt tatsächlich sehr viel davon ab, bau die politische Energie jetzt endlich bie bisherigen Ntchtwähler ergreist. Will man von ihren drei Millionen selbst eine Million als durch $tranfl)eit, Reisen nnd besondere Umstände entschuldigt gellen lassen, jo hat der Rest von zwei Millionen bei den Wahlen noch immer em solches Gewicht, daß man sagen darf: Wie das Zentrum bisher die ausschlaggebende Partei im Reiche war, so ist die Partei der Richt Wähler ausschlaggebend.
Wie die /Jtorbö. AUg. Z.' hört, suche man in den Kreisen dec schwäbischen Zentrumswähler dem Gerücht Eingang zu verschaffen, in Südioestafrika solle gleich nach ber Rieberwerfung der Hottentotten der Felbzug gegen die Ovambo 8 inS Werk gesetzt werden. Es handelt sich bei dieser Ausstreuung lediglich um ein Wahlmcmöoer. Für die Kolonialoerwaltung lag nie ein Anlaß vor, sich mit dem Gedanken militärischer Unternehmungen tm Cöambolanbe zu beschäftigen. Die Maßregeln waren gerade umgekehrt darauf gerichtet, ein Eingreifen mit Zwangsmitteln in diesem Gebiete nach Möglichkeit zu vermeiden und die Eingeborenen nicht zu beunruhigen. Deshalb wurde baß Oocunboland für den Verkehr weißer Händler gesperrt.
Ein dummer Streich ist burgerlicherseüS im Wahlkreis« Recklinghausen verübt worden. Den S oz ta l b emo*t k raten, welche für ihren Kandidaten Pokorny eifrig agitieren, wurde im Orte Suderwich, wo sie eine Versammlung abhalten wollten, kein Lokal überlassen. Sie beschlosien, in einer benachbarten holländischen Gemeinde eine Zusammenkunft i zu veranstalten. Selbstverständlich wird durch Derartiges du Sozialdemokratie törichterweise nur Vorschub geleisiet.
Tonuerötag 10. Januar 1V07
* * Rotationsdruck und Verlag der vr üblich« f Aur UniversttäiS-Auch- und Sieindruckerri. j Va m R. Lange, Gießen.
Mon dcr Wahlvcweguttg im Weiche.
Mir meldeten, daß man in Meppen Dernburg, den stellv. Direktor der Rolonialabteilung, als Zählkandidateu aufgestellt hat. Nach der ^Norbd. Allg. §>.* ist das weder mit feinem Willen noch mit seinem Wissen geschehen.
In Hanau hat, wie uns geschrieben wird, eine nat(.- konservative VertrauenSmannerversauimlung beschlossen, an der Kandidatur br3 Dr. Lucas sestzuhalten, trotz deS BeschlusieS der Zentrumspartei, für diesen Fall ihren Wählern Stimmenthaltung zu empfehlen.
Die „Rordd. Allg. Ztg.^ schreibt:
In Hanau wurden 1903 bei der Hauptwahl abgegeben : Für Hoch (Soz) 15 170 Stimmen, LnkaS (natL) 9762, Müller (ßentr.) 4814 und fturntner (Fcs. 93p ) 1863 Stimmen. In der Snchwahl siegle Liikas über Hocb nut 17 867 gegen 16 547 Stimmen. Diesmal hat das Zentrum Stimmenthaltung proklamiert. Es will den Wahlkreis lieber tn die Hände ber Sozialoemokratie fallen lassen, als den Liberalen in der Stichwahl bann voraussichtlich ben Steg zu- kommen zu lasten. Aehnlich ist die ZentrumSparole in anderen Wahlkreisen. Wir möchten bezwei'eln, baß die Wählerschaft durchweg dieser Parole Folge leisten wird. Wir hoffen, daß em großer Teil davon sich bewußt bleiben wirb, daß der ZentrumSwä'hier in nationalen, sozialen und fulmrellen Fragen den liberalen Parteien uäherstcht als der Sozialdemokratie. Lcireundet sich d:e Part. >- (emnig des Zentrums vielleicht jetzt eher mit ber Stärkung der sozialdemokratischen als der hb. Elemente im Reicurtage, so kann sie bet dieser Wahllaknk nur bie Erhaltung der ausschlaggebenden Stellmrg des Zentrums als loniejsionelle Partei tm At.ge haben. Ten kaiholtjchen Wählern ist mit dieser einseitigen Vewmmg des konfessionellen Staubpunktes zwetiellos nicht gedient. Soweit sie an der Bekämpfung der Sozialdemokratie teilzunehmen jur ihre Pflicht halten, haben sie es mit den bisherigenNichtwähleni in der Hand, die Berechnung der Paitei^uung über den pausen zu iverien. Die Zahl der Nichtwähler betrug 1903 in Hanau 7535 Mann.
deren Kulii enreich er einige interessante EntlMlunnen machte. .Xinn ergriii Herr Löber aus Gießen das Wort zur Empfehlung deyligcn^aeoiS und teun
zugunsten einer Partei in irgend einem Crtc unsetes Tales ober eines der Seuculätcr eihoberu Tie einzige Propaganda haben bie Sozialdemokraten begonnen durch Austiaguug sozialdem. Ualender, m selbstverständlich rotem Einband, und soztaldemokicu. Flugblätter. Da letztere von Jünglingen anSgeiragen wurden, bie DaS Wahlrecht nach lange nicht besitzen, so tain es auch vor, baß inan bicen ZickunitSitaatsbürgern das lioct) wies, daS Der Zunmer- mann gdafien. Diese Ruhe vor Dem Wahi läge ist aber nicht allem den fehlenden Agitatoren znzufchreiben, obschon durch sie ntehc tieben in bie Wähler käme, jonbern diese siehen hier ganz allgemein ber Reichstags wähl gleichgültiger gegenüber als i o n ü. Wenn rüdesten diese Gleichgültigkeit und Jnleresjenlosigkeil bestehen bleiben sollte, so wird zwcüello.' auch eine gioße Zahl von Wahlberechtigten vom Rechte der Wahl keinen Gebrauch machet,, dadttrch aber einer Partei zum Stege verhelfen, für bie man gar leine Sympathie hegt.
AuS Darmstadt wird uns geschrieben:
Wohl zur intereflantftcn Versammlung im Wcchl- kampie des hiesigen Kreises geitaltcie sich Die heute von Den Jung- liberalen eir.beruiene ösfentltche BolkSversammlung, in lei Tr. Brun Huber au» Sie In sprach. Die Ausführungen bev Redners waren ein ehrliches liberales BckemilniS, dos darum auch bei den sehr zahlreich erschienenen Freisinnigen starkem Betsall begegnete. Der Slaiibibat der vereinigten Liberalen, Psarrer K o r e 11, gab ber wesentlichen Uebereinltiimnunfl mit Der 'JieDc GrunhuberS Ausdruck utio bedankte sich für die Unterslütznng. Ter gleichfalls anroejenbe RetchsiagSkanDibat der Ratioiialliberalen, Dr. O s a n n, ergriff nicht das Wort.
Im Wahlkreise Bingen-21 lzey ist die Situation ganz außerordentlich verfahren. Dec Rücktritt deS freisinnigen CefonomieratS Lichtenstein von dec Kandidatur wirb in weitesten Kreisen sehr bedauert und eS besteht die Ansicht, daß ihm daS fUtanbat jedenfalls zugefallen wäre. Ec hat, wie unS auS Niederingelheun geschrieben wirb, die Kanbldatur nur abgelehnt, um Schmidt nicht ins Handwerk zu pfuschen. Wäre Sch. zuruckgetcelen, hätten sich 9iationallibcrale und Freisinnige auf Lichtenstein geeinigt. Dieser Vorschlag war gemacht worden, aber Schmidt hält hartnäckig an seiner Kandidatur fest. Uno doch sieht dort, rote wir im ^Rheinischen Beobachter* lesen, biesem Herrn seit Jahren eine starke Strömung im eigenen Lager entgegen. Diese setzt sich auS den Wählern ber freisinnigen Bauernschaft zusammen. Sie ist verstimmt, mißtraut unb sucht nach einem Kanbibaten im eigenen Lager. Der Ramc Lichtenstein hat eß ihr angetan unb eß ist Niemanb stark genug, bem Bauern bie Ueber- zcugung beizudringen, baß ec von bem Jnduiiriellen Schmidt aus Elberfeld bcsier ober gleichtüchtig vertreten sei, als vom Lanbwirt Lichtenstein aus bem Kreis, ß. ist seit Jahren Prästbent beS lanbwirtschaftlichkN Proomzial-VecemS unb früher ernt Reihe von Jahren freisinniger Abgeorbncler deS Ingelheimer Grundes mt hessischen Landtag gewesen. 'Ulan hat, so heißt cS in dem genannten Blatte weiter, behauptet: die Ehre ber Partei erfordere eß, Reinhart Schmidt im Wahlkreise wieder alö Kandidaten aufzuslellen. Gewiß, wenn nicht der Wahlkreis auf deS Messers Schneibe stünde. Da bieS aber ber Fall ist, so müffen wir sagen: bie Ehre ber Partei er- sorbect eS, ben Wahlkreis zu erhalten, unb die Personenfrage ist unterzuorbnen. Umgekehrt gehanbelt, ist ber Wahlkreis vielleicht verloren unb ber Freisinn wirb bcciiniett. AIS ob es nicht möglich wäre, für Schmidt einen andern Wahlkreis zu finden l Es ist sicher, baß bie links-nattonallideralen unb bie katholischen Bauern geschloßen für Lichtenstein eintreten würben, sodaß eine naltonallibcrale Kandidatur wohl ganz unterbleiben unb Lichtenstein im ersten Wahlgang mit großer Majorität gewählt würde. Sollte Schmidt Nicht selbsl wünschen, daß man bie Partei seinem Namen voranstellt und auS btesem Grunbe unb bei seinem hohen Alter (er ist nahezu 70 Jahre) ablehnen? So schreibt unb spricht man in Ingelheim.
Nun hat zum Uebersluß noch in Bingen eine Vertrauens- männerversainmiung b.r Zentrumspartei den Bauern- b ünb l er W o l j -Stuoeckcn als Kandidaten ausgestellt, um den Wirrwarr vollständig zu machen. 29oli hatte bereits, rns er vom Drirch der Stmb.virte uomiiiierc routc^, die Kandidatur obgelehnt. Vidlcicht nimmt er sie nun aber, da er b:e Zenlrumshiiie Hit, doch an uno kann mit Zuversick-i bem Wah'.kampse entgegensch.n, wenn sich Schmidt nicht doch nodj zum Rücktritt entjchließt und Lichtenstein auss neue zum alleinigen Kandidaten ber Linkslibe- ratcn proklamiert werden kann. ,
gut zoahlvcwcgung ib K fteu.
Gießen, 10. Jan. 1907.
Der liberale Wahlausschuß für den Wahlkreis Gießen- Grünberg-Nidda entfaltet fortgesetzt eine rege Agila- tionflläligleit Täglich finden mehrere Versammlungen statt, biv ersrculicherweise fast sämtlich schr gut besucht {inb und im allgemeinen einen für die liberale Sache günstigen Verlauf nehmen. Gestern fanden u. a. liberale Wählerversammlungen in Alten- B useck, Großcn-Buseck, Inheiden und Reiskirchen statt.
In Reiskirchen sprach vor sehr zahlreicher Zuhörerschafi ber liberale Slanbibat Kommerzienrat Heyligenstaedt über bie Arbeiten des ausgelösten und die Ausgaben des kommenden Reick)S- tags. In dcr Versammlung gab cs gleich zu Anfang einen be- zeichnenoen Zwischenfall. Die Sozialdenwkraten harten sich Herrn Häuser aus Steinberg als Gegcnredner für Heyligenstaedt verschrieben uno alö der Versammlungsleiter, Lehrer B ü r st l e i n , mitieilie, daß nach dem Vortrag des Kandidaten freie Diskussion mit einer Redezeit von 15 Minuten stattsindcn werde, verlangte Herr Häuser unbeschränkte Redezeit. Nachdem von verschiedenen Scttcn darauf hingewiesen worden war, daß 15 Minuten öoÜftänDig ausieichciü) seien, um von dem Standpunkt deS Rese- teuien abweichende Ansichten zum Ausdruck zu bringen und der l.betftle Kandidat betont hatte, daß man gerade durch bie Erfahrungen, die man am Abend vorher mit .Häuser in Watzenborn geniacht habe (er hatte in einer liberalen Versammlung auf bie einftünbige Rede des liberalen Redners eine solche von Ihr Stunden folgen lassen), zu der Beschränkung der Redezett habe kommen müssen, gaben sich Häuser und seine zahlreich anwesenden Freundi zufrieden. Heyligenstaedt entwickelte dann in längeren Ausführungen ein Bild von den Arbeiten des aufgelöstcii und über seine Stellung zu ben wichtigsten Ausgaben des tomaienben Reichstages. Nachdem der Vorsitzende sestgesteUt hatte, daß Hey- ligcustaedt im Reichstag seine Aufgabe in patriotischem Sinne et lallt habe unb dem Vaterland ein Hoch auSgebracht hatte, stiach In der Diskussion zunächit Herr Häuser. Etwas wesentlich Neues sagte er nicht; daß für ihn und seine Partei die ganze KolonUuyoluil Narrheit unb Wahnsinn ist, weiß man längst, unb was er über Steuerjrage« usw. sprach, war weoer neu noch nck-tig. Seiner Ausfordermlg, baß die liberalen Parteien mit bta Sozialdemokraten im pairtotischen (I) Interesse zusammen- gehen sollten, trat Redakteur Heß aus Gießen mit der Bemerkung entgegen, daß davon insolange keine Rcde sein tönnc, als bi< Soziatdemokratie auf ihrem alles verneinenden Staiwpunkt bcrharre. DaS habe sie auch wieder bei den Kolonialsorderungen getan unb damit dem Zeittrmn zu einem billigen Triumph ver- b»l|cn. Auch bie von Häuser vorgetragenen Ansichten über die Lieuersragen wurden von den Herren Heyligenstaedt, Heß und Lürstlein von Gießen, sowie dem Vorsitzenden und Lehrer i c ü n - Reiskirchen einer näheren Beleuchtung unierzogeL, ebenso |elnc mii mehr Eifer als Sachkenntnis vorgctragenen Ansichten UDtr Heer- and Flottenfragen. Bemerkenswert ist noch, daß Häuser auf energische Interpellation hin auch den Schleier hinsichtlich des ZulunstSstaates lüftete nnd zwar war et so gnädig (wohl mit Rücksicht aus seine vorwiegend auS bäuerlichen Kreisen bestehenden Kuhürer), den Kleinbauern auch für den Zukunftsstaat den unan» gciochienen Besitz selbfterworbencn und ererbten selbstcrworbenen Besitzes zu versprechen. Die interessante Debatte hierüber zog sich bis 111/< Uhr hin unb bie Einberuser ber Versammlung ließen Häuser das letzte Wort, da sonst ein Ende der Debatte überhaupt | nicht abzujchen gewesen wäre.
In Heuchelheim entstaub in der Hitze des Wahlgefechts in einer Wirtschaft unter jungen Leuten eine Schlägerei, bei bei es blutige Köpfe setzte.
toelegemlid) einer Wahlrede für bie ReichStagSwahl verbreitete sich, wie uns vom Lande geschrieben wirb, der Redner vor einer ländlichen Versammlung auch über die Börjensteuer. „Woas?' nel em aller Landiuann, ,aach noch die Besen sollen versteuert roem ? Huh m'r nut genunk Sieuecn k Bleibt d'ham mit solcher Steuer P
AuS Inheiden wird unS unterm 10. b. MtS. geschrieben:
Hier hatte für gestern abend der liberale Wahlausschuß eine Versammlung einberufen, bie äußerst stark besucht war. Lehrer Sommer erössnete sie mii einem Hinweis auf bie wichtig« Versammlung und bet Versicherung, baß es jebermami fern läge, Köhler in den Staub zu ziehen. In seinem IVb stündigen Vorträge beschäftigte sich Herr Riedel aus Gießen gundärfl mit ber Borgejchichte der Reichstagsauslösung unb entwickelte bie Entstehung dec heutigen Lage. Nachdem er über bas ReichS- lagswahlrechi gefpcock)en, beleuchtete er bie Parieren b»6 Reichstages und waiivic sich vor allem gegen die Sozialdemokratie, auS
baiitte ben Rednern und der Berfammlung. Für bie Köhlerpartei sprach noch Herr Stoll, dessen Angriffe auf H. aber tiiberlcgt wurden. Die Versammlung verlies vollkommen ruhig lind sachlich. Köhler war zu dieser Vetfammlung von der liberalen Parteileitung geladen, aber nicht erschienen.
Man schreibt un§ aus RüddingShausen:
Arn Sonntag abend sand hier von lenen der nationalliberaleu Onrtei bie erste Wählerveilammlung beim Aallwirt Müssig statt, die überaus stark besucht war. Nacybenr ber Vorsitzeube, Bürger- melster Braun, die Versaiumlnng eröffnet haue, ergriff Professor u l e 9 aus Gießen das Wort und schilderte in ca. 1'/,stündiger, Narer, leicht verständlicher Rede zunächst die Auslösung des ReicüS- lag« und ging Dann über air Kolontalpoluik. Hauptsächlich wieB ev aiü bie Erzeugiiisse unb Fruchtbarkeit von Deutsch-SÜDwesiairika, Itoinenin nnD Togo hin unD gmg Dann ziir RanDibamr Heyligen- fiaeDt über. Er wies auf besjen seitherige Verbienste hin unb empfahl dessen Wahl. Hieraus ergriff Gastwirt Mässig, ein xcivandter Redner, Das Wort nnd betonte zunächst, daß es angenehm berühre, daß Professor Luley den beiden Gegenparieien resp. deren KanDidaten seine Ächtiing nicht versagt habe. Ter Redner flveiite leicht die RetchstagSaullölung und geißelte in scharten Worten das Verhauen des Zentrums in ben letzten Jahren, ging bann zur ftolomaluolitif über und gab seiner Meinung dahin AiiSdmck, Daß TeutjchlanD m Ainka nicht mehr zurück könne, sondern es müfie sein Ansehen wahren und man hohe, daß unter Der Heilung £eni- durgs eine gejünDere Politik etntväte. Zum Schlüsse ergriff Herr R i e D e l auS Gießen das Wort und nahm die Regierung in Schutz, crnirteilte ireffeud Die Hirugespiniie der Sozialiiien, 'orderte Die AiuveseuDen aui, treu zum Vaterlaude zu halten und brachte ein hoch aui dasselbe aus, welches begeilien ausgenommen wurDc.
AuS Dem Oh ml al, 9. Jan., wirb uns geschrieben: So ruhig wie gegenwärtig war bie Stimmung noch vor Kiner Reichstagswahl. Noch niemanb bar bis heule leine St mime
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Der Wahlvecem alter Afrikaner teilt mit: Vor vier Tagcn wandten wir uns telegraphisch an Rechtsanwalt Dr. Nierensky in Keetmannshoop nut der Bitte, er möge sofort zu bem in Kalksontem internierten Johannes Christian reiten unb im Gespräch mit bem BonbelZwarlSfühcer, ber ihn als seinen früheren Dislnktschef von Warmbad her kennt, festzu* iteUen, auS welchen Gründen bie Hottentotten sich ergeben hätten. Darauf erhielten wir folgenbe Antwondepesche: »Die BonbelSivarts knüpften bereits Ende Oktober Verhandlungen wegen Ergebung an, wurden aber unter
' General DebH l ln»nd Scbßfer L w Stra^öyrg EU e H ben PteitL Lot.cn- ra mib sonnigen Vcir tcÜeyuJiabeiL hv;„ estaurant im Ttorch" Lammsirake 39 euwiohlen. OK ÜuiaieUiait« veblrnunz rieb Diergardt Inen Primaner wird för 'Aachoilie in dcr engl ijösischen Sprache grsut: Iliche Ängeboie unter all lebener Anzeiper erdeter empsiehlt sich im Wajcho Yen.
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