Zweites Blatt
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Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: «O öl. Redaktion:^^ii2. Tel.-Adr^AnzeigerGreßen»
Montag 7. Moder 1V07
a, a Rotationsdruck und Verlag der Vrüh?ichen Universität? - Brich» und Eteindruckeret.
Q R. Lange, Gießen.
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Die ..Aietzeiver Fmniliendlälter" werden dem Anzeiger^ vierrnal wöchentlich beigelegt, das 'xreirdlati für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Der „Hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
H57. Jahrgang
shuw:
L?eer und Flotte.
Hamburg, 5. Okt. Heute nachmittag lief auf der Werst von Blohm und Boß in Anwesenheit des Öftere biirgermeisters von Dresden, Geheimrat Beutler, als Vertreter des Kaisers der kleine Kreuzer „Ersatz Komet" glücklich vom Stapel. Beutler hielt die Taufrede. Der Oberbürgermeister taufte das Schiff auf den Namen „Dresden". Mit einem dreifachen Hurra aus den Kaiser schloß die Feier.
gegangen. (Rufe: Hort, hört!)
Wir müssen uns diese Vorgänge ins Gedächtnis zurückrufen, um den Beloeis zu liefern, daß dieser Wahlkreis d er Sozia l- demokrat ie ausgeliefert wurde durch deine Lüge, durch die falsche Behauptung, daß der Liberalismus gegen das Zentrum die Sozialdemokratie unterstütze. (Sehr richtig.)
So lange die Zentrums siührnng in den Händen des klugen Herrn Spahn lag, hat man die Konflikte vermeiden Tannen, und da hat die Regierung sich einrichten müssen, mit den Herren, die schließlich auf dem Gebiete des Heeres und der Marine das notwendigste bewilligten, weiter zu regieren. Als anstelle der gescheidten und klugen Politik des Herrn Spohn sich ein typisches Draufgängertum breit machte und Erzberger und hinter ihm die infolge der Diäten nunmehr regelmäßig erscheinenden Bayern in den Vordergrund traten, ist der Konflikt *.m Ausbruch gekommen. Da iöiirbc der Druck so stark, daß der Reichskanzler zu dem Entschluß kam, • den Reichstag aufzulösen. Wenn wir zu- rückschauen, so bin ich der festen Ueüerzeugung, daß in dem Augenblick, als die bekannte Rede Dornburgs gegen Roeren diese enorme Resonnanz fand, der Entschluß entstand, Neuwahlen stattfinden zu lassen. Es wird das Verdienst des Reichskanzlers sein, daß er die Neuwahlen gewagt hat, daß er auch in dieser Frage auf sein sprichwörtliches Glück vertraut hat, das ihm auch wieder geholfen hat.
Tie Neuwahlen nahmen für uns einen unerwarteten Verlauf. Wir waren vielfach Skeptiker und freudig überrascht. An diese Niederlage der Sozialdemokratie hat wohl auch bei uns kaum jemand geglaubt. Tie Ursachen der Niederlage waren viele. Auf der einen Seite das starke Mißbehagen über den Uebermut der Sozialdemokratie. Tas hat sich geltend gemacht. Es handelte sich um nationale Fragen, und um, das instinktive Empstuden her Volksmassen, daß die Mehrheit des Reichstages falsche Lahnen geht. Tas ist bis in die weitesten Kreise eingedrungen, und so sind viele abgeschwenkt. Der Uebermut und die ganze Arroganz in den Reden der sozialdemokratischen Führer und in der Presse machte sich geltend, und ebenso der Sauherdenton in der „Leipziger Volkszeitung", oder auch im „Vorwärts". Ich erinnere an die Kritik des verstorbenen Eugen Richter: „ein Strolch noch im Sterben" (Pfuirufe), dem stellt sich würdig an die Seite die Kritik, über Kardorff: „ein grauer Sünder ist in die Grube gefahren usw." (Pfuirufe). Man miag über Richter und Kardorff denken wie man will, beide Männer haben ihr ganzes Leben in den Dienst der vaterländischen Politik gestellt und bchde haben bis zum letzten Atemzug ausschließlich im öffentlichen Leben gewirkt unter Zurück'itellung ihrer privaten Interessen. (Beifall.) Wir zollen auch dem Gegner ehrliche Anerkennung bei allen Gegensätzen in den policischen Anschauungen. (Erneuter Beifall.) Solche Tinge rächen sich, schließ-', lich! Wir haben gesehen, wie bei diesen Wahlen ein großer Teil der Arbeiterschaft sich von den Sozialdemokraten abgetoenbet hat. Tas war schließlich eine Aufgabe der deutschen Patrioten, eine Sorge, die auch unsere Parteitage durchzogen hat. Man glaubte, die Industriearbeiter schäft sei der sozialdemokratischen Verführung verfallen. Man fürchtete, die Entwicklung^ wird den Gang nehmen, daß die Arbeiter ausschließlich in der Sozialdemokratie ihre Vertretung suchen und dadurch Deutschland in' schwere Konflikte hineingeführt wird. Tieie Sorge ist zum Teil von uns genommen. Ich bin weit davon entfernt, übermütig zu sein über das Resultat dieser Wahl, aber eins hat sich gezeigt, daß eine ehrliche liberale und soziale Politik in der Lage ist, uns Tausende von Arbeitern zurüHugewiilnen, die schon im sozialdemokratischen Lager waren. (Sehr wahr.) Das hat sich vor allem gezeigt in Sachsen, das ausschließlich dem sozialdemokratischen Heerbann verfallen schien und nun eine Reihe bürgerlicher Abgeordneter entsandt hat. Auch die Landtagswahlen haben gezeigt, daß in Sachsen jetzt ein anderer Wind weht. Tas ist mit das Erfreulichste gewesen und diesen Gesichtspunkt dürfen wir für unsere zukünftige Politik nicht außeracht lassen.
Nun zur Wahl selbst. Wie hatten wir mit dem Wahl- sch w i n d e l zu kämpfen. Man hat über-all das Wort ausgespielt, es handle sich nm das allgemeine gleiche Wahlrecht. Was hat tber Bebel erst in Essen gesagt. Tas allgemeine Stimmrecht anzutasten, ist heute ziemlich unmöglich. Es zu nehmen, wäre em Versuch, bei dem die Existenz des Reiches auf dem Spiele stehen könnte. Hier hat Bebel also klipp und klar gesagt, daß es unmöglich ist, das Reichstagswahlrecht wegzunehmen, und doch wurde mit diesem Argument gegen die Blockparteien gekämpft. Also der Wahlschwindel ist ohne weiteres klar. Tie Wahl hatte auch den Erfolg, das Ansehen Teutschlands in der internationalen Welt wiederum festzustellen und gar manchen Zweifel aus dem Wege zu räumen, der in anderen Staaten im Laufe der Jahre laut geworden war, ob das Reich Bestand haben werde angesichts der immer mehr anschwellenden internationalen sozialdemokrat. Bewegung. Dem ist mit einem Schlage abgeholfen. Es hat sich gezeigt, daß der deutsche Philister wohl einmal ein paar Wahlen verschlafen kann, wenn ihm aber das Wasser in den Hals läuft, sich die Zipfelmütze vom Haupte zieht. Ter liberale Mann hat sich bei den letzten Wahlen nicht gescheut, in die sozial- demokratisckfen Versammlungen zu geben und mit den sozialdemokratischen Führern und Herren zu diskutieren.
^iationüßißerahr Parteitag. Erste allgemeine Vertreterversammlung.
<Ltn6erecbtigter Nachdruck verboten.)
S. u.. H. Wiesbaden, 5. Oktober.
In dem festlich geschmückten Saale des „Pgulinenschlößchen" tret heute vormittag der nationalliberale Parteitag zu seiner zehnten allgemeinen Vertreterversammlung zusammen.
Die Resolution, welche der Zentralvorstand nach längerer Debatte zu den Kaiserslauterner Beschlüssen amiahm, besagt, wie inzwischen bekannt wird, daß nur solche Organisationen in die Gesamrpavtei ausgenommen werden können, die sich satzuugs- gemäß zu den Grundsätzen der nationalliberalen Partei..befennen und daß der Reichsverband als solcher in der Gesamtpartei als solcher Vertretung erhält nach Ddaßgabe der Innehaltung der Altersgrenze.
Zn Beginn der Perhandlmigen widmete ReichstagSabgeord- ncter Basser mann nach der aHgcmeinen Begrüßung dem verstorbenen Großherzog von Baden eine kurze Ansprache. #
Es wuckde dann ein Telegramm an die verwitwete Groß Herzogin abgesandt.
Zum ersten Vorsitzenden des Parteitages wurde auf Vorschlag des Abg. Dr. Friedberg der Reichs- und Landtagsabgeorduete Dr. Paaschs gewählt.
Dann wurde folgendes Telegramm an den Kaiser ab gesandt: „An des Kaisers Majestät. Eurer Majestät bringt der in Wiesbaden tagende, aus allen Gauen des Reiches beschickte 10. Allgemeine Vertretertag der nationalliberalen Partei ehrfurchtsvollen Huldigungsgruß dar. Dr. Paasche, Dr. Krause, Bartling."
Namens der Wiesbadener Parteigenossen nahm bann Abg. Komm.-Rat Bartling das Wort zur Begrüßung des Partei- tages. ,
Dann nahm, mit stürmischem Beifall begrüßt, Reichstagsabgeordneter Basserrnann das Wort zu seinem Bortrage über des Reiches Politik. Er führte aus: M. H., An dem hinter und liegenden Donnerstag ist die Hülle gefallen von dem Denkmal unseres großen Führers N u do l f v. Be n n i g ) c n. Für uns, aber auch weit über den Rahmen unjerer Partei hinaus ist dieser 3. Oktober ein nationaler Gedenktag. In einer Veröffentlichung des treuen Freundes des Verstorbenen, des Geheimrats Planck, ist 'ausgeführt, daß dieses Denkmal sein soll ein Zeichen des Dankes und eine Mahmmg, dein dahingegaugeneii Führer nachzueifern. Sein Sinnen und Denken stand von dem Zeitpunkte an, an dem er in jungen Jahren in die deutsche Politik eingetreten ist, im Schoße vaterländischer Politik. Er hat sein Leben geweiht dem nationalen Gedanken. Er hat neben diesem großen nationalen Ziel niemals vergessen die Forderungen des Liberalismus und die großen liberalen Grundsätze in feinem ganzen Leben hochznhalten.
Ich möchte hoffen und wünschen, daß auch dieser.Parteitag erfüllt sein möge von diesem eckst Bennigsenschen Geiste (Lebh. Beifall), von nationalen Gedanken und von dem Ziele, den Liberalismus zu fördern, von echt sozialem Empfinden und vor allem auch von dem Gefühl der Notwendigkeit, der .Einigkeit in mrsereu eigenen Rechen. (Beifall.)
DerrtvLjHes NeLch.
Berlin, 6. Okt. Der Kais e r stattete bald nach seiner äikunft in Berlin dem Reichskanzler einen längeren besuch ab und machte nachmittags eine Ausfahrt im lutomobil nach Potsdam. Abends reiste der Kaiser nach Karlsruhe ab.
— Die konlmissarischen Verhandlungen, die seit längerer 'eit zwischen den beteiligten Behörden über einen Ent- inrf zur Neugestaltung des Wein g setz es schwebten, .nd, wie die W. N. Ztg. hört, zum Abschluß gelangt. Der us den Beratuügen hervorgegangene Gesetzentwurf wird en am Weinbau besonders beteiligten Bundesstaaten in .llernächster Zeit zur Prüfung und Aeußerung zugehen, ivrauf seine Einbringung im Bundesrate in Bälde zu rwarten ist.
— Die „N. Allg. Ztg." schreibt offiziös: „In einigen Müttern ist verbreitet worden, Se. Majestät der Kaiser eabsichtige, unmittelbar nach der Beisetzungsseierlichkeit n Karlsruhe einem Aufstieg des Z ep p e li n s che n Luftschiffes beizuwohnen und an Fuchsjagden in iwnaueschingen teilzunehmen. Die ungewöhnliche Taktlosigkeit dieser Meldung ergibt sich schon ,ns ihrer Fassung. Seine Majestät nimmt selbstverständ- ich an der badischen Landestrauer teil und hat deshalb n vollem Einverständnis mit dem Fürsten Fürstenberg ie Jagden in Donaueschingen aufgegeben; die Absicht ines Besuches in Manzell hat überhaupt nicht bestanden."
— In den Kreisen der P o st v e r w a l t u n g ist das Frücht verbreitet, der Staatssekretär des Reichspostamtes, trätke, trage sich mit Rücktriitsgedanken. An unter- ühteter Stelle wird diese Nachricht als verfrüht be- aichnet. Es sei nicht ausgeschlossen, daß Herr Krätke ich von der Last seines Amtes enthoben zu sehen wünscht. Ebenfalls aber sei er entschlossen, noch vor seinem Abgänge eine Regelung der gerade bei der Post besonders chlimm verfahrenen Beamtenverhältuisse einzu- eiten.
— Der hiesige amerikanische Botschafter, Charle- nague Tower ist bei dem Präsidenten Roosevelt um einen Abschied eingekommen. Er beabsichtigt, im kom- nenden Frt'lhjahr aus dem diplomatischen Menst zu cheiden, dem er dann als Gesandter und Botschafter feil ast 11 Jahren angehört hat.
— Auch die „Deutsche Ztg." glaubt, daß Herr von Lschirschky sein jetziges Amt mit einem diplomatischen 'öosten vertauschen dürfte, sobald man sich über die Per- on seines Nachfolgers schlüssig gemacht hat. Wann dies >er Fall sein werde, könne man heute noch nicht sagen, ?,och sei ein naher Termin für diesen Personenwechsel licht unwahrscheinlich. Als Nachfolger des Herrn von Tschirschky wurde Graf Bernstorfs genannt. Graf Bern- 'torff, der jetzt Generalkonsul in Kairo ist, hat lange Jahre xr deutschen Botschaft in London als Legationsrat angehört.
Posen, 7. Okt. Hier verlautet, daß nach Vollendung des Residenzschlosses der Kronprinz sein Hoflager in Posen aufschlagen werde und zwar als Kommandeur des Regiments Königsjäger zu Pferde.
Wiesbaden, 7. Okt. Der nationalliberale Parteitag ist gestern geschlossen worden. Vorher gelangte noch eine Resolution Stresemann über die Pensions-Versicherung der Privatangestellten zur Annahme.
schiedene Redner, darunter Sembat und Graussier, protestierten in heftigen Worten gegen die Marolkoexpe- dition, die, wie sie behaupteten, von finanziellen Gesellschaften ins Werk gesetzt worden sei. Sembat sagte, die Marokkoexpedition sei ein zweites Fas cho da. Ein Redner drückte die Befürchtung aus, daß Deutschland die Gelegenheit wahrnehmen werde, um einen europäischen Krieg zu veranlass en.
Marseille, 6. Okt. Unter mehreren Rekruten von Dijon sind bei ihrer Ankunft auf dem hiesigen Bahnhofe gestern Verhaftungen vorginiommen worden; auch wurden sie in Eisen gelegt. Sie hatten unterwegs Kundgebungen veranstaltet, ferner die Fenster der Eisenbahnwagen zerschlagen und die Sitzbänke zerstört und sonstigen Unsug getrieben.
Petersburg, 6. Okt. Der englische General French trifft in der nächsten Woche in Petersburg ein. Sein Besuch ist auf 2 bis 3 Tage berechnet. Soviel bisher verlautet, soll der General in offizieller Mission kommen.
London, 6. Okt. Mit dem lenkbaren Militär- Ballon soll der „Daily Mail" zufolge eine Fahrt von Farnborough nach Windsor ausgeführt werden, wenn K a i s e r W i l h e l m a l s G a st i m k ö n i g l i ch e n S ch l o ß weilt. Das Luftschiff soll den Herrschern dort vorgejührt werden. Es soll um das Schloß kreisen, sich langsam in den Park herablassen und nach der Besichtigung durch die königlichen 5)errschasten wieder aufsteigen und nach Farnborough zurücksliegen.
— DaS „Bert. Tgbl." meldet aus New York: Aus Befehl des Präsidenten Roosevelt verständigte der Kriegs- etretär Taft die japaliijche Regierung^ die Vereinigten Staaten hielten unverändert an der Ausschließung der japanischen Arbeiter fest, es sei denn, daß Japatl sich bereit erklärte, auf einen vejonderen Vertrag über die Ausschließung emzugehen. Der Kongreß wird sich demnächst mit der gesetzlichen Regelung dieser Frage befassen.
Marokko.
Madrid, 6. Olt. Die Neibungen zwischen Frankreich und Spanien wegen der marokkanischen Angelegenheit werden immer ärger. In scharfen Worien rügt die spanische Presse aufs neue die Wictzcleien von Casablanca und erklärt unumwunden, daß Spanien nicht geneigt sei, Vorschubdicnste zu leisten, wenn Frankreich gewillt fei, das Algeciras-Abkommen zu übertreten; cs solle die Verantwortung dafür allein übernehmen. „Liberal" erhebt entrüstet Einspruch dagegen, daß spanische Häfen zur Verhütung des marokkanischen Waffenschmuggcls von Frankreich bewacht werden sollten.
Paris, 5. Okt. Die „Agence Fournier" veröffentlicht aus London folgende Meldung, die noch der Bestätigung bedarf. Einem amtlichen CommuniquH zufolge sei es wegen deL Konfliktes zwischen dem General Drude und dem spani- chen Truppen-Kommandanten sehr wahrscheinlich, daß die panischen Truppen aus Bkarokko zurückgezogen werden und daß das französische Militär allein in Nkarokko verbleiben würde. Durch diese Zurückziehung würden jedoch die spanischen Interessen in Marokko keine Einbuße erleiden.
Tanger, 6. Okt. Der Panzerkreuzer „Scanne d'Arc" ist mit dem Gesandten Negnault an Bord heute vormittag in Rabat eingetroffen.
Anslano.
Wien, 6. Okt. Die passive Resistenz unter den Eisenbahnangestellten dauert fort. Auf dem Norbwestbahn- hofe kamen heute die Güterzüge mit 8 bis 10 und die Person en ^üge mit 3 bis 4 Stunden Verspätung an. Auch die Abfahrt der Züge verspätete sich. Mit noch größerer Verspätung treffen die Züge der Staatseisenbahngesellschaft ein. Heute vormittag begaben sich Abordnungen der Eisenbahnbediensteten der 'Nordwestbahu und der Staatseisenbahngesellschaft zu ihren Direktoren, um ihre Einwendungen gegenüber den Zugeständnissen der Verwaltungen vorzubringen. Es verlautet, daß die Verhandlungen der Bediensteten der Staatseisenbahngesellschaft mit ihrem Direktor einen sehr befriedigenden Fortgang nahmen.
B u d a p e st, 6. Okt. Trotz aller offiziellen Dementi sind die Aiagazinarbeiter der ungarischen Staatsbahn in die passive Resistenz eingetreten. Ebenso- wollen heute die Metallarbeiter der Bahnhos-Werkstätte den Streik beginnen.
Haag, 6. Okt. Die Haager Friedenskonferenz hat die ersten beiden generellen Artikel des Entwurfs zum obligatorischen Schiedsgericht mit 30 Stimmen gegen 6, darunter Deutschland, angenommen.
Paris, 6. Okt. Doktor Ferrvul ist gestern zum Bürgermeister von Narbonne gewählt worden. Ferroul hat bekanntlich während der Winzertnsis eine führende Rolle gespielt. _
— Gestern abend sand einMeetinggegendre Marokko-Expedition statt, worin bekanntlich der aus- aewiesene spanische Sozialist Iglesias das Wort ergreifen sollte. Paul Lafargue führte den Vorsitz und erhob ener- ^ischeu Einspruch, gegen die Ausweisung Iglesias. Ver-
M. H. Goslar und Wiesbaden! In Goslar war die Sig^» natur: Zentrum war Trumpf, und das Mißbehagen, daß dem so war, lagerte auch vor allem auf unseren Reihen. (Zustimmung.) Unsere Parteitage waren vielfach erfüllt von Er-- örtenmgen über die Finanzreform und über das preußische Schulgesetz. Wir hatten vielfach unerquickliche Erörterungen, in denen die Geister hart aufeinander platzten. Und doch lagerte auch auf dem letzten Parteitage die Ueberzeugung, daß wir einig auseinandergehen müssen. Und das hat die offene Aussprache in Goslar uns auch gebracht. Und als über Nacht die Neuwahlen kamen, hat sich gezeigt, daß wir die Schwierigte-twa überwunden haben. So vermochten wir siegreich in diesem Wahlkampf vorwärts zu gehen.
Heute stehen wir im Zeichen^der Blockpolitik. Unerwartet sind die Neuwahlen gekommen. Sie haben eine Niederlage ber Sozialdemokratie gebracht, einen Dampfer auf den sozialdemokratischen Uebermut (Lebh. Beifall!), der sich in jenen Zeiten des Goslarer Parteitages geltend machte angesichts der Erfolge der Sozialdemokratie bei den Wahlen 1003. Der Uebermut wurde gedänwft. Die Wahlen haben uns nicht gebracht eine Niederlage des Zentrums, aber da dessen Alliierter -ufs Haupt geschlagm wurde, war auch der Einfluß des Zmtrarns gebrochen unb die Blockpolitik ist geboren worden. Eine schmerzliche Veränderung hatte uns die Wahl in Wiesbaden gebracht. Das ist kein Ruhmesblatt in der Geschichte des Zentrums unb in den pistsöa- lichen Lebensermneruugen des Herrn Müller-Fulda. ^Veisall.) Von Fulda ist damals das Flugblatt ergangen, für die Stichwahl keine Stimme für die liberalen Abgeordneten, weit jede Stärkung des Liberalismus die Gefahren eines neuen ltulturkampses bringe! Dann auch jenes Flugblatt au5 Hanau, worin es heißt, daß die Nationalliberalen die Parole ausgegeben haben ^sollen, in allen Wahlkreisen gegen das Zentrum und für die Soziale demokratie. Ich brauche hier nur entgegenzuhalten die Tatsache, daß die Zentrumsabgeordneten in Köln nsw. nur durch die Unterstützung der Liberalen gewählt worden sind. Da nun Herrn Müller- Fulda Unwahrheit vcrgeworfen wurde, hat er diesen öffentlichen Vorwurf auf sich sitzen lassen und ist der Klage aus dem Wege


