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Mittwoch 8. Mai 1907
157. Jahrgang
Erstes Blatt
Are Heutige 'Dummer umfaßt 12 Seiten.
der Dunst der Erde nichts anzuhaben, ihre Schwere vermag ihn nicht niederzuziehen. Er ist semes himmlischen Heimat- rechts sicher. Durch seine Seele, durch sein Wesen, durch sein Leben klingt immerbar die uralte, menschliche und gött- liche Weise: „Die Herzen in bie Höhe!«
Nr. 107
• tLglich
avß« Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mü dem hessischen Landwirt die Lietzener Zamilitu blött« viermal tn der Woche dergelegi un zweimal wöchentlich da KtiUblatt für den Kitls Sieben. Feniivrech-An- schlubt.d.SedattwnUS Verlag u. Expedition *1
Cbcrbiivqevmeifler Lenge- MagdeburgZst dec Aullcht, daß der Hauptgrund des niedrigen Kurses der Staatspapiere batüi liege, daß fie zu gering verzinslich seien.
Damit schließt die TiZskussion.
Zum Etat der Eisenbahnoerwallung liegt ein Antrag Tr. von Burgsdorff aus Beseitigung der Fahrkarteusteuer vor.
Minister Breitenbach erklärt, der vorläufige Abschlng des Jahres 1906 sei außerordentlich günstig, er schließe mit einein Ueberschuß von 700 Millionen ab, also 20 Millionen Mark mehr, als im Etat stehen. Tas Personal der Eisenbahnen sei glücklicherweise den Verlockungen der Sozialdemokratie nicht erlegen. Der Antrag von VurgSdorsf wird hierauf an- genommen. ___
Treußlschrs Abgtorvuetenyaus.
Berlin, 7. Mai.
Die Beratung der Novelle zum Berggesetz wird sortgesetzt bei den Absätzen des § 2, die die Uedertragung von 250 Maximal-Kohlenseldern an den Staat behandeln. L_
Abg. Schmieding (nl.) meint, eine vollständige sperre der Erschließung der Kohlenicider müffe die Knappheit der Kohle aus dem Markte noch st e i g e r n, die K o h t e n p r e i s e müßten sich erhöhen. Tas Geld, das die Bohrgesellschasten verdient hätten, komme der Allgeineinheit zugute. Der Nauonalwohlitand nütze vor allem den arbeiiendeii Klassen. Redner empfiehlt zunächst, das ganze Gesetz abzulehnen. Wie der Staat aus die Preise wirke, deweije, daß die Kohlenpreise an der Saar 80 Proz. höher seien als an der Ruhr. Ta könne sich der Fiskus doch nicht als Muster» knabe zur Regulierung der Preise hmstellen.
Abg. B r u st (Ztr.) hofft, daß das Gesetz einmal der w u st e rt, Spekulation im Bergbau ein Ende mache und daß auch die Kohle verbilligt werde.
Tie Besprechung schließt. Unter Ablehnung der nationalliberalen Anträge wird der Artikel 1 in der Kommijsioussasfimg angenommen. Ter Rest des Gesetzes gibt zu besonderen Debatten keinen Anlaß. Nach Artikel 7 bleiben alle zur Zeit deS Jnkrast- tretens des Gesetzes bestehenden Berechtigungen an Mineralien von den Bestimmungen des Gesetzes unberührt.
Abg. (Siegel (nl.) will diesen Absatz des Gesetzes schärfer soffen.
Handelsminister Delbrück stimmt dem Anträge zu.
Er wird angenommen. Ein Antrag des Abg. Graf Groben (kons.), das G ej etz am 6. Iuli 1907 in Kraft treten zu taffen, gelangt zur Annahme. — Zweiter Gegenstand ' der Tagesordnung ist der Entwiirf eine5 Quellenschutzgesetzes. Der Entwurf geht an eine Kommission von 21 Mitgliedern.
Es folgt die Beratimg des Antrages Dr. Arendt wegen V e r> schärfung der staatlichen Ataßregeln zum Schutze des Deutschtums in den O st in a r k e u. Ter Antrag wird gegen Zentrum, Freisinnige und Bolen angenommen.
Itolonialpoft,
— Ter „Köln. Ztg." wird aus Berlin telegraphiert: lieber verschiedene, zwischen dem Gouvernement von Südwest^ asika und der Kapregierung strittige Fragen hat in London eine freundliche Aussprache zwi,chen Demi Gouverneur von Südwest-Afrika, Herrn v. Lindeguist, dcm^Pre- mierniinister Tr. Jameson^und dem Eilenbahnminisler j,r. ömarü aus Kapstadt stattgesunden. Ihr Ergebnis berechtigt zu der Hoffnung, daß künftighin durch Verhandlung von Gouvernement zu Gouvernement eine Verständigung über etwa auf» rauchende Meinungsverschiedenheiten erzielt werden wird.
Adreffe «u Depeschen: Bofatiottsöru(f und Verlag der VrühNchev Untv.-vuch. und Zteindruckerei. B. Lange. RedaMo», LxpedMon und Druckerei: Schulstratze r Anzeiger Gießen. ———__
Kimmelfahct!
^Die Herzen in die Höhe!* so ist eS durch die Geschichte der Menschheit geklungen von Anfang an. Immerdar hat der Staubgeborene das Große, das Hehre, das Gute, das Ewige droben über den Wolken, hinter dem Himmel gesucht. Die Weisen der alten Zeit sahen den tiefsten und wesentlichsten Unterschied zwischen dem Körper deS Menschen und der Tiere darin, daß diese mit dem Haupte zur Erde geneigt sind, während jener mit dem aufivärtS gerichteten Antlitze die Sonne zu suchen und den Himmel zu sehen ver- mag. Schier alle Völker dec Welt haben den Wohnfitz ihrer gütigen Götter hinter dem sonncndurchfluteten Blau des himmlischen Halbkreises gesucht, während sie die bösen Götter und Geisler lief in das Dunkel der Erde bannten. Wenn sie beteten, dann waren die gefalteten Hände oder die erhobenen Arme zum Himmel gerichtet; der Rauch des Opfers mußte aufwärts steigen, wenn c” den Göttern gefallen sollte. Die alten Germanen bestiegen bei festlichen Feiern die ragenden Gipfel der Berge und Hügel, um ihren Göttern näher zu sein; und deS FlammenstoßeS Geleuchte sollte ihre Huldigung hinaustragen zu den göttlichen Heimstätten. Im Menschenherzen waltet ein unbezwinglicher, sehnsuchtsvoller, Heimweh, artiger Drang himmelan, aufwärts, über die irdische Schwere hinaus. Wenn die Sorge unsere Seelen bang umnebelt, dann suchen die Sonne die sehnenden Augen. Wenn wir unserer Heimgegangenen Lieben in treuer Trauer gedenken, dann richtet sich daß Sinnen der Herzen wie von selbst zum Himmel hin, als ob sie dort hinter dem wunderbaren Luftschleier, hinter den glitzernden, grüßenden Sternen weilten. Es geht em seltsamer Zug: .Höher hinauf!' nicht nur durch die träumenden Herzen, nicht nur durch die sinnenden und sehnenden Seelen, nicht nur durch die Sänge und Sagen aller Völker, sondern auch durch die ganze Geschichte der Welt und des Menschengeschlechts.
Dieses Suchen, dieses Aufwärtsstreben klärte und festigte das Christentum. Der lichtumflutete, sonnigsieghafte, strahlen, glanzumwobene Himmelfahrtstag gab der Himmels- sehnsucht ein überirdisches Ziel. Der im Glauben Stehende sieht in dem blauen Kreise nicht das Ende deS irdischen DunsttaleS, sondern das Sinnbild der Ewigkeit. Die ganze Heilsgeschichte ist von Anfang an zugcschnitten auf daS selige, sieghafte Ende von Christi Erdenwandel in seinem Aufstiege zu Himmelshöhen.
In den Urchristen-Schriften wird unS berichtet, daß die Jünger, nachdem der Meister in leuchtender Wolke von ihnen genommen und himmelwärts gegangen war, sich um so enger und inniger aneinander schlossen zu treuer, trauter, fester, friedlicher Gemeinschaft. Das ist ja em rein menschlicher Zug, daß diejenigen, welche einen lieben Pfadgenossen verloren haben, sich enger aneinander schmiegen, damit sie die Lücke nicht so schmerzlich empfinden. Ter Jünger Gemein- schaft wurde um so inniger, da sie die gei|ligc Nähe des Erhöhten miteinander tiefer empfanden. Wer dem Heilande himmelwärts sehnend, suchend nachblickt, dessen Herz wird ziir hingebenden Liebe gestimmt. Wenn doch solche HimmelfahrtSliebe immer mehr einzöge in die Herzen, die Häuser, die Dörfer, die Völker! Wenn sie doch die Klüfte überbrücken wollte, die allenthalben gähnen. Wenn sie doch die Mißverständnisse und Mißhelligkeiten ganz beseitigen könnte, die wie Nebelschwaden zwischen Völkern und Ständen schweben und den Blick zum sonnigen Himmel hemmen!
Die Lieder, die zu Himmelfahrt draußen von den Boten des blühenden Lenzes und drinnen in den Tomen und Kirchen gesungen werden, sind Lieder seliger Hoffnung. Durch welche Tämmerungen und tiefen Nächte des Zweifels waren die Jünger hindurchgegangen, als die Schatten von Golgatha sich über sie herniedersenkten! Wohl schwanden des zagenden Zweifels neidische Nebel vor der das Dunkel scheuchenden Macht der Sonne des Ostermorgens; aber immer wieder tauchte hie und da eine Wolke deS Bangens, der Unsicherheit auf, die zu Zeiten die Sonne verhüllte. Am Himmelfahrtstage aber lag die ganze Welt, lag ihnen die ganze Zukunft in hoffnungsklarem Sonnengolde. Er, der Heiland, der Gekreuzigte, der Lluferstandene war aufgefahren. Seine himmlische Her- kunft sahen sie bewiesen, sein himmlisches Heimatsrecht be- siegelt. Er hatte in den letzten Stunden vor dem Scheiden ihnen den Schatz seiner Verheißung als Erbe hinterlassen; er hatte ihnen versprochen, bei ihnen zu sein mit seiner un- endlichen Liebe allenthalben bis ans Ende der Welt; er halte ihnen zugesagt, daß er die Stätte bereiten werde für sie im ewigen Lichte. Deshalb blühte ihre Himmelfahrtshoffnung herrlich empor. Und die Hoffnung der Jünger ist auch heute noch die Hoffnung der Gläubigen. Ob sie hier wandeln auf finstern Pfaden, ob sie seufzen unter drückender Lall, ob Sorge Weggefährtin und Armut Herdgenossin ist: der reichste Schatz bleibt vorbehalten. Einst wird des Herzens Bangen still am großen Gottesherzen.
Aber nicht das allein ist die Himmelfahrtshoffnung gläubiger Christenheit. Sie harrt der letzten großen Himmel- fahrt, der Wiederkunft des einst Aufgefahrenen in göttlicher Pracht, um die friedlose Erde ganz zu umfrieden, um sein Reich zu errichten, um die Herde der Völker um den einen
Gietzeim Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Bezugspreis: moL allid) 75 otettet» jährlich Att. 2J2O, durch Abhole- u. Hweigstellem monatlich 6o Pi.. durch diePost Pik.L.— vtettet» sährl. auSschl. vestellg. Annahme oon An;ttxrn für die LageSnununer biß vormittag« 10 Uhr, Zetlenprrts. lokal IbPI* außtoart« 80 Pi««Hz. Berantlvorttich tifac den polst. unt> cUycate Teil: P. Witiko^ tfix „Stadt und stand* isab .Genchtsfaal*i (Senft Heß. für den An- zeigenteil: San» Beck
weiter ausgebaut werden solle. . .. .
Cbecbiirqetmcilier B e cf er-Köln schlagt verschiedene Mittel -ur Hebung des Kurses der Staalsanleihen vor auch daS Gebot au die sparfajfen, ihre verfügbaren JlUkl
Hirten zu einen. Glücklich der Mensch, in dessen Herzen jolche Himmelfahrtshoffnung lebt und glüht. Ihm vermag ‘ m Staatspapiereu anzulegen.
Karlarnentarisches.
Berlin, 7. Mai. Die Audgetkommission des Reichstages beriet über den Etat für S ü d w e ft a f r i k a. Im Laufe der Debatte führte Kolonialdirekior Ternburg aus, von einer zu schnellen Einführung höherer Zölle, welche die Kaufleute unvorbereitet getroffen habe, könne keine Rede sein. Wenn fetzt aucy noch 4000 Mann der Schutztruppe nötig seien, so gehe doch fein Streben dahin, unter Stärkung der Polizei^ truppen die Schutztruppenzahlweiterherabzu setzen.
Im weiteren Verlaufe gelangte ein Antrag des Frhr. vorn Richthofen zur Annahme, welcher die Erwartung ausspricht, da» die vom 1. Lstöber 1907 noch im Schutzgebiet verbleibenoert Truppen nach Maßgabe des Forlschreitens' des Bahnbaus vermindert roeroen. Darauf wird der Etat bewilligt.
— Der Seniorenkonvent des Reichstages beichloß, auf die Tagesordnung vom Dtontag die Jurerot-ttaiton Hompesch, hex treffens das Grubenunglück in Lothringen, zu fetzen. Tie Resolutionen betreffend die Brausteuer, die Zuck erst euer und die Milchumfatzsteuer sollen in diesem Tagungsab- schnitt niept mehr zur Besprechung gelangen, sondern nur noch die Etatsresolutionen. Auch soll eine erste Lesung nicht^meyr vorgenommen werden. Am 15. Mai wird voraussichtlich Schluß sein. Man war Der Ansicht, daß es angebracht erscheint, sich hinsichtlia) der Reden möglichste Beschränkung aufzuertegen.
— Tie erste Lesung Des M i 111 ä r h in t er b 11 e b en en-; g e s e tz e s wurde heute in der Kommstsion des Reichstages zu Ende gesührtt Im großen und ganzen wurDe die Fassung der Regierungsvorlage genehmigt, unter Liiijügung der Bestimmung, nach der die Wirkung des Gesetzes auf die Wit w e n von Kriegsteilnehmern ausgedehnt wird, deren Ehe bereits zur Zeit des Krieges bestand. ,
— Dem Reichstag ging eine Vorlage üoer die 3^' prozenuge Zollerhöhung der Türkei und das Weißbuch über di« ^orgeschiaste Der pvllerhöhung zu.
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Mai. Dir Gerüchte über die angeblich nahe, bevorstehende Beendigung des Zollkrieges zwischen Deutschland und Kanada erweisen sich als verfrüht.
— Unter den Preiserhöhungen, welche der Staatssekretär des Reichsvostamts Krälke bei der Finanzresorm des öerMenen, Jahres eingesteckt hat, befand sich auch eine Erhöhung um 100 Prozent für außerordentliche Zeitungsbeilagerr Die Postgebühr wurDe von 14 Pf. auf ’/? Pf- pro Stück gebracht. Jetzt zeigt sich. Daß die Folge dieser'Maßnahme ein Rückgang der Beilagen um 7 b Prozent war. Die Post hat also anstatt erhöhter Einnahmen einen Einnahmeau sfall, der umso empsindlicher ist, da ihr nicht die geringste Ersparnis gegenübersiehr. Für bie Post ist es gleichgültig, ob in Den Zeitungen, die sie befördert, noch eine Extrabeilage steckt ober nicht. Schaben hat aber auch bie Industrie, Deren^Absatz infolge der verminderten Reklame zurückbleibt. Die Erhr war also eine der verkehrtesten Maßnahmen.
— An Stelle des verstorbenen fozialdcmolra:.i : Abg. Auer ist, wie nach bei 9iatL»3tg. verlautet, bei hessische Abg.
Aus dem Reichstag.
R. Berlin, 7. Mai.
Stotz hebt die Sitzung an, mit der Feststellung einer Präsenz von 333 Abgeordneten. „Aber wehe, wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe" darf man wohl nach der gestrigen Erfahrung sagen, die von der Beschlußunfähigkeit des Parlaments zu vorgerückter Stunde in aller Form Zeugnis ablegt Die Vize- präsidentenwa hl ist freilich eine Sache, die uuan sozusagen ehrenhalber mitmachcn muß, zumal die Abscimmung namentlich ist. Abg. Kämpf wurde also mit 192 Stimmen, nahezu mu der absoluten Majorität, wieder in den Vorstand des Reichstags berufen. Damit dds Satyrspiel nicht fehle, durfte Abg. Ledebour, der die „KrisiS" hervorgeruftm hatte, vier Stimmen auf sich vereinigen.
Die erste Lesung des Handelsabkommens mit den Bereinigten Staaten verlies anders, als erwariet worden war. Weder sah man den Reichskanzler, noch hörte man erregte Prr-testrufe. Gras Posadowsky führte bie Vorlage mit wenigen Worten ein, und er trug bec kargen Befriedigung der Vvltsvertreter über das in diesem Provisorium für Deutschland Erreichte von vornherein dadurch Rechnung, daß er erklärte, auch die Regierung betrachte das Abkommen nur als ersten Schritt auf dem Wege Lum Tarifvertrag, und sie werde in der Kommission weitere Aufschlüsse gehen über bie Verhandlungen mit Amerika.
Das tut allerdings bitter not, denn zwei große Fraktionen, die Konservativen und Nationalliberalen, ließen durch ihre Wortführer, die Abgg. Graf Schwerin-Löw itz und Di. Str e st- mann, füllen Tones erklären, daß sie, ihre Stellungnahme zum Provisoriiim von der Beweiskraft dieser Anffchlüfse abhängig machen. Beide Redner bedauerten besonders das geringe Maß der für die deutsche Induftrie erreichten Zugeständnisse, und man mutz in der Tat sagen: der Vertrag bringt der Union Früchte und Deutschland. Blumen. Darüber war auch im Reichstag nur eine Meinung. Mm vergleichsweise wohlwollendsten urteilte Aog. Kämpf, der den mageren Vergleich dieses Provisoriums so unbedingt dem fetten Prozeß eines Zollkrieges vorzieht, daß er sogar auf Kvinmissionsberatung Nrzicht leisten will. So leichten Kaufes kam aber die Regierung nicht davon. Die Vorlage wurde an eine Kommission von 28 Mitgliedern verwiesen, und dort wird wohl eine kräftigere Tonart angeschlagen werden.
Auch im Wirtschaftlichen Ausschuß, von dessen Einmütigkeit in dieser Frage viel Aufheoeiis gemacht wurde, ist es nach Andeutungen unterrichteter Persönlichkeiten nichts weniger als friedlich hergegangen. Die Geister sollen heftig aufeinandergeplatzt sein, um> ein Kommissar von der handelspvlftischen Abteilung des Auswärtigen Amtes hat dem Vernehmen nach erklärt, daß die Regierung sich auf ähnliche Vorgänge in der Reichstagskommission gefaßt mache. Trotzdem tucroe auch der Reichstag unter dem Druck der Notweiidig- keit das Pwvisorium gut heißen. Es bleibt dem Parlament ^tlerdüijjs kaum etwas anderes übrig, aber wenn es das Unvermeidliche mit Würde trägt, so wirk» diese Würde wohl darin bestehen, daß es die reichbeschenkten Atnerikaner mit Nachöruck auf das Provisorische des deutschen Wohlwollens, der deutschen Nachgiebigkeit hinweist. Böse Beispiele verderben gute Sitten, und bereirs für eine die deutschen Interessen voll wahrende Neuregelung der Handelsbeziehungen mit Spanien — von G n g- laub zu schweigen— könnte nichts weniger förderlich sein, ais ein gelassenes Hinnehmen des von Amerika Gebotenen.
Ueber bas, „notleidende" Oldenburg und den deutschen Ein- heitsgedanken lieh fich seltsamerweise bei der Beratung des Marineetits in tiefgründigem Vortrag Abg. Ahlhorn (Hosp, der Freis. Vtrsp.) verneynien. Eine weitere Ueberraj'chung bereiiAe dem Hause die Erklärung des Abg. Dietz (Soz.), daß auch die äußerste Linke der Vorlage über die Erweiterung des Nord- ostseekanals zu stimme. Es geschieht allerdings mehr aus Rücksichten auf den Verkehr als aus militärischen Gründen, doch die Tatsache bleibt trotzdem bemerkenswert, denn die Ver- pTeitcraag drs in erster Linie der Landesverteidigung dienenden Kanals wuroe derart einstimmig bewilligt.
Das Unerwartetste aber ereignete sich bei der Beschlußfassung über die von der Wahlprüfungskommission beanttagle Ungiltig- reü des Mandats des Abg. J-rhr. v. Richthofen (kons.). Bekanntlich wurde die Kassierung empfohlen, weil das Wahltelegramm des Reichskanzlers an einen Redakteur in dem betreffenden fchlesischen Wahlkreis eine „unzulässige Wahlbeeinflussung" barstellen soll. Der Beschluß der Kommission hat tn weiten Kreisen Kopfschütteln veraiilaßt, denn in Befolgung dieser Praxis würde am Ende auch die Ausgabe einer Wahlparole gleichbedeutend sein mit einer Einwirkung der Regierung auf die Wahlen. Man hätte nun meinen sollen, daß der heutigen Entscheidung des Plenums eine lebhafte Auseinandersetzung über diese interessante Frage vorangehen werde. Doch weit gefehlt. Nicht eine einzige Wirtmeldung lag vor; es wurde von der Vlockmehrhcft der Antrag der Wahlprüfungskommission einfach abgelehnt, und das Mandat des Frhr. v. Richthofen für a i 11 i g erklärt. Auch drei Zentrumsabgeordnete stimmten mit der Mehrheit. Der Block begrüßte dieses Ergebnis mit donnern- Dem Bravo. .
Preußisches Herrenhaus.
Berlin, 7. Mai.
Ohne Erörterung werden genehmigt die Etats der Anfied- lnngskoniniisiion der Zeiilralgenosfenschafiskaffe, der V-rivallung^der direkten und inbhefieii Steuern, des Finauzuiuilsterlunis, der eee- banblung, der Slaaisjchuldenverlvaltung. Beim Etat des Bureaus des Staatsniinistsriunis . , , , , . c _ l
Graf Mirbach: Ter Osten ,si zu hoch belastet, der Kurs unserer Staatsanleihen müffe gehoben werden, speziell durch eine andere Organisation der Reichsbaiik.
Finanzminister ftrhr. oon Rheinbab^en erklärt, die steuerliche Belastung Ostpreußens fei nicht ubermatzig. Zu-liimnen könne er dem Graien ü'ttrbach barm, baß bet Scheckverkehr
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