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8.8.1907 Erstes Blatt
 
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Nr. 184

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Erstes Blatt 157. Jahrgang Donnerstag 8. August 1907

d d *BezugSp^ket-r

GlehenerAyzciger

General-Mzetzer fir Oberhchen

Iwei Weltsprachen.

ita Ein amerikanisches und ein japanisches Geschwader waren lnt üngft gleichzeitig im Hafen von Brest zu Besuch. Wie es ([ ^eißt, haben da die Offiziere beider Geschwader miteinander P, nett vertrauteren und freundschaftlicheren Verkehr gepflogen, 1 ,ir k.. ___urir^c.___ ____k__ arrr__k;

ils mit den französischen Kameraden. Allerdings nicht aus wlitischen Gründen, fortbem einfach deswegen, weil die japan. 7 Seeoffiziere durchweg vortrefflich englisch spreche, während weder jy; re rroch die Amerikaner des Französischen kundig find.

' Der Vorgang ist lehrreich nicht zuletzt für Deutschland, auf j >essen Schulen, soweit sie moderne Sprachen lehren, fast durch- lt1 veg der ersten Weltsprache, dem Englische::, nicht dieselbe Pflege d fUteil wird, wie dem für die Praxis des internationalen Lebens ast wertlosen Französischen. Der bekannte Weltreisende Paul d Dehn macht in einer Zeitschrift darauf aufmerksam, daß gegen- q uärtig in England mehr Deutsch gelernt und verstanden wird, iv rls Englisch im deutschen Binnenland, daß die Briten es nicht verstehen, wie man in Deutschland noch immer die französische Ä Sprache vor der englischen bevorzugen könne, während sie,

>ie praktischen Engländer, längst eingesehen hätten, daß die ,iveü:e Weltsprache, Deutsch, für sie viel wichtiger sei als Fran- chsisch. Tatsächlich enttvickelt sich der internationale Verkehr Deutschlands zum weitaus größten Teil in der Richtung auf > ne englisch sprechenden Länder, während sein Güteraustausch mit ' I Frankreich wenig bedeutend ist. Auf das Gegenteil dieser, realen

Üerhältnisse ist die fchulmäßige Unterweisung in. Deutschland, >esonders in Preußen, zugeschnitten.

Betrachtet man die höheren Lehranstalten, so kann nur

>£m den Ober-Realschulen gesagt werden, daß sie das notwendige na Maß moderner Mldung vermitteln. Die Abiturienten dieser

Lchulen werden denn auch mit Vorliebe in das Seekadettenkorps letz rufgenonrmen, mid eingut" im Englischen sichert ihnen dort jj| peitere Vorzugsstellung. Leider gibt es aber unter den höheren n Lehranstalten in Preußen am wenigsten Ober-Realschulen,^ wahrend )as die klassische Bildung vermittelnde humanistische Gymnasium ; rn Zahl weit überwiegt. Zu seinen Gunsten hat sich auch Fürst chß Zülow kürzlich dein: Empfange einer Oberlehrer-Deputation aus- zesprvchen. Es soll hier nicht die Frage der Schulreform auf- zerollt, sondern lediglich und allgemein einer größeren Pflege ; >es Unterrichts in oer englischen Sprache das Wort geredet werden. Sie wäre auch an den humanistischen Gymnasien rnog- ich, wenn man dazu übergehen wollte, Englisch zum pflicht- zernäßen, Französisch aber zum Wahl-Unterrichtsgegenstande zu rat nachcit. Bis jetzt hat man es in Preußen umgekehrt gehalten, - nit dem Erfolge, daß nur verhältnismäßig wenige Schuler der ent Oberklassen am englischen Unterricht teilnahmen. Auch an den

Mittelschulen, deren Besucher zumeist dem kaufmännstchen oder mein anderen praktischen Berufe sich zuwenden, sollte d:e engl. lss Sprache vor der ftanzösischen bevorzugt werden.

uij Die Deutschen dürfen stolz darauf sein, daß ihre Sprache neben der englischen als Weltsprache' gilt und überall auf der 0t| s'Lde verstanden oder gesprochen wird. Sie müssen aber, wollen ,13 iie ihre Einflußsphäre behaupten und erweitern, rnehr Wert A gen auf die Kenntnis der Sprache ihres mächtigsten. Kon­zil kurrenten. Auch das ist unbestreitbar eine bedeutsameForderung

^studieren, sie alle würden von der obligatorischen Einführung B des englischen Sprachunterrichts den größten Nutzen zrehen. vur V iri MPlnnrhpn. denen.

den Staal aber ist es heute zur Notwendigkeit geworden, denen, die er mit den besten Bildungsniitteln ausrufwl, die Faktoren greifbar plastisch vorzuführen, durch die England groß geworden ist, mit deren Hülfe es heute feine herrschende Stellung Eimmt. So einleuchtend die beher^chende Rolle ist, die England heute «vielt so klar ist die Notwendigkeit unsererseits, die Konsequenzen daraus zu ziehen, um den Wettkampf mit Aussicht auf Ertzolg aufnehmen und durchführen zu können, und die Eingabe appel­liert deshalb an die staatlichen Organe, diejenigen, die m diesem Wettkarupf an vorderster Stelle stchen, mit allen Wasfen und

erj ^8, Dages"

D^er Verein Berliner Kaufleute und Industrieller hat mittler­em weile in Gemeinschaft mit dem Zentralausschuß Berliner kauf- ich? männischer, gewerblicher und industrieller Vereine bet dem eniünterrichtsminister den Antrag gestellt, den byenglischen Sprachunterricht in den Gymnasien ^obligatorisch einzuführen. ,

j In der den: Antrag beigegebenen Begründung wird auf die ^Notwendigkeit und auf die Vorteile hingewiesen, die aus der ,3 Einführung des englischen Sprachunterrichts für die Besucher i der Gymnasien im aNgemeinen und für diejenigen imter ihiien, itt Die ihr Beruf mit den englisch redenden Teilen der Welt in Be- o.e rührung bringt, erwachsen müssen. Die beiden Korporationen en. erklären, es sorgfültigst vermeiden zu wollen, m den Streit der .Humanifteii und Realisten einzugreifen Ihr Bemühen geht dahin, zu zeigen, daß das Gymnasium rm Interesse der nationalen Wirtschaft und Kültur sich den B e r fn is sen d er P r ax is Junb den Erfordernis.sen, die an die Ausbildung voü 5 Kaufleuten, Ingenieuren, Kolonisatoren und Volkswirten ge tellt ; werden, nicht verschließen darf. Men, die einen praKtschen Beruf ergreifen wollen, muß vielmehr die Möglichkeit gegeben werden, sich die humanistische Bildung eines Gymnasiums anzu­eignen, und die Eingabe bezeichnet es als höchst, wünschenswert, daß nach wie vor ein erheblicher Prozentsatz der Piomere deutscher las Wirtschaft durch die Schule der Gymnasien gehe. Geräts m einer är Zeit, in der über die weitgehende Spezialisierung und Zersplttte- ü« rung, über Einseitigkeit der Interessen geklagt wird, m einer Zeit :aU zugleich, in der der nationale Wettkampf Her Volkerpnmei lckärfere Formen gnnimmt, in einem Kamp,e, der Persönlich­keiten erfordert, die mehr find als lediglich teelmisch au^gebib . bete Fachmenschen, sei es mehr als je notwendig,, daß den Or- t, ßanisatoren und Propagandisten deutschen Wirtschaftsleben^ die Möglichkeit der freien Entwicklung gewahrt bleibt, und daß die Gefahr einer uniformen Ausbildung verhindert wird, -^azu kommt, daß sehr viele Eltern ihre Kinder deshalb auf.das Gym- ^nasium schicken, weil den Msolventen des, Gymnasiums alle Wege offen stehen oder Wert gelegt wird auf einen abg^chlossenen Bildungsgang oder endlich, weil die Eltern oft nicht m der 8 Lage sind, die Fähigkeiten und Neigungen ihrer Kinder scyon , bann zu erkennen, wem: es sich darum handelt, welche Schule lf ie besuchen sollen. In allen diesen Fällen bietet das Gymnasium Die Möglichkeit freier und rechtzeitiger Entschließungen. An diese 18: Ausführungen, die sich im voraus gegen die Einwande der- Ä jenigen richten, die das Gymnasium bestimmten Berufen und ' speziellen Zwecken reservieren wollen, schließen sich dre Darle- a gimgen, die die Notwendigkeit des englischen Unterrichts 7. betonen. Der Kaufmann, der neue Handelsbeztehungen anknupfl, L ber Beamte in unseren Kolonien, der Historiker und staats- ' ' mann, die der Kenntnis der engttschen Institutionen und ihrer rt« Geschichte bedürfen, der praktische Volkswirt, der heute oft ul rrtAf in her Lage ist, die klassische Schule Mi Original zu

Werkzeugen auszurüsten, die tauglich und erreichbar sind; hierzu aber gehört in erster Linie die Kenntnis der englischen Sprache.

Schließlich geben die Vereine noch die Frage der Errichtung einese n g l i s h College" nach Art des bei uns bestehendeti ftanzösischen Gymnasiums zur Erwägung anheim. Insbesondere der Verein Berliner Kaufleute hält die Einrichtung eines solchen engtish College" für höchst wünscheiiswert

Irr c£asie in Marokko.

London, 7. Aug. Die Zahl der bei dem Bom­bardement von Casablanca getöteten Marok­kaner wird jetzt auf 600 angegeben.

Tanger, 7. Ang. (Havas.) Die drei Schiffe der Division Philibert wurden heute früh 1 Uhr 20 Min. bei .Cap Spartet gesichtet und dürften bald nach Mittag in Casablanca eintrefsen. Kriegsminister El Gebbas hat die Mannschaften der hiesigen Garnison, die zu den Stammen der Umgebung von Casablanca entkommen sind, e n t w a s f n e n lassen. Europäer dürfen die Wachtposten außerhalb dör Stadt nicht passieren.

Mohammed e l Torres hat den Gesandtschaften mit­geteilt, daß er für dieSicherheit der Europäer außer­halb der Stadt nicht verantwortlich sei. Die Eingeborenen seien über das Bombardement von Casablanca sehr erregt. Aus guter Quelle verlautet, die ftanzösische Gesandtschaft habe die Behörden davon benachrichtigt, daß zum Schutze der Gesandtschaft und der Stadt Wachen gelandet werden würden, falls Unruhen Vorkommen sollten.

Frankfurt a. M., 7. Aug... DieFranks. Zig." meldet aus Berlin: Nach hier vorliegenden Berichten wird die Be­schießung von Casablanca nicht als ein von der französ. Diplomatie geplanter Akt, sondern als ein militari s.ch e r Zwischenfall aufgefaßt, der dadurch veranlaßt worden ist, daß die französische Truppe, als sie zur Besetzung des französ. Konsulates in die Stadt rücken wollte, der mit den Marokkanern getroffenen Verabredung zuwider heftig angegriffen wurde und sogar von den Truppen des Maghzen beschossen worden sein will.

London, 7. Aug.Daily Mail" berichtet, daß nach ber Beschießung von Casablanca alle Europäer die In­struktion erhielten, sich in dem geräumigen Konsulat zu ver­sammeln, wo sie von 250 gelandeten Matrosen beschützt werden, dis ftanzösische Transportschiffe neue Truppen landen werden. Geschütze und .Scheinwerfer sind bereits an Land befördert worden. Gerüchtweise verlautet, die Stadt Atazagan werde von marokkanischen Stämmen besetzt gehalten; Stadt und Umgegend seienbereitsebenso von den Fran­zosen bombardiert worden.

Paris, 7. Aug. In hiesigen Regierungskreisen wurde zwar die Wendung, welche die Dinge in Casablanca genommen haben, nicht vorausgesehen, aber man zeigt sich zufrieden, weil man hofft, daß General Drudo uuu Admiral Philibert nunmehr leichtere Arbeit haben dürsten, die maroklanischen Behörden zur ehrlichen Mitarbeit an der Herstellung der Ordnung zu ver­anlassen. Einige Blätter meinen, daß in jedem einzelnen Hafen sich die Vorgänge von Casablanca erneuern würden.Petit Parisien" weiß sogar schon von einer gegen alle Europäer ge­richteten Revwlte in Mazagan und von der Notwendigkeit des Bombardements auch dieser Stadt zu berichten.

London, 7. Aug. Der französische in Tanger liegende Dampfer hat im letzten Augenblicke Befehl erhalten, nach Ma- fragen, das etwa 50 Meilen südlich von Casa­blanca liegt, .zu gehen. Es find Unruhen dort ausgebrochen, und das Leben der Fremden in Gefahr. Tie Situation wird immer ernster, und man fürchtet für das Leben der Europäer im Innern des Landes.

Tanger, 7. Aug. Die Matrosen, welche die Stadt Casw- blanca besetzten, haben mehrere neuerliche Angriffe der Ka- bylen zurückgeschlagen. Die Verluste der Araber sind beträchtlich.

Paris, 7. Aug. Die Blätter erklären das Bombarde­ment von Casablanca für vollständig gerechtfertigt und sprechen die Ueberzeugung aus, daß auch das Ausland diese Ansicht teilen werde. DerTemps" schreibt, das Bombarde­ment ist zweifellos über den durch die Algecirasakte vorge­zeichneten Rahmm hinausgegangen. Die Konferenz konnte nicht vorhersehen, daß die in Marokko ansässigen Europäer Gegenstand von so häufigen Anschlägen sein würden, aber angesichts der Gefahr, die dem Leben und dem Vermögen aller Europäer drohte, wurde das Bombardement unabweislich.

Aus Tanger wird berichtet, daß der ftanzösische Ge­schäftsträger, Graf Saint A u l a i r e, sich zu dem Vertreter des Sultans begeben habe, um ihn über den Charakter des Bom­bardements von Casablanca aufzuklären und ihm mitzuteilen, daß die marokkanischen Behörden für die geringsten Angriffe auf die französischen Staatsangehörigen in Tanger verantwortlich gemacht würden. Der Vertreter des Sul­tans drückte dem Grafen Saint Aulaire das lebhafteste Bedauern über die Vorkommnisse in Casablanca aus. Der französische Geschäftsträger hat ferner eine entschiedeneNotean Ben Sliman nach Fez gerichtet. Sie enthält eine Darstellung des unqualififrierbaren Hinterhaltes, in den die ftanzösischen Soldaten gelockt wurden, sowie einen Bericht über die weiteren Ereignisse, wobei Graf Saint Aulaire im Namen der ftanzösischen Regie­rung alle Vorbehalte macht in betreffs der etwaigen Ahndung dieser Handlungen. Der französische Geschäftsträger fordert ferner den Machsen auf: 1. den marokkanischen Behörden von Casa­blanca dringend den Auftrag zu erteilen, sich unter den Be­fehl des Kommandanten der französtschen Landungstruppen zu stellen und demselben ihren Beistand zu leihen, damit er die notwendigen Strafmaßnahmen treffen könne. 2. In wirksamer Weise über die Sicherheit der Franzosen in Fez und int Innern des Landes zu wachen. 3. Die Erfüllung der anläßlich der Er­mordung des Dr. Mauchamps versprochenen Genugtuung zu be­schleunigen und 4. die notwendigen Maßnahmen zu treffen, um die Anwendung der durch die Algecirasakte vorgesehenen Re­formen zu sichern. t , c _. x .. ,

In der Mitteilung, die denStgnaturmach- ten der Algecirasakte von den Vertretern Frank­reichs überreicht wurde, heißt es in der Hauptsache, baß bie Ereignisse den beschlossenen Maßnahmen, bie dem Machsen notifiziert werben sollten, zuvorgekommen seien. Die Note fügt hinzu, daß die bringende dtoUvendigkeit es immer mehr gebiete, die Polizei in den Häfen Marokkos zu organi­sieren. Sie bekräftigt den Entschluß Frankreichs, die Auto­ri t ä t d e s S u l t a n s und bie Unabhängigkeit und Unversehrt­heit seines Reiches auftecht zu erhalten und zu wahren. Tie Wote meldet ferner, daß die Ordnung, Sicherheit und Freiheit des Handelsverkehrs in Casablanca garantiert würden, und daß die Urheber der Niedermetzelungen und Anschläge der Beitrafung

nicht entgehen werden. Schließlich erklärt die Note aii- drück- lich, baß die P o l i z e i von Casablanca und Umgebung im Verein mit Spanien organisiert werden wird.

Der französische Geschäftsträger in Tanger forderte einige Franzosen, welche in Elksar ansässig sind, auf, sich vorsicht- halber nach Larusch zu begeben.

Minister Pichon hat bie ftanzösischen Vertreter int Auslande angewiesen, den Regierungen die Umstände klarzulegen, die das Bombardement von Casablanca als unabweislich erscheinen ließen. Die ftanzösische Regierung bestätigt, daß bie Lage b c r Europäer in Mazagan und Rabat die größte Auf­merksamkeit erfordere. Der KreuzerDu Chalay" wird für alle Eventualitäten bereitgehalten.

Wien, 7. Aug. Der Kabinettschef des ftanzösischen Minister­präsidenten Clämenceau erklärte dem ^Korrespondenten derNeuen Freien Presse", daß die Meldung, Clßmenceau beabsichtige, infolge der Ereignisse in Marokko seine Kur in Karlsbad zu unterbrechen und nach Paris zurückzukehren, vollständig unbegründet sei

Die Haager Konferenz.

Haag, 7. Aug. Friedenskonferenz. In der heutigen Nachn,ittag§sitzung der Unterfommiffion ber zweiten Kommission wurde der belgische Vorschlag beraten, der auf die Erneuerung der Konvention vom Jahre 1899 hinzielt. Nach dieser ist es untersagt, Geschosse aus Luft­schiffen herabzuwerfen. Die deiltschen Delegierten hatten erklärt, für den Antrag zu stimmen unter der Bedingung, daß bei der Abstimmung Einigkeit erzielt werden würde. Bei der Llbstimmung stellte sich jedoch heraus, daß 27 Stimmen ohne Vorbehalt für die Annahme des Antrages abgegeben wurden und drel für mit dem Vorbehalt, daß Einstmimigkeit erzielt werden würde, sowie fünf Stimmen gegen den Vorschlag. Es wurde daher keine Einstimmig- tcit erzielt. Hierauf wurde em Verrrnttelungsvor-- schlag Italiens beraten, in bein gefordert wird, 1) daß es verboten werden solle, von den Luftschiffen aus Städte unb Dörfer, bie nicht verleibigt werden, zu beschießen und 2) daß ein Ballon, der zu kriegerischen Zwecken verwendet werden soll, lenkbar sein muß und durch eine aus Militärperjonen bestehende Besatzung gelenkt wird. Für Artikel 1 stimmten 21 Delegierte, dagegen 8, während sich 6 der Stimmabgabe enthielten und 8 nicht erschienen waren. Für Artikel 2 stimmten 30 Delegierte, dagegen 2, während 3 sich der Stimmabgabe enthielten und 9 nicht erschienen waren. Die Delegierten gaben alsdann die Gründe an, die sie bei der Abstimmung leiteten. Gündell-Deutschland vertrat die ^Ansicht, man könne für die lenkbaren Luftschiffe keine befonberen Regeln aufstellen. Diejenigen, die nicht lenkbar seien, könnten im Kriegsfälle unter Berücksichtigiing der Windrichtung 2C. bis zu einem gewissen Grade lenkbar genlacht werden. Gündells Ansicht nach liegen keinerlei berechligte Gründe vor, um sie ausziischließen. General Amourel-Fraiikreich schließt sich diesen Einsichten an. Vor Aufhebung der Sitzung erklärt Rey-England daß England sich auf den Boden der Kon­ventionen von 1899 stelle, welche die Llnwendung von giftigen Gasen und von Kugeln untersagen, die im menschlichen Körper explodieren.

In der vierten Kommission der Friedenskonferenz unter dem Vorsitz des russischen Staatsrats v. Dtartens trat Ortchmnikow-Nußland für das Recht der Kriegführenden, Prisen zu zerstören, ein, besonders wenn es sich um Staaten handele, die nicht Häfen genug zur Verfügung hätten, um ihre Prisen dorthin zu führen. Satow-England vertrat den Standpunkt, daß bie Zerstörung gegen die Griindsätze der dleutralität verstoße. Eme Abstimmung fand zimächst nicht statt. Man ging dann zur Beratung des französischen Vorschlages über die Abschaffung d es Prisenivesens und der Aufstellung des Grundsatzes einer Ent­schädigung über. Renault- Frankreich änderte den Vor­schlag dahin ab, daß die Staaten nicht aufgefordert merben sotten, Maßnahmen zu ergreifen, sondern nur sich bemühen sollen, Mittel und Wege für die Durchführung zu finden. Infolge einiger Vorbehalte erfolgte die Abstimmung über den Vorschlag getrennt. Freiherr Marschall von Bieberstein- Deutschland sprach sich für den ersten Teil in Bezug auf die Abschaffung des Prisenwesens aus, machte aber Vorbehalte betreffend den Grundsatz der Entschädigilng. Die Abltimmung über den ersten Teil des Vorschlags ergab 16 Ja, 14 Nein und 14 Stimmenthaltungen, über den zweiten Teil 7 Ja, 13 Nein und 14 Stimmenthaltungen. Es fehlten bei bei Abstimmung 12 Vertreter. England hatte erklärt, daß es in Bezug auf die Wegnahme von Prisen die Vorteile des bis­herigen Verfahrens nicht aus der Hand zu geben wünsche. Nach kurzer Beratung über die Frage der Fortnahnie von Fischerfahrzeugen wurde die Sitzung vertagt.

In der gestrigen Sitzung des Komitees der ersten Kommission zur Prüfung der Vorschläge betreffend die Schiedsgerichte hat der zweite deutsche Delegierte, Geheim­rat Kriege, die Erklärung abgegeben, daß die deutsche Dele­gation gegen die Anträge stimmen werde, die für alle Streitigkeiten juristischer Natur die schiedsrichterliche Ent­scheidung obligatorisch machen wollen. Die eingehende Prüfung dieser von Amerika, Schweden und Portugal ge­stellten Anträge habe bestätigt, was Freiherr v. Marschall schon am 23. Juli ausführte, daß ein so allgemeiner Welt- schiedsvertrag keine wirkliche, juristische Bindung darstellen würde. Außerdem hindere man damit die gesunde Entwick­lung der wirklich obligatorischen Schiedssprechnng durch Ver­träge zwischen den einzelnen Staaten und auf Gebieten, wo