Nr. 7
trl^dnl K-Nch mit «»«nähme bcfl Sonntag*.
Die ..Otetzener LamtlienbiStter" werden dem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das '.Kreliblott für den Kreis Lietzen" zweimal wöchentlich. Ter „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Rotationsdruck und Verlag"der Brühl'sch« UniversttLt» - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Truckerei: Sckiul- straße 7. Expedition und Verlag: e=t@ 51. Redaktion: HL. Tel.-Adro AnzcigerGießen.
Zweites Blatt 157. Jahrgang Mittwoch 9. Januar 1^07
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheftm
Acruöu.gs neueste KolontuLrede.
Berlin, 8. Januar.
Leute abend fand aus Veranlassung der Freien Vereinigung don Gelehrten und Künstlern zur Besprechung von Kolo- nialsragen eine Versammlung statt, die unter anderem auch von vielen natwnalliberalen Abgeordneten besucht war. Sic wurde von Professor Schmal ler erössnet, der in seiner Eröffnungsrede betonte, daß es nötig sei, die drei Millionen wahlfähiger Manner, die nicht an den Wahlen tcilnahmen, zu veranlassen, daß sie ihre Pflicht gegenüber dem Vaterlande tun.
hierauf hielt Kolonialdireklor Dernburg, von stürmischem Beifall begrüßt, eine längere Rede. Ec betonte zunächst, daß die Frage der deutfclzen Kolonien ganz unabhängig fei von der Stellung die man int deutschen politischen Leben als Partei- Politiker einnimmt. Es handele sich vielmehr für die deutsche Nation im gegenwärtigen Augenblick um die Frage: suhlt sich die Ration innerlich kräftig und stolz genug, eine einmal begonnene Kulturausgabe nicht anszugcben, fühlt sie sich reich genug, weitere Ausgaben zu machen, die nicht unmittelbar rentieren, »der will sie sich in Kleinmut, unter allerhand Aengstttchkeikcn und aeüeckr durch den Dampf, den die Kanoniere der Kolonialskcuroalc erzeugen, -urüct-iehen? Die allgemeine Aufgabe jeber Kolonim- tolint formulierte Dernburg sodann durch folgende Lhefe: Stolcm fation, ganz gleichgültig, ob es sich um Plantagenkolonien obrr um Ansiedeliingskolomeii handelt, heißt die Nutzbarmachung bes Bodens, seiner Schätze, der Flora, der Fauna und vor allem der Menschen zugunsten der Dirtscl-aft der kolonisierenden Ncttüm und diese ist dafür zu der Gegengabe ihrer höheren Kultur, ihrer sittlichen Begriffe, ihrer besseren Methoden verpsllchtet. — Der Kolonialdirektvr führte dann im einzelnen aus, roie die An- Wendung dieses Latzes oaS Bild des in Kolonisation genommenen Lam>e- von Grund auf ändert. Dies gilt zunächst von der Fauna und Flora der Kolonie, vor allem aber von ihrer Bevölkerung. Tauscntx von Jahren haben jene Eingeborenen gelebt vom Krieg und d« Sklaoenzagd, von Jagd und vom Tiersang, von bei oklaparorischen Gewinnung wilder Früchte, in den wenigsten Lütten von sehr mühelos wamsenden Pslanzenkulturen. Nun verlangen gewisse deutsche Kolomsatoren, daß innerhalb 30 Jahren oder einem ähnliä-en Zeitraum nun diese Menschen alle um» gewandelt werden, zivilisiert und produktiv werden nach europäischer Methode, handel treiben und konsumkrästig werden sollen. iI3mn man mit gewalttätiger Land eingreift in uralte LebenSge- wohnheiten, FamUienrechte, wenn man in aller Ehrlichkeit und mit allem Wohlwollen zu Felde zieht gegen den Aberglauben, Wenn man Rechtsbegriffe aufpsropst, wo daS entsprechende Rechts» empsinden fehlt, wenn mau deutsch verwaltet mit der Pünktlich» [tut dcS hohen RechnungShofs in Pots, a n, wenn man die Neger, deren Leistungsfähigkeit in den Tropen .13 durch die llngewohn» heit zur Arbeit, teils durch daS furchtbare Klima eine beschränkte ist, zu stark anspannt, und wenn man, — ich sage das mit aller Urberlegung — über manche üblen und grausamen Gewohnheiten nicht unter Umständen wegsehen kann, so kommt man natürlich in den Zustand des beständigen Konfliktes, Hier hilft nut langsame, verständige, überlegte Tätigkeit besonders befähigter und vorgebildeter Leute, deren Be» wegungssähigkeit nicht zu stark eingeschränkt werden darf. Nicht ji viel Vorschriften, keine Bureaukratie, sondern Männer mit gesundem Mensä>enverstand, freier Anschauung, die nicht zu viele Liele zugleich im Auge haben und den Druck der neuen Regierung nur da auSüben, wo es eben zur Erfüllung jener beschränkten Aufgaben absolut notwendig ist. Der Redner wies dann auf den Gegensatz zwischen früherer und heutiger Kolonisation hin, den er bann erblickt, daß man früher mit Zerstörungsmitteln kolonisiert habe, während man heule mit Erhaltungsmittcln kolonisieren könne. Als eine der wichtigsten hülfswissenschaften des Kolonisators bezeiäjnete der Kolonialdirektor die Technik. Von dem Bohrtechniker und dem Windmotor könnten wir mit Sickjerheit erwarten, daß sie das südwestafrikan. Schutzgebiet in denselben blühenden Zustand versetzen werden, in dem sich zurzeit die englische Staylolonic befindet. Dernburg kam dann auf die finanzielle Bedeutung unserer Kolonien zu sprechen. Er schätzt, daß wir in den letzten 22 Jahren jährlich durchschnittlich 30 Millionen für die Kolonien ausgegeben haben, und hält dem entgegen, daß sich daS deutsche Kapitalvermögen im gleichen Zeitraum um mindestens i 30 Milliarden vermehrt habe. Durch eine Reihe weiterer Zahlen- ' aufstellnngen suchte er das finanzielle Ergebnis unserer Kolonial- | Politik möglichst günstig zu zeichnen. Der letzte Teil des Dern- Sburgschen Vortrags befaßte sich speziell mit Südwestafrika, über dessen Entwickelungsmöglichkeiten er sehr optimistisch urteilt. Er ' beruft sich cuf das Urteil des Professors Hahn, der nach Bereisung der deulfchen Kolonie erklärt habe, große Teile dieser Kolonie seien nach allen Richtungen so gut und aussichtsreich Wie | die Kapkolonie. Dernburg schloß damit, cs sei notwendig, daß im £ gegenwärtigen Moment verständige Leute aufklärend und erlcuch- icnd wirken, und nicht nur selbst die Ueberzeugung von dem sittliclzcn und wirtschaftlichen Wert unserer kolonialen Arbeit gewinnen, sondern sie auch der neuen Generation mitteilen, damit Deutschland des Nutzens eines blühenden Kolonialbesitzes nicht verlustig gehe. Man möge helfen, die Kräfte zu lösen, die bereit leien, sich in den Dienst einer großen nationalen Aufgabe zu stellen.
Die Rede wurde vielfach von Beifall unterbrochen.
Hierauf ergriff Professor &an5 Delbrück das Wort; er wies auf die Zersplitterung der Parteien hin, die viele veranlasse, sich dem politischen Leben femzuhalten. Es sei nötig, das Volk über seine nationalen Aufgaben aufzuklären, denn seine nationale Aufgabe fei seine Ehre.
Professor Dietrich Schäfer wies auf die Weltlage hin, die Kolonialpolilik bedinge, damit wir nicht von anderen Völkern überflügelt werden. Auch der deutschen Nation gebühre ein Teil an der Erde.
Profesfor Max Schilling erörterte in längeren Ausführungen die wirtsckjaftliche Entwickelung und die Erwerbsfähigkeit der Kolonien und fordert zum Zusammenstehen nach außen hin au und zum Rillen zur Mackxt. Schilling führte aus, die Einführung eines unauljängigcn Kolonialamtes sei wünschenswert.
Professor Brunner sprach die Hoffnung aus, daß Südwest- afrita ein Grundpfeiler der deutschen Kolonialmacht werbe. An und für sich würben die großen Schwierigkeiten, wie sie häufig in Deutschland sind, noch durch die Zersplitterung der Parteien • vermehrt. Es sei ein Gefühl der Erleichterung gewesen, als der Reichstag aufgelöst wurde. Wir wissen jetzt, was wir in nationalen Fragen oom Zentrum zu erwarten hatten. Tie Wahlparole müsse sein: .Erst das Volk, dann die Partei. (Großer Beifalls
—■■■nm.«
Professor Iastrow erklärte, daß'mit der Bewilligung der geforderten Summe die Sache nicht erledigt sei, sondern daß es auf jeden Fall einen Kampf gegen das Zentrum gebe. Redner griff aufs heftigste das Zentrum als antinationale Partei an. .
Professor Albrecht Penck besprach die koloniale yragc als eine naturwissenschaftliche. .
Profcffor Tr. Kahl Weist daraus hin, daß die Aullösung des Reichstages und das Budgetrccht nichts miteinander zu tun haben und daß die Wahlparole „Sujutz des Buvgelrechres' eine Fälschung sei.
xie Versammlung nahm looann einstimmig eine Resolution an, in der es heißt:
In der Erwägung, daß em großes Kolonialvolk, wie ba-3 beutjajc, an der kolonial- und Wettpolltik leünehmen muß, daß durch die späte Bildung des Deutschen Reiches als Nationalstaat das Volk erst in allerjüngsler Zeit an diese Aufgabe heran» getreten ist und infvlgedefsen weiteren Kreisen bn uns au> erlegte Pllicht noch oum Bewußtsein gekommen ist und Leutschlu.id eines Reichstages bedarf, der mit Entschlossenheit, die dus Bewußticin eines l)vhen Zieles gibt, verlangt, an Oitic fragen heranzutteten, beschließt d.c SBcr.ammluiig: eine Kommission einzusetzcn mit dem Austrage, ohne cm Mittelbares Eingreifen in das Paiteigetriebe das Verständnis jur Kolonial- und Weltpolitik in den Kreilen der Wählerschaft zu erweitern und zu vertiefen.
Durch allgemeinen Zuruf Würbe Professor Kahl in die Kommission gewählt.__________ ________
Das Jubiläum dcS Kardinals Tr. v. Kopp.
Breslau, 8. Jan.
AuS Anlaß dcs 25 jährigen B i j a>o , s j u b i l ä u m s des Kordinal-Furstbisckjoss Dr. v. Kopp fand heute vormittag Fefi- goltcsdienst im Tom statt. Um 9 llhc begann das vockjaml im £uin. Dem Kardinal Kopp gegenüber auf einem besonderen Thron saß dec Kardiiialerzbischos von Köln, Dr. Fischer. Aus der Epistelscite die Bijchche. Bo/ der erslen Bank außerhalb d^S Chores waren vier Celiel ausgestellt für ben Vertreter des Kaisers, Kultusminister Dr. v. S tubt, für ben Verrreter der Österreichschen Regierung, Landcspräfident £>eiiwlb, für den Oberprasidenieil Grajen v. Zedlitz-Trutzschler, und für den tommanb. general v. Woyrslü. Nach Beendigung des Hochamtes hielt Kardinal Svpp eine Ansprache. ,
Um iVi Uhr begann die Grcrtulattonseuur im furitbiid-öflicjen P<llais. Die Gratulanten waren in sechs Gruppen emgeteut Als erste erschienen die Vertreter des Bistums, des Domtapitels, des DiÖzesanklerus und der 'Festkomitees, als zweite die kgl. Behörden, als dritte oie wissensä-astlichLn Körpers^fte.i unb Vereine, unter ihnen Rektor, Senat und katholische Fakultät der Universität Breslau; die vierte wurde durch die privaten Körper- läuten, die fünfte duvck die kommunalen Behörden gebildet. Zuletzt kamen eine Anzahl freier Körperschaften.
Zu dem Festessen im Konvikt waren etwa 300 Personen erschienen. Die Reihe der Festredner eröiinete Kardmal Kopp. Die Rede behanbe.te die Beziehungen zwischen Staat unb Kirche; beibe Gewalten seien keine Gegenchtze; biete würden er|t durch die Irrungen der Menschen hervorgerusen. Die Rede klang in ein Loch aus den deutschen Kaiser aus, den Kaiser von Leiter- reich und den Papst. Daraus sprach Kultusminister Dr. von Studt, der daraus hinivies, daß das Wirken des Jubilars stets den iuterkonseffioncllen Frieden geordert habe. Der Miniiler hab seine innige Dankbarkeit für die Unterstützung hervor, die er bei dem Jubilar gefunden habe, besonders in den Bestrebungen der Wieser Herstellung unb ber Bcse.ttgung des Friedens zwischen ben beiden Konzessionen. In seinen Dankeswarten hob Dr. Kupp die Unterstützung Ijeroor, Die er von den preußischen Behöidcn stets geiwnen habe und die von dem Geßre der Duldung unb der sachlichen Erwägung eriüht sei. üiebner schloß mit einem Doch auf den Kultusminister Dr. v. Studt.
Mil einer glanzvollen Feier int odheüroerbcriaal fanden heute cbenb die Festlichkeiten ihren Abschluß. Die erste Rede hielt Exzellenz Gras v. B a l l e st r e m. Nachdem der Oberbürgermeister Warmbrunn aus Neisse die p r e u ß i s ch e n B i s ch ö s e gefeiert hatte und Kardinal Dr. Fischer gedankt hatte, wurde die Feier geschlossen.
Zur ZSaylvcwegung in Kiffen.
In Bad Nauheim wurde, wie uns drahtlich gemelde wird, nach einer gestern abend im Hotel ,Reichshofs voran- ßegangenen Vertrauensmänner - Versammlung der freisinnigen Parteien beschlossen, Dr. phil. Strecker als Kandidaten aufzuslellen.
Aus dem Wahlkreise AlSfeld-Lauterbach- Schotten, 8. Jan., wird uns geschrieben:
Im gejaulten Wahlkreise wird gegenwärtig eine äußerst lebhafte Wahlagitation cnnaltet. Tie Vcrimnnilungen ber Parteien siub zahlreicher besucht, als bei früheren Wahlen. Es fällt indis auf, daß die frühere Begemeriing tut ben Amijeinilislnris fast ganz auigehört hat, so daß nur die Binbewalb'jchen Versammlungen allenthalben an Besuch zu mimichen übrig Iahen. Tie Aussichien Bllldeivalds sind desonbers seit der Agitation für den freisinnigen Kaiidibaten, Rechtsanivall Reh, tm Kreise Alsfeld auf dem Lande sehr gesimken, während Bindetvalb in den Kreiselt Lauterbach und Schotten von Tr. WaUau tvett überflügelt wird. Tte Kandidatur des Sozialoetnokralen C r b i g kommt nicht m Betracht, so oaß von den drei Hatlptkandidaten Tr. Wallaii, Reh und Bmbeivald nad) allgemeinem Urteil Tr. Wallau und R e h in S11 ch wähl kommen.
Reichelsheim i. d. W., 8. Jan., ging uns folgender Bericht zu:
In der am Llontag abend im Gastho'e zur Post abgehalteuen Wahlvcrjammlung legte ber seitherige Retchsiagsabgeordncte Grat 0 r i o l a in anberthalbfiünbigem Vorträge bar, weswegen es nohuenbig war, den Retcbstag aufzulösen und rotes daram hin, Dob die Annahme ber Reg.erimgsvorlage int Interesse des Ansehens des beutjdjen Volkes nad) aiißen hin unbedingt erfolgen müsse. Ter Redner erläuterte jcme Stellungnahme zu den vcr- sdncdeneu Steuervorlagcn und erklärte sid) mu der Annahme einer AZ c h r st euer einverstanden. Was die Fahrkarrenslener anbei reffe, sei in ihr eine Steuer crfianben, die ben ültillcls'.anb und den kleinen Alaun nici t träfe, sonbern vielmehr am jdiroeiltcn die Reisenden der 1. Klasse. Er versprach, sür die Interessen des Arbeiters, Handroerlers und Aliuelflaiides einzuireleii und schloß seine Aiisfüh'.ungen nut einem Hod) auf ben tzäioßherzog. Ter an das Publikum ergangenen Aufforderung, sich an einer Tislnssion zii beteiligen, kam memanb nad).
Aon drr Aaytkerveguvg im Reiche.
Aus de tu Kreise Wetzlar, 8. Jan., wird uns heue geschrieben:
Tie Behauptung, ber christlich - soziale Reichstagskandtdal Behrens habe v rel Auss t ch t aus ben Sieg, ist durchau
unzutreisend. Ter größte Teil der Bevölkeriing tvirb vielmehr i ü r den natton (illiberalen Kandidaten, Herili Burgerinelster a. D. K r a m e r, fitmmen, der bereits IS Jahre das Mandat inne bat. Tazn findet er diesmal burdt daS Svom- promis die Untcrllntjung der Slon-erDatwen. Gerade der Umstand, daß bas ZenttiMi der christlich-sozialen Partei freun iid) gegenüber steht, stößt unsere Kreisbewohncr, die fast au5ji±lic5ltcb coanqehfd) inö, ab, Behrens bte Stimme zu geben. Tie christlich-soziale Partei ollte fid) pcmühen, einen sozialdetnokraiischen Kreis zu erobern, und nicht bei uns Stimtnenzersplttterung erivitfen.
Gute 'JJhtgliebcr- und Vertrauensmänner-Versammlnng der christlich-sozialen Vereinigung für Oberh essen tn Marburg beschloß einstimmig, für den Kandidaten der deutsch-sozialen Partei, Dr. Bö hmc - Marburg, emzu'reten.
Der phantasieoolle Berliner Korrespondent des hetzerischen Londoner „Daily 2)lail* versichert, er habe ersahren, daß der Kaiser Berlin zu nieiden beabsichtige, salls bie Sozialdemokraten den ersten Berliner Wahlkreis, worin daS königliche Schloß liegt, erobern sollten. Die Sozialdemokraten, so fährt bcc Rorrcfponbcnt fort, machen die größten Anstrengungen, um gerade diesen Wahlkreis zu erobern. Tausend Schiffer, die in Berlin überwintern, wilrden von der sozialdeniolralifchen Partei mit Unterkunft im ersten Berliner Wahlkreise versehen und zur Eintragung in^ die Wählerlisten veranlaßt. Der bisherige Verlreter dieses Wahlkreises >var der freisinnige Berliner Sladlülteste Kämpf.
Ter sozialdemokratische Kandidat sür Leipzig- Stadt, Kaufmann Juluis Motteier, hat auf seine Kandidatur verzichtet. An seiner Stelle soll der Stadtverocdn. Hcinr. Lange als Kandidat aufgestellt werden. Eine am 8. ds. Mts. in Leipzig abgehaltene Wähleroersammlung der bürgerlichen Parteien wurde, wie daS ,L. meldet, von den Soztaldemokraten durch Tumulte gesprengt.
In dem alten Wahlkreise Windthorst, Linaen-Ventheim- M epp en, ist vont ReichLverein der stellvertretende Kolonial- dlreltor Dernburg als Kandidat aufgestellt worden.
Gegenüber den Beinerkungen der »Kreuzztg.^ über die Aufnahme des Sylvesterbriefes beS Reichskanzler- schreibt bic ,Nordd. AÜg. 3tg.':
Eoroeit die Beobachtungen ber ,Kreuzztg/ richtig sind, enthalten sie eut uiiflünftiges Zeugnis, nicht sowohl für den Bries Bülow, als lür den alten beut|d)en Purleigelst, gegen ben er ge- rid)iet war. Tas Zen trum, gegen das der Brief wegen jeiiteS im Bunde mit der Sozialdemokratie beroiefcncn FraklionvegoismuS zur Emigung aller nationaleii Elemente mahnt, tft g e | d) m e t d) e 11, weil der Brief seine frühere fUluarbeit an den wichtigen Reichs- gesehen nicht verschweigt. Tie Freisinntgen, auf bereu wad)sendes Berstäudms für große nationale Fragen ber Reichskanzler hofft, sind umgekehrt beleidigt, weil der Brief and) von ihrem früheren Doktrinarismus spricht. Tie K o n j er v a t i v e n iollen gekränkt sein, weil neben der Anerkennung ihrer bc- währten nationalen Haltung der Bries unbedingt den notwendigen -chntz der Landivlrtidiait unb seine Sicherung in den Pandels» vertragen ertvähnl. Terartige Empsitidsamkeil id)citU uns zn beweisen, wie ivahr das Wort von „der dcutjchen Eigenart"' und dem „deiitschen Sd)tdjal" in dem Sllvesterbrieie ist, daß wir unsere Stelliing lieber nach den allgemeinen Gesühlen und Gegriffen, als nad) ben nationalen Gesichtspunkten und realen Interessen nehmen, hoffentlich wird das geiuube und unabhängige, vor allem aus die obcritcn Rclchsinleresien blickende Urteil, an welches der Reichskanzler appellierte, durch [old)e Sd)wächeii des FraktionS-Partei- geines sich nicht beirren lassen.
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Deutsches Neich.
Berlin, 8. Jan. Heule hörte der Kaiser die Vorträge des Chefs des Vliltlärkabinetts, deS Chefs des AdmiralslabeS unb des Chefs des Riarmekabinetts. Um 1 Uhr nahm der Kaiser an einer FruhstückStasel beim Offizierkorps des Kaiser Alcxander-Garde-Grenadier-Regitncnts 9ir. 1 teil.
— Der ,Freis. Ztg." zufolge sind die Geh. LegationS- räte v. König und Rose zur Disposition gestellt worden.
— Auf Beschluß des hiesigen Landgerichts I. ist auch das gegen den Bureauvorsteher W i 11 uba wegen angeblicher Auslieferung amtlicher Schriftstücke eingclcitet gewesene Strafverfahren eingestellt worden.
Oldenburg, 8. Jan. In Landtagskreisen verlautet, der Großherzog habe em kaiserliches Versprechen erhalten, daß cm Kanal von der Unterweser über Clbcnburg* Törpen nach dem Torlmund-Eins-Kanal gebaut werben solle.
2io£oniaiyo#t»
Paris, 9. Jan. Dem ,Temp§" zu'olge wird sich Minister Pichon veranlaßt sehen, rn Berlin zu ersuchen, daß dem deutschen Kotnmissar tu Garana m Home tun ausgetragen werde, daS über 5000 Seelen zählende, angeblich drei Kilometer südlich vom 10. ParaUellretS liegende, von dem intelligenten Stamme der Peuhl-Regcr bewohnte Tors Binder den Franzosen zu Überla ssen. Tie deutsch- französische Grenzkomimssion soll nämlich erkannt haben, daß das Dorf Binder und Umgebung, bad für die Verpflegung des französischen Tschadsee-Gebtctes sehr wickztig m, bisher nur infolge ungenauer geographischer Bestimmung als deutsches Gebiet bewertet wurde. Es wird hinztigefiigr, daß der dculsche Kommissar sich auf den bestimmten Befehl berufen habe, den Posten nicht zu verlassen. ,
padamentarif^c»«
Berlin, 9. Jan. Tie p o Ini f che La n d ta gsf raktion ist arn Dienstag zu ihrer er ie» Plenarsitzung zufatnmenge- ireten. Der Vorsitz ist wieder dem hochbcia.'.ien'Abgeorünelen Szum an übertragen worden. Es ist der Schulstreik erörtert und dabei der Standpunkt eingenommen worden, uncr- ichütterlich auf dem eingeschiagenen Wege weiter zu gehen.
L)eee und Lsotte.
— Am 11. Januar begeht der Vnneiül der Kavallerie z. 2. unb Gcncraladjutant des Kaisers, Sibolf vo.i B lll otr, der seit seiner Verabschiedung in Potsdam lebt, die Seiet seines


