sie wirklich möglich ist, und laufe Gefahr, die Idee der obligatorischen Schiedssprechung überhaupt in Mißkredit zu bringen.
London, 7. Aug. Es scheint, daß eine Einigung bezüglich der Form des britischen Vorschlages über die Einschränkung der Rüstungen auf der Haager Konferenz zu Stande kommen soll. Die von Teuisch- land in der englischen Resolution beanstandeten Worte: „dringender als je" sollen durch einen weniger emphatischen Ausdruck ersetzt werden.
Ernste Lage an der persisch-türkischen Grenze.
Teheran, 7. Aug. In Bezug auf die kürzlichen Grenzverletzungen durch türkische Truppen wird gemeldet, daß eine türkische Abteilung, die sengend und brennend in der Richtung auf Urmin marschierte, das christliche Oertchen Mewan . mit Artillerie beschossen, die Kirche zerstöre und gegen 90 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder getötet und zehn Mädchen fortgeführt hätte. In Armin herrsche Panik, viele geflüchtete Russen seinen im Konsulat ausgenommen worden. Infolge der ernsten Lage wurde schleunigst ein neuer Gouverneur nach Täbris entsandt, und zwar der frühere Justizminister Ferman.
De«t?cher Reich.
Altengrabow, 7. Aug. Der Kaiser traf gegen s7 Uhr in Attengrabow ein und begab sich im Automobil nach der Kommandantur, wo er zu Pferde stieg. Alsdann begann das Exerzieren der Garde-Kavallerie-Divifion gegen die 2. Kavallerie-Division unter General Graf v. Brühl. Es folgte ein weiteres Exerzieren beider Divisionen unter Führung des Kaisers.
— Der Kaiser kehrte, nachdem er den Vorbeimarsch der bei der Uebung beteiligten Regimenter abgenommen hatte, gegen 1 Uhr in das Barackenlager zurück und nahm hierauf das Frühstück im Offizierstasino ein. Die Nacht über wird der Kaiser im Lager verbleiben.
Berlin, 7. Aug. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Um den Besuch, den der Kaiser auf seiner Nordlarrdfahrt der Kaiserin Eugenie abstattete, wird in ausländischen Wittern eine Legende gesponnen, derzufolge die Begegnung auf Ansuchen der Kaiserin durch den Kaiser Franz Josef vermittelt worden sei. Die Kaiserin habe die Gelegenheit benutzt, um dem deutschen Kaiser bisher bewahrte Geheimnisse von weittragender politischer Bedeutung mitzuteilen. Wir können feststellen, daß diese Geschichte jrei erfunden ist. Ter' Besuch des Kaisers auf der „Thistle" war unverabredet. Ter Kaiser hatte erst einen Tag vorher zufällig von der Anwesenheit der Kaiserin Eugenie in Molde Kenntnis erhalten.
— Reichskanzler Für st von Bü l o w ist nach Entgegennahme einer Reihe von Vorträgen um liy2 Uhr gestern abend nach Norderney abgereist.
— Das „Berl. Tagebk." meldet aus Königsberg i. Pr.: Tas Generalkommando des 1. Armeekorps hob infolge der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse den größten Teil der Einberufungen von Mannschaften des Beurlaubten st andes, soweit sie sich aus der Landwirtschaft rekrutieren, auf.
Wilhelms höhe, 7. Aug. Tie Kaiserin begab sich heute mit der Prinzessin Viktoria Luise und der Umgebung in Automobilen nach Witzenhausen und besuchte die dortige deutsche Kolonialschule.
Dar--es-Salaam, 7. Aug. Der deutsche Kaiser sandte aus Swinemünde an Staatssekretär Dernbürg nach Tar-es-Salaam folgende Antwort: „Ich danke Ihnen und allen dortigen Deutschen für den Gruß aus der Kolonie. Möchte derselben unter Ihrer Leitung eine Zukunft beschieden sein, welche das Vaterland mit Stolz erfüllt und die braven Kolonisten für ihren Mut und ihre Ausdauer reich belohnt. Vor allem aber sollen sie ohne Unterschied des Standes fest zusammenhalten und zusammen arbeiten. Ohne das' ist kein Fortschritt zu erwarten. Wilhelm I. R."
Bremen, 7. Aug. Zum 80. Geburtstag des Reichstagsabg. Bürgermeisters Pauli sandte der Kaiser telegraphisch seinen Glückwunsch und ließ seine Marmorbüste von Schott überweifen. Glückwünsche liefen außerdem ein vom Reichskanzler, vom Großherzoa von Oldenburg usw.
Frankfurt,?. Aug. Tie „Frankfurter Volksstimme" hält auf Grund nochmaliger Erkundigungen bei gut informierten Stellen den sachlichen Inhalt ihrer Meldungen vom Freitag durchaus ausrecht, wonach zwischen dem Reichstagsabgeordneten Naumann und dem Reichskanzler wegen des preußischen Wahlrechts Verabredungen stattgefunden haben.
Metz, 7. Aug. Heute begannen die Sitzungen des «eucharistischen Kongresses. Tie Zahl der Kongreßmitglieder beträgt 6000. Tie deutschen Ausschußsitzungen mußten wegen Raummangels in die Turnhalle verlegt werden. Tie deutschen und französischen Sitzungen werden besonders abgehalten. Kardinal Fischer-Köln besuchte zuerst die deutsche, dann die französische Versammlung. In der französischen begrüßte er in französischer Sprache die Versammelten. Er betonte, wir sind hier nicht Deutsche und nicht Franzosen ,sondern katholisch. Er gab seinem tiefen Bedauern Ausdruck über die Verfolgungen, denen die französische Katholiken- Kirche ausgesetzt sei. Er versicherte die anwesenden französischen Bischöfe, daß die deutschen Katholiken stets im Gebete für das katholische Frankreich bäten, und umarmte die französischen K'irchensürsten, den Erzbischof von Be- san^on, den Bischof von St. Tw und den Bischof von Verdun, um dadurch dem ganzen französischen- Episkopat seine Sympathie zum Ausdruck zu bringen.
Acr I)-Zug HydtLuynen—ZSelltn entgleist.
Ein schweres Eiseichahnunglück, bei dem elf Personen ums. Leben kpmen und fünf schwer verletzt wurden, Aü sich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch auf offener Zwecke zwischen Tremesien und Tals« (Posen) ereignet. Der O-Zug Eydtkuhnen-Berlin ist dort um 1 Uhr nachts entgleist.
Em (Augenzeuge, der von Gumbinnen über Posen nach Breslau fahren wollte, gibt nachstehende Schilderung der Katastrophe:
Ich war eben etwas in meinem Eoupü eingeschlafen, als ich durch einen jähen Ruck auf gerissen wurde. Es erfolgte ern lautes 'Krachen, ein Dröhnen und Klingen des gesamten Zu,es. Dann eine atemlose «title. Sie zweite Maschine 0-2uges »xvlodicrte bei d« Entgleisung. Tie der Maschine nachfolgenden fünf Wagen fuhren ineinander und zermalmten alles, was sich in ihnen befand. Ter Heizer der LoLmotive ist tot. Zwei Hisisznge sind eingetroffen. -Teo Zua beMnd aus 44 Achsen. Unterden Verunglückten befinden sich mehrere Kinder, die vom Ferienurlaub nach Hause reisen wollten Tie Ursache der Katastrophe wird der übergroßen Fahrge- schwinoigkeit auf der int Umbau befindlichen Strecke zugeschrieben. Es spielten sich herzzerreißende Szenen ab.
Ein Anderer Augenzeuge gibt folgende Schilderung:
Etwa 10 Kilom. von Gnesen entfernt gab es in der Nacht um VzS Uhr einen furchtbaren Stoß im Zuge. Wir wurden von, den Sitzen geworfen, die Lampen erloschen, ein schweres Entsetzen lähmte uns. Ms wir unsl im Freien befanden, sahen wir, daß von unserem Eoupö auch nicht mehr die Spur vorhanden war, es, war vollständig demoliert worden. Tie Wagen hatten sich ineinander geschoben, aus allen Wagen drangen Schreie des Grjauens. Tie - Rettungsärbeiten wurden nicht nur von dem Personial des Zuges, sondern auch von den Passagieren mit großer Bravour ausgeftchrt.
Tie Namen der zunächst ermittelten 8 Toten sind: Kadett Graf Heintze von Kaiserlingk, Kadett Graf'Hilka von Kaiser - liugk aus Mitau, Hauptmann Sotrow, russischer Typograph und Ingenieur, Fürst Konstantin Alexander Begetow aus Petersburg, Julius Jsack, Reisender bei Hoppenheim-Berlin und Abramowitsch, Klausinann, Wohnort unbekannt, sowie dessen Frau und Kind. Schwer verletzt^ sind: Tiftriktskommisslar bon Hennig aus Ostrowo: Geh. erp. Sekretär Kreske im Finanzministerium, aus Chlarlottenburg; Moritz Zeiglin aus Petersburg und Heizer Beyer aus Gnesen.
Minister Breitenbach traf an der Unfallstelle ein und äußerte: An der Stelle, wo der Zug entgleiste, sollte in einer Länge von 63 Metern die Ausbesserung der Schienen erfolgen. Die Vorarbeiten dazu waren vor dem Passieren des T-Zuges in Angriff genommen worden. Tie endgiltige Umlegung der Schienen feilte unmittelbar nach der Durchfahrt des D-Zuges erfolgen. Mit dieser Tjatsache müßte die Katastrophe in Verbindung zu bringen fein. Ter Minister teilte mit, daß noch ein neunter Leichnam auf der Strecke gefunden worden sei. Es ist eine unbekannte Frau, die keinerlei Verletzungen erlitten hat. Sie War aus dem zertrümmerten, Zuge ausgestiegen und etwa 10 Kilometer weiter gegangen, ist dann offenbar infolge des großen Schreckens von einem Schlagansalte getroffen worden und tot niedergesunken.
In Gnesen liegen acht Leichen. Zwei Schwerver- wund e t e find 'auf bent Transport nach Posen gestorben. Somit ist die Zahl der Toten auf elf gestiegen.
Die Untersuchung des Staatsanwalts hat nachstehendes ergeben: Tie Ursache der Katastrophe ist auf m a n g e l - hafte Beaufsichtigung der Streckenarbeiter zurückzuführen. Tie Arbeiter haben beim Auswechseln der Gleise die Schienen nachlässig verbunden.
Amtlich wird gemeldet: „Als Ursache der Katastrophe ist starke Auskofferung als Vorbereitung zum Geleise-Umbau, der nach Turchsahrt _ des Zuges 52 fortgesetzt werden sollte, anzunehmen. Es scheinen nach den bisherigen Ermittelungen aber noch Andere als Schuldige in Betracht zu kommen. Tas Signal „Langsam fahren" war nicht, wie es Vorschrift ift- gegeben worden."
Dazu wird von anderer Seite bemerkt:
In der Nacht sollten die Schienen 'ausgewechselt werden. Damit die Arbeiten noch in der Nacht fertig wurden, hatten die Arbeiter vor Durchsphrr des Schiietlzuges die Schrauben gelockert und sich dann in ihr Zelt zum Schlafen niedergelegt. Es war aber unterlassen worden, dem Schnellzuge die Gefährlichkeit der Strecke zu signalisieren, sodaß der Zug mit Volldampf heransauste. Tie erste Lokomotive sprang aus dem Geleise und es hatte nicht viel gefehlt, so wäre sie in das Zelt, in dem die Arbeiter schliefen, hineingefahren. Ter Materialschaden ist bedeutend.
Explosion einer Lolomot ve.
Heber ein zweites Unglück, das durch die Explosion einer Lokomotive hervorgerufen wurde, meldet ein Telegramm aus Hannover: Kurz vor der Abfahrt des Schnellzuges Leipzig- Rheme explodierte der Kessel der außerhalb der Bahnhofshalle stehenden Lokomotive. Der K>euel flog auf den Raschplatz und durchschlug das Glasdach der Bahnhchshalle. Durch die umher fliegenden Epenstucke wurde der Geschäftsreisende Weiß voll- flländig in Stücke zerrissen. Ter Kopf wurde vom Rumpse getrennt; Fleiichstücke wurden durch die furchtbare Explosion 60 Meter weit geschleudert.
Aus Stadt und LauS.
Gießen, 8. August.
” Der GroßHerzog in Romrod. Gestern abend nach 7 Uhr kam Se. Kgl. Hoh. der Gr oßherzog, im Automobil von Jagdschloß Wolfsgarten kommend, in Romrod an und nahm im dortigen Schloß Wohnung. Der hohe Herr am ohne Gefolge und gedenkt in den ausgedehnten Wäldern bei Romrod der Jagd obzuliegen. Ueber die Dauer seines Aufenthalts ist, wie uns aus Ronirod mitgeteilt wird, noch nichts bekannt.
* * Das Vorlesungsverzeichnis der Landesuniversität für das Winterhalbjahr 1907/08 liegt vor; es ist vom Sekretariat zu beziehen. Die Immatrikulationen beginnen am 21. Okt. und die Vorlesungen am 28. Okt.
* * Die landwirtschaftlichen Winterschulen in Hessen beginnen den Lehrgang 1907/08 Anfang November. Die Schiilen in Alsfeld und Büdingen fangen am 5. Nov. an, die in Lich am 6. dess. Mts.
* * Beiträge aus Staatsmitteln für Nebenbahnen. Das diesjährige Stebenbahngeselz. ivird nunmehr im Regierungsblatt veröffentlicht und tritt damit in Kraft. Nach seinem Wortlaut ist die Regierung ermächtigt, den Unternehmern nachstehender Nebenbahnen einmalige Beiträge aus Staatsniitteln zu den Kosten der Erbauung dieser Bahnen u gewähren, und zwar: 1. dem Ulsternehmer einer voll- purigen Stebenbahn von Lich nach Grün berg den Betrag von 30 vom Hundert der ivirklichen Baukosten, ausschließlich der Kosten für den Geländeerwerb, aber einschließlich der erstmaligen Beschaffung der Betriebsmittel; 2. bem Unternehmer einer vollspurigen zweigeleisigen Nebenbahn von Heddernheim nach Homburg den Beitrag von 15000Ntt. ür das Kilometer der im Großherzogtum Hessen gelegenen Strecke; 3. dein Unternehmer einer vollspurigen Nebenbahn von Büdesheim nach Dietersheim einen Beitrag von 18000 Mk. ür das Kilometer.
* * Vor Beginn der Manöver des 18. Armeekorps. Wenn der Wind über die Stoppelfelder zu wehen beginnt, dann rüsten sich die Vaterlandsverteidiger für ihre praktische Prüfung: Es geht ins Ntanöver! Sie führen den jungen Krieger aus dem ewigen Einerlei des Kasernendienstes hinaus in das praktische Soldatenleben in den friedlichen Krieg auf unblutiger Wahlstatt. Für dies Jahr gilt als solche in erster Linie die Wetterau, der südwestliche Vogelsberg und das Kinzigtal. Gegenwärtig rüsten sich die einzelnen Regimenter zil dem allgemeiiien Ausmarsch ins Manövergelände. So iiiden ziirzeit die letzten Schießübungen der Regimenter mit charfer Muliition statt. Während sich die Artillerie- Reginientcc nach dein Truppeiiübuiigsplatz Senne begeben haben, schießen die 81er Frankfurt und 168er Offenbach- Butzbach vom 5. bis 17. Aug. bei Kaichen, Rendel, Groß- Karben, Heldenbergen und Büdesheim, die 166er Hanau vom 5. bis 10. Aug. und die Ulanen Hanau vom 12. bis 14. Aug. oei Kilianstädten, Wachenbuchen und Dorfelden, die 116er Gießen bei Erda, Hohensolms, Krumbach und Königsberg. Das Regimentsexerzleren der verschiedenen Jnfanterie-Regi- menter dauert vom 20. bis 28. Aug. und daran schließt sich bis 3. Sept, das Brigadeexerzieren. Besonders starke Ein
quartierungen werden fast sämtliche Orte des Kreises Friedberg und Büdingen erhalten.
* * Diebstähle. Aus der Werkstätte am Bootshaus der Rudergesellschaft wurden in den letzten Tagen eine größere Anzahl Schreinerwerkzeuge, als Hobel, Meisel. Bohrer 2c., gestohlen. Vielleicht trageu diese Zeilen zur Entdeckung des unbekannten Täters bei. — Im Gail'schen Tonwerk wurden den dort beschäftigten italienischen Arbeitern gestern mehrere Taschenuhren aus den Kleidern gestohlen. Als Täter kommt ein Italiener in Betracht.
* * Das Kolosseum hat z. Zt. wieder ein recht gutes Ensemble aufzuweisen. Insbesondere ist die Max Wels on. Truppe vom Wintergarten in Berlin recht sehenswert, aber auch das übrige Programm ist durchweg recht gut und sehenswert.
* * Die Plakette, die die Großh. Staatsregierung zur Jubelfeier der Ludoviciana stiftete, ist, wie auf mehrere An- fragen mitgeteilt sei, vom Universitätssekcetariat zu 3 Mk erhältlich.
s. Lollar, 8. Aug. Kaum hatten sich die Gemüter seit dem letzten Brand etwas beruhigt, so ertönte gestern abend gegen 10 Uhr wieder Feuerallarm. Es brannte die dem Landwirt und Bahnbediensteten Philipp Klinkel gehörige scheuer im Keil. Es brannte gerade dort, da die betreffende Straße durch die Wasserleitungsarbeiten für jegliches Fuhrwerk gesperrt ist. Sehr schwierig war es deshalb auch für die Feuerwehr, an die Brandstelle zu kommen, die Spritzen mußten sozusagen fast getragen werden. Nach zweistündiger anstrengender Tätigkeit wurde das Feuer auf seinen Herd beschränkt. Das Wohnhaus und ein angrenzender Stall wurden etwas beschädigt. Betr der Ursache des Brandes stehen wir wieder vor einem Rätsel
A Steinbach (Kr. Gießen), 8. Aug. (Tel.) Heute nacht nach halb 2 Uhr brach in der Scheuer des Landwirts Jak. Neu schling I. Feuer aus, dem das Gebäude zum Opfer fiel. Das Wohnhaus und die übrigen Nebengebäude konnten durch das rasche Eingreifen der Feuerwehr gerettet werden. Die Bevölkerung ist durch die in der letzten Zeil oorgekommencn häufigen Brände sehr beunruhigt und die Behörden sind eifrig tätig, dem oder den offenbar vor- handenen Brandstiftern auf die Spur zu kommen. Erst gestern weilten wieder Beamten der Staatsanwaltschaft hier, um in Sachen des letzten Brandes zu recherchieren.
X Nauheim, 7. Aug. Das Gruppenwasserwerk des hessischen Staates, an dem über 21/2 Jahre gearbeitet wurde, ist"jetzt vollendet. Am Dienstag abend 63/4 Uhr ist das Wasser von den Quellen bei Lauter im Vogelsberg in Bad Nauheim angelangt. Zuin Zwecke bet Ausspülung der Leitung ist es zunächst in die Ufa geleitet. Sobald es in den nächsten Tagen klar ist, wird die Leitung an die Hochwasserbehältec angeschlossen.
— Aus der Wetteraii, 7. August. Goldene Hochzeit feierte m Kilianstädten das Ehepaar Gottlob Krämer. Der Jubilar hat als Bonner Husar den Feldzug in Baden 1849 mitgemacht. Das Offizierkorps dieses Regiments sandte ihm ein Geldgescheiik, Reichskanzler Fürst Bülow ein Glückwunschschreiben, der Kaiser ebenfalls ein Geldgeschenk. — In Rendel wird am 1. September die im Frühjahr begonnene Wasserleitiing dem Betrieb übergeben werden. — In Ortenberg findet am 31. Okt. der in Händlerkeisen beliebte sog. Kalte Markt statt. Der Pferde- und Viehmarkt ist mit einer Verlosung verbunden.
in. Nidda, 7. Aug. In dem benachbarten Forsthaus ^Glaubzahl" iveilen seit mehreren Wochen viele Kurgäste. Vor einigen Tagen war auch Denkmalspfleger Prof. Walbe aus Darmstadt hier. Von hier aus machte er Ausflüge in die benachbarten Orte, um bemerkenswerte Bauten zu besichtigen, die event. für den Denkmalschutz in Betracht kommen.
? Schotten, 7. Aug. Montag, 12. d. Mts., findet die vielbesuchte Familienkonferenz der Geistticheu des Dekanats auf dem Hoherodskopf statt. Herr Superintendent i). Petersen-Darmstadt spricht über „Griechische Erinnerungen."
|| Rebge § hatn (Vogelsberg), 7. Aug. Nach vorangegangener tropischer Hitze entltid sich gestern mittag über unserem Ort ein schweres Gewitter. Ein Blitzstrahl filhr in die Scheuer des Landwirts Decher und zündete. Sofort stand das Gebätlde in Flammen. Dazu sank die Stallung in Asche. Von hier aus sprang das Feuer auf daß Nachbanvohnhaus des Landwirts Seim über; auch dieses Haus brannte nieder. Dieser Brand vermehrt abermals die zahlreichen Schadenfeuer, die in diesem Sommer durch Blitzschläge verursacht rvorden sind.
h. Frankfurt a. M., 7. Aug. Gestern abend 7 Uhr fuhr ein 2( u to m 0 bU in der Miquelsiraße, das einem Radfahrer ausweichen wollte, gegen einen Baum. Der Radfahrer und der eine Chauffeur wurden leicht verletzt, während dec andere Chauffeur, der 33jährige Andreas Bügler aus Oberursel, eine erhebliche Gehirnerschütterung sowie starke Quetschungen erlitt. jr
— V 0 m „K i r ch e n r ä t ch e n" Engel, von dem in der letzten Zetl wiederholt die Rede war, u. a. auch in den „Gießener Erinnertlngen" von I. 9L, kursieren noch manche lustige Schnurren im Kreise der allen Gießener. So erzählt uns ein alter Herr, der zu Kirchenrat Engel in den Konfirmandenunierricht gegangen ist, daß E. in den Dörfern der Umgegend Schulvisitalionen vorzn- nehmen pflegte, bei denen ihn feine Gießener Konfirmanden zuweilen begleiteten und wobei er feinem Humor gern die Zügel schießen ließ. In Bersrod stellte er u. a. einmal an die Schulkinder die Frage: „Es, sitzen zwanzig Spatzen aus einem Ast und zehn schießt ein Jäger herunter. Wie viele bleiben sitzen?" Tie Buben rechnen zehn von zwanzig ab und der dieses Kunststück zuerst fertig bringt, ruft: „Ei zehn, Herr Parrer." „Falsch," aut- , wartet der, „keiner bleibt sitzen, denn die andern fliegen fort/
t— „Du m er b e Ges al le^un l a ß dich köpp e." Diese wohl bekannte Bemerkung des Kirchenrats Engel findet eine Ergänzung durch die Zuschrift einer T,ame aus Weilburg an der Lahn ,an die K. Z. Diese Zuschrift lautet: Mein Großvater, der zu den Stiftern: des K^rps SLarkeuburgia in Gießen gehörte, Pflegte die Geschichte voml K'irchcnrätchen E. und dem Rauburörder Heß folgendermaßen zu erzählen: Zu damaliger Zeit durfte niem,and.ohne vorheriges Eingeständnis gerichtet werden. D>as Kirchenratcheu gelangte nach vielen Bemühungen unt gutem Zureden endlich dazu, dem verstockteit Heß ein volles, uiv umwundenes Eingeständnis seiner Untm abzunötigen, unb sc fuhren die beiden eines schönen Morgens (auf dem „Schinnev lsirren" in bestem Einvernehmen dem Richtplatze zu. Wei besa)reibt <aber das unwillige Erstaunen des braven Kirchen, ratchens, sls Heß kurz vor der Ankunft plötzlich erklärt: „Hem Kircherat, ich hawe es nit gedan!" „Ei, Heßche, lvas sinn bai sir ^putze?! De hast's mer doch erscht vorgestern klipp un Hat emgcitannc!" „Jcy hawe es nit gedan!" „Heßche, ich bitt dich du mer i>e Gefalle un laß dich köppe! Mesiist de, mer hätt m. besseres z' dun, M de ganze Tag uff'ml Schinuerkarre lpazier^ sichre?" „Ich baivc es nit gedan, Herr Kircher alt" — Unb bar


