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7.2.1907 Zweites Blatt
 
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Donnerstag 7. Februar 1007

157. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 32

Erscheint tögllch mit Ausnahme deS Sonntag«.

Dierletzcner ZamlliendlStter" werden dem Aiijeiqer^ viermal wöchentlich beigelegl, da« ^Krtlsblati für d«o Krtli Sieben" poemial wöchentlich. Terheffllch« Landwirt" erfcheurt monatlich eunnat.

Siolaiionldrnck und Verlag der Drüdl'lchen Universität- - Buch- und L'eindruckcrei. R. Lange, Lieben.

politische Lagerschatt.

Tle Soji-ldemokratte nach der Wahl.

Die vomVorwärts" gewählte Be-cUmungSchlapp e"

Uliätldcruitg des Unfallvcrsichcrungsgcsctzct» für t'anb« uub froihwirtidjait.

Die 61. Qk-ncialDcrfammlung befl ,ü|ipvcu.üif^fn land* wirtschaftlichen Zcntralvercins^ hat fcinvijcit eine Slommtfuon ; ur Beratung ubcc die 'jlbänbetung des Unfallversicherung«* ßcjeQcfl gewählt: Entsprechend den von die «ec liommihton mzw-schen gc ja ulen Beschlüssen hat nun der Reichskanzler

sich nut dreier Mchrhett rovcücc aus einen uröglrchst guten puß zu stellen. Cb das Zentrum daraus erngcht, das ist hcuid) eine andere frragc, doch wird um dcs lieben Friedens wüten das ikrregsbcrl rorausjtchtlich bald begraben werden. (Bgl.Potttischi Tagesschau".)

Tre Kouservativen kehren verstärkt in den Reistag zurück, ebenso das Zentrum, das in ieüum Innern ja auch tonscrvativen Gebanrcu nidxt fern steht. Dre Liberalen haben sreiiich auch einen Zmvae») erfahre»; der aber bildet namentlich angesichts der sehr gZchwäck-ien Sozialdemokratie, die doch iuiücilcu auch von den Liberalen nicht entoehrt werden kann bei entschiedenem ZronUnachen gegen rcal.'.onäre Regierungsvor­lagen, keine wirisame uiw itarke Cpposirion. Die 5 a> u l b daran tragen in erster Linie die S o z i a l d e m o k r a t e u, die vielfach das Zentrum, hier und da aber sogar die konservativen Agrarier unterstützten und die Lwormen zu fr alle brachten; io namentlich auch in Bayern und Württemberg. Diese unglaub« lich bornierte sozialdemokratischie Wahltchtik muß und wird sich bitter rächen.

wird nach den Verlusten der Stichwahl nun doch wohl in das Lßort Niederlage verwandelt roeth-n müssen. Eklatante Niederlage, wenn die Partei Bebel gaiu offen gegen sich selbst sein will. Vor dem ö. Februar mochte in ihr ein gewisser rhilvsovh.schcr Humor, der allerdings eine verzweifelte Aehnlick/- leit mit dem Galgenhumor hatte, allenfalls noch am Plaß sein, al» ein Mittel, den gcsunleneu Mut zu beleben. Nunmehr aber wird die sozraldemotratuclZe Parteileitung mit bitterem Ernp sich klar darüber werden müssen, daß ein großes Kapital von Vertrauen, von Hoffnungen auf die Zukunft, von troßigem Siegesbewusttsein endgültig verloren gegangen ist. Nicht die Arbeiterbewegung ist bei den Wahlen aufs Haupt geschlagen worden das anzmiehneen, wärt cui großer und verhängnisvoller Irrtum. Einen Schlag von elementarer Kraft erhielt fricsieg, gekrönte revolutionäre Laltik", erhielt ein Ürajtmeierluin, das mit Deklamation, mit breitspurigen Reden, mit Herausforderung und Verachtung dc» Bürgers die Welt aus den Angeln zu heben sich vermaß. Die Sozialdemokratie hatte zuoiele Wechsel akzep. tiert, zuviel ihren Anhängern verheißen, alS daß die Einlösung auch nur eines Teils der Zahlungsverfprechungcn überhaupt mög­lich gewesen wäre. Nichts verträgt der Mensch sch-oerer, als die Enttauscl/ul:g. Wunderturen er>taunlichcr Art wurden im Jahre 1U03 von der zweUstürksten Partei des Reichstags in Aufsicht gefüllt, mit einer verblüffenden Bestimmtheit angekündigt und schließlich vollzieht sich die überraschendste Wunderkur an dem üeilfunitlcr selbst. TieM i t l ä u j e r" -a u s dem Bürger- tum hat die Sozialdemolratie verloren; das sind in sehr großer Zahl dreZntelleltuellen", die geistig Regiamen, deren Beistand der Soviatdemolratie so viel nußte, weil er das Bürgertum in das Lager htneinzog. Grade die Intellek­tuellen aber erfuhren die fchlechteste Behandlung von derschwieligen franst". Es wurde ihnen wieder und wieder bedeutet, baß sie nur die Geduldeten seien. Ihre jrritil war Anmaßung, ihre Behauptung, daß es in der Sozialdemokratie vieles grund.ichst zu befican gäbe, erschien wie ein Lohn auf die Parteidisziplin. Darauf gebührte nur die eine Antwort:W e r n i ch l p a r i e r t, d e r s l i e g t h i n a u S!" Tas ist so oft wnd so nachdrücklich gesagt worden, daß es fast zum sozialdemokratischen Geleitspruch fürs Leben wurde.

Ter im ersten Berliner Wahlkreise nia-t gewährte Sozial- dcmokrat Tr. Leo AronS hat am Abend der Sticl/wahl vor seiner Wählerschaft das ossene Wort ausgesprochen:Seit wir eine Dreiinttlioneiipartei wuedett, sind w.r vom Geisteshoch, m u t befallen, der unS an der ridjtigen Signalton gehindert hat. 23ir prunkten mit der Stärke unserer Partei und verstanden cs dabei nicht, Leute anderer Denlungsart zu und herüberzuziehen. Gewerksck/aslslollegen gegenüber, die nicht organisiert waren,

Redaktion, Ervebitioir uub Druckerei: Cdnil- ftraüe 7. Ezvediliou und Verlag: Rcdakiwme^S113.Tet.-AbruAnzemerGieven.

spielten wir uns als die Lugen, unuo .i.innO-tuA . -ci jialbcmo» traten aus und stteßrn sie ab, anstatt sie zu gewinnen.

Mehrheit um jeden Preis zu erringen.

Diese listige Rechnung stimmte bis au(3 fr. Und man durchs fdjaut das schlaue Diploinatenslücklein heute wohl auch in ben Streifen, die anfangs ganz voller Optimismus waren, alcr beulid)t Reichskanzler ist keineswegs liberal, wenn er sich auch manchmal so gebärdet, fonbern er gehört seiner politischen Ueber- teugung nach zu den Leuten nm Staroorif. Daß er diesmal gcsa«lt zum Besten einer kleinen, aber vorlauten und vorleuclstenden Minorität frcudaler operiert hat, um diesen noch gröbere Macht zu sichern, ist nidjt zu leugnen. Der nationale Gedanke wurde nfit großer Gewandtheit in den Vordergrund gerückt und die flibenuen durch den angeblichen Bernick-tungskampf gegen das Zentrum geschickt mobiliiiert xaß ti der Regierung in Wirklichkeit um einen solchen Mampf nicht zu tun war, das hat sie schon srüh gezeigt, ilisbewndere dadurch, daß sie im Kampf gegen die Sozialdemokratie, die jeßt daS Bao austrinken muß, schließlich auch das Zentrum auf den Plan rief. Wäre die ZentrumSpartei unterlegen^ so Hütte die Regierung wahrscheinlich nid.td dagegen gehabt, vorausgesetzt, daß die Rechte babci gut abgesclmitten hülle. Aber da nun daS Zentrum noch stärker als bisher in den neuen Reichstag entzieht, sucht man

Jie neue Neichstagsm-Yhsit.

TaS 2. Novembcrheft der fortschrilllichen Frankfurter Halbn'onalsschr.sl ,DaS freie Warf biad)le einen Lei!, ouiiaß unter bet Aufschrift: »Byzantinismus und per- iönlicheS Regiments

Dieser Aufsatz gab in seiner Einleitung eine Anzahl von Stimmen konservativer und r cd) 16 na 11 o n a ll ib. Diälter, wie der ,Kreuz-Ztg.*, der »Hamb. s)locßr.*, bei Rhem.-Weitf. Zlg." ic. rc. wieder, die inSgejanit, lange bevor jeinanb eine Ahnung halte von dem Plan- BüloivS, den allen Reichstag aufznlösen, ihre .Hoffnung' setzten auf einen scharf oppositionellen Ausfall bei nächsten RelchStagSwa hlen, bic.....endlich zu

einem Bruche nut bau System ber persönlichen Herrschaft uub der bequemen Beamten, zlir Nücklehr zur Tatkraft und Grunbsätzen in unserer Politik führen könnten* (Hamb. Nachr.). DaSfreie Brorf begründete bann seinerseits aus- Ehrlich diese allgemeine Mißstimmung, bic .latente Spann- unfl zwischen bau immer wieder »neuen Kurse* bei ReichSregierung und bau Volke und kam zu dem ^Et- gebnisse, baß Deutschland schwer kranke an perfünlichiin Ncgi- mente, an byzantinischer Eyarakteriäule, und ernite Gefahr laufe; daS Volk müsse sich,daher bei Zetten rüsten ,zmu stampfe gegen daS peisönliche Siegiinent'.

Die aiissaltenb große Zahl dieser Volksweckrtise selbst aus den Kreisen der äußerlten Rechten, vorn HochfeudalismuL bi» int äußersten Linken, mußten auch bic stutzig machen, die es in erster Linie anging. Und e3 vergingen kaum 4 Blochen, da war ein EntsÄli-ß gesoßt, der bau gesamten Schwarziehertuni nut einem Mate den Mund stopfen sollte. Lian schloß ganz ttniach mit kühnem Llrach daS ReichSparlauient und schickte die Reichsboten Heun, um in hohen Tönen daS Lied von bei nicht zu kompromittierenden nationalen Ehre anziislimmen. Und stehe da, der schlaue Schachzug gelang. Tie alten Freunde von Rechts wollte man unter allen Umständen wieder für sich gewinnen, diese uralte prerißifche Wlonarchenstütze sollte und durste dem deuischen Koiferthcone unter keinen Umllänben verlustig geben. Uub so geschah benn die RelchrtagSalislösung zur Erzivlngung einer nach recht» neigenden Wlehrhcit unge- säumt, einmal um bic Nörgler kurzerhand aus andere Ge- danken zu bringen, dann aber auch, um durch eine Wahl in ben Winlcrmona 1 en der länblichcn Bevölke­rung, die zu anderen Zeiten auf dem Fetdc von jedem anderen Geschäft ferngehallen wirb, die Wahtarbeit so bequem als möglich zu machen uub eine agrar-konservative

von dem kuriosen Collegium von Einfaltspinseln, ertrotzt für sich beS Alten Stellung als LandSknechtSgenerol, und im leßten, stark abfaUenbcn Alle Hal der souberbare stauz oben- bcem noch baS boch immerhin ctivaS entivertete LiebeSerbe deS Allen angetreten.

Ter Slaijer fall gesagt haben, der 2. Akt dieses bunten Schaustückes erinnere ihn an Shakespeare. Mir scheint selbst Wilbenbruch ein weit größerer Dramatiker als Herzog zu sein. Bo gesunb Herzogs Romane si,rd, so herzleidenb dünkt mich bleseS Drama. Es trankt nicht nur baran, baß es zwei Helden hat, sondern auch daran, baß baS rem Stoffliche dominiert, daß bic einzelnen Akte nur eme nicht eng mit ananber komponierte Rahe äußerer Geschehnisse bilden, denen gegenüber das psychologifchc Rtoment ganz m ben Hiuter- grunb tritt. Gteichzeitig mit ber Außerachtlaffung der b ich- lerischen Miffion feetijcher Vertiefung trat auch eine seelische Versehiefung feinet Gestalten em, freilich ließ sich so bie t b e a t r a* tische Ausgabe, bic Schaffung von Effekten, um so besser erfüllen. Doch bie padenben Vorgänge lassen und innerlich falt. So kühn auch bie Konzeption und so großzügig b.e Komposition einzelner Szenen scheint, so breit unb ermübenb sind, gleich Eingangs, anbere Szenen. Ein wie phrafenreicher Waberhelb ist im Grunbe biefer recht unsympathische, wenn nicht gleichgiltigc venezianische Skationalgötze, wie aller Ver- nunft bar ist daS Erscheinen nachtjchleicheuber arisiokratischer Metzen. Wer bie Herren Colleone, Vater oder Sohn, von answäitS besucht, gleichgültig ob Mann oder Weid, wird hmgerlchtet. Wunderbar bleibt nur, baß sich diese doch immer* qm etwas unbehagliche Art von Gaslfreliudschast bie Nicht- Benezianer nicht längit a-l notam flcnommen haben.

Auf dem Wege zu der Renaiffancc einer Dramatik größeren StileS bebeuten jebensalls Herzogs .Londolli.. nur eme Etappe. Unb wenn auch manchmal LefftngS epi* grammatisch stählerne Prosa uns von der Bühne her :u grüßen scheint, so ärgern unS daneben schlecht a>>ig^putzte 2lUiog»rcöcn6arten loivie die ungeichickte 6m|iceuung fun t* hlstort cherTrivialn i. Das Ersrenlichsie am ganzen Scania i;i des Autors ernstes Streben. Und jo gebührt

folgende AbänberungSvoischlägc gemacht:

,DaS Gesetz übet die lliuüllunlidjcniiig der land- und forft- ivirtschaiilichen Arbeiter hat viel ach zu groben ynvun gemhii unb Am zu beicd)iigien lUngcn gegeben ; ui dauer cme Blenderung des ipcietzes nach lolgenöcn Uihuimigcii anzultteben: L 4. ic Zu* amm"u atzung aller Aibeuerversicherni.gsgcieye am ein unb bei* leiben Grundlage mit der glcidicn Xleteiligung Dev Reiches, bet Aideimehmer und der Arbcngel'cr ül geiegliaj eiioiocilid), da durch die geircnnien Beiwaliungen erhebliche lilebv!ollen veruiiachi iuer« den unb die Auiormgimg der Hollen der UuiaUucriitbeuuig allein durch bie Arbeitgeber eine nicht zu begründende paue bauiellu 1L collie die ud 1 gcioibcvie Umarbeitung lich nicht in der nadmen 3eit beioirten taffen, io tu, da bie Veriiweriuig niemals zu einem Gewinn iühren soll, eine Aenderung des Geirn cs über die Uiuall* verlier,erung m lolgenden Pnntten zu vciauluiien: 1. Eine Rente i|l erst dann zu bewilligen, lucmt der Berletzie durch den U i all um mehr als 33'/, Proz. feiner üimevbsfäljiflfcii geimadigi ul Jem Berletzien lit au'zugeben, nach Ablaui der Llarcnzzeu ohne ivciieve Aufiorderung cm äiziliches Aiteil iibec lerne Ardens» nn ähigtcn beiAubungcn. Tui er dieses nuDi, jo muß angenommen werden, bau er voliuanbig iuiebeii)cigc|icilt ist. -r ie im allieiue lull kner an Arbeiiee nur beiuilligi werden, wenn der Beichädigis erioiefcneriuauen mmbeiiens 33'/, Pioz. weniger Lohn beziehi alS nnbeichadigie Arbenee deiietben Motegone, beziv. wenn Oer Be* uljabigic als |eib|idnöigei Betriebsleiter so behindert stt, daß er m feinem liviucrb ebcmalls um 33'/, "Proz. geschädigt ist. d.ie be­willigte Untiulreuie ndjt, solange bie Eiweibsveihalimsie oes 'Lev- irgien sich um iventgrr ois 3d 1, Broz. ucrmißeu Huben. 3. Lu ich beioudcir HonuoUoeuuue ber Hieisoeiivalinng (ee(noiiSuoiflä,:t'e) ui zu puren: Tie Angemeslenheil der zu ge,Ui.hlenden Rente, lemer uaci) bcivilligier Renie die etwaige x>eruuOeumg in der Be- ciniiächltgnng der Euverbsiähigleit und in den ^omibcjügen bei Pt,menemp'angers. 4. emuilanon ist lua'rechilich zu veuolgen. ö. ler 6 4 des h-eietzeS vom 3U. Juni 19uO eueniueU oer § tiU de« ßivvmziaistaluts in dahin zu ändern, baß nur oiejemgeu Betrieb«. Unternehmer der Bersicheiungspftichi umeiliegen, bie einen über UUU Aik. nicht Ijmausgeljenbin ZahreSarbeitvveidienlt Haven. Be- iriebSuiucuicbmeni mit mehr als WU Alk. Zabresaibeiisvcrbicnst dl die Seibiiveisicheruna nderlalien. i3»r bie Betriebennlernehmer unb Ocreii Eheiiauen luitb eme bejoubere Berlicherimgslialie ge» bilbei. 6. L'euien, bie sich nachweislich durch Trunkenhcil eine Ber» leiiung zngezogcii haben, luuo bie Reine um bU Proz. gekürzt. ?. Uii» läue von Hindern mucr 14 Zähren geben das Anrecht auf eme UniaU- teilte erst dann, wenn nach Errcichung des 14. vebeiisiaijrco »och eine verringerte Erwerbsiahigteii uoujanbcn i|L (cinngemdbs Ailiveuduug des § ö des Uiualivrrsicheruiigsgesetzes.) 8. Die Honen für die Brüstung hat der Beiietzie zur ^asttc zu tragen, falls es mit feinem Aiilprnch abgcimejen wird."

Lcc Reichskanzler m ferner gebeten worben, zu veran* laffin, baß eventuelle Aenderungen beS UnfallvecsicheruiigS* gcietzcS für Lanb* unb Jorsiwlrl,chaft auch auf bie übrigen Arbeiterlategorien sinngemäß angewenbet werben.

^tejrcner Hyratrivcrelll. Die Condottieri.

Schauspiel in 4 Allen von Rudolf Herzog.

(Duchane-gabe: bei I. G. Cotta in Stuttgart, 2. Aufl.)

Renaiffancc! DaS ist bie Sehnsucht ber Empfindsamen unserer Lage. Man ersehnt eine Renaiffancc ja ivovou nicht? Eine Renaiffancc des ersten deutschen Reichstage« freilich ward unS soeben beschert. Ungestillt ist noch die Sehnsucht vieler Alißvergnügter nach der Renaissance der starken, ziel- bewußten Ztegierung beS jungen bculschcn Reiches, nach bei Rcnaiffance deS alten Christenglaubens und der altelte» Christenlehre (selbst im Katholizismus beginnt man nach ,religiöser Erneuerung* zu streben, unb eine ernste, auch ffli Protestanten höchst anregende reforrnkathol. RloiiatSschrifi in München trägt den Titel /Renaissance^); ungestillt tfl bic Sehnsucht nach der Rcnaiffance dcs _ alten kräftigen und gesunden, selbstsichcrcn deutschen Mittelstandes, die Schnsuchl nach dec Renaiffancc der Presse, wie fte die Einbildung ahnungslos Unvertrauter sich malt.

Und man sehnt sich in unterer Zeit, in der sich Ricscn- Hände voll sozialer Forderungen Felsitucken gleich auf unsere Erde hcrabsenken, nicht allein nach gründlicher sozialer Reiialssance, sondern auch nach einem Wiederaufleben der Künste und Wiffenschaften, wie zu Zeilen des Ausganges dcS DlittelalterS. Unter unS Söhnen einer kleineren Zeit glüht eine heiße Sehnsucht nach der Kraft und Schönheit und fclbslbcivußlen Größe, die die Rcnaiffancc-Rlenschcn besaßen. TeS franzöi. Grafen (SobincauRcnaiffance'-Szenen, von benen bei Gießener Dürcrbund einen Teil bemnädjii zurAuffuhriing zu bringen gedenkt, boten zuerst eine impo ante Galerie groß geschailtcr Fresken unb Gemälde jener Zeit dtietzichc'ichct Uebennenschltchkeit. Dichter und Dichterlinge, von Rtaeierlinck unb Schnitzler, von Paul Ernst und Thomas liann bis auf Fulda unb selbst bis auf Blumenthal unb Schönihan folgten ihm auf seinem Wege, jeder ui seiner Art.

Bor Jahresfrist gesellte sich zu diesen der einstige Ham- burger, spätere Berliner Redakteur Rudolf Herzog, ein aus

s.aor uin K-ano.

Sprechstunden der Redaltioii 11-1 Ui;c vorm., i .7i/28 Uhr abdS.

Gießen, den 7. Februar 1907.

** Degen ber kommende K Fa stnacht-tagc sei ba> tauf hüigciuicfen, baß das Großh. Polizemmt auch in d.eieur Jahr wieder au die Einsicht des Pubntums sich öcnbet, um licldfligungen zu vermeiden, (^iehe auitL Bekanntmachung,.

* Po st-Personalnachrichten, öcr.c^t ilt Poiiaiititcnt Lehr von Vnbcl naai Eöur. fruuoultg ausgeschrcden rst Pv|t- gehllse Lohr in Herbstein.

* Erledigt ist die mit einem eoang. Lehrer zu befetzenüe Lehre rst eile an oer Gemeindeschule zu Stumpertcnrob. Mit der Stelle ist Organistenbieiist vervuiwe.i.

bem poeienceichen Wuppertale gebürtiger Lichter, der mit seinen zumeist inHeber Land unb Meer* unb dann bei Cotta in Buchausgaben heransgekommenen guten unb erquicklichen Romanen aus bem modernen Leben burch seine starke He-rzenö- wärme, seinen glücklichen Humor unb vornehmlich ferne quell- frische Lebensfreude zahlreiche frccmibc sich erworben hat.

Jeber kunstfrohc Venebig-Pilger kennt daS klassische, in seiner stolzen Einfachheit groß wirkende Denkmal, daS zu Beginn des letzten Viertels deS 15. Jahrhunderts der frlorenliner Wiener Verrocchio von bem .Conbottiece' Colleone, einem ber skcupelloseilen unb trotzigsten, wie erfolg- reichsten und mächtigsten Armee-Jmprejarti deS Writtel- alterS, schuf.

Herzog erzählt unter Vorführung bunt wechselnder Bilder mit großem romanhaft pathetischen Wanbprimk eine Anel- bote von diesem Denkmal und macht unS zugleich klar, bau damals in Venedig eine Denkmale. Errichtung ungleich schwieriger war als heute etwa in Berlin. Er führt uns den fürchterlichen Coleone alS WlorsturnS vor. Auch der sterbend: Löwe hat eine Sehnsucht, bie Sehnsucht nach ber Tauei seines Ruhmes über ben Tod hinaus. Darum verlangt er von dem hohen Rat der Z.hn, der Signoria, die AufsteUiing seines ReiterdcnkmalS. Aber dieser Senat der königlichen SXaufßcnen der incerebchecrschcnden Stadt trägt auch bei Her­zog, nach Shakespeares Vorbilde, der freilich in feinem .Kauf­mann von Venedigs absichtlich karikierte, zum Unterschiede von Herzog, ber gar ernsthaft babei drcinschaut, die VhhNog- no.me enies Nrähwinkter BürgcraliSschuffes. Undantbarkeii ist bes Bürgers Hanpicharakleristlkon, einst wie heute, meint Her­zog alS guter Menschenkenner. Die ,Kräuter unb .Pfeffersäck. ' Venebigs behandetn Colleones stolze frotberung nut schnöder Mißachtung. Aber sie ho , die Rechnung ohne den Sohn bc» dem Tode Rahen gemacht. Dieser, den mir kurz zuvor noch als schmachtenden, liebegimnben Jüngl.ng sahen, vciwandcll sich plötzlich durch em paar Worte ans u.aueiununb zum jungen wjmen. Ter alte Lowe verstnkt vor i.mi zerbrechend in fern >)iichls. Ter Junge schleppt den Schwppm vor den Rai der Zehn, ivo dcs Alten schwaches Lebenslicht jah erlischt, unbemcrtt

Gietzener Aiyeiger

General-Anzeiger für Gderhefsen