ßlegicwtg und Zentrum, tiaS die Rägie'rung mehr als je in die Abhängigkeit von Zentrumslaunen bräd-Lc, dies Verhältnis b ofr f nicht wiederhergestellt werden. Es würde die s ch l i m m st e Enttäuschung fürdenLibe- rcrlismuS fein, der mit insgesamt 104 Mandaten zurüdkehrt, wenn es geschähe. Die Steg ie'r ung kann s i ch ebenso gut, wie vordem auf das Zentrum, auf die Vereinigte Linke (hoffentlich kommt es zu dieser achtunggebietenden, einflußreichen Vereinigung in aller Kurze!) stützen, sie hat jetzt die gewünschte nationale, die konservativ-liberale Mehrheit, und wie konservative und liberale Parteien sich im Wahlkampf vielfach gegenseitig unterstützt haben, so können sie in mancher Frage von Bedeutung mit Erfolg zusammenstehen.
Die andere Mehrheit, über welche die Negierung verfügt, ist die cu§ dem Zentrum, den Polen und der Rechten. Hoffentlich tritt diese Mehrheitsbildung möglichst selten im neuen Reichstag in Erscheinung.
Gegen die Regierung aber kann sich eine dritte, starke Mehrheit bilden: Zentrum, Polen, Liberale und Sozialdemokraten. Die dritte Mehrheit hätte es in der Hand, jegliche etwaige Beschränkung von VoAsrochten, Wahlrechts- Abänderungen usw., unmöglich zu machen. Für eine Paarung des konservativen und des Zentrums-Geistes hat das Bürgertum bei den Wahlen nicht gestritten. Es wird auch schwerlich der Neigung konservativer Wähler entsprechen, das; die Rechte mit den Schnitt- maä/ern der Sozialdemokratie sich zusammentut.
In führenden ZentrunrSblättern wirsd jetzt ein Ton gegen die Regierung angeschlagen, der an die „Ruppigkeit" gewisser sozialdemokratischer Blätter erinnert. Die Berliner „Germania" z. B. ist aiuf dem Wege, cd in dieser Beziehung der ,,Leipziger Volksztg." des Dr. Mehring gleichzutun. Das erstere Blatt spricht von „Stinkbombe n", die zum Wurf auf das Zentrum sorgfältig vorbereitet gewesen seien; es bezeichnet den Chef der Reichskanzlei als den „Laufburschen" des Fürsten Bülow, denselben Herrn v. Loebell, der Roeren im Reichstag bloststcllte. Wenn das Zentrum noch in der Lage wäre, der Regierung ein kaudiniscli-es Joch aufzurichchen, dann würde Herr v. Loebell sich unbehaglich suhlen müssen. Jetzt aber wird er durch die Grobkörnig leiten der Zentrumspresse nicht int mindesten aus feinem Gleichmut gebracht werden. Ucbrigens besteht ein Unterschied zwifd-en Zentrums presse und Zentrumsfrattion, was schon bei früheren Gelegenheiten offenbar wurde. Die parla- mentarischen Frihrer dürjteit es wohlweislich ablchnen, sich den Ton der „Gerntania" anzucignen, denn die Regierung braucht das Zentrunt keineswegs in höherem Grabe, als für das letztere eine „Verständigung" mit dec Regierung sich empfiehlt. In der Zentrumspresse wird es ja noch geraume Zeit iiaajgrollen, es ist sogar wahrscneinlici)!, dojst dies von Partei wegen nicht ungern gesehen wird; doch im Reichstag dürlle man die Register des Spottes erheblich herabstintmett, schon weil dort die „Rcsonanz- verhältnisse" andere geworden sind. Auf die freundlichen Hünde- brüde von Zentrumsmännern werden diö Herren am Regierungstisch freilich verzichten müssen.
Unangenehme Gäste.
Man schreibt und aus Leipzig:
In der hiesigen Studentenschaft herrscht eine grast: Erbitterung gegen russische Kommilitonen, die fid) in intensiver Weise an der sozialdemokratischen Agitation bei den Rcid-stagswahlen beteiligten. Sie haben den Sozialdemokraten sogar Schlepperdienste geleistet! Das ist in der Tat ein starkes Stück und ein unerhörter Mißbrauch der Gastfreundschaft, die sie in Deutschland genicjsten. Was würde wohl reiä-sdeulschen Studenten geschahen, wenn sie eine der Petersburger Regierung unangenehme politische Partei in werl- tätiger Weise auf russisdMN Grund und Boden unterftützlen l Die russischest Bchördon wurden sie siä)-er weit härter atS durch bloßc Ausweisung bestrafen und ihnen lvahrscheinlich einen längeren Aufenthalt in Sibirien zudittiarcn. Wenn wir so grostherzig sind und Ausländern Gelegenheit geben, die hochstehende deutsch. Wissenschaft an der Quckle zu studieren, so können wir verlangen, bag sie sich nur als Gäste fühlen und sidj demzufolge auch ausführen. Dazu gehört über in erster Linie das strenge Fernhcllten von dem polillschen Getriebe in Deutschland. Zu Hause mögen sie in Politik machen, soviel sie wollen, an den deutschen Hoch sä-ulen aber haben sie zu studieren, und lt>enn ihnen das nicht pastt, so steht es ihnen ja frei, Deutschland beit Rüden zu kehren!
Unvernünftig benahm sich auch hier die Polizei. In der Mahlnacht versuchten 500 Studenten vor dem Voltshaufe patriotische Kundgebungen zu veranstalten. Sie mürben aber von der Polizei zerstreut, worauf dre Röenge nach dem Bismarcldenkinal zog.
Auch in Därmstadt ist gegen zahlreiche auslän- b i i d> e S t u b e n t c n ber Hochschule, die bei der Reichstagswahl berSozialdemokratieSchlepperoienste leisteten, ein Ausweis ungsverfahren eingeleitet worden.
Eine sozialdemokratische Stimme über Agrarier-Unterstühnng.
Die sozialbeui okratische „Mainzer Bolksztg.^ schreibt in ihrer Wahlbelrachlnng:
^Tcr Wahstaiiips ist unS ungemein erschwert worden durch die mehr als merkwürdigen Tcchiel mechte l umercr Geuoiicu in Bayern mit dem Zentrum und Bauernbund. Daß infolge diesec- Üich. andelS in Ansbach dec Demokrat Prof Quidde einem dauern- bündler zu», Opfer gebrachl wurde, ist gerade ein Schandflcä In der Gcfch chkc unserer Partei. Unsere Parleipresse entrüstet,ich dar über bah Konscrvaiwe von Freisinnigen gegen me Loziawcuiolralen uiuctftübi wurden. Sicherlich nut Recht. Aber, so fragen wir, sind denn die Wahl- geschälte unserer bayerischen Partcigenoff.n minder verurteileuswertt? Wir werden noch Bcraulassung neymeu, eingehender an; diese Frage zuiückzulouinien, wollen aber jetzt schon feslstellcn, bah das Ansehen unserer Parte» durch o a s offene Paktieren mit Ultra, montanen und B a u e r n b ü n d l e r n schwer gelitten hat. Lb uno inwieweit die Taltst der Bayern auf unseren Mandala Verlust üi Darmstadt von Einfluu war, bLibt noch zu nuurmchcn."
> aty bt’ii Ma!)len.
Die ,Nordd. Allg. Ztg." schreibt unter dem Titel „Ter neue Reichstag":
Die pattiomchen Kundgebungen vor dem Königl. Schlost und vor dem Hanse de» Reichskanzleis haben gezeigt, dast die Bevölle- rnng Berlnis sich über bie Bewertung bei '2x5aI)lcvncbntffe jo’ou flnr war. ^.tc iveubtge Genugtuung, ivclche Tausende m nolionnler Begeisteiltng lind zum Kanzler drängte, luirb im ganzen Reiche gete'lt. -tie ^uchwahlen hielten, was bic Hanplivahlen uciipradjcii.
*n'-’ bebau Ictiicv langen Erörterung. Eine kurze nüchterne Be- trachtung mag nur bestattgen, ivas jeder so'ort fühlte. Am vorigen Reichstag belasten die Parteien, ivcicße die kolonialen For»
C 1 ■* UUt U7 <s!lnuitcu öXill biachten. eine Gesamislärle
von lW Kopien; dazn tarn noch eine Anzahl Fralltouslojer, die ilne JJinjoutQt noch verstärkten. Diese Parteien sind durch die Wahlen m knapper Rechnung u m c 1 ivn tzu S i he gei ch io ä ch i. Cine zuverlässige nationale '1)1 e 1) r 1) c 11, bie von bei 6 11 m ui n n g bei- größten Partei im Hanse, dem Z e ,i t r n in n >rabha n gig i st. Das Zent r u m .virb tun tin n t ui t mcljr in ber tilge sein, mit Hütte ber stets negierenden ym.-nen du co,; ia l b e m o t r n t e n und Pole n eine '1)1 e h i° Qett zu bilden. Es hat kunitig m nationalen Fragen nicht mehr,j
wie bis jetzt, die Wahl zwischen Gewähren und Versagen. Wer diese seine bisherige 'Diacinflcliung als schädlich empfnnb, darf heute bcueir an atmen. Das Zentrum kehrt zwar sogar um einige Sitze verstärkt in den Reichstag zur lick, aber es kehrt zurück in einen anderen, in einen national erneuerten Reichstag. Tiefen neuen Reichstag gesebasfen zu haben, ist baS Verdienst des benifchen Vürgerluins. Nichts ist bezeichnender für die hinter uns liegenden Wahlen als bie nationale Geschlossenheit, mit der die bürgerlichen Paileicn, vor allem in den großen Städten, an bie Urnen getreten sind. Eine weitere Cclnvächung der sozialdemolrakischeu Fiaktion ist gerade durch bie Partei verhindert worben, die sich bisher als 'eslesles Volliverk gegen bie sozialbemokratische Flut zn bezeichnen pflegte. Wir glauben, das; biese Haltung des Zentrums nicht ohne Ruckwirkimg aui bie Stellung ber Parteien bleiben wird. Ter Sieg ü b e r b i c Sozialdemokratie t ft erfochten ohne, ja gegen das Zentrum. Umso ehreiwoller ist das glänzende Ergebnis für die Sieger. Freuen mir uns des Erreichten nilb arbeiten wir an der Slcherilng und Belesligung des errungenen Gutes.
Der König von Sachsen hat in einem an seinen Staatsnnnisier Grafen Hohcnthal gerichteten Telegramm seiner freudigen (Genugtuung erneuten Ausdruck gegeben, und hierbei auch danlbar der loyalen Gesinnung Erwähnnng getan, die ihm in vielen Hunderten Depeschen bekundet worden ist. Er richtete ferner an den Oberbürgermeister von Dresden folgendes Telegramm:
„Dieme Freude, mein Stolz über meine lieben Dresdener ist groß. Größer noch mein Taut für die patriolische Aufopferung vieler ausgezeichucter Wimmer. Es ist ein Vergnügen jeyt zu leben."
Ter Zentralverband deutscher Industriellei uchlete eine G l ü cf tu u n sch ad re s f e an den Reichskanzlei iliid knüpsle daran die Bersicherling, bast der Zeniralverband es als eine seiner ernstesten Pflichten ansteht, den Reichskanzler wie bisher so auch künslig im Kampfe gegen die Sozialdemokratie mit aller Kraft zu unlerslützen.
Der doppelt gewählte Abg. v. Czarllnski hat sein ReichslagSinanbat für Böre>chcn-Plefchen-Iarolschm abgelehnt. Tie Neuwahl findet am 12. Febtuar stall.
Tie »Franks, ßtg.* * meldet aus Strastburg i. E.: Gestern nachinitlag lam es zu wüsten Au sichre Hungen. Sozialistische Vollshaufen, unter denen Schiltknaben, halb- wüchsige Burschen und bie Arbeitslosen einen starken Prozent- satz bilbclcn, zogen johlend durch die Stadt und rissen gewaltsam die leinenen Plakate, welche dazu nufforberleti, Bürget zu wählen, von den Geschäftshäusern herab. Hierbei iam es zu Reibereien und Prügeleien, in welcher die Sch ii tzm a n nsch a ft, bie mit Schneeballen traktiert wurde, einzeln nichts a u S r i ch t e n konnte.
In Port ist (Königreich Sachsen) verschwand der Kassierer des sozlal dein okra11jchen Reichstags- iva hl Vereins, Holzarbeiter Braun, mit der Kass e.
Ter schlesische Grossgrundbesitzer von R! a ch n i - O ck l l tz, der sich vor ber Reichstagswahl als nationaler Katholik in einen Gegensatz zu der osfiziellen ZenlrumSpartcl gestellt hatte, ist voin Wahlkreis-Komilee der Zentrumspartei ausgeschlossen worden.
Angesichts einer Aufforderung des SDb er bürget« meifters von Köln an die dortige liberale Wählerschaft, die Zentrums-Kandidatur Trimborn zu unterstützen, erklärt die sozialbemokratische Rhein. Ztg., es sei zu untersuchen, ob der Oberbürgermeister als (5hef ber städtischen Polizei-Brrwallung, also als Staatsbeamter nicht einen u n- ;>esetzllchen Eingriff in die Wahlhandlung unternommen habe. Wäre diese Frage zu bejahen, so würde das Borgehen des Oberbürgermeisters zu einem wirksamen Wahl - Pro - t e ft Anlast geben, umso mehr, als die Aufforderung nicht ohne Erfolg gewesen sei.
Presjstimmcn zu den Wahlen.
Die deutschen Parteiblätter knüpsen vielfach Wünsche über die künstrg cinzuschlagende Politik an. So sagt u. a. die „Nationalztg.": An dec Regierung wird cs nun sein, die neuen Möglichkeiten, die ihr bie Wahl bieten,, klug zu nutzen. Mit aem — heiullich oder osten — foitixmcrnbcn Groll des Zentrums wird sie zu rechnen haben. Tut sie das aber, so ergibt sich das .'wertere Verhalten von selbst: es ist alles zu meiden, ivas die emp,rndlld>e, ko n s e r v a t i v e-1 r b e r a i e M e h r h e i t aus ein ander treiben könnte. Ja, man kann fid) sogar eine l’iug abwagende Politik deuten, die pmnmastig daran arbeitet, dreie loacre Mehrheit zu festigen. Warten wir ab. W.r haben oas unserige getan, an der Regierung ist es nun, das ihrige ju tun.
Die „Boss. Ztg." bemerkt: Tie vielerörterte „Gfamtbürg- schaft der burgerlla-cn Linken mit der Sozialdemokratie ist von oer Wahlerfchast |ü|t Qllcntljaiben abge.ehnt worden. Auch haben fid) die von Parleiteitnugen ausgegeveiien Stidnvahlparolen über- ioregend als unwirkiam erwiesen. Die Wühler gehen zumeist ihren eigenen Weg, ohne sich einer Marschroute zu fugen. Nun aber, da der Kamps voraoer ist, toirb das liberale Bürger- t u ni gut tu n, sofort aufs neue an bie Arbeit zu gehen, feine Organisation auszudauen und seine Mannsatasten zu per st är le n und zu sd)ulen. Weist doch niemand, ob nicht in verhäitnism.chig kurzer Frist abermals Neuwahlen c r s o l g c n werden 1
Das „B erl. Tag eb l." sagt: Die Waffen, die in diesem Kampfe allein zum Siege führen, sind vollste konfessionelle Gteid>- verechtiguiig, Freiheit und Kultur. Will fid> die bicgicrung ihrer bedienen., >o wird fie auf die Hülfe der liberalen Wähler rcüjnen können, die gerade bei den jetzigen Wahren gezeigt haben, dag iic keine zu verachtende Gröste sind.
Tie „Polt" schreibt: Das dentso-e Bork hat wieder einmal gcseigt, büß es in feiner grosten '.bcehrheit nod) der tap.eren yibnen wert und würdig ist. D^r Ueücriiiut der Revolutionäre Ut gch^mp,t, aud) ihr im Reiaistag od geübter Terrorismus i!t nicht ineljr möglich, beim sie Haven nicht mehr die Starke erreicht, daß ste ohne ireuibe Uiiterputzung AilträPe au, nament- Uüje Absttmmung stellen können.
Tie „Deutsche Tagesztg." führt aus: Der Reid)s- k a n z l er wird zwar keinen gefügigen Reichstag haben, aber doch einen weit bequemeren. Dem Liberalismus Z u g e ft a n d n is se zu machen, die iniicrlidy nicht begründet linl), liegt lürujn n i d} t bic ininbeftc Veranla.sung uor, da die Erfolge ber liberalen Parteien sehr durstig find. Am allerwenigsten dar, ihn die Neuwahl etiua aazn beweg en, die wirllscha.tspvritischen Bahnen, b.e er bisher gegangen pt, zu verllis,eii. Das hat t.otz des Lrotwucher- gefchrciü uiid des Fwiichnotrumme.s bewie,en, dast cs mit der ^olitil' der neuen Hmwe.sverträge zu,rieben ist. Es wäre das rorichfie, was getan werden lonnte, lueim man diese Politik ver- IQliC-t oder abfirpoäd)cn wollte.
Ebenso weiwet f ich auch die „Kreuz ztg." gegen ein etwaiges Eiiifchweiiken der Regierung nad) linrs, da Re Ersolae des Lllveralisinus leine übermäßigen seien.
^l.1,tQUia" '^r.ior: Nou) so viele zitatengespidte JJciltniinu..i.-i.b.ii_ oermogen oie Datfache Nicht aus der Wett zu veitufchcn, daß er dem Zentrum gegenuocr cüic Nieder.age e.lilten iwt. Wcro man enbrich aud den Wahlen lernni. Wird insueibiioere bie j.eguranß ctibaü; euiie.-cn, vag Rr tatboiiiche ^ot stell, der ImiLr de n leiiirum w, sich nicht tz" Sette fchieben tu bi, iDLvj.it e..t o-utar i>t, mit dem sie rechnen muß? iJer Malier fprach ui der tepten lllaatt von der alles über
windenden Macht, die au5 dem einigen Zusammengehen der Kvnfessionen erroad^fe. Mochten alle, bic es angeht, baä im rechten Sinne verstehen -und beherzigen. Wir würden es als das schönst« Ergebnis des beendeten Wahlkampfes freudig begrüßen.
Die Eldmenceau und Pidwn nahestehenden fränzösischer Organe heben hervor, dast Fürst Bülow in allen die nationalen Interessen berührenden auswärtigen Fragen an dem tim,tiger. Reichstage cine zuverlüs'ige Stütze haben werde. Ob das deut.che Kaiserreich nad) dieser für seine icrncrc Entwialung überaus wich, tigen Wahlperiode den Frieden nad) außen bedeutet, werd: wesentlich davon abhängen, inwiewett das Zentrum, in beneu Reihen der Hast gegen Frankreich sich am I>artiiäaigften erhalt, auf die Entfalließuugcn der leitenden Streife Deutfüllands Ein. stutz zu gewinnen vermöchte.
Der Pariser „.ul a t i n" sd-reibt: Die Unterstützung, welche die di e g i e r u n g bei den Freisinnigen gefunden hat, muß sie audj anerkennen, entweder indem sie den Ll ide. raten Z u g, e fi a u b n i | । c macht oder inbein sie den Liberalen einen Ante il an der Regierung bewilligt. Der „Matm" Ut ber Ansicht, der Reichskanzler haoe ferne Vvrticoe |ur die Liberalen, und die F r e u u b i d; a r t werde nicht von Dauer sein. Nach einer gcouhrenden Panse werde wieder bie Aussöhnung mit b ein Zentrum criolgen, in der Zivi. fd-enzett werde man die Liberalen ans nutzen.
„Libre Parole" jrcut sich uoer den Erchig der deutschen Katholiken, weld/e bte Herren i m Reichstage seien und die deutsche Politik beherrschten, obwohl sie eine Minder hell bilden.
Die Wiener „N. Fr. Pr." sagt: Deutschland darf nicht getäuscht werden, D ent sd) land will cine liberale Politik, bic ein jo gro^r Jii0uftrlC,taat bruigeuö braucht, iss kann nicht länger von L a n d p s a r r e r n und oupreuß, ^littergutöbeiiljern regiert werden. Wenn die,eS Be- oürstiis nicht beschreunigt toiro, so must Deutschland loieocr in den LiadikalismuS zurucrfallen, bur slennzeichen bet Wahlen von 1DJJ war. Die deatfd-c Regierung und ber £>eul|üje Staiier toeroen hoisenllich den Wink des Schidsats vernehen, das ihnen noch einmal bie Gelegenheit bietet, das Deutsche Reich nach seinen wirklichen, aus den innersten Lebciis- trieben ciitivringcnbcn 2öebürliUfien und nicht gegen seine Bedürfnisse z u lenken.
Deutsche» Aeich.
Berlin, 6. Febr. Heute machten ber Kaiser und bü Kaiserin mit den Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert einen Spaziergang im Tiergarten, später machte das Kaiserpaar einen Besn ch im Noichskanzlervalais und stattete ber Fürstin Bülow Glückwünsche zu ihrem Geburts« tage ab. Der Kaiser hatte banad) eine Besprechung mit bem Fürsten und empfing im idJitigl. Sd-losse die Arbeitskommission für das V o l k s l i e d e r b u d- für Atännerchor. In der Audienz sprach d e r K a i s e r lange und eiugeheno über bie Bedeutsamkeit des Volksliedes, dessen Hohen erzicherisd;en Wert und dessen Pflege in der Sd-ule. Er rüljantc bie Vorlreffrichkeit bes Wiener Manncr-Gefangoereins, beit er beranntlich im Winter im Schlost gehört hatte. Bei bem Empfange nahm er bas erste Exemplar bes Lieberbud)es entgegen. Ter Kaiser verlieh bem Vorsitzenden der Kommission Wirkt. Geh. Rat Frhr. v. Liliencron die Brillanten zum Rolen Adlerorden 1. Klasse mit der Krone, dem Pros. Felix Schmidt und dem Verlagsbuchhändler Hinrichsen- Leipzig den Kronenorden 3. Klasse, Pros. Friedländer, Gymnasial- Proscs,or Botte, dem Direktor der Singakademie Sä-umann, Prof. K^retzschmar und Mein Musikdirektor Ferdinand Hermined den Roten Adlerorden 4. KlasiC, dem Komponisten Hegar-Zürich und dem Ehrcn-Ehormeister Kremser-Wien fein Bild.
— Der uationallib. Landtagsabg. Langhammer-Ehemnitz, ber bisher anderer Ansid/t war, erhärte jetzt, der Ausfall der Rciäss- tagswahlen in Sachs en habe ihn überzeugt, dast auch hier das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Landtags-Wahlrecht durd/führbar sei.
Ausland.
Ko pell Hag en, 6. Febr. Zn der heutigen Sitzung des Folkelhings bejolite Finanzministcr Laven die Anfrage, ob zurzcu zollpolitis che Verhandlungen zwischen Dänemark und Deutschland geführt würden.
Brüssel, 6. Febr. Wie die hiesigen Blätter initteilen, hatte der Wagen, in welchem der König eine Ausfahrt machte, einen Z u s a in m e n st o st mit einem Trambahnwagen, weil der Kutscher das Klingeln des Trarnbahnführers nicht gehört hatte. Die Deid-sel des Königlichen Wagens drang durch die Sd^cibcn des Trainbahnwagens, ohne dast jebodj Personen verletzt wurden. Der Sdönig erlitt cine heftige Erschütterung und wnrdc gegen die Rückwand des Wagens gcsdsteudett, erlitt aber sonst keinen Sd-aden.
Konstantinopel, ü. Februar. Gestern abend wurdi in Pera gegen George E tz r i st i t s ch, den unehelichen Sohn König Milans, ein Dolch-Attentat verübt. T ie Wirkung des Stotzes wurde jedod) dadurd) aügesd)lväd)it, dast der Doldi ein Notizbud) traf und dadurd) die Verletzung sich als unbedeutend herausstcllte. Die Vkotive sind unbekannt, dod> zirkulieren allerlei aüciitcuerHd)? Gerüchte.
— Gegen F e h i m Pascha, dem Generaladjuranten uni Chef der Geheimen Polizei, dessen Bestrafung ber deutsche Bot- l'd^aiter wegen räuberischer Wegnahme einer inzwischen freigcgebeneu beutfdjen S d) i f f s l a d u n g verlangt hatte, wurde auf Befehl des Sultai^ Un,kersudsjuug cingeleitet die fiel) aud) auf bie sonst von Fchim Pascha seit langen Jahren begangenen Verbrechen erstreckt. Fehim wurde einftmeilen untei Polizeiaufsicht in seinem Hache gestellt. Seine Truppt wurde ausgelöst.
R e w y o r £, 6. Febr. Tie Norih-Kommifiron veröffentlicht die Grundzüge eines Vertrages, der der Bundesregierung unannehmbar ersd-eint und zwischen bem deutsd m Botichaftei Frhrn. v. Srcriivurg unb dem Staatsseiretär Root unmittelbar verhandelt werden dürfte. Die Bundesregierung erwartet zwar nicht die Ratifizierung dieses Vertrages durch den Senat, hall cs aber für nuiglid), 'özast ber Vemrag ratifiziert wirb, weil Storch als Hochsu)Utzzbllner ihn Lwpfiehlt uno weil ber Vertrag keine Umweisung bes Dinglcy-Tarises erheischt.
Neues aus Rustlaud.
Ter Zar bestätigte das kriegsgerichtliche Urteil gegen Sldrniral Siebogatolv und bie anderen Mitangeklagten Seeoffiziere, nach dem Rebogatow zu zehn Jahren und die onbeicn Offiziere zu einer Feillmgshaft uon ver- ichiedener Tauer üenitiedt worden sind.
Bis heule wurden 1 4 2 3 3Lahlmänner für b 11 Sn ma gewählt, darunter 389 Rtonarchiften und diesen sich anschlietzc'lldc, 239 Geinätzigie, cinschlicstttch 145 Oktobristcu. 498 Mttgticder der Linien, emschlietztich löu Kadetten. 4S Rauonclltttcn, cinichlleßlich 3u Polen, 13 zioitiiiljche Juden, 151 Partcilosc, folvie 97, deren Stclllingnayinc noch un< betanill in.
Der „N. Fr. Pr." wirb aus Odessa telegraphiert;


