Ausgabe 
7.3.1907 Zweites Blatt
 
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Donnerstag, 7. März 1907

157. Jahrgang

Nr. 56

von

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Deutscher Reichstag.

11. Sitzung vom 6. März. 1 Ul)t. 2lm Tische des BunbesratS: Dernburg, Frhr.

Parlamentarische Verhandlungen.

Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet.

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8^'-^°"arbritcr öm db xjuhip nit Jioeboie umer 015® Steift« erbeten, Paulen üeugn. in AÄrte«w5 l- lu Haushalt, loiää) W^teuen Bauei

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Rotationsdruck und Verlag der Vr üblichen IlnwersuäkS - Buch- und ©tembrudeteL R. Lange, Dietzen.

Redaktion, Dxpedinon und T ruderet: Schul­st» atze 7. Erpebrnon und Verlag: 6L

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Auf der Tagesordnung stehen die beiden Nachtrags- GtQgm f£^(nb"nx?Mn298sroiawnCn'au3 Anlaß des eingeborenen. Aufstandes gefordert, im zweiten 8 900 000 als erste Rate zu Forisuhrung^ der Eisenbahn Lüderihbucht-Kubub bis Keetnwns- Hoop. Tteser Deiraa und d,e folgenden Raten für be »ajn werden dem Schutzgebiet als Darlehen gegeben und müssen 3J/a Proz. verzinst werden.

Kolonialdirektor Dernburg:

Die zur Beratung stehenden Nachtragsetats sind im wesent­lichen Reproduktionen der bereits in der letzten Tagung vorge. Icaim und dort tm Plenum und in der Dudgetkominisiton au», sichtlich behaiidelt. Ich lann mich daher auf wenige Worte be-

Freunde werden die Nachtragsetats ohne ÄommissionSberatung gleich im Plenum erledigen. (Beifall.)

Abg. Fehrenbach (Zentr.)r

Im vorigen Jahre waren wir bereit, 20 Millionen zu bewil­ligen. Wir meinten, daß man damit auskommen könnte, unb dies um so mehr, da bereit? mit der Zurücksendung der Truppen begonnen war. Wir erklärten uns jedoch bereit, durch ein Kredit, gesetz im Notfall noch mehr zu bewilligen. Nach den Erklärungen des Kolonialdirektors haben sich die Verhältnisse jetzt entschieden gebessert, man kann schon jetzt von einem FricdenSzustand sprechen. Deshalb kann man jetzt mit viel geringeren Mitteln auskommen. Wir erklären uns deshalb bereit, 20 Millionen zu bewilligen, bleiben jedoch bei unserer früheren Erklärung, datz wir bei be- sonderen Unzuträglichkeiten auch noch einem weiteren Kredit, gesetz zustimmen werden. Ich bemerke noch ausdrücklich, datz wir mit unserem 2500 Mann-Antrag nur die Stärke der Truppen vor dem Feinde gemeint haben. Der Bahnvorlage stimmen wir gu; und wir können unserer Genugtuung Ausdruck geben, datz die Bahnvorlage auf eine Grundlage gestellt ist, die wir in der Bud- getkommission gefordert haben. Den Truppen in Südwestafrika sprechen auch wir unseren Dank aus, eine glänzende Versorgung werden wir allerdings wohl kaum bewilligen können. Dies war auch bei den Kriegern von 1870/71 nicht möglich.

Abg. Dr. Semler (natL):

Ich will in meinen Ausführungen den Gedankengängen fol- gen, wie wir sie zunächst vom stellvertretenden Kolonialdirellor und sodann von den anderen Rednern gehört haben. Der Kolo- nialdircktor hat zunächst ausgesprochen, der Krieg sei beendet, mit dem 31. März wird der Kriegszustand aufgehört haben. Es ist gesagt worden, die Bedingungen dieses KrtcgSabschlusics hatten nicht ganz dem entsprochen, was man hier und da erwartet hatte. Ich rufe nun btc Verhanblungen der Budgctkommission vom vori­gen Jahre ins Gedächtnis zurück. Sie wissen, mit welchen autzer- ordentlichen finanziellen Schwierigkeiten wir damals zu rechnen hatten. Sie wissen, datz damals der Oberst von Deimling diesen Beratungen bcigewohnt hat. Ich bin nun der Meinung, datz bn* jetzige Vorgehen des Obersten von Deimling vollständig gerecht- fertigt ist, nämlick, datz er, sobald sich ihm die geeignete Gelegen­heit bot, den Aufstand durch eine Verbindung mit den Hotten, tottcnführcrn niederzuwerfen, durch friedliche Verhandlungen statt durch kriegerische Taten, diese ergriff. Gerade durch bte;e I Bereitwilligkeit hat er sich in unseren Augen ein ganz autzerordent-

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^^Jn spätestens acht Tagen hoffe ich. Ihnen mitteilen zu können, welche Mittel erforderlich sind. Mit 2500 Mann werden wir allerdings auch nachh'r nicht auskommen können. Hand in Hand mit bei Verminderung der Truppen mutz eine wesentliche Erhöhung der P o l i z e i m a ch t gehen. Ick möchte auch hier gleich der Anschauung entgegentreten, die in der Presse mehrfach laut oeworden ist, als ob eine Gendarmerie erheblich wohlfeiler wäre^als eine Schutztruppe. Das ist nicht der Fall. Die Gen­darmerie verursacht auch wieder ihre besonderen Kosten. Die dort anzusiedelnden Gendarmen müsien verheiratet fein, damit kein Verkehr mit schwarzen Weibern stattfindet, was ihre Autorität den Eingeborenen gegenüber erheblich untergraben könnte. Auch sind zunächst die Gehaltsverhältnisie der Gendarmerie noch nicht derart geregelt, datz sie eine große Anziehungskraft ausubcn könnten und viele bereit wären, hinzugehen. Andererseits hat eine Polizeitriippe den Vorzug, datz die Leute die ganze Zeit dort bleiben und auf Grund ihrer Erfahrungen das ganze Gebiet genau kennen lernen, wodurch dann wiederum Mannschaften erspart werden. Das ist sowohl ein pekuniärer wie ein administrativer Erfolg.

Es wird jetzt eine Wehrordnung für das Schutzgebiet ausge­arbeitet, und es wird daran aedacht, mit deren Hilfe eine -and- wehr von 1200 Mann zu schaffen. Doch alles dieses hängt noch von besonderen .Faktoren ab. Einer der wichtigsten ist der von der Eisenbahn nach Keetmanshoop, ferner auch die zunehmende Besiedelung des Schutzgebietes mner- halv der von der Beücdelungsverordnung gezogenen Grenzen. Ter Kaiser bat bereits in der Thronrede den tapferen Truppen den wohlverdienten Tank gezollt. Ich möchte ihn hier nochmals aus- sprechen und nach dem Vorgehen eines Redners aus dem Häme den Missionaren beider Konfessionen danken für ihre Bemühungen zur Pazifizierung des Schutzgebietes. Zur Hebung der wirtschaftlichen Lage werden wir auch beizutragen haben. Im Ergänzungsetat werden wir von Ihnen eine Beihilfe für die geschädigten Farmer fordern. Sicfe, warten bereits mit llngebulb darauf. Der Krieg hat auch sonst noch mancherlei anormale Zustände geschaffen, sodaß eine Anzahl Existenzen dort auf sehr schwachen Füßen steht. Dir müssen hoffen,^datz durch die fortschreitende Besiedelung auch diesen wirtschaftlich schwachen die Möglichkeit einer Aufbesserung unb einer gesicherten Fortexistenz gegeben wird. Sehr erfreulich ist die Tatsache, daß in der deutschen Nation das Jntcresie für die Kolonie beständig un Steigen be­griffen ist. Es hat sich eine große Anzahl von Personen gemeldet.

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liches Verdiei-jt erworben. (Zustirnmuna.) bin ube^ugt. b<Jfe wir in der Tat Veranlassung haben, dem Cberftcn öon ling besonders dankbar au sein, datz er nicht ^nach trachtete, als Soldat kriegerische Lorbeeren einzuheimsen, sondern daß er in ber Erinnerung an die Verhandlungen der Budgetkommistion. an unsere schweren Sorgen, dem unseligen Aufstand endlrch cm Ende

Seit d-r letzten Beratung sind wir in der erfreulichen Lage gewesen, dem Hause etnen Vertrag über die Beendigung de- Hoiieiitottenaufstaiidcs in Südwestafrika rn tteilen zu können. W r haben dem Hause darüber eine Denkschrift vorgelegk, in der wir bie Bedingungen publiziert haben. Diese Bedingungen entiprcchcn nicht durchaus dem, waS man hier und vielleicht auch 'M Schutz, gebiete erwartet und gewünscht hatte, indem man den Hottentotten, welche infolge ihrer Lage in der Nahe der englischen Grenze und in der Nähe ber unzugänglichen Berge nicht dazu angetan stnd, sie zu unseren Staatsbürgern zu machen, ihre alten Stammcsreser- balionen belassen hat. Der Oberstkommanb'erende m den Schutz­gebieten, welcher diesen Vertrag abgeschloßen hat, war ir- einer etwas schwierigen Lage, weil nämlich andernfalls eine Fortdauer der Feindseligkeiten und damit der großen Cpfer, welche oa* Deutsche Rech zur Niederwerfung deS Aufstandes aufgewandt hat. nickt zu vermeiden gewesen wäre. Er stand demnach vor Der Frage, ob er diese Bedingungen stellen sollte, welche zwar die außerordentlichen Ausgaben für die Expedition erfordert, die aber zur Herstellunn der Ruhe im Schutzgebiet notwendig sein werden. Es wird die Ausgabe des Geschicks des Gouverneurs sein, desen genaue Kenntnisse auf administrativem Gebiete Ihnen ia allen bekannt sind, um dasjenige durchzusetzen, was erreicht werden kann, nämlich die S e ß h a f t m a ch u n g Hottentotten ihre Gewöhnung an Arbeit und gesetzliche Zustande. Ich hege keinen Zweifel, daß ihm daS gelingen wird Dann wird das Schutzgebiet in nicht zu langer 8eit normalfnL^ltanben au Geführt werden. Denn jetzt sind die Zustände noch weit entfernt davon, normal zu sein. Die Sammlung der zerstreuten Hotten- tc :cr. ist zwar im erfreulichen Fortschritt begriffen, und der Ifcaer tr4t vollzieht sich in ordnungsmäßiger Weise. Auf der andern Seite aber steht die Regelung der Verhältnisse der Hereros noch ans-, ihre Führer befinden sich zum größten Teil noch außerhalb des Schutzgebietes. Es wird daher notwendig sein, eine Truppe zum Schutz der Grenze dort stationieren zu lagen. Wir hosten gleichwohl, datz noch vor Ablauf des Etats die Truppe um b00 Mann vermindert werden könne, sodah sie sodann 7600 Mann beträgt. Allerdings kommen dann zu den Unterhaltungskosten noch die bedeutenden Rücktransportkosten. Wir haben daher die erforderliche Summe in der Form einer Pauschalsumme von 2U Millionen wieder eingefordert, ohne datz wir zu einer Speziali­sierung imstande waren. Ter Etat ist Ihnen m derselben Form vorgelcgt, wie m der letzten Session. Das bedeutet aber noch nicht, datz die Regierung mich alle seine Forderungen aufrecht zu erhalten beabsichtigt. Es geschah nur au5 dem Grunde, weil bl« sehr ober vielmehr bis vor kurzem, nichts gefunden wurde, was an -essen Stelle gesetzt werden könnte. Es besteht aber die,Absicht, eine Ergänzung zum Etat einzubringen, welcher den veränderten Verhältnissen Rechnung trägt und zwar so, daß seine Beratung und Erledigung noch zusammen mit der des gesamten Etats statt­finden kann. Der Aufstand ist beendet; der Kriegszustand wird mit dem 31. März aufgehört haben. (Beifall.) WaS die Ver- minderiing der Truppen anlangt, so wird ein erheblicher Rück­transport innerhalb der ersten sechs Monate des Jahres 190« stattfinden. Wie groß er sein wird, kann ich Ihnen heute noch nicht

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0Cma®cftatkn Sie mir, datz ick jetzt einmal, waS ich bisher noch nie getan, auf doS Hinweise, was ich dort unten m Afrika selbst erlebt und mitempfunben habe. ___

SBcr tote ich in KectmanShoop unter ben borhgen De.halt. niilen geftanben hat. wer bie autzerorbentlich schwierigen Verhält­nisses unter benen die Mannschaften und besonders die Pferde zu leiden hatten, gesehen hat, der war nicht zweifelhaft, datz auch m militärischer Beziehung der Friede durchaus war, um unsere Leuten dort unten eine Erholungspause zu gon en. Auch ar- wer, die ick do., tm Lande gesprochen have, hatten nur den einen kurzen Wunsch: Endlich einmal Friede, erinnere mich emeS Ausspruches eines Farmers, der durchaus nicht Scueigt war, für -ichtta zu halten, was von hoher Stelle kam, datz er Nicht ge­glaubt hätte, datz die Viehentziehung, die ^crst ^ciniling vorg nommen hat, zum Ziele fuhren wurde, datz die Gegner durch ihre Hilfsmittel *en kleinen Guerillakrieg fort,etzcn konnten. Dtt Redner verliest einige Aeutzerungen, die ihm gegenübervon .5 mern in Südwestafrika gemacht worden sind. Alle sprachen den Siunfdi aus. nwgliü fdincO in tti-di.chen 8u,t°nden zu leben um nur arbeiten zu können. Darum empfinde ich es dirett als em Bedürfnis, namens meiner politischen Freunde ^cr wieder und wieder dem Danl Ausdruck zu geben, datz es eben gelungen 1^ noch zur reckten Zeit Frieden zu fdjhcfeen. sich dw Hotten- totten nun verhalten werden, müssen mir abwarten.Jch glaube aber, a es cm (Sejcb-.d unteres -u-g-zeichn-t^ G°u°--ueu-- w°hl gelingen wird diejenigen kleinLN Mangel, die mit in den Ka I ?u nehmen der Oberst Deimling verpflichtet war, auszugleich^n. Ta der Staatssekretär einen Nachtragsetat über die ^"^erslutzung der Farmer in Aussicht gestellt hat, will ich nur kurz auslprecken, auch wir dies U^efstutzuug sür eine unb-d>ngi- R-w--nd^

welche mit dem notwendigen Kapital auSgestattet find und sich dort ansiedeln wollen. Dieser Bewegung müssen wir zunächst einen gewißen Einhalt gebieten, weil die Vermestung m der Kolonie noch nicht genügend fortgeschritten ist, doch werden die VermetzungS- arbeiten beschleunigt. Mit den sich meldenden P^sonen werbcn Vorverträge abgeschlosien. Eben,o ,ind zur Hebung der M.ueral. schätze des Sckutzgebieies verfchiedene Erpeb.tlonen ,m Gange, von der Südwestafrika-Kompagnie, von der Baul-Ge>eN'chatt m sranb futt a 2JZ Es wird von den Ge,ell,ckaften beao,lchtigt, ein Ob- servatorium zu bauen, unb es ist bie Hoffnung vorhanden batz eine der allerersten deutschen ElektrizitatSfirmen die erforderlichen Ar- beiten ausführt. Daneben hat sich das Shstem der W a s 1 e r - s u ch u n g . m S ch u tz g e b »e r sehr bewahrt An ver.ch,ebenen stellen sind starke Quellen entdeckt worden. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, von welch ausschlaggebender Bedeutung das für bie ganze Entwicklung der Kolonie ist.

Der wichtigste Gegenstand aber, der uns beschädigen wird, ist nunmehr die Bahn von Kubub nach Keetmans'00p. Sie ist auSreich-nd begründet in der D«nk,chrift und zwar wesentttch auf Grund wirtschaftlicher Erwägungen. Es ist, trotzdem ja die Zeit für den Bau inzwischen weitergerückt ist, eine Aendernng in den oiffem ber Vorlage nickt vorgenommen, weil ja die eummen der Natur der Sacke nach übertragbar sind. Denn bie|e Bahn nach ben Wünschen ber Bubget-Kommission gebaut wird, auf Grund eines TarlehnS-Gesetzes, so entspricht das durchaus denjenigen Absichten, die die verbündeten Regierungen geäußert haben. Es soll also anstelle eines Zuschußes des Reiches ein Tarleben gegeben werden Ick möchte mich aber dagegen verwahren, daß dre Fest- sctzung eines Termins für die Rückzahlung auf daS Jahr 1811 irgend eine Gewähr dafür bieten soll, daß in dieser Zeit das Schutz­gebiet auch in der Lage ist, den Betrag zu decken; im Jntercue einer klareren Nebcrsicht und Buchführung ist ein Zeitpunkt ein­gestellt Ich glaube, daß das erwachende Jntereße für Südwest- afrika dazu führen wird, daß eine große Anzahl guter deuticker Bürger dort ein ausreichendes Auskommen finden wird. Ich glaube, datz auch daS Teutsclie Reich für die erheblichen Opfer, die bisher gebracht worden sind, auf seine Rechnung kommen wird, wenigstens bis zu einem gewißen Grade. Ich glaube, daß wir an dem Schutzgebiet Freude haben werden. Ich empfehle Ihnen die Vorlage zur unveränderten Annahme. (Beifall.)

Abg. Nognlla von Dicberstein (kons.)t

Der Kolonialdirektor hat uns ja schr erfreuliche MltteiliM- gen gemacht. Besonders erfreulich ist es, daß jetzt Daßer gefunden ist. Dies wird von sehr großer Bedeutung sein, da das Kubik­meter Daßer 40 Mk. kostete. Meine politischen Freunde werden den Vorlagen zustimmen, auch dem Tarlehensvertrag, da bteicr nur einen Beschluß der früheren Budget-Kommission entsprach. Dankenswert anzuerkennen ist es, daß der Kolonialdirektor der Resolution des Reichstages entgegengekommen ist und ohne -sd)avt» gung des Reichs den Vertrag mit Tippelskirch gelöst hat Auch bezüglich der Rücksendung der Truppen hat der Kolonialdirektor den Wünschen des Reichstags nachgegeoen, doch möchte ich warnen, in dieser Beziehung einen zu starken Druck auf den Höchstem, mankierenden auszuüben, wir könnten es sonst bereuen. Tie Lore des Deutschen Reiches verlangt es, daß wir Südwestafrika halten, nachdem es so viele Opfer gekostet hat. Deshalb müßen wir außer der Polizeitruppe auch noch vorläufig eine starke Sckutztruvve halten, damit ben Eingeborenen jede Lust vergeht, wieder einen Aufstand zu wagen. Erfreulich ist eS, daß eine Beihilfe den ge- schädigten Ansiedlern gezahlt werden soll. Ich meine aber, der Reichstag kann sich auch der Pflicht nicht entziehen, den Hinter­bliebenen der gefallenen Ansiedler eine Pension zu zahlen, eS wird sich hier nur um eine geringe Summe handeln. Daß sich jetzt schon so viele Leute gemeldet haben, die sich dort ansiedeln wollen, be- weist doch, daß das Land nicht so wertlos sein kann. . Ter Kolo­nialdirektor sprach auch von einer Beteiligung des .Kavitals. Ties ist erfreulich, zwingt uns aber, auch eine starke Schutztruppe zu halten, sonst wird sich das Kapital wieder zurückziehen. Was nun den Bau der Bahn nach Keetmanshoop angeht, so gibt es wohl keinen Menschen im Deutschen Reiche, der die Notwendigkeit dieses Bahnbaues leugnen würde. Dir wünschen, daß die Dahn so schnell als möglich gebaut wird. Auch wir sprechen unseren tapferen Truppen unseren Tank auS. Viele kommen krank oder verstüm­melt wieder. Es ist eine Ehrenpflicht des Reiches, für diese Leute nicht nur auskommend, sondern glänzend zu sorgen. Meine

ki eCtoörc eine -mglM-rlich- ^czs.chticl-ij wie nach

den ungeheuren Ausgal>en, die wir für unsere Schutzgebiete auf gewandt haben, nun nickt auch den Farmern für Weitere 1 Wicklung der Kolonie die erforderliche Hilfe augede'^n laßen. lScbr tvabrl) Ich will durchaus nicht behaupten, baf} id? oc»» halb, weil ich in den Schutzgebieten war, alles durd>aus richlig beurteilen kann. Aber bas glaube ich doch alsunztoeifelhaft hin stellen zu sollen, datz das Land vom Süden bis über Windhuk hlnauS ganz neu bearbeitet werden mutz. Diese offene Wahrheit mutz hier «ussprechen, damit mir nach keiner Richtungschonfarberei vor­geworfen werden kann. Die Verwaltung der Schutzgebiete wird letzt vor sehr vielen neuen Ausgaben flehen. Man darf nach dieser Richtung hin wohl vor Uebersturzung warnen. Wir haben in unseren Kolonien unaefahr 200 000 Q.-Km. ^\°"lQnöe^e f und dies ist das einzige Aequ-valent rur uniere ungeheueren Opfer. Um diese Opfer wieder einigermahen einzubrmgen. mutzte man auf diese Kronländer natürlich nach einer grotzen Karen^eit eme Rente legen. Die etwaigen M l n e r a l i e n j ch a tz e des £xmbe8 laßen sich nicht eher heben, als es gelungen ist, das Land w'r^ schaftlick zu entwickeln. Das nutzt es einem wenn er für 20 Mart Gold gräbt und 21 Mark für Bücksen. unb Konfervenfleisch habet ausgeben muh! Auch nach dieser Richtung mutz vor Uebersturzung gewarnt werden. Ich habe ebenso wie der konseroattve Redner die Ueberzeugung, datz, wenn wir die Bahn nach KeermanShoop ve- reits gehabt hätten, uns dann ber Aufstanb erspart geblieben wäre. Tie heutige Erklärung des Zentrums begrutzen wir banX- bar. ebenso bie kleine 92uancierung, bie durch den Zentrumsanrraa in die Vorlage hineingebracht worden ist. Wir könnten überhaupt mit einer viel geringeren Truppenzahl rechnen, wenn das ganze Gebiet vom Norden bis zum Süden eine Eisenbahn, wenn auch provisorischer Natur, erhält. Man brauchte nickt gleich heute mit dieser Bahn zu beginnen, kann eoentl. die überflüssig gewordenen Gleise der übrigen Bahnen hierzu verwenden. Wegen die,es

Bahnbauprojektes hat man uns uferlose Kolonialpo.itlk vorge« warfen. Tas gerade Gegenteil ist der Fall. Wir wunfchen der Kolonialpolitik dadurch eine Begrenzung zu geben, datz wir Die­jenige Gegend, die wir in wirklichen Schutz nehmen wollen, in htejc

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Bahn einsck)achteln.

Auf eine Prüfung der einzelnen Posten will ich heute map eingehen. Wir haben ja jetzt nur einen Nachtragsetat vor. Ich mache aber den Vorbehalt, datz wir beim ordentlichen Etat die,s Kostenfrage prüfen werden. Unsere Bereilwilligkeii, für Die not# wendigen Bedürfnisse der Kolonien einzutreten, steht autzer Zweifel, sie darf aber nicht dazu führen, die rzrage der Er,parnis außer acht zu laßen. Wir werden daS in der Kommi,,ion tun. (Abg. Kopsch ruft: Kommt ja gar nicht dahin!) Die Vorlage kommt allerdings noch in die Kommißion. ,

Ich wende mich nun zu den Gedanken, die über bic_ g-tage beS Krebits uiü) speziell des Bahnbaus geäußert worden lrnd. -iuch ich begrüße den Standpunkt der Vorlage als zweckmäßig. Ich bin auch der Meinung, prinzipielle, weittragende SluSgaben für bte Kolonien auf dem Wege des Kredits zu decken. Das Mut erlaub muß ber Gläubiger ber Kolonien werden, und das nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus politischen Gründen. Das giw insbesondere für Südwettafrika. EL ist nicht allgemein bekannt, datz in Südwestafrika das Burenelemeni eine große Rolle ipieit. Die Schul- und Erziehungsfrage, zu deren ^fung dw Mittel ja auch besonders in Betracht kommen, hangt mit der Burenfrage aufs innigste zusammen. Dieser Gesichtspunri ist bis letzt noch. ni# genügend in den Vordergrund geschoben worden. Das Buren­element ist durch den früheren General v., ytotf)a1 rKftntkti1 ge stärkt worden. Sein militärisches Bedürfnis nach zuverlaingen Führern war stärker als die Fürsorge für das ^eutimtum m der Kolonie. Tie Burenführer haben dadurch an Einfluß und Zahl gewonnen. Die Förderung dieses Elements ist unter dem Nach- folger des Generals von Trotha, dem Oberst Dahme,, zum -Still­stand gekommen, und Oberst von Deimling har das beutle Element mehr geförberi. Augenblicklich liegt keine Veranlaßung vor, zu klagen aber diese Frage will beadjiei werden. Denn ogne Zweifel bekommen auch ton in Südwestafrika eine Afrikanderbewegung. Jc mehr das Burenelement geneigt ist, ganz Südafrika als Buren- besihtum anzusehen, um so mehr mutz das Deutsche Reich dort zur Ausredjterhaliung des Deutschtums bie ihm mögliche Kraft ent­falten. Ist es dock selbst den national starken Engländern nicht gelungen, der Afrikanderbewegung Einhalt zu gebieten. Das die Engländer nicht fertig bekamen, wird auch uns Teurscken nicht l"icht werden. Und daher möchte ich die Kolonialverwaltung dringend ersucht haben, auch dieser Seite der Sache ihre Aufmerksamkeit zu- zuwenden. (Lebhafter Beifall bei ben Natlonalliberalen.)

2lbg. Lattmann (Wirtsch. 23gg.):

Wir wollen in Sübafrila keine Solbcuenkolonie, sondern eine wirtschaftliche Kolonie. Deshalb werden wir auch die StachtragS-

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General-Anzerger für GderheMn