Ausgabe 
8.8.1907 Zweites Blatt
 
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Aus Stcr^e UN- Land.

Gießen, 8. Ang. 1907.

'* Das Bild Sr. Kgl. Ho h. des Groß Herzogs, das er der Landesuniversität zur Jahrhundertfeier stiftete, ist auf kurze Zeit im Schaufenster der Firma Karl Ludm. Leib, Kirchstraße, ausgestellt. Außerdem befinden sich die Bilder der Landgrafen Ludwig V. und Georg II. z. Zt. dort, die sich seither in der (alten) großen Aula befanden. Die beiden Bilder wurden von Herrn Leib einer gründlichen Renovation unterzogen und werden fortan in der neuen Aula, rechts und links von dem Beyer'schen Gemälde des jetzigen Rektor Magnifizentissimus, ihren Platz finden.

** Wie wenig entgegenkommend die Eisenbahn­direktion Frankfurt a. den ausgesprochenen Wünschen gegenüber sich verhält, geht aus der Antwort hervor, die diese Direktion der Handelskammer Friedberg uni Einführung des durchgehenden Betriebes aus den Strecken Mücke LaubachHiingenFriedberg, SchottenNiddaFriedberg und LauterbachGedernStockheim-Vilbel erteilte. Aus die Eingabe, die besagt:In Hungen, Nidda und Stock­heim sind die Passagiere 511 stundenlangem Warten oder zu Kostspieligen, zeitraubenden Umwegen gezwungen; wenn diese Nebenbahiien den Hauptzweck, die Ausschließung des Vogels­bergs und Anschluß an den Weltverkehr erfüllen sollen, so ist der durchgehende Betrieb unbedingt geboten", ging nach­folgender Bescheid ein:Es müßten auf den Anschlußstationen bestehende und 511111 Teil wichtige Anschlüsse nach und von den Seitenlinien aufgehoben werden, so daß wir der sragl. Maß­

regel schon deshalb nicht ohne weiteres näher 511 treten per. mögen. Eine allgemeine Umgestaltung der Fahrpläne in dem gewünschten Sinne ist auf alle Fälle au 8. geschlossen. Dagegen wird vielleicht (!) demnächst bei einem oder dem anderen Zuge und namentlich bei der Einlegung neuer Züge, die direkte Zugdurchführung ermöglicht werden können und auch wirtschaftlich und zweckmäßig sein. Wir müssen uns jedoch hierüber weitere Entschließung für später vorbehalten." Also abwarten, dann ivirds vielleicht sich bessern! Bis jetzt kann auf vielen Nebenbahnstationen ein bedeutender Rückgang der verkauften Fahrkarten konstatiert iverden, er beträgt z. B. in Beienheim 1000, in Bleichen, bach 1300, in Eichelsdorf 300, Freienseen 200, Gedern 400, Laubach 1200 Stück u. a. in. in einem Jahre.

** B i e b e r.ta l b a h n. Vom 1. Oktober an wird ver­suchsweise jeden Freitag ein Theaterzug eingelegt werden, der 11 Uhr 30 Minuten Gießen verläßt. Der neue Winter. Fahrplan, der ebenfalls am 1. Oktober in Kraft tritt, bringt für die Anschlüsse mit -ben Hauptlinien Verbesserungen. Der Morgenzug Nr. 4 ab Gießen fährt statt um 8 Uhr um 8 Uhr 7 Min., so daß die Passagiere der Hauptbahnen ihn noch erreichen. Ebenso liegt der Zug 6, der um 10 Uhr 20 Min. nach Bieber fahren wird, für die am Hauptbahnhof ankommenden Reisenden günstiger als dies im Sommer­halbjahr der Fall war. Ebenso ist der Zug Nr. 7, der nach - dem neuen Fahrplan 11 Uhr 5 Min. von Bieber in Gießen anlangt, für die Reisenden, die voüi Hauptbahnhof weiter- fahren wollen, sehr passend und jedenfalls günstiger gelegen, als es im Sommerhalbjahr der Fall war.

** Gegen das Urteil des Kriegsgerichts wegen Soldatenmißhandlung gegen den Feldwebel Steinmetz und den Sergeanten Ochsenhirt es handelt sich um den Fall des Nachexerzierens von Leuten der 6. Kompanie des 116. Infanterieregiments am 31. Mai d. Is. hat der Gerichtsherr Berufung eingelegt, so daß sich das Ober- Kriegsgericht mit dec Sache beschäftigen wird.

Einen Gastspiel-Abend beabsichtigt Fräulein di Cernotti-Strauß, eine geborene Butzbacherin, die ihre Jugendzeit in Gießen verlebte, am nächsten Donnerstag im Neuen Saalbau zu veranstalten, der recht genußreich zu werden verspricht. Wir lesen über einen kürzlich in* Wies, baden veranstalteten Gastspiel-Abend in einem dortigen Blatte:

_ Zum 3. Male erfreute die moderne Soloschauspielerin und Schriftstellerin ^ränlein Minny diEernolli-Stranß, v. Kgl. Belvedere in Dresden, mit einem Gastspiel das Wiesbadener Publikum. Aus ihren früheren Darbietungen noch in gutem Andenken stehend, konnte ich die Künstlerin imKcnsersaale" eines befriedigenden Besuches erfreuen. Den ersten Teil des Programms stillten Melodramen uiid Rezitationen, von der Darstellerin größtenteils selbst verfaßt. Im zweiten Teil des ProgranunsDramatische Dichtungen und ^oloszenen" kam das schauspielerische Talent von Fräulein Minny di Eernotti-Strauß wohl am besten zmn Ausdruck. Die Klagen der vereinsamten Geliebten, deren Liebhaber für eine Bluiiat auf dem Schafott sein Leben lassen muß, erregten den ungeteilten Beifall der Besucher. Waren die beiden ersten Abschnitte des Pro­gramms mehr in ernstem Tone gehalten, fo konnte das Publikum im dritten Teile auch einmal herzlich lachen. Besonders gefiel Tas nüchterne Mädchen" von Rideamus,Schon Elschen" von Kahn undDie Chansonette". Die Künstlerin darf mit ihrem Er- olge und das Publilum mit den Darbietungen wohl zufrieden fein.

** Vom Mannheimer Stenographen-Wett-

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Besonders dankbar hervorzuheben ist, daß Prof. Do. Gisevius sowohl als Dr. Kleberger vollständig unentgeltlich ihre wertvollen Kürse in den Dienst der guten Sache stellten.

15. Während des Frühjahrs 1907 Prüfung der 10 ersten mit den Gießener Kursisten besuchten Fortbildmigs- schule.

Tas Resultat war über ausgezeichnet.

16. Herausgabe des auf den Erfahrungen des Sommer­kursus 1906 und denjenigen der Langsdorfer Ver­suche aufgebautenLeitfadens für Lehrer an länd­lichen Fortbildungsschulen: Tie landwirtschaftliche Naturkunde von Prof. Tr. Gisevius. Mai 1907.

17. Zweiter Jnformationskursus von weiteren 14 Volks­schullehrern aus dem Kreise Gießen unter Prof. Tr. Gisevius Sommer 1907. Tie Kosten der Tage­gelder für die 14 Bolksschullehrer bestreiten die Ge­meinden, in denen die Lehrer angestellt sind. Herr Prof. Dr. Gisevius unterzieht sich der großen Auf­gabe wiederholt unentgeltlich.

So ergibt es sich denn, daß bis zum Herbst 1907 (mit dem Lehrer Leidich zu Langsdorf eingeschlossen) im Kreise Gießen^ 25 Lehrer, nach durch mehr als 20 Jahren verfolgten Plane, ausgerüstet erscheinen, nach einheit­lichem System, den naturkundlichen Unterricht zu land­wirtschaftlichem Endzweck eingerichtet, zu erteilen und, herz­haft begeistert für die Sache, voraussichtlich Bedeutendes auf speziell diesem Gebiete leisten werden.

Damit erscheint die Sache für mich selber und dem Lehrer Leidich soweit abgetan. Tie Sache ist in ein festes System gebracht und sie befindet sich in den besten Händen. Wer eine Sorge will uns nicht verlassen, nämlich daß bei der weiteren Verbreitung des Systems im Lande gerade die Strebsamsten aus Uebereifer in das als beständig er­kannte, Neues, Unverstandenes und nicht dem System ent­sprechendes hineinlegen und dadurch eine allgemeine Ver­wirrung anrichten tonnten.

Dernburg in Ostafrika.

Dar-es-Salaam, 6. Aug. Staatssekretär Dernburg hat die verflossenen drei Tage eifrigst dazu benutzt, unter Führung des Gouverneurs sich die verschiedenen Einrich­tungen in Tar-es-Salaam anzusehen. Er ist vom frühen Morgen bis zum späten Abend ununterbrochen beschäftigt.

Gouverneur Rechenberg veranstaltete gestern einen Empfang, woran 200 Mitglieder der hiesigen Gesell­schaft teilnahmen. Staatssekretär Dernburg brachte ein Hoch auf den Kaiser aus, der ihn beauftragt habe, den Deutschen Ostafritas zuzurufen: Sew einig, seid treu, seid deutsch! Ter Staatssekretär übermittelte dem Kaiser fol­gendes Telegramm:Eurer Majestät Untertanen aller Be­rufsstände, die beim Gouverneur versammelt sind, hul­digen Eurer Majestät mit dem Gelübde unverbrüchlicher Treue. Braver deutscher Arbeit wird es gelingen, die reichen Schätze dieses herrtici)en Landes zu heben und unter dem machtvollen Schutz Eurer Majestät em überseeisches Reich zu .entwickeln, das des deutschen Namens würdig ist." Donnerstag reist Dernburg nach Zanzibar.

Krrrrdgebrmgen gegen den König von Portugal.

London, 6. Aug. Eine Meldung aus Lissabon, die von der portugiesischen Grenze aus hierher telegraphiert wurde, besagt: Während der Reise des Königs nach dem Kurort Pedros Solyodos veranstalteten die Landbewohner eine Kundgebung gegen den König. Vielerorts waren die Bahnhöfe, die der König passieren mußte, schwarz aus­geschlagen und trugen Inschriften, wie:Nieder mit dem Diktator, es lebe die Revolution, Tod dem Tyrannen!" Als der König in Pedros Solyodos ankam, hatte sich eine große Menschenmenge außerhalb des Bahn­hofes angesammelt, welche durch Lärm und feindselige Rufe den Bürgermeister lange Zeit an der Verlesung der Will­kommen-Adresse hinderte. Während dies schließlich vor sich ging, drängte sich ein Bauer aus der Menge vor, schlug den König auf die Schulter und rief:Fort mit dem Dikta­tor!" Er verschwand so rasch wieder, daß die Polizei seiner nicht habhaft werden konnte. Der König machte der Empfangs-Zeremonie ein rasches Ende. Er verließ den Bahnhof unter erneuten Schmährufen des Bauernvolkes.

Zahlen gewiß gern Steuern, aber nicniafö ungerechte. Wir wollen [ keine Sondervorteile erstreben. Wir wollen nur so behandelt : Heroen, wie jeder andere Staatsbürger behandelt wirb. (Lebh.

Beifall.) Leider finden wir aber nur an einzelnen Stellen recht wenig Entgegenkommen. Es ist deshalb die Anregung gegeben worden, mit einzelnen Abgeordneten in Verbindung zu treten. Das ist allerdings ein gewagter Schritt; denn wir sind keine politische Gemeinschaft. Trotzdem müssen wir unsere In­teressen wahrnehmen, weil andere Bevolkerungskreise das gleiche tun."r mästen uns unserer Macht bewußt sein, und auch der den Wahlen unsere Forderungen stellen, denn wir bilden in vielen Fällen das Zünglein an der Wage. Wir kennen uns daher auch von dieser politischen Betätigung, indem wir uns an Abgeordnete wenden und sie bitten, für uns einzutreten, nicht ausschließen. Wenn wir aber damit keinen Erfolg haben, dann bleibt uns nur ein Weg, nämlich der der Selbsthülfe, den wir schon vielfach beschritten haben.

Vorbildlich muß uns in dieser Beziehung der Hamburger Grundeigentümerverein sein, der eine ganze Reihe von fegens^ reichen Einrichtungen geschaffen hat, z. B. die Hypotheken Ver­sicherung it. a. m. Diese Selbsthilfe ist die beste. Sie ist besser als der Standpunkt der Agrarier, d'ie immer nach ^taatshilfe mjreien. etwias wollen wir nicht mitmachen. Wir stehen zu sehr unter dem Schutze der wohltuenden Polizei. (Heiterkeit.)/ Man könnte uns dann zu viel Schwierigkeiten in den Weg legen. Liellelcht könnte mpn auch den groben llnsugsparagraphen gegen uns ui Anwendung bringen. (Heiterkeit.) Wir sind zu klug, als daß wir nach^taatShilfe schreien. Wir verlangen aber, daß man uns keinen Latein in den Weg legt. (Boissall.) Erfreulich ist die Miere Behandlung unserer Angelegenheiten in der Presse. Auch .die öffentliche Meinung hat sich gtu unseren Gun Yen geändert.

ist der wesentlichste Faktor, den wir mit lebhafter Freude begrüßen müssen. (Lebh. Beifall.)

Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten trat man dann m die Tagesordnung ein. ,

lieber die Beziehungen zu den Versicherungsgesell- chiasten, inir denen der Zentralverband Verträge abgeschlossen hat, insbesondere, über das' Ergebnis der Revision beim allgemeinen' deutschen Verficherungsverein in Stuttgart, berichteten Rechts- anwalt Tr. Hettersdorf (München) und Architekt Leisol (Elbei> ftku.) Es handelt sich hei dieser Stuttgarter Versicherung um eine Veriicherung gegen die Haushaftpflicht. Aus dem Bericht geht hervor, dgß die Hauswirte in Bezug auf die Haftpflicht oft Mit den gekünsteltsten und übertriebendsten Forderungen bedacht werden. Im ganzen wurden an die Mitglieder des Zentralver­blandes rund 2800 Schadenersatzansprüche gestellt. Es wurden enizeliie Abfindungssummen im letzten Jähre von 38:990 Mk., 0^00 Mk., 3400 Mk. usw. gefordert. Auch lausende Renten von 0000, 1560 und 90 Mk. pro Iahr wurden gefordert. Durch Gerichtsurteil wurden in mehreren Fälilen diese Summen um 50 Proz. erniedrigt. Einige Klagen wurden kostenpflichtig ab- gewiesen. Im großen und gänzen ergibt sich, daß alle diese Aaftpflichtklagen ein sehr umständliches Verfahren heraufbe- schwören. ^Es wurde daher vielfach der Weg einer Einigung be­schritten. Zahlreiche S a) ad-en ersatzan spräche gründeten sich auf die im verflossenen Jähre häufige Eisglätte, indem behauptet wurde, daß nicht Sand gestreut Worben sei. Auch vorstehende Steine, Bretter, herftbfallende Mauerstnäe und Stürze aus Treppen för- derten Schadenersatzansprüche zu Tage.

Jnsbesonders ist es meine Forderung, daß keine ande­ren als Prof. Dr. Gisevius und der Privatdozent Dr. Kle- berger-Södel als Leiter neuer Kurse zugelassen werden dürften. Beide Herren haben in eifrigsten Mühen, in gemeinsamer, monatelanger Arbeit mit den Kursiften die Angelegenheit behandelt in jeglicher Hinsicht, ganz ins- besonders auch nach der pädagogischen Seite hin, und keinen anderen, ganz besonders keinem Nicht-Fachmann der Methodik und Pädagogik darf nach meiner innersten Ueber- zeugung die Ausbildung der Lehrer-Kursisten anvertraut werden.

Darum fordere ich:

1. Einrichtung eines Jnformationskurses für sämtliche Kreisschulinspektoren und die Lehrer der Natur­wissenschaften an den Lehrer-Seminarien des ganzen Landes;

2. Einrichtung ständiger halbjähriger, zweimal in der Woche stattfindender Kurse für Volksschullehrer zu Gießen, Darmstadt und Mainz.

Beides aber einzig und allein durch die bewährten beiden Dozenten Pros. Dr. Gisevius und Dr. Kleberger; und beantrage aus diesen Gründen:

Die verehrt. 2. Kammer wolle beschließen, Großh. Re­gierung zu ersuchen, in den Hauptvoranschlag für 1908 rn Ausgabe einzustellen einen Kredit bis zu 10 000 Marl unter dem Titel: Jnformationskurse für Ein­richtung des naturkundlichen Unterrichts zu landwirtschaftlichem Endzweck in ländlichen Fortbildun gs sch ulen:

1. für die Kreisschulinspektoren und die Lehrer der Na­turwissenschaften an den Lehrer-Seminaren des gan­zen Landes;

2. für eine geeignet erscheinende Anzahl von Volrsschul- lehrern aus den drei Provinzen zu Gießen, Darm­stadt und Mainz.

Langsdorf, den 30. Juli 1907.

. K ö hier.

29. Deutscher Hausbesitzertag. (Unberechtigtr N. verorten.)

II.

S. u. H. H amburg, 6. Aug.

Die Zahl der Teilnehmer an dem diesjährigen Deutschen Hausbesctzertage ist noch erheblich gestiegen. An Stelle des er- krankterr Verbandsdirektors Baumeister Hartwig leitet Stadto. Fähndrich-Berlin die diesjährigen Verhandlungen. Stadlv. Fähn- drich legte dem Verbandstage den Geschäftsbericht vor. In diesem Jahresbericht wird die Lage des Hausbcsitzes nicht als rosig httigesLellt. Die Zahl der Feinde sei noch gewachsen, wenn auch die Kämpfe jetzt in ruhigerer Form geführt werden. Ein kräftiges Wörtlein redet Hartwig mit seinen alten Feinden, den Baugenossenschaften. Er mahnt die Hausbesitzer, auf der Hut zu sein, denn von allen Seiten suche man Lasten und Steuern auf sie abzuwälzen. Darum müßten sie es sich angelegen sein lassen, in den Parlamenten und Kommunen wei^gehendsteni Ein­fluß zu erreichen. Anläßlich der Neuwahlen habe man 24 Neichs- tagsabgeordnete verpflichtet, im Reichstage für die Interessen des Hausbesitzes einzutreten. Auf diesem Wege müsse man weiter schreiten. Vor allem aber müsse man danach streben, den Ein­fluß der Hausbesitzer in den Stadtverordneten-Versammlungen zu stärken. Nur auf diesem Wege könnten bleibende Erfolge er­zielt werden.

Stadtv. Fähndrich legte programmatisch die Lage des deutschen Hausbesitzes dar, nachdem vorher an den Kaiser ein Huldigungs­telegramm abgesandt worden war. Stadtv. Fähndrich be­schäftigte sich eingehend mit der gegenwärtigen Lage des städt. Haus- und Grundbesitzes in Deutschland. Auch er schilderte die Aage nicht als rosig. Er wies darauf hin, daß immer neue Bestrebungen sich geltend machen, um die Hausbesitzer zu be­lasten. Es sei keine gute Stimmung heute in den städtischen Kollegien für die Hausbesitzer vorhanden. Von oben und unten werde auf sie gedrückt. Wer in dem Verdacht stehe, nicht vollständig mit sozialem Oele gesalbt zu sein, der gelte schon als rückständig. Und um nicht dieses Odium auf sich zu laden, stimmen gar viele Stadtverordnete für Tinge, die nur einzig und allein für die unteren Klassen vorteilhaft sind. Für die unteren Klassen überstürze man sich in Fürsorge, den Grund­besitzer aber belaste man mit immer neuen Steuern. Fast in allen Körperschaften gelte der Hausbesitzer als der beste und willigite Zahler. Man habe sehen müssen, daß eine ganze Reche von neuen Steuern ausschließlich auf die Schultern der Hausbesitzer abgewälzt wurden, so die Steuer nach dem aemeinen Werl, die hohe Umsatzsteuer und die Wertzuwachs­steuer. Die UmsaMeuer, die ohnehin eine Ungerechtigkeit sei, habe rn Berlin eine Erhöhung um fast 1 Proz. für unbebaute und von 2 Proz. für bebaute Grundstücke erfahren, sodaß diese Steuern, Deren Reinerträgnis ursprünglicy auf 3 Millionen Mark M^tzt wurde, heute mehr als 6 Millionen Mark einbringt. Aber auch damit geben sich die meisten Städte nicht zufrieden. Man kommt auf immer neue Ideen, um die Hausbesitzer zu belasten. Um ^e Kommunalabgaben nicht zu erhöhen, greift man pielfach zur Wertzuwachssteuer. Wie die Hausbesitzer sich Dagegen gewehrt, lMten, sei bekannt. Hier und da sei es ja auch gelungen. Die Wertzuwachssteuer abzulehnen, und auch in Berlin hoffe man darüber Hinwegzukommen. Aber dennoch sei rn vielen Städten eingeführt und bedeute eine neue schwere maltung des Hausbesitzes. Der Redner fährt fort: Wir alle

schreiben. An dem anläßlich des Stenographentages in Mannheim, Pfingsten d. I., abgehaltenen Wett- schreiben haben teilgenommen: 498 Vertreter von Stolze- Schrey, auf die 273 Preise entfielen, 480 Gabelsbergeraner (230 Preise), 31 Stenotachygraphen (10 Preise), 62 National- stenographen (13 Preise). Erste Preise, also für besonders gute Arbeiten, entfielen auf Stolzc-Schrey 145, auf Gabels­berger 117, auf Stenotachygraphie 5, auf National-Steno- graphie 6. In den höheren Abteilungen von 220 Silben und darüber entfielen auf Stolze-Schrey 24, auf Babels­berger 10 Preise, daneben noch 1 Preis auf die National- Stenographie.

-t- Reichelsheim i. d. W., 7. Aug. Ein kurioser Fund, ein Leiterwagen, mit einem Pferd bespannt, wurde heute auf der Landstraße in der Nähe der Bingen- Heimer Mühle betroffen. Von einem Leiter des Fuhrwerkes ließ sich nichts sehen, noch hören, und da auch niemand sich einfand, der die Fundgegenstände reklamiert hätte, so wurde Roß und Wagen hier in Obhut genommen.

ob. Laubach, 7. Aug. Wenn unlängst aus dem Vogelsberg von geringem Himbeer ertrage gemeldet wurde, so muß aus der hiesigen Gegend von einer überaus reichen Ernte gemeldet werden. Scharenweise ziehen die Leute mit Töpfen und Eimern voll dieser süßen Frucht aus dem Walde heim, sogar der Handwagen bedient man sich. Dabei stehen noch Hunderte von Stöcken mit halb reifer Frucht draußen, deren Reife erst die Augustsonne bringen wird.

X B r e i t s ch e i d', 6. Aug. Unser Ort kommt gar nicht mehr aus der Aufregung heraus. Diesmal handelt es sich um einen Einbruch in die Wohnung eines hiesigen Wirtes. Dem Dieb fiel die Geldkassette in die Hände. In der Nähe des Dorfes hat er sie geöffnet und den Inhalt an sich genommen.

Mainz, 6. Aug. Der Taglöhner Karl Götzmann von hier wettete gestern mittag in Weisenau mit einem anderen Arbeiter, daß er den Rhein überschwimmen wolle. Der Wettbetrag bestand in einer Mark. Als Götzmann in die Mitte des Rheines kam, verschwand er in den Fluten und kam nicht mehr zum Vorfchein. (Mzr. Tgbl.)

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Ans dem Jahresbericht der Handelskammer Friedberg.

I.

Aus dem uns zugegangenen Bericht der Großh. Handels­kammer Friedberg für die Kreise Friedberg, Büdingen und Schotten entnehmen wir folgende Mitteilungen über die wirtschaftliche Lage im Bezirk:

Zmn Personen- und Güterverkehr unseres Bezirks müssen wir konstatieren, daß die Erösfmmg der Endstrecke Helden- b e r g e n V i l b e l infolge der Schwierigkeit der Einmündung der Linie im Bahnhof Vilbel noch nicht möglich war und voraussichtlich im Herbst 1907 erfolgen wird. Wir wiederholen die Forderung nach einem durchgehenden Verkehr der Linie Lauterbach-Vilbel und stellen mit Bedauern fest, daß tue seitherigen Fahrpläne der einzelnen Teilstrecken den Verkehrsbedürfnissen nicht entsprechen, da die Züge keinerlei direkte Anschlüsse haben. Wir hoffen, daß die projektierte Linie B a d - N a u h e 1 m U s i n g e n und Bad- Nau h e i in G r i e d e l bald in Angriff genommen und die Schwierigkeiten der Einmündung der beideli Bahnen in Den Bahrn Hof Bad-Nauheim uberivunden iverDeu. Das Projekt Jriedber g* FlorstadtRan st adt richt anscheinend, obgleich die beteiligten