Aus SLasr und Land.
Gießen, den 8. April.
• * Dreihundertjahr feier der Land cs- universität. Unseren Mitteilungen über die Jahrhundertfeier vom Samstag tragen wir noch nach, daß am Samstag, 4. August, am Nachmittag in der Festhalle ein großes Volksfest stattfindet, zu dem die allgemeine Beteiligung der Bürgerschaft erhofft wird. Mit einem großen Feuerwerk wird dieses Fest beschlossen werden. Auch für die freie Vereinigung der Festteilnehmer, die im Philosophenwald stattfindet, hofft man auf einen regen Besuch der Bürgerschaft.
* * Eine Lehr er st eile an der Gemeindcschule zu Ebers- Heim wurde dem Lehrer Lorenz Schneider zu Herbstein über- tragcn.
* * Erledigt sind: Je eine Steuerausseher st eile bei den Hauptsteuerämtern Gießen und Mainz, die Dienerstelle bei dem Hauptsteueramt Bingen und die Stelle eines Aktuariatsi- assistentcn bei dem Großh. Amtsgericht Darmstadt L
• • Beerdigung. Zugführer Napp, eine in bei Stadt bekannte Persönlichkeit, wurde gestern (Sonntag) unte> zahlreicher Beteiligung der Eisenbahnbeamten beerdigt. N. war 70 Jahre alt und trat vor wenigen Jahren in den Ruhestand.
* * Die Kanalgebühren werden eine heute abend im Lenzschen Felsenkeller stattfindende Mieter ersammlung beschäftigen, in der außeroem die Gründung eines Mieter- Vereins vorgenommen werden soll. Angesichts der Wichtigkeit der zur Erörterung kommenden Gegenstände ist wvht ein zahlreicher Besuch aus Mieterkreisen zu erwarten.
— DieKaninch en-Ausstellung des Kaninchen- zuchtvereins »Volks wo hl" in der Stadt Marburg fand reges Interesse, das sich durch sehr zahlreichen Besuch der Veranstaltung äußerte. Die Ausstellung ist namentlich von süd- und westdeutschen Kaninchenzüchtern sehr reich beschickt und wohl alle Arten der in letzter Zelt als billiges Nahrungsmittel sehr in Aufnahme gekommenen Tiere sind vertreten. Wir sinden hübsche belgische Riesen, einfache Landkaninchen, wiener, engliche, französische und Angora-Kaninchen, ferner in sehr großer Anzahl Silberkaninchen, Russen, Holländer, Japaner, Belgier rc. In allen Farben schillern die munteren Tierchen, die hier in den bequem und praktitch eingerichteten Ausstellungskäfigen zumeist beschaulich der Ruhe pflegen. In der 2. Abteilung finden wir dann zahlreiche Tiere, die zumeist hiesigen Züchtern gehören und zu Verkauftszwecken ausgestellt sind. Die praktische Verwendbarkeit der Kaninchenfelle zeigen uns zwei reichhaltige Kollektionen prächtiger Pelz- waaren, sowie ein Paar Stiefel aus Kaninchenleder, welch letztere Schuhmachermeister Weber-Krofdorf angefertigt hat. Auch eine ziemlich umfangreiche Kaninchenlitcratur ist von einem auswärtigen Verein ausgestellt, während der die Ausstellung veranstaltende Verein Gerätschaften, Futter, Arzneimittel und ebenfalls Literatur ausgestellt hat. Am Samstag Abend fand bei sehr zahlreicher Beteiligung auch von aus- wärts ein großes Kaninchenesien statt, wobei über die Schmackhaftigkeit des Fleisches alles einig war. An zahlreichen Ausstellungsobjekten prangt heute die Bemerkung „Verkauft", z. B. wurden für über 150 2)1 Pelzwaaren verkauft. Die Ausstellung ist heute noch bis zum Abend geöffnet.
* * Ein Teil der Bewohnerschaft unseres Nachbarortes Garbenteich hatte sich durch eine Bemerkung in der in unseren »Familienblättern" zurzeit erscheinenden Artikelserie »Aus der Jugendzeit" unangenehm berührt gefühlt, obwohl darin die Rede war von damaligen Verhältniffen in diesem Orte, was durch den Druck ebenso hervorgehoben worden war wie hier. Wir hatten davon dem Verfaffer Mitteilung gemacht, der uns jetzt folgendes schreibt:
Zu meinem großen Bedauern erfahre ich, daß Bewohner von Garbenteich sich durch meine Erinnerungen aus dem Jahre 1848 in den »Familienblättern" vom letzten Mittwoch für ihr Heimat- dork gekränkt gefühlt haben. Ich ahnte bei der Niederschrift nicht, daß der von mir gewählte derbe Ausdruck Anstoß erregen würde. Ich nehme ihn gern zurück. Die verehrüchen Bewohner von Garbenteich mögen bedenken, daß ich von einer Zeit geredet habe, welche 60 Jahre zurücktiegt! Tatsache ist, daß Garbenteich damals viel Armut hatte. Es teilte dieses Schicksal mit anderen Gemeinden der Umgegend von Gießen. Vor sechzig Jahren hatte Garbenteich allermeist nur Strohdächer aufzuweisen, viele Wohnungen waren baufällig, die Straßen oft wenig sauber, die Häuser zum Teil unfreundlich, Grund und Boden entwertet. Es gibt wohl noch alte Leute dort, die sich dessen erinnern. Wenn .man heute das schmucke Dorf ansieht mit seinen freundlichen Häusern und Straßen, wenn man durch die blühenden Fluren wandelt, so kann man kaum glauben, daß dies das alte Garbenteich fei. Die heutigen Bewohner aber können ruhig zu- Seben, daß es einmal anders gewesen ist. Sie haben alle Ursache, stolz darauf zu sein, daß sie und ihre Eltern den heutigen blühenden Zu st and durch Fleiß und Tüchtigkeit geschaffen und Garbenteich aus einem armen zu einem wohlhabenden Orte gemacht haben.
Der Verfasser von »Aus der Jugendzeit-.
** Lich in Preußen. Ein Telegramm ans Windhuk Meldet:
,,Gefreiter Wilhelm Junior, geboren am 24. Juli 1882 zu Lich, früher im Infanterieregiment Nr. 69, am 1. April 1907 im Lazarett Windhuk an Herzschwäche nach Ruhr gestorben."
Wir dachten beim Empfang dieses Telegramms natürlich sofort an unsere Nachbarstadt und suchten dort näheres über den fern der Heimat für das Vaterland Gestorbenen zu erfahren. Der Umstand, daß niemand dort etwas von ihm wußte, gab uns zu weiteren Nachforschungen Anlaß, als deren Resultat wir Mitteilen können, daß es noch ein Lich gibt. Es liegt in der preußischen Rheinprovinz im Kreis Jülich und hat nicht ganz 800 Einwohner. Da das 69. Zns.-Regt., in dem der Verstorbene früher diente, ebenfalls dem Rhemlande angehört, ist anzunchmen, daß er aus jenem Lich stammt.
** Kriegsmarineausstellung. Die kürzlich in unserem Blatte erschienene Notiz über die vom 26. Mai bis 2. Juni im neuen Saalbau siattfindende Kriegsmarineausstellung kann jetzt dahin ergänzt werden. Das in jeder Hinsicht sehr reichhaltige Material ist von dem Reichsmarineamt, den kaiserlichen Werften zu Kiel und Wilhelmshaven, der Schichauwerft zu Elbing, dem Institut für Meereskunde in Berlin, der deutschen Seewarte in Hamburg, der Marineatademie in Kiel, den norddeutschen Seekabelwerke in Nordenham, den deutschen Schiffahrtsgesellschaften usw. zur Verfügung gestellt. Die Ausstellung, die auf ihrer Rundreise durch größere Städte Deutschlands auch Hessen besucht, enthält unter anderem: 13 große, prächtige, künstlerisch ausgeführte Kriegsschiffmodclle, u. a. 2 Linienschiffe, 2 Panzerkreuzer, 1 Küstenpanzer, das berühmte Kanonenboot »Illis/', 1 Torpedoboot, 2 Torpedoboots- zerslörerusw. Torpedo, Seeminen, Schnelladekanonen,Rcvolver- kanonen, Maschinengewehr, das im Feuer vorgeführt
wird, feuert 600 Schuß in der Minute, Boxer-Mitrailleuse, chinesische Wallbüchse, Säbel, Boxerfahnen und andere Trophäen aus dem Boxeraufstand, 1000pfündige Riesen- geschosse, Kartätschen, Schrapnells, Bomben, Mörser, die wichtigsten nautischen Apparate, Taucher-Schiffsmaschinen, Seekabel, eine Sammlung aus der historischen Abteilung der Marine-Akademie Kiel usw. usw.
4- Klein-Linden, 7. April. Nachdem unsere fünfklassige Volksschule jahrelang ohne Turngeräte war, hat die Gemeinde jetzt das von Turninspektor Schmuck Darmstadt entworfene Turngerüst angeschafft, das sich zu den verschiedensten Turngeräten verstellen und verwenden läßt.
r. Krofdorf, 6. April. Kreissekretär Eymael, der seit Oktober 1904 die Bürgermeisterstelle verwaltete, ist zum Bürgermeister in Sulzbach bei Saarbrücten ernannt worden. Zu seinem Nachfolger wurde der bisherige kommissarische Bürgermeister Braun nunmehr als Leiter der vereinigten Bürgermeistereien Atzbach-Launsbach endgültig bestätigt.
— Grünberg, 6. April. In der heutigen Gemeinde- ratssitzung fanden folgende Punkte Erledigung. Der neue Beigeordnete Karl Slonrab Tuldat wurde verpflichtet und in sein Amt eingeiübrt. Ludwig Aff III. erhielt die Erlaubnis, aus den Gräflich Laubachschen Waldungen Holz durch den Stadtwald zu fahren gegen eine Aversionalgebühr von 40 Pfg. für die Fuhr und unter der Bedingung, Beschädigungen der Wege usw. wieder Herstellen zu lassen. Der Gemeinderat beschloß, durch seine Kommission für äußere Angelegenheiten bei den Bürgermeistereien von Lehnhcim, Stangenrod, Atzenhain, Berns,elD, Weitershain usw. Erkundigungen einzuziehen, ob die betr. Gemeinden ein Interesse daran zeigen, dag die geplante Bahn von Marburg — Mücke anstatt auf Mücke in Grünberg ein laufen solle. Im Interesse der besseren Verbindung mit genannten Orten bezw. mit Marburg ist der Gemeinderat einstimmig dafür, dahin zu wirken, daß die betr. Bahn in Grünberg in die Oberhess. Linie einmünde und es sollen deshalb noch weitere Schrttte von Grünberg getan werden. Ein Antrag, sämtliche Krämermärtte in Grünberg, mit Ausnahme des Gallusmarktes in Zukunft in der Stadt abzuhalten, wird mit allen gegen eine Stimme abgelehnt, weil cs nicht für gut gehalten wird, Viehmarkt und Krämermarit räumlich weit zu trennen. Verschiedene Anträge des Verkehrsvereins betr. Herstellung von Wegen usw. und Absendung zweier Gemeint^ratsmitglieder in die Sitzungen des Vereins fanden Zustimmung. Die Platzsroge aber die Erbauung eines Wohnhauses für Unbemittelte wurde zurückgestellt, da dieserhalb nochmals eine Befich- tigung durch den Gemeinderat stattfinden soll.
Offenbach, 6. April. Die Handelskammer Offenbach hat ihrem Syndikus Jos. Schloßmacher anläßlich seines 2 5 j ä h r. Jubiläums in Anerkennung seiner ausgezeichneten Dienste die Pensionsberechtigung zugesprvchen. Die Vereinigung Deutscher Handels- und Gewerbekammer-Sekretäre hat dem Jubilar ein Kunstwerk überreichen lassen.
Frankfurt a.-M., 8. April. An der Ecke des kleinen Kvrnmarttes und der Bleidenstraße kam es in der Nacht aus Sonntag zu einer blutigen Messeraffäre mit tödlichem A u s g an g. Infolge von Streitigkeiten versetzte der 28 Jahre alte Schneider Josef Z eitler dem 23jährigen Speisewageukellner Paul, B o e k n e r aus Hamburg-Uhlenhorst mehrere Messerstich? in Leib und Brust, sodaß dieser auf dem Transport ins Krankenhaus an Verblutung vernarv. Der Täter wurde verhaftet.
LLngesandt.
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übernimmt die Redaktion dem ^ubhi::nt gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Zur Kanalsteuerfrage.
Die große Zahl der Zuschriften aus Mieterkreisen und deren zum Teil recht erregte Abfassungen beweist zur Genüge, daß die in der Stadtverordnetensitzung vom 4. d. M. von allen Seiten — besonders auch von den Kollegen, welche eine Erhebung der Känal- gebühren von den Hausbesitzern forderten) — geäußerte Ansicht, der Hausbesitzer müsse und |o liebte Gebühren entsprechend a u s seine Mieter ab wälzen, nicht im Sinne Vieler dieser Kreise unserer Einwohnerschaft ist.
Ein »Eingesandt" im »G. A." auS Arbeiterkreisen macht mir peziell zum Vorwurf, daß die von mir geäußerte Ansicht über die in hiesiger Stadt im Verhältnis zu anderen hessischen Städten überaus gedrückten Mietpreise unzutreffend und den Verhältnissen nicht entsprechend sei. — Ich weiß wohl, daß kleinere Wohnungen m den neueren Stadlleilen reichlich gesucht sind, und darum weit höher im Preise stehen, als m der Altstadt. Hieran tragen aber nicht nur die Hausbesitzer die Schuld, sondern eine Reche anderer Verhältnisse, rote gesteigerte Grundstückspreije, hohe Straßenkostenbeiträge, bedeutend verteuerte Material- und Arbeits- Preise, sowie em überaus teurer Geldstand, Der nun schon geraume Zelt das wirtschaftliche Leben belastet. Aus meinen längeren Er- 'ahrungen weiß ich genau, wie alle diese Verhältnisse gegenwärtig die bauliche Entwicklung unserer Stadt belasten, und welche große Gefahr die Auferlegung einer einmalig zu zahlenden größeren Summe der geschäftlichen Tätigkeit weilen Kreisen unserer Hans- besitzerschast bedeutet hätte. — Wirtschaftliche Zufammeiibrüche würden aber auch unsere Arbeiterschaft in ernste Mitleidenschaft ziehen, und solche zu vermeiden, halte ich für meine aufrichtige Pflicht.
Von der Ueberzeugung ausgehend, daß die neu zu wählende Kommission zur Ausarbeitung des Kanalgebühren-Entwurfes in erster Linie bemüht sein müsse, den wirtschaftlich schwächeren Teil unserer Bevölkerung nach Möglichkeit zu schonen, stellte i ch den Antrag, den Herrn Kollegen Krumm in diese Kommission zu deputieren. Und zwar führte ich wörtlich aus: »Ich lege den größten Wert darauf, daß in dieser Kommission Herr Kollege Krumm tätig ist, damit ihm Gelegenheit geboten wird, die ihm von der Mehr- zahl seiner Wähler anoertrauten besonderen Interessen wirksam zu vertreten."
Diesem Anträge wurde einstimmig entsprochen.
Hieraus möge man m den Kreisen der »kleineren" Mieter mit Zuversicht ersehen, daß die Stadtverordnetenversammlung bestrebt sein wird, wirtschaftliche Härten au vermeiden, und nur eine gerechte Verteilung der Lasten wünscht.
Auf der anderen Seite muß aber auch hier betont werden, daß em Derartiges KnUurwerk, wie es die Kanalisation unserer Stadt darstellt, — em Werk, das in gesundheitlicher Beziehung der heutigen und _ Den kommenden Generationen unendliche Vorteile sichert, nur möglich ist unter dem opferwilligen Beistand aller Kreise unserer Bevölkerung.
Eichenauer, Stadtverordneter.
Wenn auch der Artikel in Nr. 79 des „Gieß. Anz." als etwas in der Hitze abgefaßt betrachtet werden muß, so ist er doch berechtigt. Der Beschluß der Hausbesitzer-Stadtverordneten hat eben eine berechtigte Unzufriedenheit unter den Mietern in Gießen hervorgerufen. _
Gewiß haben die „inneren Einrichtungen" den Hausbesitzern „schon" Ausgaben cruferlegt. Allein man muß auch in Erwägung zieheil, daß der Wert des Hauses um diese Ausgaben in die Hohe gegangen ist, und daß der Hausbesitzer die Abortgruben nicht mefc Iberen zu lassen hat, wodurch er jährlich mindestens bis 80 Mk., d. h. die Zinsen von einem Kapital von mindestens 2000 Mk. spart. Berücksichtigt man nun noch, daß die Herren Hausbesitzer die Mieten eben wegen des Kanalbaues fast durchweg gesteigert haben, so erhellt daraus, daß die ganzen Kanab- gebühren nur von den Mietern aufgebracht werden. Das ist Gerechtigkeit bei den Herren Hausbesitzer-Stadtverordneten. Die ^luwendung, in Gießen seien die Mieten billiger als in Darm- -•SörrJl‘~<un5, Qslenbach und Worms, ist hinfällig. Erstens kann Uch Gießen mit diesen Städten gar nicht messeii, zweitens ist das Bauen an und für sich in diesen Städten viel teurer und die Hauser repräsentieren ein viel höheres Kapital als die in Gießen, drittens finb in diesen Städten die Wohnungen schöner und komfortabler eingerichtet, viertens bieten diese Städte den,
Mietern wesentlich mehr, fünftens sind in diesen Städten die Kommunalabgaben nicht so hoch wie in Gießen und sechstens erheben diese Städte in Erkennung der richtigen Sachlage k y f n x Kanalsteuer von den Mietern. Gemüse, Eier u. dgl. sind in diesen Städten billiger als in Gießen. Ich könnte noch eine ganze Reihe anderer Dinge vorführen. Aber was kann mir daran liegen, wag sich die Gießener Herren zurecht machen; meine Zeit, die ich Gießen zu weilen habe, wird, so hoffe ich, bald herum fein.
Den Herren Hausbesitzern in Gießen scheint eben ein weiter Blick zu fehlen. Der kurze Gesichtskreis der Gießener hat für Gießen wahrlich nodj keinen Vorteil gebracht. Bald werden auch die „so hoch bedrückten" Hausbesitzer in ihrem Geldbeutel spüren was ihnen die jetzt so hoch gepriesenen Herren Hausbesitzer-Stadt^ verordneten für Heil und Segen gebracht haben.
Herr Justizrat Dr. Gutfleisch, der selbst Hausbesitzer ist, hat die Herren Stadtväter rechtzeitig vor ihrem übereilten Beschluß gewarnt. Wer nicht hören will, muß fühlen.
Aus ihr Mieter zur Selbsthilfe. Zieht, wenn euch möglich, fort von Gießen, in dem man jahraus-jahrein im Schmutz und Sumpf wadet, fort von Gießen, das von den größeren hessischen Städten die höchsten Kommunalabgaben, die, wie jeder Eingeweihte weiß, in aller Kürze wesentlich erhöht werden müssen, hat, fort von Gießen, in dem das Stadrparlament nur die Interessen der Hausbesitzer vertritt und diejenigen der Mieter mit Füßen tritt; Mieter, laßt euch nicht von diesen Stadtvätern am Gengelband herumführen, haltet durch Schilderung der Gießener Verhältnisse in der Presse den Zuzug fern. B.
«
Auf das Eingesandt vom 5. April ds. Mts. möchte ich dem Herrn Etsender erwidern, daß es nur scheint, als ob er selbst ein Afleruueter i|t ober zu Den Drückebergern gehört, die vor Der ge rmgften Zahlung zurückjchrecken.
Die Konen Der Kanalanlage sollten, was schon vorher be schloffen luorDen war, uou Der Gesamtheit getragen werden. Es handelte sich nur Datum, ob man Die Kanal steuern den Nutz, nießern oDer nur den Hausbesitzern anforbern solle. Falls beschlossen worDen wäre, Die Kaualueuern Den Hausbesitzern anzu- fordern, so sollten letztere die Kanalsteuer von ihren iUlietern Durch Erhöhung Der Miete roteDer eiuztehen. 9htu ist es aber meiner Ansicht nach feine wesentlich größere Arbeit, Die Kanalsteuer von Den 'Mietern zu erheben als von Den Hausbesitzern. Die Bürgermeisterei hat für jeDes Haus anstatt einer Rechnung zwei, Drei oDer höchstens vier zu schreiben. Tas ist Doch für Die große Beamten- zahl Der Bürgermeisterei keine allzugroße Atühe.
Daß Die Hausbesitzer ihren 'Mietern Den täglichen Wasser- verbrauch bezahlen, Der sich infolge Der Kanalisation noch um BeDeulenDes vermehrt hat, scheint Der Herr Einsender nicht zu beachten. So bezahlt z. B. ein Hausbesitzer für ein dreistöckiges Haus, Das noch nicht an den Kanal angeschloffen ist, an Wasser- qelD pro Vierteljahr 7, 8 bis 9 Mark, während er für ein Dreistöckiges HauS mit Anschluß an WassergelD pro Vierteljahr 24,75 Mark bezahlt, was geraDe Dreimal so viel ist. Daß ferner Die Hausbesitzer mit allen möglichen ungerechten Kosten — wie man auch in Der letzten StaDtverorDnetensitzimg hören konnte — belastet sind, wie z. B. Dem Straßen- und Trotioirkostenbeitrag, scheint er auch keine Beachtung zu schenken. Denn es ist Doch sehr ungerecht, Daß nur Die Hausbesitzer und Bauunternehmer Dieselben entrichten müsseii. Da Diese wahrhaftig Die Straßen nicht allem benutzen.
Wenn sich Der Herr ErnsenDer nur einmal näher um Die Mietsverhältmsse in Gießen und Dessen benachbarte größere StäDte wie Alamz, Darmstadt, Worms, Frankfurt und Wiesbaden bekümmern wollte, Dann könnte er erfahren, Daß in Alainz Die Astete Doppelt, in Worms unD DarmstaDt ein Drittel und ui Frankfurt und Wiesbaden sogar Dreimal so hoch ist töte in Gießen, obwohl man hier kaum billiger bauen kann wie in obengenannten Städten, Da Die hiesigen Arbeitslöhne nur um wenige Pfennige pro Stunde hinter Denen Der vorgenannten StäDte znrückstehen. Sogar in FrieDberg finD Die Wohnungsmieten um 20°/e höher wie in Gießen. Was Das Material anbetrifft, so ist es hier ebenso teuer wie in obenerwähnten Städten. Auch DaS Gelände ist tm Preise nicht viel von einander verschieden.
Es wäre somit an Der Zeit und sehr gerechtfertigt, wenn die Hausbesitzer die Ästete wesentlich erhöhen würden, um ihre Existenz zu sichern und Doch mindestens auf ihre Unkosten zu kommen, ganz abgesehen von Den Kanalijationsbeiträgen, Da die Neubauten in Gießen Dem Bauwert nach kaum 4°/, und Der ortsgerichtliche» Taxe nach kaum ‘da/4°[0 rentieren, und Das Die alten Hauser in Du Stadt kaum noch eine iRenlablität aufweisen.
Sollte Der Herr Einsender Diesen Ausführungen keinen Glauben schenken, so bitte ich ihn um seinen Namen, um ihm Diese Tatsachen beweisen zu können, Da ich Diesen Weg Der AusemanDerseHnng nicht schätze.
Was nun Die Ausführungen über Die Demnächstige Stadtoer- ordnetenwahl betrifft, Daß Die Mieter solche StaDtverordneten wählen sollen, Die m der letzten Stadtratsttzung Den Antrag bei Bürgermeisterei unterstützen, so nrÖchte ich zum Schluffe bemerken. Daß sich Die Hausbesitzer reDltch bemühen werben, nur gerech, DenkenDe Leute in Den Dtadtrat zu senden.
Arveiterbewegnng.
h. Offenbach, 6. April. Wie Das „Op. Abendbl.' meldet i't Der S t r e i k der F u h r l e u t e der B a h n s p e D i t e u r e beendet. Die Arbeit ist heute ivieder aufgenommen wrnden. Der Streik Der Arbeiter in der Meta11fabrik Vom ist nach 18 wöchiger Tauer beendet luorDen. Alle Forderungen Der Arbeiter sind bewilligt worden. Es wurde ein Vertrag mit Der Organisation Der Arbeiter abgeschlossen. Es ist dies Der erste Vertrag m Der SDletäll’- mbui'trie Offenbachs, Der mit Der Organisation zustanDe gekommen ist.
Landwirtschaft.
— S a a t £ a r t o f । e l m a r 11. yur alle LanDwirte, Die ihren Bedarf an Saatkartoffeln noch nicht gedeckt haben, ist es mm höchste Zeit, dies nachzuholen. Deshalb entschloß sich Die Sa atoer- mittelungsstelleDesHefs.Landwirtschaftsrats nochmals einen Saatkartoffelmarkt, auf Dem Muster Der ert vagi* reichsten Sorten von verschiedenen Saatbairstellen zur Aufstellung gelangen, am Donnerstag. Den 11. April 1 2>07 von vormittags 9—1 Uhr auf Dem PferDemarktplatz in Mainz abzuhalten und laDet die Herren Landwirte hiermit zu recht zahl- reichem Besuche em.
Hess ische Bank A k t i e n - G e j e l l s ch a f t. In Der am Samstag abgehaltenen Generalversammlung Der Hessischen Bank Aktien-Gesellschaft waren von 1000 Aknen 615 vertreten. Die Bilanz, Gewinn- und Verlust-Rechnung mürben genehmigt und Entlastung erteilt. Die beiden Aufsichtsrats-Mitglieder, Albert Zobel und Ludwig SOlüUer, wurden einstimmig wieder- und Gras Arthur zu Erbach-Erbach neu in den Aufsichtsrat gewählt. Der Dividendenschein Nr. 2 gelangt mit 50 Mark an der Kasse Der Bank zur Einlösung. Laut Bericht des Vorstandes hat Der Umsatz ün ersten Viertel des neuen Geschäftsjahres gegen das des Vorjahres um 5 Millionen zugenommen.
Zur Börsenlage. Ein Teil der Berufsspekulation scheint wieder optimistisch geworden ju fein, dies zeigt sich zumal an Der eamstagsbörje, wo infolge einer leichten Verbilligung des Geldes ziemlich Aleinungskäufe liattgefunben haben sollen. Der Teil des Privatkapitals aber, Der Den Bewegungen Des Börsenverkehrs nahesteht und in Der letzten Zeit sehr erhebliche Verluste erlitt, ist vorläufig skeptisch und sehr zurückhalteiiD geblieben. Ueberhaupt ist die Aktionslrast Der Börse speziell Durch Die Ereignisse Des 'Monats März bedeutend gelähmt ivorden und Das wird sich im Laufe Dieses Monats noch weitaus mehr zeigen. Von dieser Seite traut man auch Den allzu sprunghaft sich emfteQenDen Erholungen nicht recht, weil eben Die Fähigkeit unD Neigung Der Spekulation und emes Teils Des Privatpublikums, die erneut erworbene Ware festzuhallen, ernstlich m Zweifel gezogen wird. Gerade so wie chie nachhaltige Erleichterung am Geldmärkte. Dies wäre nur zu gewärtigen, wenn Die gegenwärtig sich vollzieheuDen Rück- und Zuflüsse nicht durch größere Emisjioiistätigkeit absorbiert würden. Alaii braucht aber nur an den Anleihebedarf Des Reiches und ausländischer Staaten zu Denken, um Die Hoffnung auf eine längere Karenzzeit Des stark übersetzten EffettenmarLtes herabzustimmen.


