Nr. 1S4
Zweites Blatt
157. K
Erscheint tSgllch mit Ausnahme des Sonntags.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e@51. Redaktion: 112. Teü-Adra AnzeigerGießen.
Die ..Lietzener FamlttenblStter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Donnerstag 8. August 1907
yX aa Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
0 .R. Lange, Gießen.
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Aleines Ferrilleton
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14 Volks schutlehreni und des Seminardireitors a. D. QuenteLl zu Gießen beiwohnten und am 25. Juli, ebenfalls wieder in Gemeinschaft mit den vorhin genannten 14 Volksschullehrern (Kursisten vom landw. Institut) an einer Schau- Prüfung des irrt vorigen Kursus des Pros. Tr. Gisevius ausgebildeten Lehrers Momberger in der Fortbildungsschule zu Grüningen bei Gießen tcilnahmen, von der Schulrat Klernschmidt-G'ießen urteilte: „Mombergers Lektion war musterhaft, erstaunlich, was die Schüler (die doch seit Mitte März schon aus der Schule entlassen worden waren) noch wußten."
Seit Einreichung meines Antrags vom 3. Sept. 1901 hat unser Bestreben, den naturwissenschaftlichen Unterricht zu landwirtschaftlichem Endzweck zu gestalten, also gewissermaßen „theoretischen ackerbaulichen Unterricht" in der ländlichen Fortbildungsschule zu betreiben, die folgenden Etap- ren durchlaufen:
beim Landtage ein:
Antrag des Abgeordneten Köhler, die einheitliche Gestaltung der naturkundlichen Unterrichtskurse für Lehrer an ländlichen Fortbildungsschulen, Kreisschulinspektoren und die Lehrer der Naturwissenschaften an den Lehrer-Seminaren betreffend.
Ausgehend von meinem Anträge vom 3. September 1901 (Drucksache Nr. 642 und Anlagen im 31. Landtage — 1900 bis 1903 —) betreffend „Umgestaltung der ländlichen Fortbildungsschulen zu Ackerbau-Borschulen" hat sich das Fortbildungsschulwesen im Kreise Gießen in Hinsicht des zu landwirtschaftlichem Endzweck umgestalteten naturkundlichen Unterrichts besonders infolge der ausgezeichneten Fürsorge des Provinzialdirektors Gehermerat Dr. Breidert zu Gießen, des Schulrats Kleinschmidt daselbst, und des Universitäts-Professors am landwirtschaftlichen Institut Tr. Gisevius zu Gießen, nachdem bereits in den Jahren 1901/02 1902/03, 1903/04 unter der Leitung des Voltsschullehrers Leidich die ausgezeichnetsten Erfolge in der Fortbildungsschule zu Langsdorf erzielt worden waren, zu einem klaren und fest- begründeten Ziel und System emporgerungen.
In welcher Weise dies geschehen ist, kann hier des Näheren und Weiteren rticht dargelegt werden. Es wird darum nur zu verweisen sein aus die einschlägigen Schilderungen in Oscar Paches „Handbuch des deutschen Fort- bildungsschulw-esens", 7. Teil (Großy. Hessen), erschienen 1905 in R. Herroses Verlag (H. Herrose) zu Wittenberg (Seite 84 bis 91) und meinen in der „Hess, landw. Ztschr." (im Mai) und in „die ländliche Fortbildungsschule", Verlag von Voigt in Leipzig, herausgegeben von Schuldirektor Kälter in Groß-Röhrsdors in Sachsen (im Juli 1907) erschienenen Aufsatz: „Von der Fortvüouugsschule im Großherzogtum Hessen."
Welche Bedeutung man der Sache übrigens auch im Auslande beilegt, das geht daraus hervor, daß vom österreichischen Kultusministeriunt zwei Vertreter, die Herren K. K. Ministerialrat Ritter Tr. v. Wiener und K. K. Ministe- rialsekretär Ritter Tr. v. Womela am 24. Juli d. I. zu Gießen eine Probelertion des Professors Tr. Gisevius am Landw. Institut der Universität, unter Teilnahme von
Kie Strufprottstur in Maröurg.
In einer Zuschrift an das „Bert. Tagebl." wird darauf angewiesen,, daß die „Strafprofessur" nicht neuen Datums lt, sondern im Grunde bereits aus dem Jahre 1895 stammt. Damals wurde, so heißt es weiter, ein „Positiver" zum Extra- irdinarius für Systematik ernannt. Da er nur sehr geringe Erfolge hatte, erhielt er unter Mitbeteiligung der Fakultät 1902 seinen kirchenhistorischen Nachfolger. Doch dieser wurde 1906 nach Greifswald berufen und so war die Stellung rledigt.
Das jetzige Verfahren bedeutet insofern eine Verschärfung, As man der Fakultät keinerlei Gelegenheit zur Aeußerung wb und außerdem Bornhäuser zum Ordinarius machte. Wer akademische Verhältnisse kennt, der weiß, was diese Tat- achen sagen wollen. Der Extraordinarius ist in seiner Wirk- amkeit aus seine persönliche und wissenschaftliche Stellung mgewiesen; der Marburger Ordinarius dagegen ist zugleich Mitglied der Prüfungskommission für das erste theologische Examen, besitzt also den Studenten gegenüber dank der Trag- veite seines Amtes ein ganz anderes Gewicht. Ein solches Gewicht aber schien wohl nach dem Mißerfolg des sustema- ischen Extraordinariums nötig. Und man hat Bornhäuser ogar zum Examinator für zwei Hauptfächer gemacht, für ystematische und praktische Theologie! Offenbar soll dadurch )ie Tatsache verwischt werden, daß er sich bisher auf keine größeren wissenschaftlichen Arbeiten stützen kann — man müßte Denn feine Lizentiatenarbeit (1899) über „Das Recht de§ Bekenntnisses zur Auferstehung des Fleisches" heranziehen wollen.
WaS bedeutet nun der Vorgang? Zunächst natürlich ist er ein Beweis dafür, daß nach wie vor die katholische Auf- assung des Bekenntnisses triumphiert, daß in Berlin die Zu- flimmung zum Buchstaben des Bekenntnisses noch immer auch in der Beurteilung akademischer Befähigung ntehr gilt als die wissenschaftliche Leistung. Wenn die „Kreuzzeitung" in Nummer 850 (29. Juli) aus der Ernennung Bornhäusers einen Sieg der „liberalen" Theologie macht, weil Born- Häuser somit in das Hallesche Ordinariat der praktischen Theologie nicht aufrücken könne, so ist baS für jeden Kenner der Verhältnisse schlechthin lächerlich. Denn erstens besteht in Halle keine Vakanz, und zweitens ist Bornhäuser für eine eventuelle spätere Berufung nach Halle durch die Marburger Tätigkeit in keiner Weise ausgeschaltet. Vorläufig ist für die vallesche Fakultät noch keinerlei Anlaß gewesen, sich mit der Nachfolge des jetzigen Professors für praktische Theologie zu befassen.
Fast wichtiger aber find zwei andere Punkte. Man wird es der Regierung nicht verargen können, wenn sie in ganz bestimmten Fällen von ihrem Ernennungsrecht auch gegen* über den Fakultäten Gebrauch macht. Es können Mißstände eintreten, die nur durch gewaltsame Eingriffe zu heilen sind — etrna wenn eine ganze Fakultät sich extremer und tyrannischer Einseitigkeit schuldig machen oder ihre Anziehungskraft auf die Studenten völlig verlieren sollte. Allein hier war keins von beiden der Fall. Die Marburger theologische Fakultät hat durchaus nicht eine extrem liberale Haltung eingenommen; ihre Mitglieder gehören, soweit bekannt, nicht einmal dem Protestantenverein an — und auch das wäre noch längst kein Grund zum Einschreiten; eher haben sie dem Vorwurf einer zu geringen kirchenpolitischen Parteinahme auf sich gezogen. Also von tyrannischer Einseitigkeit ferne Spur! Gerade der Systematiker Herrmann wird auch von vielen „rechts" stehenden Christen mit Verehrung betrachtet. Und ebensoweiiig entbehrt die Fakultät der Anziehungskraft, denn die wissenschaftliche Bedeutuiig ihrer Mitglieder ist allgemein bekannt. Der Zuzug der Studenten, der sonst in den letzten Jahren fast überall nachließ, ist in Marburg sogar gestiegen.
Tie evangelische Kirche hätte allen Anlaß, stolz auf diese Fakultät zu sein. Statt dessen hat die Regierung an der Fakultät ihre Kultusweisheit erproben wollen. Sie will ihre' innere Einheit zerstören. Run mag es in vielen Fällen gut sein, in den Fakultäten Männer verschiedener Richtiing nebeneinander zu stellen, damit sie sich kennen und würdigen lernen.
dem Genervt Buonaparte gemacht. Er empfing uns überaus höflich, Am uns biß', am die Thür seines Hauptzimmers' entgegen, setzte sich mit uns .an den Caufin und begleitete uns hernach biß an die Thür seines ersten Vorzimmers. Tie Unterhaltung war die Einrichtung der Deputation (der Reichsdeputation) und bei Gelegenheit, dfaß von der Religions Gleichheit gesprochen wurde, kam er auf die Kriege Carl des fünften, des Chur für st Friedrichs und Moriz von Sachsen, Philipps des Grosmütigen von Hessen p. Er war sehr gesprächich, ob er schon sonst gar wenig redet. Er war munter, mischte Scherze mit em, versprach sich baldigen Frieden und äußerte sich im allgemeinen sehr billig. Tas Aeußere des kleinen, hageren und überaus blassen Mannes verlpncht die Größe nicht, die seine Thtateu und Geistses Kraft voraussezzen. Er hatte nur 2 Adjutanten im Zimmer, die an der Wand aus einem Sofa saßen. Sonst Ivar er ohne allen Prunk und hatte nur die aestittte, cianz zugeknöpfte Generalsunisorm au, selbst ohne regelt und Schärpe. Einer seiner Adjutanten empfing uns an der Thur des ersten Vorzimmers und ein anderer begleitete uns hernach biß an die Treppe. Bey den drey anderen franzonichen Bevoll- mächttgten wurden wir nicht angenommen. Ueberhaupt war der Besuch nur noch zur Zeit eine vloße pcw»t Hoflichkeirs Achte; sobald die Segitmiatioi. uefcWit seyn wiro, muß die ffiatjp * Menivotenz (der Generalbevollmächtigte des Aaners, Gras Metternich), uns der französischen Gesandtschaft en Gornä pißfentieten. Er trug uns auch noch überhaupt sein Cvmplimem an uniere hohe Principalschaft auf. Seine Lebens Art ist b-iondcrs Bormrttag -egen 11 Uhr stehet er gewöhnlich auf; frühstückt svdann, fahrt oder reitet sodprm aus; dann gehet cs an das Meilen und arbeiten um 3 Uhr; um 6 Uhr spei,et man gewöhnlich zu Mittag; um 8 Uhr gibt m-M Audienz, nimmt Besuche an oder gibt ne; das Schauspiel folgt hierauf; sodann schreiben und arbeiten; um Mitternacht wird soupiert und hernach legt man sich zu Bette Er erklärte, seine Gem.ahlin iverbe nur alsdann kommen, wenn' der Kongreß lfinge dauern sollte. Dermalen fei) sie zu Paris. Vorerst hat er ihre 3immer mit bezogen L-o eben (um 3 Ul>r) schickt er einen General Adjutanten, den Obrist Marbois,
Antrag Köhler, hetr. Umgestaltung der ländlichen Fortbildungsschule, 3. Sept. 1901 (Drucksache 642). Erfindung des Lehrplanes durch Lehrer Leidich zu Langsdorf, 13. Okt. 1901 (Drucksache 6421).
Tie Großh. Negierung genehmigte, aus Grund der Leidichschen Lehrstofsverteilung einen praktischen dreijährigen Versuch in der Fortbildungsschule zu Langsdorf durchzusühren, 16. Dezember 1901.
Einreichung eines neuen von Lehrer Leidich und mir aufs neue durchberatenen Lehrplanes (Lehrstofsver- teüung), 8. Febr. 1902 (Drucksache 642IV.).
Prüfung der Fortbildungsschule zu Langsdorf im ersten Versuchsjahr unter Teilnahme von Vlinisterial- rat Tr. Eisenhuth, Ministerialrat Braun, Geheimarat v. Bechto^p, Prof. Tr. Lucius, Wrgermeister Köhler- Langsdorf, Landeslehrervereins-Obmann Abg. Backes, Schülbote-Redakteur Nuppel, Oekonomierat Schiente, Oekonomierat Dr. Müller, Generalsekretär der landw. Vereine Direktor Dr. v. Peter. — 22. März 1902.
Herausgabe des 1. Teils des Leidichschen Leitfadens für Fortbildungsschulen — 25. August 1902.
Prüfung der Fortbildungsschule zu Langsdorf im 2. Versuchsjahr, unter Teilnahme von: Ministerialrat Tr. Eisenhuth, Prof. Dr. Lucius, Regierungsrat Dr. Heinrichs, Bürgermeister Köhler-Langsdorf, Pfarrer Mahr-Langsdorf und Dr. v. Peter, 30. März 1903, Herausgabe des 2. Teils des Leidichschen Leitfadens für Fortbildungsschulen, Juli 1903.
Prüfung der Fortbildungsschule zu Langsdorf im 3. Versuchsjahr, unter Teilnahme von: Ministerialrat Dr. Eisenhuth, Ministerialrat Braun, Provinzialdirektor Tr. Breidert, Schulrat Kleinschmidt, Prof. Tr. Fromme, Bürgermstr. Köhler-Langsdorf, Pfarrer Mahr-Langsdorf, Tr. v. Peter, am 28. März 1904.
. Herausgabe des 3. Teils des Leidichschen Leitfadens, August 1904.
Einsetzung einer Kommission zur weiteren Beratung der Behandlung der vorliegenden Frage durch Ge- heimerat Tr. Breidert. Erste Sitzung im 9iegierungs- gebäude zu Gießen am 28. Dezember 1905, unter Teilnahme von Geheimerat Tr. Breidert (Vorsitz), Prof. Tr. Gisevius, Schulrat Kleinschmidt, Kreisamtmann Tr. Merck, Bürgermeister Köhler-Langsdorfi Lehrer Leidich.
6. Januar 19u6 zweite, am 24. Febr. 1906 dritte, am 12. März 1906 vierte Sitzung dieser Kommission. An der letzten nehmen zehn aus dem Kon- serenzbezirt Lich ausgewählte Lehrer teil, die bestimmt sind unter Leitung des Prof. Dr. Gisevius einen Kursus am landw. Institut der Universität Gießen zu absolvieren.
Zehn Volrsschullehrer aus dem Konferenzbezirk Lich besuchen von Ostern bis Herbst 1906 sich erstreckende, zweimal während einer Woche stattfmdende und je 4 Stunden umfassende Vorlesungen des Prof. Dr. Gisevius, in denen zwisa)en dem Dozenten Prof. Dr. Gisevius und den Hörern gemeinsam das Ziel zu erstreben weiter versucht wird. Als weiterer Dozent stellt sich sodann noch Privat-Dozent Dr. Kle- berger-Södel ein.
, Die Kreis fasse und der landw. Bezirksoerein Gießen übernehmen gemeinsam die Kosten, die verursacht werden durch Unterstützung der Kursisten per Tag mit einer Gebühr von 4 Aiark pro Person.
Tie Gesamtkosten stellen sich auf ungefähr 1600 Mark. _____
statt der Gegen Visite mir fein Cornpliment zu machen, wie bei) allen übrigen Gesandtschaften."
— Zn Ehren des 60. Geburtstages- von Prof. Max Sieb er mlanii, dem bekannten Führer der Berliner Sezession, wird in Frankfurt a. M. eine große Ausstellung von Werken seiner Haiw veranstaltet, welche am 7. August in den Räumen des Kunstveveins (Junghofstvaße 8) eröffnet worden ist. Tie Aus!- ftellung umfaßt Werke aus allen Schafsensperioden des Meisters, vom Änsfang der siebziger Jahre bis heute, darunter viele Hauptwerke wie z. B. „Tiie Kvnservenmacherinnen" von 18/3, „Kar- toffelbubMer" 1874, „Die Geschwister" 1876, „Waisenmadchen im Garten" 1887, „Netzflickerinnen" 1888, „Tas Stevensstift in Leyden" 1890, „Schreitender Bauer" 1894, „Badende Jungen" 1898, „Reiter tarn Strande" 1902, „Wilhelm Bode" 1904 unh| viele andere mehr. Neben den Gemälden enthält die Ausstellung eine große Reihe von teilweise noch nie öffentlich gezeigten Aquarellen, Pastellen, Zeichnungen und Studien des Nieisters, sowie eine komplette Folge seiner Mdiermlgen, sodaß ein übersichtliches Bild über die gesamte künstlerische Tätigkeit Liebermann's gegeben ist. Die Ausstellung bleibt bis zum 6. Oktober geöffnet urto ist bis dahin täglich zu bejichttgen.
— Peter Behrens' Naturtheater. Aus Heidel berg ivird gemeldet: Peter Behrens hat bekanntlich auf der Mannheimer Ausstellung ein Naturtheater errichtet. Der Heidelberger Hebbel-Verein beabsichtigt nun, dort im September d. JSu eine Reihe von Aufführung en zu veranstalten. Es sollen drchterischo und musikalische Schöpfungen in ber Eigenart der betreffendes Werke am besten entsprechender Tageszeit geboten werden; bis jetzt sind unter tauberem in Aussicht genommen: ein Schäferspiel an einem sonnigen Nachmittage; ein geistliches Schauspiel ian einem Svnntagmorgen zur Kirchensnmde; ein nwdernes, lyrisches Trttma (Maeterlinck) 'zur Nachtzeit bei Fackelbeleuchtung; ttlte Musik zur Dämmerstunde. Die Oberleitung hat der Univer- lttatslettor .Ernst Leopold ^l,ahl-Mttingham.
Aber ganz abgesehen davon, daß die in liberale Fakultäten eingeschobenen „positiven" Ordinarien für diese schwierige Situation oft eine zu starke Parteileidenschaft bewiesen haben — wirkliche Fürsorge für Kirche und Theologie kennt auch einen andern Gesichtspunkt. Wenn man die innere Kraft der einzelnen Richtungen erproben will, muß man ihnen nicht nur an manchen Orten Gelegenheit zur Berührung, sondern auch irgendwo eine Statte geben, wo sie sich gleichsam in Reinkultur entwickeln können. Innerhalb Preußens bietet für die „Positiven" Greifswald solche Möglichkeit. Marburg >var bisher das Gegenstück auf Seite des freieren Protestantismus — nun fällt ein kalter Reif auf die Blüten, die hier in der Entwickelung begriffen waren. Zerstören ist leicht — wird die Regierung, auch roenn sie einmal den guten Willen dazu bekommen sollte, die Kraft besitzen, eine neue so blühende und harmonische Fakultät zu schaffen?
Der zweite Punkt ist nicht nur von kirchlicher und theologischer, sondern von ganz allgemeiner Bedeutung. Er ergibt sich aus der Art, wie man den Einfluß und das Selbstgefühl der Fakultäten geradezu absichtlich zu knicken bestrebt ist, das mag bequem sein für die augenblicklich herrschende Regierung; das Wohl der Gesamtheit und damit des Staates fordert aber, wenigstens auf dem wissenschaftlichen Gebiete eine Instanz übrig zu lassen, die nicht von jeder Windveründerung berührt wird. Weil das so wichtig ist, deshalb gilt es, die Augen offen zu halten. Eben deshalb aber hat auch die Oeffentlichkeit ein Interesse daran, ob die Fakultäten den unheilvollen Absichten der Regieriing genügend widerstehen. Wir müssen uns der Frage anschließen, die schon anderswo erhoben worden ist: luaS hat die Marburger Fakultät auf den ihr zugefügten Schlag erwidert? Rian hat von einer Antwort nichts vernommen. Es gibt in solchen Fällen, tapfer zu' handeln. Viel Waffen gibt es freilich nicht, aber doch die des Protestes, der Flucht in die Oeffentlichkeit und im Notfälle der Amtsniederlegung.
Laudwirtschastslehre in der ForLbiLdungsschnLe.
Abg. Köhler-Langsdorf brachte folgenden Antrag
— D i e Examina der Gießener Studenten fauben in ben vierziger Jahren des üorigcn Jahrhunderts nicht im ftollcqiengebäube, sondern in den Wohmuigen der Proießoren statt. Ein Älilglied des Dannstädter Hosgerichts, namens P., hatte diesen Brüinnaen als Examinator beiztuvohnen und so sah man ihn beim mit Giegens Rechtslehrern häufig durch unsere .Straßen wandeln. Diese immer wiederkehrende, iür das damalige Giepenhöchst bemertenswerte Situation hat ein anonymer Lokalpoet m einem Carmen verherrlicht, von dem heute noch mit ^reitben alte Gießener sich erzählen und das also anhob:
Böas walzt sich so dumpi, was walzt sich so schwer Hin nach dem Hanse des Herrn von Löhr?
Tie Prosessoren sinds der Juristensakultat.
Der Dekan an ihrer Spitze geht
Und hinter ihnen und nicht auf Rosen Schreitet P.... in kurzen Hosen.
Heul gilt-» keinen Auszug, heul gilts keinen Extrakt, Heut ivird er un Mündlichen cmgepackt.
* Ein Besuch bet General Bonaparte auf
Rustatt er Kongr eß. In den „Beiträgen zur Geschtchte der Nniversittiten Mjsttnz und Gießen", die zur Treihunderttatzr- feier der Gießener Universität im BerLag des Htstorychen Vereins für das Großherzogtum Hessen erschienen find, verö enttM der eine d"r beiden Heyausgeder des Sammerbucys', Jullus Retnha.d Dieterich, einen Aufsätz über An Gießener Pro schor der Rechre Chrii- ..an Hartmann Samuel Gatzert, derunter den^Landgrafen LiidNna IX. und Ludwig X. >aks hefsendarnfifiMtischer ^taats- minister erfolgreich gewirkt M. Er publiziert dabei einen ver- tmulichen Gericht Gapevrs cm den Landgrasen Ludwig X„ m dem er iU)CL einen Besuch bei Njapoleon Bonaparte aus dem Friedens- ÜWtfe w Wt r-feri-rl. 1797.
Gestern Abends 8 Uhr W tch in Gesellschaft einiger andern Tieputierten zu der von Ihm bestumrttLN Zeit meine Viitte bei)


