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9.9.1907 Zweites Blatt
 
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LZ»'?. Jahrgang

Nr. 211

Zweites Blatt

Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener Famllicnblätter" werden dem ^Anzeiger* viermal wöchentlich belgelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Derhessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion:^s^ll2. Tel.-AdruAnzeigerGießen.

Montag 9. September 1907

^vtattonSdruck und Verlag der Brühlfchen Unwersitäts - Buch- und Steindruckerei.

öf S R. Lange, Gießen.

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Air Lugc in Marokko.

Paris, 8. Sept. Der Berliner Korrespondent des Petit Parisien" erklärt zu der Mitteilung in der Lage pt sein, daß die Antw ortderdeutsch en Regierung auf die französische Note in der Marokko- Angelegenheit heute übermittelt werden wird und daß sie in sehr freundschaftlichem Töne gehalten ist. Es werden darin nur einige Vorbehalte bezüglich der Sicher­heit der deutschen Ansiedler in Marokko gemacht. Der Temps" vergleicht die Lage der Fremden und Ein­geborenen, die in Casablanca zu Schaden gekommen sind, mit derjenigen, in der sich die im Jahre 1882 während des Bombardements von Alexandria geschädigten Fremden und Eingeborenen befanden. Ec schlägt vor, man möge, wie damals, eine internationale Kommission einsetzen, welche die Frage der Entschädigung regeln soll. DerTemps" erinnert daran, daß alle Mächte, namentlich Deutschland, im Jahre 1882 der Einrichtung einer solchen Kommission zustimmten und daß Frankreich während der Verhandlungen hierüber das größte Entgegenkommen gezeigt habe. DerTemps" drückt die Ueberzeugung aus, daß Deutschland heute seine- Zustimmung geben würde zu einem Dekret ähnlich dem des Kedive vom 13. Januar 1883, dessen drei hauptsächlichsten Punkte folgende waren: 1. Verantwortlichkeit der Behörden am Orte; 2. inter­nationale Abschätzung des erlittenen Schadens; 3. eine einer besonderen Kommission übertragene Rechtsprechung nach Wiederherstellung der Ordnung, gegen die keine Be­rufung eingelegt werden kann. Da der Fall von Casa­blanca, so fügt derTemps" hinzu, von verhältnismäßig viel geringerer Bedeutung sei, werde seine Erledigung um so leichter sein.

Der in Casablanca am 6. September abgeschlossene Waffenstillstand wird am Samstag mittag zu Ende gehen. Die Einstellung der Feindseligkeiten war durch das Ein­greifen Kaiomais, des Häuptlings des Cheuklastammes, veranlaßt worden, der mit dem französischen Geschäfts­träger die Grundzüge eines Einvernehmens festzusetzen wünschte. Der Scheik, der nicht genügenden Einfluß aus die Stämme zu haben schien, um seine Ansichten zur Geltung zu bringen, sollte heute früh eintreffen und wurde noch um 3 Uhr erwartet. Die Araber hatten eine Schiffs- granate gefunden, die nicht krepiert war. Sie bear­beiteten sie so lange mit Hämmern und Steinen, bis sie explodierte, wobei achtzig Personen getötet und zahlreiche Personen verletzt wurden.

Die Abreise des Sultans von Fez ist auf morgen angesetzt. Die Nachrichten aus Casablanca, und die Proklamationen Mulay Hafids werden im Innern des Landes bekannt und führen zu neuen Auf ständen. So haben die Benihassen das Haus des Gouverneurs Gharb geplündert, jedoch wurd-e ihnen die Beute von den Uladsissa nach blutigem Kampfe abgenommen. Am 2. September sand unter den Mauern vonFez ein Kampf von Truppen des Sultans mit Berbern statt. Nach einer anderen Mel­dung waren es jedoch Sultanstruppen, die unter sich ein Gefecht lieferten und von dem Sohne des Kriegsministers zur Ruhe gebracht wurden.

Tanger, 8. Sept. Mohammed Taß, der Bruder des Finanzministers, wurde von Abdel Aziz nach Tanger ge­sandt; er soll die Mächte um militärilche Unter­stützung gegen Mulay Hafid bitten und ist zu den weitgehendsten Zugeständnissen bevollmächtigt. Ein ein* fluhreicher Kaid in der Nähe von Fez bot Mulay Hasid 1000

Reiter an, um den Marsch nach Rabat, Makinez und Fez zu ermöglichen. Abdul Aziz entsandte den Scherif Wasan zu dem Kaid, um ihn umzustimmen.

Tanger, 9. Sept. Der französische Konsul in Casablanca erhielt am Donnerstag einen Brief ohne Unter­schrift, in welchem die Bitte ausgesprochen wurde, daß die Angriffe eingestellt werden möchten und in dem zugleich das Erscheinen von 12 Scheiks zur Anknüpfung von Verhandlungen angekündigt wurde. General Drude teilte dem Ueberbringer des Briefes mit, daß er sich zu nichts verpflichte, bevor die Scheits angekommen seien. Darauf erschien ein Abgesandter, um sich nach den Friedensbedingungen zu erkundigen. Die Antwort lautete: Erscheinen aller Scheiks von Casablanca und Rabat, Aus­lieferung der Mörder und deren öffentliche Erschießung innerhalb 48 Stunden. Zur Erfüllung dieser Bedingung wurde ein Waffenstillstand festgesetzt.

Die Lage in Antwerpen.

Antwerpen, 8. Sept. Der Streik hat wieder an Ausdehnung zugenommen. Verschiedene Schiffsverladerfirmen haben, wie es heißt, die Absicht, sich von der Federation maritime zu trennen und direkt mit den Arbeitern in Verbindung zu treten, denen sie eine Lohn­erhöhung von 50 Centimes täglich geben wollen. Die Streikenden werden durch große Zuschüsse täglich unterstützt. Das Syndikat der Diamantschleifer sandte 25 000 Franken, die Köhler aus dem Hennegau sicherten ihnen 26 000 Kgr. Kohle zu. Ein schwerer Unglücksfall verschärft noch die Situation. Ein Schiffer namens Michels, der zur Be­satzung der Bark Julia gehörte, wurde von einer Schild­wache getötet, als er, ohne auf den Anruf des Postens zu hören, auf den Quai zu gelangen suchte. Die Tat hat die Hafenbevölkerung in wilde Erregung versetzt. Der Soldat ist vorläufig in Haft genommen worden, um sich vor dem Militärgericht zu verantworten.

Der Führer des Ausstandes soll ein 22jähriger Arbeiter namens C h a p e l l e sein, der durch sein glänzendes Rednertalent über tausende von Arbeitern widerstandslos herrscht. Gestern haben verbrecherische Hände wiederum dreimal Brandstiftung versucht; in der Nacht war aber alles ruhig.

Der Hafenbund erläßt eine neue Kundgebung, wor­in die Entwicklung des Streiks dargestellt wird und der Beweis zu erbringen versucht wird, daß der jetzige Au s st and mehr politischen als wirtschaft­lichen Charakter trage. Auch seitens der Dockarbeiter wird die Herausgabe eines neuen Manifests beabsichtigt. Gerüchtweise verlautet, daß im Laufe der letzten Nacht gelegentlich eines Zusammenstoßes im Hafen ein vier­zehnjähriges Kind getötet worden sei, doch steht die Be­stätigung noch aus. Weiter heißt es, daß der Bürgermeister beabsichtige, seine Gewalt an die Militärbehörde abzu­treten, was der Erklärung des Belagerungszustandes gleich­kommen würde.

Wie verlautet, beabsichtigen die Sozialisten trotz des Verbotes des Bürgermeisters große Umzüge durch die Stadt zu veranstalten. Man befürchtet aus diesem Anlaß ernste Zwischenfälle; die notwendigen Maßnahmen sind bereits getroffen. Zur Verstärkung der Garnison ist ein Infanterie-Regiment aus Arlon herangezogen worden.

Deutsche» Ueich.

Kassel, 8. Sept. Nach Beendigung des GaladinerS imhiesi g e n Stadtschlosse fuhr der Kais e r im Automobil,

von den Hochrufen der Menge begleitet, nach Schloß Wilhelmshöhe.

Berlin, 7. Sept. Der Reichstagsabgeordnete Payer ist heute früh in Norderney cingetroffen und hatte eine längere Unterredung mit dem Reichskanzler zusammen mit dem Abgeordneten Schmidt-Elberfeld. Hieraus fand ein gen:einsames Dejeuner statt.

Frankfurt a. M., 8. Sept. Der deutsch-soziale Parteitag ist heute hier eröffnet worden. Außer dec Berichterstattung des Generalsekretärs befaßt sich der Parteitag mit dem Bericht der Abgeordneten über ihre Tätigkeit im Reichstage und Landtage. Anträge stellen und Referate er­statten werden u. a. Freiherr v. Nichthofen, Abg. Böhme, Wilhelm Schack, Friedrich Raab und Amtsgerichtsrat Lütt­mann. Für Dienstag ist eine Fahrt nach Heidelberg vor- gesehen.___________,

Tas Mittelland-AanaLprojekL.

Hannover, 8. Sept. Zinn Zweck dec W i ed er auf­nah me des alten Mittellandkanal-Projektes, das ist die Weiterführung des im Bau begriffenen Teilkanals Rhein-Hannover, konstituierte sich in den letzten Tagen unter Teilnahme hervorragender Interessenten ein Vorkomrtee. Die Gründung eines allgemeinen großen Jnteressentenverbandes soll am 7. November in Münster beziehentlich Hannover er­folgen. Der Verband will diwch intensive Agitation, unausgesetzte Vorstellungen bei den staatlichen Behörden, dem Staats­ministerium und dem preußischen Landtage auf die Wieder­einbringung der seiner Zeit jallengclaffenen Hannover-Elbe­kanalvorlage hinwirken. ___________

Heer urrv Flotte.

Wilhelmshaven, 7. Sept. Die Flotten-Ma- növer sind beendet. Die Flotte ankert zwischen Schillig und Wilhelmshaven. Der Kaiser hielt heute Kritik an Bord derHohenzollern" ab.

Höxter, 8. Sept. Wie zu den Manövern ge­meldet wird, lautet die allgemeine Kriegslage fol­gendermaßen: Die rote Armee wurde am 5. und 6. Sept, zwischen Dülmen und Lünen von der blauen Armee ge­schlagen und gegen den Teutoburger Wald zurückgedrängt. Die genannten Orte liegen südlich von Münster. Rot ist das verstärkte 10. Armeekorps mit der Kavalleriedivision b, blau das verstärkte 7. Armeekorps mit der Kavallerie- division a._____________________________________

Ausland.

Haag, 7. Sept. Das Plenum der Friedens­konferenz nahm den Entwurf betreffend die Eröffnung der Feindseligkeiten und den Entwurf über die Rechte und Pflichten der neutralen Staaten zu Lande an und verwies den Entwurf betreffend die Behandlung neutraler Personen im Gebiete der Kr i c g füh r end en, der von dem deutschen Delegierten Frhrn. Marschall von Bieberstein bekämpst wurde, auf Antrag des Letztgenannten mit allen gegen drei Stimmen an die Landkriegskorw- mission zurück.

Bath, 7. Sept. Der Trade Union-Kongreß wurde nach Annahme einer Resolution geschlossen, in der die Regierrmg aufgefordert wird, die Frage der Arbeits­losen dadurch zu regeln, daß sie unter Reorgani- sierun g der Industrie auf genossenschaft­licher Basis den Arbeitslosen dauernde Arbeit schafft.

Paris, 8. Sept. DerMatin" berichtet aus Peters­burg, der Unterstaatssekretär der Finanzen und Direktor der Agrarbank Kriwoschein sei zum Minister des Innern zu haben wären. Trotzdem aber welches Gedränge der Gegen- mtcressen. Da sind zunächst die Inhaber der Verkaufsbuden, denen man einen gleich fruchtbaren Platz für ihr Geschäft nicht zu bieten hat. Höchstens, daß man sie auf die gegen­überliegende Seite der Parkstraße versetzte. Das aber ist Ge­lände, das dem Staat gehört, und die 2000 Mk. jährliche Pacht würden damit von der Stadt auf den Staat übergehen. So aufopferungsvoll aber ist die Liebe zwischen öffentlichen In­stituten nicht, daß man sich ein solches Geschenk machte. Die Stifterin des Brunnens aber hegt hinwiederum den begreif­lichen Wunsch, das geplante Kunstwerk nicht von Bretterbuden flankiert zu sehen. Wenn man nun, wie ich höre, bis zum Herbst des Jahres über all diese Schwierigkeiten doch noch hinwegkommen wird, so lvird das als Leistung aller Beteiligten sicherlich besondere Anerkennung verdienen. Ein anderer, ästhe­tisch sehr einleuchtender, aber auch vor großen Schwierigkeiten stehender Plan ist der, den B l u m e n s ch m u ck der H ä u s e r undBalkone zu einer möglichst geschlossene n, s ch ö n e n G e s am t w i r ku n g zu bringen. Man hat sogar schon daran gedacht, ganze Straßen in den einheitlichen Glanz einer einzigen Blumenfarbe zu tauchen. Ein Künstlerherz würde gewiß dankbar sein für solche Versuche. Ob es aber auch ahnte, wie Diele Kosten das machte? Wie viel Arbeit dazu gehörte? Wie schlecht manche Lkurgäste den Blumenduft vertragen? Wie umgekehrt dagegen Schnaken und ähnliches Gesindel sich in dem kühlen Blättermeer hundertmal wohler fühlen, als zwischen nackten, schwarzen Eisengeländern? Schön sind die letzteren gewiß nicht, besonders wo sie in langweiliger Regelmäßigkeit angeklext ganze Straßen entlang ziehen. Bei neueren Bauten verwandeln lie sich deshalb aber auch fast überall in lauschigere und wohlgefälligere Verandas, Loggien und ähnliches. Nicht, als ob das den Blumen- schmuck ersetzte. Im Gegenteil, wo wir solchen finden, wird das Plätzchen noch um vieles lauschiger und malerischer. Warten wir also ab, was der zu diesem Zweck gegründete Verein zu Wege bringen wird. Girlandenverein hat ihn die Bevölkerung spöttischer Weise getauft. Es liegt etwas Mißtrauen darin, das nur durch geschickte, praktische Arbeit wird überwunden v-erden können.

Ein gewisses Fazit aus seiner bisherigen Betätigung zog ^ber Verein mit den Preisverteilungen. Zunächst 'prämierte die Prü­fungskommission <oen Balkon- und den Hofschmuck. Sodann fand am Sviintag nachmittag die Auszeichnung der Schiller und Schülerinnen unserer beiden Schulen finit einer kleinen Feierlichkeit! statt- Es waren Blumenstöcke zur Pflege vergeben worden und die 50 besten Resultate wurden mit Preisen belohnt- Die Turn halle/ wo die duftenden Pfleglinge ausgestellt waren, zwisllhen denen div festlich gekleideten Kinder selbst als lebendige Blumen erschienen, bot einen hübschen Anblick- In Aufmachen von Rektor Zimmer und Wei,SM pex Zweck der Bergnstaltung. qHui Ausdruck.

ZZad-Yauycimer Ariese.

(Nachdruck verboten.)

III.

Als ich am Nachmittage des Sedantages meinen letzten Brief abschickte, worin ich die für den Abend geplante italienische Nacht in Gedanken, schon als feststeheiide Tatsache der Kette borangegangener Festlichkeiten, anschloß, da lachte noch freund­licher Sonnenschein, und ich konnte nicht ahnen, wie sehr mich der plötzliche Wetterwechsel Lügen strafen sollte. Ein starker Gewitterguß überschüttete all die kostbaren Vorbereitungen für die Beleuchtung und verdarb sie der Kurverwaltung ebenso gründlich, wie den Kurgästen das Vergnügen. Es blieb vom vanzen Programm nichts als die Militärmusik- Jetzt aber lie­fert Petrus wieder ein Stückchen Sommer nach

Der Bericht über unsere letzte Stadtverordneten- sitzung ist interessant genug, um zu allerlei allgemeinen Erwägungen Anlaß zu geben. Man denke sich eine unserer schönen Villenstraßen, wo die Gebäude in vornehmer Zurück­gezogenheit hinter dem Grün der Vorgärten nur sehr diskret hervorschimmern. Da erhält nun,mit einmal eine dieser Villen ein drei Meter weit bis in die Hälfte des Vorgartens heraus­tretendes, plump dreinschauendes Eckresalit. (Ein von unten bis oben durchgehender, geschlossener Vorbau.) Die Wirkung im Gesamtstraßenbilde ist ungefähr dieselbe, als wenn man etwa auf Vöcklins Villa am Meere in den Vordergrund noch einen Fabrikschornstein hineinmalen wollte. Auch wenn der Rohbau später noch so schön verputzt wird, so wird er doch immer dis^- charmonisch aufdringlich aus der Reihe der Nachbarn hervor- treten- DaS gab nun Anlaß zu einer eifrigen Debatte auf dem Stadthaus. Man empfand äuch hier die Störung allgemein und die Mißstimmung verdickstete sich schließlich zu verschiedenen Än­derungsvorschlägen am Ortsbaustatut. Eswurde sogar daran gedacht, Nicht nur die geschlossenen Vorbauten ganz zu verbietens sonderst auch für die offenen das Höchstmaß ihres Vorsprungs möglichst zu reduzieren- Mit Recht wurde gegen letzteres geltend gemacht, daß doch die Verhältnisse in verschiedenen Straßen zu verichieden lägen, als daß man sie alle in einem Paragraphen über einen Kamm scheren dürfe, und das erstgenannte Verlangen ist vielleicht ein wenig schroff formuliert- Richtig aber Und erfreulich ist sicherlich der zu Grunde liegende Gedanke, daß daS ä st he t r s ch e Aeußere einer Stadt aus keinen Fall lediglich vom Zufall und von der Willkür Einzelner ge­stört werden sollte- Das Gefühl dafür bringt ja in unterer Zeit zum Glück immer mehr durch- Zwei Faktoren sind es, die dabei in Betracht kommen- Einmal steh. die Schönheit wieder höher in Geltung als urd) vor wenigen Jahrzehnten- Einen tanülveilMN, viereckigen Bau &i.e M Mr.Wtzlj jMtzL W

sicherlich nicht mehr errichten- Ferner verstärkt sich aber auch das Verständnis für die soziale Einordnung des! Jndividiums in die ihn umgebende und tragende Gesamtheit. Für das nwderne Auge, ist die Stadt nicht mehr ein zufälliges Konglomerat von selbständigen, zusammenhanglosen Atomen, sondern ein Organis­mus, dessen besonderen Aufgaben und Interessen alle einzelnen Organe und Zellen sich möglichst harmonisch eingliedern müssen- Ein solcher Organismus sucht sich aber auch nach außen hin die entsprechenden Existenzformen zu geben- Vor hundert Jahren hätte man sich das Dreinreden der Polizei in solche Einzelheiten der Bautätrgkeit schwerlich gefallen lassen- Da sollte der Staat der Selbstherrlichkeit des Jydividimns gegenüber sich mit dem bloßen Nachtwächterdienst, Sicherung von Leben und Eigentum, begnügen- Heute 'begrüßen wir es mit Freuden, daß als gemein­same Aufgabe behandelt wird, was aus individuellem Handeln entspringend doch^eben zuletzt gemeinsam zu tragende Folgen nach sich zieht- spiegeln sich die großen Ideen einer Zeit auch in ihren unscheinbarsten Vorkommnissen-

Es sind noch mehr solcher ästhetischer Aufgaben in unserer Gemeinde zu lösen, und da wir hier der Kritik eines modernen, internationalen Publikums ausgesetzt sind, das anderwärts Ge­sehenes überall zum Vergleich und Maßstab heranziehen kann, so empfinden wir es hier doppelt als Pflicht, unsere deutsche Kultur auf der Höhe der Zeit zu zeigen. Da ist nicht weit von unserm vielbesprochenen Resalit noch ein anderer wunder Punkt, der gewiß auch schon die Kritik manches Fremden heraus gefordert, und das ästhetische Gewissen manches Einheimischen beschwert hat. Ich meine den rohen Bretterzaun, durch den sich das stolze Hotel du Nord nach der zum Johannisberg hin führenden Straße abschließt. Wie öde ist dieser Eindruck gerade an einer so exponierten Stelle! Und vor allem wird die architektonische Wirkung der lieblichen, kleinen englischen Kirche von dieser Seite aus vollständig zerstört.

Es ist ja nun freilich nicht immer so ganz leicht, die Ideen eines Aesthetikers in die Wirklichkeit zu übersetzen. Hier auch ganz besonders gilt das Schillersche Wort, daß leicht bei­einander die Gedanken wohnen, indessen hart im Raume sich die Sachen stoßen. Bei den Erwägungen betreffs Schmückung des Aliceplatzes haben wir es schon erfahren. Auch er liegt so recht exponiert cur der besuchtesten aller Straßen, an der Parkstraße. Wohl ziert ihn eine stattliche Baumgruppe, aber unter ihr die dürre Laternenstange und vor ihr zwei grün gestrichene Bretterbuden znm Obstverkanf, das ist nicht eben ein erhebender Eindruck. Wie leicht, sollte man meinen, wären die störenden Obstbuden hier beseitigt und an Stelle der Laterne, die über den primitiven Ausflußröhren eines Brunnens steht, ein paar Monumentfiguren hingestellt! Zumal, wenn die letzteren fcujilZ itie LMerMc LMüM dK £»& MMM MM