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7.11.1907 Zweites Blatt
 
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Pr. 26Ä

Zweites Blatt

LS7.Jahra-rna

Donnerstag 7. November 1907

Orlchekn tsgklch Auvnahine befl Sonntag».

General-Anzeiger für Gberhesfen

£

Rotationsdruck und Verlag bn Vrühl'Khen Unioerfuäifl - ®ud>- und ^tetnbructticL R. Laag«. Lietzen.

Redaktion. ExvedMon und Druckerel' flraße ? 6i;peöitlon und Verlos t^a# t>L Revaktwme^UL. Tell-Adr. An«et«erL^tzen.

£te Mflfßfner FamittenblStter- werden dem otermal wöchentlich beigeJtgt, das Hrctsblan fflt den Krell Giehen" zweimal M-cherUlrch. Der ^ffeffsiche timdwirf erscheint monatlich einmal.

Der Stielt um ^urUtt.

Um nun auch die Gegenseite zum Worte kommen zn assen, veröffentlichen wlr hellte zwei weitere Zuschriften, ohne edoch für deren Form und Inhalt dem Publikum gegenüber rgend welche Verantworluug zu übernehmen.

Sehr geehrte Redaktion l

Tie L"lle der Zuschriften gegen Ghirlitt, die Sie erhalten haben, ivie eriüüufd)i eine Tisktüsion am Abcnb des VoittageS |elb|i Zweien wäre. Tob sich die okadenuich gebildeten Lehrer gegen üurhtl ivenben, ist wohl begreiflich. Denn mcifiens verteidigen ne Dienlchen em System, dessen Glieder sie selbst sind. Äluch uerben ui der Regel nur diejenigen Lehrer werden und die ^animalischen Fächer wählen, die aus der Schulbank nm wenigsten mter fern bisherigen Betrieb gelitten haben. Tas Thema des Vortrages bezog sich aber auf die Unzufriedenheit weiter Greife , ts deutschen Volkes. Uiid wie berechtigt diese Behauptung st, zeigt nicht mir der staunenswerte Erfolg der GnrlUt'ichcn Bücher, ondern auch der Bei'all, den die große Gießener Versammln,tg iuie so manche andere) spendete.

'IVas die beiden auSiührlichen Zuschriiteti anbetrifft, die Sie >er6ffeiultd)ien, so haben mich diese keines,vegs davon überzeugen öiiiien, daß durch unserevielen, vielen" Re'ormen nun wirklich l(i6 Verhältnis des grammatisch - formalen Unterrichts zu dem n l) a H l i et) anregenden und das der Sitzarbeil ztl dem natur- ichen körperlichen Betätigungsdrang ein gesundes geivorben sei. luch kann ich aus meiner Erfahrung (als Schüler ioie Le hrer) eraus nur urteilen, daß zum Verständnis z. B. eines Schillerschen DiamaS eine elhiich-philosophische Vorbildung viel notwendiger Däre, als die grammatiichnoimale oder als der Lulher'jche Rale- hiSniU*. Tte historische Bedeutung des leljieren in allen Ehren! Iber Träger wirtlich lebendiger religiöser Gefühle ist er mir wie chr, sehr vielen deutenden Menschen schon aut der Schulbank nicht >ehr gewesen. Ich beide, als ehrlicher Mann, bem bie echte teligiositat eine höchst heilige und ivichtige innere Angelegenheit t, hat man die Pflicht, solche Beobachtniigen an sich und anderen uszujprechew Was den Wert der alten Geschichte anlangt, jo ebe ich zu, daß man ihn höher emschähen kann als ©urlitf, vor Ile in m lojialer und veriasjungsrecutlicher Beziehung. Leider sind an die m bet Schule üblichen Darstellungen nicht immer frei von )detflachlichkeuen und Gesinnungsmache.

Den wiederholten etwas häinuchen Hinweis auf Gurlitts ileint|d)e Uebnngsducher begreife ich nicht. Meint man beim, der Hann haue gleich am elften Tage seiner Lehrtätigkeit zu seinem urchgicüendcn Urteil kommen sollen? Ist es Nicht vielmehr em .eugnis für seine GewifsenhaNigkeit, daß er früher auch eist einmal ui dem Wege der (lernen Iheioimcii innerhalb des LyUems oor- )äus zu kommen gesucht hat, ehe er das ganze System als solches er kritischen Sondierung unterzog? Jetzt freilich ist ihm der iebulbsfnben gründlich zerrissen. Ich meinerseits begreife auch basj

Tr. S 1 recker, Oberlehrer. *

Gurlitt.

Taff der Vortrag von Pros. Gurlitt unter den zünftigen lerrtn lebhafte Gturüstung Hervorrufen würde, war klar. Aber tchlS konnte besser werben für Herrn Gurlitts Sache als die io Ml imGießener Anzeiger" abgcbrucktcn Enlgegnungen. Inivefenb war keiner der Herren Skrfaffer, außer bem ElciuLN- .rbuch kennen sie vo» Gurlitt anscheinend aucy weiter nichts, bcr sie haben bas Referat gelesen, unb dem einen hat man )gar was erzählt. So wird es leicht, schief wiedergegebene -atze Gurlitts zu bekänrpfen. Aber meine tperren, nicht Hein» ches Benörgeln von Einzelheiten war es, was Prof. Gurlitt en reidjen Beifall ernten ließ, sondern die großzügigen Grund- edankeu. Es handelt sich euen nicht um bessere Bentilations- tnrichlungen und Schulbänke (im Schuldeutsch Subsellien). Tie roße Masie aller Geoildeten ist unzufrieden mit unserer Schule, a hilft selbst bie geistreich,re Lage bcr verschiedenen Unterrichts- unben, bie Herr L. ersinnen mag, nicht, das Uebel muff an er Wurzel gepackt werden. Und das tat Gurlitt.

Es begann mit einer Rede pro homo Herr Holzmann, der schon über 21 Jahre den Cicero doziert. Ter lange Umgang nut demmehr breiten als tiefen -Arpinaten" ist in seinem Artikel zu erkennen. Fürwahr, das muff schon eine sehr schlechte Sache sein, für bie sich gar nichts GunstiaercS air- sühren läßt. Viel Beachtenswertes und Schönes steckt in der römischen Literatur, das wird keiner bezweifeln. Herr Holtz­mann hält es aber doch für nötig, ausführlich zu erzählen, welch lateimidje Leckerbifsen am hiesigen Realgymnasium für die hungrige Knabenseele bereit liefen. Was soll hier wieder der Einzelfall, an anderen Schulen ist der Speisezettel doch wieder anders. Ach nein, Herr Holtzmann, danach hungert und dürftet die Seele des beutidjcn Knaben nicht, sondern nad) Herumtoben und Betätigung der Lebensfreude. Aber statt dessen muff der arme Junge seit seinem neunten Jahre wöchentlich 7 Stunden Latein pauken, beim er soll ja später an der Rede be impcriodie Ausaroeitung einer schulmaßiaen Disposition" bewundern. AKr aber nennen das eine sinnlose Vergeudung der schönsten Kräfte unserer Jugend. Und hat schließlich Herr Holtzmann selbft schon alle Perlen der Wettliteratur in der Uriprache gelesen?

9hm zum Lieligonsunterricht. Das urwüchsige Deutsch Martin Luthers wäre zwar gegenüber dem Latemoeutsch imjercr Schulmänner" noch nicht so zu verachten, aber wenn auch Herr Holtzmann für feine Person dem Christentum sehr viel ver­dankt, so uri/t dod) die Vtehrzahl der Geoildeten dem Ehristen- rum fremd gegenüber. Was aber diesen Eltern als Fa.ei und Legende gilt, wird den K'llidern als heiligste Wahrheit gepredigt. Fürwahr, welche Quelle der unwürdigsien Heuchelei!Fort mit bem Religionsunterricht aus der Schule" heißt aber dock) nicht jeden christlid-en Glaubens unterricht aufferhalv der Schu.e ver­bieten.

Herr L. verdient keine eingehende Widerlegung. Er schwärmt von Vcniilatio.is.uirichtun^en, Sd-uloanken, Ein.ichtung des Stundenplans usw. Em Blick in unsere Schulklassen hat ihm gezeigt, daß wir keine Schwindsucht züchten. Ein Vlill auf "bie Statistik hätte ihm zeigen können, daß nur ein Vier­tel aller Studiere üben m 11 i t a r t a u g 1 i ch ist! An eine sklavische Rad-ahmung e.igli)d)cr Erziehturg beult in Deutsd). lanb niemaiib, auch Herr Gurlitt nicht. Erziehung zum Se^bft- bewußtsein leistet unsere Schule heute schon, schreibt derselbe Herr, der es nicht einmal wagt, feinen vollen Namen unter einen Artikel zu setzen, wenn er dein Gegner seichte Spässe, Phrasen- hastigkeit utw. voNvtrfll das mannl)ast?

W. Tiefenseei.

Azrs Stafct unO

Gießen, 7. Nov. 1907.

Schulpflicht und Schulaufnahme.

Ueber die Auslegimg der Actllel 19 und 20 unseres VolkSschulgefelzes, bie Bestimmungen über bie Aufnahme schul­pflichtiger Kinder enthaltend, bestand seither, auch in unserer Stadt, vielfach Unklarheit, bie nun burch eine unzweibeutige Verfügung ber hefsischen Schulabteiliing vom 25. Oktober beseitigt ist. Die angeführten Gesegesparagraphen befllmmen uäiiillch, baß in Hessen ein Kind schulpflichtig ist, sobald es das sechfle Lebensjahr uoUeiibet hat, geistige unb körper­liche Reife vorausgesetzt. Unter bevfelbcn Voraussetzung können jcboch außerbem auch solche Kinder nufgenonnnen werben, bie bis zum 30. September desselben Jahres bas sechste Lebensjahr vollenben.

Dlese'Beslimiiiiingen würben seither hier und da in der Weise umgangen, baß em Kind privatim sich den Wisseiis- sloff des untersten Jahrganges ancignete und bann zu Ostern bes nächslen Jahres, mit beginnender Schulpflicht, gleich m die zweite Stufe cinrücfte, seine Allersgenossen also gleich von

vornherein um ein Jahr überholend. Tie obecne Schul­behörde bestimmt nun, daß dies für die Folge nicht mehr statthaft ist, und daß ein Kind in keine höhere Klasse oder Abteilung ausgenommen werden kann, als die seinem Aller entsprechende. Um jedoch bei der konsequenten Durchführung dieser Bestimmung Härten zu vermeiden, wird bestimmt, daß in den Fällen, in denen die geistige Reife des Kmdes feine Aufnahme in eine höhere Klasse rechtfertigt, jedesmal die besondere Entscheidung der obersten Schulbehörde emzuholen ist unb, um jedem Mißbrauch dieses Verfahrens vorzubeilgen, daß em derartiger Schüler aus keiner Schule entlassen werden darf, ehe er das vierzehnte Lebensjahr vollendet hat bezw. bis zum 30. September dieses Jahres vollenden wird. Selbst bann behält sich bie oberste Schulbehörbe in jebem Einzelfalle besonbere Genehmigung vor, wenn Kinder, die auf Grund anderer lanbesgesetzlrchrr Bestimmungen früher in bie Schule kamen, nach Hesfen verziehen und dort in die ihrer geistigen Reife enisprechende Klasse ausgenommen zu weiden roün ch u.

Des Beifalls eines jeden Kmderfreimds kann die Scyul- üblciüing sicher sein, wenn sie darauf hinweist, baß ber Zweck der Gesetzesbestimmungen über bie Schulpflicht ber war, einer Verjrühung bes Unterrichts vorzubeugeu unb bann fortfährt: »Ieber Versuch ber Eltern, biefe Bestimmungen zii umgehen, kann nur aus einer völligen Verkennung ber weisen "Absichten bes Gejetzgebers sowie ber wohlverstandenen Interessen der Kmber entspringen, unb es bars dem umso weniger nachgegeben werden, als gerade in Hessen bie Bestimmungen über bas Aller der Hinoer bei bcr Ausnahme in die Schule sowohl anderen Bunbesslaalen, iiiSbejondere Preußen, als auch den Zordeiungcn maßgebenben Pädagogen und Hygieniker gegenüber eine nicht unerhebliche Verfrühung aufioeijen.- Hoffe ult ich geht sie bald noch einen Schrill weiter und benimmt, baß in Zukunft nur solche Kmber zur Aufnahme zugelaffen iverden, bie am 1. Januar besjelben JahieS bereit» baS sechste Lebensjahr uoUcnbei haben. Eme solche Forderung stellt bas iRmbelimaß dessen bar, was schon feit Jahren von bcbeulcnben Psychologen, Aerztcn und Schulmännern ange|'uebt wirb.

* Einfrieren der Haus Wasserleitungen. Wir machen die Hausbesitzer, bezw. deren Stell­vertreter, auf die in heutiger Nummer dieses Blattes ent­haltene Bekanntmachung des städtischen Gas- unb Wasser­werks, betr.Vorkehrungen gegen bas Einfrie­ren ber H a us w a s serleitun gen" aufmerksam. Es empsiehlt sich, biefe Dekanntinachung auszubewahren unb geeigneten Orts anzubringen. Der bezügl. Wb ruck wirb in unserem Blatte einigemal erfolgen, bamit alle mit ber Bebienung ber Hauswasserleitung betrauten Per­sonen mit ihm versehen werben können.

** Opernvorstellung. Die Aufführung des Barbier v o n S e v i l l a" am Freitag beginnt punkt- l i ch 7 Uhr. Das Publikum wird in seinem eigenen Inter­esse ersucht, seine Plätze schon vor dieser Zeit einzunehmen, da die Logenschließer angewiesen sind, nach Beginn des Spiels sämtliche Türen geschlossen zu halten.

** Selbstmord. Am 5. l. Mts. mittags, wahrend die Kompagnie zum Exerzieren war, erschoß fich in einer

Gieszeuer Lradttheater.

Ein idealer Gatte.

Komödie in 4 Akten von Oskar Wilde.

Wie, ist dieses Stück wirklich eine Komödie? Diese Frage rangt sich bem Zuschauer von Akt zu Akt immer mehr auf. 's ist eine sehr ernsthafte Geschichte mit einem beinahe mehr ls tragischen Hintergrunb. Sie Kriegen" sich freilich und alle onflitte lösen sich zum Schluß scheinbar in Wohlgefallen us. Ter alte Earl von Caversham ist sogar eine rech! ^mische Figur, und die nicht gerade besonbers geistvollen Interrebungen mit seinem Sohne, bem Viscount Goring, ent- )d!eii bem Zuschauer wohl manches Lachen, aber es ist kein csreienbes herzerquickenbes Lachen. Hem heiliges Lachen, bas ie bitterernsten Erdenbiiige unter sich sieht. Es i|t eine equälte Heiterkeit in biesem Stücke, sie schnieekt unb riecht so chr nach Londoner Rebclivetler unb noch allem Trostlosen nb Traurigen eines bis ins Innerste freublosen Lebens -er unglückliche Dichter, ber bes Lebens Höhen unb Tiefen nnen gelernt hat wie kein anderer, er hat auch sicherlich hon zu ber Zeit, als er bicses Stück schuf, ben dunklen Ab- runb gesehen, dem er zustrehte.

An solchen Abgründen steht vielleicht jeder Mensch ein- ia(, aber nicht jeden verschlingt bcr Abgrund. Da spielen Ujamc Zufälle mit unb retten ben Nichtsahnenden, wie es ei dem Helden dieser Komödie der Fall ist. Sie könnten in aber auch ebenso gut verderben. Der von seiner Frau ls idealer Galle angebetete Unlerstaatssekretär Lir Robert hiltcrn steht an einem solchen Abgrund. Eine Abenteurerin at einen ihn im höchsten Maße kompromittierenden Bries in änben unb will ihn verderben. Seine Fraii, bie^nun er- >hU, baß ihr Gatte nicht ganz der Rlann ohne Fehl und adel ist, für den sie ihii gehalten hatte, sagt Sich von ihm >S, unb es fchemt nun so, als wenn wirklich alles unter im zufainmenbrechen wollte. Ta fügt es ber Zufall, baß n treuer Freund der Abenteurerin den Brief entreißen kann, nb Sir Robert Chiltern ist gerettet. Auch bie Versöhnung vijchcn den beiden Gallen fommt zustande. Lady Ghillern minit zu der erlösenden Erkenntnis, baß bie Frau ben Dlanu icht zum Ideal unb Götzen umschaffen bürfc, unb daß eS ec Beruf ber Fraii ist, zu vergeben, nicht zu [trafen.

Klingt es nicht wie ein Aufschrei aus bes Dichters igenem gequälten Herzen, wenn er fernen Halben an einer stelle gen läut: Warum könnt ihr Frauen uns Ntaimer nicht nut unsren erlern lieben, warum wollt ihr uns nur als ^dealrnenichen

Auch dem Nienschen Oskar Wilde hat man es nicht verziehen, baß er nicht bcr Jbealrncnsch war, für ben man ihn gehalten hatte. Als seine Verfehlungen bekannt würben, stieß man ihn für immer aus jenem Kreise, bessen verhätschelter Liebling unb Abgoll er bis bahin gewesen war.

Oskar Wilbe hat es verstauben, allen seinen Problemen eine elegante Form zu geben. Seine Stücke find fern auf­gebaut und spannend, unb an überraschenden Wendungen unb Entwickelungen sinb sie reich. Der Dialog ist bei ihm freilich mitunter etwas gar zu breit, aber bas rein Phrasen­hafte wirb man barm boch nie finben. Wilbe ist vor allem ein unnachahmlicher j)hi|ter ber Schilderung jener großen, glänzenden Welt, in ber er einstmals gelebt hat.

Die Aufführung seines gestrigen Stückes war unter ber Leitung be§ Oberregisseurs H e r m a n n B a k o f ganz vorlrefflich. Die prächtige Ausstallung namentlich im crfien Akt konnle auch bem verwöhntesten Geschmack genügen, nur bie Konversation hätte vicleicht in einem etwas schnelleren Tempo vor sich gehen können. AIS Sir Chiltern bot Hermann Bakof einen Charakter von großer innerer Wahrheit unb Kraft. Richt ganz frei von Ucbertreibimg hielt sich Helene Schumann als Lady Chiltern. Was au§ der recht schwierigen Rolle bes allen Earl von Caversham zu machen ivar, nrachte Bruno Reiner-Schlegel mit guter Komik. Die äußerst sympalhifchL Gestalt bes Viscount Gonng gab Rnbolf Goll üoUenbct wieber. Eine recht niebliche und anmutige Miß Mabel war Rofa Wmberste in, bie Rolle der bösen Miß Eheveley wußte Käthe Garbun g mit echtem Leben zu erfüllen. Das Spiel war fein nuanciert unb die prächtigen Roden verrieten einen geradezu raffinierten Geschmack.

Die Aufführung war alles in allem genommen eine der besten, bie ich bisher in unsrem neuen Siabllheater gesehen habe. Derselben Rlcinung Schien auch baS Publikum zu sein, benn es spenbete sehr lebhaften Beifall. E. A.

Hessische Landesausstellung Darmstadt 1908.

D i e Wirtjchaftsanlage.

P.-A. Ein besonberes Interesse nimmt die Wirtschaftsau­lage, ber Nestauratwnsbetrieb, in der Ausstellung in Anspruch. Es war zunächst vorgesehen, ein größeres Restaurationsgebäude als Abschluß der Gefamtanlage nach Osten hin zu emd)ten. Da jedoch der beredftigte Wunsch laut wurde, das Hauptrestau- rationsgebäube wieder m ben von ber früheren Ausstellung her populär unb beliebt gewordenen Platanenhain zu verlegen, so entschloß sich die Ausstellungsleilling, diesem Wunsche nach­

zukommen und Professor Albin Muller ist es nun vortrefflich ge­lungen, die Anlage des Restaurationsgebäudes sozusagen durd) den Platanenhainhindurchzusailängeln" und zwar^ in einer Weise, daß der letztere im Verein mit dem zu errichtenden Gebäud« eine völlig in sich geschlossene architektonische Gesamthell bildet und das elftere zugleich einen stilgeuiäßen Abschluß des Ganzen nad) Westen hin bedeutet. Der Architekt hat sich hierbei von dem Prinzip leiten lassen, der gesamten Anlage den Charakter einer Kunstausstellung bis ins kleinste zu wahren.

Betritt der Besucher die Ausstellung, so bietet sich ihn: von dem als Eingangstor gedachten Rundtempel, ein durchaus ein- l>eitlid)er, bem Charakter bes Ganzen enlsprechenber Anblick. Gerade vor sich, am Ende des Mittelweges, ficht er ben Musik­pavillon, in welchem der größte Teil unserer^ Gcoßh. Hofkapelle verstärkt durch auswärtige Musiker (etwa 50 Mann) drei Monate hindurch konzertieren wird. Dieser Pavillon ist mit dem links in der Ecke liegenden, über den Platanenweg hinwegreichenben Hailptrestaurationsgebäube burch Balustraden verbunden. Nad) den Ausstellungsgebäuben selbst gelangt man von hier aus durch den Palmenham, bcr so gewissermaßen eine vorbereitende, bem Wesen des kümllerischen UnterneHmens entsprechende Stimmung verinillell. Dem in der Norbwest-Ecke liegenden Hauptrestaurati- onsgebäube, das als Wein- und Bier-Restaurant gedacht ist, liegt in der Sübwest-Ecke das in der Fassade gleichgestellte Ca,ee-Restaurant gegenüber. Beide Gebäude meiten durch eine Arkadenstellung, einen Laubengang, mit einander verbunden. Dieser Wandclgang enthält eine Anzahl offener chamlnes separes ober Lauben, bie burch Blumen unb Basen dekoriert sind. Bor den tragenden fßfedern des Verbindungsweges bezw. der Wandelhalle sind Leine Brunnen angebracht. Tie Fern.er unb Glastüren bes Restaurationsgebänbes können zusammengelegt wevoen, sodaß auf diese Weise bei schönem Wetter offene Hallen gebildet werden können und so eine direkte Verbindung des ReslaurationsgebäubcS mit dem Platanenhain möglich ist. Täe Täd)er der Gebäude sind sehr niedrig gehalten, sodaß sie noch unter den Aesten der Bäume Platz finden. So wird kein Daum in seiner Wirkung gesd)ädigt unb ber Hain an sich überhaupt nicht gejuört, ber Charakter ber Anlage als solche bleibt volli'liänbig gewahrt. Tcr einfachen gebicgeiien äußeren Ausstattung entspricht bie innere Einrichtung. Erwähnt fei schließlich noch, baß an bem früher für bie Anlage bes Haupt- reßaurationsgebäubcs in Aussicht genommene Platz ein sieben- restaurant errid>tet werben soll, ffodaff ber Ausstellungsbesucher ber auf biesem Enbe weilt und eben eine kleine Erfrischung zu fid) nehmen will, nidjt erst gezwungen ist, von dem hinteren Teil ber Ausstellung freu ganzen Weg zum Ptatancnha.n zi.ruck- zuiegen. Dieses Gebäude ivirb mit ben dort ebenfalls zu errichtenben Terrafsen in birefter Verbinbung Stehen, woburch eine herrliche Aus,id)t nach ber Rosenhöhe wie nach bem Oden­wald eröffnet wird, ©arten an lagen mit Springbrunnen und Terrafsen wie das Gebäude felbii bilden auch h.er den not­wendigen wirksamen Abschluß des Geländes und wiederum in l-armonifcher Einheitlichkeit sdstießen sich hieran nach ber anderen Seite zu bas Oberhefsstschc Haus, die Billen Sutter und Gewin und das kleine Avöeiterdorf.