Ausgabe 
8.4.1907 Erstes Blatt
 
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Kindermehl

Krankenkost

Hande)

Frankfurter Börse. 8. April. 1.15 Uhr.

Beichsanleihe

3% Portugiesen

III

100.80

219.00

208.25

221.60

27.30

126.70

146.10

2720

142.00

136.50

April. Anfangskurse.

Harpener Bergwerk.

Laurahütte . .

Lombarden E. B.

Nordd. Lloyd . . .

Tiirkeidose .

4% Öesterr. Goldrente. . 4V6% Oesterr. Silberrente 4-6 Ungar. Goldrente . .

4% Italien. Bente . .

3-6 Portugiesen Serie I .

96.55

85.40

96.60

85.40

95.00 9510

99.40

99.80

94.50

102.80

67.35

68 00 90.10

76.20

92.95

140.20

49 80 85.80

65.50

97.10

3^°/< 3-6 3X7. 3-6 8X7« 3X7.

do. Konsols do. Hessen Oberhessen

Bochum Guss . . .

Buderus E. W

Tendenz: fest.

Berliner

Canada E. B. . . . Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . Dortmunder-Union C. Dresdner Bank . .

Tendenz: schwach.

Börse, 8.

. . 173.10

. . 132.25

. . 229.50

. . 75.00 145.00

beschränken, wodurch kein größerer Schaden entstand.

Darmstadt, 7. April. Nachdem die Darmstädte

sekrekär des Perbandes erklärte einem Berichterstatter, daß öer Generalausstand sich nicht auf Paris beschränken, sondern gleich, zeitig in allen Gegenden, in denen der Verband Gruppen besitze proklamiert werden solle und daß, obwohl der für den Gesamt- ausstand bestimmte Tag geheim gehalten werde, man glaube, daß hierfür der 11. April festgesetzt wurde. Der Ctreikbefehl werde den Leitern aller Gruppen gleichzeitig mit einer vereinbarten Depesche Schicket Waren" übermittelt werden. Die Müllergehülfen und Getreideverlader veranstalteten heute nachmittag in der Arbeitsbörse ein Meeting, in dem sie beschlossen, sich dem Streik der Arbeiter der Nahrungsmittelbranche anzuschließen. Die B ä ck er­geb ü l i e n verlangen Lohnerhöhung und genaue Einhaltung des wöchentlichen Ruhetages. Die Müllergehülfen fordern eine 3e- grenzung der Arbeitsstunden.

Nantes, 6. April. 900 Tabakarbeiter haben sich mit etwa 100 anderen Arbeitern, die Lohnerhöhung verlangen, soli­darisch erklärt und sind in den Ausstand getreten.

Nantes, 7. April. Hiev und in Dünkirchen fanden Ver­sammlungen der eingeschriebenen Seeleute statt, auf denen er­klärt wurde, daß der allgemeine Ausstand beschlossen werden würde, int ftafle die Regierungsvorlage, welche die Stellung der einge­schriebenen Seeleute neu regelt, unverändert angenommen werden sollte.

Wien, 7. Avril. Der Ausstand der Bäcker gehülfen ist nach mehrwöchiger Dauer heute beendet worden, nachdem die Meister den neuen Tarif genehmigt haben.

Elektriz. Lahmeyer . . Elektriz. Schnckert . . . Esch weil er Bergwerk . . Gelsenkirchen Bergwerk . Hamburg-Amerik. Paketf. Harpener Bergwerk. . . Laurahütte......

Nordd. Lloyd . . . .

Obeischles. Eisen-Industrie Berliner Handelsges . .

Darmstädter Bank

Deutsche Bank . . .

Deutsch-Asiat. Bank . . Diskonto-Kommandit. . . Dresdner Bank . , . Kreditaktien.....

Baltimore- und Ohio-

Eisenbahn .

Gotthard bahn . . . .

Lombard. Eisenbahn . . Oesterr. Staatsbahn . . . Pnnce-Henri-Eisenbahu .

Bestbewährte gesunde und magen­

darmkranke

130.00 113.30 230 i

197.80 136.80

208.00 221.50 126.70

111.00 158.25

132.00 229.90

170.00 172.10

145.25 207.50

Nahrung für: sowie schwächliche, in der Entwicklung zurückgebliebene

Kinder.

geht auf den Leim und erhält die hübsch verpacktenharten" Eier, während der schlaue Bauer sich vergnügt ins Fäustchen lacht.

* Kleine Tageschronik. In Harz bürg wurde em schwerer Einbruchsdiebstahl bei dem Uhrmacher Nelle verübt. Diebe schoben die Nostaden in die Höhe, schnitten ein Stück aus der Glastür und entwendeten Uhren im Werte dou 8000 Mark. Von den Tälern kehlt jede Spur. In Berlin ist der Rechts- anwalt Simon, welcher bei den letzten Reichstagswahlen als Reformer" kandidierte, in der vergangenen Nacht e r ft t cf t. Wahrscheinlich hat Simon im Liegen, wie er es öfters tat, Nüsse gegessen, wobei ihm ein Stück in die Kehle geriet. Der mit erheblichen Defraudationen flüchtig gewordene Direktor der italienischen Ausstellung in Bochum, Pseudo- Professor Rosa, soll in Mailand verhaftet worden sein. In seinem Besitz befanden sich nur geringe Mittel. Am 5. April wurden zwei Erdstöße in der Nahe der ö ft e t r.-f d) ro e t j, e - rischen Grenze verspürt. Diese Erdstöße veranlaßten zahl­reiche Lawinenstürze, die ganze Landstrecken zerstörten. Auch in Mayenfeld im Kanton Graubünden ist ein Erdstoß verspürt worden. In Lvon wurde ein junger Mann, Rens Poncet, bei einem nächtlichen Besuche vom Gatten überrascht. Er wollte sich au einem Seile von: Fenster des zweiten Stockwerkes auf die Straße hinablassen, fiel jedoch auf das Pflaster und blieb mit zer­schmettertem Schädel tot liegen. In Ajaccio wurde der französ. Leutnant Geyer d'Hort von dem Bruder seiner Geliebten erschossen, weil er feit einigen Tagen die Beziehungen ab­gebrochen hatte. Der Mörder Earlo Antonetti hat sich in die Berge geflüchtet. In Klein-Glienicke bei Potsdam, auf dein Bauhofe der Teltower Kanalschisfahrt, ereignete sich bet der Reparatur des MotorbootesBrueck" eine Explosion. Der Schifsslührer Kerstan, der durch die ausströmenden Gase über Bord gewor'en wurde, konnte erst als Leiche ans dein Wasser gezogen werden. In den amerikanischen Staaten Louisiana, Mississippi und Alabama hat ein Tornado gewütet, wobei, soweit bisher bekannt geworden, 2 5 Personen um- gekommen und 50 schwer verletzt worden sind.

Universitäts-Nachrichten.

Die Nachfolge des Heimgegangenen Berliner Chirurgen Ernst v. Bergman n wird in der gesamten Aerzteschaft eifrig diskutiert. In den deut Verewigten nahestehenden Kreiselt wird der Name des Hallenser Chirurgen Geheimrats Professors v. Bra ° mann als der des voraussichtlichen Nachfolgers genannt; es ver­lautet, Bergmann habe den Direktor der Hasteuser chirurgischen Universitätsklinik selbst an maßgebender Stelle als seinen Nachfolger empfohlen. Irgend welche Entscheidung, die Anlaß zu einer sicheren Mitteilung geben könnte, ist indessen noch nicht getroffen.

Jena, 6. April. Durch Miuisterialverfüguug ist jetzt an der hiesigen Universität den Frauen die Immatrikulation für aste Fakultäten gestattet worden, wahrend es bisher nur für die philosophische Fakultät möglich war.

Kehricht- und Schnecabfuhr seit Jahren an einen hiesigen Unternehmer für den Betrag von M. 3 5 00 0 ver­geben war, hatten verschiedene Konkurrenten von ihm bei der letzten Vergebung eine Offerte von M. 18 000 eingereicht und auch die Arbeit erhalten. Schon sehr bald machten sie aber die Erfahrung, daß man um diesen Preis die sehr umfangreichen Leistungen nicht ausführen könne, woraus einer davon seine Tätigkeit ohne Weiteres eingestellt hat. Durch die von ihm gestellte Kaution ist die Stadt gedeckt. Nun haben die anderen Unternehmer, die den Preis so herab­gedrückt hatten, bei der Stadt um Entbindung von ihrem Vertrag nachgesucht. Nach eingehender Debatte kamen die Stadtverordneten zu der Ueberzeugung, daß die Unternehmer sich geradezu um die Arbeit gedrängt hatten und beschlossen, auf Erfüllung des Vertrags zu bestehen, zumal die Stadt durch entsprechende Kautionen gesichert ist.

XVlinftarhnr und verblüffend ist die rasche Erzielung tt uuuci Uu-l zarter weißer Haut durch den Gebrauch der stets wirksamen Myrrholin-Seise. lb9h

feuer so nahe kam, daß ihre Kleider Feuer fingen. Hinzu- eilende Leute brachten dem Kinde Hülfe; doch mußte es mi schweren Brandwunden bedeckt ins Hospital nach Hungen gebracht werden.

Hirzenhain, 6. April. Gestern vormittag entstand an der Nebenbahnlinie zwischen hier und Lißberg ein Wald- brand, der durch ausgeltoßeme Funken einer Güterzngs- lokomotive verursacht wurde. Da bald ein Personenzug nachkam, konnte das Zugpersonal das Feuer auf seinen Herd

vermischte».

* Berlin, 5. April. Von Monarchenbesuchen steht den Berlinern für diesen Sommer bis jetzt nur der Besuch des Königs von Siam in Aussicht. Leider kann zurzeit noch feine Gewähr dafür übernommen werden, daß dieser patriotische Begeisterimg auslösen wird, denn in der Phantasie des Lurchschnittsberliners existiert der Siamese nur als Duplikat. Man denkt stets an die bekanntensiamesischen Zwillinge^ und wird in dem Könige von Siam daher wohl nur etwasHalbes" sehen. Auf der anderen Seite ist zu beklagen, daß jener ostasiatische Polentat nicht der Mann ist, nm den Reichstag nach Gebühr zu würdigen und das schöne Gemälde zu bewundern, das Franz Skarbina augen­blicklich von der patriotischen D e m o n st ra tio n vor dem kaiserlichen Schlosse nach den Stichwahlen anfer­tigt. Der Kaiser hat bei einer Besichtigung des Entwurfs Franz Skarbina beauftragt,mehr Volk, viel mehr Volk" auf die Leinwand zu zaubern.

Ue her trumpft. Nach der Amsterd. Courant hatte ein Bauer aus Soest 300 Eier an eineFirma" in Amster­dam verkauft, die nach einer Anzeige einige tausend Eier gegen hohen Preis gut gebrauchen konnte. Vom Bezahlen hörte man aber nichts. Unser Bauer ging nach Amsterdam, erkundigte sich bei der Polizei, bekam eine wenig erfreuliche Auskunft, suchte die Firma selbst auf und bekam nun zu hören, daß sie nur Samstags bezahlte, das wäre Geschäfts- Prinzip und davon könne in keinem Falle abgewichen werden, ©ui/ meinte der Bauer,ich kann dann ja noch einmal wieder kommen; aber was ich sagen wollte, kann die Firma denn vielleicht noch mehr Eier gebrauchen, ich habe noch etwa 1500 zu Hause, die ich zu demselben Preise anbiete?" -Senden Sie bitte so viel sie wollen, wir haben immer Be­darf. Aber nur Samstags wird bezahlt." Unser Bauer zog von dannen, den heimatlichen Penaten zu. Dort packte er hübsch so viele Steine in einen Korb, wie 1500 Eier ungefähr wiegen, unten Heu, oben Heu, an den Seiten Heu und sendet dies derFirma". DieEier" durften aber nur dann abgegeben werden, wenn die zuerst gelieferten 300 bezahlt würden. Die , Firma", die lieber 300 als 1500 Eier bezahlte,

4J4°/O niss. Staatsanl. 1905 4>6°/o japan. Staatsanleihe 4 -6 Conv. Türken von 1903 Türkenlose ... . .

4-6 Griech. Mouopol-Anl.

4 -6 äussere Argentinier .

3°/0 Mexikaner . .

4^°/o Chinesen . . .

Aktien:

Ortskrankerrkafientag.

(Original-Bericht des Gießener Anzeigers.) ^"Marburg, 7. April.

Im Anschluß an eine kürzlich in Gießen abgehaltene Sitzung von Vertretern einer Anzahl Ortskrankenkassen der Pro­vinz Hessen-Nassau fand heute hier im Restaurant Seebode ein großer Ortskrankenkassentag statt, der von rund 175 Delegierten der Ortskrankenkassen aus Hessen-Nassau, Waldeck und des Großherzogtums Hessen beschickt war. Sein Hauptzweck war, einen endgültigen Beschluß über die Ausdehnung der Freien Vereinigung der Ortskrankenkassen int Reg.-Bez. Wiesbaden auf den Reg.-Bez. Kassel und das Fürsten­tum Waldeck zu fassen. Der Vorsitzende der Freien Bereinigung, Herr Gerhardt-Wiesbaden, wies darauf hin, daß cs int In­teresse der Ortskrankenkassen liege, immer größere Verbände zu schaffen, denn nur dadurch sei es möglich, an die Lösung größerer Aufgaben heranzugehen und Einfluß auf die Gesetzgebung zu gewinnen. Der Anschluß wurde dann einstimmig genehmigt und der neugegründete bezw. erweiterte Verband mit dem Namen Freie Vereinigung von Ortskrankenkassen in der Provinz Hessen- Nassau" bezeichnet. Als Ort der nächsten Versammlung wurde Frankfurt bestimmt. Weiter handelt es sich um die Durch­führung der Tarifgemeinschaft zwischen dem Zentralverband der Ortskrankenkassen int Deutschen Reiche und dem Verbände der Verwaltungsbeamten der Ortskrankenkassen gemäß der Beschlüsse der Düsseldorfer Jahresversammlung. Während Herr Heß- Wies­baden Bedenken dagegen hatte und die Regelung der Anstellungs­und Gehaltsverhältnisse der Beamten jeder einzelnen Kasse über­lassen wollte, sprach Herr Gräf- Frankfurt unter allseitigem Beifall für Schaffung eines Tarifamts für den Verband und der in dieser Hinsicht ebenfalls angeschlossenen Freien Vereinigung der Hessen-Darm städtischen Krankenkassen. Zum Vorort wurde Frankfurt und als Vorsitzende die Herren Viebig und Leisner von dort bestimmt. Unter Verschiedenem brachte Herr Grä f-Frankfurt zur Sprache, daß in Preußen manchmal den Krankenkassendclegierten ihre Versammlungsdiäten streitig gemacht würden, bei anderen Instituten halte man es natürlich anders. Kürzlich habe auch das Berliner Landgericht in einem solchen Falle zu Ungunsten des Klägers entschieden und zwar mit der Begründung, daß solche Krankenkassenvertreter doch wohl mehr zum Vergnügen wie zu sonstigen Zwecken den Tagungen beiwohn­ten. In scharfem Redefluß protestierte der Redner gegen eine derartige Beurteilung von Leuten, die zwar meistens keinen sog. höheren Bildungsgang dnrchgemacht, aber desto mehr praktische Kenntnisse und Lebenserfahrung ihr eigen nennen, hauptsächlich in Bezug auf Krankenkassenwesen. Einstimmig wurde bann fol- ßenbe Resolution gefaßt:

Die heutige Versammlung der Ortskrankenkassenvertreter protestiert gegen die im Urteil des Kgl. Landgerichts zu Berlin vom 12. Januar 1907 enthaltene Bemerkung, daß Kassendele­gierte meist mehr auf ihr Vergnügen bei dem Besuch der Jahres­versammlungen der Kassenkongresse aus sind; daß sie ferner zu einfache, also zu ungebildete Leute seien, die auch die zur Tages­ordnung stehenden Materien nicht begreifen unb verstehen könnten, b/i solche abfällige Zensuren bett Tatsachen wider­sprechen unb ben Gerichten gar nicht zustehen."

Nachdem noch einige unwesentliche Punkte zur Sprache ge» l bracht waren, wurde dann der Ortskrankenkassentag geschlossen.

Gerichtssaat.

Kassel, 7. April. Als Vertreter des Vereins für Volksauf­klärung ober als Agent der Berliner Gesellschaft Urania und im Auftrage des Kultusministers, von dem er persönlich empfangen sein wollte, führte sich int vorigen Jahre in wissenschaftlichen und Lehrerkreisen einProfessor D r. 91 cf e r m a n n" in den ver- ichiedensten Städten Deutschlands ein, tim in den Schulen, Insti­tuten, Pensiouateu usw. populäre wissenschaftliche Vorträge zu halten. Da er mit großer Sicherheit und Redegewandtheit auftrat, io erhielt er in einzelnen Fällen die Erlaubnis zu Vorträgen; man war aber nicht wenig erstaunt, als er nur mit einem großen, aber abgespielten Phonographen ankam unb erfahren mußte, daß die Kinder um bas geringe Eintrittsgeld geprellt worden waren. Alan ließ den Schwindelprofessor anfänglich laufen, erließ aber Warnungen in den Fachzeilungen, als der Schwindel sich auf dem flachen Lande breit machte. DemProfessor" wurde bann auch halb das Handwerk gelegt, beim er wurde schließlich hier eilige- sperrt, da sich inzwischen herausgestellt hatte, daß man es mit einem vielfach mit Zuchthaus vorbestraften Doktor Philadelphia und amerikanischen Professor zu tun hatte, der wegen H o ch - ft a b e I e i e n und Heiratsschwindel von verschiedencn Ge­richten steckbrieflich verfolgt wurde. Um die verdiente Strafe für diese Betrügereien zu erhalten, stand der Mann vor den Schranken des hiesigen Gerichts. Die Straftaten, die ihm dieses Mal zur Last gelegt werden, betreffen Heirals- und Kautionsschwinbel, die Betrügereien mit den wertlosen Vorträgen, Zechprellereien und unberediti gte Führung des Doktor- und Professortitels. Ter Ge­richtshof hielt auf Grund ärztlichen Gutachtens den amerikanischen Schwindelprofessor für vollkommen gesund unb verurteilte ihn zu 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus, 4 Wochen Haft, 300 Mk. Geld­buße und 5 Jahre Ehrverlust.

Magdeburg, 7. April. Tas hiesige Kriegsgericht verurteilte gestern den Unteroffizier Fiebelkorn wegen Mißhandlung Untergebener in 18 Fällen zu 8 Monaten Gefängnis. Em Miß­handelter, Musketier Slaubert an5 Halberstadt, halte sich 1904 t n- folge der Mißhandlungen erschossen. (B. T.)

Sim plizis simus unb Wör m a n n. Die Privatbe­leidigungsklage des Großreebers Aböls Wörmann gegen den ver­antwortlichen Redakteur des Simplizisfimus Olaf Caspar ®ul- branffen gelangte, nachdem bereits am 21. März ein Termin vor dem Schöffengericht in Hamburg stattgefunden hat, erneut zur Ver­handlung. Es handelt sich bet der Klage um eine jener charakte­ristischen Zeichnungen Thönys aus dem Hamburger Schisserleben: am Ufer des Hamburger Hafens sitzt eine arme Frau und blickt auf das Wasser hinaus. Vor ihr kniet ein kleines Kind, zu dem sie sagt:Wir können Vater heute nicht begraben, da Wörmann die Leiche nicht herausgibt, bis das Lagergeld bezahlt ist/ In diesen Worten erblickte Wörmann eine Beleidigung und stellte Strafantrag. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu drei Monaten Gefängnis und zur Tragung der Kosten des Ver­fahrens. In der Urteilsbegründung wurde heroorgehoben, daß es ich bet dem Bilde um eine maßlose unb ganz unbegrünbete Be­leidigung handele.

Mannheim, 6. April. In dem Zeugniszw angsver­fahren gegen den verantwortlichen Redakteur der sozialdemo­kratischenVolksstimme", G e cf, wegen Ermittelung des 23er- faffers eines Artikels in der FaschingsnummerSchnupftabak" hat das Landgericht die Beschwerde gegen die Zeugniszwangshaft abge- iehut. Geck m u ß nunmehr die Strafe a n t r e t e n.

Telefonische KursbericMe des Giessener Anzeigers, mitgeteflt von der Hank für und Industrie. Giessen.

Handei nnb Verkehr, Volkswirtschaft.

R. B. Darmstadt, 7. April. Die Bank für Handel unb Industrie (Darmstädter Banks hielt am Samstag mittag im Beratungssaal ihres hiesigen Bankaebäudes ihre 54. General­versammlung ab, in welcher 14 350 Aktien mit 100 450 Stimmen vertreten waren. Der Präsident des Aufsichtsrates, Stadtrat a. T Kaempf -Berlin, wies zu Beginn der Sitzung daraus hin, daß der Vorstand der Bank im Jahre 1906 verschiedene Veränderungen erfahren habe. Die Herren Dernburg, Rumpf unb Levin schieden ans demselben aus, während die Herren H. Marks und G. v. Sim- fon neu in den Vorstand berufen und der bisherige Prokurist Boden- heinter zum stellvertretenden Direktor ernannt wurde. Der Präsi­dent dankte ben drei ausgeschiebenen Herren und widmete befon- bers bem zum Kolonialdirektor ernannten Herrn Derndurg herz­liche Worte des Tankes unb ber Anerkennung, der seine unermüd­liche Tätigkeit unb seine ausgezeichnete Begabung in den Dienst bes Instituts gestellt unb dessen Wirkungskreis erweitert habe. Wenn die Bank mit Genugtuung konstatieren könne, daß Exz. Dernburg vom Kaiser zu der großen Aufgabe berufen wurde, an ber Spitze ber Kolonialverwaltung die weitere Erschließung unseres Kolonial­besitzes zu leiten, so müsse sie andererseits doch bedauern, diese Strait dem Wirkungskreis des Instituts entrückt zu sehen, deren Verlust dasselbe schwer empfinde. Es sei aber mit Tank anzuerkennen, daß sich die im Vorstand verbleibenden Kollegen ihren Aufgaben mit irischer Tatkraft gewidmet hätten: man dürfe ihrer Tätigkeit volles Vertrauen entgegen bringen. (Beifall.) Der Bericht des Vorstandes und des Aussichtsrats über das verflossene Geschäftsjahr wurde von der Versammlung zustimmend entgegengenommen und dann die aufgestellte Bilanz genehmigt, die in Einnahme und Ausgabe mit 593 814 057 Tlf. abschließt. Von dem sich ergebenden Gewinnsaldo von 13 071 558 Mk. werden 8 Prozent Dividende 12 320 000 Mk. ausbezahlt unb 431 200 Mk. Tantieme an ben Aufsichtsrat verteilt, so­daß ein Gewinnvortrag von 320 358 Mk. verbleibt. An Grati­fikationen für die Beamten (Teuerungszulage, Weihnachten, Ab­schluß), Ehrengaben an Beamte, Zuwendung an bie Pensionskasse (Mk. 230 000) und für wohltätige Zwecke sind 1906 1 178 678 Alk. verwendet worden, während die Handlungsunkosten insgesamt 6 098 743 Mk. betrugen. Bei ber erfolgten Wahl zum Aufsichtsrat würben die ausscheldenden acht Herren: Hermann Bachstein-Berlin, Generalkonsul v. Berenberg-Goßler-Hamburg, Geh. Kommerziell' rat Lanteron-Mainz, Richard Michalel-Berlin, Geh. Kommerzienrat Oppenheim-Berlin, Nikolaus Andreas Reinhart-Worms, Justiz­rat Dr. Schmidt-Polex-Frankfurt und Geheimer Kommerzienrat Heinrich Stein-Köln wiedergewä'hlt und als 19. Mitglied '-Berghauptmann Dr. Fürst-Halle a. S. neugewählt. Nachdem das Vorstandsmitglied Geheim. Oberfinanzrat von Klitzin § noch mehrere Anfragen aus der Mitte ber Versammlung beant­wortet hatte, gab berselbe auf Wunsch noch einen kurzen lieber blick über bie ©efamtlage bes Geldmarktes. Gr hob dabei hervor, daß infolge der hohen Spannung auf bem Geld­markt und des dadurch bedingten hohen Zinsfußes sich ein Zustand herausgebildet habe, der Mißtrauen erregen könne. Daß aber die weitergehenden Befürchtungen über bie wirtschaftliche Lage nicht gerechtfertigt seien. Es müsse zwischen Kapilalbilbung und Kapita!- bebari das richtige Gleichgewicht wieder hergestellt werden, unb das werde möglich sein, wenn Staat und Kommunen mehr Zurück­haltung übten. Ein Grund zur Befürchtung eines wirtschaitliche» Krachs sei nicht ersichtlich, die Industrie sei noch aut Monate, zum Teil auf Jahre, mit ausreichenden Aufträgen versehen. Wenn keine unvorhergesehenen Erschütterungen eintreten und ber Friede erhalten bleibt, glaubt der Redner mit gutem Gewissen die Ueberzeugung aussprechen zu können, daß em allmählicher Ausgleich sich anbahnen werde. Im Geschäftsgang der Bank dauerten die im Geschäfts­bericht erwähnten ungünstigen Verhältnisse noch fort; es liege aber keineswegs ein Grund zur Beunruhigung vor. Tie Versammlung nahm diese Schlußerklärung mit Interesse entgegen.

Arbeiterbewegung.

ü nst er i. W., 6. April. Die hiesigen Schneiderfirmen beschlossen, die Aussperrung der Schneibergehülfen nicht durchzuführen.

Berlin, 7. April. Auch im Dachdecke rgewerbe ist es jetzt zu der General - A ussperrung gekommen. Der Arbeitgeberbund für das Berliner Tachdeckergewerbe hat gestern nachmittag beschlossen, bie Gesellschast auizuforbern, spätestens am Dienstag früh die Arbeit zu den bisherigen Bedingungen wieder auszunehmen, andernfalls am Donnerstag die Aussperrung sämt­licher Dachdeckergesellen erfolgt. Ta die Gesellen nicht gewillt sind, >en streit abzubrechen, wirb am Donnerstag die General-Aus- perrung in Kraft treten. Zwischen ben Arbeitgebern unb Arbeit­nehmern ber Berliner Speicherelbetriebe ist es nach kurzem etreif zu einer Einigung gekommen. Die Arbeit wird wieder ausgenommen.

Dresden, 6. April. Etwa 1500 Arbeiter ber Nähmaschinen- fabric unb Eisengießerei oorm. Seidel & N a u m ann, Aktien­gesellschaft, sind heute gemäß einem gestern abend vom Metall­arbeiterverband gefaßten Beschlüsse tu ben Ausstand getreten. Gegen JOO Arbeiter ber Freien Vereinigung Ten sicher Metallarbeiter haben ich bisher bem Streik nicht angeschlagen. Heute nachmittag wirb ber Verbanb ber Metallinbustriellen, Kreishauptmannschast Tresben bem die vom Streik betroffene Firma augehort, zum Ausstand 'Steilung nehmen. Tie Ausständigen verhalten sich ruhig.

fBay i6, 7. April. Der Ausschuß des Nationalen Verbandes ber Arbeiter ber N a h r u n g s m 111 c l b r a n ch e hielt heute eine üju111 ab, in welcher em endgültiger Beschluß betreffs des Qeit- Punktes des G e s a mt a us st a n b e s gefaßt wurde. Der General-