Ausgabe 
8.4.1907 Erstes Blatt
 
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Die heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.

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* Wellblechtunnels. Wir brachten in der ersten Aprilnummer eine vom 1. April datierte Mitteilung aus Oberhesien, wonach auf der Nebenbahn Stockheim-Lauterbach zum Schutz gegen die Schneeverwehungen Well blech Über­dachungen emgeführt werden sollten. Ein in einem Ort, der an der Strecke Lauterbach-Stockheim liegt, erscheinendes Lokalblatt ist richtig auf diesen Aprilscherz hereingefallen und teilt selbstverständlich als Originalnachricht seinen Lesern ganz ernsthaft mit, daß die Eisenbahnverwaltung beabsichtige, die besonders gefährdeten Stellen durch Well­blech überdachen zu lassen, sodaß die Züge an diesen Stellen durch Tunnels führen.

4- Butzbach, 6. April. Die Ueberführung der ZuchthauSgesangenen von der hiesigen Zellenstrafanstalt nach dem Landeszuchthaus Marienschloß vollzog sich am 2., 3. und 4. d. MtS. mittels des Gefängniswagens von Gießen, der täglich drei Fahrten machte, ohne weiteren Zwischenfall. Gestern nun erfolgte die Ueberführung der Gefangenen von Darmstadt nach der Zellenstrafanstalt. In drei Personen­wagen der 4. Klasse kam der Transport nut dem Personenzug um 7,12 Uhr hier an. Ein starkes Gendarmerie- und Militär­aufgebot befand sich dabei und die Gendarmen schlossen vor dem Verlassen der Wagen je zwei Gefangene zusammen. Vor dem Fußtransport zu der etwa 500 Nieter entfernt lugenden Strafanstalt wurde vor den Augen der Gefangenen vom Militär scharf geladen. Einige Gebrechliche wurden mit dem GefängnlSwagen die kurze Strecke gefahren. Bei der Ein­lieferung des Transportes meldete der Führer, daß ein Ge­fangener namens Jochem kurz vor der Station Friedberg aus dem Zug entwichen und bei dem sofortigen Einhalten des Zuges schon entschwunden gewesen sei. Man glaubt die Spur deS Flüchtlings heute hier in der Stadt gesunden zu haben, zumal auch in nächster Nähe in Nieder iveisel bei dem Wirt »Zur Rose" eingebrochen worden sein soll.

a Lauterbach, 7. April. Spurlos verschiounden ist seit Freitag mittag der 76 Jahre alte Auszügler Pl c itner von hier. Am Freitag nachmittag wurde der alle Manu zum letztenmal in der Bahnhofsstraße gesehen und er ist seit dieser Zeit nicht wieder zurückgekehrl. Die Annahme, daß er sich in der Nähe der Stadt em Leid zugefügt habe, oder daß er verunglückt sei, hat sich nicht bestätigt, vielmehr ist festgestellt worden, daß er sich am hiesigen Bahnhofe eine Fahrkarte gelöst und in Bad-Salzschlirf auSgesttegen ist. Er ist dann in der Richtung nach Schlitz weitergegangen. Nach oen obwaltenden Umständen ist anzunehmen, daß P. Selbst­mord begangen hat.

Z HartmannShain, 6. April. Unsere Station hat jetzt einen annehmbaren Personenverkehr, wozu wohl die Bewohner der benachbarten, preußischen Dörfer Völzberg, Llchenroth rc. zumeist beitragen. Man plant deshalb eine viermalige Automodilpo st Verbindung zwischen hier und Birst ein und man bringt der Angelegenheit großes Interesse entgegen. Hoffentlich kommt das Projekt zur Ver­wirklichung!

? Herchenhain, 6. April. Heute erhängte sich der hiesige Landwirt David Vierheller in seiner Wohnung.

ü Bill in gen, 7. April. Die 12 jährige St. Ziegler bereitete das Essen, wobei sie dem offenen Herd-

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Ler Konferenz entsenden.

Die Marokko frage wird sowieso ja dazu beitragen, die Festigkeit des Dreibundes wieder auf die Probe zu stellen. Die Besetzung von Udschda durch die Franzosen wird doch wohl Wei> tewigen im Gefolge haben. Wir werden nicht umhin können, B zu sagen, da wir A gesagt haben; man mag das bedauern, aber man wird daran nichts ändern können, daß die Suppe ausgegesten wird, in die wir manchen Brocken hineintaten. Zwischen der französischen und der deutschen Gesandtschaft in Marokko ist übrigens glücklich ein A b k o m m e n über diedraht - lose Telegraphie erreicht. Vielleicht führt diese befriedigende Abmachung zu weiteren Arrangements und bringt ein vollstän-

Sonst machte noch die r u s s i s ch e D u m a von sich reden. Nach vielen zwecklosen Reden begab man sich endlich an die Beratung des Budgets und hier zeigte es sich tote richtig die Werte waren, die vom Ministertisch fielen und in denen den russilchen Volks­vertretern das Zeugnis aüsgestellt wurde, daß sie eigentlich noch nicht fähig seien, eine verständige und sachgemäße Beurteilung des Etats vorzunehmcn. Am bemenenöwertesten waren noch die Aus­führungen des früheren Ministers Kutter, aber auch sie bewegten sich meljr in den Bahnen einreißender Kritik als aufbauender Schaffensfreudigkeit. In einem Lande, in dem derartige Zustände herrschen, sollte jeder Volksvertreter dafür sorgen, in erster Lutte für Besserung zu wirken und das Volk endlich zur Ruhe kommen zu lassen. Das antisemitische Craait desVerbandes echt russischer Leute" verlangte die schleunige Auflösung der Duma. Auch Führer der Rechten sprachen in demselben Sinne. Die Auflösung der Duma, hieß es, sei sicher, man müsse sie nur beschleunigen. Die Minister, so wurde u. a. ösfentltch erklärt, seien einer,etts feige, andererseits bestochen. Es heißt, die Rechte beabsichtige die Auflösung der Duma durch Swndalszenen zu provozieren. Minister- präsident Stolypin teilte dem Präsidenten der Reichsduma mit, die Regierung werde unmittelbare Beziehungen zwischen der Duma und den Semstwvs unter keinen Umständen zulassen.

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die Unterwerfung abgelehnt und sich in die Kalahart-WM zurück­gezogen hat. Man muß zunächst labroarten, welche Maßregeln ui Verbindung hiermit für erforderlich gehalten .werden Die unehmende Bedeutung unserer Kvlonien hat vorlausig die Reichs-

unb Telegraphen-Derwaltung veranlaßt, von dem bisherigen Grundsätze, nur unverheiratete Beamte in die Schutzgebiete ju bet- etzen, abzugehen. So sind in neuester Zett zur Leitung der Post­ämter in Dar-eS-Salam und Tsingtau verheiratete B e - amte entsandt worden. Ebenso hat vor kurzem ein verheirateter Beamter die Leitung des deutschen Postamts m Konstantinopel, dem auch die Postämter in Beirut, Jaffa, Jerusalem und Smyrna unterstehen, übernommen.

Don internationaler Bedeutung ist die bevorstehende Flott en-Revue vor Cartagena, die das engl. und das span. Geschwader zu einer Verbrüderungsszene vereinen soll. Die Kgl. engl. JachtViktoria and Albert" ist bereits in Toulon mit dem englischen Königspaar an Bord in See gegangen. Kurz vorher wurde dort in der Nähe der englischen Komgsiacht ein Deutscher verhaftet, der sich verdächtig gemacht batte. Er gab an, deutscher Professor zu sein, spricht aber schlecht französisch. Die Verhaftung gab zu allerlei Gerüchten Anlaß.

Mit der vorzeitigen Veröffentlichung der Montag nini- Papiere hat die klerikale Partei Frankreichs dem franzö,i,chen Ministerpräsidenten Clemenceau einen unangenehmen Streich ge- pielt Welterschütternde .Tatsachen sind durch die bisherigen Publikationen indes nicht zutage gefördert worden. Wegen ter Veröffentlichung eines Passus ter Montagmni-Atten, welche die englische Botschaft betrifft, sott zwischen Clemenceau und dem englischen Botschafter Bertie eine Aussprache ftattgef unten haben. Die Angriffe gegen Clemenceau gipfelten darin, ihn alsgelte bedürftigen Lebemann" hinzustellen, der durch einen tiefen Griff in den Beutel zukaufen" sei. Clemenceaus Abwehr dieser nieterträd)tigen Verunglimpfung ließ an Deutlichkeit mcyts zu wünschen übrig. Ein anderes Dokument sott den niederland. Ge­sandten in Paris kompromittiert haben. Giornale b Italia teilte mit, daß der Vatikan beschtts,en hat, ein Weitzvuch zu veröffentlichen, welches Dementis und Berichtigungen bezüglich dieser Tokumentt enthalt. Die letzte Wendung der Assäre war übrigens die, daß man ebenso wie bei der Panama- und Dreysußanaelegenhett auch Deutschland hineinzuziehen versuchte. Auf einem Früh­stück bei der deutschen Botschaft habe man eifrig die Partei teS Vatikans ergriffen!! Hoffentlich kommt es wegen einer so fürchter­lichen Sünde nicht zum Kriege! . . .

In Rumänien scheint allmählich Ruhe emzutreten. Es ist festgestellt, daß revolutionäre Aufrührer Bmiern zu Greuel- taten veranlaßten und den letzten Funken in das Pulverfaß toarpen, das durch die miserablen rumänischen Agrarverhältnisse bis zum Rand gefüllt war. Wenn es dem greisen Sturdza, der Rumänien schon manchmal aus ähnlichen Kalamitäten rettete, gelingt, ten Bauernaufstand ganz niederzuwerfen, dann sollte die rum. Re­gierung aber auch allen Ernstes jene Reformen durchfuhren, die den berechtigten Schrei der Bauern nach ter Scholle verstummen

politische Wochenschau.

Das Hauptereignis der letzten Woche war die O Herunter- Haltung des deutschen Reichskanzlers mit Italiens Mi­nister T i t t o n i im herrlichen ital. Küstenstädtchen Rapallo. Sie setzte unzählige Federn in Bewegung. Politische Berge schienen zu kreißen und förderten schließlich nur ein MäuSlein zu tage. Die Freunde des Dreibundes konnten jedenfalls wieder einmal mit vollen Backen dessen absolute Festigkett und die Gegner seine ebenso außer Frage stehende Wacklichkett preisen. Die Lobeshymnen, die der Reichskanzler römischen Journalisten über ten Dreibund im allgemeinen und Italien im betonteren zum besten gab, lassen cs uns nicht vergessen, daß Italien uns aus der Algeciras-Konferenz bös hat aussitzen lassen. Aber wir können «S verzeihen, wenn sich unser südlichster Dreibundgenosse auf

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wird es Ihre Leser, insbesondere meine in ter Umgegend Gieycns nicht allzu selten vorkommenten Namensvettern intere,fieren, noch etwas näheres über das Schicksal dieser Erbmasse zu hören, von der tatsächlich kein Pfennig in die Hände der Erben gelangt ist. Als anfangs ter 80er Jahre des vorigen Jahr­hunderts, ähnlich wie fetzt, verschiedene Zeitungen Mitteilungen über die Köhlersche Erbschaft brachten, erkundigte ich mich in meiner Familie über die Sache und erfuhr damals von meinem Großvater folgendes: Anfangs ter 60 er Jahre seien in teutlchen Zettungen Aufsorterungen der englischen 8iegierung schienen, wonach die etwa vorhandenen Erben eines im Jahre 1800 ver- "toebenen englischen Generals Köhler, ter aus Hellen stamm-', ich melden sollten. Die Sache wurde von verschiedenen Personen in die Hand genommen, ein allgemeiner Familientag terycoijlcr berufen und von diesem ein Ausschuß gewählt, tem Die wetteve Durchführung der Angelegenheit übertragen wurde. Diesem Aus- chuß gehörte auch mein Großvater an. Es wurde nun in ten Kirchenbüchern aller Orte, in denen ter Name Köhler vertreten ist, nachgeforscht. Tatsächlich sei auch ter Geburtsort des Generals Köhler gefunden worden ter Name ist mir in Berge, lenhett geraten. Nach einem Eintrag im Kirchenbuch sei der Erblafser als junger Bursche seinem Vater, einem Schäfer, von ter iperte weg davvngelaufen und man habe nie wieder etwas von ihm gehört. Jedenfalls ist er kurhessischen Werbern in die £>ante gefallen und auf diesem Wege nach England gekommen. Der Ausschuß machte sich nun daran, die erforderlichen Auszüge aus den Kirchenbüchern fertigen und einen Stammbaum ausstellen zu lassen, als eines Tages sich zwei fremde Herren, angebliche Rechtsanwälte aus London, einfanden und den Erben vvrfchlugen, die Sache für sie in England zu vertreten. Da sie nur eine geringe Entschädigung für ihre Mühewaltungen verlangten, wurde man bald handelseinig, und ter Ausschuß, bestehend aus lauter ein­fachen, unerfahrenen Leuten (kleine Bauern und Handwerker), beging die schier unglaubliche Torheit, den beiden Herren alle Urkunden und Papiere nebst einer unbeschränkten Vollmacht aus- zuhändigen. Die beiten reiften ab, schrieben noch einigemal, um sich das mitgenommene Material noch in einigen Punkten ergänzen zu lassen und ließen dann nichts mehr von sich hören. Tie Erben hofften und harrten einige Jahre, dann tarnen die Ereignisse von 1866 und 1870, und in den erreaten Kriegs- zetten geriet die Sache in Vergessenheit. Vergleicht man mit dieser Schilderung meines Großvaters die amtliche Auskunft des deutschen Generalkonsulats, wonach die Erbschaft ansangs der 60 er Jahre ten Erben verabfolgt sein soll, so kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die beiten Gauner, welche der Ausschuß bevoll­mächtigt hatte, die Erbschaft erljoben haben und damit verduftet sind. Ob ihnen oder ihren Erben wohl noch etivas abzujagen wäre?

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big cd Einverständnis zustande.

Das wirtschaftliche Leben Deutschlands steht augenblicklich im Zeichen großer Lohnkämpfe. Schon am 15. Januar begann die Aussperrung der Tischler gesellen, denen andere Holzarbeiter folgten. Die Zahl der Aus­gesperrten steigt von Tag zu Tag, sie beträgt etwa 18- bis 20 000 Mann. Die Kassen des Holzartetterverbandes beginnen sich be­denklich zu leeren und der Tag ist nicht mehr fern, an dem die Arbeitnehmer bedingungslos ihre Niederlage eingestehen werden. In einer dieser Tage in Dresden abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung des A r b e i t g e b e r s ch u tz v e r b a n d e s für das deutsche Holzgewerbe gab der Vorsitzende die Erklärung ab, daß die gesamte deutsche Arbeitgeberschaft den Schutzverband für das deutsche Holzgewerbe in jeder Beziehung unterstützen wolle. Die Versammlung beschloß, den Vorstand zu ermächtigen, eine Anleihe in Höhe bis z u einer Million aufzm- nehmen, mit der Maßgabe, ihm zunächst 300 000 Mk. zur Ver­fügung zu stellen. Auch im Schneidergewerbe Herrichen ähnliche Verhältnisse. Seit mehreren Wochen schon drohte die Arbeitgeber-Organisation angesichts ter fortgesetzten Forderungen der Arbeiterschaft mit der Generalaussperrung; am Abend vor Ostern ist diese zur Tatsache geworden und etwa 20 000 Schnei- tergehilsen sind in diesen Tagen ohne Arbeit. In einer von den vereinigten Gehilfenorganisationen in Köln einberufenen Schneiderversammlung wurde eine Resolution angenommen, die besagt, daß eine Beilegung der Differenzen nur dann möglich sei, wenn der Arbeitgeberverband den Beschluß, der den Orts­gruppen Verhandlungen mit der Lohnkommission verbietet, auf­hebt. In Hamburg ist infolge der Aussperrung von 5000 Schauerleuten und ihrer Ersetzung durch englische Arbeiter ein heftiger Kampf entbrannt, ter unter ter Hamburger Arbeiter­schaft eine starke Trübung des von der Sozialdemokratie so ge­priesenen Gefühls der internationalen Solidarität hervorgerufen hat. Es ist zu erbitterten Straßenkämpfen zwischen deutschen Ar­beitern und englischenStreikbrechern" gekommen und die sozial- demokr. Gewerkschastsblätter überbieten sich in Schmähartikeln gegen die sonst so viel gerühmten englischen Gewerkschaften. Der Verein der Hamburger Reeder und Schiffsmakler hat beschlossen, einen Garantiefonds von 500 000 Mk. aufzubringen jur Deckung der durch den Schauerleutestreik verursachten Kosten. Der Vertrag wird mit 25 Mk. auf die Tonne abgeschlossen. Lohnkämpse in Offenbach sind soeben glücklich beendet. Alle diese Kämpfe auf wirtschaftlichem Gebiete zeigen eine schroffe Ver­tretung des Klassenstandpunktes eine höchst bedauerliche Er­scheinung, die unserem wirtschaftlichen Leben viel Opfer an Geld und Arbettskraft kostet.

Die Frage ter Schiffahrt sabgabe n wurde von neuem erörtert, weil es angeblich hieß, daß Württemberg seinen Wider­stand gegen diese Abgaben aufgegeben habe. Die Nachricht war indes verfrüht. Ganz irrtümlich war die wettere Meldung, daß das Königreich Sachsen die ytotroenbigteit der Schiffahrtsabgaben eüigeschen habe. Die Verhandlungen sind offenbar noch in ter Schwebe. Mit Oesterreich jedenfalls haben Verhandlungen noch nicht ftattgefurtten. An ten Wiener maßgebenden Stellen ater be­steht, wie es heißt, keinerlei Geneigtheit, auf einen derartigen Plan einzugehen. Der Karlsruher Stadtrat hat beschlossen, die non ter hessischen Handelskammer-Tagung am 17. März beschlossene Erklärung gegen die Schisfahrtsabgaben mit zu unterzeichnen.

Aus S ü d w e p a f r i k a kam die Nachricht, daß Simon Kvpper

der Haager Konferenz gebessert zeigt.

Ueter Bülows und Ttttonis Vereinbarungen soll ein gemein» sames Protokoll ausgenommen worden sein, daS dem öfterr.-ung. Minister des Auswärtigen, Baron v. Aehrenthal, übermittelt worden ist. Dieser wird, heißt es, mit Tittoni in Venedig und mit KaiserWilbelm bald darauf im Mai in Berlin zusammen- treffen. Kaiser Wilhelm wird ferner im Laufe des Sommers zum Kurgebrauch in Bad-Hall weilen und dort voraussichtlich eine Begegnung mit Kaiser Franz Josef hoben. So meldete das Wiener offiziöse Fremdenblatt, das sich auch über dieHaager Konferenz ausgesprochen hat. Es meinte, die Teilnehmer der zweiten Friedenskonferenz werden von dem Bestreben erfüllt sein, die Kriegsgefahr zu verringern, mag die Besprechung der Abrüst­ungen aui dem Programm stehen oder nicht. Man mühe die humanen Ideen ter Friedensbewegung durch die Fortgepaltung der internationalen Rechte zur Geltung bringen. Das Blatt ver­weist dann auf die Sonderstellung Englands und Japans bei der 'Verhandlung der Seekriegsfragen, durch die das positive Wirken der Konferenz nur auf Einzelheiten beschränkt werde. Doch werde jeber noch so bescheidene Fortschritt eine unermeßliche moralische Tragwette haben. Oesterreich-Ungarn werde für alle Anregungen, Pie im Sinne dieser Ideen erfolgen, eintreten. Das Rund- fdjreiben Rußlands biete die hocherfreuliche Gewißheit, daß die gleichen Gesichtspunkte auch für Deutschland und Rußland maß- gebeni) seien uni) daß die herzlichsten Beziehung end e r Drei Kaiserreiche somit im Haag eine neue solenne Bestäti­gung erfahren werden. In Konstantinopel sind die maßgeben­den Kreise gegen die Einschränkungen der Rüstungen aus leicht begreiflichen Gründen; die mazedonische Frage ist nach wie vor ungelöst, England habgieriger als je, der Sultan kränker als je und wohl dem Tode verfallen. Doch wttl er einen Vertreter zu

Aus Sradt und Land.

Sprechstunden der Redaktion:

14 121 Uhr Botin., Vs 71/2 8 Uhr nachm., (mit Ausnahme von Samstag und Sonntag).

Gießen, 8. April.

DaS Kaiserpreisrennen im Taunus. Eine RegierungSkommistion hat am Freitag die Strecke für das KaiserprciSrennen befahren. Hierzu waren u. a. vom Ministerium des Innern die Geheimräte von Gersdorff und Dr. Tüll erschienen. Umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen wurden in Aussicht gestellt, so vor allem der Bau von etwa dreißig Fußgängerbrücken in den Ortschaften. Zur Durch­führung umfangreicher Sicherheitsmaßnahmen wird die Renn* strecke in zwölf Kommissariate eingeteilt, von denen jedes rund 10 Kilometer umfaßt. DaS Rennen beginnt morgens 6 Uhr und endet gegen 4 Uhr nachmittags. Der Kaiser wird am 16. April in Homburg eintreffen und dann die Rennstrecke im Automobil befahren. Auch Prinz Heinrich und der Großherzog von Hessen dürften demnächst die Taunusstrecke abfahren. Das Kaiserpreisrennen soll die größte automobilistische Veranstaltung in Deutschland werden. Ter Belgier Jenatzy weilt bereits zum Training in Homburg.

Oeff ent liebe Lesehalle. Im März wurden 2621 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Lite­ratur 13ö9, Zeiifchnilen 566, Jugendfchritten 236, Versdichlungen 57, Lttercuurgeschichle 5, Lander- und Völkerkunde 72, Kultur­geschichte 29, Geschichte und Biographien 92, Kunstgeschichte 12, Raturwissenscha't und Technologie 102, Heer- und Seewesen 13, Haus- und Landwirtschau 11, Gesundheitslehre 25, Religion und Philosophie 20, Ltaaiswisjenjchast 16, Sprachwissenschaft 3, Fremd- sprachliches 3 Bände. Stach auswärts kamen 129 Baride.

** Zur hl er scheit Millionen-Erbschaft schreibt man uns aus Homberg:

Sie brachten in ten letzten Tagen wiederholt Notizen über die Ervschaft des im Jahre 1800 zu Jaffa in Syrien ver­dorbenen englischen Generals Georg Frieteich Köhler, wonach ausweislich einet abgetxruciten Auskunft des deutschen General­konsulats zu London, die Erbschaft bereite, im Anfang ter 1860 er Jahre ten rechtmäßigen Erben zugesprochen sein soll. Vielleicht

Nr. 81 Erstes Blatt 157. Jahrgang Montag 8. April 1V07

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Anzeiger Gießen.